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Sexualität im Alter. (K)ein Tabu im Pflegeheim

Diplomarbeit 2006 130 Seiten

Gesundheit - Pflegewissenschaft - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Das Alter
2.1 Alter − was heißt das?
2.2 Demographische Entwicklung
2.3 Bilder und Wahrnehmung von alten Menschen
2.4 Fazit

3 Sexualität im Alter
3.1 Sexualität des Menschen
3.2 Forschungen über Sexualität im Alter
3.2.1 Sexualität von Männern im Alter
3.2.2 Sexualität von Frauen im Alter
3.2.3 Wünsche zur Sexualität im Alter
3.3 Einflüsse auf die Sexualität im Alter
3.3.1 Biographische Einflüsse
3.3.2 Erkrankungen und Veränderungen des Körpers
3.3.3 Partnerschaften
3.4 Einstellungen und Vorurteile zur Sexualität im Alter
3.5 Fazit

4 Sexualität und Pflege
4.1 Sexualität im Pflegealltag
4.2 Empfindungen von Pflegenden
4.3 Sexualität in stationären Einrichtungen der Altenhilfe
4.3.1 Intim- und Privatsphäre
4.3.2 Demenz und Sexualität
4.3.3 Umgang der Pflegenden mit Sexualität vo n Bewohnern
4.4 Alternative Umgangsformen
4.5 Fazit

5 Methodenteil
5.1 Entwicklung der Forschungsfrage
5.2 Untersuchungsmethode
5.2.1 Das episodische Interview
5.2.2 Technik des Interviewens
5.2.3 Transkiption und Datenschutz
5.2.4 Auswertungsmethode
5.3 Durchführung und Verlauf der Erhebung
5.3.1 Vorstellung des Leitfadens
5.3.2 Feldzugang
5.3.3 Durchführung der Interviews
5.3.4 Auswertung

6 Ergebnisse
6.1 Vorstellungen zu Sexualität im Alter aus Sicht der Pflegenden
6.1.1 Definitionen von Sexualität im Alter
6.1.2 Eigene Einstellung und Auseinandersetzung mit Sexualität im Alter
6.1.3 Formen von Sexualität im Alter
6.1.4 Altersgrenzen
6.1.5 Pflegeausbildung ohne Thematisierung von Sexualität
6.2 Faktoren, die Sexualität im Pflegeheim beeinflussen oder einschränken
6.2.1 Eingeschränkte Privatsphäre
6.2.2 Krankheiten der Bewohner
6.2.3 Zahlenmäßiges Ungleichgewicht von Frauen und Männern
6.2.4 Prägung und Generationsunterschiede
6.2.5 Einstellung der Angehörigen
6.3 Umgang des Pflegeteams mit der Sexualität im Pflegeheim
6.3.1 Kommunikation im Team
6.3.2 Kommunikation mit Bewohnern
6.3.3 Regeln und Normen im Team
6.3.4 Umgang mit Ehepaaren
6.4 Umgang der Bewohner mit Sexualität
6.4.1 Kommunikation der Bewohner
6.4.2 Reaktionen und Gefühle von Bewohnern
6.4.3 Gefühle von Bewohnern rund um Sexualität
6.5 Persönlicher Umgang der Mitarbeiter mit der Sexualität der Bewohner
6.5.1 Persönliche Regeln
6.5.2 Strategien
6.5.3 Eigene Einstellung zum Umgang mit dem Thema Sexualität im Alter
6.5.4 Grenzen
6.5.5 Gefühle und Reaktionen
6.5.6 Wünsche der Pflegenden

7 Diskussion

8 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Verzeichnis der Abbildungen

Verzeichnis der Tabellen

Anhang

Im Text wird zur Bezeichnung von Personengruppen überwiegend die männliche Form gewählt. Wo nur die weibliche Form gemeint ist, wird besonderes darauf hingewiesen. Für diese Entscheidung sind ausschließlich Gründe der Lesbarkeit verantwortlich; sie darf daher nicht als Versuch der heimlichen Diskriminierung missverstanden werden.

1 Einleitung

Ein Artikel der «Welt am Sonntag» vom 8. Mai 2005 stellte die Frage: «Wie viel Sex brauchen Altersheim-Bewohner?». Daraufhin begann die Autorin ein im Jahr 2004 durch- geführtes Praktikum in einer stationären Pflegeeinrichtung der Altenhilfe zu reflektieren. Ein Bewohner dieser Einrichtung sprach offen mit der Autorin über Gefühle und Wünsche bezüglich seiner Sexualität, äußerte aber zugleich die Einschränkungen zur Ausübung von Sexualität in diesem Pflegeheim. Außerdem kam die Erinnerung an die zum Teil unprofes- sionellen Bemerkungen des Pflegepersonals über die Sexualität einzelner Bewohner zu- rück in das Bewusstsein der Autorin. So entstand die Idee herauszufinden, wie sich das gezeigte Verhalten des Pflegepersonals begründen lässt. Hierzu waren die Rahmenbedin- gungen zu untersuchen: Welche Einschränkungen der Sexualität im Alter gelten und wie sich diese speziell in stationären Pflegeeinrichtungen der Alterhilfe darstellen.

Im Hintergrund der Auseinandersetzung mit diesem Thema stehen die rechtlichen und so- zialstaatlichen Regelungen, welche jedem Menschen ein menschenwürdiges Leben bis zum Tode ermöglichen und ihn vor besonderen Härten bewahren sollen. In der Lebens- phase des Alterns sind einige grundlegende Menschenrechte von besonderer Relevanz. Sie werden daher im Sinne eines Vorwortes für alles Nachfolgende kurz dargestellt.

Grundrechte sind verfassungsmäßig garantierte Rechte, die für alle Bürger eines Landes gelten. Es sind primär Abwehrrechte gegenüber dem Staat und dienen seiner Aufrechterhaltung. Sie bieten dem Einzelnen einerseits Schutz vor staatlicher Willkür und andererseits den Schutz seiner individuellen Rechte. Die Grundrechte beinhalten auch Vorkehrungen des Staates im Falle von Schutz- und Unterstützungsbedürftigkeit seitens des Bürgers, die im Alter eine besondere Rolle spielen.

Artikel 1 Grundgesetz (im Folgenden GG) beinhaltet das Recht auf ein Leben in Menschenwürde; diese Menschenwürde ist als höchstes Gut eines jeden Menschen anzusehen − unantastbar und demzufolge absolut zu schützen. Diese Würde gerade für alte Menschen schließt den Anspruch auf das Recht auf eine entsprechende Wohnung (Zimmer) nach individuellen Wünschen ein. Außerdem stellt dieser Artikel fest, dass unabhängig von Krankheit oder Pflegebedürftigkeit die Persönlichkeit des Menschen zu achten ist (vgl. Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, S. 14).

In Artikel 2 GG ist das Recht auf Leben, körperliche Unversehrtheit und die Freiheit der

Person verankert. Dieser Artikel auf den alten Menschen angewendet, bedeutet demnach, dass er das Recht behält, selbst über seinen Körper zu bestimmen und dass jede Bevor- mundung zu unterbleiben hat (vgl. Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, S. 14).

Eine besondere Bedeutung bekommt Artikel 13 GG in stationären Pflegeeinrichtungen der Altenhilfe. Dieser verweist auf das Recht der Unverletzlichkeit der Wohnung. Darin ist m.

E. die Regelung inbegriffen, dass die Wohnung oder das Zimmer in stationären Pflegeein- richtungen nicht zu beliebigen Zeiten, beliebig oft oder unangemeldet betreten werden darf; eine Ausnahme bilden Notfälle. Um die Privatsphäre zu achten, müsste mindestens an der Tür geklopft und um Einlass gebeten werden. Ebenso ist der Lebensbereich des alten Menschen vor dem Zugang durch fremde Menschen zu schützen (vgl. ebd. S.19).

