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Soziale und ökonomische Aspekte von Singlebörsen und Partnervermittlungen im Internet

Bachelorarbeit 2006 155 Seiten

Medien / Kommunikation - Forschung und Studien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Das Prinzip „Online-Dating“
1.1 // Begriffsbestimmung „Online-Dating“
1.2 // Singlebörsen im Internet
1.2.1 // Friendscout24 (http://www.friendscout24.de)
1.2.2 // iLove (http://www.ilove.de)
1.2.3 // Neu.de (http://www.neu.de)
1.3 // Partnervermittlungen im Internet
1.3.1 // Parship (http://www.parship.de)
1.3.2 // ElitePartner (http://www.elitepartner.de)
1.3.3 // Partner.de (http://www.partner.de)

2. Die Anbieter und die Nutzer
2.1 // Die Anbieter
2.1.1 // Die Online-Dating-Problematiken
2.2 // Die Nutzer

3. Das Umsatz- und Nutzervolumen
3.1 // Das Marktvolumen der Branche „Online-Dating“
3.1.1 // Nutzer- und Teilnehmerentwicklung der Branche „Online-Dating“
3.1.2 // Umsatzentwicklung der Branche „Online-Dating“
3.1.3 // Stellung im Bereich des E-Commerce
3.2 // Marktvolumen des Bereichs „Singlebörsen“
3.2.1 // Nutzerentwicklung des Bereichs „Singlebörsen“
3.2.2 // Umsatzentwicklung des Bereichs „Singlebörsen“
3.3 // Marktvolumen des Bereichs “Partnervermittlungen“
3.3.1 // Nutzerentwicklung des Bereichs „Partnervermittlungen“
3.3.2 // Umsatzentwicklung des Bereichs „Partnervermittlungen“

4. Die Vermarktung
4.1 // Zeitgeist und Werbebotschaft
4.2 // Die Single-Industrie
4.3 // Das Marketingkonzept am Beispiel Neu.de
4.3.1 //Außenwerbung
4.3.2 // Radio
4.3.4 // Print
4.3.5 // TV
4.3.6 // Kino
4.4 // Kooperationen mit anderen Unternehmen (Crossmedia-Marketing)
4.4.1 // Pro7
4.4.2 // 9Live
4.4.3 // Senseo
4.4.4 // Sony
4.4.5 // E plus
4.4.6 // Prinz
4.4.7 // Online-Portale

5. Die Marktanalyse
5.1 // Familie und Kinder
5.2 // Ehe und Familiengründung
5.3 // Scheidung
5.4 // Vergreisung
5.5 // Ausblick: Individualisierung?

6. Die Singles
6.1 // Begriffsbestimmung „Singles“
6.2 // Singles als Bevölkerungsgruppe
6.3 // Singles als Zielgruppe
6.4 // Single-Problematik
6.5 // Single-Bewegung?

7. Der Kanal Internet
7.1 // Besonderheit der computervermittelten Kommunikation
7.2 // Individuell-Psychologische Funktion
7.2.1 // Online disinhibition effect (Der „Online-Enthemmungseffekt“)
7.2.2 // Express themselves better (Bessere Selbstdarstellung)
7.2.3 // Saving the typed-text (Dokumentation des Kommunikationsprozesses)

8. Die Partnersuche
8.1. // Wo alles begann
8.2 // Abgrenzung: Gezielte Partnerwahl
8.3 // Problematiken der Online-Partnersuche
8.4 // Bewertung der Online-Partnersuche
8.5 // Vergleich: Klassische Formen der Partnersuche
8.5.1 // Kontaktgesuche
8.5.2 // Partnervermittlung

9. Der Vergleich
9.1 // Die Entwicklung der Partnerwahl
9.2 // Der Vergleich der Kontaktaufnahme und des Beziehungsaufbaus

10. Das Ergebnis
10.1 // Ergebnis des Vergleichs von Online- und Offline-Beziehungen
10.2 // Fazit „Online-Dating“

11. Die Theorien
11.1 // Einsamkeit
11.2 // Identitätskonstruktionen
11.3 // Rollenspiele
11.4 // Worlds apart (Zwei-Welten-Theorie)
11.5 // Rückkehr in eine Stände- bzw. Klassengesellschaft
11.6 // Sucht (Addiction)
11.7 // Sozialer Inzest
11.8 // Mediatisierung des Alltags

Die Quellen
Bücher
Zeitschriften und Zeitungen
Webseiten und Online-Dokumente
Seiten für Online-Dating

Einleitung

Das Phänomen der Partnervermittlung und der öffentlichen gezielten Partnersuche ist keineswegs neu. Schon jahrzehntelang suchten Einsame nach Partnern über Annon-cen und Kontaktanzeigen in Zeitungen oder ließen sich durch Eheanbahnungsagen-turen mit einem potentiellen Partner zusammenführen.

Seit der zunehmenden Akzeptanz des Internets als Plattform für Waren und Dienst-leistungen aller Art nutzen mehr und mehr Menschen dieses Medium verstärkt auch für die gezielte Partnersuche. Auch wird ein privater Internetzugang durch die steigende Verfügbar- und Benutzerfreundlichkeit und letztendlich auch durch Niedrigpreise im Zuge des Konkurrenzkampfes auf dem Telekommunikationsmarkt für eine wachsende Bevölkerungsgruppe möglich.

In den letzten Jahren hat die Online-Dating-Industrie einen wahren Boom erlebt: Rekordverdächtige Umsatzzahlen, eine stetig steigende Zahl an Neuregistrierungen und eine ständige öffentliche Präsenz durch immense Werbeaufkommen in den Massenmedien zeichnen diese Branche aus. Wie Pilze schießen unablässig neue Anbieter aus den Tiefen des Cyberspace und möchten auch einen Teil vom „Online-Dating-Kuchen“ abbekommen.

Für die Nutzer wird es so zwangsläufig schwerer, auf dem unübersichtlichen Markt den Überblick zu behalten. Welcher Weg führt denn nun zum Traumpartner? Sich in einer der rund 2000 deutschsprachigen Singlebörsen anmelden und eifrig Flirt-Mails ver-schicken bzw. auf Anfragen warten? Oder sein Glück lieber in die virtuellen Hände seriös erscheinender Partnervermittlungen legen? Das Spiel mit dem Abenteuer wagen und sich per Agentur über das Internet für ein Blinddate vermitteln lassen? Der lang-weiligen Beziehung einen Kick verpassen und sich online zum Fremdgehen verabre-den? Oder als Alleinerziehende, Senior, Bauer, Katholik, chronisch Kranker oder Sadomaso-Fetischist in einer der zielgruppen-spezifischen Singlebörsen und Online-Communities auf die Suche gehen?

