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Der spanische Markt für erneuerbare Energien. Chancen und Risiken für deutsche Unternehmen

Diplomarbeit 2006 69 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

I Inhaltsverzeichnis

II Abkürzungsverzeichnis

III Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung
1.3 Zielsetzung

2. Erneuerbare Energien
2.1 Windenergie
2.2 Sonnenenergie
2.3 Biomasse

3. Pest-Analyse Spanien
3.1 Einleitung
3.2 Politische Faktoren
3.2.1. Aktuelle innenpolitische Lage
3.2.2. Energiepolitik
3.2.2.1. Gesetze und politische Leitlinien
3.2.2.2. Gesetzesrahmen für Betreiber
3.2.2.3. Energiepolitische Administration
3.3 Ökonomische Faktoren
3.3.1. Allgemeines
3.3.2. Sektorale Wirtschaftsstruktur
3.3.3 Der Strukturwandel der spanischen Wirtschaft
3.3.4 Aktuelle wirtschaftliche Lage und Ausblick
3.3.5. Investitionsklima
3.3.6 Konsumklima
3.3.7. Außenhandel
3.3.8 Direktinvestitionen
3.3.9. Wirtschaftliche Freiheit
3.4 Soziales Umfeld
3.4.1 Arbeitsunfälle
3.4.2. Arbeitsproduktiviät
3.4.3 Demographische Entwicklung
3.5 Technologie
3.5.1 Staatsausgaben Forschung und Entwicklung
3.5.2 Technologische Entwicklung photovoltaischer Anlagen
3.5.3 Technologische Aspekte bei der Produktion von Biomasse
3.5.4 Technologische Entwicklung bei Windenergieanlagen

4. Erneuerbare Energien in Spanien
4.1 Der spanische Energiemarkt
4.1.1. Strommarkt
4.1.2. Erzeugung und Verbrauch
4.1.3 Ausblick
4.2 Der Markt für Windenergie
4.3. Der Markt für Solarenergie
4.3.1. Photovoltaik
4.3.2. Solarthermie
4.4 Der Markt für Biomasse

5. Einspeisesysteme für erneuerbare Energien

6. Deutsche Unternehmen in Spanien
6.1 Deutsch – Spanischer Handel
6.2 Die Aspekte des spanischen Marktes
6.3. Geschäftslage deutscher Unternehmen in Spanien

7. Markt Spanien: Chancen und Risiken
7.1 Chancen
7.1.1 Solar
7.1.2 Biomasse
7.1.3 Windenergie
7.2 Risiken
7.2.1 Solar
7.2.2 Biomasse
7.2.3 Windenergie

8. Fazit
8.1 Solar
8.2 Biomasse
8.3 Windenergie

9. Ausblick
9.1 Photovoltaik
9.2 Solarthermie
9.3 Windenergie
9.4 Biomasse

IV Anhangverzeichnis mit Anhang

V Literaturverzeichnis

VI Eidesstattliche Erklärung

II Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

III Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die Wirtschaftsregionen Spaniens

Abbildung 2: Anteile eigener und importierter Energieträger am Primärenergieverbrauch Spaniens

Abbildung 3: Energieverbrauch aus erneuerbaren Energien in Spanien

Abbildung 8: Prognosen für 2010 (PER)

Abbildung 11: Entwicklung des deutschen – spanischen Handels

Abbildung 12: Aspekte des spanischen Marktes

1. Einleitung

Energie hält die Welt in Bewegung. Wie wichtig Energie ist, wird oft erst bewusst, wenn sie fehlt. Schmerzlich vermisst wurde sie beispielsweise am 15. August 2003, als ein kleiner Defekt in der Stromversorgung an der amerikanischen Ostküste eine Kettenreaktion auslöste, an deren Ende der größte Stromausfall in der Geschichte der Vereinigten Staaten und Kanadas stand. Er legte Fabriken lahm, stoppte U-Bahnen und voll besetzte Aufzüge, beendete Computerarbeit – und natürlich gingen auch die Lichter aus. Was deutlich wurde: Ohne Energie ist nicht viel los. Sie ist die lebendige Kraft, lateinisch „vis visa“.