Alle weiteren individuellen Grundrechte gelten ebenso. Im Bereich der Altenhilfe sind in diesem Zusammenhang das Recht auf Freiheit, Gleichbehandlung, Bildung sowie Religionsausübung und Meinungsfreiheit hervorzuheben. Alle diese Grundrechte finden in weiteren spezifischen Gesetzen ihre Detailregelungen. Hier wird auf die relevanten Sozialgesetzbücher insbesondere das SGB XI, verwiesen.

Im Herbst des Jahres 2003 beriefen das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und das Bundesministerium für Gesundheit ein Forum mit dem Namen «Run- der Tisch Pflege» ein, mit dem Ziel, die Lebenssituation hilfe- und pflegebedürftiger Men- schen in Deutschland zu verbessern. An dieser gemeinsamen Initiative nehmen Vertrete- rinnen und Vertreter aus Verbänden, Bundsländern und Kommunen, Praxis und Wissenschaft teil. Innerhalb des «Runder Tisch Pflege» bildeten sich vier Arbeitsgruppen, welche bis zum Herbst des Jahres 2005 praxisnahe Handlungsempfehlungen zur Umset- zung menschlicher, fachlicher und finanzierbarer Anforderungen in der Pflege und Betreu- ung verfassen sollten. Daneben galt es, alle Akteure, die im Bereich Pflege tätig sind, für vorhandene Ressourcen und Potentiale zu sensibilisieren und für den Abbau gegenwärtiger Defizite zu gewinnen. Eine Arbeitsgruppe erstellte den Entwurf einer Charta. Die «Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen» beschreibt konkret gesetzlich veran- kerte Rechte, die Menschen in Deutschland haben, die der Hilfe und Pflege bedürfen. Arti- kel 3 dieser Charta widmet sich der Privatheit und gibt vor, dass jeder hilfe- und pflegebe- dürftige Mensch das Recht zur Wahrung und zum Schutz seiner Privat- und Intimsphäre besitzt (vgl. Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen). In der Kommentierung zu diesem Artikel wird das Recht zur Ausübung von Sexualität beschrieben. Diese Ausführungen lassen vermuten, dass über Sexualität in Einrichtungen der stationären Altenhilfe kommuniziert wird. Die Erfahrungen der Autorin während des Praktikums stehen diesen Ausführungen konträr gegenüber.

Darum soll in dieser Diplomarbeit untersucht werden, ob Sexualität im Alter ein Tabu ist. Der Fokus richtet sich dabei auf den Umgang mit Sexualität in Pflegeheimen. Es wird untersucht, ob Sexualität in Pflegeheimen ein Tabu darstellt, wie die Mitarbeiter in der Pflege damit umgehen, welche Erfahrungen sie damit gemacht haben und welche Faktoren die Sexualität von Bewohnern in Pflegeeinrichtungen beeinflussen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Darstellung und Auswertung einer durchgeführten empirischen Untersuchung mit Pflegenden einer stationären Pflegeinrichtung der Altenhilfe.

Die Arbeit gliedert sich in acht Teile: Das 2. Kapitel befasst sich allgemein mit dem Thema Alter. Hier wird insbesondere auf die Perspektiven und Besonderheiten, aus denen das Alter betrachtet werden kann, die demographische Entwicklung und die Bilder, die in der Gesellschaft vorherrschen, eingegangen. Die Ausführungen des 3. Kapitels widmen sich dem Themenkomplex Sexualität im Alter. Zunächst wird der Begriff Sexualität und das der Arbeit zugrunde liegende Verständnis von Sexualität im Alter erläutert. Berücksichtigung finden ferner die Forschungsergebnisse zum Thema Sexualität im Alter und die daraus resultierenden Wünsche und Besonderheiten älterer Frauen und Männer, die sich aus der Biographie, aus gesundheitlichen Faktoren und aus gesellschaftlichen Vorurteilen bezüglich Sexualität im Alter, ergeben. Im 4. Kapitel wird die Situation und der Umgang mit Sexualität in der Pflege und in stationären Pflegeeinrichtungen der Altenhilfe betrachtet. Die empirische Untersuchung bildet den zweiten Schwerpunkt dieser Arbeit. Hier wird zunächst im 5. Kapitel die Forschungsmethode dargestellt und beschrieben. Im Anschluss daran wird die Durchführung der Untersuchung erläutert, gefolgt von der Darstellung der Ergebnisse und deren Auswertung in Kapitel 6. In Kapitel 7 werden die Untersuchungsergebnisse diskutiert. Mit einer kurzen Zusammenfassung der gesamten Arbeit schließt diese Diplomarbeit.

2 Das Alter

Was ist Alter? Aus welchen Perspektiven kann Alter betrachtet werden und welche Fakto- ren beeinflussen die Sicht auf die Lebensphase Alter? Diese Fragen sollen im Vordergrund des nachfolgenden Kapitels stehen. Es bildet die Grundlage für das Verständnis nach- folgender Aussagen.

2.1 Alter − was heißt das?

«Alt» ist ein Wort, das mehr oder weniger im täglichen Gebrauch ist. Dennoch hat dieses Wort ebenso verschiedenartige Bedeutungen wie sinngleiche Verwendungen, begonnen bei den «alten» Bundesländern, in deren unmittelbaren Zusammenhang die «neuen» Bun- desländer gebracht werden. Mit einem «alten» Haus ist nicht unbedingt eine Ruine ge- meint. «Alte» Freunde können im gleichem Alter und dennoch jung sein. Ein «alter» Rot- wein gilt im Allgemeinen als etwas Seltenes und Kostbares zugleich. Dieser positiven Konnotation steht jedoch meist eine eher negative Zuschreibung gegenüber: Die Tages- zeitung aus dem vorhergehenden Monat ist uninteressant, der Schrott im Keller oder die alte Einrichtung im Kindergarten ist unbrauchbar oder die alte, senile Frau von nebenan leistet nichts mehr. Begriffe können über einen bestimmten Zeitraum von ihrer ursprüng- lichen Bedeutung abweichen. So können Möbel, die vor 20 Jahren noch hochmodern und aktuell waren, heute als alt gelten, in 100 Jahren als Antiquität zwar alt, aber enorm wert- voll sein.

„Oftmals kommt es auf die Wahl des Begriffes an, die dazu führt, dass ein Ge- genstand oder Mensch je nach dem verwendeten Attribut positiv oder negativ bewertet wird. So ist die Bezeichnung „senil“ für einen alten Menschen ausge- sprochen negativ, während der Begriff „Hochbetagter“ für ihn positiv und eher im Sinne einer Auszeichnung zu verstehen ist“ (Niederfranke et al. 1999, S. 13f.).

Begriffe und Worte, die im unmittelbaren Zusammenhang mit «alt» stehen, werden in verschiedenen Generationen und in verschiedenen Kontexten verwendet. Durch die Abhängigkeit oder Kombination mit Folgeworten erhalten sie nochmals eine unterschiedliche Bedeutung. Eine allgemeingültige Aussage oder Definition kann daher nicht erfolgen. Auf welche Art auch immer diese Assoziationen entstehen und geäußert werden, sie prägen den einzelnen Menschen und eine Gesellschaft.

In Bezug auf den Menschen hat das Wort «alt» mehrere Bedeutungen und Verwendungen:

- älterer Mensch
- das Resultat des Älter- oder Altwerdens
- das Alter als Lebensperiode
- die Alten als Bestandteil der Gesellschaft.

„Wenn man vom Alter spricht, sind meistens die älteren Menschen gemeint oder das Ergebnis des Altwerdens. Beim Altern geht es um die Prozesse, die zum Alter führen und dem Altwerden zugrunde liegen“ (Walter 1995, S. 6).