Paarungswillige haben heutzutage die Qual der Wahl und sind für viele unbemerkt als lukrative Zielgruppe entdeckt worden. Sie verfügen größtenteils über genügend finanzielle Mittel, sind gebildet und außerdem offen für die Werbebotschaften der Singlebörsen-betreiber. Die Zahl der Menschen in Deutschland, die 2005 Online-Dating-Angebote nutzten, lag bei schätzungsweise 6,4 Mio. (Wiechers und Pflitsch, 2006a, S.7).

Neben dem Geschäft mit der Liebe ist auch aus der Liebe ein Geschäft geworden: Nackte Werbebotschaften von Großkonzernen oder simple TV-Serien werden mit Hilfe „großer Gefühle“ verpackt und wirken so direkt zuckersüß und harmlos innerhalb der alltäglichen Informationsflut.

Die harten Fakten des sozialen Lebens in Deutschland sprechen allerdings gegen diese romantischen Vorstellungen: Eine steigende Tendenz bei der Anzahl der Single-Haushalte, hohe Scheidungszahlen und eine weiter rückläufige Geburtenrate (siehe 5 Die Marktanalyse). Glaubt man den Prognosen, so ist Deutschland in 50 Jahren ein Land der einsamen Greise - der perfekte Nährboden für die Botschaften der Single-börsen und Partnervermittlungen. Diese haben zur rechten Zeit das ökonomische Gewicht dieses sozialen Defizits erkannt und ein profitversprechendes Geschäfts-prinzip zurechtgeschneidert.

Beziehungssuche durch Massenmedien war zwar immer schon kostenpflichtig (z.B. Kontaktanzeigen in Tageszeitungen, Vermittlungsgebühr bei Heiratsagenturen), aber nie zuvor wurde sie so massiv betrieben und war so populär wie jetzt über das Medium Internet. Das Geschäftsprinzip der Kommerzialisierung von sozialen Bedürfnissen mit Hilfe passender Werbebotschaften funktioniert prächtig und fährt traumhafte Gewinne ein.

Im Jahr 2005 stieg der Umsatz der Online-Dating-Branche in Deutschland auf schätz-ungsweise 76 Millionen Euro, 2004 waren es noch 45 Millionen Euro (siehe 3.1.2 Umsatzentwicklung der Branche „Online-Dating“). Als Köder locken die Anbieter mit immens großen Datenbanken voller potentieller Beziehungspartner und der Unkompli-ziertheit, mit diesem Personenkreis Kontakt aufzunehmen.

Fraglich ist, ob das Konzept „Online-Dating“ für die Nutzer das erhoffte Ergebnis er-reicht. Die Profilerstellung und die Partnerwahl geschehen nach durchweg formalen Kriterien, der eigenständig auszufüllende persönliche Teil ist im Vergleich sehr gering. Führt eine Suche in einer Singlebörse nun zum gewünschten Ziel, nämlich dem er-träumten Beziehungspartner oder doch nur zu oberflächlichen und letztendlich unbe-friedigenden Kontakten? Wird der Mensch nicht so seiner Individualität beraubt und auf einen simplen Datensatz reduziert?

Ist es möglich, mittels generierten Suchmaschinen einen passenden Partner zu finden? Sind Menschen und zwischenmenschliche Beziehungen so berechenbar? Aus welchen medien-psychologischen Gründen sind Partnerbörsen im Internet überhaupt so populär geworden? Inwieweit ist Online-Dating überhaupt ernst zu nehmen? Oder handelt es sich hierbei nur um einen weiteren unverbindlichen Freizeitspaß?

In den folgenden Schritten soll zunächst die Struktur und das Marktvolumen analysiert werden mit dem Versuch, den tatsächlichen marktökonomischen Wert dieser Branche einzuschätzen und darzustellen, wie ausschlaggebend dieser Sektor für Medien-konzerne geworden ist. Dann folgen eine Untersuchung der aktuellen demografischen Situation in Deutschland, die Differenzierung von gesellschaftlichen Trends und eine Abgrenzung der Bevölkerungsgruppe der Singles anhand ihrer Qualitäten als Ziel-gruppe für Online-Dating.

Schließlich soll die Funktion des Internets in Bezug auf seine Besonderheiten und psychologischen Aspekte für den Nutzer untersucht werden. Ausgehend von diesen Beobachtungen wird die Attraktivität der gezielten virtuellen Partnersuche definiert. Mit Hilfe von Zahlen, Beispielen und Beobachtungen aus dem „Singlebörsen-Alltag“ wird geprüft, wie glaubwürdig Singlebörsen sind und wie hoch die möglichen individuellen Erfolgschancen soziologisch einzuschätzen sind.

Anhand eines Vergleichs soll nun untersucht werden, ob es sich hier um eine ernstzu-nehmende Alternative des Beziehungsaufbaus handelt oder ob die Partnersuche im Internet in erster Linie nur die Ausschöpfung eines Marktsegments ist, das unter dem Licht des im Moment herrschenden Zeitgeistes hohen finanziellen Profit verspricht.

Abschließend werden einige Theorien und Thesen, die sich mit dem Phänomen Online-Dating allgemein verbinden lassen, zusammengefasst und auf ihren Wahrheits-gehalt geprüft.

1. Das Prinzip „Online-Dating“

Was versteht man unter Online-Dating?

Welche Formen gibt es?

Wer sind die größten deutschen Singlebörsen

und Partnervermittlungen im Internet?

Wie funktionieren Anmeldung, Profilerstellung und Suchfunktion?

„Konnte man in den vergangenen Jahren noch den Eindruck gewinnen, das deutsche Online-Dating wäre à la „Wilder Westen“ in einer aufgeregten Goldgräberstimmung, so muss mittlerweile konstatiert werden, dass die Professionalisierung stark vorangetrieben wurde. Die Cowboys sind weg – die Nadelstreifen sind da.“

(Wiechers und Pflitsch, 2006a, S.3).