Energie lässt sich nach der Reihenfolge ihres Einsatzes in vier Stufen teilen. Primärenergie entspringt direkt der Natur, zum Beispiel als Stein- und Braunkohle, Erdöl, Erdgas oder regenerativ als Sonnenstrahlung, Wind, Erd- oder Biowärme. Primärenenergie wird in Sekundärenergie umgewandelt. Der wichtigste sekundäre Energieträger ist Strom. Strom lässt sich aus erneuerbarer Energie gewinnen sowie den fossilen Energieträgern Öl, Kohle, Erdgas und Kernenergie. Weitere Sekundärenergien sind beispielsweise Benzin oder Diesel. Dort, wo die Energie gebraucht wird, ob im Kühlschrank, in der Heizungsanlage, im Auto oder in der Druckerwalze, heißt sie Endenergie. Die wiederum wandelt sich in die so genannte Nutzenergie, also in warme Wohnzimmer oder heiße Herdplatten.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends wird immer klarer, dass der globale Energiemix sich in den nächsten Jahrzehnten ändern wird. Die erneuerbaren Energien rücken mehr und mehr in den Mittelpunkt.[1] Der Zwang, den Kohlendioxidausstoß zu senken, den sich viele Staaten im Kyoto-Abkommen auferlegt haben, und vor allem die drastisch gestiegenen Preise für Erdöl, Erdgas und Kohle entfachen einen Boom der regenerativen Energien. Weltweit investieren Staaten und Energieunternehmen massiv in effektivere und weniger klimaschädliche Kraftwerke, um den exorbitanten Preisanstieg der Brennstoffe abzufedern und den Treibhauseffekt zu mildern.

Der Boom bei Solaranlagen, Windrädern und Biomasse ändert allerdings nichts daran, dass eine sichere Energieversorgung noch für viele Jahre weitgehend von klassischer Energieerzeugung abhängt. Trotz des Aufschwungs deckten erneuerbare Energien in Deutschland im vergangenen Jahr erst 6,4 Prozent des Gesamtbedarfs ab. „Wenn wir 2020 mindestens 20 Prozent des Stromverbrauchs über Erneuerbare decken wolle, gehen die restlichen 75 bis 80 Prozent jedenfalls nicht ganz ohne Kohle und Gas“, gibt selbst Bundesumweltminister Sigmar Gabriel zu.

In Deutschland werden bis Anfang des nächsten Jahrzehnts 24 neue Großkraftwerke in Betrieb gehen. Neun davon werden mit Erdgas, zehn mit Stein- und zwei mit Braunkohle betrieben. Lediglich zwei basieren auf der erneuerbaren Energiequelle Wasser. Dazu kommen unzählige Kleinanlagen, vor allem Offshore-Windparks, Biomassekraftwerke und, trotz nicht ganz optimaler Sonneneinstrahlung, hoch subventionierte Solarkraftwerke. Bereits seit einigen Jahren ist die Bundesrepublik Vorreiter beim Einsatz erneuerbarer Energien.

Deutschland wähnt sich nicht von der Sonne verwöhnt, trotzdem ist es die führende Solarnation der Welt. Nach einer Branchenanalyse der Landesbank Baden Württemberg (LBBW) wurden 2005 in Deutschland Photovoltaik-Anlagen, mit einer Gesamtleistung von 750 Megawattpeak (MWp), neu installiert. Das ist etwas mehr als ein Kohlekraftwerk erzeugt. Dagegen waren Japan mit 280 MWp und die USA mit 90 MWp noch „kleine Lichter“. Photovoltaik macht in Deutschland rund 80 Prozent des Geschäfts aus. 2005 erzielte die deutsche Solarwirtschaft – 5000 Unternehmen, 42.500 Beschäftigte – einen Gesamtumsatz von 3,7 Milliarden EUR, so der Bundesverband Solarwirtschaft BSW. Die jährlichen Wachstumsraten betrugen in der Vergangenheit über 30 Prozent.