Oft wird der Beginn des Alters mit dem Eintritt in das Rentendasein gleichgesetzt. Dies symbolisiert damit nach Ansicht von Backes und Clemens „(...) noch immer die stärkste gesellschaftliche Zuschreibung von „Alter““ (Backes & Clemens 1998, S. 59). In den letzten Jahren kommt es aber auch hier zu einem Umdenken, weil viele Menschen schon vor dem eigentlichen Rentenbeginn durch Frühberentung oder Langzeitarbeitslosigkeit aus dem Erwerbsleben austreten. Dadurch verliert diese Einteilung ihre Gültigkeit.

Zur Abgrenzung der Altersphasen existieren keine eindeutigen Kriterien. Das Bemühen wissenschaftlicher Disziplinen, so stellt Thiele fest, „einen einheitlichen Begriff des Alters zu entwickeln, hat bisher zu keinem allseitig anerkannten Konsens geführt“ (Thiele 2002, S. 19). Von einzelnen Wissenschaften werden daher fachspezifische Aspekte herausgear- beitet, die zu einer Vielfalt und Differenziertheit des Begriffes Alter führen. Oft wird sich am kalendarischen Alter orientiert, dennoch sind weitere Klassifizierungen möglich, die hier nur exemplarisch dargestellt werden und sich auf die am meisten Verbreiteten beziehen:

- Das chronologische oder kalendarische Alter umfasst die Lebenszeit, gemessen in Jahren, die seit der Geburt vergangen ist.
- Durch das rechtliche Alter treten Veränderungen in Kraft, die in Beziehung zum kalendarischen Alter stehen (Schuleintritt, Volljährigkeit, Rentenalter).
- Das biologische Alter meint die Lebensspanne, die seit der Entstehung des Organismus vergangen ist und ebenso den entsprechenden Entwicklungs- und Erhaltungszustand eines Menschen.
- Das soziale Alter wird durch das Ausfüllen von Positionen oder Rollen bestimmt, die ein Individuum in einer bestimmten Altersphase übernimmt und die von gesellschaftlich geforderten Erwartungen geprägt sind.
- Beim funktionalen Alter wird die Funktionalität des Körpers in Bezug zur Altersphase gesetzt. In den letzten Jahren werden aber auch verschiedene Aspekte der sozialen Kompetenz einbezogen.
- Das subjektive Alter beurteilt einen Menschen nach seinem körperlichen, geistigen und seelischen Zustand im Vergleich zu seinem kalendarischen Alter (vgl. Walter 1995, S. 7f.).

Zwischen den genannten Klassifizierungen können unter Umständen Jahre liegen. So erhöhen zum Beispiel Krankheiten oder Unfälle das biologische Alter gegenüber dem chronologischen Alter eines Menschen und Lebenskrisen wie Scheidung oder Tod des Partners etc. können das subjektive Alter heraufsetzen.

Alte Menschen können nicht als eine homogene Gruppe betrachtet werden, darum nimmt die Gerontologie eine genauere Einteilung vor. Diese Einteilung soll alte Menschen in ihrer Vielfalt und Differenziertheit betrachten. Mit der sogenannten «Binnendifferen- zierung» wird eine detailliertere Unterscheidung erreicht, die es Angehörigen sozialer Berufe ermöglicht, eine spezifische Sicht auf die verschiedenen Altersphasen und deren unterschiedlichen Bedürfnislagen zu erlangen:

- Junge Alte = 55-65 Jahre
- Ältere = 66-75 Jahre
- Betagte = 76-85 Jahre
- Hochbetagte = ab 86 Jahre

(vgl. Thiele 2001, S. 29).

Die hier dargestellten verschiedenen Definitionen und Klassifizierungen machen bereits deutlich, dass keine umfassende sozialwissenschaftliche Altersdefinition existiert, die die gesamte Lebenssituation älterer Menschen wie soziale Bindungen, Wohnsituation, Ein- kommen, Familie und Gesundheit berücksichtigt. Es entsteht eine Verschiedenartigkeit der Betrachtungsweise des Alters, die sich zum einen daraus ergibt, dass die Lebensphase «Alter» eine Zeitspanne von zwei, drei oder mehr Jahrzehnten (je nach Betrachtungsweise und Wissenschaft) umfassen kann, in der vielfach deutliche Veränderungen der körperli- chen und seelisch-geistigen Leistungsfähigkeit auftreten. Die Verschiedenartigkeit des Alters ergibt sich zum anderen aus den unterschiedlichen Biographien, Lebensbe- dingungen, Interessen und Kompetenzen älterer Menschen. Sie spiegelt sich auch in den unterschiedlichen Altersbildern wider (vgl. Kapitel 2.3). In der öffentlichen Diskussion über Fragen des Alters sowie in der öffentlichen Darstellung des Alters werden Alters- bilder sichtbar, die zum einen bestimmte Facetten des Alters - wie zum Beispiel die kör- perliche oder die seelisch-geistige Entwicklung im Alter - betonen, zum anderen be- stimmte Altersformen, wie zum Beispiel das Alter bei erhaltener Gesundheit und ausreichenden finanziellen Ressourcen oder das Alter bei eingeschränkter Gesundheit, ge- ringer sozialer Integration, geringen finanziellen Ressourcen (Niederfranke et al. 1999, S. 21ff.; Backes & Clemens 1998, S. 23f.; S. 54ff.).

2.2 Demographische Entwicklung

In der nahen Zukunft werden in Deutschland mehr ältere Menschen leben - sowohl absolut als auch relativ - und unter ihnen werden mehr Hochaltrige sein als jemals zuvor. Unsere Gesellschaft altert demzufolge dreifach. Nachfolgend werden die Merkmale dieses «dreifachen Alterns» erläutert.

Zunächst lässt sich feststellen, dass die absolute Zahl der älteren Menschen mit steigender Tendenz zunimmt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wird damit gerechnet, dass die Anzahl älterer Menschen ab 60 Jahren in den nächsten fünf Jahrzehnten von ge- genwärtig rund 19 Millionen auf ca. 25 Millionen zunehmen wird (vgl. Tabelle 1). „Ent- sprechend steigt die Zahl der Rentner und Rentnerinnen sowie der kranken Menschen, denn Alter und Krankheiten treten, statistisch gesehen, häufig gleichzeitig auf“ (Tews 1999, S. 139). Die Veränderungen der Altersverteilung und die Ausdehnung der Lebens- erwartung haben zu historisch neuen Entwicklungen geführt. Bereits heute hat sich der Anteil der Rentner an der Bevölkerung deutlich erhöht und alle demographischen Progno- sen lassen für die nächsten Jahrzehnte eine weitere Alterung der Gesellschaft erwarten. Ebenso wächst der Anteil der alten Menschen im Verhältnis zur Zahl der Jüngeren, also relativ. In bevölkerungsstatistischen Vergleichen werden üblicherweise die Gruppen der bis 19-Jährigen denen der 20-59-Jährigen und der über 60-Jährigen gegenübergestellt. Nach Vorausberechnungen wird im Jahr 2020 auf zwei Angehörige der mittleren Alters- gruppe ein älterer Mensch kommen. So liegt der Altenquotient dann bei ca. 50%. Es muss damit gerechnet werden, dass in fünfzig Jahren rund 36% der Bevölkerung 60 Jahre und älter sind (vgl. Tews 1999, S. 139). Die nachfolgende Tabelle zeigt u.a. die tendenzielle Entwicklung des Jugend- als auch Altenquotienten.

Tab. 1: Entwicklung der Altersstruktur der Bevölkerung Deutschlands seit 1955

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt, Datenreport, 2002, S. 35

Wie die Tabelle zeigt, wird auch die Zahl der Hochaltrigen in den nächsten Jahrzehnten stark ansteigen. Derzeit leben in Deutschland rund 2,9 Millionen Menschen, bzw. 3,6% der Bevölkerung, welche 80 Jahre und älter sind. Derzeitige Berechnungen ergeben, dass diese Zahlen in 20 Jahren bei rund 5,1 Millionen bzw. 6,3% liegen werden. Für das Jahr 2050 rechnet das Statistische Bundesamt mit knapp 8 Millionen Menschen im Alter von 80 und mehr Jahren. Gut 11% der Bevölkerung werden dann hochaltrig sein.

