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Die Grundlagen der Bildungstheoretischen Didaktik und ihre Weiterentwicklung zur Kritisch-konstruktiven Didaktik

Hausarbeit 2006 24 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zu den Autoren

3. Die Bildungstheoretische Didaktik
3.1. Charakteristika der klassischen Bildungstheorie
3.2. Materiale und formale Bildungstheorie
3.3. Das Elementare, Fundamentale und Exemplarische
3.4. Bildungsinhalt und Bildungsgehalt

4. Die didaktische Analyse
4.1. Die fünf Grundfragen der didaktischen Analyse
4.2. Die Didaktische Analyse anhand eines Beispiels

5. Die Sachanalyse
5.1. Ein Lösungsvorschlag

6. Die Kritisch-konstruktive Didaktik
6.1. Das Perspektivschema

7. Die Allgemeinbildung

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser schriftlichen Ausarbeitung beschäftige ich mich mit der Bildungstheoretischen Didaktik von Wolfgang Klafki sowie seine Weiterentwicklung zur Kritisch-konstruktiven Didaktik.

Klafki hat zu Beginn der 60er Jahre einen Praxisleitfaden zur Unterrichtsvorbereitung entwickelt. Dabei wurde er von dem Pädagogen Wolfgang Kramp unterstützt.

In dem zweiten Kapitel werde ich diese beiden Autoren kurz vorstellen und im dritten die Grundlagen der Bildungstheoretische Didaktik.

Im Anschluss daran, werde ich die Didaktische Analyse vorstellen. Sie ist für die Unterrichtsvorbereitung von entscheidender Bedeutung und deswegen werde ich sie anhand eines Beispiels erläutern.

Im sechsten Kapitel gehe ich auf die Kritisch-konstruktive Didaktik ein. Aufgrund der zahlreichen Kritiken hat Klafki die Bildungstheoretische Didaktik weiterentwickelt. Die Veränderungen und vor allem die Beweggründe werde ich in diesem Kapitel näher erläutern.

Im siebten Kapitel werde ich auf den für Klafki bedeutenden Begriff Allgemeinbildung eingehen.

Zum Schluss werde ich alles wichtige noch einmal zusammenfassen und selber dazu Stellung nehmen.

2. Zu den Autoren

Wolfgang Klafki wurde am 01.09.1927 in Ostpreußen geboren. Nach dem 2. Weltkrieg begann er eine Volksschullehrerausbildung an der Pädagogischen Hochschule in Hannover und arbeitete von 1948 bis 1952 als pädagogisch, engagierter Volksschullehrer in Lindhorst und Lüdersfeld bei Hannover. Von 1952 bis 1957 studierte Klafki Pädagogik, Philosophie und Germanistik in Göttingen bei Erich Weniger und in Bonn bei Theodor Litt.

Er arbeitete als wissenschaftlicher Assistent in Münster und Hannover. Seit 1963 lehrt er als Universitätsprofessor an der Philipps-Universität in Marburg.

Ebenfalls war er Leiter des Autorenteam „Funkkolleg Erziehungswissenschaften“, welches für viele Pädagogikstudenten von großer Bedeutung ist. Klafki hat sich zu Beginn der 70er Jahre für die sozialliberale Bildungsreform engagiert und kritisch begleitet. Er bekennt sich zum demokratischen Sozialismus Willi Brandts.

Wolfgang Kramp wurde am 17.02.1927 in Danzig geboren. Nach seinem Studium an der Pädagogischen Hochschule und dem Schuldienst wurde er in den 50er Jahren Assistent in Oldenburg.

In Göttingen promovierte er bei Erich Weniger mit einer nicht veröffentlichen Arbeit über Comenius. Im Jahre 1983 starb Kramp in Düsseldorf, wo er zuvor als Professor für Schulpädagogik tätig war.

3. Die Bildungstheoretische Didaktik

Das Wort Didaktik ist ein Schlüsselbegriff in der Pädagogik. Es wird von dem griechischen Wort „didaktikos“ abgeleitet und bedeutet lehren. Grob betrachtet wird der Begriff als „Lehre vom Lehren und Lernen“ verstanden.

Der Bildungstheoretische Ansatz basiert auf den Begriff der Bildung, die ursprünglich von deutschen Philosophen, wie zum Beispiel Humboldt oder Kant, definiert wurden.

Ein Aspekt der Bildungstheoretischen Didaktik ist also der klassische Bildungsbegriff. In diesem Modell geht es aber nicht um eine spezielle Bildung, sondern um die Allgemeinbildung.

