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Therapie der Alkoholabhängigkeit

Hausarbeit 2007 42 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Notwendigkeit von Therapien bei Alkoholabhängigkeit
2.1 Schädlicher Gebrauch / Missbrauch von Alkohol
2.2 Alkoholabhängigkeit

3 Ziel der Therapie

4 Veränderungsprozesse in und aus der Alkoholabhängigkeit

5 Behandlungsphasen
5.1 Kontaktphase
5.2 Entgiftung- bzw. Entzugphase
5.3 Entwöhnungsphase
5.4 Weiterbehandlung- und Nachsorgephase

6 Therapien bzw. Behandlungsmethoden
6.1 Somatische (medikamentöse) Therapie
6.1.1 Medikamentöse Therapie beim Entzug
6.1.2 Medikamentöse Therapie bei der Entwöhnung
6.1.2.1 Alkoholsensibilisierende Medikamente
6.1.2.2 Anti-Craving-Substanzen (gegen das Verlangen, gegen den „Suchtdruck“)
6.2 Psychoedukation
6.3 Psychotherapie
6.3.1 Tiefenpsychologische Therapien
6.3.2 Kognitive Verhaltenstherapie
6.3.3 Humanistische Theorien
6.3.4 Systemische Therapie
6.3.4.1 Partner- und Familientherapie
6.3.5 Weitere
6.4 Soziotherapie

7 Ermittlung der Erfolgsquoten

8 Wem kann man welche Therapie empfohlen werden
8.1 Ambulant oder stationäre Therapie
8.2 Anticraving-Substanzen
8.3 psychoanalytische bzw. tiefenpsychologisch fundierte Therapie
8.4 Weitere Empfehlungen

9 Schlussfolgerungen

10 Zusammenfassung

11 Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Ich bin mächtiger als alle Armeen der Welt.
Ich habe mehr Menschen kaputtgemacht als alle Kriege.
Ich habe Millionen von Verkehrsunfällen verursacht und mehr Heime und Familien zerstört als alle Sturmfluten und Überschwemmungen zusammen.
Ich bin der gemeinste Dieb der Welt.
Ich stehle jedes Jahr Milliarden.
Ich finde meine Opfer sowohl unter den Reichen als auch unter den Armen, unter Jungen ebenso unter den Alten, unter Starken und Schwachen.
Ich bin ruhelos, heimtückisch und unvorhersehbar.
Ich bin überall - zuhause, auf der Straße, in der Fabrik, im Büro auf der
See und in der Luft.
Ich bringe Krankheit, Armut und Tod.
Ich gebe nichts und nehme alles.
Ich bin dein ärgster Feind.
Ich bin der Alkohol.
aus Qua Tögti, Vol.9, No.27
amedian Vol.12 - No.4/84

Weltweit gibt es das Problem der Alkoholabhängigkeit. Sie wird als Krankheit angesehen und ist in Deutschland, nach dem Rauchen die Abhängigkeit, die die meisten Todesopfer fordert und in Finnland ist Alkoholmissbrauch bereits Todesursache Nummer eins.

Die Fragestellung, mit der sich die Hausarbeit beschäftigen soll, lautet: Ist die Überwindung der Alkoholabhängigkeit wirklich durch Therapien möglich? Ist diese Krankheit wirklich „heilbar“ und mit welchen Therapien können Alkoholkranke therapiert werden? Welche Erfolgsquoten haben sie? Wem kann man welche Therapie empfehlen? Welche Therapien werden von Ärzten und Ärztinnen oder Therapeuten und Therapeutinnen angewandt?

Ich möchte einen Überblick über die Therapiemöglichkeiten geben.

Am Anfang möchte ich durch eine Definition der Begriffe Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit klären, warum eine Notwendigkeit von Therapie bei Alkoholkrankheit besteht.

