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"...wer etwas bezweckt, erreicht das Gegenteil..." Aspekte der schlimmstmöglichen Wendung bei Friedrich Dürrenmatt

Seminararbeit 1998 24 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Lebenslauf des Friedrich Dürrenmatt

2. Paradoxes und Groteskes bei Friedrich Dürrenmatt

3. „Uns kommt nur noch die Komödie bei“

4. Der Meteor

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die in der vorliegenden Arbeit bearbeitete Komödie Der Meteor ist, nach Aussagen des Autors selbst, weder „reines Lustspiel“ noch „reine Tragödie“ - sie ist sowohl tragisch als auch komisch. Tragik und Komik stehen sich in diesem Stück gegenüber, ohne sich gegenseitig abzumildern.

Ziel der vorgelegten Arbeit zur schlimmstmöglichen Wendung im Werk Friedrich Dürrenmatts ist, eben diese, die, nahezu in allen Arbeiten Friedrich Dürrenmatts vorkommt und als dramaturgisches Ausdrucksmittel für ihn ausschlaggebend ist, darzustellen.

Bevor auf die schlimmstmögliche Wendung in den Dramen Dürrenmatts eingegangen wird, soll zunächst Paradoxie und Groteske in seiner Arbeit zum Thema gemacht werden.

Zur Einführung des Autors Friedrich Dürrenmatts soll aber eine Beschreibung seines Lebens sowie der Faktoren, wie zum Beispiel der Großvater oder die Religion des Vaters, die Einfluß auf ihn genommen haben, eine Hilfestellung sein, um eventuellen Beweggründen des Menschen Friedrich Dürrenmatt näherzukommen.

1. Lebenslauf des Friedrich Dürrenmatt

Das Ziel des folgenden Kapitels ist es nicht, nur einen chronologischen Ablauf seines Lebens, sondern eher, oder vor allem, den sozialen und familiären Hintergrund Friedrich Dürrenmatts aufzuzeigen.

Geboren wird Friedrich Dürrenmatt am 5. Januar 1921 in Konolfingen, einem Dorf in der Nähe von Bern, als erstes Kind von dem beinahe vierzigjährigen Dorfpfarrer Reinhold Dürrenmatt und seiner sechs Jahre jüngeren Frau Hulda.

Da das Ehepaar lange auf Nachwuchs gewartet hatte, nehmen Sie vor der Geburt Friedrichs ein Mädchen an, adoptieren dieses Mädchen, von dem weiter nichts bekannt ist, aber nicht.

Drei Jahre später bekommt Friedrich Dürrenmatt eine leibliche Schwester, Verena. Doch scheint seine Erinnerung sehr verschwommen. Er sagt: „... ich sehe nur noch, denke ich zurück, ein kleines schmiedeeisernes Kreuz mit einem Emailschild schattenhaft vor mir, aber den Namen, der auf dem Schild steht, habe ich vergessen.“[1]

Es gibt verschiedenste Spekulationen, ob das angenommene Mädchen mit der leiblichen Tochter identisch ist. So zitiert Lutz Tantow den Autoren Bänziger, der in seiner Dürrenmatt-Chronologie behauptet, das Mädchen sei adoptiert worden, wohingegen Rüedi als Gegenargument aufführt, daß Reinhold und Hulda Dürrenmatt zu jung für eine Adoption gewesen seien.[2]

Als Friedrich fünf Jahre alt ist, erscheint ein zweibändiges Werk über seinen Großvater Ulrich Dürrenmatt, der ein militant-konservativer Berner Nationalrat gewesen ist und mit satirischen Versen Krämergeist und Bürokratismus bekämpft.[3]

Der Großvater Ulrich wird 1849 geboren und stirbt 1908, also lange bevor das Enkelkind Friedrich zur Welt kommt. Aber dieser „soll mit den nonkonformistischen satirischen Streitgedichten seines Großvaters wohlvertraut gewesen sein.“[4]

Er soll, laut Armin Arnold, ein junger, radikaler Mann gewesen sein, der zum Konservativen wird und Juden haßt, „einer der mit Vehemenz gegen Freisinn und Sozialismus kämpfte - ein Mann von außerordentlicher Intelligenz und tadellosem Charakter.“[5]

Er gibt eine Zeitung heraus und schreibt für jede einzelne Ausgabe einen Leitartikel in Gedichtform. Heinrich Goertz sowie Lutz Tantow greifen auf, daß der Großvater Friedrichs für ein solches Gedicht sogar zehn Tage im Gefängnis verbringen mußte. Dies empfindet Enkel Friedrich als eine Art Auszeichnung, auf die er sogar ein bißchen eifersüchtig ist - zumindest fühlt er sich, wie Goertz es beschreibt, „übergangen, weil er, trotz seiner massiven Gesellschaftskritik, niemals eine derartige Anerkennung erfuhr, sondern, im Gegenteil, immer nur Medaillen und Ehrentitel, Doktorwürden und Preise erhielt.“[6] Dürrenmatt selbst soll hierzu gesagt haben:

Für ein solches Gedicht durfte er zehn Tage im Gefängnis verbringen...Diese Ehre ist mir bis jetzt nicht widerfahren. Vielleicht liegt es an mir, vielleicht ist die Zeit so auf den Hund gekommen, daß sie sich nicht einmal mehr beleidigt fühlt, wenn mit ihr aufs allerschärfste umgesprungen wird.[7]

Wird über den Werdegang von Friedrich Dürrenmatt berichtet, bleibt der Großvater nicht unerwähnt. Wie Tantow es beschreibt, ist dieser „ein politisches Unikum“[8], welches ein treffendes Beispiel für Friedrichs Aussage gibt, daß „Urteile von Schriftstellern über Schriftsteller mehr über die Urteilenden selbst als über die Beurteilten aussagen: In Ulrich spiegelt sich Friedrich.“[9]

