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Elfenbeinturmgelehrsamkeit und Geldsackgesinnung? Gesellschaftskritik in Fontanes "Frau Jenny Treibel"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 30 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kommerzienrätin Jenny Treibel
2.1 Herkunft und Erziehung
2.2 Frau Kommerzienrätin vs. Jenny Bürstenbinder
2.3 Die sentimentale Herzlose

3. Kommerzienrat Treibel
3.1 Der Dilettant
3.2 Kritische Ironie ohne Konsequenz

4. Professor Willibald Schmidt
4.1 Der selbstironische Professor
4.2 Kategorischer Imperativ ???
4.3 Das Höhere
4.4 Alles Unsinn?

5. Corinna
5.1 Des Vaters Tochter?
5.2 Auf zu „fernen, glücklichen Küsten“

6. Schlußbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In seinem 1892 erstmals erschienenen Roman „Frau Jenny Treibel oder ‚Wo sich Herz zum Herzen findt’“[1] stellt Fontane die deutsche, im speziellen die Berliner, Gesellschaft vor dem Hintergrund der Veränderungen im Bewußtsein des Bürgertums und seiner Lebensart, als Folge der sozialen und wirtschaftlichen Einflüsse der Gründung des Deutschen Reiches, dar.

Innerhalb des Bürgertums kam es mit der fortschreitenden Industrialisierung zu einer Gewichtsverschiebung der verschiedenen Gruppierungen. War es vorher das Bildungsbürgertum, das das Bild des deutschen Bürgertums geprägt hatte, so waren es nun Wirtschaftbürger, die sowohl zahlenmäßig als auch bezüglich ihrer ökonomischen Macht an Bedeutung zunahmen.

Im Machtgefüge des neu vereinten Staates blieb das Bürgertum allerdings von der Teilnahme an politischen Entscheidungen ausgeschlossen. Während sich das Bildungsbürgertum von der Politik fernhielt[2], sehnte sich das Wirtschaftsbürgertum nach politischer Macht und es versuchte dies zu erreichen, indem es sich verstärkt in seinen Denk- und Lebensformen dem Adel anpaßte. Durch diese „Aristokratisierung“ wollte man den neuen Führungsfunktionen, auf die man ja hoffte, gewachsen sein.[3] Diese Übernahme „fremder“ Lebensarten muß als Lernprozeß verstanden werden, in dem die früheren Werte und Vorstellungen des eigenen Standes aufgegeben wurden.[4] Diese innere Abkehr von den frühbürgerlichen Idealen ließ sie zu lediglich statischen Bildungsgütern verkommen und führte zum Rückgang der bildungsbürgerlichen kulturellen Integrationskraft.[5] Im Ergebnis verlor das Bildungsbürgertum also ihre Führung, die es im geistigen und kulturellen Leben bisher besessen hatte.[6]

Fontane stellt in seinem Roman diese Verschiebung innerhalb des Bürgertums, also der Gegensatz von Besitz- und Bildungsbürgertum, als soziale und kulturelle Wirklichkeit in die Mitte der Handlung, denn hier treffen Vertreter beider Seiten aufeinander.[7] Die gesellschaftskritische Aussage wurde von Fontane selbst in seinem vielzitierten Brief an seinen Sohn festgelegt, demnach der Roman „das Hohle, phrasenhafte, Lügnerische, Hochmütige, Hartherzige des Bourgeoisstandpunkts“[8] aufzeigen soll.[9]

Wie stets ist es nicht Fontanes Ziel, bloß individuelle Charaktere darstellen zu wollen, vielmehr sollen sie als Produkte ihrer Gesellschaft gezeigt werden. Dabei verfährt er ganz nach dem Standpunkt seines Professors Schmidt, daß nicht das Große sondern das Kleine und Nebensächliche von Bedeutung ist, natürlich nur, wenn auch etwas „drinstecke“[10]. Die Vertreter der Bourgeoisie und des Bildungsbürgertums werden nicht in den gesamtgesellschaftlichen Raum gestellt, sondern in eine übersichtliche Enklave, die kaum über das Familiäre hinausgeht. Dagegen führt er bei seiner Gesellschaftsschilderung, vor allem in den Gesprächen und Reden der Protagonisten, unzählige Einzelheiten und scheinbare Nebensächlichkeiten auf, die jedoch Aspekte der zeitgeschichtlicher Wirklichkeit sind, und läßt so das Bild der kapitalistischen Epoche im Berlin nach 1870 entstehen.[11]

Wenig passiert auch hier, wie in den meisten Erzählungen Fontanes. Ein einziges Ereignis, nämlich die Verlobung Corinna Schmidts mit Leopold Treibel, dient zur Veranschaulichung der Verhaltensmuster der Figuren. Der aus dem Verlöbnis entstehende Konflikt führt in diesem Roman allerdings nicht zu einer Tragödie, vielmehr wird hier auf komödiantische Weise erzählt. Am Ende löst sich alles zumindest scheinbar in Wohlgefallen auf und die Beteiligten überstehen die ganze Episode ohne schwerwiegende Schäden.