Der Ablauf der Therapie und die Darstellung der verschiedenen Therapiebereiche (Medizin, Psychologie und Sozialpädagogik), die sich um eine Überwindung der Alkoholabhängigkeit bemühen, bilden den größten Teil der Hausarbeit. Es gestaltete sich schwierig, die verschiedenen Therapien bzw. Behandlungsmethoden in ein Raster zu bringen, da sie in der Literatur immer wieder nach verschiedenen Gesichtpunkten aufgegriffen wurden.

Der dritte Teil beschäftigt sich mit dem Erfolg der Therapien bei Alkoholabhängigkeit und reißt an, für wen welche Therapie geeignet ist.

Die Materiallage ist äußerst umfangreich. Es gibt viele Therapiemöglichkeiten und Methoden. Jede einzelne lässt sich ausführlich abhandeln und ist ein Thema für sich. Die Schwierigkeit bestand darin einen kurzen Überblick zu geben und dennoch den Kern der wichtigsten Therapien zu treffen.

Des Weiteren bestand eine Schwierigkeit in den verschiedenen Datenangaben (die zumeist in unterschiedlichen Untersuchungsmethoden

begründet liegen), wobei ich versuche mich auf neuere und mehrmals in der Literatur erwähnte Zahlen zu berufen.

Mein Interesse an diesem Thema wurde durch meine Nebentätigkeit als Nachtbereitschaft in einem sozialtherapeutischen Wohnheim für Suchtkranke (Wiedereingliederungshilfe nach SGB XII § 53 ff) geweckt. Ich habe in die Behandlungen und Therapien wenig Einsicht, da der Nacht- und Wochenenddienst allein stattfindet. Und möchte die Gelegenheit nutzen mich in dieses Thema weiter zu vertiefen.

In meiner Arbeit verwende ich ausschließlich die männliche Form, wobei diese die weibliche stets mit einschließt.

2 Notwendigkeit von Therapien bei Alkoholabhängigkeit

2.1 Schädlicher Gebrauch / Missbrauch von Alkohol

Alkoholmissbrauch wird bei Feuerlein, Küfner und Soyka (1998, S.1) als „schädlicher Gebrauch“ definiert, der „alkoholbezogene Folgeschäden“ (Feuerlein, Küfner, Soyka, 1998, S.7) nach sich zieht.

Es liegt ein Missbrauch von Alkohol vor, wenn dieser mehrmals zu

- versagen oder fehlen an der Arbeit, Schule oder zu Hause führt
- einer Gefährdung im Straßenverkehr oder an Maschinen führt
- rechtlichen Problemen führt
- sozialen Schwierigkeiten und Beziehungsproblemen führt (ebd., S.7)

Hier treten jedoch keine körperlichen Entzugserscheinungen, kein Craving und nicht die starke gedankliche Beschäftigung mit dem Suchtmittel Alkohol auf, wobei viele wichtige Dinge (Familie, Arbeit, Gesundheit usw.) in den Hintergrund treten und sich alles nur noch um die Sucht drehet.

2.2 Alkoholabhängigkeit

Alkoholabhängigkeit wird laut WHO wie folgt definiert: „Es handelt sich um eine Gruppe körperlicher, Verhaltens- und kognitiver Phänomene, bei denen der Konsum einer Substanz (in dem Fall Alkohol) … für die betroffene Person Vorrang hat gegenüber anderen Verhaltensweisen, die … von ihr früher höher bewertet wurden“ (Dilling, 1993, in Schwoon, 2004, S.37) Alkoholismus wird bei Feuerlein, Küfner und Soyka (1998, S.7) wie folgt definiert: „Alkoholismus ist eine primäre, chronische Krankheit… . Sie schreitet häufig fort und kann tödlich enden. Alkoholismus wird durch…dauernd oder zeitweilig auftretende Kennzeichen charakterisiert: durch die Verschlechterung des Kontrollvermögens beim Trinken und durch

die vermehrte gedankliche Beschäftigung mit Alkohol, der trotz besseren Wissens um seine schädlichen Folgen getrunken und dessen Konsum häufig

