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Friedrich Dürrenmatts Auseinandersetzung mit dem zeitgenössischen Literaturbetrieb in seinem Werk 'Der Meteor'

Hausarbeit 2005 16 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das Werk
2.1 Die Wahl der Komödie als Auseinandersetzung
2.2 Erklärungsversuch zum Titel des Werkes

3. Künstler im ‚Meteor’
3.1.2 Außenperspektive
3.2 Hugo Nyffenschwander

4. Dürrenmatts Darstellung des Kunstmarktes im ‚Meteor’
4.1 Vertreter des Kunstmarktes im ‚Meteor’
4.1.1 Carl Conrad Koppe
4.1.2 Friedrich Georgen

5. Dürrenmatts Auseinandersetzung mit dem zeitgenössischen Literaturbetrieb im ‚Meteor’
5.1 Mögliche autobiografische Elemente

6. Fazit

Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

„Das Theater bedeutet immer noch die Welt (…)“. Dieser Gedanke von Friedrich Dürrenmatt lässt im Umkehrschluss leicht erkennen, dass Dürrenmatt in seinem Theater versucht, die Welt darzustellen. Mit all seiner Macht und seinen Möglichkeiten als „Welttheaterautor“ kreiert er für den Zuschauer eine künstliche Welt auf der Bühne, die das eigentliche Welttreiben aus der Sicht des Autors darstellt. Durch Verfremdungseffekte und Nicht-Identifikation erreicht Dürrenmatt speziell im ‚Meteor’ sein Ziel, den Zuschauer zur kritischen Distanz des Theaterspiels und somit auch des Weltgeschehens zu bewegen. Der ‚Meteor’ ist ein Künstlerdrama, das den Missstand, den Dürrenmatt im zeitgenössischen Literaturbetrieb sieht, beleuchten soll. Diesen Missstand drückt Dürrenmatt vor allem durch seinen Protagonisten und dem dargestellten Kunstmarkt im Werk aus.[1]

Es gilt nun zu untersuchen, und hier stellen sich einige spannende Fragen, auf welche Weise und mit welchen Mitteln Dürrenmatt die kritische Distanz bei seinem Publikum erzeugt, warum er gerade die Komödie für diese Aufgabe wählt und vor allem, wie er den zeitgenössischen Literaturbetrieb eigentlich sieht.

Diese Fragen sollen im Anschluss ausführlichst bearbeitet und beantwortet werden.

2. Das Werk

2.1 Die Wahl der Komödie als Auseinandersetzung

„Uns kommt nur noch die Komödie bei.“ Friedrich Dürrenmatt spricht hier den ‚Totalbankrott’ des Weltgeschehens und der Gesellschaft an. In seinem ‚Meteor’ beleuchtet Dürrenmatt aber nur einzelne Elemente dieses ‚Totalbankrotts’, welche hier später genauer untersucht werden sollen. Warum Dürrenmatt speziell die Komödie der Tragödie vorzieht stellt er selbst wie folgt dar:

„Die Tragödie setzt Schuld, Not, Maß, Übersicht und Verantwortung voraus. In der Wurstelei unseres Jahrhunderts, in diesem Kehraus der weißen Rasse, gibt es keine Schuldigen und keine Verantwortlichen mehr. (…) Wir sind zu kollektiv schuldig, (…) uns kommt nur noch die Komödie bei.“[2]

Die klassische, traditionelle Tragödie baut also immer auf die Schuld und die Verantwortung des Protagonisten auf. Nach Dürrenmatt gibt es nach den beiden Weltkriegen nun eine zu große kollektive Schuld, als das man ein Theaterstück auf einen tragischen Helden fixieren könne. Die Gesellschaft sei ‚entindividualisiert’ und könne sich so nicht mehr mit dem Protagonisten eines tragischen Theaterstückes identifizieren. Ein weiterer Punkt sind die immer wichtiger werdenden Maschinen, die die Rolle des Menschen bei einer Produktion in den Hintergrund rücken lassen. Dürrenmatt glaubt, dass so ein größer werdendes Unverständnis der Weltge­schehnisse in der Gesellschaft verursacht werde. Die ungegliederte, unüber­schaubare, chaotische moderne Wirklichkeit sei nur noch in der Komödie auszudrücken, wo hingegen die Tragödie gegliederte Gesellschafts- und Gemein­schafts­strukturen benötige.[3]

Nicht nur, dass Dürrenmatt die moderne Wirklichkeit unüberschaubar und chaotisch findet, er findet sie auch in vielen Fällen paradox. So zeigt er, dass die Atombombe zum Beispiel eine widersprüchliche Sache an sich sei. Sie solle den Weltfrieden sichern, sei aber gleichzeitig eine Massenvernichtungswaffe. Diese groteske Welt könne er deshalb auch nur durch groteske Texte und Theaterstücke zeigen, da er ja die Welt darstellen möchte.[4]

Das Groteske und das Paradoxe sind wesentliche Stilmittel einer Komödie und somit ist diese die einzig mögliche Form, in der Dürrenmatt seine Texte ausdrücken kann. Und gerade durch diese Form wird es laut Dürrenmatt auch dem Zuschauer ermöglicht, die Gegebenheiten auf der Welt besser zu reflektieren und diese um einige Erkenntnisse zu bereichern. Auch im ‚Meteor’ gibt es Chaos und Sinnlosigkeit, aber auch Komik und Paradoxes. Hinter dem grotesken Spiel auf der Bühne erkennt der Zuschauer den wahren Charakter der Welt, die wahre Katastrophe.

