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ABC-Waffen - die neue Dimension des Terrors?

Seminararbeit 2001 16 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der konventionelle Terrorismus
2.1. Motivationen von Terrorismus
2.2. Terroristische Vereinigungen und ihre Ziele

3. Die Wahrscheinlichkeit von Terroranschlägen mit Massen- vernichtungswaffen
3.1. Beschaffungsmöglichkeiten
3.2. Mögliche Szenarien
3.2.1. Atomare Waffen
3.2.2. Biologische Waffen
3.2.3. Chemische Waffen

4. Schlussteil

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der 11. September 2001 war ein bedeutsamer Tag. Mit den Anschlägen auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington erlebte die Welt eine ganz neue Größenordnung des Terrorismus - Tausende von Opfern und die symbolische Bedeutung der Ziele als Wahrzeichen amerikanischer (und somit gesamtwestlicher – die Beschwörung der Formel der „Solidarität“ mit den USA vonseiten zahlreicher politischer, aber auch in anderen Bereichen bedeutender Würdenträger deutet darauf hin) Wirtschafts- und Militärstärke werfen eine zentrale Frage auf: War diese Tat in ihrer unfassbar und im Vergleich zu bisherigen Terroranschlägen unverhältnismäßig scheinenden Brutalität und ihrem fast schon absolut anmutenden Streben nach einer so großen Zahl von Opfern (oder zumindest dem Kalkül der Attentäter, diese nicht ausschließen zu können) eine einmalige Tat oder müssen wir sie vielmehr als eine Art Auftakt zu einer ganz neuen Dimension des Terrorismus betrachten?

Sicherlich waren es letztlich „konventionelle“ Waffen, nämlich insofern Flugzeuge gleichsam zu Lenkwaffen umfunktioniert wurden, die für diese Anschläge benutzt wurden. Doch mit der Frage darüber, ob es den Terroristen zumindest ein Teilziel war, so viele Menschen wie möglich mit in den Tod zu nehmen, keimt gleichzeitig eine andere, bange Frage auf: Haben die Attentäter zur Ausführung ihres Attentats vielleicht nur diejenige Waffe gewählt, die in ihren Augen am leichtesten zu „beschaffen“ war, und hätten sie vielleicht auch auf andere – nichtkonventionelle – Waffen zurückgegriffen, um ihren Plan zu verwirklichen?

Genau diese Frage will ich als Ausgangspunkt für meine Arbeit nehmen. Inwiefern sind – gerade auch angesichts der jüngsten Erfahrungen – terroristische Anschläge mit nichtkonventionellen – also nuklearen, biologischen oder chemischen – Waffen denkbar? Die These, die ich dabei verfolgen will, lautet: Trotz einiger Argumente, die (gerade auch aus der Sicht von Terroristen) gegen die Verwendung solcher Waffen sprechen, gibt es doch sehr ernstzunehmende Gründe für die Annahme, dass ein solches Szenario eines terroristischen Schlages mit A(tomaren)B(iologischen)C(hemischen)-Waffen in der Zukunft zumindest nicht ausgeschlossen werden kann.

Bei der Verfolgung dieser These ist es zunächst einmal notwendig, Überlegungen darüber anzustellen, wie überhaupt jemand dazu kommt, ein Terrorist zu werden bzw. sich einer terroristischen Organisation anzuschließen. Auch die Frage nach den Zielen, die ein Terrorist/eine terroristische Vereinigung verfolgt, ist zu stellen. Dementsprechend lassen sich dann auch Rückschlüsse auf die Waffenwahl ziehen. Ferner gilt es, im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit von terroristischen, nichtkonventionellen Angriffen zu fragen, wie es um die Möglichkeiten der Beschaffung solcher Waffen bestellt ist: Stellt der Aufwand dabei im Verhältnis zum Ziel eine zu große Hürde da, und beschränkt sich der potentielle Täter aus diesem Grund gleichsam notgedrungen auf die Auswahl von konventionellen, einfach zu beschaffenden Waffen? Oder ist es kein allzu großes Problem, an nukleares Material oder biologische/chemische Kampfstoffe zu gelangen? Die letzte Frage, die ich in diesem Zusammenhang stelle, ist die nach Präzedenzfällen: Gab es schon Vorfälle, wo Terroristen nichtkonventionelle Waffen eingesetzt oder zumindest einen solchen Versuch unternommen haben? Welche Szenarien sind überhaupt denkbar im Hinblick auf ABC-Terrorismus bzw. der Einsatz welcher Waffen-/Kampfstoffgruppe ist am wahrscheinlichsten? Schließen möchte ich mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, zu denen ich im Laufe der Arbeit gelangt bin.