Nicht nur Verbesserungen in der Medizin, wie bessere Diagnosetechniken oder Früherken- nungsmaßnahmen, Krankheitsbehandlung und Heilung, haben dazu beigetragen, dass die Phase des Alters in unserer Gesellschaft ein Lebensabschnitt ist, der von vielen Menschen erreicht wird. Und gerade die Phase des sehr hohen Alters werden zukünftig immer mehr Menschen erreichen. Deutschland ist heute weltweit das Land mit dem vierthöchsten Durchschnittsalter der Bevölkerung nach Japan, Italien und der Schweiz sowie das Land mit dem dritthöchsten Anteil von Menschen ab 60 Jahren. Ein Rückgang der Bevölkerung im Familiengründungsalter und anhaltend niedrige Geburtenraten würden dazu führen, dass die Bevölkerungszahl insgesamt von 82 auf 70 Millionen sinkt. Gleichzeitig bedeutet dies eine deutliche Zunahme des Anteils älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung (vgl. Tews 1999, S. 141).

In Anbetracht dieses Zukunftsszenarios stellt sich die Frage, in welcher Form die gesell- schaftlichen Ressourcen an die Bedürfnisse des hohen Alters angepasst werden müssen. Ebenso wird an dieser Stelle das Paradox des gesellschaftlichen Umgangs mit dem hohen Alter besonders deutlich: Während die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen auf komplexe Weise Langlebigkeit und demographischen Wandel fördern, wird das Alter, und insbesondere das hohe Alter, im gesellschaftlichen Diskurs nicht selten als Last und Bedrohung interpretiert. Alter und Hochaltrigkeit sind also auch soziale Konstruktionen. Der gesellschaftliche Umgang mit dem hohen Alter steht auf dem Prüfstand (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2002, S. 55 ff.).

Der Vorgang des Alterns ist kein einheitlicher Prozess bei den Menschen, sondern bezieht ebenso individuelle wie gesellschaftliche Vorgänge ein. In den letzten Jahren haben sich folgende Entwicklungstendenzen herausgebildet, die als Merkmale des Altersstrukturwandels bezeichnet werden:

- Verjüngung des Alters: Zunehmend müssen sich die Menschen früher mit dem Alter auseinander setzen, auch wenn zum Beispiel das kalendarische Alter noch gar nicht er- reicht wurde. Anders ausgedrückt: ein Mensch ist vom kalendarischen Alter noch nicht alt, wird aber mit den Alten in den Ruhestand geschickt. Die negativen Folgen dieser Entwicklung werden vor allem im Fremdbild der älteren Menschen in unserer Gesell- schaft sichtbar: So ist es eine mittlerweile bekannte Tatsache, dass ältere Arbeitnehmer seltener die Möglichkeit bekommen, an einer Umschulung teilzunehmen oder ungern eingestellt werden.
- Entberuflichung: Das Alter des Berufsaustritts ist deutlich gesunken. Durch diese Ent- wicklung lastet ein großer Druck auf dem älteren Arbeitnehmer. Die Angst vor einem früheren Ausscheiden aus dem Arbeitsleben als selbst gewollt wächst durch diese ge- sellschaftliche Entwicklung enorm. So verwundert es nicht, dass sich ältere Menschen schnell abgeschoben und nicht mehr gebraucht fühlen. Das Paradoxon an dieser Entwicklung ist unsere immer älter werdende Gesellschaft und die geforderte immer jünger werdende Arbeitswelt.
- Singularisierung: Ein weiterer Trend ist im stetig wachsenden Anteil der Alleinleben- den zu sehen. Immer mehr jüngere Menschen leben oft, aber zu einem großem Teil freiwillig, allein. Bei den älteren Menschen handelt es sich meist um unfreiwilliges Alleinleben, zum Beispiel durch Scheidung, Trennung oder Verwitwung.
- Feminisierung: Hiermit ist das unausgewogene Geschlechterverhältnis der Frauen und Männer mit steigendem Lebensalter gemeint. Der zahlenmäßige Mangel an älteren Männern lässt sich durch historische Auswirkungen und die gleichzeitig höhere Lebenserwartung von Frauen erklären. Diese steigt mit zunehmendem Lebensalter immer mehr an, sodass auf 100 Männer im Alter von 65 Jahren 139 Frauen kommen. Bei den 75-Jährigen hat sich dieses Verhältnis bereits auf 100:245 zugespitzt und bei den 90-Jährigen beträgt das Verhältnis 100:341. So erklärt es sich auch, warum ein größerer Anteil von Frauen als Männern in Pflegeeinrichtungen lebt.
- Hochaltrigkeit: Für den Beginn der Hochaltrigkeit (oder das Hochbetagtenalter) gibt es, wie bereits beschrieben, keine definierten Altersangaben. Menschen mit einem Lebensalter ab ca. 85 Jahren können aber zu dieser Gruppe gezählt werden. Unweiger- lich lässt sich erkennen, dass diese Gruppe stetig ansteigt. So ist zum Beispiel die Anzahl der 90-95-Jährigen seit 1950 um 600% gestiegen. Außerdem lebten 1998 in Deutschland 75 000 Hochbetagte im Alter von über 94 Jahren (vgl. Thiele 2001, S. 34f.; Tews 1999, S. 147f.).

2.3 Bilder und Wahrnehmung von alten Menschen

Bei der Betrachtung von Altersbildern kann grundsätzlich unterschieden werden zwischen dem Bild, das sich die Gesellschaft von «den alten Menschen» und vom «Alter» allgemein macht (Fremdbild) und der Art und Weise, wie ältere und alte Menschen sich selbst sehen (Selbstbild). Wie Kinder, Jugendliche, Menschen im mittleren Alter das Alter sehen, unter- liegt der Fremdeinschätzung. Wie hingegen ältere Menschen selbst das Alter betrachten, erfährt man durch deren Selbsteinschätzung (vgl. Niederfranke et al. 1999, S. 45; Walter 1995, S. 11f.).

Altersbilder wurden in der Geschichte des Menschen vor allem durch Medien jeglicher Art festgehalten. Sie wurden früher vermittelt durch Kunst und Literatur, seit geraumer Zeit auch über Printmedien, Hörfunk, Fernsehen und seit einigen Jahren durch das Internet. Die Darstellung der alten Menschen war stets dem Wandel unterworfen und ist eng mit den politischen, gesellschaftlichen und sozialen Gegebenheiten verknüpft. Unterschiedliche Kulturen haben immer - aufgrund von hierarchischen und traditionellen Strukturen - unterschiedliche Vorstellungen und Wertigkeiten des Alters entwickelt. In den Köpfen der Menschen herrscht eine Vielzahl von Vorstellungen über das Alter. Dabei existieren nicht nur positive oder negative Stereotype (vgl. Niederfranke et al. 1999, S. 42).

