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Wie schreibt man einen Bestseller? Carlos Ruiz Zafóns Erfolgsstrategien in La sombra del viento im Kontext aktueller Tendenzen des spanischen Buchmarktes

Examensarbeit 2006 107 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Tendenzen der spanischen Gegenwartsliteratur
1.1. Literatur nach 1975: Franco hinterlässt Spuren
1.2. Literaturpreise machen erfolgreich
1.3. Unterschiedlicher Stellenwert von Literatur innerhalb des Volkes
1.4. Journalismus und Literatur
1.5. Beliebte Genres in der spanischen Gegenwartsliteratur
1.5.1. Kritische Detektive: Der Kriminalroman..
1.5.2. Der neue historische Roman
1.5.3. Realität und Fiktion: Phantastische Literatur
2. Aktuelle Situation im spanischen Buchhandel
2.1. Verlagswesen
2.2. Vom Handel zum Leser
3. Bestseller
3.1. Wie wird ein Buch zum Bestseller?
3.1.1. Mode
3.1.2. Massenmedium Film
3.1.3. Neugierde
3.1.4. Zufall
3.2. Erfolgsstrategien
4. Carlos Ruiz Zafón und sein Werk
4.1. Biographie
4.2. La sombra del viento
4.2.1. Zum Inhalt des Romans
4.2.2. Internationale Rezeptionsgeschichte
4.2.2.1. Erfolgsgeschichte
4.2.2.2. Kritikerstimmen
4.2.3. Marketingstrategien für einen medienwirksamen Erfolg
4.3. Die Jugendbücher
4.3.1. El principe de la niebla
4.3.2. El palacio de la medianoche...
4.3.3. Las luces del septiembre
4.3.4. Marina.
5. Analyse des Romans mit Blick auf Bestseller-Strategien
5.1. Der Titel: La sombra del viento
5.2. Der gelungene Einstieg
5.3. Narrative Techniken
5.3.1. Erzählperspektive
5.3.2. Retrospektiven und Vorausdeutungen
5.3.3. Intertextualität
5.3.4. Sprache
5.3.4.1. Ausdrucksweise der Charaktere
5.3.4.2. Bedeutungsvolle Namen
5.4. Konstruktion der Charaktere
5.4.1. Die Protagonisten: Daniel Sempere und Julián Carax
5.4.2. Nebencharaktere
5.5. Etwas für jeden Geschmack: Hybrides Genre
5.5.1. Historischer Roman
5.5.2. Kriminalroman
5.5.3. Schauerroman / gothic novel
5.6. Reizvolle Geheimnisse in La sombra del viento:
Motive und Symbole
5.6.1. Babel oder Barcelona: Das Bibliotheksmotiv
5.6.2. Alles steht geschrieben: Das Buchmotiv
5.6.3. Geflügelt oder gehört: Das Engelmotiv
5.6.3.1. Gute Engel
5.6.3.2. Böse Engel

III. Schlussbetrachtung

IV. Literaturverzeichnis

V. Anhang

Übersicht Die Lieblingsbücher der Deutschen (ZDF 2004)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

I. Einleitung

Man nehme:

eine geheimnisvolle Bibliothek, nebeldurchzogene Straßen im bürgerkriegsgezeichneten Barcelona, füge hinzu einen Mann ohne Gesicht, würze das Ganze mit einer kräftigen Prise verhängnisvoller Liebe, rühre einmal schwungvoll um, und fertig ist er:

der Bestseller.

So oder nach einem ähnlichen Rezept scheint der katalanische Autor Carlos Ruiz Zafón vorgegangen zu sein, als er 1999 mit der Arbeit zu seinem ersten großen Roman La sombra del viento begann. Ruiz Zafóns Konzept ging auf. Monatelang hielt sich La sombra del viento nach seiner Veröffentlichung 2001 ganz oben auf den spanischen Bestsellerlisten und verhalf Ruiz Zafón schließlich auch zum internationalen Durchbruch. Das Erstaunliche ist das breit gefächerte Leserspektrum, welches vom Leser von Trivialliteratur bis zum Leser anspruchsvoller Literatur reicht. Kaum ein Roman hat es in den letzten Jahren geschafft, so viele Eigenschaften miteinander zu kombinieren, dass jeglicher Lesergeschmack befriedigt wird.

Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Analyse des Romans in Hinblick auf die Strategien, die der Autor bewusst anwendet, um solch einen medienwirksamen Erfolg zu produzieren. Diese beschränken sich nicht nur auf besondere narrative Techniken, sondern lassen sich auch an Themen- und Motivwahl fixieren. Ein Roman kann noch so gut geschrieben sein, wird er jedoch zur falschen Zeit auf dem Buchmarkt eingeführt, ist es möglich, dass auch solche Literatur, die sehr gute Kritiken bekommt, den Durchbruch zum Erfolg nicht schafft. Daher werden die aktuellen Tendenzen auf dem spanischen Buchmarkt in die Analyse einbezogen, so dass sowohl der literaturhistorische Hintergrund als auch die marktwirtschaftliche Bedeutung als Basis für einen Erfolgsroman abgedeckt werden.

Wirft man einen Blick auf die spanischen Bestsellerlisten der vergangenen 20 Jahre, so offenbaren sich Tendenzen und Schwerpunkte in der Literatur. Daher ist es wichtig, diese als Basis für eine Bestseller-Analyse zu kennen und zu beachten. Nach einer zusammengefassten literaturgeschichtlichen Einführung in die aktuellen Tendenzen der Literatur des Landes folgt ein Überblick über das moderne Verlags- und Buchhandelswesen Spaniens, da dieses oft ausschlaggebend für den Erfolg eines Romans ist. Um sich dem Gegenstand weiter anzunähern, werden daraufhin Charakteristika von Bestsellern und Theorieansätze hinsichtlich ihrer Entstehung dargestellt. Der eigentliche Gegenstand der Arbeit, der Roman La sombra del viento, wird mithilfe von biographischen Angaben zum Autor, einer inhaltlichen Zusammenfassung und der Darstellung der Rezeptionsgeschichte zuzüglich einer Kurzdarstellung des Gesamtwerkes vorgestellt. Die vorliegende Arbeit will jedoch vorrangig textwissenschaftlich verstanden werden. Daher liegt ihr Schwerpunkt auf dem Korpus des Romans. Sehr simple Strategien, die zu einem sicheren Erfolg führen, werden erläutert und werkimmanent belegt. Da die Arbeit Grenzen hat, kann nicht auf jede Strategie, die ein Autor bei der Produktion eines Bestsellers verfolgen kann, eingegangen werden. Die Analyse wird sich auf die Bereiche diverser narrativer Techniken, Sprache, Genre- und Themenwahl und Symbolik konzentrieren.

Die Beschäftigung mit Bestsellern erfordert die Aufzeigung von Parallelen zu anderen Werken, da es sich letztendlich um ein Phänomen handelt, welches nur durch Wettbewerb zustande kommen kann. Die Nennung weiterer Roman- oder Buchtitel erfolgt allerdings eher kursorisch. Sie dient der Einordnung in den Gesamtzusammenhang, so dass es nicht vonnöten ist, sie ebenfalls intensiv zu untersuchen.

Die Recherche für das vorliegende Thema gestaltet sich schwierig, da es kaum wissenschaftliche Sekundärliteratur gibt, die sich mit La sombra del viento beschäftigt. Es existiert lediglich eine literaturwissenschaftliche Analyse aller bisher erschienenen Werke Ruiz Zafóns, jedoch konzentriert sich diese auf den Aspekt der Jugendliteratur.[1] Weitere Interpretationsansätze beruhen auf Rezensionen aus verschiedenen Tageszeitungen, Literaturzeitschriften und dem Internet.

