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Historische Hochwässer in Mitteleuropa

von Henning Mertens (Autor) Maik Tannert (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 39 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Hochwassergeschichte, eine anthropogene Erfindung

3 Ursachen für das Auftreten von Hochwasserkatastrophen

4 Die Rekonstruktion historischer Hochwässer

5 Abflussregime

6 Intensitätsklassifizierung historischer Hochwasserereignisse

7 Chronologie bedeutender Hochwässer in Thüringen

8 Das Saale-Hochwasser von 1890
8.1 Entstehung
8.2 Verlauf
8.3 Folgen

9 Die Thüringische Sintflut
9.1 Betroffene Gebiete
9.2 Folgen des Hochwassers

10 Fazit

Literatur

Anhang I

1 Einleitung

Diese Arbeit soll vor dem Hintergrund der in den letzten Jahren medial zu Jahrhundert- und gar Jahrtausendereignissen stilisierten Hochwässer einen Überblick über historische Hochwässer in Mitteleuropa, speziell Thüringen, geben. Unter dem Aspekt der drohenden Hochwassergefahr soll kurz auf die Beweggründe menschlicher Siedlungstätigkeit an Fliessgewässern in historischer Zeit eingegangen werden. Die Einordnung historisch umfasst im Zusammenhang mit Hochwasserereignissen den Zeitraum von 1500-1900, da etwa zu Beginn des 16. Jahrhunderts vielerorts eine genauere Aufzeichnung hochwasserrelevanter Daten begann. Dies ist notwendig, da von früheren Hochwasserereignissen nur sehr vage Berichte existieren, die vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen als äußerst kritisch zu beurteilen sind. Es werden ausschließlich historische Hochwasser an Fliessgewässern betrachtet, Küstenhochwässer sind nicht Gegenstand dieser Arbeit. Die Techniken und Methoden zur Rekonstruktion historischer Hochwasserereignisse werden vorgestellt.

Dem Aspekt der natürlichen Hochwassereinflussfaktoren wird ebenso Rechnung getragen, wie der anthropogenen Einflussnahme, etwa in Form von Flussbegradigungen. Anhand einer chronologischen Auflistung bedeutender Hochwasserereignisse in Thüringen soll die Kontinuität dieser verdeutlicht werden. Besonderes Augenmerk wird auf das Saale-Hochwasser von 1890 und die Thüringische Sintflut gelegt, an denen beispielhaft Entstehung, Ausbreitung und Folgen von Hochwassern erläutert werden.

2 Hochwassergeschichte, eine anthropogene Erfindung

Unter einem Hochwasser versteht man, laut Deutsch & Pörtge (2002:7) im Allgemeinen den Zustand eines Gewässers deren Wasserführung, temporär von einem Hoch- bzw. Höchststand des Wasserspiegels geprägt ist. Diese veränderte Wasserführung hat oft zur Folge, dass durch ein Ausufern und den damit einhergehenden Überschwemmungen, Schäden an Gebäuden und Kulturland möglich sind, doch auch die Gefährdung und der Verlust von Menschenleben drohen kann. Rein formell wird „[…] nach DIN 4049 [ein Hochwasser als] zeitlich begrenzte Anschwellungen in einem oberirdischen Gewässer verstanden, die einen bestimmten Wert überschreiten“ (Schmidt 2000:15).

Man muss schlicht davon ausgehen, dass sich das Auftreten und Vorkommen von Hochwasserereignissen durch die Erdgeschichte zieht, wie ein roter Faden. Dem folgend ist davon auszugehen, dass es seitdem es Wasser führende Gewässer gibt auch Hochwasser geben wird. Deutlich weniger alt scheint dagegen die Geschichte der Hochwasserschäden, denn diese „gibt es erst, seitdem Menschen begannen, die Flussauen zu nutzen und zu besiedeln“ (Schmidt 2000:15). Die Attraktivität der Talauen für eine Besiedlung, erklärt sich zumeist aus ihren in der Regel landwirtschaftlich günstigen Eigenschaften. Gleichfalls wurden Flüsse seit Alters her, als Wasserstraßen für den Transport von Waren und Rohstoffen aller Art genutzt, was nach Schmidt (2000:16) aber besonders Massengüter wie Holz betraf. Die Ausführungen verweisen sowohl auf die Bedeutung des Holzes als wichtiges Baumaterial, aber auch auf die bedeutende Rolle als Energieträger.