Volker Quaschning von der FHTW in Berlin meint, dass zwischen 20 und 40 Prozent Zuwachs auch in der Zukunft möglich seien. Vorausgesetzt, Öl bleibt teuer, die Versorgungslücke beim Rohstoff Silizium wird geschlossen und die Klimaschutzpolitik spielt weiter mit. Der politische Beitrag zum Boom ist das Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG), das Einspeisevergütungen für Solarstrom garantiert. Vor kurzem haben auch Spanien, Italien und Portugal mit Gesetzen nachgezogen, für die das deutsche EEG Pate stand. Solarthermische Kraftwerke gibt es dort schon lange, nicht aber eine systematische Förderungspolitik.

Was in Deutschland wie Verschwendung anmutet, lohnt sich deshalb schon bald in vielen sonnenreichen Ländern. Vor allem die solarthermischen Anlagen haben das Potenzial, binnen weniger Jahre die Wirtschaftlichkeitsschwelle zu erreichen.

Der deutsche Markt sei bald gesättigt“ erwartet Solaranalyst Patrick Hummel von der LBBW.[2] In absehbarer Zeit wird Deutschland seine Stellung als wichtigster Solarmarkt verlieren. „Deshalb müssen die Unternehmen versuchen, international zu expandieren.“ Aus diesem Grund orientieren sich deutsche Solarunternehmen unter anderem verstärkt nach Südeuropa.

Im sonnigen Süden Europas hat man lange Zeit den Trend verschlafen. Obwohl die Solartechnik wegen des größeren Sonnenangebots bis zu 50 Prozent rentabler als in Deutschland ist, haben sie die Spanier bisher nur wenig genutzt. Seit kurzem macht sich jedoch in der Solarbranche eine neue Aufbruchsstimmung breit. Nun ist Spanien stark im Kommen. Bald könnte es sich sogar an die europäische Spitze schieben.

Ursachen hierfür sind die Kyoto - Vereinbarungen zum Klimaschutz sowie die Bestrebungen der EU, den Anteil der erneuerbaren Energien zu erhöhen. Spanien hat 1990 drei Viertel weniger Treibhausgase emittiert als Deutschland. Deshalb darf das Land im Rahmen des internationalen Klimaschutz-Abkommens seine Kohlendioxid-Emissionen im Zeitraum 2008 bis 2012 sogar um 15 Prozent erhöhen. Ein starkes Wirtschaftswachstum und ein stetig steigender Energiebedarf haben allerdings dafür gesorgt, dass die Treibhausgas-Emissionen bereits vor vier Jahren um 21 Prozent empor geschnellt sind. Für Spanien gilt es also, möglichst schnell die Notbremse zu ziehen und den Trend umzukehren, möchte es die Klimaschutzziele auch nur annähernd erreichen. Deshalb sollen auch in Spanien erneuerbare Energien künftig einen großen Beitrag zum Klimaschutz liefern.[3]

1.1 Problemstellung

Spanien belegte in der letzten Ausgabe des vierteljährlich erscheinenden “Renewable Energy Country Attractiveness“ Indexes, publiziert von Ernst & Young den ersten Platz.[4] Als drittgrößtes Land Europas, von Sonnenreichtum geprägt, gerät Spanien natürlich auch immer mehr in den Fokus deutscher Unternehmen aus der Erneuerbaren-Energien-Branche. Viele Unternehmen tragen sich mit dem Gedanken eines Markteintritts, um am zweifelsohne großen Marktpotenzial in Spanien zu partizipieren. Jedoch sind die Unterschiede von Land, Leuten und Markt im Vergleich zu Deutschland nicht unerheblich. Bis auf einige nach Aufmerksamkeit haschende Berichte ist in Deutschland bisher nur wenig über Chancen und Risiken für erneuerbare Energien in Spanien berichtet worden. Es besteht die Gefahr, dass Unternehmen, ohne fundierte Marktkenntnisse zu haben, einen Markteintritt versuchen und dabei erhebliche Verluste einfahren.