Die Darstellung der Analysekriterien für einen Bestseller beruht weitgehend auf Leitfäden zur Anfertigung eines solchen. Regelrechte Handbücher wie z. B. James Freys Wie man einen verdammt guten Roman schreibt[2] geben Einblicke in das Entstehungsverfahren von Erfolgsromanen und lassen so Rückschlüsse auf die Produktion von La sombra del viento zu.

Um den Roman in den Kontext des aktuellen spanischen Buchmarktes zu setzen, ist es vonnöten, ihn sowohl literarisch einzuordnen als auch marktwirtschaftlich richtig zu platzieren. Dies geschieht zunächst mithilfe der spanischen Literaturgeschichte, die Vergleiche zu anderen erfolgreichen Autoren zulässt. Zur Analyse der aktuellen Situation auf dem spanischen Buchmarkt werden Statistiken, Bestsellerlisten und Jahresberichte zu Rate gezogen, die hauptsächlich aus dem Internet und aus Fachliteratur des Buchhandels stammen. Des Weiteren werden orale Kulturtechniken angewandt: Gespräche mit Buchhändlern, Buchhandlungskunden und anderen interessierten Lesern sind hier aufschlussreich. Da der spanische Buchmarkt in vielerlei Hinsicht dem deutschen Markt aufgrund der stattgefundenen Globalisierung ähnlich ist, können generelle Tendenzen auf marktwirtschaftlicher Basis aus der Sicht des deutschen Buchmarktes getroffen werden. Literaturwissenschaftlich ist La sombra del viento allerdings ausschließlich vor dem Hintergrund der spanischen Literatur zu betrachten.

II. Hauptteil

1. Tendenzen der spanischen Gegenwartsliteratur

La sombra del viento ist aufgrund seiner Themenvielfalt und seiner Konstruktion ein typisches Produkt der aktuellen spanischen Literatur. Ruiz Zafón kennt sich bestens aus in der Literatur seines Heimatlandes und hat den Puls der Zeit mit seinem Roman getroffen. Betrachtet man den literaturgeschichtlichen Hintergrund Spaniens, so ist es nicht verwunderlich, dass Ruiz Zafón mit seinem Erstlingswerk für Erwachsene so erfolgreich ist.

In Literaturgeschichten kann man nachlesen, zu welchen Zeiten welche Autoren gewirkt haben, welche Strömungen es gab und nach welchen Regeln − klammert man die Avantgarde aus − sich Literatur in gewissen Epochen richtete. Möchte man indes die Gegenwart betrachten, sieht man sich mit einem Problem konfrontiert:

“Determinar cuáles sean las nuevas tendencias en la literatura es una empresa ciertamente arriesgada. En primer lugar porque la sciencia de la literatura no se presta a hacer ciencia-ficción, ya que trabaja sobre textos concluidos y, por tanto en cierta medida, anclados en el pasado.”[3]

Die Tendenzen in der spanischen Literatur, die heutzutage zu beobachten sind und vorsichtig als ein Trend für die Zukunft prognostiziert werden, sind dementsprechend die Weiterentwicklung von Strömungen vergangener Zeiten. Um gegenwärtige Stilrichtungen verstehen zu können, ist es folglich notwendig, diese im Gesamtzusammenhang zu sehen.

1.1. Literatur nach 1975: Franco hinterlässt Spuren

Der Tod Francos 1975 mit der darauf folgenden Abschaffung der Zensur stellte eine erhebliche Zäsur in der spanischen Literatur dar. “Ningún país europeo ha cambiado tanto en los últimos decenios como España.”[4] Die im Franquismus herrschenden „klaren Verhältnisse“ wurden durch den nun eintretenden „Umstand, dass die Literatur jetzt nicht mehr den Gesetzen der Zensur, sondern denen des Marktes unterliegt“[5], umgekehrt. Ca. 30 Jahre und damit einhergehende radikale Veränderungen in Gesellschaft und Wirtschaft sind seit der transición, dem allmählichen Übergang vom Franco-Regime zur Demokratie, vergangen. Dementsprechend ist es dem Einfluss der massiven Marketingstrategien zuzuschreiben, dass es mitunter so schwierig ist, Bücher auf ihre Qualität hin zu beurteilen, da Werbung und Massenmedien „uns die überragende Qualität eines bestimmten Buches oder Autors schon einhämmern, bevor wir auch nur eine Zeile von ihm gelesen haben.“[6] Der Takt der Literaturkritik in Spanien hat seitdem an Tempo angezogen.

„Mit modernen Werbemethoden und mit dem Multiplikationseffekt der Massenmedien können Autoren über Nacht berühmt gemacht und zu Genies erklärt werden, auch wenn einem solchen künstlich geschaffenen Spitzenprodukt nur eine kurze Lebenszeit beschieden ist, innerhalb derer es Kasse machen muß, worauf es ebenso schnell wieder aus den Regalen verschwindet, um dem nächsten Bestseller Platz zu machen.“[7]

Derzeit kann von einem regelrechten „Boom“ in der spanischen Literatur gesprochen werden.

“Una de las consecuencias de haber aceptado plenamente la mercantilización de la cultura es el boom de la literatura española dentro y fuera de sus fronteras lingüísticas. [...] En España el boom se hace notar por las tiradas altísimas que tienen los autores de moda.”[8]

Dies bezieht sich allerdings ausschließlich auf Spanien und die hispanoamerikanischen Länder. Im internationalen Vergleich sind es nach wie vor die englischsprachigen Romane, die Verkaufsrekorde aufstellen. In Deutschland hat die spanischsprachige Literatur noch immer den Ruf, für Intellektuelle geschrieben worden zu sein. Nur einige wenige Autoren haben es bisher geschafft, eine breite Leserschaft zu erreichen. Unter ihnen ist Javier Marías, der mit Corazón tan blanco (1992) zwar in der spanischen Literaturkritik umstritten ist, aber in Deutschland durch Zufall in die richtigen Hände gelangte.

“Marías tuvo la gran suerte – la suerte de la lotería y por cierto con Corazón tan blanco − la oportunidad de caer en gracia al patriarca de la crítica alemana, a Marcel Reich-Ranicki [...].”[9]

Allerdings befindet sich Corazón tan blanco nicht auf der Liste der Lieblingsbücher der Deutschen, die 2004 vom ZDF ermittelt wurde.[10] Unter diesen 100 Titeln erscheinen lediglich fünf Romane im Original in spanischer Sprache von nur drei Autoren. Vor Ruiz Zafóns Der Schatten des Windes auf Rang 16, steht auf Platz 13 nur noch Isabel Allendes Geisterhaus. Sie ist noch einmal mit Paula auf Platz 87 vertreten. Die beiden anderen Titel mit spanischem Original stammen von Gabriel García Márquez: Hundert Jahre Einsamkeit (Platz 36) und Die Liebe in Zeiten der Cholera (Platz 42) haben es geschafft, das deutsche Leserpublikum zu begeistern. Das Ergebnis lässt sich vielleicht mit der Skepsis der Deutschen der spanischen Literatur gegenüber begründen.

1.2. Literaturpreise machen erfolgreich

Eine nicht zu unterschätzende, allerdings „höchst fragwürdige Rolle“[11] spielen im spanischen Literatursystem die Literaturpreise.