Niederfranke et al. (1999) achteten in Vorbereitung auf ihre Studieneinheit 1996 bewusst darauf, wo, wie oft und in welchen Zusammenhängen in der veröffentlichten Meinung vom Älterwerden und von alten Menschen die Rede ist. Dabei kommen sie zu folgenden Ergeb- nissen:

- In der Regel wird über «Probleme des Alters» gesprochen und geschrieben. Jedoch sind Pressebeiträge über ältere Menschen, in denen sie selbst zu Wort kommen und ihre Lebenssituation realistisch beschreiben, sehr selten. Berichte konzentrieren sich auf Themen wie: Altenlast, Rentenlast, Pflegelast oder den Fortbestand sozialer Sicherungssysteme angesichts der gesellschaftlichen Alterung.
- In Fernsehsendungen und -serien finden sich bis auf wenige Ausnahmen kaum Personen, die älter als 60 oder 65 Jahre sind.
- In Zeitschriften − vor allem Modezeitschriften - trifft man höchst selten auf „alte“ Gesichter. Auch die Werbung für Pflegeprodukte für die «ältere Haut» wird nicht von über 40-Jährigen Frauen präsentiert.
- Ältere Gesichter werden, wenn überhaupt, fast nur im Zusammenhang mit gefühlsmäßig eher als unattraktiv empfundenen Produkten wie Versicherungen, Medikamenten oder Waschmittel eingesetzt.
- Lediglich unter der Rubrik «rich and beautiful» finden sich in der Boulevardpresse auch Berichte mit Bildern über Menschen mit grauen Strähnen und Falten im Gesicht (vgl. Niederfranke et al. 1999, S. 36 f.).

Daraus lässt sich schlussfolgern, dass in den heutigen Medien häufig ein einseitiges (nega- tives) Altersstereotyp vermittelt wird. Alter wird zu einem großen Teil als Problemlage diskutiert. Diese öffentlichen Diskussionen konstruieren und verbreiten Vorstellungen von Altersbildern. Ein umfassendes Altersbild existiert auch in der öffentlichen Darstellung nicht, da jeweils nur eine Facette betrachtet wird. Altersbilder geben Vorstellungen über das Alter und Altern wider. Das Altersbild ist stets vom Betrachter abhängig, jedoch exis- tieren normierte Altersbilder in der Gesellschaft, die sich zum Beispiel in Klischees nieder- schlagen. Am umfassendsten stellt das die Kommission im Dritten Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland dar. Sie definiert Altersbilder als:

„(...) allgemeinere Vorstellungen über das Alter, über die im Altersprozess zu erwartenden Veränderungen und über die für ältere Menschen mutmaßlich cha- rakteristischen Eigenschaften. Altersbilder umfassen Ansichten von Kompe- tenzen und Defizite, über Freiräume, Gelassenheit und Weisheit, aber auch Be- fürchtungen über materielle Einbußen und Gedanken über Sterben und Tod. Nicht zuletzt enthalten sie auch - normative - Vorstellungen über Rechte und Pflichten alter Menschen. Altersbilder umfassen demnach nicht allein be- schreibende und erklärende Aussagen über das Alter(n), sondern enthalten auch wertende und normative Elemente“ (Bundesministerium für Familie, Se- nioren, Frauen und Jugend 2000, S. 64).

Jede Generation lässt durch ihr Handeln und ihre Art zu leben ein bestimmtes Bild in der Gesellschaft entstehen. Da jede Generation von immer neuen Einflüssen geprägt wird, entstehen verschiedene der jeweiligen Altersgruppe zugehörige Altersbilder. Nachfolgend werden zum einen positive und zum anderen negative Altersbilder dargestellt.

Positive Altersbilder

Es lässt sich in den letzten Jahren zunehmend beobachten, dass Attribute, die vormals nur mit der «jungen» Generation verbunden wurden, auf das Alter übertragen werden und dem Alter dadurch eine andere positive Bedeutung geben. Wachstum und Kaufkraft, Attrakti- vität, Dynamik, Zugewinn an gesellschaftlichem Einfluss der älteren Menschen sind nur einige Beispiele dafür. So entsteht nach und nach ein neuer Typus vom alten Menschen, geprägt auch durch Wirtschaft und Medien (Werbespots), die den alten Menschen als «Werbeträger» und Käufer für sich entdeckt haben. Alte Menschen werden zunehmend als gesundheitlich «auf der Höhe», vielseitig interessiert, geistig fit und aktiv, in der Gesell- schaft präsent, finanziell gut abgesichert und mobil dargestellt (vgl. Niederfranke et al. 1999, S. 11). Generell ist ein «Jungerhaltungstrieb» in der Gesellschaft zu bemerken. Sich die ewige Jugend zu erhalten oder sie sogar zurückzugewinnen, wird zunehmend propa- giert und angenommen. So hat sich nicht nur die Mode auf ein neues, schickes Erschei- nungsbild eingestellt, vor allem die Kosmetik und Schönheitsindustrie erfreuen sich immer größerer Nachfrage. Ob diese Veränderungen allein dazu beitragen, dass ein neues Ge- samtbild vom „Alter“ entsteht, sei dahingestellt (vgl. Niederfranke et al. ebd.; Otto & Hauffe 2003, S. 5).

Das so genannte Kompetenzmodell ist eine weitere Form, die positiven Aspekte des Alters in den Vordergrund zu stellen. Dieses Modell ist nicht an Normen gebunden, sondern ist personen- und situationsspezifisch. Es geht davon aus, dass das Verhalten und Erleben alter Menschen aus dem Verhältnis von Anforderungen an die Person und ihren Möglich- keiten (Ressourcen) zu deren Bewältigung verstanden werden muss. Altern in Kompetenz bedeutet, dass eine Person ihre verfügbaren Mittel einsetzt, um die Anforderungen ihrer jeweiligen Lebenssituation so zu gestalten, dass sie sich wohlfühlt und effektiv handelt. Das Augenmerk wird dabei nicht nur auf die Person oder ihre objektiven Umstände ge- richtet, sondern auf den Prozess der Abstimmung zwischen situativen Anforderungen und persönlichen Ressourcen. Diese Abstimmung erfolgt in der Person und durch die Person selbst (vgl. Walter 1995, S. 48). Eine damit oft in Verbindung gebrachte Metapher ist die, das Altern des Menschen mit einem Baum zu vergleichen, der wächst und wächst und sich dabei immer mehr verzweigt (vgl. Niederfranke et al. 1999, S. 19).

Ein weiterer positiver Aspekt zeigt sich durch die Betonung der Aktivitäten im Alter. Danach sind alte Menschen zunehmend aktiv, sie profitieren von der Pensionierung, um neue Aktivitäten zu entwickeln. Dieses positive, aktive und vermittelnde Bild alter Menschen wird von den älteren Menschen stärker betont als von den Jüngeren. Neben dem Bild aktiven Alters besteht allerdings weiterhin ein traditionelles Bild «geruhsamen Alters». Das Klischee vom «Ruhestand» besteht weiterhin, aber es wird immer mehr durch das Bild aktiven Alters geprägt (vgl. Niederfranke et al. 1999, S. 31ff.).

Negative Altersbilder

Dieses Altersbild wird durch das so genannte Defizitmodell bestimmt. Demnach ist das Altern ein ständig fortschreitender körperlicher, seelischer und geistiger Abbau- und Ver- schleißprozess. Jedoch wird dem älteren Menschen zugestanden, mit Mühe das Aller- schlimmste verhindern oder aufschieben zu können (vgl. Niederfranke et al. 1999, S. 19). Hauptaussage dieses Modells ist, dass der alternde Mensch zunehmend in seiner «Funkti- onstüchtigkeit» nachlässt. Es treten vermehrt körperliche, aber auch psychische Defizite und Defekte auf. Nach dieser Vorstellung ist Altern ein natürlich ablaufender Prozess, den man nicht vermeiden kann, dessen Folgen aber im günstigsten Fall repariert werden kön- nen (Tragen einer Brille, künstliche Gelenke) (vgl. Walter 1995, S. 47). Diese Vorstellung bezieht sich auf das Menschenbild und die Modellvorstellung in der Gerontopsychologie zu Alter(n)stheorien und drückt damit die Einsamkeit, Isolation und Abhängigkeit alter Menschen aus (vgl. Walter 1995, S. 44ff.). Die zweite Defizitansicht vom Alter stellt man- gelnde Anpassungsfähigkeit und kognitive Einbußen fest. Ältere Menschen sind über aktuelle Entwicklungen weniger informiert, sie sind nicht mehr «in», sie haben Gedächtnisprobleme und sind mit zunehmenden Alter manchmal desorientiert.

