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Familie und Peers als Entwicklungskontext in der Adoleszenz

Zwischenprüfungsarbeit 2005 28 Seiten

Psychologie - Entwicklungspsychologie

Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Jugendalter und Familie
2.1. Veränderungen in der Eltern – Kind –Beziehung
2.2. Erziehungsstile
2.3. Konflikte in der Adoleszenz
2.3.1. Konfliktthemen
2.3.2. Funktion von Konflikten
2.3.3. Die Beziehungsqualität während der Adoleszenz

3. Das Verhältnis zu Gleichaltrigen im Jugendalter
3.1. Besonderheiten von Peerbeziehungen im Vergleich zu Familienbeziehungen
3.2. Verschiedene Beziehungsmuster mit Gleichaltrigen
3.3. Die Bedeutung von Peerbeziehungen in der Adoleszenz
3.3.1. Die Rolle von Peerbeziehungen in der Adoleszenz, für eine spätere Bindung zu einem „romantic partner“

4. Emotionale Schwierigkeiten im Zusammenhang mit sozialen Beziehungen zu Eltern und Peers

5. Fazit

Bibliografie

Anhang

1. Einleitung

Adoleszenz bezeichnet die Phase im Leben eines Menschen, in der er sich vom Kind hin zum Erwachsenen entwickelt. Sie kann zeitlich nicht exakt eingegrenzt werden, da sich Reifeprozesse individuell sehr unterschiedlich gestalten können und von unzählbaren Faktoren der Umwelt und der eigenen Physis und Psyche abhängen. Im Allgemeinen verläuft die Adoleszenz aber innerhalb des 2. Lebensjahrzehnts. In diesem Alter nimmt der Mensch also eine Position in der Gesellschaft ein, in der er nicht mehr als Kind betrachtet wird, jedoch auch noch nicht als Erwachsener. Das bringt für den Jugendlichen oft Schwierigkeiten mit sich, die sich häufig in einem Verhalten äußern, das für die Gesellschaft abnorm wirkt. Die Jugendlichen finden sich immer wieder in bis jetzt für sie unbekannten Situationen wieder, mit denen sie erst lernen müssen, umzugehen. Diese Lernprozesse sind jedoch nicht einfach zu bewältigen. Soziale Beziehungen sind dabei für uns unerlässlich. Jugendliche sind in ein großes Netzwerk sozialer Beziehungen involviert, z.B. mit ihren Eltern, Geschwistern und Freunden. Alle diese Beziehungen wirken auf unterschiedliche Art und Weise auf die Entwicklung des Adoleszenten. In dieser Arbeit beschäftige ich mich daher mit den Rollen, die Eltern und Gleichaltrige bei der Entwicklung im Jugendalter einnehmen. Zunächst stellt sich die Frage, welchen Platz die Familie während der Phase der Adoleszenz einnimmt. In diesem Zusammenhang werde ich näher auf die auftretenden Veränderungen der Beziehung zwischen Eltern und Jugendlichen eingehen, ebenso, wie auf die Konflikte, die man in fast jeder Familie mit Kindern im Jugendalter, beobachten kann. Beobachtet man Jugendliche, z.B. auf der Straße, bemerkt man, dass sie sich oft mit Personen gleichen Alters umgeben. Gleichaltrige scheinen also eine wichtige Basis für Heranwachsende zu sein, um sich Wohlzufühlen. Deshalb werde ich mich im zweiten Teil der Arbeit, mehr mit der Bedeutung von Peers für die Entwicklung im Jugendalter auseinandersetzen. Außerdem sollen kennzeichnende Unterschiede zu Familienbeziehungen erörtert werden. Nachdem auf den ersten Seiten der Frage nachgegangen werden wird, welchen Einfluss Familien und Peers auf die soziale Reifung eines Menschen haben, steht im letzten Abschnitt der Arbeit eine andere Frage im Vordergrund. Hier möchte ich mich spezieller mit der emotionalen Entwicklung befassen und in welchem Zusammenhang Eltern und Freunde mit eventuellen emotionalen Problemen stehen.