“En este comercio cultural los premios literarios desempeñan un doble papel: por un lado, los premios − por lo menos ciertos premios − llaman mucho la atención de los medios de comunicación y de los lectores. Por otro lado, los miembros de un jurado con frecuencia se hallan dentro de relaciones de dependencia no literarias, es decir: los premios son a la vez sujeto y objeto de diversas consideraciones.”[12]

Die Anzahl der Literaturpreise ist in Spanien etwa doppelt so hoch wie in Deutschland und steigt stetig von Jahr zu Jahr. Hinzu kommen hohe Dotierungen. Selbst angesehene deutsche Literaturpreise wie der Kleist-Preis sind weniger hoch dotiert als viele „kleinere“ spanische Preise, was sie besonders attraktiv macht. Man unterscheidet in Spanien zwischen kommerziellen und nichtkommerziellen Literaturpreisen. Beispiele für kommerzielle Preise sind der traditionsreiche Premio Planeta und der Premio Nadal. Nichtkommerzielle Preise sind unter anderem der Premio Nacional de Literatura und der Premio de la Crítica. Der größere Anteil kommt aus dem kommerziellen Bereich. Meist sind sie von Verlagen gestiftet. Hieraus ergeben sich zwei gravierende Probleme. „Las editoriales son empresas cuyo principal objetivo es conseguir ganancias. Esto es necesario para sobrevivir.“[13] Daher werden Verlagspreise oft solchen Autoren verliehen, die eine hohe Verkaufsquote versprechen oder erzielt haben. Da es sich hier in der Überzahl um bereits bekannte Persönlichkeiten handelt, schrumpft die Chance für unbekanntere Autoren, mit einem hoch dotierten Preis ausgezeichnet zu werden. So entsteht ein Teufelskreis, der dazu führt, dass preisgekrönte Autoren durch die mit einer Preisverleihung einhergehenden Presseaufmerksamkeit immer bekannter werden, während z. B. jüngeren Autoren die Möglichkeit genommen wird, sich in der oberen Liga zu etablieren. Erst wenn sie es geschafft haben, einen der begehrten Nachwuchspreise zu erlangen, stehen ihnen die Türen offen. Ansonsten besteht die Gefahr, für immer unbeachtet zu verschwinden, während die „großen“ Autoren unterdessen den Wettbewerb um die Preise unter einander entscheiden. Dies führt zu einer zweiten Problematik. Ist die Gruppe der „ewigen“ Preisträger auf einen bestimmten Kreis reduziert, so folgt daraus, zwar nicht zwangsläufig, aber doch wahrscheinlich, dass die preisgekrönte Literatur zwar der Feder einer „Very Important Person“ (VIP) entstammt, die Qualität dieser Literatur dadurch indes nicht gesichert ist. Doch was bedeutet „literarische Qualität“? Gemäß Hans-Jörg Neuschäfer ist „literarische Qualität“ nicht mehr und nicht weniger als ein subjektives Wertkriterium, das Moden unterworfen ist. „A veces incluso cambia según los intereses de cada momento.”[14] Nach Nicole Witt handelt es sich hierbei allerdings nicht, wie auf den ersten Blick vermutet werden könnte, um die Unterscheidung zwischen „U-Literatur“, also Unterhaltungsliteratur, die in Deutschland oft sehr abfällig als Belletristik bezeichnet wird, und „E-Literatur“, also akademisch anerkannter, sog. „hoher“ Literatur. „No existe ninguna regla que dice que una novela fácil de leer tiene ser de baja calidad.“[15] Vielmehr soll die Entscheidung für die Auszeichnung mit einem der unzähligen Preise individuell und unabhängig gefällt werden, ohne in die Vorurteile einer generellen Klassifikation zu verfallen, die nur einer ersten Orientierung dienen kann.[16]

1.3. Unterschiedlicher Stellenwert von Literatur innerhalb des Volkes

Ein weiterer Unterschied liegt in der Auffassung von Literatur in Spanien und Deutschland. Neuschäfer beobachtet, dass in Deutschland der Begriff Literatur mit einer größeren Ernsthaftigkeit im wörtlichen Sinne betrachtet wird, während in Spanien die Grenzen fließend sind. Vielmehr ist Literatur in Spanien ein Produkt für das ganze Volk. Die Literaturszene bleibt nicht wie in deutschen Landen in sich geschlossen, sondern geht offen auf das Volk zu und bewirbt sich regelrecht selbst.

“Pero lo que más distingue la situación de España y Alemania es la presencia de los literatos, continua e intensa, en los medios de comunicación, sobre todo en las revistas y en los periódicos. Allí no solamente reseñan sus libros (por cierto con mucho menos espacio que en Alemania); se informa también sobre su vida, profesional y privada, como si fueran estrellas de cine o de la música pop.”[17]

Solche Darstellungen sucht man in Deutschland meist vergeblich. Vergleicht man die beiden wichtigsten Buchmessen der beiden Länder, so wird der Unterschied noch deutlicher. Während auf der Frankfurter Buchmesse, der wichtigsten auf internationaler Ebene, die Autoren mehr oder weniger von den Verlagen unter Verschluss gehalten werden und nur für einige wenige öffentliche Auftritte zur Verfügung stehen, so gleicht die Madrider Feria del libro im Retiro-Park eher einem Volksfest, bei dem die Autoren den interessierten Messebesuchern Frage und Antwort stehen und ihre Bücher quasi selber verkaufen.[18] Um Orientierung nach Volksnähe, ähnlich wie in Spanien, bemüht sich die Leipziger Buchmesse in Deutschland. Sie gilt im Allgemeinen als familiärer und weniger elitär.

Auch im Medium Fernsehen wird das Thema „Literatur“ seit wenigen Jahren volksnaher gestaltet. Das Literarische Quartett galt bis zu seiner Absetzung als die beliebteste Literatur-Talkshow im deutschen Fernsehen, hatte allerdings den Ruf, nur für ein begrenztes Publikum zugänglich zu sein. Seitdem Elke Heidenreich in ihrer ZDF-Sendung Lesen! Buchtipps für jedermann gibt, sind die Einschaltquoten in die Höhe gegangen, was davon zeugt, dass diese Volksnähe willkommen geheißen wird.

In Spanien sind Bücher und Autoren in den Medien um einiges präsenter. Daher ist Literatur besser im Volk integriert und hat einen „natürlicheren“ Stellenwert.

1.4. Journalismus und Literatur

So wie auf öffentlichen Veranstaltungen in Spanien die Grenzen verschwinden, so ist es auch innerhalb der Literatur selbst.

„Grenzüberschreitungen werden ausgekostet, von den Produzenten ebenso wie von den Rezipienten. Sie gehören zum neuen Freiheitsgefühl und wirken auch oft befreiend. Befreiend ist z. B. die Aufhebung der Schwelle zwischen Journalismus und Literatur.“[19]

In Deutschland sind diese Bereiche strikt getrennt. Nur selten entschließt sich ein angesehener Journalist aus Angst vor Imageverlust einen Roman zu schreiben. Es gibt zwar einige, die ihre journalistischen Erfahrungen in Sachbüchern fixieren wie Klaus Bednartz oder Peter Scholl-Latour, dagegen wagt sich kaum jemand an den fiktionalen Bereich. Gleichwohl gibt es nur eine sehr geringe Anzahl renommierter Romanautoren, die sich journalistisch betätigen. Das Schreiben für eine Zeitung gilt als verpönt. „Si se salen de la literatura de ficción y (¡gran excepción!) se inmiscuan en la vida política − como Grass, Walser o Enzensberger − lo hacen en largos exigentes ensayos que se publican en revistas a su vez elitistas.“[20]

Anders ist die Sachlage in Spanien. Dort „befruchten“ sich Journalisten und Literaten nahezu gegenseitig.