1.1 // Begriffsbestimmung „Online-Dating“

Die Bedeutung des Begriffes "Online-Dating" liegt recht nahe, betrachtet man seine

Bestandteile genauer. Der Begriff "Dating" beschreibt einen zwischenmenschlichen Prozess des Kennenlernens, bei dem es darum geht, einen zunächst unbekannten potenziellen Partner auf seine Tauglichkeit für die gewünschte Beziehungsform (vom One-Night-Stand bis zur Heirat) zu überprüfen (Wiechers und Pflitsch, 2006a, S.15). Das Beiwort "Online" drückt aus, dass dieser Prozess zumindest in weiten Teilen über das Internet abgewickelt wird. Online-Dating könnte also als „internetbasiertes zwischenmenschliches Kontaktknüpfen mit dem Ziel der Etablierung einer intimen und leidenschaftlichen Beziehung“ definiert werden (Wiechers und Pflitsch, 2006a, S.15). Mit dieser Definition lässt sich der Markt für Online-Dating-Dienstleistungen von An-bietern abgrenzen, die sich zwar ebenfalls dem Thema Kennenlernen verschrieben haben, bei denen aber nicht die Liebesbeziehung im Vordergrund steht. Das sind bei-spielsweise (Wiechers und Pflitsch, 2006a, S.15):

- Social-Networking (http://www.myspace.com, http://www.openbc.de)
- Freizeitpartner-Vermittlung (http://www.new-in-town.de)
- Reisepartner-Portale (http://www.travelflirt.de)
- Themen-Chats und Communities (http://www.rap.de)
- Fotovoting (http://www.wiesiehstduaus.de)

Nicht alle Internet-Angebote, die sich dem Thema "Dating" widmen, wickeln den Pro-zess des Kennenlernens weitgehend internetbasiert ab und sind somit auch nicht dem Online-Dating-Markt im engeren Sinne zuzuordnen. Darunter fallen (vgl. Wiechers und Pflitsch, 2006a, S.16):

- Portale für SMS- und Telefon-Dating (z.B. auch via Teletext)
- Klassische Partnervermittlungen mit Internet-Auftritt
- Blinddate-Eventagenturen oder Veranstalter von Singlepartys

Unter den Begriff Online-Dating fallen fünf Formen des Beziehungsaufbaus (Wiechers und Pflitsch, 2006a, S.24). Diese sind definiert als Singlebörsen, Partnervermittlungen, Adult-Dating, Single-Chat und Special-Singlebörsen. In dieser Analyse fällt das Augen-merk vorrangig auf Singlebörsen und Partnervermittlungen. Sie liegen an ihrem Markt-volumen gemessen an vorderster Stelle, haben dementsprechend auch das größte werbetechnische Aufkommen und bedienen zudem eine breite Publikumsschicht. Entsprechende Marktnischen für spezifische Zielgruppen haben die Betreiber von Spezial-Singlebörsen für sich entdeckt und sehr signifikant ausgeprägt.

Für die internetbasierte Umsetzung des Kontaktaufbaus existiert eine Fülle von Technologien und Verfahren. Die wichtigsten Varianten und Abstufungen lassen sich am verständlichsten entlang der zentralen Kennlernphasen erläutern (Wiechers und Pflitsch, 2006a, S.18).

Registrierung und Echtheitsprüfung

- Nicht notwendig
- Online-Registrierung ohne Verifikation
- Online-Registrierung mit E-Mail-Verifikation (Passwort wird an die angegebene E-Mail-Adresse geschickt)
- Online-Registrierung mit redaktioneller Mitgliederprüfung
- Online-Registrierung mit Offline-Verifikation (z.B. durch Telefon)

Personenbeschreibung

- Keine (klassischer Chat)
- Steckbrief (wie in den meisten Singlebörsen)
- Psychologischer Persönlichkeitstest (wird bei vielen Partnervermittlungen durchgeführt)
- Foto (Möglichkeit zum Anlegen von Fotogalerien, z.B. auch für definierte Altersgruppen)
- Voice (Stimmproben)
- Video (kurze signifikante Videosequenzen)

Suche und Selektion von potentiellen Partnern
- Unsystematisch durch Eigeninitiative der Nutzer (klassischer Chat)
- Einfache Kriteriensuche für User (siehe unten „Schnellsuche“)
- Komplexe Kriteriensuche (mit Berücksichtigung der gegenseitigen Übereinstimmungen)
- Algorithmusbasierte Vermittlung durch Anbieter (Partnervermittlungen)

Online-Kontaktaufnahme und -Abtasten

- E-Mail (Anbieter gibt User-E-Mail-Adresse weiter)
- Anonymisierte E-Mail (Anbieter übermittelt verschlüsselte E-Mail-Adresse des Nutzers)
- Internes Mailsystem (Versenden von Flirtmessages über Betreiber-Homepage)
- Multi-User-Textchat
- Privat-Textchat
- Voice-Chat
- Video-Chat

Über diese rein internetbasierten Grundbausteine hinaus versuchen einige Online-Dating-Anbieter, sich mit verschiedenen Cross-Media-Konzepten am Markt zu positio-nieren. Einige Portale bieten eine SMS-Schnittstelle, das heißt Nutzer werden per SMS über neue Mails informiert oder können per SMS Nachrichten an andere Nutzer sen-den (siehe 1.2.2 iLove (http://www.ilove.de))

Abgesehen davon, dass Betreiber mit ihrem Angebot natürlich Geld verdienen möch-ten, ist der Betrieb eines Online-Dating-Portals zwangsläufig mit diversen Kosten ver-bunden, beispielsweise für Entwicklung und Pflege der Online-Dating-Software, Prü-fung von neuen Mitgliedern oder für das Marketing. Die Einnahmen stammen haupt-sächlich aus Mitgliedschaftsgebühren oder aus Fremdwerbung auf den eigenen Web-seiten (Wiechers und Pflitsch, 2006a, S.20 f.).

1.2 // Singlebörsen im Internet

Das Prinzip der Singlebörse basiert auf der Übertragung und Weiterentwicklung der aus Tageszeitungen und Stadtmagazinen bekannten Kontaktanzeige auf das Medium Internet (vgl. Döring, 2003b, S449). Erste Singlebörsen wurden im deutschsprachigen Raum um 1994 eröffnet, zunächst als virtuelle Ergänzung zur Print-Kontaktanzeige. Mittlerweile zählen rund 2.000 deutschsprachige Plattformen im Internet zu der „Bran-che der einsamen Herzen“ (Wiechers und Pflitsch, 2006a, S.27).

Technisch gesehen wird von einer Singlebörse gesprochen, wenn folgende Kriterien zutreffen (Wiechers und Pflitsch, 2006a, S.25):

- Der Nutzer durchläuft eine Online-Registrierung und kann einen Steckbrief mit standardisierten Parametern anlegen.
- Es steht eine Kriteriensuche durch andere Nutzer zur Verfügung.
- Für die Kontaktaufnahme existiert ein internes Mailsystem, das die Identität des Nutzers (persönliche Daten) geheim hält.

Aus Sicht des Nutzers entstehen so virtuelle Marktplätze, auf denen er sich gezielt potenzielle Partnerkandidaten auswählen kann. In Anlehnung an diese Marktplatz-Charakteristik hat sich der Begriff "Börse" durchgesetzt (Wiechers und Pflitsch, 2006a, S.26). Hinsichtlich der Zielgruppe sind Singlebörsen für durchschnittliche "Mainstream-Partnersuchende" konzipiert. Kernstück jeder Singlebörse ist eine ausgefeilte Such-funktion, mit der die Nutzer Hunderttausende von Profilen effizient durchsuchen können. Hier lassen sich folgende Ansätze feststellen (vgl. Wiechers und Pflitsch, 2006a, S.26):

- Schnellsuche

Die Schnellsuche dient dazu, sich einen groben Überblick über den vorhandenen Profil-bestand zu verschaffen, und berücksichtigt nur wesentliche Kriterien wie Geschlecht, Alter und Wohnort.