2. Der konventionelle Terrorismus

Der Begriff des „konventionellen“ Terrorismus mag irreführend sein, insofern er nahe legt, dass es eine Art von Terrorismus gibt, die herkömmlich ist und insofern als legitime politische Verhaltensoption verstanden werden könnte. Andererseits aber wäre es zu kurzgegriffen, den Begriff lediglich auf die Art der Waffe zu reduzieren, die verwendet wird. Vielmehr soll er in gewisser Weise auch einen qualitativen Niveauunterschied verdeutlichen, der mit dieser Wahl der Waffe einhergeht: Bislang, so könnte man argumentieren, trafen terroristische Anschläge immer ein entweder in der Zahl der anvisierten Opfer oder zumindest in räumlicher Ausdehnung relativ eng begrenztes Ziel, eine Attacke mit nichtkonventionellen Waffen legt aber den Schluss nahe, dass hier in der (personalen und lokalen) Ausdehnung der potentiell Betroffenen eine neue Dimension erwächst: Es sind ungleich mehr Opfer möglich als sie bei einem mit konventionellen Waffen geführten Schlag zu erwarten wären (die Tatsache, dass bei den kürzlich erfolgten Anschlägen in den USA mehrere Flugzeuge zugleich eingesetzt wurden, deutet auf die Absicht der Täter hin, eine größtmögliche Zahl von Opfern zu erreichen).

Wie also steht es um die Bereitschaft von Terroristen, ganz neue „Chancen“ eröffnende, nichtkonventionelle Waffen einzusetzen? Dazu will ich zunächst einige Überlegungen zu denjenigen anstellen, um die es hier geht: Terroristen(gruppierungen) und ihre Motivationen und Ziele. Daraus lassen sich entsprechend Schlüsse ziehen im Hinblick auf die Auswahl der Waffen, die zum Erreichen dieser Absichten am geeignetsten erscheinen.

2.1. Motivationen von Terrorismus

Wie kommt überhaupt ein Mensch dazu, ein Terrorist zu werden bzw. sich einer terroristischen Vereinigung anzuschließen? Überlegungen zu dieser Frage sollen im Mittelpunkt dieses Kapitels stehen.

Insofern man Terrorismus als politisch motivierte Gewalt betrachtet, stellt er „an extraordinary and extreme form of political behaviour“ (Cameron, 1999: S. 17) dar. Also ist anzunehmen, dass derjenige, der sich zum Terroristensein entschließt oder eine terroristische Vereinigung in irgendeiner Art unterstützt oder ihre Taten gutheißt, ein bestimmtes politisches Ziel verfolgt, sei es die Unabhängigkeit einer Volksgruppe, die Bekämpfung einer Klasse und damit die Durchsetzung eines sozialistischen Gesellschaftsmodells oder aber der „Heilige Krieg“ zwischen zwei Religionen (wobei sich bei letzterem Beispiel politische und religiöse Motive vermengen). Vorausgegangen ist dieser Bereitschaft, zum Mittel terroristischer Gewalt zu greifen, zumindest bei den Protagonisten solcher Bewegungen die vermeintliche Einsicht, die eigenen Ziele mit weniger extremen Mitteln nicht erreichen zu können (und in manchen Fällen sicherlich auch der fehlgeschlagene Versuch mit anderen Mitteln). Ausgelöst werden kann die Hinwendung zur Gewalt durch ein besonderes „key event“ (Cameron, 1999: S. 86), wie z. B. die konkrete Erfahrung politischer Repressalien oder den Tod eines Freundes oder Verwandten. Dazu kommt die Überzeugung, dass gerade die terroristische „Willensbekundung“ einen größtmöglichen Erfolg in kürzestmöglicher Zeit verspricht – nichts ist nach Ansicht des Terroristen besser geeignet, ein bestimmtes Thema auf die politische Agenda zu bringen, als ein möglichst erfolgreicher (wobei erfolgreich in den meisten Fällen gleichzusetzen ist mit verheerend, wichtig ist aber auch die Verständlichkeit der damit verfolgten Absicht) Anschlag.

Natürlich spielen auch andere Faktoren (die sich je nach Art der Ausrichtung einer terroristischen Gruppierung stark unterscheiden können) eine Rolle bei der Entscheidung, einen terroristischen Werdegang zu beschreiten. So sind z. B. auch psychologische Gründe zu nennen, d. h., wenn insbesondere junge Menschen die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung beispielsweise als Möglichkeit betrachten, eine eigene Identität zu gewinnen, vorher versagte Anerkennung zu bekommen oder einen Ersatz für die eigene, zerstörte Familie zu finden. Der Entschluss, einer solchen Gruppe beizutreten, kann auch Ausdruck eines, gerade bei jungen Menschen verbreiteten, Willens zu Rebellion und Aufbegehren z. B. gegen die eigenen Eltern oder das vorherrschende politische Establishment sein.

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Details

Seiten
16
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638142489
ISBN (Buch)
9783656562573
Dateigröße
370 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v6746
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – FB Politik- und Sozialwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Terrorismus Massenvernichtungswaffen ABC-Waffen

Autor

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