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Status und Dominanzhierarchien: Ein Vergleich theoretischer Ansätze zu Machtstreben und Dominanzverhalten

Seminararbeit 2006 28 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einführung in die Thematik von Status und Dominanz
1.1 Die Begriffe Macht, Dominanz und Status
1.2 Die Notwendigkeit eines Vergleichs von theoretischen Ansätzen zu Machtstreben und Dominanzverhalten
1.3 Gang der Untersuchung

2 Ansätze der evolutionären Psychologie
2.1 Die Bildung von Dominanzhierarchien
2.2 Dominanz und Status im Tierreich
2.3 Die Evolution des Dominanzverhaltens
2.4 Dominanz und Status beim Menschen
2.4.1 Status in der menschlichen Gesellschaft
2.4.2 Geschlechtsspezifische Unterschiede beim Streben nach Status und Dominanz
2.4.2.1 Unterschiede beim Streben nach sozialem Status
2.4.2.2 Unterschiede im Dominanzverhalten
2.4.3 Determinanten der Dominanz

3 Ansätze der Sozialpsychologie
3.1 Die Systematik machttheoretischer Ansätze nach Witte
3.2 Ansätze auf dem Individualsystem-Niveau
3.2.1 Motivansätze des Machtstrebens
3.2.2 Mittelansätze der Macht
3.2.3 Ansätze sozialer Macht bezogen auf die Vorgehensweise
3.3 Ansätze auf dem Mesosystem-Niveau
3.3.1 Die Theorie der Macht-Distanz-Reduktion von Mulder
3.3.2 Beeinflussungsmittel der Macht
3.3.3 Führungsverhalten im Mesosystem

4 Vergleich der Macht- und Dominanzansätze
4.1 Kriterien des Vergleichs
4.2 Der Vergleich der Ansätze
4.2.1 Methodik
4.2.2 Struktur
4.2.3 Grenzen
4.3 Erkenntnisse der Gegenüberstellung

5 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Darstellung einer systematischen Auswahl machttheoretischer Ansätze (Quelle: Witte, 2001, S. 4)

Abbildung 2 Gesamtübersicht der Kriterien und ihrer Ausprägungen (Quelle: eingene Darstellung)

1 Einführung in die Thematik von Status und Dominanz

1.1 Die Begriffe Macht, Dominanz und Status

Die Begriffe Status, Dominanz und Macht lassen sich nicht eindeutig inhaltlich bestimmen bzw. homogen definieren. Vielmehr existieren verschiedene Erklärungsansätze, die, entsprechend ihren theoretischen Wurzeln, diese Begriffe anders interpretieren bzw. ihnen andere Schwerpunkte geben. Auch synonyme Verwendungen der Begriffe sind keine Ausnahme. Daher kann und soll die nachfolgende Darlegung keinen abschließenden Charakter haben, sondern lediglich ein Grundverständnis vermitteln.

Eine eng an den Alltagsgebrauch anknüpfende Definition von Macht gibt Dahl (1957), indem er sagt: „A has power over B to the extent that he can get B to do something that B would not otherwise do” (Dahl, 1957, S. 201). Haslam (2001) hingegen versucht in seiner Definition von Macht weniger den negativen Aspekt der Brechung eines Widerstandes zu betonen, sondern bezieht den positiven Charakter der Macht im Sinne einer sozialen Einflussnahme mit ein (vgl. Lücken, 2002, S. 16). Für ihn ist Macht „embedded in a social relationship where one party (an individual or group) has (or is perceived to have) the ability to impose its will on another by virtue of the resources at its disposal” (Haslam, 2001, S. 210). Macht tritt damit in sozialen Beziehungen auf, in denen eine Person oder Gruppe die Möglichkeit hat, entweder durch Einflussnahme oder durch Zwang die eigenen Vorstellungen durchzusetzen.

Nicht nur Macht, sondern auch Dominanz setzt das Vermögen voraus, jemanden zu beeinflussen. In einem Teil der psychologischen Literatur wird Dominanz als Gruppeneigenschaft verstanden, die die sozialen Beziehungen der Gruppenmitglieder ordnet und in einer transitiven Hierarchie abstuft. In anderen Fällen hingegen wird Dominanz als das Verlangen einer Person bezeichnet, Situationen oder andere Personen zu kontrollieren (vgl. Ellyson & Dovidio, 1985, S. 7).