- Detailsuche

Bei der Detailsuche kann der Nutzer sehr differenzierte Angaben zu seinem Wunschpartner machen. Die Umsetzung richtet sich danach, in welchem Umfang und mit welchen Schwer-punkten der Anbieter die formalen Daten erhebt.

- Gespeicherte Suche

Speichert der Nutzer eine Detailsuche ab, werden diese Kriterien häufig dazu benutzt,

ihn per E-Mail über interessante neue Mitglieder zu informieren. Dabei handelt es sich in

erster Linie um ein Marketing-Instrument, um den Nutzer regelmäßig auf die Webseite des Anbieters zu locken.

- "Wer-ist-online"-Suche

Bei Anbietern, die die Kontaktaufnahme zusätzlich via Privat-Textchat ermöglichen, kann der Nutzer sich meist alle Mitglieder anzeigen lassen, die gerade online sind.

Im Folgenden sollen die größten und populärsten Singlebörsen im Internet vorgestellt und untersucht werden, die Beschränkung liegt hierbei auf deutschen Anbietern[1]. Fokussiert wird die Profilerstellung, Suchfunktion und die Kostenpflichtigkeit. Anhand dieser Analyse sollen in den folgenden Kapiteln Ergebnisse und Thesen belegt und deutlich gemacht werden.

Um diese Funktionen zu testen, einen Eindruck von dem „Umgang“ in Singlebörsen zu erhalten und um letztendlich auch soziologische und medienpsychologische Aspekte zu überprüfen und auszuwerten, wurde ein fiktives Profil erstellt.

Profil von “passionbeat”

Alter: 22 Jahre, weiblich

Interessen: Sport, Ausgehen, Freunde, Shoppen, Musik, Film, Kunst

Allgemeine Situation: Wohnt in Hamburg, studiert Grundschullehramt im 6. Semester

Persönliche Situation: Kommt aus langjähriger Beziehung und will jetzt nach langer Trauerphase endlich wieder einen festen Partner finden

Wichtige Werte: Treue, Vertrauen, Humor, Spaß, auch mal zusammen einen Abend vorm Fernseher verbringen, aber ebenso die Nächte durchfeiern, zusammen verreisen, spontan Abenteuer erleben

Motto: Ich mag keine Muskelheinis ohne Hirn, dann schon lieber einen Waschlappenbubi mit Köpfchen!

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Profilbild von Passionbeat

1.2.1 // Friendscout24 (http://www.friendscout24.de)

Anzahl der registrierten Nutzer: rund 3,8 Mio.

Verhältnis männlich/weiblich: 57/43

Kostenloser Service: Kontaktanzeige aufgeben, volle Suchfunktion, Antworten auf FlirtMails und Privat-Chat-Einladungen von Premium-Mitgliedern

Kostenpflichtiger Service: Premium Mitgliedschaft ab 24,95 Euro im Monat

Benutzername: Passionbeat

Friendscout24 gehört zur Scout24-Gruppe und damit zu T-Online (Wiechers und Pflitsch, 2006a, S.28). Es handelt sich hier, gemessen an der Zahl der registrierten Nutzer, um die größte deutsche Singlebörse (Singlebörsen-Vergleich.de, 2006[2]). Bis Mitte 2004 war Friendscout24.de eindeutig der Marktführer, seitdem wetteifern auch Anbieter wie iLove.de und Neu.de um diese Stellung und berufen sich dabei auf unter-schiedliche Kennzahlen wie die Online-Reichweite oder die Zahl der "im letzen Monat aktiven Mitglieder" (Wiechers und Pflitsch, 2006a, S.28).

Bei diesem Portal besteht die Möglichkeit, bis zu 5 Fotos in sein Profil zu laden. Dann kann man seine Angaben in den Rubriken „Basis“, „Persönliches“, „Interessen“, „Suche“, „25 Fragen“ und „VIP“ vervollständigen.

Zunächst macht man allgemeine Angaben zum körperlichen Erscheinungsbild (Augen-farbe, Haarfarbe, etc.). Dann folgen die Kategorien „Erscheinungsbild“ (mehrere Eigen-schaften können ausgewählt werden), „Attraktivität“ (Skala von 1 bis 9), „Fitness“ (Fitnesslevel wählbar), Ernährungstyp, Rauchverhalten, Lieblingsküche, Familie, Beruf, Ausbildung, Religion und beherrschte Sprachen. In jedem Feld besteht immer die Mög-lichkeit zu „keine Angaben“.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Rubrik „Allgemeine Angaben“ (Quelle: Friendscout24.de, 2006, online unter: http://www. friendscout24.de)

In der nächsten Rubrik „Interessen“ wählt man bestimmte Hobbys und Freizeit-beschäftigungen aus einer Liste („Musik hören“, „Sport treiben“, „Kunst angucken“, etc.). Man trifft jeweils eine ja/nein-Entscheidung.

Im Punkt „Suche“ (Wie sieht mein Traumpartner/in aus?) wählt man zunächst „Basis-angaben“, „Aussehen“ (Figur, Gewicht, Haarfarbe,…), „Hintergrund“ (Familienstand, Kinderwunsch, Einkommen, Bildung,…) und „Lifestyle“ (Rauchverhalten, Fitness-level,…). Auch hier – in diesem eigentlich sehr persönlichen Bereich – sind die mög-lichen Angaben in einer Liste vordefiniert.

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Abb.3: Partnersuchfeld (Quelle: Friendscout24.de, 2006, online unter: http://www. friendscout24.de)

Der letzte Punkt der Profilerstellung, „25 Fragen“ lässt zum ersten Mal frei formulier-bare Angaben zu („Wie stellen Sie sich Ihren Traumpartner vor?“, etc.). Außer dieser Rubrik gibt es in der gesamten Profilerstellung nur die Möglichkeit, Buttons zu setzen oder aus einer Liste auszuwählen.

Wenn das Profil vollständig erstellt wurde, kann man durch andere Nutzer gefunden werden. Eine Liste am rechten Bildrand zeigt, welche User im Moment online sind. Bevor Kontakt aufgenommen werden kann, muss eine Kontaktierungsmail geschrieben werden. Diese Anfrage kann man ablehnen oder annehmen. Als weiteren Service bekommt man eine wöchentliche „Flirtstatistik“ per E-Mail zugeschickt. Hier kann man auf einen Blick sehen, ob neue Flirtmessages im Posteingang liegen und wie viele Nutzer das Profil besucht haben.