2.2 Erklärungsversuch zum Titel des Werkes

Der Titel ‚Der Meteor’ könnte, wenn man Friedrich Dürrenmatts Komödientheorie studiert, ebenfalls aus dieser hervorgegangen sein.

Die Komödientheorie Dürrenmatts schließt den Begriff des „Einfalls“ mit ein, dem laut Dürrenmatt eine immense Rolle bei der Entwicklung neuer Texte und Bühnenbilder beigemessen werden muss. Der Begriff des Einfalls, oder auch die Grundidee, sind bereits wichtige Elemente der alten attischen Komödie, deren wichtigster und bekanntester Vertreter der Grieche Aristophanes ist. Aristophanes lässt am Anfang seiner Werke immer etwas Unerwartetes und Unwirkliches geschehen. Durch diesen ‚Einfall’ schafft er „eine groteske Situation, einen komischen Konflikt“, der die Geschehnisse der griechischen Gesellschaft, die andernfalls unentdeckt geblieben wären, in einem anderen Licht zeigt. Man erkennt hier in dem Begriff ‚Einfall’ bereits eine Doppeldeutigkeit. Diese bedeutet auf der einen Seite die Idee selbst, und auf der Anderen den Einfall eines zerstörerischen Geschehens in die gesellschaftlichen Bindungen und Systeme.

Bei dieser Beschreibung der aristophanischen Vorgehensweise werden deutliche Parallelen zu Dürrenmatt und seinem ‚Meteor’ sichtbar. Er selbst sagte einmal, dass Aristophanes eines seiner Vorbilder gewesen sei.[5]

Dürrenmatts Grundidee zum Meteor war einmal die Kraft zu zeigen, die ein Mensch entwickelt, wenn er stirbt. Im Falle des ‚Meteors’ ist es der Protagonist Schwitter, der durch sein Sterben und Auferstehen in die geordnete und scheinbar verstehbare Welt der Gesellschaft einfällt, ähnlich, wie es ein Meteor tut.

Dazu Dürrenmatt:

„Es sind Einfälle, die in die Welt wie Geschosse einfallen (…), welche, indem sie einen Trichter aufwerfen, die Gegenwart ins Komische umgestalten.“[6]

Und weiter:

„Ein Meteor ist ein elementares Naturereignis, wie Schwitter, der sich ja selbst als Fallenden sieht (…). Ein Meteor ist etwas das einfällt, ein Ein-Fall (…).“[7]

Man kann hier deutlich erkennen, wie Friedrich Dürrenmatt für seine Komödie ein physisches Synonym für den Einfall gesucht und gefunden hat. Es ist der Meteor, der ähnlich wie Schwitter bei seinem Einbruch in die gesellschaftliche Ordnung, bei seinem Aufprall eine große Zerstörung und Unordnung anrichtet und das Leben der betroffenen grundlegend und weitreichend verändert.

3. Künstler im ‚Meteor’

In „Der Meteor“ treten zwei Künstler auf, die beide wesentliche Bestandteile dieses Künstlerdramas sind. Hier ist zunächst der Protagonist Wolfgang Schwitter zu nennen, der auf den ersten Blick recht erfolgreich zu sein scheint, denn schließlich ist er Nobelpreisträger. Doch auf den zweiten Blick hat er gerade durch Erfolg und Macht sein Talent verloren.

Der zweite Künstler im ‚Meteor’ ist der talentlose Maler Hugo Nyffenschwander, dessen Atelier von Schwitter für dessen Sterben angemietet wird.

[...]


[1] Freund, Winfried: Modernes Welttheater. Eine Studie zu Friedrich Dürrenmatts Komödie Der Meteor. In: Literatur in Wissenschaft und Unterricht, Band 6 (1973). S. 110

[2] Dürrenmatt, Friedrich: Theaterprobleme, in: Gesammelte Werke in sieben Bänden, Band 7, Essays. Gedichte.

Zürich 1996. S.21

[3] Durzak, Manfred: Dürrenmatt, Frisch, Weiss. Deutsches Drama der Gegenwart zwischen Kritik und Utopie. Reclam Verlag. Stuttgart 1972. S.39

[4] Dürrenmatt, Friedrich: Theaterprobleme, in: Gesammelte Werke in sieben Bänden, Band 7, Essays. Gedichte. Zürich 1996. S. 62

[5] Durzak, Manfred: Dürrenmatt, Frisch, Weiss. Deutsches Drama der Gegenwart zwischen Kritik und Utopie. Reclam Verlag. Stuttgart 1972. S. 134

[6] Dürrenmatt, Friedrich: Anmerkungen zur Komödie, in: Gesammelte Werke in sieben Bänden, Band 7. Zürich 1996. S. 21

[7] Jenny, Urs: Lazarus der Fürchterliche. Urs Jenny im Gespräch mit Friedrich Dürrenmatt über dessen neue Komödie „Der Meteor“. In: Theater heute, Jg. 3. 1966. S. 10

Details

Seiten
16
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638592550
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v66872
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Institut für Neuere deutsche Literatur
Note
2,0
Schlagworte
Friedrich Dürrenmatts Auseinandersetzung Literaturbetrieb Werk Meteor Künstlerdrama Jahrhundert

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Titel: Friedrich Dürrenmatts Auseinandersetzung mit dem zeitgenössischen Literaturbetrieb in seinem Werk 'Der Meteor'