„Ein Journalist wie Arturo Pérez-Reverte, der sich vor allem mit seinen Bosnien-Reportagen einen Namen gemacht hat, kann sich so in einen erfolgreichen Roman-Autor verwandeln (El Club Dumas, 1992). Umgekehrt wechselt ein hochkarätiger Romanautor wie Antonio Muñoz Molina oft zum Journalismus, sei es durch kritische Beiträge im Ressort der Politik- oder der Kulturredaktion.“[21]

Eine weitere erzählende Gattung, die in Deutschland kaum noch bekannt ist, da sie durch den Sensationsjournalismus fast verdrängt wurde, ist der Reportagejournalismus, der in Spanien weiterhin hohes Ansehen genießt und unter anderem von Rosa Montero, Maruja Torres und Montserrat Roigs betrieben wird.[22]

“Su gran éxito de venta se debe, junto a la calidad literaria, a elecciones del mercado y a la capacidad de los editores de aprovechar el fenómeno sociológico del movimiento feminista −y sobre todo− el eco producido por los medios masivos de comunicación frente al gran público.”[23]

„Hasta el estilo de la literatura española se ha adaptado a las exigencias del mercado al cultivar preferentemente una mezcla de entretenimiento literario (más o menos sofisticado) y de información periodista.”[24] Dieses sog. Infotainment wird von keinem der bekannten Autoren ausgespart. Größen wie Manuel Rivas (El lápiz del carpintero), Antonio Muñoz Molina (Plenilunio) und sogar Miguel Delibes (El hereje) sind stolz darauf, ihre Werke zum Infotainment zugehörig zu nennen. Carlos Ruiz Zafón bemüht sich ebenfalls, es seinen spanischen Kollegen gleichzutun, indem er neben seiner Recherche für einen neuen Roman für mehrere Zeitungen schreibt, um so dem Bild des „guten Autors“ zu entsprechen.

Ein aufschlussreicher Fall ist in diesem Zusammenhang Manuel Vázquez Montalbáns El premio, ein zwar fiktionaler Roman, der aber offenkundig die bereits beschriebenen Vorgehensweisen bei der Verleihung eines kommerziellen Literaturpreises durch einen Verlag kritisiert.[25] Das Kuriose an diesem Fall ist, dass der Roman von Planeta veröffentlicht wurde, eben jenem in El premio kritisierten Verlag. Der Grund dafür ist schlichtweg wirtschaftlicher Natur.

„José Manuel Lara, dueño de Planeta, sigue, pese a su avanzada edad, teniendo intacto ese olfato para las ventas y el marketing que hace que consienta críticas feroces de un libro contra sí mismo si a cambio éste se vende y reporta beneficios.”[26]

So ist auch dies ein Beispiel für die enge Zusammenarbeit, einem regelrechten Jointventure, zwischen Verlag, Journalismus und fiktionaler Literatur.

1.5. Beliebte Genres in der spanischen Gegenwartsliteratur

Im Folgenden werden das Genre der novela negra, des neuen historischen Romans und das der phantastischen Literatur eingeführt, da ähnliche Strukturen in Ruiz Zafóns Werk zu finden sind.

Kritische Detektive: 1.5.1. Der Kriminalroman

Im Franquismus durch die Zensur verboten, musste sich der Kriminalroman in Spanien nach der transición völlig neu erfinden und entwickeln.

„Ins Grenzgebiet zwischen Journalismus, U- und E-Literatur gehört auch der Kriminalroman, der sich in Spanien seit 1975 großer Beliebtheit erfreut, besonders in der Spielart der novela negra, die deutlich von Raymond Chandler und der amerikanischen hardboiled school der 30er Jahre beeinflußt ist.“[27]

Während in anderen Ländern scharenweise Detektive durch die Bücher streiften, so gab es im frankistischen Spanien keinen Grund dazu, Kriminalität mithilfe eines Detektivs zu bekämpfen, da diese schlicht totgeschwiegen wurde. Es galt das Motto „Bei uns herrscht Ordnung, Kriminalität gibt es nur jenseits der Grenzen.“[28] Nach dem Tode Francos änderte sich dies.

„Ist eines der allgemeinen Charakteristika der spanischen Literatur seit 1975 deren Entpolitisierung und der Rückzug ins Private, so hat die Gesellschaftskritik ihren Platz insbesondere im Kriminalroman gefunden.“[29]

Nun konnten Missstände offenkundig dargestellt werden, ohne befürchten zu müssen, politisch verfolgt zu werden. In der novela negra geschieht dies zumeist in einer der beiden Metropolen Barcelona oder Madrid, die sich mit ihrem Großstadtmilieu als ideale Schauplätze anbieten. La sombra ist ebenfalls vor dem Hintergrund Barcelonas angesiedelt und profitiert vom Ambiente der katalanischen Hauptstadt.

Als herausragendes und wohl auch international bekanntes Beispiel gilt Manuel Vásquez Montalbán, der mit seinem Pepe-Carvalho-Zyklus große Erfolge feiern konnte.[30] Typisch an Vásquez Montalbáns novela negra ist, dass sie kein Detektivroman „per se“ ist, sondern sie ist eher eine Kritik an den sozialen Problemen der gegenwärtigen spanischen Gesellschaft, die als Kriminalroman getarnt ist. Besonders zu Beginn seiner Karriere erregte der Autor Aufsehen, da er in seinen Büchern fortwährend Tabuthemen wie Sex, Drogen und Korruption thematisierte. Mittlerweile gelten diese nicht mehr als Tabuthemen. Vásquez Montalbán schaffte es jedoch bis zuletzt, die heutige spanische Gesellschaft, die fast nichts mehr tabuisiert, durch seine Themenwahl zu schocken mit dem Wunsch, sie zum Denken anzuregen.[31] Denn exakt dieses Ziel verfolgt die novela negra. Sie will aufrütteln und Gesellschaftskritik üben. Heldenrollen werden von Antihelden übernommen. Politische Missstände werden aufgedeckt. Ruiz Zafón bemüht sich ebenso, Tabuthemen in seinem Roman zu behandeln. Neben Homosexualität spielt Inzest eine essentielle Rolle in La sombra. Gesellschaftskritik übt Ruiz Zafón, indem er La sombra in einem Milieu ansiedelt, welches unter den Ungerechtigkeiten des Regimes zu leiden hat.

Nun mag man kritisieren, dass Gesellschaftskritik nicht in Form eines zur Unterhaltung gedachten „Romänchens“ zu geschehen habe, da man diese Form der literatura light nicht ernstnehmen kann. Nach Susanne Schwarzbürger meint literatura light in diesem Falle modesüchtige Werke, die sich an den Modellen der Kulturindustrie ausrichten.[32]

Dazu bemerkt Neuschäfer:

„Für die künftige Sozialgeschichte des modernen Spanien wird die Berücksichtigung solcher Projekte unerlässlich sein, denen man nicht deshalb ihre Ernsthaftigkeit absprechen kann, weil die einzelnen Romane leicht zu lesen sind.“[33]

Vásquez Montalbán hat sich über seine Carvalho-Reihe hinaus einen Namen als Lyriker und politischer Journalist gemacht, so dass man auch das Argument der Einseitigkeit entkräften kann.[34] Seinem Beispiel sind seit Mitte der 70er Jahre viele gefolgt, und so ermitteln nun auch in Madrid Toni Romano, eine Erfindung Juan Madrids, und in anderen Großstädten Spaniens zahlreiche Detektive, die nicht mehr der traditionellen Sherlock-Holmes-Rolle entsprechen. Sie sind „wahre Chroniken der gesellschaftlichen Veränderung Spaniens während der Demokratie“[35].