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Abb.4: Kontaktanfrage (Quelle: Friendscout24.de, 2006, online unter: http://www. friendscout24.de)

Anmerkung:

Hier wurden eigentlich nur Flirtmessages an das Profil geschickt, als „Passionbeat“ online war. Daraus lässt sich schließen, dass hauptsächlich durch die „Wer-ist-online“-Funktion nach neuen Kontakten gesucht wird.

1.2.2 // iLove (http://www.ilove.de)

Anzahl der registrierten Nutzer: rund 1,5 Mio.

Verhältnis männlich/weiblich: 63/37

Kostenloser Service: Kontaktanzeige mit Fotos aufgeben, volle Suchfunktion, auf Wunsch: Teilnahme an einem Casting

Für Frauen ist die Nutzung komplett kostenlos.

Kostenpflichtiger Service: Mitgliedschaft 4,99 Euro pro Woche für Männer

Nur Frauen und männliche Zahler können flirten, chatten und auf FlirtMails reagieren

Benutzename: Passionbeat

ILove ist ein Ableger der Jamba!-Gruppe, die Bezahlung wird über die Mobilfunk-rechnung abgewickelt (Wiechers und Pflitsch, 2006a, S.28). Außerdem bietet iLove seit Herbst 2005 nahezu die gesamte Funktionalität des Internet-Portals auch als JAVA-Applikation für Mobilfunk-Endgeräte an.

Hier werden ebenfalls zunächst allgemeine Angaben („Gewicht“, „Größe“, „Augen-farbe“, etc.) gemacht. Allerdings trägt man den jeweiligen Wert oder Text selbstständig ein und wählt nicht aus einer vordefinierten Liste. In dem Feld „Was mich ausmacht“ erstellt man einen freien Text, der vor der Freischaltung durch den Betreiber auf unzu-lässige Inhalte geprüft wird.

Außerdem besteht noch die Möglichkeit, im Bereich „Mehr über mich“ 25 Fragen selbstständig zu beantworten. Für jede Frage stehen jeweils 512 Zeichen zur Verfü-gung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Abb. 5: Fragenkatalog in der Rubrik „Mehr über mich“ (Quelle: iLove.de, 2006, online unter: http://www.ilove.de)

In der Rubrik für die eigenen Partnervorstellungen trägt man zunächst das gewünschte Geschlecht und die gesuchte Beziehungsform ein (z.B. „Dating & Beziehung“). In der Zeile „Was ich suche“ ist ebenfalls Platz für einen freien Text. Auch dieser wird durch den Betreiber geprüft, bevor er für andere Nutzer sichtbar ist.

Des Weiteren beinhaltet diese Singlebörse die Funktion, einen „virtuellen Kuss“ zu senden. Hierbei handelt es sich um eine unverbindliche Nachricht, mit der man die Person, die man ins Auge gefasst hat, auf sich aufmerksam machen kann.

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Abb. 6: Funktion „virtuellen Kuss senden“ (Quelle: iLove.de, 2006, online unter: http://www.ilove.de)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Abb. 7: Profilerstellung (Quelle: iLove.de, 2006, online unter: http://www.ilove.de)

Anmerkung:

Einige Minuten nach der Registrierung wurden schon Nachrichten an das Profil „Passionbeat“ geschickt.

1.2.3 // Neu.de (http://www.neu.de)

Anzahl der registrierten Nutzer: rund 3,5 Mio.

Verhältnis männlich/weiblich: 58/42

Kostenloser Service: Kontaktanzeige mit Fotos aufgeben, Basis-Suchfunktion, FlirtMails lesen

Für Frauen ist die Nutzung komplett kostenlos.

Kostenpflichtiger Service: Mitgliedschaft ab 19 Euro im Monat für Männer

Benutzername: Passionbeat

Auch bei der Registrierung in dieser Singlebörse macht man zunächst allgemeine Angaben („Person“, „Aussehen“, „politische Einstellung“, „Lieblingsküche“, etc.). Aus den ausgefüllten Feldern wird dann die „Flirtchance“ in Prozent angegeben; je mehr Angaben man zu seiner Person macht oder je mehr Fotos man in sein Profil stellt, desto höher steigen die Flirtchancen.

Es besteht außerdem die Möglichkeit, verschiedene Fotogalerien für bestimmte Alters-gruppen anzulegen. Die Fotos werden einer Prüfung durch die Betreiber unterzogen und dann für die Nutzer frei geschaltet.

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Abb. 8: Profilerstellung (Quelle: Neu.de, 2006, online unter: http://www.neu.de)

In der Rubrik „Was mir wichtig ist“ kann man auf formulierte Fragen mit einem freien Text antworten. In dem folgenden Bereich „Meine Persönlichkeit“ wählt man aus den Bereichen „Freizeit“ und „Sport“ Elemente aus einer Liste aus und klickt sie bei einer Übereinstimmung an.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Abb. 9: Rubrik „Meine Persönlichkeit“ (Quelle: Neu.de, 2006, online unter: http://www.neu.de)

Anmerkung:

Auch hier bekam das Profil „Passionbeat“ schon einige Minuten nach der Registrierung die ersten Kontaktwünsche.

1.3 // Partnervermittlungen im Internet

Internet-Partnervermittlungen basieren auf der Übertragung des Geschäftsmodells der

klassischen Partnervermittlung auf das Medium Internet (Wiechers und Pflitsch, 2006a, S.30). Der wesentliche Unterschied der Online-Partnervermitlung im Vergleich zur Singlebörse besteht darin, dass die Suche und Auswahl von potenziellen Partnern nicht durch den Nutzer, sondern durch den Anbieter in Form von generierten Com-puterprogrammen erfolgt.

Technisch gesehen wird von einer Internet-Partnervermittlung gesprochen, wenn folgende Kriterien zutreffen (vgl. Wiechers und Pflitsch, 2006a, S.30):

- Der Nutzer durchläuft eine Online-Registrierung und füllt online einen standardisierten Fragebogen mit Angaben zu sich und seinem Wunschpartner aus.
- Partnervorschläge werden mittels computerbasierter Auswahlverfahren generiert.
- Partnervorschläge werden dem Nutzer per E-Mail oder über ein internes System bekannt gegeben.

Aus Sicht des Kunden birgt die Internet-Partnervermittlung mehr positive Effekte als die Partnersuche mittels Singlebörsen. Die größten Vorteile liegen darin, dass die Anony-mität gewahrt bleibt (keine Veröffentlichung von Fotos, kein Nickname, sondern unper-sönliche Chiffre-Nummer) und der Suchaufwand reduziert wird. Auch die direkte virtu-elle Konkurrenzsituation ist stark abgeschwächt, da die Nutzer nicht wie in einer Singlebörse direkt „aufeinander prallen“. Ein großer Nachteil ist, dass die Kunden nur begrenzt Einfluss auf die ihnen vermittelten Partnervorschläge nehmen können. Hin-sichtlich der Zielgruppe sprechen Partnervermittlungen ebenfalls ein breites Spektrum an, allerdings mit dem Fokus auf den "ernsthaft Suchenden" (ggf. auch in höheren Altersgruppen). Die Werbebotschaften werden so eher mit Begriffen wie "seriös", "Lebenspartner" und "langjährig erprobte paarpsychologische Vermittlung" ausge-stattet, während Single-börsen eher Aspekte wie "Flirtrevier", "Kennlern-Plattform" oder "schnelles Dating" betonen.