Die Bildungstheoretische Didaktik versucht somit ein Konzept zur Unterrichtsvorbereitung auf der Grundlage einer Theorie der Bildung zu entwickeln.

Klafki hat die Bedeutung des Begriffs Allgemeinbildung untersucht. Diese Ergebnisse bilden die Leitgedanken der Bildungstheoretischen Didaktik. Nach Klafki lautet somit die Leitfrage: „Mit welchen Inhalten und Gegenständen müssen sich junge Menschen auseinandersetzen, um zu einem selbstbestimmten und vernunftgeleiteten Leben in Menschlichkeit, in gegenseitiger Anerkennung und Gerechtigkeit, in Freiheit, Glück und Selbsterfüllung zu kommen?“[1]

Um diese Frage beantworten zu können, formulierte Klafki die Ausgangsthese: „Bildung und Erziehung haben die Aufgabe, dem unmündigen Menschen zur Mündigkeit zu verhelfen.“[2] Diese These ist von Philosophen und Wissenschaftlern sehr umstritten, denn sie sind der Meinung, dass man eine solche Forderung nicht stellen darf.[3]

Ein Problem, welches heutzutage immer noch nicht gelöst wurde, ist die genaue Definition der „Mündigkeit“ bzw. des „Gebildet-Sein“. Es ist problemlos darzustellen was Mündigkeit alles nicht bedeutet, aber eine Übereinstimmung im positiven Sinne konnte noch nicht erzielt werden.

3.1. Charakteristika der klassischen Bildungstheorie:

Die klassische Bildungstheorie weist laut Klafki vier gemeinsame und unverzichtbare Charakteristika auf:

1. Bildung zielt auf die Befähigung zu vernünftiger Selbstbestimmung:

Die Klassiker beschreiben Bildung mit den Begriffen Selbstbestimmung, Freiheit, Autonomie, Mündigkeit und Vernunft. Jeder Mensch muss selber den Weg zu vernünftiger Selbstbestimmung erreichen. Die Vertreter sind der Meinung, dass dieser Weg niemanden vorgeschrieben werden darf. Somit ist der Begriff Selbsttätigkeit ein zentrales Merkmal des Bildungsprozesses.[4]

2. Bildung wird im Rahmen der historisch-gesellschaftlichen-kulturellen Gegebenheiten erworben:

Der Weg zu vernünftiger Selbstbestimmung wird keinem in die Wiege gelegt. Sie wird erworben indem man sich selbsttätig mit der Umwelt auseinander setzt. Das bedeutet, dass man sich zum Beispiel mit den politischen, historischen oder kulturellen Gegebenheiten beschäftigen muss.

Die Vertreter beschreiben dieses mit den Begriffen Humanität, Menschlichkeit und Menschheit, Welt, Objektivität und Allgemeines.[5]

3. Bildung kann jede(r) nur für sich selbst erwerben:

Jeder muss selber den Prozess des Bildungserwerbs durchlaufen. Dies kann ihm keiner abnehmen, sonst wäre es Fremdbestimmung.

4. Der Bildungsprozess erfolgt aber in der Gemeinschaft:

Keiner kann durch Isolation zu vernünftiger Selbstbestimmung gelangen. Deswegen ist es für den Bildungsprozess wichtig, sich mit anderen Menschen auseinander zu setzen. Dies kann auch zum Beispiel durch Erziehung und Unterricht erfolgen.

Zusammengefasst bedeutet dies: „Allgemeinbildung bezeichnet die Fähigkeit eines Menschen, kritisch, sachkompetent, selbstbewusst und solidarisch zu denken und zu handeln.“[6]

Diese Interpretation findet weitestgehend bei den anderen Didaktikern Übereinstimmung.

3.2. Materiale und formale Bildungstheorie

Die Bildungstheorie wird in materiale und formale unterschieden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Darstellung in Anlehnung an: Jank, Werner; Meyer, Hilbert: Didaktische Modelle, 3. Auflage 1994, Frankfurt am Main

Bei der materialen Bildungstheorie geht es insbesondere um den Inhalt, dem den Lernenden beigebracht werden soll.

Sie wird noch einmal untergliedert in Bildungstheoretischen Objektivismus sowie in Bildungstheorie des Klassischen.

Beim Objektivismus geht es insbesondere um objektive Inhalte der Kultur. Die Aufgabe des Lehrers bzw. des Erziehers besteht darin, den Schülern „Kulturgüter, sittliche Werte, ästhetische Gehalte, wissenschaftliche Erkenntnisse...“[7] zu vermitteln. Dem Lernenden soll demzufolge möglichst viel Wissen angeeignet werden.