verleugnet wird.“ Schmidt (2003, Leitlinien) benennt als weiteres Merkmal einen starken, gelegentlich übermächtigen Wunsch oder innerer Zwang (craving), Alkohol zu konsumieren. Dies tritt vor allem dann ein, wenn das Beenden des Konsums versucht wird. Alkoholmissbrauch kann also nicht gleich Alkoholabhängigkeit sein. Alkoholmissbrauch kann jedoch zur Abhängigkeit führen. Bei Alkoholabhängigkeit ist der Alkoholkonsum kaum zu steuern oder zu kontrollieren. Der Alkoholabhängige ist meist nicht in der Lage, aus dieser Situation von selbst wieder heraus zu kommen. Angehörige geraten zumeist in den Teufelskreis der Co-Abhängigkeit. Die Therapie kann Wege aus der Alkoholabhängigkeit aufzeigen und somit soziale, physische und psychische Folgen der Alkoholabhängigkeit verhindern bzw. verbessern, um wieder eine Teilhabe am Leben zu ermöglichen.

Alkoholkonsum, Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit gehen ineinander über. Eine Abgrenzung ist schwierig. Die Diagnose erfolgt oft spät und wird meist durch den Patienten behindert. (http://wilfried.schafer.dk/suchthilfe14.htm)

3 Ziel der Therapie

Übergeordnet sind für alle Therapien folgende Ziele maßgeblich:

- „Sicherung des Überlebens
- Schadensbegrenzung, d.h. Symptomminimierung
- Heilung im Sinne von langandauernder symptomfreier Zustand“(Feuerlein, Küfner, Soyka, 1998, S.239)
- „Reduzierung des Suchtmittelkonsums
- Aufbau suchtmittelfreier Phasen
- Dauerhafte Abstinenz
- Lebensgestaltung in Zufriedenheit“ (Schmidt, 2003, S.86)

Die Teilziele sind sehr individuell und mit dem Alkoholabhängigen festzulegen. Die unterschiedliche Teilziele sind gleichzusetzen mit dem Teilziel Abstinenz. Es werden unter anderen bei Heimann, Hans / Mayer, Klaus und Schied, Hans Werner (1989, S.268) folgende Teilziele benannt: Verringerung körperlicher Beschwerden und sozialen Auffälligkeiten, Verbesserung der Trinksitten, psychisches Wohlbefinden.

Der Weg zum Therapieziel kommt in den meisten Fällen nicht an der Abstinenz vorbei.

Wenn einmal eine Alkoholabhängigkeit vorliegt, dann gibt es meiner Meinung nach nur zwei Wege entweder Abstinenz oder weitere Alkoholabhängigkeit und deren Folgen. In der Untersuchung von Vaillant in Feuerlein, Küfner, Soyka (1998,S.210f) waren 8 Jahre später, nach Entgiftung und Selbsthilfegruppe, ca. 1/3 verstorben, 40% der Überlebenden abstinent, 55% betrieben weiter Alkoholmissbrauch und nur 6% kamen zu einem „asymtomatischen Trinken“. Es gibt also kaum eine Chance die Steuerung des Trinkverhaltens wieder zu erlangen. Ebenso wird durch die viel ehr ansetzenden Ziele deutlich, dass das Ziel der lebenslangen Abstinenz keinen

umfassenden Blick auf die Krankheit und deren unterschiedlichen Ausprägungen zulässt.

Grundvoraussetzung für eine gelingende Therapie ist nach Feuerlein, Küfner, Soyka (1998, S.222) vor allem eine Behandlungsmotivation. Zu dieser gehört ein „individuell unterschiedlichen Leidensdruck, bedingt durch die negativen Folgen des Alkoholmissbrauchs, …, sich helfen zu lassen, und die Erwartung, dass durch die therapeutischen Maßnahmen und durch die eigenen Aktivitäten … das Ziel der Verhaltensänderung erreicht werden kann“. (ebd.)

Nach Soyka (1995, S. 291) kommt noch die Einsicht und Annahme seiner eigenen Alkoholismusabhängigkeit hinzu.