Mit dem exemplarischem Verweis auf Getreidemühlen, welche Wasser als Antriebskraft ihrer Mahlwerke nutzten gewannen Flüsse, laut Schmidt (2000:16) zunehmend an Bedeutung. Mit der beginnenden Industrialisierung wurde die Bedeutung der Flüsse nochmals erweitert, als für die Gewinnung von Elektrizität und für den Betrieb von Dampfmaschinen zunehmend die Wasserkraft erschlossen wurde. Aus heutiger Perspektive, lässt sich nur grob abschätzen wie wichtig es für die heutige Zeit ist, dass die Grundsteine für die Wasserkrafterschließung als eine regenerative Energiequelle in der Vergangenheit statt fand.

Ein weiterer Stimulus der förderlich für eine Nutzung der Talauen wirkte, war Schmidt (2000:15) zufolge, der stetig größer werdende Bevölkerungsdruck im spätmittelalterlichen Europa. „Den kurzzeitigen Hochwassergefährdungen [standen] erhebliche Vorteile gegenüber“ (Schmidt 2000:15) und so arrangierten sich die Menschen mit der ständigen Bedrohung durch das Wasser. Dies erfolgte anfänglich durch passive Methoden, wie die Räumung des von den Fluten betroffenen Areals, jeweils für die Zeitspannen der Überschwemmungen, bis sich die Idee vom aktiven Hochwasserschutz durchsetzen konnte. „Hochwasser verursacht nach menschlichem Ermessen erst dann Schäden und Verluste, als man begann, die Überschwemmungsgefährdeten Gebiete zunehmend landwirtschaftlich intensiv zu nutzen und/oder schrittweise zu besiedeln.“ (Deutsch & Pörtge 2002:7).

Mit der schlichten Bedrohung von Haus, Hof und Leben geht zugleich ein Negativimage subtilerer Natur einher. In den überschwemmten Flächen bilden sich für eine gewisse Zeit feuchtgebietsähnliche Habitate, welche sich ideal für das Massenauftreten bestimmter Insekten erweisen können, exemplarisch seien hier Mücken zu nennen. Die durch die Überschwemmung entstandenen temporären Feuchtgebiete gelten laut Schmidt (2000:16), daher oftmals als Ausgangsareale von Krankheitsepidemien wie beispielsweise die malariaartige Erkrankung die gemein hin als Sumpffieber bezeichnet wird.

3 Ursachen für das Auftreten von Hochwasserkatastrophen

Bei der Betrachtung der Hochwasserentstehung muss darauf verwiesen werden, dass zwei Ursachen für die Ausprägung eines solchen Ereignisses ausschlaggebend sind. Auf der einen Seite gibt es die natürlichen Ursachen und auf der anderen die Einflüsse, welche durch menschliches Zutun auf das System einwirken können. Hochwasser stellen demzufolge natürliche Ereignisse dar, doch können sie durch die anthropogenen Beeinflussung sowohl in ihrer Ausprägung verstärkt, als auch abgeschwächt werden, wobei die Art des Niederschlags dessen Menge sowie die Dauer für ein Hochwasserereignis als bedeutende Einzelkomponenten betrachtet werden, so die Ausführungen von Deutsch & Pörtge (2000:144).

Bei der Betrachtung von Hochwasserereignissen muss an dieser Stelle noch eine Unterteilung gemacht werden. So unterscheidet man in die überwiegend temperaturbeeinflussten Winterhochwasser, welche zumeist am Ende des Winters durch Schmelzprozesse des Schnees eingeleitet werden und die von der Intensität von Niederschlagsereignissen abhängigen Sommerhochwasser.