1.5.2. Der neue historische Roman

Ein weiteres, sehr beliebtes Genre der spanischen Gegenwartsliteratur ist die nueva novela histórica.

“En tiempos tan poco dados a la evocación de épocas pasadas como los nuestros, es muy curioso que esos novelones de entramado histórico sigan atrayendo un amplio publico de lectores fieles y que sigan apariciendo tantas y tantas ficciones sobre personajes de otros tiempos, y que, a la vez, se reediten sin tregua los clásicos de este subgénero.”[36]

Die neue Form des historischen Romans

„…dient nicht mehr der Verherrlichung, der Beschwörung von Spaniens Weltmachtgröße im Siglo de Oro. […] Vielmehr ist der Umgang mit der Geschichte insgesamt entspannter, zum Teil auch spielerischer und jedenfalls persönlicher geworden, als er vorher war, was nicht bedeutet, daß Historie nicht ernstgenommen würde.“[37]

Ähnlich wie im Kriminalroman werden Sachverhalte nun in Frage gestellt und angezweifelt. Ziel der nueva novela histórica ist es unter anderem, die Franco-Ära aufzuarbeiten und kritisch zu reflektieren, um dadurch ein historisches Bewusstsein in der Bevölkerung aufzubauen, welches nicht durch Zensur und andere Einschränkungen bestimmt ist. Dies war während der transición nicht möglich, da die direkte Vergangenheit zwar nicht negiert, so aber doch eher verschwiegen wurde. Dieser pacto de silencio wurde endgültig mit jenen Autoren aufgehoben, die keine direkten Verbindungen mit dem Bürgerkrieg und der Francozeit hatten. Diese Zeit war für die „jüngeren Autoren entweder nur eine Kindheitserinnerung oder ein historisches Ereignis, dass man nur aus zweiter Hand kennt.“[38] Darum kann man verallgemeinernd behaupten, dass ab Mitte der 1980er Jahre verstärkt Werke auf den Markt drängten, die sich der Aufarbeitung des guerra-civil -Themas widmeten.

„Die Tatsache, dass sich das Thema im öffentlichen Bewusstsein halten kann, hängt sicherlich einerseits mit einer veränderten und sich weiterhin verändernden literarischen Verarbeitung des Stoffes und andererseits mit der Berichterstattung in den Medien zu den einschlägigen Jahrestagen zusammen, die aus solchen ‚Erinnerungsdaten‘ ‚fechas comércialmente estratégicas‘ machen.[39]

Herausragend auf dem Gebiet des neuen historischen Romans sind unter anderem Manuel Rivas’ El lápiz del carpintero (1998), ein Roman über die Lebensbeichte eines Mannes mit faschistischer Vergangenheit, und der Roman Soldados de Salamina (2001) von Javier Cercas, der sowohl eine Anekdote aus den letzten Kriegstagen erzählt als auch eine über die Suche nach einem republikanischen Soldaten, der, entgegen der ihm erteilten Weisungen, einigen Falangisten den Tod ersparte.

„Der große Erfolg des Romans dürfte u. a. darin begründet sein, dass im Zentrum der Handlung ein Akt des Mitfühlens und der Menschlichkeit steht, in einer Zeit, die von blindem Hass und Rachsucht auf den jeweiligen Gegner im Bürgerkrieg geprägt war.“[40]

Das Leben und Regime des General Franco ist ebenfalls Gegenstand einiger neuer historischer Romane. Sowohl Rafael Chirbes als auch Manuel Vásquez Montalbán widmeten sich diesem Thema. Erst 2003 erschien der letzte Teil einer Trilogie von Chirbes. La larga marcha (1996), La caída de Madrid (2000) und Los viejos amigos (2003) beschäftigen sich mit unzähligen Lebensgeschichten, die durch Franco beeinträchtigt wurden. All diese Werke sollen zur Selbstfindung und Bildung einer problembewussten nationalen Identität führen, die bis dato noch nicht vorhanden war. Ruiz Zafón lässt durch Reflexionen einiger seiner Charaktere und die Schilderung von abstrusen Situationen, die in der Franco-Herrschaft möglich waren, bewusstseinsprägende Elemente in seinen Roman einfließen.

1.5.3. Realität und Fiktion: Phantastische Literatur

Schließlich ist in den vergangenen Jahren eine weitere Erzählform zu großen Ehren gekommen. Die phantastische Literatur lebt besonders in der Postmoderne auf, die durch ihren Anspruch, althergebrachte Wertmaßstäbe in Frage zu stellen und mit Traditionen brechen zu können, geprägt ist.

„Der daraus folgende Orientierungsverlust findet auch in theoretischen Reflexionen zum Wirklichkeitsverlust Ausdruck, wie z. B. in der Feststellung, Realität werde durch multimediale Technologien der Simulation verdrängt und schließlich ersetzt.“[41]

Das Phantastische lässt daraus folglich Realität mit Fiktion verschmelzen und geht sogar darüber hinaus. „La narrativa fantástica moderna aboga por la total anulación de la antinomia imaginario / real, y lo hace otorgando la misma validez a ambas categorías.”[42] Intertextuell werden verschiedene literarische Vorbilder miteinander verbunden, so dass durch formale Mittel wie „Parodie, Plagiat, Pastiche und Collage“[43] Werke mit einem starken Verweis- und Zitatcharakter entstehen. Als Beispiel steht hier Eduardo Mendozas La ciudad de los prodigios, ein Roman, der zu großen Teilen von Intertextualität lebt und eine unüberschaubare Fülle an Zitaten, Querverweisen, Zeitungsartikeln, Briefen usw. aufweist. La sombra ist im Gegensatz zu La ciudad weniger intertextuell gestaltet, jedoch ist der Einfluss nicht zu leugnen, betrachtet man die mannigfaltigen Anspielungen auf Romane oder Einschübe von Briefen in im Roman.

2. Aktuelle Situation im spanischen Buchhandel

Laut Gero Arnscheidt lassen sich spanischer und deutscher Buchmarkt nur schwer miteinander vergleichen, da „in Spanien vollkommen andere Rahmenbedingungen in Bezug auf Alphabetisierung und Leseverhalten gelten“[44], jedoch kann man im Zuge der allgemeinen, vor allen Dingen wirtschaftlichen Globalisierung feststellen und behaupten, dass sich der spanische und deutsche Buchmarkt immer stärker einander angleichen, so dass die Aufzeigung von Parallelen oder Differenzen in den beiden Ländern der Verdeutlichung des Sachverhaltes dienlich ist.

2.1. Verlagswesen

Spanien war nicht immer eine große Lesenation.[45] Abgesehen von hohen Analphabetenraten, die zwar heutzutage gesunken, aber nicht völlig verschwunden sind, waren die Spanier in der Mitte des 20. Jahrhunderts gebeutelt vom Bürgerkrieg. So gab es für das spanische Volk wenig Freizeit und somit wenig Zeit für Lektüre. Die häufig schwierigen finanziellen Verhältnisse machten es den Spaniern nicht leicht, der Literatur zu frönen. In den 60er und 70er Jahren kam es jedoch zu einem Aufschwung auf diesem Gebiet. Mit der erfolgreichen Einführung des Taschenbuches 1966 konnten es sich nun auch weniger betuchte Spanier leisten, ein Buch anzuschaffen.