Es stellt nun sich folgende Frage: gilt die Hauptkritik nur dem Besitzbürgertum, wie von der Forschung meist behauptet wird und wie auch die Zeitgenossen Fontanes annahmen?[12] Tatsächlich wird die Titelfigur rücksichtslos als das vorgeführt, was sie auch ist: „Ein Musterstück einer Bourgeoise“[13]. Aber ist Willibald Schmidt wirklich als das positive Gegenstück von ihr zu verstehen? Oder doch eher seine Tochter Corinna? Wie steht es mit dem Fabrikanten Treibel? Obwohl auch er zweifellos ein Bourgeois ist, scheint er wesentlich sympathischer als seine Frau. Kann man die Figuren überhaupt in dieses „Schwarz-Weiß-Muster“ einordnen?

Um eine Antwort zu finden, sollen im Folgenden diese vier Hauptfiguren genauer untersucht werden.[14]

2. Kommerzienrätin Jenny Treibel

Im Zuge der Industrialisierung entstand auch die Vorstellung der Privatsphäre, in der das Leben in der Familie stattfand.[15] Die Ausgestaltung dieses intimen Bereiches wurde natürlich durch die ökonomische Sicherheit erst ermöglicht. Mit dieser Entwicklung ging die Konzentration auf Gefühl und Empfindung Hand in Hand. Fontane kehrt die Verlogenheit dieses sentimentalen Gebarens rücksichtslos an seiner Titelfigur Jenny Treibel ans Licht.[16]

2.1 Herkunft und Erziehung

Der Beginn des Romans zeigt uns Jenny nicht nur als Vertreterin des Besitzbürgertums, sondern macht auch deutlich, woher die Dame ursprünglich stammt. Durch den Geruch von „Rührkartoffeln und Karbonade [...], beides mit Seifenwrasen untermischt“[17], den sie vor Schmidts Wohnungstür vernimmt, wird sie an ihr vergangenes Leben in jener Adlerstrasse erinnert, wo sie im Materialwarenladen ihres Vaters „kleine und große Düten geklebt hatte“[18].

Von ihren Eltern erfährt man wenig, doch die Informationen, die man erhält sind bedeutend. Das Bestreben des Vaters, ihr den Umgang mit Geld beizubringen, läßt darauf schließen, daß die Wertschätzung des Materiellen eine zentrale Stellung in seinem Erziehungsprogramm eingenommen hat. Die Mutter hingegen hat ihren Schwerpunkt offensichtlich auf Äußerlichkeiten angelegt, denn: „[...] soviel sie sonst zu tun hatte“ wickelte sie der jungen Jenny stets ihr kastanienbraunes Haar „mit rührender Sorgfalt“ zu Locken und putzte „das Püppchen drüben im Apfelsinenladen“ immer hübsch heraus.[19] Jenny ist ganz den von ihren Eltern vorhergesehenen Weg gegangen, denn obwohl sie schon, im Stillen wenigstens, mit dem jungen Willibald Schmidt verlobt war, kokettierte sie mit jedem, der den Laden betrat, bis sie schließlich den Industriellensohn Treibel heiratete, der über handfestes Kapital verfügte.[20] Da half es Willibald nichts, daß Jenny ihn für ein „Juwel“[21] hält, denn:

„Meine Mutter, wofür ich ihr noch im Grabe danke, war immer für die besseren Klassen.“[22].

Ihren Eltern lag anscheinend wenig an der Förderung ihrer intellektuellen Fähigkeiten[23], was der Grund sein mag, daß zum Beispiel der Besuch des englischen Gastes Nelson sie durchaus in eine schwierige Situation bringt, aus der sie sich jedoch spielend herausmanövriert: sie „engagiert“ Corinna, denn diese „[spricht] englisch und [hat] alles gelesen und [hat] vorigen Winter auch Mister Booth als Hamlet gesehen“[24], zudem ist sie sicherlich in englischer Politik und Geschichte bewandert.