Während unter den Singlebörsen noch einige kostenlose Anbieter zu finden sind, können Internet-Partnervermittlungen nicht unentgeltlich genutzt werden. Die Kosten für ein zeitlich befristetes Abonnement sind mit rund 40 bis 200 Euro deutlich höher als die Mitgliedschaft in Singlebörsen.

Im deutschsprachigen Internet finden sich weit über 500 Portale, auf denen die Dienst-leistung "Partnervermittlung" angeboten wird (Wiechers und Pflitsch, 2006a, S.34). Bei den meisten Anbietern handelt es sich allerdings um klassische Partnervermittlungen mit einem Internet-Auftritt, die nicht in die Definitionsgruppe „Online-Dating“ zählen (siehe 1.1 Begriffsbestimmung „Online-Dating“). Übrig bleibt eine Menge von rund 50 bis 100 deutschsprachigen Anbietern, je nachdem, wie großzügig der Begriff "Internet-Partnervermittlung" ausgelegt wird (Wiechers und Pflitsch, 2006a, S.34). Die marktführ-enden Anbieter[3] sollen nun vorgestellt und analysiert werden.

1.3.1 // Parship (http://www.parship.de)

Anzahl der registrierten Nutzer: 1,75 Mio.

Verhältnis männlich/weiblich: 47/53

Kostenloser Service: Online-Profil ausfüllen und Kurzgutachten einsehen, Partnervorschläge und Kontaktgesuche erhalten – Aber keine Möglichkeit der Kontakt-aufnahme

Kostenpflichtiger Service: Unbegrenztes Kommunizieren: 3 Monate: 120 Euro, 6 Monate: 179,40 Euro, 12 Monate: 262,20 Euro, nur Gutachten: 69 Euro

Parship.de war im Frühjahr 2001 der erste bedeutende Anbieter der Online-Partner-vermittlung. Mittlerweile ist Parship.de ein Teil des Holtzbrinck-Imperiums (Parship.de, 2006[4]). Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern aus dem Printbereich (z.B. spiegel.de, faz.de, sueddeutsche.de, etc.). Parship.de ist außerdem seit einigen Jahren als parship.com auch im Ausland aktiv und inzwischen sogar zum europäischen Marktführer aufgestiegen (Wiechers und Pflitsch, 2006a, S.35).

Bei einer Profilerstellung führt man zunächst einen Persönlichkeitstest durch. Der Test umfasst die Bereiche „Beziehung“, „Freizeit“, „Alltag“, „Impulse“ und „Leben“. Teilweise sind die Fragen sehr persönlich („Wie wichtig ist Ihnen Sex in einer Beziehung?“), aber größtenteils handelt es sich hier um allgemeine Fragen oder typische Reaktionen in bestimmten alltäglichen Situationen. Im Bereich „Impulse“ muss intuitiv eine Auswahl zwischen zwei ähnlichen Bildern getroffen oder Titel zu dargestellten Szenen bestimmt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Abb. 10: Profilmaske „Beziehung“ des Parship-Tests (Quelle: Parship.de, 2006, online unter: http://www.parship.de)

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Abb. 11: Profilmaske „Freizeit“ des Parship-Tests (Quelle: Parship.de, 2006, online unter: http://www.parship.de)

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Abb. 12: Profilmaske „Impulse“ des Parship-Tests (Quelle: Parship.de, 2006, online unter: http://www.parship.de)

Die gesamte Profilerstellung ist relativ zeitaufwendig (ca. 45 Minuten). Nach erfolg-reichem Abschluss erhält man eine Testauswertung zu insgesamt 24 ermittelten Charaktereigenschaften.

Im Mitgliederbereich werden dann anonymisierte Partnervorschläge mit den am besten zu dem Profil passenden Nutzern gemacht. Allerdings kann man erst Kontakt zu die-sen Personen aufnehmen, wenn man Abo-Mitglied bei Parship.de wird, was mit monat-lichen Kosten verbunden ist. Geht man diese Mitgliedschaft ein, erhält man außerdem das ermittelte Gutachten in gebundener Form.

1.3.2 // ElitePartner (http://www.elitepartner.de)

Anzahl der registrierten Nutzer: 250.000

Verhältnis männlich/weiblich: 45/55

Kostenloser Service: Online-Profil ausfüllen und Kurzgutachten einsehen, Partnervorschläge und Kontaktgesuche erhalten – Aber keine Möglichkeit der Kontakt-aufnahme

Kostenpflichtiger Service: Unbegrenztes Kommunizieren: 3 Monate: 117 Euro, 6 Monate: 174 Euro, 12 Monate: 252 Euro, nur Gutachten: 69 Euro

ElitePartner existiert seit 2004 und gehört zu dem Medienkonzern der Hubert Burda Media Group (ElitePartner.de, 2006[5]). Als Hauptzielgruppe werden Akademiker be-dient. Nach eigenen Angaben haben 67% aller registrierten Mitglieder studiert. Weitere Kriterien neben einem hohen Bildungsgrad sind ein überdurchschnittlich gutes Aus-sehen und gehobene finanzielle Verhältnisse. Ähnliche Wertvorstellungen und Ziele sowie ein ähnliches Bildungsniveau, so die Macher von ElitePartner.de, sind Garant für eine „besonders glückliche und dauerhafte Beziehung“. Die Anmeldungen in dieser Datenbank werden außerdem nach eigenen Angaben „handgeprüft“.

Bei der Registrierung muss man keinen Benutzernamen wählen, sondern bekommt eine automatische Chiffre zugeteilt. Im folgenden Test muss man anhand einer Skala von 1-6 (1=Trifft vollkommen zu, 6=Trifft überhaupt nicht zu) verschiedene Aussagen zur eigenen Person und zu zwischenmenschlichen Beziehungen bewerten. Auch sehr allgemeine Elemente wie „Lieblingsküche“, „Wohnungsstil“ oder „bevorzugt gelesene Zeitungen und Zeitschriften“ gehören zum Test. Ebenfalls gibt es eine Maske, in der jeweils die attraktivsten oder unattraktivsten Lebensmotive gewählt werden sollen.

