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Unternehmensethik in internationalen Unternehmen

Seminararbeit 2007 20 Seiten

BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Grundlagen der Ethik und Unternehmensethik
2.1 Der Begriff Ethik
2.2 Definition von Unternehmensethik nach Steinmann
2.3 Funktionen der Unternehmensethik

3. Besonderheiten der internationalen Unternehmensethik
3.1 Notwendigkeit einer internationalen Unternehmensethik
3.2 Potentielle Konflikte internationaler Unternehmen
3.3 Überbrückungsmechanismen interkultureller Differenzen
3.3.1 Universalismus
3.3.2 Relativismus
3.3.3 Kulturalismus
3.4 Intraorganisatorische Konflikte
3.5 Interorganisatorische Konflikte
3.6 Der Fall: Shell
3.7 Lösungsansätze ethischer Konflikte
3.7.1 Compliance Management
3.7.2 Der Integritäts-Ansatz
3.7.3 Das Konzept der Quasi-Regulierung

4. Implementierung von Sozialstandards auf internationaler Ebene durch Social Accountability 8000

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Interesse an Unternehmensethik ist in den letzten Jahrzehnten erheblich gestiegen. Zurückzuführen ist dies vor allem auf ein wachsendes Problembewusstsein einer breiten Öffentlichkeit, womit auch das Interesse der Gesellschaft an den Wirkungen unternehmerischen Handelns gestiegen ist.1 „Beispiele wie Shell (Brent Spar), Nike (Arbeitsbedingungen bei den Lieferanten), Telekom (Gehaltserhöhung der Vorstände), Mannesmann (Abfindung von Topmanagern) oder Enron (Bilanzierungstricks) zeigen, dass in der Öffentlichkeit unternehmerische Handlungen zunehmend kritisch reflektiert werden.“2 Es stellt sich deshalb für Unternehmen die Frage, durch welche Maßnahmen und Prozesse im alltäglichen Handeln eine Synthese aus ökonomischen Anforderungen und ethischen Forderungen hergestellt werden kann.3

An international agierende Unternehmen sind dabei besondere Herausforderungen gestellt, da sie zum einen wegen ihrer geographischen Streuung stärker als national tätige Unternehmen Gefahr laufen, dass ihre ethische Selbstverpflichtung in Konflikt mit vom Gastland geforderten Verhalten gerät, und zum anderen, weil eine internationale Unternehmensethik auf der Basis ethischer Selbstverpflichtung aufgrund von Steuerungsdefiziten des Rechts im internationalen Bereich und negativen externen Effekten der Geschäftstätigkeit multinationaler Unternehmen in Entwicklungsländern besonders notwendig ist. Mit einer internationalen Unternehmensethik ist die Chance verbunden, einen wesentlichen Beitrag zum Abbau von externen Spannungen zwischen multinationalen Unternehmen und den Gesellschaften sowie von unternehmensinternen Spannungen leisten zu können.4

In der vorliegenden Arbeit wird, nachdem zunächst wichtige Grundlagen der Ethik und Unternehmensethik erläutert werden, auf die Besonderheiten, die an eine internationale Unternehmensethik gestellt werden, eingegangen. Dabei soll herausgestellt werden, warum gerade bei internationalen Unternehmen oft ethische Konflikte auftreten können, zu welchen potentiellen Konflikten es in internationalen Unternehmen kommen kann und welche Möglichkeiten es gibt, eine internationale Unternehmensethik zu implementieren, um diesen Konflikten entgegenzutreten. Nach einer Darstellung von Ansätzen zur Überbrückung ethischer Herausforderungen bei internationaler Tätigkeit, wird anschließend noch auf die Zertifizierungsinitiative SA 8000 eingegangen, welche der zur Zeit am weitesten entwickelte Ansatz zur Implementierung von Sozialstandards auf internationaler Ebene ist.

2. Grundlagen der Ethik und Unternehmensethik

2.1 Der Begriff Ethik

Die Ethik bezeichnet die wissenschaftliche Reflexion über die Moral, d.h. sie bildet den theoretischen Teil im Prozess der Erlangung eines friedlichen Miteinanders, indem sie die Normen und Werte der Individuen im Bezug auf sich selbst, auf ihre Mitmenschen und auf ihre ökologische Umwelt abstimmt und einen Handlungsrahmen definiert. Der praktische Teil folgt dann durch Anwendung dieser Werte und Normen, also durch moralisches Verhalten.5 Ethik kann wissenschaftlich untergliedert werden in die deskriptive Ethik, welche moralische Ansichten erfasst und analysiert ohne sie zu bewerten und die normative Ethik, welche wertend Stellung nimmt und versucht, den Individuen positive Handlungsalternativen vorzugeben.6 Inhaltlich teilt sich die Ethik in drei Bereiche: die theologische Ethik, in der die Normen einer Offenbarungsquelle, wie der Bibel, dem Koran o. ä., entnommen werden, die teleologische Ethik mit Bewertung der Handlungen nach einem höchsten Ziel für die Gesellschaft (Utilitarismus) oder den Einzelnen (Egoismus) und die deontologische Ethik, die die Handlungen nach einem als richtig angenommenen Grundsatz auswählt.7 Die ethischen Prozesse spielen sich dabei auf verschiedenen Ebenen ab, welche die folgende Darstellung verdeutlichen soll.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Kreikebaum 1996, S. 14