Zwar kann der Mensch ein Hochwasser als solches nicht direkt durch sein Tun auslösen, doch kann er maßgeblich dessen Auftreten begünstigen. Diese anthropogene Einflussnahme minimiert sich allerdings, sobald es sich um einen Fluss mit ausgedehntem Einzugsgebiet handelt oder umso heftiger das Hochwasser auftritt und demzufolge, als ein statistisch seltenes Ereignis zu bewerten ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.: 1 Typen von Einzugsgebieten (Quelle: nach Deutsch & Pörtge 2002:8)

In Abbildung 1 wird bereits deutlich, was allein die Form des Einzugsgebietes für den Abfluss eines Flusses bedeutet. Wo sich im lang gezogenen Einzugsareal (a) eine verhältnismäßig langgezogene, flache Abflusskurve abzeichnet ist für das zweite Einzugsgebiet (b) eine deutlich steilere Kurve zu erkennen, die anschließend auch relativ schnell wieder abfällt. Hier wird beispielsweise deutlich, dass bei diesem Modell ein Fluss aus dem Einzugsgebiet „a“ stärker für ein Hochwasser prädestiniert sein könnte.

Die schwersten menschlichen Eingriffe stellen sich in Form von Manipulationen und Interventionen in der Ausprägung und Gestaltung des Gerinnebettes dar. Hierzu zählen sowohl Eindeichungen, Begradigungen und Verlegungen im Flusslauf gleichfalls auch die bereits angedeuteten Umnutzungen von ursprünglichen Überschwemmungsarealen. Darunter fallen gleichfalls Veränderungen am Gefälle, dem Querschnitt und der Oberflächenbeschaffenheit des Gerinnebettes. Die hier angeführten Eingriffe sind zumeist förderlich für eine Erhöhung der Fliesgeschwindigkeit des Wassers oder eben einer Eingrenzung durch Deiche was Flüssen den Zugang zu ihren „Retentionsflächen“ (Deutsch & Pörtge 2002:9) unterbindet.

Die angeführten Eingriffe betreffen vorrangig eine als Gewässerbau beizeichnete Disziplin, wobei wie in Tabelle 1 (Ursachen für HW-Kathastrophen) dargestellt ist auch das Niederschlagsrückhaltevermögen als regulierender Aspekt, nicht außer Acht gelassen werden darf. Es ist dabei zu bewerten inwieweit hier die Bodenversiegelungen einer Intensivierung von Hochwasserereignissen zuträglich sind.

Dem anthropogen hervorgerufenen Intensivierungs- oder auch Minimierungsprozessen von Hochwasservorgängen, stehen die nicht direkt beeinflussbaren natürlichen Ursachen gegenüber, die an diesem Punkt mit dem Verweis auf Tabelle 1 nicht näher erläutert werden sollen. Nur, dass sie nochmals in drei größeren Unterpunkten untergliedert werden können, welche als hydrometeorologische-, Gebiets- und Gewässerparameter bezeichnet werden.

Tab. 1: Ursachen für Hochwasserkatastrophen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: verändert nach Deutsch & Pörtge (2000:143)

4 Die Rekonstruktion historischer Hochwässer

Für die Rekonstruktion der Hochwasser längst vergangener Zeiten, bedarf es ausgiebiger Quellenarbeit, anhand derer man die historischen Flutkatastrophen nachvollziehen kann. Doch handelt es sich nicht bei allen Überlieferung um verlässliche Quellen. Es gibt eine Vielzahl an Varianten, wie die Menschen ihre Hochwasse­rerlebnisse festhalten konnten und nachfolgend sollen die wichtigsten dieser heterogenen Möglichkeiten kurz vorgestellt werden. Einige dieser Überlieferungen stellen Chroniken dar, mit deren Hilfe Gemeinden und Städte die lokale Geschichte der Hochwasser festzuhalten versuchten.

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Details

Seiten
39
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638599634
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v66977
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,7
Schlagworte
Historische Hochwässer Mitteleuropa Hauptseminar Physische Geographie

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