“During the sixties, […] Spain undergoes a true economic revolution through the appearance of consumer society. The phenomenon of the Boom of the Spanish-American novel is directly influenced by this economic mutation, in particular by the establishment of a flourishing publishing industry […]”[46]

Die Verlagsindustrie war im Aufbau begriffen und vergrößerte sich zusehends. Doch erst mit Ende der Franco-Ära 1975 und der endgültigen Abschaffung der Zensur 1978 war der Verlagsboom nicht mehr zu stoppen.

“The increase in publishers is in part due to the promulgation of the Law of the Press and Printing which, with the elimination of previous censorship and other undeniable improvements allowed the publication of works that were formerly prohibited.”[47]

Heute gibt es fast neunhundert registrierte Verlage in Spanien, die sich teilweise zu großen Mediengruppen zusammengeschlossen haben. Barcelona hat sich zum Zentrum der Verlagsindustrie entwickelt. Hier befinden sich 60 % aller spanischen Verlage. Madrid steht mit 30 % erst an zweiter Stelle. Die Verlage könnten unterschiedlicher nicht sein. Kleinere Betrieben, die sich eher an Kunst und Kultur orientieren, wie Lumen, Anagrama oder Seix Barral, stehen großen, ausschließlich am wirtschaftlichen Erfolg orientierten Verlagen wie Plaza y Janés, Salvat und Planeta gegenüber.

“The backlist of these houses shows their ambition to reach the best-seller status: on Planeta’s list, for example Françoise Sagan, Jean Jacques Servan Schreiber, and José Maria Gironella, who sold from forty to a hundred thousand copies a year, appeared along with the authors of the classics of literature. Planeta and Plaza y Janés were known for their encyclopedias, sold with enormous sales numbers like a hundred thousand copies deluxe editions of the Bible and promoted the selling of books in fascicles, at the rate of three hundred and fifty thousand copies per week.”[48]

Und die Flut an Neuerscheinungen ebbt nicht ab. Hinsichtlich der Entwicklung der Verlage ist allerdings zu erkennen, dass die großen Verlage die kleinen durch ihr stark konsumorientiertes Bestreben vom Markt verdrängen, was aus kultureller Sicht zu bedauern ist, waren doch die Prognosen völlig andere. So sagte der Verleger Carlos Barral Folgendes für die spanische Literatur voraus: „The appearance of really serious books without concessions to the so-called popular taste, is meant to stir a gigantic increase in the exacting literary public.”[49] Die Entwicklung, die zu großen Teilen mit der allgemeinen Globalisierung zusammenhängt, lässt sich nicht aufhalten, und was im großen Stil im Verlagswesen passiert, geschieht auch auf der Stufe danach, im Handel an den Endverbraucher, den Leser.

2.2. Vom Handel zum Leser

Das Kaufverhalten des spanischen Lesers hat sich in den letzten Jahren stark verändert.[50] Noch vor zehn Jahren war die ultimative Adresse, um ein Buch zu kaufen, die lokale Buchhandlung. Daneben gab es noch die Buchclubs mit ihren lockenden Angeboten[51] und Kioske, die eine kleine Konkurrenz darstellten. Mittlerweile hat sich die Situation zu Ungunsten der durchschnittlichen Buchhandlungen verschlechtert. Die härteste Konkurrenz kommt aus den eigenen Reihen. Große Buchhandelsketten wie Crisol, FNAC oder VIPS[52] schießen wie Pilze aus dem Boden und zwingen so manche kleine Buchhandlung in die Knie. Auch Warenhäuser wie El Corte Inglés eröffnen ihre eigene Buchabteilung.[53] Auf den ersten Blick mag man meinen, dass diese Entwicklung für einen Titel wie La Sombra nur förderlich sein kann. In jeder kommerziellen Umgebung, in der man sich befindet, ist man aufgefordert, Lesestoff zu kaufen. Bestseller sind allgegenwärtig, und jeder hat sie „schon mal irgendwo gesehen“. Es gibt sicher viele Leser, sei es in Spanien, Deutschland oder einem anderen westlich orientierten Land, die ihr Exemplar von La Sombra im Vorbeigehen von der Bestseller-Säule „mitgenommen“ haben. Gedanken wie „Da habe ich schon mal etwas von gehört“ oder „Das soll doch so gut sein“ motivieren den Kunden zum Kauf.[54] Wenn nun dieser Kunde noch unentschlossen ist, wendet er sich an den Verkäufer, in diesem Fall den Tankwart, die Drogistin oder die Packerin in der Spielzeugabteilung und fragt nach dem Inhalt des Romans. Die Antwort ist leicht vorstellbar. Wenn der Angestellte den Titel nicht zufällig selber kennt, besteht keine Chance, eine angemessene Auskunft zu erhalten. Diese bekommt man eben nur im dafür vorgesehenen Fachhandel. Auch große Ketten und Warenhäuser können diesen Service oft nicht mehr leisten, da das Personal nicht geschult ist, um Kunden ausreichend zu beraten. Besonders im Falle von La Sombra sind die kleinen Buchhandlungen ein nicht unerheblicher Bestandteil der erfolgreichen Rezeptionsgeschichte, da es die Buchhändler und ihre Angestellten waren, die durch Mund-zu-Mund-Propaganda den Roman eines unbedeutenden Autors in die Bücherregale der Welt gebracht haben.

Es sei noch erwähnt, dass entgegen der allgemeinen Befürchtung, der Buchhandel im Internet sei eine sehr starke Konkurrenz für die Buchhandlungen, sein Anteil 2005 nur 0,1 % des gesamten Buchhandels betrug und somit sogar um 0,3 % im Vergleich zum Vorjahr sank.[55]

3. Bestseller

Es gibt zwei Möglichkeiten der Definition eines Bestsellers im Rahmen dieser Arbeit. Auf der einen Seite wird ein Bestseller durch Zahlen bestimmt. Es handelt sich hier in erster Linie um Verkaufszahlen. Wie viele Exemplare wurden von einer gewissen Ausgabe in welchem Zeitraum verkauft, und welcher Gewinn wurde erzielt? Wie beliebt ist das Buch unter denen, die es nach dem Kauf tatsächlich auch lesen? An dieser Stelle knüpft die zweite Möglichkeit einer Annäherung an. Die bloße Beliebtheit eines Romans ist durchaus kein Zufall. Gero Arnscheidt, der sich in seiner Dissertationsschrift dem Schriftsteller Muñoz Molina als Bestsellerautor-Phänomen im spanischen Kulturbetrieb gewidmet hat, vertritt die These,

„…nach der sich der Autor deutlich dem Geschmack, den Lese- und Sehgewohnheiten des Publikums, sowie der von ihm ausgemachten Mode annähert, um schließlich unter Einbeziehung der Möglichkeiten, die ihm der Literaturbetrieb und die Zugehörigkeit zu einem mächtigen Medienverbund bieten, Publikumsbindung zu erzielen und langfristig das Publikumsinteresse auf seine Themen zu lenken.“[56]

Daraus resultiert, dass der Autor gewisse Strategien anwendet, um seinen Roman in einen garantierten Bestseller zu verwandeln.

