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Zur Kooperation von Jugendhilfe und Schule. Entwicklung, Rahmenbedingungen, Perspektiven

Hausarbeit 2006 21 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Zum Begriff und Geschichte der Schulsozialarbeit
2.1 Der Begriff „Schulsozialarbeit“
2.2 Historische Entwicklung der Kooperation von Jugendhilfe und Schule

3. Konzeptuelle Rahmenbedingungen
3.1 Rechtliche Rahmenbedingungen der Schulsozialarbeit
3.2 Problemstellungen Sozialer Arbeit im schulischen Kontext
3.3 Exkurs: Lebensweltorientierung und Schule
3.4 Empirische Befunde zu den Adressaten der Schulsozialarbeit

4. Konzepte der Kooperation von Jugendhilfe und Schule
4.1 Typen von Projekten der Schulsozialarbeit
4.2 Schulsozialarbeit als „integrierter Ansatz“
4.3 Kooperation zwischen örtlicher Jugendhilfe und Schule
4.4 Kooperation von Ganztagsschule und Jugendhilfe

5. Fazit

6. Ausblick

Literatur

1. Einleitung

„Schulsozialarbeit … ist Dreh- und Angelpunkt einer sozialpolitisch und pädagogisch notwendigen Weiterentwicklung unseres Schulwesens, das seinen Beitrag zur Verwirklichung von Chancengleichheit in unserer Gesellschaft leisten muss.“ (Hermann Granzow, 1981, Staatssekretär im Bundesbildungsministerium)

Schulsozialarbeit ist also kein neues Handlungsfeld der Sozialen Arbeit, die Kooperation von Jugendhilfe und Schule keine von Sozialpädagogen neu entdeckte Welt. Die hier vorliegende Hausarbeit widmet sich dennoch diesem Thema, denn die Beziehungen und Entwicklungstendenzen von Jugendhilfe und Schule sind nach wie vor erklärungs-bedürftig. Gerade im Hinblick auf die aktuelle Diskussion der Reformierung des Schulwesens nimmt der Ausbau der Schulsozialarbeit eine wesentliche Schlüsselposition ein. Die Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe ist notwendig um neue Bedingungen des Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen mit der Zielsetzung gleicher Zukunftschancen zu verwirklichen. Für eine Bewältigung neuer gesellschaftlicher Anforderungen brauchen junge Menschen Unterstützung, Rückhalt und Hilfe. Die Kooperation von Jugendhilfe und Schule kann ein gelingendes Zusammenspiel von Bildungsprozessen in Schule, Familie und Jugendhilfe ermöglichen.

Die vorliegende Arbeit konzentriert sich in erster Linie auf einen theoretischen Bezugsrahmen. Im ersten Komplex werden die historischen Entwicklungen und Aspekte der Kooperationsbeziehung zwischen Schule und Jugendhilfe angesprochen, Begrifflichkeiten der Schulsozialarbeit sollen darüber hinaus geklärt werden. Der darauf folgende Teil beleuchtet allgemeine Rahmenbedingungen, Adressaten und Problemfelder sowie fachliche Maximen. In einem dritten Komplex werden verschiedene Konzepte und Modelle der Kooperation von Jugendhilfe und Schule vorgestellt. Die Ausarbeitung erhebt keinen Anspruch auf eine detaillierte Darlegung aller Facetten und Themenbereiche der Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule. Vielmehr ist es Ziel, einen theoretischen Grundriss zu ziehen. Perspektivische Überlegungen sollen die allgemeine Darstellung ergänzen.

Zur Bearbeitung des Themas wählte ich als maßgebliche Literatur das „Handbuch Kooperation von Jugendhilfe und Schule“, herausgegeben von Birger Hartnuß und Stephan Maykus sowie den Materialienband „Kooperationen zwischen Jugendhilfe und Schule“ zum 12. Kinder und Jugendbericht der Bundesregierung.