Bei der Klassischen Bildungstheorie hingegen soll den Lernenden möglichst viel traditionelles und klassisches Wissen beigebracht werden. Er soll sich „mit dem Klassischen des höheren geistigen Lebens, den Sinngebungen, Werte und Leitbilder seines Volkes oder Kulturkreises“[8] beschäftigen und vertraut machen. Mit anderen Worten soll er Goethe, Schiller usw. lesen und sich damit auseinander setzen.

Bei der formalen Bildungstheorie geht es nicht um den Inhalt, sondern um den Lernenden und seine Bedürfnisse. Hier steht das Subjekt im Mittelpunkt aller Überlegungen.

Auch die formale Bildungstheorie teilt sich ebenso wie die vorherige in zwei Untergruppen auf. Zum einen in die Theorie der funktionalen Bildung und zum anderen in die Theorie der methodischen Bildung.

Bei der funktionalen Bildung steht nicht die Aufnahme und Aneignung von Inhalten im Mittelpunkt, sondern die „Formung, Entwicklung, Reifung von körperlichen, seelischen und geistigen Kräften.“[9]

Bei der Theorie der methodischen Bildung geht es um die Methodenkompetenz und ihre Anwendung. „…Methoden, mit Hilfe derer sich der junge Mensch die Fülle der Inhalte zu eigen machen kann, wenn die späteren Lebenssituationen es erfordern.“[10]

Abschließend kann gesagt werden, dass bei der Objektivistische Bildung möglichst viel Wissen relevant ist und bei der Klassischen Bildung um hauptsächlich wichtiges Wissen. Bei der Funktionalen Bildung ist die geistige und körperliche Fähigkeit von großer Bedeutung und bei der methodischen Bildung die Methodenkompetenz.

Klafki kritisierte diese vier Bildungstheorien: „Es genüge nicht, eine Didaktik zu entwickeln, die diese vier Ansätze lediglich additiv nebeneinander stellt, vielmehr müssten alle vier Ausprägungen dialektisch aufeinander bezogen werden.“[11] Die Kategoriale Bildung soll genau dies erreichen. Die objektbezogene Seite soll mit der subjektbezogenen dialektisch verbunden werden. Somit hat sie zwei Bezugspunkte: „Bildung ist kategoriale Bildung im Doppelsinn, dass sich dem Menschen eine Wirklichkeit „kategorial“ erschlossen hat und dass eben damit er selbst – dank der selbstvollzogenen „kategoriale“ Einsichten, Erfahrungen, Erlebnisse – für diese Wirklichkeit erschlossen worden ist.“[12] Im Unterricht sollen die Themen und Inhalte behandelt werden, die dem Schüler allgemeine bzw. exemplarische Einsichten vermitteln werden können. Die Bearbeitung der Unterrichtsinhalte soll dem Schüler die Möglichkeit geben, die so gewonnenen Einsichten selbstständig auf andere, ähnliche Fälle zu übertragen.

3.3. Das Elementare, Fundamentale und Exemplarische

Die Vertreter der Bildungstheoretische Didaktik haben festgestellt, dass nicht alles was gelehrt und gelernt wird, auch bildet. „Vielmehr komme es darauf an, das Verhältnis zwischen dem Besonderen, das der Unterrichtsinhalt darstellt, und dem Allgemeinen, für das er steht, genau zu bestimmen.“[13] Daraufhin wurden von den Bildungstheoretikern drei Begriffe dafür geprägt:

- Das Elementare,
- das Fundamentale,
- das Exemplarische.

[...]


[1] Jank, Werner; Meyer, Hilbert; 1994; S. 137

[2] Ebd. S. 137

[3] Vgl. ebd. S. 137 f

[4] Vgl. Jank, Werner; Meyer, Hilbert; 1994; S. 138

[5] Vgl. ebd. S. 139

[6] Jank, Werner; Meyer, Hilbert; 1994; S. 139

[7] Klafki; 1963; S.28

[8] Ebd. S. 30

[9] Klafki; 1963; S. 33

[10] Ebd. S. 36

[11] Jank, Werner; Meyer, Hilbert; 1994; S. 142

[12] Klafki; 1963; S. 44

[13] Jank, Werner; Meyer, Hilbert; 1994; S. 146

Details

Seiten
24
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638604932
Dateigröße
634 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v67744
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
Keine
Schlagworte
Grundlagen Bildungstheoretischen Didaktik Weiterentwicklung Kritisch-konstruktiven Didaktische Modelle

Autor

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