Wird ein Autor als Bestsellerautor bezeichnet, so schrillen bei vielen Intellektuellen die Alarmglocken. Hohe Verkaufszahlen sind ein Beweis dafür, dass sich ein Buch an ein breit gefächertes Leserpublikum richtet und dessen Wünsche befriedigt. Dies kann nach Meinung der Experten nur der Fall sein, wenn dieses Buch „leichter zugänglich und – so der etwas voreilige Schluss – daher auch ästhetisch minderwertig“[57] ist.

Diese Meinung hat ihre Wurzeln in der Geschichte des Bestsellers. So entwickelte sich in dem Frankreich des 19. Jahrhunderts aus in Tageszeitungen publizierten Fortsetzungsromanen die Tradition des Feuilletonromans, der den Grundstein zur Serienliteratur in Europa legte, da diese Form der Literatur schon bald Anhänger außerhalb Frankreichs fand. Die Tageszeitung als Transportmedium war gut gewählt, da es im 19. Jahrhundert kein anderes Massenmedium gab.

„Kein anderes erreichte so viele Rezipienten (nicht nur Leser, sondern auch Hörer, denen vorgelesen wurde[58]), kein anderes Medium beschäftigte so viele Autoren und kein anderes Medium stand so unter Erfolgs- und Gewinnzwang wie die Tageszeitung.“[59]

Die Konsumenten von lokalen Tageszeitungen lassen sich jedoch nicht unbedingt einer bestimmten Gesellschafts- oder Bildungsschicht zuordnen, so dass der auf diese Weise zu großer Beliebtheit gelangte Feuilletonroman zwar ein finanzieller Erfolg war, die Ansprüche schöngeistiger oder gar anspruchsvoller Leser dennoch nicht befriedigte. Diese Tradition hat sich bis in die heutige Zeit erhalten und „[so] läuft man Gefahr, das Werk eines Autors dadurch, dass man ihn als Bestsellerautor bezeichnet, mit dem „Stigma der Trivialität“ zu belegen“[60]. Es ist gegenwärtig schwierig für einen Autor, gleichzeitig hohe Verkaufsquoten zu erlangen und sein Prestige nicht zu verlieren.

3.1. Wie wird ein Buch zum Bestseller?

Man stelle sich folgende Situation vor: Ein interessierter Mensch befindet sich in einer Buchhandlung, um einen Roman zu kaufen, der ihn anspricht. Vorausgesetzt, er betritt das Geschäft nicht mit einer fixen Titelvorstellung, sondern mit dem Wunsch, sich inspirieren zu lassen, bietet sich ihm eine Fülle von Möglichkeiten. Die Auswahl ist nahezu grenzenlos. Hohe Stapel und Regale voller Bücher machen es ihm schwer, sich für einen Titel zu entscheiden: Bestseller, Novitäten, historische Romane, Kriminalromane, Liebesromane, Fantasy. Eigene Abteilungen für jede Art von Roman zwingen den Kunden, einen inneren Kampf zu bestehen.[61]

3.1.1. Mode

Eine natürliche Reaktion ist es, auf die Meinung anderer zu vertrauen, sei es die Empfehlung des kompetenten Buchhändlers, der besten Freundin oder die des verschrobenen „Literaturpapstes“ im deutschen Fernsehen. In Spanien existiert die Rolle eines solchen Großkritikers nicht. Sie wird von der Presse in Form von Marketing, Rankings und direkter Werbung übernommen. Der Grund für diese unterschiedliche Ausprägung ist laut Neuschäfer der, dass in Deutschland die Literatur und ihre Kritik als eine Art Ersatzreligion angesehen wird. Schließlich hat Deutschland noch immer den Ruf, „das Land der Dichter und Denker“ zu sein.

“El poderío del Gran Crítico, que revela ex cátedra el sentido de la escritura, es el último vestigio de una cultura del verbo y una normatividad casi metafísica que en Alemania ofrece todavía und cierta resistencia, mientras que en España ya nada se opone al reino del nuevo Dios único y verdadero: le Dieu Capital [...].”[62]

Woher die Empfehlung kommt, spielt letztendlich keine bedeutende Rolle für den Leser, denn er denkt: „Wenn alle den Titel lesen, muss ja was dran sein.“

Es gibt Buchtitel, und das nicht ausschließlich auf dem Romansektor, die schlicht „in“ sind. Dieses Phänomen lässt sich nicht auf ein bestimmtes Genre reduzieren. So ist Cervantes Don Quijote (1605) ein Klassiker und ewiger Bestseller, wobei auch die Beliebtheit dieses Titels starken Schwankungen unterliegt. Während Don Quijote z. B. in der deutschen Romantik Hochkonjunktur hatte und auch Miguel de Unamuno zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch sein Werk Vida de Don Quijote y Sancho (1905) eine neue Diskussion über die Aktualität entfachte, so war es in anderen Epochen eher still um die Geschichte des schlaksigen Ritters und seines rundlichen Knappen, die oft als das Muster schlechthin für den spanischen Roman zitiert wird. Den letzten Höhepunkt erreichte Don Quijote im Jahr 2005 zu seinem 400. Jahrestag, als die Verkaufszahlen für den Titel mithilfe einiger Neuauflagen, unter anderem einer der Real Academia, immens gesteigert wurden.[63]

[...]


[1] Sáiz Ripoll, Anabel: “Sólo recordamos lo que nunca sucedió: Análisis de la obra de Carlos Ruiz Zafón”; in: Cuadernos de literatura infantil y juvenil (Ed. Torre de Papel: Barcelona, 2004).

[2] Frey, James N.: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt (Emons: Köln, 1993).

[3] Asís Garrote, D.: Última hora de la novela en España (Eudema: Madrid, 1992, S. 339).

[4] Neuschäfer, H.-J.: “Diferencias: Consideraciones sobre el mercado literario en Alemania y en España“; in: López de Abiada, J. M. et al. (Hrsg.): Entre el ocio y el negocio: Industria editorial y literatura en la España de los 90 (Verbum: Madrid, 2001, S. 209).

[5] Neuschäfer, H.-J.: Spanische Literaturgeschichte (Metzler: Stuttgart, 1997, S. 389).

[6] Ebd.

[7] Ebd.

[8] Neuschäfer, H.-J.: „Diferencias”, S. 209.

[9] Neuschäfer, H.-J.: „Diferencias”, S. 216.

[10] Siehe Anhang: Übersicht Die Lieblingsbücher der Deutschen. Diese Quelle wurde gewählt, da sie tatsächlich den Geschmack des deutschen Leserpublikums wiederspiegelt und nicht die Verkaufsquote.

[11] Neuschäfer, H.-J.: Spanische Literaturgeschichte, S. 389.

[12] Witt, Nicole: “Premios literarios entre cultura, negocio y política”, in: López de Abiada, José Manuel et al. (Hrsg.): Entre el ocio y el negocio: Industria editorial y literatura en la España de los 90 (Verbum: Madrid, 2001, S. 305).

[13] Ebd., S. 307.

[14] Neuschäfer, H.-J.: „Diferencias”, S. 215.

[15] Witt, N.: “Premios literarios entre cultura, negocio y política”, S. 307.

[16] Vgl. ebd., S. 315.

[17] Neuschäfer, H.-J.: „Diferencias”, S. 210.

[18] Vgl. Neuschäfer, H.-J.: „Diferencias”, S. 213.

[19] Neuschäfer, H.-J.: Spanische Literaturgeschichte, S. 392.