1.2 Gang der Untersuchung

Nach der Definition der wichtigsten Formen von erneuerbarer Energie in Spanien (Kapitel 2), folgt eine detaillierte Pest-Analyse des Landes (Kapitel 3). Hier wird die Makroumgebung für Unternehmen auf dem spanischen Markt im Allgemeinen und im Speziellen der erneuerbaren Energien untersucht. Im Folgenden wird die Situation der erneuerbaren Energien in Spanien analysiert (Kapitel 4). Dabei wird empirisch, u. a. durch gezielte Befragung am Markt etablierter Firmen, der spanische Energiemarkt sowie das aktuelle Marktgeschehen der jeweiligen Technologien erforscht. Daraufhin folgen in Kapitel 5 eine Analyse des Deutschen und des Spanischen Einspeisevergütungssystems sowie eine Gegenüberstellung beider Systeme. Die Analyse der Situation für deutsche Unternehmen in Spanien führt zum Kern der Arbeit hin, indem ausführlich die Chancen und Risiken für deutsche Unternehmen im jeweiligen Segment beschrieben werden (Kapitel 7). Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse im Fazit und einem Ausblick für die Zukunft (Kapitel 8 und 9).

1.3 Zielsetzung

Der Autor hat sich zum Ziel gesetzt, in einem umfassenden Bericht eine Entscheidungsgrundlage für die Aussichten für deutsche Unternehmen auf dem spanischen Markt für erneuerbare Energien zu schaffen. Hierbei hat er sich auf die drei wichtigsten Energiequellen in Spanien beschränkt: Solarenergie, Windenergie und Biomasse. Mit Hilfe der Pest-Analyse und Darstellung der Märkte soll ein umfassendes Bild von den Wirtschaftsbedingungen in Spanien entstehen. Darüber hinaus soll mit der Gegenüberstellung der Chancen und Risiken für jede einzelne Technologie eine detaillierte Situationsanalyse entstehen, auf deren Basis eine Markteintrittsentscheidung gefällt werden kann.

2. Erneuerbare Energien

Erneuerbare bzw. regenerative Energien werden nach menschlichen Maßstäben als unerschöpflich betrachtet. Im Gegensatz zu fossilen Energieträgern bilden sie keine Reserve, aus der man schöpfen kann. Sie bestehen vielmehr aus natürlichen Kreisläufen, in die man die Energiegewinnung einbinden kann. Eine Ausnahme bildet dabei die Erdwärme, da diese zwar sehr langsam, aber dennoch stetig abnimmt und damit streng genommen nicht als „erneuerbar“ bezeichnet werden kann. Im Folgenden sollen die unterschiedlichen Energieträger und die zur Nutzung bereitstehenden Technologien genauer erläutert werden.

2.1 Windenergie

Windenergie ist die Branche am Markt für erneuerbare Energien, die weltweit am schnellsten wächst. Windkraftwerke erzeugen Strom, den sie in die Stromnetze einspeisen. Man unter-scheidet hierbei zwischen Onshore- und Offshore-Windkraft.

Onshore-Windkraft

Der Begriff „Onshore-Windkraft“ bezeichnet Windräder an Land. Die Anlagen haben meist drei Rotorblätter aus glasfaserverstärktem Kunststoff; diese sind bei den größten Anlagen über 50 m lang. Die Türme der größten Windkraftanlagen ragen bis zu 90 m hoch auf. Je höher der Turm ist, desto weniger stören Verwirbelungen aufgrund der Bodenrauheit und desto höher sind die mittleren Windgeschwindigkeiten.