Als Status bezeichnet man die soziale Stellung einer Person oder einer Gruppe in einer hierarchischen Rangfolge. Dabei wird nicht allein die objektiv feststellbare Position des Menschen innerhalb der Hierarchie beurteilt, sondern auch die Wertschätzung (Prestige), welche die Gesellschaft der jeweiligen Position entgegenbringt. Status wird jedoch auch oft als eine Eigenschaft verstanden, die vielfältige Erwartungen hervorruft. Diese Erwartungen beziehen sich zum Beispiel auf die Fähigkeit, schwierige Problemstellungen lösen zu können oder über eine besonders hohe Intelligenz zu verfügen (vgl. Ellyson & Dovidio, 1985, S. 7).

1.2 Die Notwendigkeit eines Vergleichs von theoretischen Ansätzen zu Machtstreben und Dominanzverhalten

Macht, Dominanz und die Herausbildung von hierarchischen Strukturen, die das Zusammenleben der Menschen ordnen, gab es zu jedem Zeitpunkt der menschlichen Geschichte. In der Antike erwarben Feldherren Ruhm und Ehre, wenn sie auf dem Schlachtfeld siegreich waren, in unserer heutigen Gesellschaft schauen wir zu denen auf, die sich als erfolgreiche Geschäftsleute oder als einflussreiche Politiker einen Namen gemacht haben. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, was die Ursache dieser Über- und Unterordnungsmechanismen ist. Zu beantworten ist auch, warum bestimmte Menschen mehr nach Macht streben als andere und was der Grund dafür ist, dass sich immer wieder hierarchische Organisationsformen bilden, die das Zusammenleben der Menschen strukturieren.

Diese Fragen sind nicht einfach zu beantworten. Zu viele verschiedene Ansätze haben sich entwickelt und jeder dieser theoretischen Ansätze scheint plausibel zu sein oder zumindest einen wichtigen Aspekt des Machtstrebens zu erklären. Aus diesem Grund müssen die verschiedenen Ansätze zunächst einander gegenübergestellt werden. Denn nur durch den direkten Vergleich kann herausgefunden werden, an welchen Stellen neue Aspekte auftauchen oder wo es sich um die gleichen Aussagen handelt. Ist der Vergleich erfolgreich, so lassen sich danach vielleicht neue, umfangreichere Ansätze zur Erklärung von Dominanz und Machtstreben erarbeiten.

1.3 Gang der Untersuchung

Ziel dieser Seminararbeit ist es, die Ansätze verschiedener Theorien, die Dominanzverhalten und Machtstreben erklären, darzustellen, um sie anschließend zu vergleichen. Dazu wurden zunächst in Kapitel 1 die Begriffe Macht, Dominanz und Status erläutert, um ein allgemeines Verständnis über den Gegenstand der nachfolgenden Theorien zu vermitteln.

Kapitel 2 beschäftigt sich mit den theoretischen Ansätzen der evolutionären Psychologie. Der Aufbau des Kapitels soll dem Leser die evolutionstheoretische Argumentationskette näher bringen. Daher wird zu Beginn auf die Entstehung von Dominanzhierarchien als evolutionstheoretische Grundform der sozialen Organisation eingegangen. Darauf folgend wird das Status- und Dominanzverhalten von Tieren anhand geeigneter Beispiele dargestellt. Den Schwerpunkt in diesem Kapitel bilden die in Abschnitt 2.3 dargestellten menschlichen Verhaltensweisen.

Die theoretischen Ansätze der Sozialpsychologie werden in Kapitel 3 anhand einer von Witte (2001) entwickelten Systematik vorgestellt. Ziel ist es, über eine prägnante Darstellung einen schnellen Überblick über die verschiedenen Ansätze zu geben. Die beiden in Abschnitt 3.2 und 3.3 dargestellten Systemumfänge gehen daher verhältnismäßig kurz auf die verschiedenen Ansätze ein und sollen dem Leser die Motive, Mittel und Ausprägungen des Machtstrebens aus dem Blickwinkel der Sozialpsychologie näher bringen.

Zum Abschluss der Arbeit wird in Kapitel 4 der Versuch unternommen, die unterschiedlichen Ansätze anhand ausgewählter Kriterien miteinander zu vergleichen.