Aus meiner Praxiserfahrung weiß ich, wenn die Behandlungsmotivation fehlt und sich der Mensch nicht als alkoholabhängig war nimmt, ist Therapie „fehl am Platz“ und von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Vaillant (1989) in Feuerlein, Küfner, Soyka (1998, S.211) legt dar, dass die folgenden Faktoren zu Überwindung der Alkoholsucht beitragen:

- Ersatzabhängigkeit (ohne Suchtmittel) (z.B. Arbeit, Hobby), aber auch andere Suchtformen (übermäßiges Essen),
- (rituelle) Erinnerung an die Wichtigkeit der Abstinenz (Außenkontrolle), auch durch real fortbestehende körperliche Probleme,
- soziale und medizinische Unterstützung (z.B. durch Bezugspersonen),
- Wiederherstellung der Selbstachtung des Betroffenen (z.B. durch Selbsthilfegruppen)

4 Veränderungsprozesse in und aus der Alkoholabhängigkeit

In Schwoon (2004, S.74ff) werden 2 Modelle dargestellt, die die Veränderungsprozesse in und aus der Alkoholabhängigkeit beschreiben. In dem einen soll der Tiefpunkt als Schlüsselerlebnis durch Nichthilfe erreicht werden (äußerst inhumane Konsequenzen sind die Folge) (ebd.). Trotz vorliegender Schäden hält bei Alkoholabhängigen die Krankheitsverleugnung sehr lange an und somit wird ein frühes Intervenieren verhindert.

Im transtheoretischen Modell nach Prochaska und Di Clemente wird der Veränderungsprozess abhängigen Verhaltens als mehrstufiges Modell dargestellt, wobei Rückfälle dazu gehören und nicht negativ abgewertet werden. Der Veränderungsprozess wird hier früher festgelegt, jedoch werden auch hier erst erste Veränderungen durch „ernsthafte soziale Konsequenzen und fortschreitende gesundheitliche Bedrohung“ (Schwoon, 2004, S.82) möglich.

5 Behandlungsphasen

In vielen Büchern wird die Therapie von Alkoholabhängigen in Phasen unterteilt, wobei dies einerseits als Abfolge der Behandlung gemeint ist und andererseits als jeweils eigenständiges Behandlungsangebot angesehen werden kann. Es wäre unrealistisch das Phasenmodell als starr und maßgeblich zu betrachten, sondern es soll vielmehr als Hilfsmittel und Orientierung dienen.

Kostenträger sind nach Vereinbarung „Abhängigkeitserkrankungen“ vom 04.05.2001 die Renten und/ oder die Krankenkassen.(dort siehe Weiteres)

5.1 Kontaktphase

Soyka (1997, S. 102) zählt folgende Ziele und Funktionen der Kontaktphase auf:

- Diagnosestellung,
- Evaluierung somatischer Folgeerkrankung,
- Überprüfung der Behandlungsbereitschaft des Klienten /Patienten und
- Motivationsklärung zu weiteren Therapiemaßnahmen und deren Indikationsstellung

Die Dauer ist unklar und kann von einigen Tagen bis zu mehreren Jahren variieren.

Es ist eine sehr sensible Phase, wobei Feuerlein, Küfner und Soyka (1998, S.251) anklingen lassen, dass der Erstkontakt meist in einer akuten Problemsituation und unter Druck stattfindet. Diese Phase kann/sollte als eigenständige Kurztherapieform aufgefasst werden und folgenden Gesichtspunkten enthalten:

- Einbezug des Umfeldes, des Hausarztes, eventuell Suchtberatungsstellen, Behörden und Betrieben
- Aufklärung über Diagnose und Therapiemöglichkeiten
- Positive kognitive und emotionale Faktoren verstärken und motivationshemmende Einflüsse abbauen (ebd. f)

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Details

Seiten
42
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638586078
Dateigröße
567 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v67497
Institution / Hochschule
Fachhochschule Erfurt
Note
1,3
Schlagworte
Therapie Alkoholabhängigkeit Kultur Alkohols

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Titel: Therapie der Alkoholabhängigkeit