Neben Rotor und Turm sind Generator und Getriebe die wichtigsten Anlagenbauteile. Da insbesondere die Getriebe als reparaturanfällig gelten, stellen Hersteller teilweise auf getriebelose Anlagen um.

Offshore-Windkraft

An Land sind Standorte für Windenergie knapp geworden, besonders in den dicht besiedelten Ländern Dänemark und Deutschland. Auf See (offshore) ist dagegen Platz genug und es weht mehr und gleichmäßigerer Wind. Allein in den deutschen Hoheitsgewässern und in der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) könnten langfristig Windparks mit einer Gesamtleistung bis zu 25.000 Megawatt entstehen. In ganz Europa wird das Potenzial auf mehr als 35.000 Megawatt geschätzt. Das ergäbe einen jährlichen Stromertrag von bis zu 100 Terawattstunden, also etwa 15 Prozent des Stromverbrauchs des Jahres 2004 in Deutschland. Offshore-Windkraftanlagen unterscheiden sich von denen an Land in einigen Punkten:

- Da die Offshoreanlagen im Wasser errichtet werden, benötigen sie besonders starke Fundamente, um Sturm und Seegang standzuhalten.
- Wegen des maritimen Klimas mit stark salzhaltiger Atmosphäre müssen die Anlagen gegen Korrosion geschützt werden. Dazu sind spezielle im Schiffsbau verwendete Oberflächenbeschichtungen und Anlagen zur Trocknung der Luft in Turm und Gondel nötig.
- Angesichts der hohen Kosten für die Fundamente und den Anschluss an das Stromnetz an Land sind nur Anlagen mit großen Leistungen wirtschaftlich.

In den letzten 30 Jahren hat sich die Anlagenleistung um ein Vielfaches vergrößert. 1982 hatten die größten Windenergieanlagen (WEA) eine installierte Nennleistung von weniger als 50 kW. Heute hat eine durchschnittliche WEA eine Nennleistung von ca. 2 MW. Mittlerweile wurden WEA mit bis zu 6 MW Nennleistung und einem Rotordurchmesser von über 120 Metern entwickelt.[5]

2.2 Sonnenenergie

„Eine Vielfalt von Anlageformen nutzt die Energie des auf die Erde fallenden Sonnenlichts. Photovoltaische Anlagen erzeugen daraus Strom, solarthermische teilweise nur Wärme, teilweise auch Wärme und Strom.

Photovoltaik

Solarzellen wandeln Sonnenlicht in elektrischen Strom um. In den Solarzellen sind Halbleiterschichten übereinander angeordnet, die vor allem aus Silizium bestehen. Der gewonnene Gleichstrom lässt sich direkt zum Betrieb elektrischer Geräte nutzen oder in Batterien speichern. Umgewandelt in Wechselstrom kann er in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden.

Photovoltaische Anlagen mit wenigen Kilowatt Leistung lassen sich in Dächer oder Fassaden integrieren. Um Leistungen im Megawattbereich zu erzielen, müssen Photovoltaikanlagen in der Regel auf geeigneten freien Flächen oder großen Dächern aufgestellt werden. Für dezentrale Klein- und Kleinstanwendungen wie Notrufsäulen, Funk- und Messstationen oder abgelegene Hütten ebenso wie für Wohnmobile oder Yachten bieten sich netzunabhängige Kleinanlagen an.

Solarthermie

Die Solarthermie erzeugt Wärme aus Sonneneinstrahlung; in solarthermischen Großkraftwerken dient die Wärme auch zur Stromerzeugung.

- Sonnenkollektoren

Kollektoren nehmen die Wärme der einfallenden Sonnenstrahlen auf, sammeln sie und leiten sie weiter. Vakuumröhrenkollektoren eignen sich besonders dazu, Gebäude zu heizen und Prozesswärme bereitzustellen. Sie haben die höchsten Wirkungsgrade unter den Kollektortechnologien. Flachkollektoren verlieren bei niedrigen Außentemperaturen die solaren Wärmegewinne wieder.