2. Jugendalter und Familie

2.1. Veränderungen in der Eltern – Kind – Beziehung

Der Eintritt in das Jugendalter bringt enorme Veränderungen in vielen Bereichen des Lebens eines Menschen mit sich. Hier kommen eine Reihe von Entwicklungsaufgaben auf das Individuum zu. Eine der wichtigsten ist es, „emotionale Unabhängigkeit von den Eltern und anderen Erwachsenen“[1] zu erlangen. Durch das Streben des Heranwachsenden, diese Aufgabe zu erfüllen, verändert sich das Leben innerhalb der Familie stark. Die Jugendlichen stellen neue Ansprüche an Mutter und Vater und fordern mehr Autonomie. Sichtbar wird der Ablöseprozess der Kinder z.B. im Hinblick auf die Zeit, die sie mit ihren Familienmitgliedern verbringen. Während Elfjährige noch durchschnittlich 35% ihrer Freizeit mit den Eltern teilen, verbringen 18 –Jährige nur noch 14% mit ihnen.[2]

Die Jugendlichen verändern auch ihr Verhalten den Eltern gegenüber. Sie nehmen nicht mehr so selbstverständlich, wie noch im Kindesalter, die Vorstellungen und Werte der Erwachsenen an, sondern bilden häufiger eigene, oft konträre Meinungen. Folglich nimmt auch die Identifikation mit den Eltern ab. Auf diesem Wege entsteht nach und nach eine neue Form der Beziehung innerhalb der Familie, wobei diese Umgestaltung meist nicht konfliktfrei verläuft.

2.2. Erziehungsstile

Eltern reagieren auf diese neue Situation natürlich ganz verschieden, ebenso wie deren Kinder. Eltern wollen ihre Nachkommen zu „ordentlichen“ Erwachsenen erziehen. Sie wenden dabei jedoch unterschiedliche Erziehungsstile an, die sich aus zwei Ebenen ergeben, die der Zuwendung und die der Herausforderung. Im Allgemeinen kann man Erziehungsstile in vier Kategorien einordnen (Grob u. Jaschinski 2003):

1. autoritativer Erziehungsstil
2. autoritärer Erziehungsstil
3. permissiver Erziehungsstil
4. indifferenter Erziehungsstil.

Der autoritative Erziehungsstil kennzeichnet einfühlsame Eltern, die jedoch ein reifes Verhalten ihrer Kinder, angepasst an deren Fähigkeiten, fordern. Sie unterstützen die Entwicklung von Autonomie, indem sie sich problemorientiert mit den Kindern auseinandersetzen und Regeln erklären, statt sie einfach nur vorzuschreiben.

Autoritäre Eltern hingegen fordern, dass ihre Kinder ihnen gehorchen, ohne Gründe für bestimmte Regeln zu erläutern. Das führt eher zu Abhängigkeit statt zu autonomem Verhalten.

Eltern die einen permissiven Erziehungsstil anwenden gehen sehr auf die Bedürfnisse der Jugendlichen ein, sie fordern allerdings kaum die Einhaltung von Regeln und lassen enorme Freiheiten. Kinder, die in solchen Familien aufwachsen wirken oft unreif und sind nicht in der Lage Verantwortung zu übernehmen.

Indifferente Eltern befassen sich nur sehr selten mit den Problemen ihrer Nachkommen. Sie sind nur wenig an deren Leben interessiert und konzentrieren sich im Familienleben eher auf ihr eigenes Wohl. Jugendliche aus diesen Familien neigen häufiger zu delinquentem Verhalten und probieren eher Alkohol und Drogen.

Eine gelungene Balance zwischen Herausforderung und Zuwendung findet sich am ehesten in der Anwendung eines autoritativen Erziehungsstils. Dieser Stil bildet die beste Grundlage für eine gesunde Entwicklung innerhalb der Familie.