2.2 Definition von Unternehmensethik nach Steinmann

„Unternehmensethik umfasst alle durch dialogische Verständigung mit den Betroffenen begründeten bzw. begründbaren materialen und prozessualen Normen, die von einer Unternehmung zum Zwecke der Selbstbindung verbindlich in Kraft gesetzt werden, um die konfliktrelevanten Auswirkungen des Gewinnprinzips bei der Steuerung der konkreten Unternehmensaktivitäten zu begrenzen.“8

2.3 Funktionen der Unternehmensethik

Einige Autoren verstehen die Unternehmung selbst bereits als eine Organisation, die ethische Ziele verfolgt, da sie gegründet wird, um durch möglichst effiziente Nutzung beschränkter Ressourcen ihren Gewinn zu maximieren. Durch Verfolgung dieses Gewinnprinzips trägt die Unternehmung dazu bei, dass keine Ressourcen unnötig verschwendet werden und somit die Gesamtwohlfahrt steigt.9 Das Problem dieser Einschätzung liegt in den Mitteln, mit denen das Unternehmen das Gewinnprinzip verfolgt. Hier muss die Unternehmensethik eingreifen, indem sie den moralisch vertretbaren Rahmen innerhalb einer Unternehmung absteckt, in welchem die Unternehmensführung die einzusetzenden Mittel beschließt. Dabei liegt der Fokus der Unternehmensethik auf der Analyse von Werturteilen aller in der Unternehmung Beschäftigten und der Rechtmäßigkeit unternehmerischer Entscheidungen. Sie soll Normen und Werte suchen und durchsetzen, die zur Friedenssicherung beitragen können. Wenn die Normen und Werte betroffener Parteien divergieren oder vorsätzlich von einer Seite verletzt werden, kommt es zu so genannten ethischen Konflikten.

Oftmals fühlt sich die Unternehmensführung von gesetzlichen Rahmenbedingungen in ihrer Handlungskompetenz und ihrem Streben nach immer größeren Gewinnen eingeschränkt und erkennt sie nicht mehr als moralisch bindend an. Dies führt dazu, dass sie nach Gesetzeslücken und Hintertüren sucht, um diese Rahmenbedingungen zu umgehen. Um solch ein Vorgehen zu verhindern, soll die Unternehmensethik eine ergänzende Funktion einnehmen, indem sie ihre Unternehmensführung zu einem ethischen Verhalten im Sinne des gesamten Unternehmens verpflichtet.10 Ein Beispiel hierfür ist die Gründung des Vereins ‚Ethikmanagement der Bauwirtschaft e.V.’ in Bayern in den Neuzigern, durch den ein Teil der bayrischen Bauwirtschaft versuchte die Korruption einzudämmen. Bezeichnend ist hierbei, dass sich nur ein Teil der Bauwirtschaft anschloss, was deutlich macht, wie unterschiedlich die ethischen Grundeinstellungen der Unternehmensführungen gewesen sein müssen und vermutlich noch sind.11

Im Fall von Lücken in dem von der Regierung vorgegebenen Rahmen soll die Unternehmensethik eine Ersatzfunktion wahrnehmen, insbesondere wenn die Folgen falschen Verhaltens nicht abzusehen sind und viele davon betroffen sein könnten, wie beispielsweise bei Atomtests oder in der Genforschung.

Werden die gegebenen politischen Rahmenbedingungen als nicht ausreichend oder gar falsch angesehen, so übernimmt die Unternehmensethik eine Verbesserungsfunktion, indem sich eine Reihe von Unternehmen selbstbindende Kodizes auferlegen. Auch hier greift das oben angeführte Beispiel der bayrischen Bauindustrie.

Eine weitere Funktion nimmt die Unternehmensethik wahr, indem sie neue Möglichkeiten zur Konfliktanalyse und -behebung entdeckt. Dies geschieht durch ständiges, kritisches Hinterfragen der Konsequenzen getroffener Entscheidungen.12

Diese Funktionen gewinnen noch an Bedeutung wenn ein Unternehmen auch im Ausland tätig ist und mit anderen Rahmenbedingungen konfrontiert wird. Die Besonderheiten für ein solches Unternehmen werden im folgenden erläutert.