- Solarthermische Kraftwerke

Solarthermische Kraftwerke nutzen Hochtemperaturwärme aus konzentrierenden Sonnenkollektoren, um eine konventionelle Kraftmaschine anzutreiben. Die Anlagen können zur reinen Stromerzeugung, aber auch zur Kraft-Wärme-Kopplung eingesetzt werden, also zur kombinierten Erzeugung von Strom und Prozesswärme. Um die im Kraftwerksbetrieb erforderliche Verfügbarkeit der Anlage auch zu einstrahlungsarmen Zeiten oder nachts zu erreichen, wird bei Prototypanlagen an Verfahren gearbeitet, welche die erzeugte Solarwärme effizient thermisch speichern. Eine Alternative dazu wäre ein konventioneller fossil gefeuerter Kessel. Die Kraftwerke könnten dann doppelt genutzt werden: tagsüber als Solarkraftwerk und nachts als Teil des konventionellen Kraftwerkparks. Dies könnte die Markteinführung solcher Systeme unterstützen.

- Parabolrinnenkraftwerke

Bei diesem Konzept wird das Sonnenlicht durch parabolisch gekrümmte Spiegel auf ein Absorberrohr konzentriert, das sich dabei auf etwa 400°C erhitzt. Ein evakuiertes Glashüllrohr schützt das Absorberrohr gegen Wärmeverluste. Ein im Rohr strömendes Thermoöl führt die absorbierte Wärme ab, die über einen Wärmetauscher zur Dampferzeugung genutzt wird. Mit dem so erzeugten Dampf wird ein konventioneller Dampfturbinen-Generatorsatz angetrieben. Auch die Integration in den Dampfteil eines modernen Gas- und Dampfturbinen-(GuD-)Kraftwerks ist möglich.“[6]

Um konkurrenzfähig Strom zu erzeugen, reichen bei Parabolrinnenkraftwerken zumindest in sonnenreichen Regionen knapp 30 Prozent der Zuschüsse, die in Deutschland für Solarzellen gezahlt werden. Bei künftig steigenden Preisen für fossile Rohstoffe und einer Serienfertigung der Spiegel und Rohre schließt sich die Schere weiter. Deshalb gibt es schon Pläne für zwei zusätzliche baugleiche Kraftwerke in Spanien und eine Reihe von Anlagen in sonnenreichen Bundesstaaten der USA, vor allem in Nevada und Kalifornien.[7]

[...]


[1] Vgl. Berz, Dr. G., Münchener Rück – Erneuerbare Energien, in: Versicherung einer Zukunftstechnologie, 2004, Seite 12

[2] Vgl. Stehr, Christoph, Unternehmen - Solarenergie,in: Karriere 06, 2006, Seite 31 - 32

[3] Vgl. Deutsche Handelskammer für Spanien, Zielgruppenanalyse Bioenergie, 2006

[4] Vgl. Stevenson, R., Germany drops in relative attractiveness for renewables, in: Renewable energy monitor, Edinburgh, Week 20 - August 2006

[5] http://www.renewables-made-in-germany.com/de/windenergie/

[6] Vgl. Berz, Dr. G., Münchener Rück – Erneuerbare Energien, in: Versicherung einer Zukunftstechnologie, 2004, Seite 26

[7] Vgl. Kempkens, W., Strom aus dem Spiegel, in: WirtschaftsWoche – 19.06.2006 – Nr. 25, Seite 129 - 132

Details

Seiten
69
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638587327
Dateigröße
874 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v66907
Institution / Hochschule
Euro-Business-College Bielefeld
Note
1,3
Schlagworte
Chancen Risiken Unternehmen Markt Energien

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