So scheint es auch nicht verwunderlich, daß eher der Großvater ein Vorbild für den jungen Friedrich war, als dessen Vater. Dieser beeinflußte ihn in gewisser Weise auch, gehörte doch der christliche Glaube zu seiner Kindheit. Aber wie Gerhard P. Knapp es formuliert: „Weder das Elternhaus noch der Protestantismus scheinen die Jugendjahre des Autors entscheidend geprägt zu haben.“[10]

1935 siedelt die Familie um nach Bern, nachdem Vater Reinhold vierundzwanzig Jahre Pfarrer in Konolfingen gewesen ist. Dort arbeitet er als Seelsorger am Salemspital und am Diakonissenheim.

In Bern besucht Friedrich zunächst zweieinhalb Jahre das Freie Gymnasium, wechselt dann zum Humbodtianum und besteht dort 1941 die Maturitätsprüfung. Er selbst bezeichnet seine Schulzeit als die „dunkelste Zeit“ seines Lebens.[11] „Er war ein miserabler Schüler“[12], aber ein guter Mogler und hatte, laut Knapp, „immer Schwierigkeiten in der Schule“[13]. Seine Liebe zur Malerei und zur Literatur ist in dieser Zeit bereits sehr ausgeprägt. Er verbringt seine Zeit lieber in Cafés und Kinos, zeichnet und liest viel - zunächst Bücher von Karl May, Jules Verne und Swift, später befaßt er sich mit Schopenhauer, Nietzsche und Georg Kaiser.

Bereits während seiner Schulzeit ist er sich unsicher, ob er den Rat seines Vaters, ein Theologiestudium zu beginnen, befolgen oder lieber seiner Leidenschaft nachgeben und die Malerei zum Beruf machen soll. Da er aber allem Kirchlichen gegenüber eine negative Einstellung hat und sogar selbst einmal gesagt haben soll: „Ich bin ein Protestant und protestiere“[14], akzeptiert der Vater seine Wahl, Maler zu werden, hält er doch Kunstmalerei für einen anständigen Beruf.

Dennoch entscheidet er sich, obwohl er stets mehr gemalt als gelesen hat, gegen die Malerei als Beruf und beginnt 1941 in Zürich ein Studium der Germanistik, der Philologie und der Naturwissenschaften. Er entwickelt jedoch eine enorme Abneigung gegen die Literaturwissenschaft, die er auch nie wieder abgelegt hat - ebenso wenig Freude hat er am Studium der Kunstgeschichte. Sein Studium setzt er ab 1942 in Bern fort.

Im Ganzen ist von zehn Semestern Philosophie die Rede, die aber bereits angefüllt sind mit den ersten Entwürfen und den ersten Werken. Zu meinen, der spätere Stückeschreiber habe ein entschiedenes Studium hinter sich gebracht (und sei dem Abschluß wirklich so nahe gewesen, wie er es später darstellt), wäre eine Überbewertung der Studienzeit.[15]

Ab dem Jahre 1943 beginnt die eigentliche Karriere als Schriftsteller. Im folgenden sollen einige Arbeiten aufgeführt werden, andere werden unerwähnt bleiben. In Bern lebend schreibt Dürrenmatt die ersten Erzählungen, die einige Zeit später, etwa um 1952, auch veröffentlicht werden. Die politische Situation wird seine Schreibweise beeinflußt haben, zumindest handeln sie teilweise von einem „menschengemachten Nihilismus und die Abkehr vom eigentlichen Sinn der Welt“.[16]

Dürrenmatt wechselt „nach zehn Semestern Philosophie ohne akademischen Abschluß gleich ins Komödienfach über.“[17] Bereits 1942 schreibt er seine erste Komödie, die erst 1981 in der „Werkausgabe“ veröffentlicht wird. Die zweite Komödie „Es steht geschrieben“ beginnt er im Juli 1945, schließt sie im März 1946 ab und läßt sie am 19.04.1947 in Zürich uraufführen.

[...]


[1] Tantow, Lutz. Friedrich Dürrenmatt. Moralist und Komödiant. München: Wilhelm Heyne Verlag, 1995, S. 25.

[2] Ebd.

[3] Goertz, Heinrich. Friedrich Dürrenmatt. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1987, S. 12f.

[4] Knapp, Gerhard P. Friedrich Dürrenmatt. Stuttgart: Metzler, 1980, S. 2.

[5] Arnold, Armin. Friedrich Dürrenmatt. Berlin: Colloquium Verlag, 1986 (Köpfe des zwanzigsten Jahrhunderts)

[6] Goertz, S. 13.

[7] Tantow, S. 31.

[8] Tantow, S. 30.

[9] Ebd.

[10] Knapp. S. 2.

[11] Arnold, S. 7.

[12] Goertz, S. 16.

[13] Knapp, S. 4

[14] Knopf, Jan. Friedrich Dürrenmatt. München: Beck, 1988 (Beck’sche Reihe; 611: Autorenbücher), S. 11.

[15] Knopf, S. 14.

[16] Knopf, S. 15.

[17] Knopf, S. 16.

Details

Seiten
24
Jahr
1998
ISBN (eBook)
9783638593403
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v67043
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,0
Schlagworte
Gegenteil Aspekte Wendung Friedrich Dürrenmatt

Autor

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Titel: "...wer etwas bezweckt, erreicht das Gegenteil..." Aspekte der schlimmstmöglichen Wendung bei Friedrich Dürrenmatt