Abbildung: Erziehungsstile nach Baumrind (Grob u. Jaschinski 2003 S.63)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3. Konflikte in der Adoleszenz

Mit Beginn der Adoleszenz tritt der Jugendliche in eine Lebensphase ein, die ihn veranlasst, seine bisherigen Beziehungen zu anderen Menschen neu zu ordnen. Vor allem im Kreis der Familie strebt er nun eine neue, äquivalentere Stellung gegenüber den Eltern an. So häufen sich im Jugendalter Konflikte, die die Bemühungen nach neuen Regeln und Freiheiten, im Kontrast zu den Erwartungen und Vorstellungen der Eltern, widerspiegeln.

2.3.1. Konfliktthemen

Die Konflikte während der Adoleszenz sind normalerweise nicht von sehr intensiver Natur, so dass sie die Beziehung von Eltern und Kindern nicht ernsthaft gefährden. Wie Studien von Storch[3] beweisen, tritt Dissens häufig in alltäglichen Fragen auf. Die meisten Meinungsverschiedenheiten basieren auf der „Organisation des außerhäuslichen Freizeitverhaltens“[4], dem Erscheinungsbild der Jugendlichen oder auch auf Fragen, die die Weltanschauung betreffen (Fend 1998).

Die zentralen Streitpunkte, die von Jugendlichen in einer Studie zu Konfliktthemen innerhalb der Familie immer wieder genannt werden, sind in der folgenden Tabelle dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Grafik aus Grob u. Jaschinski 2003)[5]

Diese Tabelle bietet ein detailliertes Bild aus Sicht der Adoleszenten, über die am häufigsten auftretenden Eltern-Kind-Konflikte. Vorwiegend werden hier Themen wie Kleidung, Politik, Freunde und Kaufentscheidungen (Grob u. Jaschinski 2003) zum Gegenstand von Diskussionen. Auffällig ist auch, dass es bei den Gründen der Meinungsverschiedenheiten Unterschiede in Bezug auf das Geschlecht des Adoleszenten gibt. Bei Mädchen steht z.B. der gegengeschlechtliche Freund sehr weit oben in der Rangliste (51%), bei Jungen (41%) ist dies nicht so sehr ein Problem, wie es z.B. Kaufentscheidungen sind. Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede vergrößern sich auch noch im Laufe der Zeit (Fend 1998).[6] Ursache dafür dürfte in erster Linie die unterschiedliche Rollenverteilung der Geschlechter in der Gesellschaft sein und die Bedürfnisse, die an diese geknüpft sind. So erklären sich u.a. die Abweichungen der Angaben über das Problem Taschengeld, welches für Jungen eine größere Rolle bei der Identifizierung mit dem eigenen Geschlecht spielt oder die Ergebnisse zur Problematik einer gegengeschlechtlichen Beziehung. Letzteres wird in der Gesellschaft viel häufiger bei Eltern mit Töchtern zum Thema für Auseinandersetzungen.

„Daß diese Geschlechtsunterschiede im Verlauf der Adoleszenz ausgeprägter werden, spricht für die „Gender-Intensification-These“, nach der Geschlechtsunterschiede im Verlauf der Adoleszenz immer stärker akzentuiert werden“ (Fend 1998 S.113).

Analysiert man die Quantitäten von auftretendem Dissens hinsichtlich des Alters der Jugendlichen, so ist auch hier eine Differenz zwischen den Geschlechtern erkennbar. „Mädchen haben schon im 13. Lebensjahr den Gipfelpunkt des Dissenses erreicht, der dann von Jahr zu Jahr sinkt. Bei Jungen ist dies erst im 15. Lebensjahr der Fall“ (Fend 1998).[7]

In den meisten Familien besteht zwischen Mutter und Kind ein intensiverer Kontakt, als zwischen Kind und Vater. Mütter sind im Umgang mit ihren Kindern häufig noch sorgenvoller und bemüht, eine enge Beziehung zu wahren. Dies spiegelt sich im Alltag auch hinsichtlich der Konflikte wider. „Jugendliche erleben mit ihren Müttern intensivere Konflikte, als mit den Vätern, …“(Grob u. Jaschinski 2003). Zudem geht aus einer Studie von I. Seiffge-Krenke hervor, dass Väter schon sehr viel eher Vertrauen in die Selbständigkeit ihrer Kinder haben als Mütter (Seiffge-Krenke 2004, S.175).