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Abb. 13: Testmaske „persönliche Eigenschaften“ (Quelle: ElitePartner.de, 2006, online unter: http://www.elitepartner.de)

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Abb. 14: Testmaske „Zeitungen und Zeitschriften“ (Quelle: ElitePartner.de, 2006, online unter: http://www.elitepartner.de)

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Abb. 15: Testmaske „Lebensmotive“ (Quelle: ElitePartner.de, 2006, online unter: http://www.elitepartner.de)

1.3.3 // Partner.de (http://www.partner.de)

Anzahl der registrierten Nutzer: 175.000

Verhältnis männlich/weiblich: 55/45

Kostenloser Service: Online-Profil ausfüllen und Kurzgutachten einsehen, Partnervorschläge und Kontaktgesuche erhalten, 5 Mitglieder kontaktieren

Kostenpflichtiger Service: Premium-Mitgliedschaft: 1 Monat: 49 Euro, 3 Monate: 117 Euro, 6 Monate: 174 Euro

Partner.de ist das Schwesterunternehmen der Singlebörse Neu.de und seit Mitte 2005 online. Partner.de ist die „Volks-Partneragentur“ (Singlebörsen-Vergleich.de, 2006[6]), ähnlich wie Neu.de als die „Volks-Singlebörse“ bezeichnet wird. Schon bei der Regis-trierung wird darauf hingewiesen, dass die Ausfüllung des Fragebogens ca. 60 Minuten in Anspruch nehmen wird. Die Beantwortung der Fragen entspricht dem „Prozess des Kennenlernens im Alltag“ (Partner.de, 2006[7]). Unterteilt wird hier in die „Stimulus-Phase“ (erstes Annähern), dann folgt die „Werte-Phase“ (intimere Gesprächsthemen) und nach Bearbeitung dieser Bereiche begibt man sich in die „Rollen-Phase“ (Definier-ung der Beziehungsvorstellungen). Schlussendlich unterscheiden sich die Kriterien hier aber nicht stark von denen der Profilerstellung in einer Singlebörse, sie sind nur viel ausführlicher.

Nachdem man das Profil vollständig ausgefüllt hat, wird dieses in die Datenbank ein-gespeist und nach passenden Partnern gesucht. Bei einer Profilübereinstimmung werden die betreffenden Nutzer vorgeschlagen und können kontaktiert werden. Die ersten fünf Kontaktierungen sind kostenfrei, dann muss allerdings auch hier eine kostenpflichtige Mitgliedschaft abgeschlossen werden.

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Abb. 16: Maske zur „Stimulus-Phase“ (Quelle: Partner.de, 2006, online unter: http://www. partner.de)

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Abb. 17: Maske zur „Werte-Phase“ (Quelle: Partner.de, 2006, online unter: http://www. partner.de)

2. Die Anbieter und die Nutzer

Wie lässt sich die Anbieterstruktur beschreiben?

Mit welchen Problemen haben die Betreiber von Online-Dating-Portalen zu kämpfen?

Wer nutzt das Angebot?

Wie lässt sich die Gruppe der Nutzer beschreiben?

Welche Erfolgsaussichten hat Online-Dating?

„Die Menschen bestellen sich heute nicht nur die Pizza, sondern auch den Partner

im Internet.“

(Parship-Coach Sabine Wery von Limont, 2006)

2.1 // Die Anbieter

Die Anzahl der Anbieter auf dem Online-Dating-Markt ist - anders als beispielsweise bei Online-Auktionen (Ebay ist konkurrenzloser Anbieter auf dem Versteigerungsmarkt) oder dem Online-Buchhandel (Amazon als unangefochtener Marktführer) - als außer-ordentlich hoch einzustufen. Im deutschsprachigen Raum kann man momentan von rund 2000 entsprechenden Webseiten ausgehen (Wiechers und Pflitsch, 2006a, S.23). In regelmäßigen Abständen versuchen neue Anbieter ihr Glück im „Geschäft mit den einsamen Herzen“. Hierfür lassen sich zwei wesentliche Gründe benennen (Wiechers und Pflitsch, 2006a, S.23):

- Geringe Markteintrittsbarrieren

Um ein Online-Dating-Portal zu betreiben, benötigt man lediglich eine funktionsfähige Software. Diese ist relativ günstig zu erwerben, insbesondere Programmierer und Webdesigner versuchen sich deshalb oft als Betreiber auf dem Online-Dating-Markt, allerdings mit mäßigen Erfolgsaussichten. Um eine florierende Singlebörse bzw. Partnervermittlung im Internet zu betreiben, sind ein funktionierendes Marketing und offensive Werbekampagnen unerlässlich.

- Relativ frühe Marktphase

Der deutsche Online-Dating-Markt befindet sich immer noch in der Wachstumsphase, dies ist an den steigenden Umsatz- und Nutzerzahlen (siehe 3 Die Umsatz- und Nutzerzahlen) erkennbar und an der Tatsache, dass ständig neue Anbieter auf den Markt drängen.

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Abb. 18: Marktsegmente des deutschen Online-Dating-Marktes (Quelle: Wiechers und Pflitsch (2006): Online-Dating-Report Deutschland 2005, S.24)

Trotz seiner vielfältigen Angebotsstruktur lässt sich der Markt des Online-Datings re-lativ einfach segmentieren. Das liegt zum einen daran, dass es sich bei einer Mehrzahl der Portale nur um Kopien oder leicht variierte Neukompositionen von bereits etablier-ten Konzepten handelt (Wiechers und Pflitsch, 2006a, S.23). Zum anderen ist die Zahl dieser funktionierenden Konzepte sehr begrenzt und der Markt so weitgehend über-schaubar. Die marktführenden Anbieter sind längst in Medienkonzerne eingegliedert (siehe 1.2 Singlebörsen im Internet; 1.3 Partnervermittlungen im Internet). Die weniger bekannten Unternehmen arbeiten in einem eher bescheidenen Rahmen. In Deutsch-land gab es Mitte 2005 rund 2000 Online-Dating-Portale, aber nur 47 Online-Dating-Unternehmen mit mehr als vier Mitarbeitern (Wiechers und Pflitsch, 2006a, S.7).