Natürlich ist Frau Treibel weit davon entfernt, offen ihre Mängel zuzugeben, vielmehr werden sie verklausuliert eingestanden. Der „Himmel“ hat ihr dankbarer Weise „das Herz für das Poetische gegeben“, wäre dem nicht so, dann hätte sie „nichts gelernt und wüßte nichts“. Aber sie hat sich an der Lektüre von Gedichten „herangebildet“, und weiß jetzt „so manches“[25]. Aber sie schränkt ihr Wissen sogleich wieder ein, indem sie zugibt, das Meiste nur auswendig gelernt zu haben, was ja keineswegs darauf schließen läßt, daß sie die Texte auch in seiner Bedeutung verstanden hat, sondern das sie lediglich in der Lage war den Wortlaut zu begreifen.[26] Jenny bevorzugt eindeutig nur Liebeslyrik und Balladen, aus denen sowohl ihre Sentimentalität und auch ihr Pathos ihre Nahrung ziehen, besonders dann, wenn jene Stücke sich mit Musik verbinden:

„Am reinsten aber hab’ ich das Ideal im Liede, vor allem in dem Liede, das gesungen wird. Denn die Musik hebt es noch in eine höhere Sphäre.“[27].

Hier stellt Fontane neben der Reduzierung von Bildung, beziehungsweise Wissen, als schmückende Dekoration auch die eigentümliche Rolle der Kunst in der Welt der Bourgeoisie dar.[28]

2.2 Frau Kommerzienrätin vs. Jenny Bürstenbinder

Jenny gefällt sich in der Rolle der anspruchsvollen Gebildeten. Doch besonders ihre Sprache entlarvt den Anspruch als bloßen Wunsch. Ihre Wortwahl verrät die in ihr steckende Jenny Bürstenbinder:

„Aber ein unbedeutendes Ding, das nichts kennt, als mit Ponys nach Blankenese fahren, und sich einbildet, mit einem Goldfaden in der Plattstichnadel eine Wirtschaft führen oder wohl gar Kinder erziehen zu können, und ganz ernsthaft glaubt, daß wir hierzulande nicht einmal eine Seezunge von einem Steinbutt unterscheiden können, und immer von Lobster spricht, wo wir Hummer sagen, und Curry-Powder und Soja wie höhere Geheimnisse behandelt, - ein solcher eingebildeter Quack, lieber Willibald, das ist nichts für meinen Leopold.“[29]

Die endlose Tirade gegen eine weitere Hamburger Schwiegertochter endet in dem ziemlich ernüchternden „Quack“. Jenny fällt öfter aus ihrer gehobenen Sprachebene, in der neben gekünstelten Formulierungen und Metaphern plötzlich Berolinismen[30] und drastische Vergleiche stehen, wie folgende Beispiele zeigen: „Ich weiß nicht, wo diese beiden Jungen diese Milchsuppenherrschaft herhaben“[31], „[...] die Treibels wachsen nicht auf Bäumen und können nicht von jedem, der vorbeigeht, heruntergeschüttelt werden.“[32]

Dem Wechsel der Sprachebene entspricht auch ein verändertes Verhalten, was besonders in jener Szene bei der Landpartie, aus der das oben Zitierte stammt, deutlich wird, in der Schmidt auf eine mögliche Verbindung Leopolds mit Helenes Schwester anspielt, worauf Jenny „plötzlich aus dem sentimental Schwärmerischen in den Ton ausgesprochenster Wirklichkeit“ fällt:

„‘Wer sagt das? [...] Sie können gar nicht ahnen, Freund, wie mich das alles reizt. Das ist so die seitens des Holzhofs beliebte Art, mir die Dinge über den Kopf weg zu nehmen. Sie lieber Schmidt, sprechen nach, was Sie hören, aber die, die solche Dinge wie von ungefähr unter die Leute bringen, mit denen hab ich ernstlich ein Hühnchen zu pflücken. Es ist eine Insolenz. Und Helene mag sich vorsehen.“[33]

Deutlicher kann nicht gezeigt werden, was wirklich von Jennys distinguiertem Benehmen zu halten ist. Sobald sie sich in ihrem Herrschaftsraum und in ihren Interessen bedroht sieht, läßt sie sich sogar zu recht derben Drohungen herab und zeigt ihr wahres Gesicht. Sie ist in solchen Situationen nicht mehr in der Lage, den fundamentalen Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu verschleiern.[34]

2.3 Die sentimentale Herzlose

Jenny Treibels stetige Anpreisungen des Idealen finden ihren Höhepunkt in ihren, zu jeder Gelegenheit stattfindenden, Vorführungen des sentimentalen Liedes, daß der junge Schmidt einst für sie verfaßt hat. Als Zeichen für Jennys falschen Sinn für das Höhere, kann ihre Herauslösung des Liebesbekenntnisses aus seinem Entstehungskontext verstanden werden, wie ihre erste Reaktion auf das Gedicht bereits zeigt, an die sich der Professor erinnert:

[...]