2 Ansätze der evolutionären Psychologie

Die evolutionäre Psychologie beschäftigt sich mit der Frage nach der menschlichen Natur im Lichte der biologischen Evolutionstheorie. Daher greift sie, soweit dies möglich ist, auf das gemeinsame evolutionäre Erbe zwischen Mensch und Tier zurück, um menschliche Verhaltensweisen zu ergründen. Zunächst werden daher Verhaltensweisen von Tieren dargestellt, um dann Rückschlüsse auf das menschliche Verhalten zu ziehen.

2.1 Die Bildung von Dominanzhierarchien

Sowohl Tiere als auch Menschen stehen in einem fortwährenden Konkurrenzkampf um wichtige Ressourcen. Um sich nicht ständig in Auseinandersetzungen um Nahrung und Sexualpartnern zu befinden, haben sich soziale Hierarchien gebildet, die den Zugang zu diesen Ressourcen regeln. Diese Dominanzhierarchien bewirken, dass Individuen, die weiter oben in der Hierarchie stehen, einen besseren Zugang zu wichtigen Ressourcen haben, als diejenigen, die weiter unten stehen (vgl. Barkow, 1989, S. 181; Buss, 2004, S. 449). Während bei einigen Tieren diese Über- und Unterordnungsverhältnisse weitgehend stabil und statisch sind, zeichnen sich Dominanzhierarchien bei Primaten und Menschen durch ihre Flexibilität aus, d.h. es ist jederzeit möglich durch Positionskämpfe in der Hierarchie aufzusteigen und vice versa (vgl. Cummins, 1998, S. 34).

Diese Form der hierarchischen Organisation wurde erstmals durch den dänischen Zoologe Schjelderup-Ebbe (1935) bei Haushühnern entdeckt. Schjelderup-Ebbe bemerkte, dass es beim ersten Aufeinandertreffen von Hennen und beim Zugang zu Nahrung zu Kämpfen zwischen diesen kommt. Diese Auseinandersetzungen nehmen jedoch ab, je öfter die Kontrahenten aufeinander stoßen, da jede Hennen lernt, wem sie unterlegen ist und welche Artgenossen sie dominieren kann. Das Ergebnis ist eine Beziehungsstruktur unter den Hennen, die als „Hackordnung“ bezeichnet wird und sich inzwischen als Grundform der sozialen Organisation aller Säugetiere erwiesen hat (vgl. Maclay & Knipe, 1972, S. 11-14).

Diese Dominanzhierarchie ist jedoch keinesfalls eine Eigenschaft der Gruppe innerhalb derer sie auftritt, sondern vielmehr das Ergebnis der unterschiedlichen Unter- und Überordnungsstrategien der einzelnen Gruppenmitglieder. Auch beim Menschen haben sich solche Strategien entwickelt. Die Wahl der Strategie ist dabei abhängig von der Beurteilung der eigenen Stärke. Diese Stärke ist jedoch nicht nur auf die körperliche Überlegenheit einer Person zu beziehen, sondern auch auf ihre Fähigkeit, Verbündete zu gewinnen. Kann der Ausgang eines Kampfes im Voraus bestimmt werden, so wird die geeignete Unter- oder Überordnungsstrategie gewählt. Das Resultat ist auch hier wieder eine weitgehend stabile Dominanzhierarchie (vgl. Buss, 2004, S. 449).

2.2 Dominanz und Status im Tierreich

Bei Tieren gibt es unterschiedliche Verhaltensweisen, die Dominanz und Status ausdrücken. Betrachtet man beispielsweise das Dominanzverhalten von Schimpansen, so stolzieren dominante, männliche Schimpansen umher und versuchen, besonders schwer und groß auszusehen. Sie springen über ihre Artgenossen niederen Ranges hinweg und bauen sich in ihrer vollen Größe vor diesen auf. Welche Position ein Schimpanse in der Gruppenhierarchie einnimmt, erkennt man an der Anzahl der unterwürfigen Verbeugungen, die das Tier von den anderen erhält. Daher bewegen sich die Tiere niederen Ranges meist in einer gebückten Haltung und versuchen, sich so klein wie möglich zu machen. Während männliche Schimpansen sich verbeugen, zeigen Weibchen den dominanten Männchen meist ihr Hinterteil, damit dieses ihre Fruchtbarkeit prüfen kann. Wird eine solche unterwürfige Geste verweigert oder vergessen, so kann eine gewaltsame Auseinandersetzung die Folge sein, da dies als ein Angriff auf den Status des Dominierenden verstanden wird (vgl. de Waal, 1982, S. 86-90).