Auffallend ist die widersprüchliche Kombination positiver und negativer Bilder und Vor- stellungen vom Alter und dies sowohl bei jungen als auch bei älteren Menschen. Darin spiegelt sich sicherlich die existentielle Zweideutigkeit jeder Lebensphase wider, die neben Entwicklungschancen unbestreitbar erhöhte soziale und gesundheitliche Risiken mit sich bringt. Das Nebeneinander positiver und negativer Altersklischees kann daneben auf einen allmählichen Wandel des in den letzten Jahrzehnten doch eher negativ geprägten Bildes des Alters in unserer modernen Leistungsgesellschaft hinweisen. Frühere defizitorientierte Vorstellungen vom Alter werden vermehrt in Frage gestellt und durch aktivitätsorientierte Modelle «erfolgreichen Alterns» zumindest ergänzt. „Altersbilder zeigen jedoch nur die eine Seite der Medaille. Deren andere Seite ist die Realität des Alters“ (Niederfranke et al. 1999, S. 12).

Nicht außer Acht gelassen werden kann die unterschiedliche Einstellung der Geschlechter zum Alter. Hier sind deutliche Unterschiede im Erleben zwischen Männern und Frauen sichtbar. Dieser Unterschied wird als so genannter «double standard of aging» bezeichnet. Für Männer gelten demnach zwei Schönheitsideale: Zum einen das des Knaben oder jun- gen Mannes und zum anderen das des Herren mit den grauen Schläfen. Für Frauen hinge- gen existiert nur ein Idealbild: das des Mädchens. Altes Aussehen gilt bei Frauen ungleich stärker attraktivitätsmindernd als bei Männern (vgl. von Sydow 2003, S. 12).

Einstellungen der Gesellschaft zum Alter

Die gesellschaftliche Bedeutung des Alters wird nicht allein von den Altersgrenzen und Altersbildern, sondern auch vom zahlenmäßigen Verhältnis zwischen jüngeren und älteren Generationen beeinflusst. Die aktuelle Diskussion zur zukünftigen demographischen Ent- wicklung und zur Finanzierung der Altersvorsorge stellt dies in den Mittelpunkt. Es ist allerdings unklar, inwieweit die aktuelle sozialpolitische Diskussion nicht zu einer Verzer- rung der Wahrnehmung führt. Die Überschätzung des Anteils der Rentner hängt eng mit der medienwirksamen Diskussion der demographischen Alterung und den damit verbun- denen sozialpolitischen Befürchtungen zusammen. Allgemein zeigt sich, dass jene sozialen Probleme, die in den Massenmedien besonders heftig diskutiert werden, von der Bevölke- rung vielfach als besonders gravierend oder bedrohlich übernommen werden. Umgekehrt sollte durch die im Kapitel zuvor genannten Zahlen (Bevölkerungsanteil der «Alten») die besondere Verantwortung der Medien bei der Behandlung des Alter(n)s deutlich werden. Durch die Fokussierung auf das Thema wird aber unter Umständen ein Generationenkon- flikt angeheizt. So ist in öffentlichen Diskussionen oft von den Rentnern, den Senioren, den Betagten usw. die Rede, wobei diesen Kategorien unkritisch positive oder negative Eigenschaften zugeordnet werden (vgl. Niederfranke et al. S. 27; S. 35ff.; S. 42ff.).

Das aktuelle gesellschaftliche Bild des Alters ist sozusagen gemischt negativ-positiv. Die früheren Defizit-Modelle des Alters sind zwar nicht verschwunden, sie wurden jedoch durch positive Entwicklungschancen relativiert. Beim gemischt negativ-positiven Alters- bild von heute tritt die existentielle Ambivalenz der Haltungen gegenüber dem Altern klar zu Tage. Je abstrakter die Begriffe zur Darstellung des Alters sind, desto negativer ist allerdings das Bild. Die öffentliche Diskussion über die Stellung älterer Menschen ist viel- fach auch deshalb so stark negativ gefärbt, weil sie allgemein und abstrakt geführt wird. Es werden allgemeine Zuschreibungen benutzt (die Rentner, die Betagten usw.), die auf in- dividuelle Unterschiede und Besonderheiten keine Rücksicht nehmen. Butler und Lewis verweisen in diesem Zusammenhang auf die Entstehung einer Altersdiskriminierung und vergleichen diese sogar mit der Diskriminierung von Hautfarbe und/oder Geschlecht. Sie sehen darin eine systematische Benachteiligung aufgrund des Lebensalters in der Gesell- schaft (vgl. Butler & Lewis 1996, S. 13f).

2.4 Fazit

Es wurde aufgezeigt, dass nur ungefähre Einordnungen den Beginn des Alter(n)s bestim- men. Altern ist ein individueller Prozess eines jeden Menschen und wird von jedem Men- schen verschieden erlebt. Des Weiteren existiert keine umfassende sozialwissenschaftliche Altersdefinition, da die verschiedenen Sozialwissenschaften das Alter(n) jeweils aus ihrer Sicht betrachten. In einer Definition von Alter(n) muss die gesamte Lebenssituation älterer Menschen, wie soziale Bindungen, Wohnsituation, Einkommen, Familie und Gesundheit, berücksichtigt werden. Da dies bisher nicht geschieht, werden Altersbilder herangezogen, die auf der Grundlage von äußeren Einflüssen (Medien) geprägt werden und starken Schwankungen ausgesetzt sind. Alter(n) wird hierzulande zunehmend negativ empfunden, weil das soziale System in Deutschland allein durch die zahlenmäßige Zunahme der älteren Menschen, ganz besonders der Rentenversicherung, finanziell extrem belastet wird. In den Schlagzeilen einiger Medien wird zunehmend von einer Überalterung gesprochen. Bevöl- kerungswissenschaftler dagegen sind sich einig, dass es keine optimale Zusammensetzung der Bevölkerung gibt und darum von einer Überalterung der Bevölkerung nicht gesprochen werden kann. Der Begriff «alternde Gesellschaft» macht hingegen Sinn (vgl. Tews 1999, S. 141).

3 Sexualität im Alter

Nach dem im vorangegangenen Kapitel erläutert wurde, wie der Begriff Alter einzuordnen ist, wird nun der weitläufige Begriff Sexualität betrachtet. Des Weiteren soll geklärt wer- den, was unter Alterssexualität zu verstehen ist und ob es sich dabei um ein Tabu handelt. Weiterhin wird auf verschiedene Faktoren eingegangen, welche die Sexualität im Alter beeinflussen. Außerdem sollen die Einstellungen der Gesellschaft dargestellt werden.

3.1 Sexualität des Menschen

Betrachtet man Sexualität unter dem naturalistischen Verständnis als ein zur «Naturaus- stattung» des Menschen gehörendes Grundbedürfnis, kann davon ausgegangen werden, dass den Menschen sexuelles Handeln von Natur aus gegeben ist, also einen Urtrieb dar- stellt.

„Dieses Modell von Sexualität ist gekennzeichnet durch die Vorstellung, daß die ‚Natur’ einen ‚Sexualtrieb’ geschaffen habe und damit die Fähigkeit und das Bedürfnis, Lust zu empfinden, um die Fortpflanzung zu garantieren“ (Wrede 2000, S. 26).