2. Zum Begriff und Geschichte der Schulsozialarbeit

2.1 Der Begriff „Schulsozialarbeit“

Der Begriff Schulsozialarbeit umschreibt in der wissenschaftlichen Diskussion kein eindeutiges oder klares Praxisfeld. Es variieren vielmehr verschiedene Begrifflichkeiten, die zwar die Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe und Schule beschreiben, sich aber in ihrer Extension und Intension durchaus unterscheiden. In der Literatur findet man neben dem Begriff der „Schulsozialarbeit“ auch inhaltverwandte Termini wie „schulbezogene Jugendarbeit“ (SGB VIII, § 11, Abs. 3 Nr. 3), „schulbezogene Jugendsozialarbeit“, oder „Soziale Arbeit in der Schule“ (Prüss, 1995).

Eine eindeutige Profilbildung des Arbeitsfeldes der Schulsozialarbeit wird durch das Fehlen eines theoretischen Bezugsrahmens erschwert. Auch von einer eigenständigen Methode der Sozialen Arbeit kann gegenwärtig noch nicht gesprochen werden. Gegenwärtig gibt es eine Vielzahl von Angebotsformen der Schulsozialarbeit die sich im pädagogischen Konzept mit Problemfeldern in der Schule einerseits, als auch auf die Freizeitarbeit andererseits beschäftigen.

Als neuer Oberbegriff wird mit der Formulierung „Kooperation von Jugendhilfe und Schule“ ein größerer Rahmen der Zusammenarbeit der institutionellen Kontexte Schule und Jugendhilfe in der gegenwärtigen Diskussion abgesteckt. Dieser Oberbegriff „… ist eine konzeptuelle Klammer der Tätigkeit von Sozialpädagogen mit spezifischen sozialpädagogischen Methoden und Zielen in der Schule oder im unmittelbaren Schulumfeld. Diese Tätigkeit kann vereinbart oder auf eher informeller, mehr oder wenig intensiv und kontinuierlich eine Kooperation von Jugendhilfe und Schule bedeuten.“ (Hartnuß / Maykus, 2004, S. 31).

Die folgende Betrachtung ordnet sich dieser Definition unter und betrachtet alle Angebotsformen der Schulsozialarbeit als „konzeptuelle Klammer“ im offenen Kontext der Kooperation von Jugendhilfe und Schule. Mit Kooperation können unterschiedliche Formen, Anlässe, Ziele und Projekte beschrieben werden.

2.3 Historische Entwicklung

der Kooperation von Jugendhilfe und Schule

In den Anfängen des „sozialpädagogischen Jahrhunderts“ (Thomas Rauschenbach) ist die Geschichte der Kooperation von Jugendhilfe und Schule eine Geschichte der institutionellen Abgrenzung.

Die „Volks- oder Industrieschule“ des 19. Jahrhunderts beinhaltete, wenn auch als solche nicht bewusst beabsichtigte, sozialpädagogische Elemente der Fürsorge, Aufsicht und ganztägigen Betreuung. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts schrumpfte dieses Angebot zusammen und nahm eher den Charakter einer Halbtagsschule ein. Die Lücke die sich hier bildete wurde von den sich im Entstehungsprozess befindlichen neuen Institutionen der Sozialpädagogik versucht zu schließen. Nach und nach entstanden Einrichtungen der Jugendfürsorge und Jugendpflege. Die Sozialpädagogik etablierte sich neben der Familie und der Schule als neues Erziehungsfeld mit eigenem Selbstverständnis und Institutionen. Eine Zusammenarbeit mit der Schule kam in dieser Etablierungsphase kaum oder nur zum Teil zustande. Diese Trennung zu überwinden gab es von Seiten der Schulpädagogik konzeptionelle Ansätze in den Reformschulen oder Landerziehungsheimen. Aus dem Arbeitsfeld der Jugendfürsorge versuchte man diese Trennung unter anderem mit Arbeiterbildungseinrichtungen zu überwinden.