Neben diesen sichtbaren Handlungen, gibt es auch Erkenntnisse aus der Neuropsychologie, die es möglich machen, den Status von Tieren zu ermitteln. Sowohl bei männlichen Grünmeerkatzen, eine Primantenart, die südlich der Sahara vorkommt, als auch bei männlichen Flusskrebsen wurde ein direkter Zusammenhang zwischen dem Serotonin-Level im Blut und dem sozialen Status des Tieres festgestellt. Serotonin ist ein biogenes Amin und Gewebshormon, das als Neurotransmitter im Zentralnervensystem, sowie in den Blutplättchen vorkommt. Während bei dominanten Meerkatzen ein erhöhter Serotoningehalt im Blut festgestellt wurde, waren die Werte von Tieren niedrigeren Ranges deutlich geringer. Veränderte sich der soziale Status eines Tieres, so änderten sich auch dessen Serotoninwerte (vgl. Barkow, 1989, S. 184).

Ähnliche Beobachtungen macht man auch nach Revierkämpfen zwischen Flusskrebsen. Überraschend ist hier das unterschiedliche Verhalten, das der Gewinner und der Verlierer solcher Auseinandersetzungen nach dem Kampf zeigen. Der überlegene Flusskrebs beansprucht das umkämpfte Revier für sich, während der Verlierer flieht und jeden weiteren Kontakt mit dem Sieger vermeidet. Man fand heraus, dass die unterschiedlichen Verhaltensweisen in engem Zusammenhang mit dem Auftreten eines bestimmten Neurons in den Flusskrebsen stehen, welches in Abhängigkeit des Status des Flusskrebses unterschiedlich auf den Neurotransmitter Serotonin reagiert. Entscheidend ist dabei, dass erstmals eine Veränderung der sozialen Ordnung mit einer Veränderung einer Synapse in Verbindung gebracht werden konnte. Während zunächst unterlegene Flusskrebse dieses Neuron reaktivieren können, wenn sie bei einem Kampf als Sieger hervorgehen, scheint es so, als weigerten sich vormals überlegene Tiere, die im darauf folgenden Kampf unterlegen sind, ihre Unterlegenheit zu akzeptieren (vgl. Barinaga, 1996, S. 290-291).

2.3 Die Evolution des Dominanzverhaltens

Viele Eigenschaften und Verhaltensweisen, über die der heutige Mensch verfügt, können in ähnlicher Form bei Primaten beobachtet werden. Dies gilt auch für Situationen, in denen Dominanz ausgedrückt werden soll. Aus diesen Beobachtungen den Schluss zu ziehen, die Korrespondenz zwischen den Verhaltensweisen sei auch auf deren Zweck zu übertragen, ist jedoch zu voreilig. Es lassen sich zwar Parallelen im Verhalten erkennen, jedoch hat sich das menschliche Status- und Dominanzverhalten im Laufe der Evolution weiterentwickelt und ist komplexer geworden, so dass es heute dem Verhalten von Primaten weit überlegen.

Eine der auffälligsten Parallelen zwischen Primaten und Menschen ist die Möglichkeit der nonverbalen Kommunikation über verschiedene Gesichtsausdrücke. Ziehen beispielsweise Primaten ihre Augenbrauen runter, so soll dadurch Dominanz und Überlegenheit ausgedrückt werden. Auch bei Menschen ist diese Mimik zu erkennen, wenn sie sich in Konfliktsituationen befinden. Des Weiteren wurde bei vielen Primaten festgestellt, dass bestimmte Grimassen, die dem Lächeln bei Menschen ähnlich sind, Unterwürfigkeit signalisieren. Auch entsprechende Studien bei Menschen, bei denen der Zusammenhang zwischen verschiedenen Mimiken und Dominanz untersucht wurde, kommen zu dem Ergebnis, dass Lachen zur Signalisierung von Unterwürfigkeit genutzt wird (vgl. Keating, 1985, S. 90-95).

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Details

Seiten
28
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638604642
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v67701
Institution / Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,0
Schlagworte
Status Dominanzhierarchien Vergleich Ansätze Machtstreben Dominanzverhalten

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Titel: Status und Dominanzhierarchien: Ein Vergleich theoretischer Ansätze zu Machtstreben und Dominanzverhalten