[1] Fontane, Theodor: Frau Jenny Treibel oder „Wo sich Herz zum Herzen findt“, in: ders.: Werke in fünf Bänden, Bd. 3, Berlin und Weimar 1977.

[2] „Corinna, wenn ich nicht Professor wäre, so würd ich am Ende Sozialdemokrat.“ (Fontane, S. 342f.) Dieser Ausspruch Schmidts zeigt, daß er sich aufgrund seiner Zugehörigkeit zum Bildungsbürgertum keiner politischen Partei anschließt, ganz so, als könne man nur eines sein: Professor oder Sozialdemokrat.

[3] Die Folge diese Anpassung war, daß die Neureichen sich noch stolzer und standesbewußter aufführten als die adligen Familien. (Roch, Herbert: Fontane. Berlin und das 19. Jahrhundert, Düsseldorf 1985 [= Nachdruck der 1. Ausgabe von 1962], S. 256.)

[4] Das frühbürgerliche Bewußtsein zeigte stets seinen progressiven Charakter, wenn es sich praktisch mit Institutionen und Autoritäten auseinandersetzen mußte, deren Interessen nicht mehr mit den Anforderungen des gesamtgesellschaftlichen Lebens übereinstimmten. Sein Ziel war vor allem, das herrschende Prinzip der Geltung in der Gesellschaft aus bloßer Tradition – aus Abstammung, Gewohnheit, Alter – abzubauen und ihm die Idee des autonomen, vernünftigen Individuums entgegenzuhalten. Kurz gesagt: man kämpfte gegen den Adel und deren Privilegien. Die „Befreiung von den Fesseln der Bevormundung“ gelang jedoch nur teilweise, da die (vor allem ökonomischen) Voraussetzungen ungleich waren und nicht jeder dem Aufruf zur Selbstbestimmung folgen konnte. Vielmehr mußte sich die große Masse den tatsächlichen Zuständen fügen. Daraus entstand ein grundsätzlicher Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit, der auch ein zentrales Thema des Romans ist. (Schäfer, Rudolf: Theodor Fontane. Unterm Birnbaum, Frau Jenny Treibel. Interpretationen [= Interpretationen für Schule und Studium, hrsgg. v. Rupert Hirschenauer u. Albrecht Weber], München 1985, S. 97)

[5] Bae, Jeong-Hee: Th. Fontanes Frau Jenny Treibel oder “Wo sich Herz zum Herzen find’t“ (1892), in: ders.: Erfahrung der Moderne und Formen des realistischen Romans. Eine Untersuchung zu soziogenetischen und romanpoetologischen Aspekten in den späten Romanen von Raabe, Fontane und Keller (= Epistemata, Bd. 288), Würzburg 2000, S. 81f.

[6] Bae, S. 81.

[7] Jenny Treibel und Professor Schmidt werden auch gleich zu Beginn des Romans als Symbole ihrer sozialen Positionen kenntlich gemacht: sie läßt sich mit ihrem Bolognesehündchen in einem Wagen vorfahren, während sein „grünes, knittriges Blechschild“ seinen Namen und Titel kaum noch erkennen läßt. (Fontane, S. 177)

[8] Brief an Sohn Theodor vom 9.5.1888, in: Theodor Fontane, Werke, Schriften und Briefe, hrsgg. v. W. Keitel und H. Nürnberger, Abt. IV: Briefe 3. Bd. 1879-1889 (1980), S. 601.

[9] Joch, Markus: Auf Sie und Sie mit der dominanten Fraktion. Ein sozialanalytischer Nachtrag zu 'Frau Jenny Treibel', in: Fontane-Blätter 71 (2001), S. 50; Grevel, Liselotte: Frau Jenny Treibel. Zum Dilemma de Bürgertums in der Wilhelminischen Ära, in: ZfdPh 108 (1989), S. 179.

[10] Fontane, S. 245.

[11] Müller-Seidel, Walter: Besitz u. Bildung. Über Fontanes Roman "Frau Jenny Treibel", in: Fontanes Realismus. Wissenschaftliche Konferenz zum 150. Geburtstag Theodor Fontanes in Potsdam, Berlin 1972, S. 134; Grieve, H.: Frau Jenny Treibel und Frau Wilhelmine Buchholz: Fontanes Roman und die Berliner Populärliteratur, in: Formen realistischer Erzählkunst. Festschrift for Charlotte Jolles, hrsg. v. Jörg Thunecke, Nottingham 1979, S. 535; Schäfer, S. 103f.