Den Ursprung findet der Begriff Sexualität in der Biologie. Am Anfang des 19. Jahrhun- derts wurde der Sexualitätsbegriff zunächst zur Differenzierung der Keimanlagen von Pflanzen und für die Zuordnung zu einem Geschlecht verwendet. Nach und nach wurde die Bezeichnung auch auf den Menschen übertragen, wobei man sich aber ausschließlich auf die Fortpflanzungsfunktion bezog (vgl. Wrede 2000, S. 25f.; Kleinevers 2004, S. 13f.). Se- xualität wurde in zwei Eigenschaften unterteilt: männlich und weiblich. Diese Vorstel- lungen finden sich in den Klischees weiblicher und männlicher Sexualität teilweise noch heute wieder. Weibliche Sexualität ist demnach an der Reproduktionsfunktion orientiert, d.h. sie ist passiv, weil sie sich aufgrund ihrer Biologie dem männlichen, aggressiven Ge- schlechtstrieb unterordnen soll. Ebenso gilt sie als rezeptiv, da sie den Nachwuchs emp- fangen muss. Damit wird Weiblichkeit gleichgesetzt mit Hingabe und Masochismus (vgl. Wrede 2000, S. 25f.). In der Stereotypisierung der männlichen Sexualität gilt hingegen, dass sie von einem starken, kaum zu kontrollierenden Trieb geleitet ist. Dieser Trieb ist instinktiv und drängt, wenn er einmal geweckt ist, nach Befriedigung. Damit wird der Se- xualtrieb des Mannes als ein immer wieder auftauchendes, drängendes und forderndes Ge- fühl beschrieben, das der Natur des Mannes inne wohnt (vgl. Wrede 2000, S. 26).

Zu einer weiteren Sichtweise auf Sexualität kam es durch die psychoanalytische Schule Sigmund Freuds am Anfang des 20. Jahrhunderts. Sexualität wurde verwissenschaftlicht. So wird die menschliche Sexualität nach Freud durch den Sexualtrieb verursacht, für den Freud den Begriff «Libido» prägte. Dieser Trieb besitzt Energiequellen, die aufgrund von physiologischen Prozessen Spannungen erzeugen, welche vom Individuum als Erregung erlebt werden. Das Ziel des Sexualtriebs besteht darin, Spannungen abzubauen. Die Trieb- befriedigung wird als lustvoll wahrgenommen. Das Resultat, die Entspannung, ist aber nicht von Dauer, da Spannungen ständig im Körperinnern erneuert werden. Freud kommt außerdem zu der Annahme, dass nicht befriedigte sexuelle Triebe in andere wertvolle Leistungen wie Arbeit oder Lernen umgesetzt werden können. Der Sexualtrieb, der gesell- schaftlich durch Normen und Verbote reglementiert wird, dient damit als Grundlage für Kultur und Gesellschaft. Zusammenfassend kann Freuds Sexualtheorie als ein komplexer Anlage-Umwelt-Mechanismus verstanden werden, in welchem die sexuelle Motivation biologisch-somatisch verankert ist und eine Unterdrückung durch erzieherische, kulturelle und gesellschaftliche Einflüsse geschieht (vgl. Wrede 2000, S. 27 ff.).

Mittlerweile ist eine eigenständige Wissenschaft entstanden: die Sexualwissenschaft. Diese lässt sich wiederum in zahlreiche Fachgebiete unterteilen. Aus heutiger Sicht beschäftigt sich die Sexualwissenschaft mit dem gesamten Spektrum des sexuellen Erlebens und Verhaltens von Menschen in Gesundheit und Krankheit und erfasst so alle verschiedenen Aspekte der Sexualität. Für die Betrachtung der Sexualität im Kontext dieser Arbeit ist vor allem das Fachgebiet der Sexualmedizin relevant.

„Die Sexualmedizin als „klinischer Arm“ der Sexualwissenschaft - wie sie bisher verstanden wird - sieht und nutzt die Sexualität bei der Behandlung se- xueller und partnerschaftlicher Störungen (...) vor allem als das „potenteste“ Vehikel zur Erfüllung psychosozialer Grundbedürfnisse nach Nähe, Geborgen- heit, Zuwendung, d.h. letztlich nach Angenommenfühlen, Akzeptanz und Zu- gehörigkeit“ (Beier & Loewit 2004, V).

Die Erfüllung dieser Grundbedürfnisse ist von existentieller Bedeutung für alle Menschen, und Intimität kann sie auf intensivste Weise möglich machen. Die Dimensionen mensch- licher Sexualität aus sexualmedizinischer Sicht stellen sich wie folgt dar: Sexuelles Er- leben und Verhalten hat sowohl biologische als auch psychologische und soziale Dimensi- onen. Sexualität bestimmt die geschlechtliche Identität des Menschen im Frau- und Mannsein im engeren Sinn (die Funktion der Geschlechtsorgane), als auch die Genitalität sowie die damit verknüpften Erlebnisabläufe und sozialen Aspekte. Sie kann verschiedene Funktionen erfüllen, die unweigerlich in einer engen Wechselbeziehung zueinander stehen. Dabei kann zwischen Lustdimension, Fortpflanzungsdimension und Beziehungsdimension bzw. syndyastischer Dimension unterschieden werden (vgl. Beier & Loewit 2004, S. 22).

- Lustdimension: „Die Lustdimension gibt der Sexualität durch das einzigartige sinn-
liche Erleben von sexueller Erregung und Orgasmus eine Qualität, die sich von ande- ren menschlichen Erfahrungen abhebt“ (Beier & Loewit 2004, S. 23). Diese Funktion von Sexualität ist für das Erleben positiv empfundener Erregungsgefühle zuständig. Die Bedeutung liegt in der Nutzung aller Möglichkeiten von Lustgewinn durch sexu- elle Stimulation.
- Fortpflanzungsdimension: Hier wird die Fortpflanzungsfunktion angesprochen.
- Syndyastische Dimension: Sie umfasst diejenige Funktion von Sexualität, welche die grundlegenden Bedürfnisse nach Sicherheit, Vertrauen, Angenommensein, Gebor- genheit und Nähe in Beziehungen erfüllen kann (vgl. Beier & Loewit 2004, S. 22f.).

Beier und Loewit kommen zu folgender Aussage:

„Sexualität entzieht sich daher einem einseitigen definitorischen „Zugriff“ im Sinne eines überkommenen dichotomen Denkens in binären Kategorien von „körperlich oder seelisch“. Sie ist eine biologisch, psychologisch und sozial determinierte Erlebnisqualität des Menschen und in ihrer individuellen Ausgestaltung von allen diesen Faktoren in ihrer lebensgeschichtlichen Entwicklung abhängig“ (Beier & Loewit 2004, S. 22).

Auch von Sydow beschreibt die Schwierigkeit, eine eindeutige Definition für Sexualität zu finden denn: „Obwohl "Sexualität" (lateinisch: Geschlechtlichkeit) im alltäglichen wie im wissenschaftlichen Sprachgebrauch häufig verwendet wird, besteht kaum Einigkeit dar- über, was genau der Begriff bedeutet“ (von Sydow 1993, S. 13).

Es kann davon ausgegangen werden, dass Sex praktiziert wird, weil es den Menschen Lust und Freude bereitet. Einschränkungen bestehen dann, wenn einer der Beteiligten, zum Beispiel eine Frau, Geschlechtsverkehr gewaltartig ertragen muss, wie es bei einer Vergewaltigung der Fall ist. Eine stimmige Definition zu finden, gestaltet sich durchaus als schwierig. Von Sydow versteht unter Sexualität:

„(...) die Fähigkeit des Individuums, durch intimen körperlichen Kontakt Lust- gefühle zu empfinden. Diese Fähigkeit „wohnt“ in jedem Menschen, unabhän- gig vom Lebensalter und davon, ob ein/e Partner/Partnerin vorhanden ist. Se- xualität „haben“ selbst die, die sexuell völlig abstinent leben“ (von Sydow, 1994 S. 9).

