Lade Inhalt...

Den Morgenblic, Wolfram von Eschenbach

Hausarbeit 2006 17 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Übersetzung „Den morgenblic“

2. Interpretation

3. Das Tagelied- der Zusammenhang zum Minnesang und W. v. Eschenbach als Gestalter des Tagelieds
3.1 Der Minnesang
3.2 Das Tagelied im Vergleich zum Minnesang
3.3 Wolfram von Eschenbach als Gestalter des Tagelieds

4. Wolfram von Eschenbach, sein Leben und seine Werke

5. Literaturverzeichnis

1. Übersetzung „Den morgenblic“

Strophe 1:

Beim Gesang eines Wächters nahm
eine Herrin das erste Morgenlicht wahr
als sie heimlich in den Armen Ihres werten Geliebten Arme lag.
Da hat sie von der Freude viel verloren.
Deshalb mussten sich ihre heiteren[1] Augen
abermals mit Tränen füllen. Sie sprach: „Ach Tag!
Alles, was lebt, freut sich deiner
und verlangt, dich zu sehen – nur ich allein nicht. Was soll aus mir werden? Nun kann mein Geliebter nicht länger hier bei mir bleiben: dein Licht jagt ihn fort von mir.“

Strophe 2:

Der Tag drang mit ganzer Kraft durch die Fenster.
Viele Riegel haben sie verschlossen.
Das half nicht: Das machte ihnen Angst.
Die Geliebte drückte den Geliebten fest an sich.
Ihre Augen benetzten
beiden die Wangen. Sie sagte zu ihm:
„Zwei Herzen und nur einen Körper haben wir.
Untrennbar bleiben wir durch Treue miteinander verbunden.
Der großen Lust bin ich ganz ergeben,
wenn du zu mir kommst und ich zu dir.“

Strophe 3:

Der Mann nahm voller Trauer bald entschlossen Abschied.
Ihre hellen glatten Körper
kamen sich noch einmal ganz nah, obwohl der Tag anbrach.
Weinende Augen – zärtlicher Kuss der Geliebten!
So konnten sie doch
Ihre Münder, ihre Brüste, ihre Arme, ihre weißen Beine ineinander verflechten.
Welch Maler, der darstellen wollte,
wie ineinander verbunden sie dort lagen –wäre damit überfordert.
obwohl ihre Liebe doch viel Gefahr mit sich trug,
gaben sie sich ganz einander hin.

2. Interpretation

Das Tagelied „den morgenblic“ von Wolfram von Eschenbach handelt von einem heimlichen Liebespaar das sich nach einer gemeinsamen Nacht bei Tagesanbruch trennen muss, damit es unentdeckt bleibt. Das Lied ist in drei Strophen geteilt, welche aus je zehn Zeilen bestehen, jede Zeile beginnt mit kennzeichnenden Substantiven: „Den morgenblic“(Strophe 1, Z. 1), „Der tac“(Strophe 2, Z. 1) und „Der man“(Strophe 3, Z.1). Als Erzähltempus wird das Präteritum gewählt um eine betrachtende Distanz zu erzeugen. Das regelmäßige Reimschema des Liedes ist abcabc/deed. Es hat eine unregelmäßige Metrik, es muss dabei bedacht werden, dass es sich um ein Lied handelt, das gesungen und nicht vorgelesen wurde. Das Lied ist stilistisch unter anderem durch Enjambements geprägt (z.B. Z. 1-2, Z. 15-16).

Zeitliche Einordnung: Die Tageszeit zu der das Lied spielt ist der frühe Morgen, es dämmert (Z. 1). Zur Jahreszeit sowie zur historischen Zeit ist keine Aussage möglich, da keine Andeutungen darüber gemacht werden, zudem scheint das Lied historisch gesehen allgemein anwendbar zu sein. Das Alter in dem sich die Figuren befinden ist ebenso nicht eindeutig zu bestimmen, aber es scheint, als ob mindestens eine der beiden Hauptfiguren bereits verheiratet ist. Zu den Personen ist zu sagen, dass es sich um ein heimliches (Z. 3) Liebespaar, einer Frau und einen Mann, handelt, beide Figuren scheinen von hohem Stand zu sein, da es sich um einen „werten Mann“ (Z. 3) und um eine „frouwe“[2] (Z. 2) handelt. Diese Standesgleichheit scheint aber nicht relevant für die Anerkennung der Liebesbeziehung durch die Gesellschaft zu sein. Es liegt nahe, dass es sich um verheiratete Leute handelt und in diesem Fall um Ehebruch. Das Paar hat eine gemeinsame, verbotene Nacht miteinander verbracht und muss sich bei Tagesanbruch (Z. 10) trennen um nicht entdeckt zu werden. Zum Abschied geben sich beide ein letztes Mal ihrer Liebe hin.

[...]


[1] „liehtiu“ kann ebenso wie mit „heiter“ auch mit „klar“ übersetzt werden, ich habe diese Übersetzung gewählt, da es mit sinnvoller erscheint, dass die Herrin nach einer gemeinsamen Nacht mit ihrem Geliebten heitere Augen hat als klare.

[2] „frouwe“ bezeichnet eine edle Dame von hohem Stand, gleichgültig ob diese verheiratet ist. vgl. http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/bmz/wbgui?lemid=BV02456 vom 30.07.2006

Details

Seiten
17
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638605694
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v67886
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Philosophisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Morgenblic Wolfram Eschenbach Einführung Mittelhochdeutsche

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Den Morgenblic, Wolfram von Eschenbach