[20] Neuschäfer, H.-J.: „Diferencias”, S. 212.

[21] Neuschäfer, H.-J.: Spanische Literaturgeschichte, S. 392-393.

[22] Für den Gegenstand dieser Arbeit eher nebensächlich, so ist an dieser Stelle doch zu vermerken, dass die feministische Literatur eine ebenso wichtige Bewegung in der Zeit nach 1975 ist wie die detaillierter beschriebenen Tendenzen. Oben genannte Autorinnen bilden unter anderem die Elite der neuen feministischen Literatur Spaniens.

[23] Regazzoni, Susanna: “Escritoras españolas hoy. Rosa Montero y Nuria Amat” in: Toro, Alfonso de / Ingenschay, Dieter (Hrsg.): La novela española actual: Autores y tendencias (Edition Reichenberger: Kassel, 1995, S. 254).

[24] Neuschäfer, H.-J.: „Diferencias”, S. 213.

[25] Siehe 1.2.

[26] Belmonte Serrano, José: “Los premios literarios: la sombra de una duda”, in: López de Abiada, José Manuel et al. (Hrsg.): Entre el ocio y el negocio: Industria editorial y literatura en la España de los 90 (Verbum: Madrid, 2001, S. 43).

[27] Neuschäfer, H.-J.: Spanische Literaturgeschichte, S. 395.

[28] Neuschäfer, H.-J.: Spanische Literaturgeschichte, S. 396.

[29] Stenzel, H.: Einführung in die spanische Literaturwissenschaft, (Metzler: Stuttgart, 2005, S. 245).

[30] Seit 1974 entstanden unter Vásquez Montalbáns Feder immer neue Kriminalfälle, die der desillusionierte Privatdetektiv Carvalho in seiner Heimatstadt Barcelona zu lösen gedachte. Der Carvalho-Zyklus umfasst mittlerweile mehr als 20 Bände. 2003 verstarb Vásquez Montalbán überraschend. Es erscheinen jedoch post mortem noch einige bis dato unbekannte Geschichten des Katalanen wie z. B. Rumbo a Kabul oder Milenio Carvalho (beide 2004).

[31] Vgl. 1.4.: Mit El premio sorgte Vásquez Montalbán in der Verlagswelt durch die offenkundige Kritik derselben für Aufsehen.

[32] Vgl. Schwarzbürger, S.: La novela de los prodigios: Die Barcelona-Romane Eduardo Mendozas 1975-1991, (Walter Frey, Berlin, 1998, S. 13).

[33] Neuschäfer, H.-J.: Spanische Literaturgeschichte, S. 396.

[34] Siehe 1.4.

[35] Stenzel, H.: Einführung in die spanische Literaturwissenschaft, S. 246.

[36] Carlos García Gaul zitiert aus: Romera Castillo et al. (Hrsg.): La novela histórica a finales del siglo XX (Visor: Madrid, 1996, S. 10).

[37] Neuschäfer, H.-J.: Spanische Literaturgeschichte, S. 396-397.

[38] Stenzel, H.: Einführung in die spanische Literaturwissenschaft, S. 249.

[39] Arnscheidt, G.: Schreiben für den Markt: Der Erfolgsautor Antonio Muñoz Molina im spanischen Kulturbetrieb (Vervuert: Frankfurt/Main, 2005, S. 92).

[40] Ebd., S. 250.

[41] Nünning, A.: Metzler Lexikon der Literatur- und Kulturgeschichte (Metzler: Stuttgart, 2001, S. 522, siehe: Postmoderne).

[42] Erdal Jordan, M.: La narrativa fantástica: Evolución del género y su relación con las concepciones del lenguaje (Vervuert: Frankfurt/Main, 1998, S. 58).

[43] Nünning, A.: Metzler Lexikon der Literatur- und Kulturgeschichte, S. 523, siehe: Postmoderne.

[44] Arnscheidt, G.: Schreiben für den Markt, S. 28.

[45] Hier folgt kein ganzheitlicher, historischer Abriss, sondern nur eine kurze Zusammenfassung der letzten Jahrzehnte.

[46] Dravasa, M.: The Boom in Barcelona (Peter Lang: New York, 2005, S. 111).

[47] Ebd., S. 113.

[48] Ebd., S. 115.

[49] Ebd., S. 116.

[50] Auskünfte über Statistiken und Erhebungen zum Vergleich bietet das spanische Kulturministerium im Rahmen verschiedener Studien.

Vgl.: http://www.mcu.es/libro/estudiosSectorLibro.

[51] In Deutschland ist seit Jahrzehnten der wichtigste und erfolgreichste Buchclub der der Bertelsmann -Gruppe.

[52] In Deutschland sind es die Mayersche oder Hugendubel, die mit ihren mehrstöckigen Literaturpalästen die „kleine Buchhandlung von nebenan“ bedrohen.

[53] Des Weiteren nehmen immer mehr Supermärkte und Drogerien Bücher in ihr Sortiment auf. Sie beschränken sich zwar auf die Titel der Bestseller-Listen, aber angesichts der Tatsache, dass ein großer Teil der Buchkäufer eben diese Titel erwerben möchte, gehen den Buchhandlungen hier Kunden verloren. Es stellt mittlerweile kein Problem mehr dar, an einer Tankstelle Haarfärbemittel zu bekommen und seine Fotos entwickeln zu lassen. So erstaunt es auch nicht, dass man zwischen Motoröl und Convenience-Food Ruiz Zafóns La Sombra entdecken kann. Den neusten Harry-Potter -Band konnte man aus unerfindlichen Gründen sogar in Apotheken kaufen. Die Frage, welche positive Wirkung dieser Titel auf die Gesundheit des Apothekenkunden hat, bleibt sicher bis auf weiteres ungeklärt!

[54] Zu Käufermotivation siehe 3.1.

[55] http://www.mcu.es/libro/estudiosSectorLibro/recursos/docs/HabitosdeLectura2005.zip.

[56] Arnscheidt, G.: Schreiben für den Markt, S. 35.

[57] Ebd., S. 37.

[58] Vgl. 4.2.3 Seit einigen Jahren gibt es den Trend zu Hörbüchern.

[59] Neuschäfer, H.-J.et al. (Hrsg.): Der französische Feuilletonroman: Die Entstehung der Serienliteratur im Medium der Tageszeitung (Wissenschaftliche Buchgesellschaft: Darmstadt, 1986, S. 7).

[60] Arnscheidt, G.: Schreiben für den Markt, S. 18.

[61] Die folgenden Ausführungen sind eine stark vereinfachte Darstellungen verschiedener Kommunikationsmuster. Vgl. Nünning, Ansgar: Metzler Lexikon der Literatur- und Kulturgeschichte (Metzler: Stuttgart, 2001, siehe: Kommunikationstheorie).

[62] Neuschäfer, H.-J.: “Diferencias”, S. 217.

[63] Vgl. Sánchez, M. J.: „Guía para leer el Quijote“, in: ECOS de España y Latinoamérica (Spotlight: Planegg, April 2005; S. 19).

Details

Seiten
107
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638592512
Dateigröße
815 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v66867
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
1,3
Schlagworte
Bestseller Carlos Ruiz Zafóns Erfolgsstrategien Kontext Tendenzen Buchmarktes

Autor

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Titel: Wie schreibt man einen Bestseller? Carlos Ruiz Zafóns Erfolgsstrategien in La sombra del viento im Kontext aktueller Tendenzen des spanischen Buchmarktes