2.1.1 // Die Online-Dating-Problematiken

Um gegenüber der Konkurrenz auf dem Online-Dating-Markt zu bestehen, kann sich eine seriöse Singlebörse oder Partnervermittlung keine Fehler erlauben. Der Kunde erwartet einen guten Service, leichte technische Bedienbarkeit und eine schnelle Bear-beitung bei einer neuen Profilerstellung oder Änderungen in bereits vorhandenen Nutzerdaten. Weitere Problematiken, mit denen Betreiber zu kämpfen haben, sind außerdem (vgl. Wiechers und Pflitsch, 2006b[8]):

- Fakes (fiktive Nutzer)

Die Datenbank der registrierten Nutzer muss ständig auf Fakes untersucht und diese ausgemerzt werden. Hinter diesen fiktiven Profilen (in der Regel weibliche Nutzer) stehen meist teure Servicenummern (z.B. unseriöse SMS-Dienste, Angebote für Telefonsex) oder kostenpflichtige Dialer[9]. Verstärkt tritt dies bei Online-Dating-Portalen auf, die beispielsweise aufgrund von misslungenem Marketing oder wegen des sex-uellen Hintergrundes (z.B. Seitensprung-Agenturen) einen starken Männerüberschuss verzeichnen. Hier ist die Mitgliedschaft für Frauen oft kostenlos - mit der Folge, dass sich besonders dort unseriöse Drittanbieter mit Fake-Profilen in der Mitglieder-Daten-bank zu platzieren versuchen. Viele Kunden wünschen sich deshalb eine manuelle Überprüfung der Mitglieder auf Echtheit.

- Karteileichen

Ebenso wie Fakes befinden sich in den Datenbanken viele Personen, die einmal ein Profil in dem jeweiligen Portal angelegt haben, dieses aber seit einem längeren Zeit-raum nicht mehr benutzen. So bekommen Nutzer, die diese Personen kontaktieren, keine Rückmeldung und sind daraufhin höchstwahrscheinlich enttäuscht. Passiert das öfter, sinkt die Popularität des betreffenden Portals.

- Zu wenig Kontakt zu anderen Mitgliedern

Erhält ein Nutzer keine Kennlern-Gesuche von anderen Mitgliedern, so haben sich seine Ansprüche an das jeweilige Portal nicht erfüllt. Um eine rege Kommunikation we-nigstens annähernd garantieren zu können, muss der Betreiber laufend an der Gestal-tung der Profile arbeiten (möglichst hohe Aussagekraft) und die registrierten Mitglieder z.B. regelmäßig mit den Profilbeschreibungen von potentiellen Partnern versorgen. Auch sollte er Nutzer ständig dazu auffordern, noch nicht ausgefüllte Rubriken (z.B. Bereitstellung eines Fotos) im Profil zu ergänzen, um den „Flirtfaktor“ zu potenzieren. Zudem besteht auch die Möglichkeit, Offline-Events wie Singlepartys zu veranstalten (wie z.B. Neu.de), um die Nutzer an das Portal zu binden.

2.2 // Die Nutzer

Online-Dating ist in Deutschland ein noch relativ junges Phänomen. Die Popularität lässt sich erst ab 2004 bzw. 2005 anhand steigender Neuregistrierungen und wachsen-der Umsatzzahlen nachweisen. Waren Männer früher noch in der Überzahl, so ist das Geschlechterverhältnis momentan relativ ausgeglichen (siehe 1.2 Singlebörsen; 1.3 Partnervermittlung).

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Abb. 19: Geschlechteranteil von Online-Dating (Quelle: Wiechers und Pflitsch (2006): Studie: "Der Online-Dating-Nutzer" Deutschland 2005, online unter: http://www.singleboersen-vergleich.de/online_ dating_nutzer_studie/online-dating-nutzer-studie-2.htm)

Nach den Ergebnissen der Studie „Der Online-Dating-Nutzer 2005“[10] beträgt das Durchschnittsalter der Online-Dating-Nutzer 36,1 Jahre. Der Schwerpunkt liegt ein-deutig bei der Gruppe der 21- bis 50-Jährigen, während Ältere nur mäßig teilnehmen. Grund hierfür ist wohl die geringe Bereitschaft, sich im hohen Alter mit einer neuen Technologie auseinanderzusetzen. So ist auch die gesamte Präsenz der Generation "50plus" im Internet sehr niedrig. Es fehlt hier an entsprechenden Angeboten, aber auch an Akzeptanz, die von den Anbietern erst noch geschaffen werden muss.

Auch Teenager sind bei der "Online-Dating-Nutzung" eher unterrepräsentiert. Ihnen stehen wahrscheinlich innerhalb ihrer Peer-Group noch genügend alternative Wege der Partnersuche offen.

[...]


[1] Die Angaben in den folgenden Rubriken „Anzahl der registrierten Nutzer“, „Verhältnis männ-lich/weiblich“, „Kostenloser Service“ und „Kostenpflichtiger Service“ wurden 2006 von den An-bietern von Singlebörsen-Vergleich.de erstellt und sind online abrufbar unter: http://www. singleboersen-vergleich.de/ kontaktanzeigen.htm

[2] Online unter: http://www.singleboersen-vergleich.de/analysen/friendscout24.htm

[3] Die Angaben in den folgenden Rubriken „Anzahl der registrierten Nutzer“, „Verhältnis männ-lich/weiblich“, „Kostenloser Service“ und „Kostenpflichtiger Service“ wurden 2006 von den An-bietern von Singlebörsen-Vergleich.de erstellt und sind online abrufbar unter: http://www. singleboersen-vergleich.de/ partnervermittlungen.htm

[4] Online unter http://www.parship.de

[5] Online unter: http://www.elitepartner.de

[6] Online unter: http://www.singleboersen-anbieter.de/partnervermittlungen.htm

[7] Online unter: http://www.partner.de

[8] Online unter: http://www.singleboersen-vergleich.de/online_ dating_nutzer_studie/online-dating-nutzer-studie-8-3.htm

[9] Dialer (deutsch: Einwahlprogramme) sind Computerprogramme, mit deren Hilfe über das analoge Telefon- oder das ISDN-Netz eine Verbindung zum Internet oder anderen Computernetzwerken aufgebaut werden kann. Unseriöse, teilweise sogar kriminelle Anbieter benutzen diese Programme, die ähnlich wie Viren und Würmer funktionieren, um ohne Wissen und Zustimmung des Kunden von diesem erhöhte Gebühren abzurechnen

[10] Diese Studie wurde von den Betreibern Henning Wiechers und Dirk Pflitsch von Single-börsen-Vergleich (http://www.singlebörsen-vergleich) durchgeführt. Sie basiert auf einer Primär-daten-Erhebung mittels Online-Fragebogen im Zeitraum vom 04.11.2005 bis zum 28.12.2005. Der Online-Fragebogen enthielt 26 Fragenkomplexe und richtete sich explizit an Personen mit Online-Dating-Erfahrung. Er wurde von insgesamt 1.107 Teilnehmern vollständig ausgefüllt.

Details

Seiten
155
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638586443
Dateigröße
2.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v67559
Institution / Hochschule
Hochschule der Medien Stuttgart
Note
1,0
Schlagworte
Soziale Aspekte Singlebörsen Partnervermittlungen Singlebörse Online-Dating Internet Partnervermittlung Single Beziehung Partnerschaft Ehe Gesellschaft Beziehungsaufbau Trennung Kennenlernen Neu.de

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Titel: Soziale und ökonomische Aspekte von Singlebörsen und Partnervermittlungen im Internet