Das für die Entwicklung der Jugendhilfe bedeutende Reichsjugendwohlfahrtsgesetz von 1922 nutzte die Chance einer fundierten Kooperation von Jugendhilfe und Schule nicht. Selbst im heutigen Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) ist „Schulsozialarbeit“ nicht als explizite Angebotsform festgeschrieben. (Stimmer 2000, S. 584)

Anders verlief die Entwicklung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die bis heute in Teilbereichen beispielgebend ist. Hier besitzt die „School Social Work“ eine lange Tradition. Bereits 1906 wurden die ersten Formen der „Schulsozialarbeit“ erprobt und eingeführt. Die „National Association of Social Workers“ entwickelte in der Folgezeit landesweit einheitliche verbindliche Aufgabenbeschreibungen und Tätigkeitsfelder (vgl. Raab, 1983).

Die Bildungsreform der 70er Jahre des vorherigen Jahrhunderts brachte auch die Soziale Arbeit wieder in die Schulpolitische Debatte. Der Bildungsbericht der Bundesregierung forderte die Herstellung von Chancengleichheit im Bildungssystem. Neue Aufgabenfelder kamen hier der Sozialen Arbeit hinzu.

Zwei Denkfiguren bildeten sich in der Kontroverse heraus: einmal eine sozialpädagogischen Sinnelemente in die in Profession des Lehrers zu integrieren, zum anderen sozialpädagogische Fachkräfte in die Institution Schule mit ein zu beziehen. In der Zeitschrift „Soziale Welt“ wird 1971 erstmals in dem Aufsatz „Schulsozialarbeit. Ein Beitrag zum Ausgleich von Sozialisationsdefiziten“ der Begriff der „Schulsozialarbeit“ verwendet (vgl. Schermer 2001).

Der Aufgabenhorizont mit dem sich die Schulsozialarbeit in dieser Zeit vorrangig beschäftigte galt den Integrationsbemühungen und Projekten der Jugendberufshilfe. In den 80er Jahren traten Themen wie Aids-Prävention, Gewalt und Drogenprävention verstärkt auf die Tagesordnung.

Rückblickend beschreiben Olk/Bathke/Hartnuß die 80er Jahre als „Wende-“ und „Übergangszeit“. „Während die Entwicklung von Praxisprojekten eher durch Stagnation und Konsolidierung gegenzeichnet war, etablierte sich auf der Ebene der sozialpädagogischen Fachdisziplin allmählich – und zunächst auf bescheidenen Niveau – so etwas wie eine Fachdiskussion und empirische Forschung zu diesen neuen Leistungsangebot der Jugendhilfe.“ (Olk u.a., 2000, S.25).

In der aktuellen Frage der Kooperation von Jugendhilfe und Schule verstärken sich innerhalb der Sozialpädagogik wie auch der Schule konstruktive Ansätze der Lebensweltorientierung als Strukturmaxime. Gleichsam ist durch die fortdauernde Krise im Bildungssystem von Seiten der Schule die Bereitschaft gewachsen eine Kooperation auf Augenhöhe zu suchen.

Am Ende des „sozialpädagogischen Jahrhunderts“ kann man resümieren, dass sich die die Wege von Jugendhilfe und Schule zusammengefunden haben und jetzt versuchen gemeinsame Antworten im Sinne einer Kooperation zu finden. Trotzdem sind wesentliche Problemstellungen gleich geblieben. So ist es für Kinder aus bildungsfernen Milieus immer noch genauso schwierig wie zu Anfang der 70er Jahre Grundvoraussetzungen für schulisches Lernen aufzubauen.

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Details

Seiten
21
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638604161
ISBN (Buch)
9783638793629
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v67622
Institution / Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena – Fachbereich Sozialwesen
Note
1,0
Schlagworte
Kooperation Jugendhilfe Schule Entwicklung Rahmenbedingungen Perspektiven

Autor

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