Im Laufe der Adoleszenz werden die Beziehungen zu beiden Elternteilen individueller und gleichberechtigter. Die Jugendlichen werden nun nicht mehr nur als unselbständige, fürsorgebedürftige Kinder gesehen, sondern als Persönlichkeiten mit eigenen Interessen und Meinungen. Einhergehend mit der zunehmenden Emanzipation der Jugendlichen und der wachsenden Ebenbürtigkeit in der Beziehung ist dann in der späten Phase der Adoleszenz eine deutliche Abnahme der Eltern-Jugendlichen-Konflikte zu beobachten (Baumrind 1991; Rantanen et.al. 1989).[8] Auch die Änderung des rechtlichen Status der Jugendlichen mit dem 16. Geburtstag, erleichtert den Eltern oft die Gewährung von mehr Autonomie und mindert somit die Zahl der Dissenspunkte (Fend 1998).

Betrachtet man die Statistiken zum Dissens zwischen Eltern und Jugendlichen, so fällt auf, dass in der frühen Phase der Adoleszenz die meisten Konflikte auftreten. Mit zunehmendem Alter der Heranwachsenden sinkt jedoch das Dissensniveau wieder.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Grafik aus Fend 1998 S.108)

Auch die Themen, um die sich Konflikte drehen, ändern sich mit dem Alter der Jugendlichen. „Am Beginn der Pubertät (12-/13jährige) kristallisieren sie sich um Schulleistungen, auf dem Höhepunkt der Pubertät (15-/16jährige) um „S elbständigkeit“ im Sinne von Freiheiten in der eigenen außerfamiliären Lebensgestaltung, in der Spätphase der Adoleszenz (19-20jährige) um Partnerschaften und längerfristige Berufsplanung“ (Peters, 1986; zitiert nach Fend 1998, S.219). Trotz aller Konflikte und Veränderungen, die im Jugendalter auftreten, bleibt die Familie meist eine wichtige Basis für die Heranwachsenden, in der sie Unterstützung, Rat und Hilfe bekommen, um die Aufgaben, die ihnen im Leben gestellt werden, zu bewältigen.

[...]


[1] Entwicklungsaufgaben nach HAVINGHURST 1982 (Schenk-Danzinger1996 S.357)

[2] Larson u. Richard 1991; Larson et al. 1996 ; vgl.: Seiffge-Krenke (2004)

[3] Storch 1994

[4] Fend 1998 S.109

[5] Anmerkung zur Grafik: In der Tabelle von Grob u. Jaschinski (2003) befindet sich ein Druckehler. Bei 15jährigen Mädchen muss es anstatt „Anziehen 54%“ Politik 54% heißen. (Vergleich Fend 1998 S.113)

[6] „…ergaben sich mit 13 erst zwei signifikante Differenzen …, so sind es mit 15 Jahren bereits sechs Themen, die Konfliktträchtig sind.“ Fend 1998

[7] Eine Begründung dafür, dass Jungen erst 2 Jahre später, als Mädchen den Höhepunkt der Dissens zu den Eltern erreichen, könnte darin liegen, dass Jungen auch in ihrer psychischen Entwicklung etwa 2 Jahre hinter Mädchen liegen. (Vgl. Fend 1998 S. 108)

[8] Aus Seiffge-Krenke 2004

Details

Seiten
28
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638600071
Dateigröße
633 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v67444
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Institut für Psychologie
Note
2,3
Schlagworte
Familie Peers Entwicklungskontext Adoleszenz Entwicklungspsychologie Jugendalters

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Titel: Familie und Peers als Entwicklungskontext in der Adoleszenz