[12] So zum Beispiel eine Rezension aus dem Jahre 1892: „Das Leben und Treiben gewisser Bourgeoiskreise in Berlin hat sich Fontane im neuesten Erzeugnisse seiner Muse, man könnte fast sagen, zur Zielscheibe seiner humoristisch-satirischen Behandlung gewählt und das Leben einer in den Mitteln beschränkten, aber durch ideale und gemüthvolle Lebensanschauung gediegenen Gymnasialoberlehrerfamilie als Gegenstück hingestellt. […].“ (H. Fechner. Neue Romane und Novellen, in: Schlesische Zeitung, 1892 Nr. 85, zit. nach: Wagner, Walter (Hrsg.): Theodor Fontane: "Frau Jenny Treibel". Erläuterungen und Dokumente, Stuttgart 1976, S. 67.)

[13] Fontane, S. 186.

[14] Selbstverständlich spielen alle Figuren im Roman eine Rolle für Fontanes Gesellschaftskritik, damit ein vollständiges Bild der zeitgenössischen Realität entsteht, aber aufgrund der Kürze dieser Arbeit, kann nicht auf alle angemessen eingegangen werden.

[15] Bereits das Fehlen der Mutter in der Familie Schmidt zeigt, daß man hier weit vom zeitgenössischen Ideal einer bürgerlichen, ins Private zurückgezogenen, Familie entfernt ist. Auch hier stehen sie im Gegensatz zu den Treibels.

[16] Bae, S. 84.

[17] Fontane, S. 178.

[18] ebd.

[19] Fontane, S. 180, 186.

[20] Fontane, S. 255.

[21] Fontane, S. 183.

[22] Fontane, S. 200.

[23] Doch immerhin sah Jennys Mutter die „Leserei“ ihrer Tochter positiv, denn: „[...] die besseren Klassen lesen [...] alle“. (ebd.)

[24] Fontane, S. 182.

[25] Fontane, S. 182.

Es sei jedoch darauf hingewiesen, daß Jenny keineswegs dumm ist, sie ist lediglich und vor allem im Vergleich zu ihrem Anspruch ungebildet.

[26] Die Ausnahme bilden die Gedichte Herweghs, für den sie seit jeher geschwärmt hat und über den sie mit ihrem Gast Lieutenant Vogelsang beinahe in Streit gerät: „Ach, da treffen Sie mich, [...] an einer sehr empfindlichen Stelle.“ (Fontane, S. 200)

[27] Fontane, S. 202.

[28] Auch Treibel bedient sich gerne der deutschen Klassiker, so hat er zum Bespiel stets seinen Schiller parat, dessen Zitate er zweifellos aus dem „Sprach- und Bilderschatz deutscher Nation“ entnommen hat (Lady Milford, S. 214; Tell, S. 284), und die er trotzdem nicht wortgetreu zitiert, sondern, eigentlich kreativ, der jeweiligen Situation anpaßt. Außerdem schmückt er seine Sätze gerne mit Fremdwörtern („Nun sehen Sie, l’appétit vient en maneant, und wer A sagt, will auch B sagen.“, S. 204) und mit historischen Entlehnungen („[...] eine richtige kleine Genoveva auszubilden oder eine kleine keusche Susanna [...] oder wenn alles ganz ernsthaft darauf hinausliefe [...] einen Abklatsch der heiligen Elisabeth herzustellen [...]“, S. 287). Die Redensweise Treibels hat stets etwas dekoratives, aber er redet keineswegs unsinniges Zeug, wie zuweilen seine Gattin. (Schäfer, S. 151ff, 130f.; Grieve, S. 540.)

[29] Fontane, S. 302 (Hervorhebung von mir)

[30] Diese finden sich auch in Treibels Sprachgebaren („[...] um es berlinisch zu sagen, ihren uns aufgepuckelten Ehrengast [...]“ (Fontane, S. 259)

[31] Fontane, S. 262.

[32] Fontane, S. 324.

[33] Fontane, S. 300f.

[34] Garland, Henry: Frau Jenny Treibel, in: ders.: The Berlin novels of Theodor Fontane, Oxford 1980, S. 148f.; Schäfer, S. 134.

Details

Seiten
30
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638605335
ISBN (Buch)
9783656133049
Dateigröße
633 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v67815
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,0
Schlagworte
Elfenbeinturmgelehrsamkeit Geldsackgesinnung Gesellschaftskritik Fontanes Frau Jenny Treibel

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