3. Besonderheiten der internationalen Unternehmensethik

3.1 Notwendigkeit einer internationalen Unternehmensethik

Ein Grund für den Bedarf einer internationalen Unternehmensethik liegt im vermehrten Auftreten negativer externer Effekte durch Aktivitäten international tätiger Unternehmen und den damit verbundenen unvollständigen Verträgen über die Internalisierung dieser externen Effekte. So werden beispielsweise die Kosten für eine Überbeanspruchung beschränkter Ressourcen, entstanden durch unvollständige oder falsche Informationen bezüglich ihrer Verfügbarkeit, nicht etwa vollständig vom verursachenden Unternehmen selbst, sondern ebenso von der Gemeinschaft getragen. Ein typischer Fall hierfür ist die Verschmutzung von Flüssen durch das Einleiten industrieller Abwasser und Giftstoffe, wie das später folgende Beispiel noch verdeutlichen wird. Diese Informationsdefizite sind beim Eintritt in neue Länder besonders ausgeprägt, da die Signale der involvierten Akteure oft nicht auf Anhieb richtig gedeutet werden können. Ebenso eine besondere Ausprägung erfahren negative externe Effekte beim Eintritt multinationaler Unternehmen in Entwicklungsländer, da diese Unternehmen sich durch ihren technischen Vorsprung und ihre Größe einen erheblichen Wettbewerbsvorteil sichern und die nicht so hoch entwickelte inländische Konkurrenz dominieren oder ganz vom Markt verdrängen können.13

Ein weiterer Grund für die Notwendigkeit einer Unternehmensethik ist die teils unzureichende Rechtsgrundlage in einigen Ländern, wodurch Unternehmen nicht immer automatisch ethisch verantwortungsvoll handeln, sobald sie sich mit ihren Entscheidungen innerhalb des rechtlichen Rahmens des Landes bewegen, weshalb auch von einem Steuerungsdefizit des Rechts gesprochen wird. So ist beispielsweise das Beschäftigen von Kindern noch lange nicht als ethisch vertretbar anzusehen, nur weil es im betroffenen Land nicht gesetzlich verboten ist. Diesen Steuerungsdefiziten sollen Unternehmen entgegenwirken, indem sie ihre Entscheidungen an die ethischen Grundsätze der Unternehmung anpassen, auch wenn diese über die gesetzlichen Beschränkungen hinausgehen. Um ein solches Verhalten zu erreichen und kontrollieren zu können, wird seit Jahren an international gültigen Verhaltenskodizes gearbeitet, an denen die Unternehmen ihre Handlungen ausrichten sollen. Ein Beispiel hierfür ist der Social Accountability 8000, der später noch genauer vorgestellt wird.

Die Kombination dieser Gründe bildet ein fundamentales Begründungskonzept für den Bedarf an internationaler Unternehmensethik.14 Welche konkreten Konflikte auf ein internationales unternehmen zukommen können folgt im nächsten Abschnitt.

3.2 Potentielle Konflikte internationaler Unternehmen

Bereits durch kurze Reflektion wird deutlich, dass die potentiellen Konfliktfelder in international tätigen Unternehmen sehr viel zahlreicher und vielfältiger sind als in solchen, die nur in einem Land agieren. Die international agierenden Unternehmen werden mit neuen, von der Moralvorstellung des Heimatlandes abweichenden Einstellungen und den daraus resultierenden Problemen konfrontiert. Einige sollen im Folgenden kurz benannt und mit Beispielen versehen werden.

So existieren von Land zu Land kulturelle Unterschiede, wie beispielsweise die Einstellung zum Verhältnis zwischen Vorgesetztem und Arbeiter. In Deutschland etwa ist es üblich, dass Vorgesetzte geplante Handlungen mit ihren Mitarbeitern besprechen und nach deren Meinung fragen, während in Japan eine Mehrheit der Meinung ist, Vorgesetzte sollten Distanz halten und sich in ihren Entscheidungen nicht durch Dritte beirren lassen.15

[...]


1 Vgl. Kreikebaum, 1996, S. 1

2 Pietschmann, 2003, S. 1

3 Vgl. Pietschmann, 2003, S. 1

4 Vgl. Richter, 1997, S. 3ff.

5 Vgl. Kreikebaum, 1996, S. 8ff

6 Vgl. Kreikebaum, 1996, S.10f, Hohmann/Lütge, 2004, S. 13f

7 Vgl. Hohmann/Lütge, 2004, S.11f

8 Steinmann/Löhr, 1989, S. 10

9 Vgl. Albach, 2003, S. 810ff. Neugebauer, 1998, S. 47ff

10 Vgl. Kreikebaum, 2004, S. 4

11 Vgl. Schramm, 2004, S. 3f

12 Vgl. Kreikebaum 2004, S. 4ff

13 Vgl. Richter, 1997, S. 5f

14 Vgl. Richter, 1997, S. 5

15 Vgl. Schramm, 2004, S. 9

Details

Seiten
20
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638608596
ISBN (Buch)
9783638710794
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v67705
Institution / Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,7
Schlagworte
Unternehmensethik Unternehmen ABWL-Seminar

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Titel: Unternehmensethik in internationalen Unternehmen