Sexualität (im Alter) kann ebenso auf unterschiedliche Art und Weise gelebt werden. Zum Beispiel durch sexuelle Abstinenz, durch sexuell-genitale oder eher zärtliche Gesten wie küssen und streicheln. Sexualität ist also auch im Alter nicht nur an Handlungen gebunden, sondern sehr eng an das Gefühlserleben und Empfindungen von Liebe. Damit wäre für Alterssexualität keine gesonderte Definition notwendig, denn sie ist die „Fortführung des bisher gelebten Sexuallebens oder dessen Antwort“ (Ebberfeld 1999, S. 57). Auch Beier und Loewit sind der Auffassung, dass:

„(...) es eine eigenständige „Alterssexualität“ nicht gibt, sondern jeder mit seiner bisher gelebten Art von Sexualität auch alt wird. Sexualität im Alter ist also im Prinzip die - unter Umständen vergröberte und vergrößerte - Fort- setzung der bisher gelebten Sexualität positiv wie negativ“ (Beier & Loewit 2004, S. 142).

Betrachtet man Alterssexualität aus der Sicht der Sexualwissenschaft, wird sie als die letzte Phase menschlicher Sexualität beschrieben. Dabei unterliegt der Beginn dieser Phase wie bereits im voran gegangenen Kapitel gezeigt, gesellschaftlich-kulturellen Einflüssen. Der Eintritt in die Alterssexualität kann zum Beispiel am chronologischen Alter festgemacht werden. Ein weiterer Aspekt, der den Übergang in die Alterssexualität für viele Jahre bei der Frau bestimmte, war der Eintritt in die Wechseljahre. Mit dem Ende der Fruchtbarkeit, so war die weitverbreitete wissenschaftliche Auffassung, ist der Übergang in die Alters- sexualität gegeben. Nach dem heutigen Erkenntnisstand lässt sich für den Mann kein Kli- makterium festlegen. Ein zeitgleicher Übergang für Mann und Frau in die Alterssexualität ist nicht gegeben (vgl. Ebberfeld 2005, S. 15 f.).

3.2 Forschungen über Sexualität im Alter

Der aktuelle Forschungsstand und die Ergebnisse zu Sexualität im Alter werden nachfolgend kurz skizziert.

Unger und Brähler kamen 1998 zu der Aussage, dass zum Themenbereich Sexualität im Alter nur wenige empirische Studien in internationalen Datenbanken zu finden sind. So fanden sie bei einer im September 1995 durchgeführten Literaturrecherche in den Daten- banken «medline», «psyclit» und «psyndex» unter der Kombination «sexuelle Aktivität» und «Alter» „nur insgesamt 29 englische, 18 deutschsprachige, zwei japanische und eine italienische Quelle. Unter den 29 englischsprachigen Arbeiten sind 20 empirische Studien zu finden, von denen sich neun ausschließlich mit Aspekten weiblicher Sexualität und sieben mit Aspekten männlicher Sexualität beschäftigen“ (Unger & Bähler 1998, S. 239).

Im deutschsprachigen Forschungsraum erschienen zu diesem Thema fünf empirische Arbeiten und 14 nicht empirische Arbeiten. Unger und Brähler verglichen die bis dahin existierenden Forschungsarbeiten und kamen zu dem Ergebnis, dass zu den interkulturell wichtigsten Prädiktoren1 der Alterssexualität Partnerschaft, Gesundheitszustand und das Bedürfnis nach Sexualität zählen.

Ebberfeld bemerkt in ihrer Studie zur Sexualität von Frauen im Alter, dass Alterssexualität für die meisten Forschungen „in erster Linie Geschlechtsverkehr zu haben oder nicht zu haben“ bedeutet ( Ebberfeld 2005, S. 3). Außerdem beobachtete sie bei der Analyse bis- heriger Forschungen, dass Frauen ab dem 45. und Männer ab dem 60. Lebensjahr, also mit einem Altersunterschied von fast einer Generation, zur Alterssexualität gerechnet wurden (vgl. ebd.). Die unterschiedliche Betrachtungsweise beruht ihrer Meinung darauf, dass die meisten Forschungen von Männern stammen. Weil Sexualität, wie in den Klischees des naturalistischen Verständnisses sichtbar wird, für Männer und Frauen etwas anderes ist, „werden andere Fragen gestellt. Dies wiederum führt zu spezifischen Ergebnissen“ (Ebber- feld 2005, S. 4).

Das meiste Wissen zu dieser Thematik kommt aus «Reporten», die in der Regel den wis- senschaftlichen Standards nicht genügen und deswegen nicht repräsentativ sind (vgl. Schneider 1990, S. 61; Hirsch 1996, S. 248; Hirsch 2002, S. 401). Aus ihnen lassen sich jedoch Hinweise über die Bedeutung des Sexuallebens für ältere Menschen ableiten. Damit existiert ein Wissen darüber, was ältere Menschen im sexuellen Bereich denken und tun (vgl. ebd.). Die wichtigsten Ergebnisse und Aussagen existieren über die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs älterer Menschen, Formen des Sexuallebens und deren Bedeutung im Alter, das sexuelle Interesse von älteren Personen, die Zufriedenheit mit dem Sexualver- halten und Einstellungen zur Alterssexualität (vgl. Schneider 1990, S. 61f.).

3.2.1 Sexualität von Männern im Alter

Die Mehrzahl der älteren Männer gibt an, auch im höheren Lebensalter sexuell aktiv zu sein. Merbach et al. bemerken hierzu, dass sexuelle Wünsche und sexuelles Verlangen bei Männern bis in das hohe Lebensalter erhalten bleiben und erst bei den 75-Jährigen Män- nern abnehmen (vgl. Merbach et al. 2003, S. 7f.). Die Veränderungen äußern sich in der Verringerung des Wunsches nach Geschlechtsverkehr, wobei der Wunsch nach Zärtlich- keit erhalten bleibt. Jedoch verspüren Männer ein geringeres Bedürfnis nach Zärtlichkeit als Frauen, hingegen sind sexuelles Verlangen und Phantasien hier ausgeprägter als bei Frauen. Die Abnahme dieser Bedürfnisse setzt bei Männern außerdem fünf Jahre später ein als bei Frauen. Im Vergleich zu den Jüngeren geben die über 60-Jährigen an, dass Leiden- schaft, Phantasie, Abwechslung und ein gut gebauter Körper weniger von Bedeutung sind, aber immer noch bedeutender, als das bei Frauen der Fall ist. Zudem wiesen die Älteren der Erotik eine geringere Bedeutung zu; die Männer jedoch wiederum eine größere als die Frauen (vgl. Merbach et al. ebd.) Die nachfolgende Tabelle zeigt, dass sexuelle Wünsche und das Verlangen nach Sexualität bis ins hohe Lebensalter erhalten bleibt. Besonders deutlich zeigt diese Studie, dass der Wunsch nach Geschlechtsverkehr ab dem 70. bzw. 75. Lebensjahr stärker abnimmt, der Wunsch nach Zärtlichkeit aber erhalten bleibt.

Tab. 2: Sexuelle Interessen von Männern in Abhängigkeit vom Alter (n=641)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: modifiziert nach Bucher et al. 2001

3.2.2 Sexualität von Frauen im Alter

Zahlreiche Frauen erleben die Menopause und das Ausbleiben der damit verbundenen mo- natlichen Monatsblutung und Monatshygiene als Erleichterung, die genauso wie der Weg- fall von Verhütungsmethoden und die damit verbundene Angst vor unerwünschten Schwangerschaften oder der Auszug der Kinder zu einer Belebung des Sexuallebens bei- tragen. Nach und nach rückt eine Generation von Frauen ins mittlere und höhere Lebens- alter vor, die sich von traditionellen Verhaltensmustern distanzieren. Allein die Einführung der „Pille“ in den 60er Jahren und die vermehrte Beteiligung am Berufsleben führten zu einer sexuellen Liberalisierung, die sich die Frauen in dieser Generation schwer erkämpft haben. Daher wollen sie auch nicht aufgrund ihres Alters benachteiligt und als asexuell abgestempelt werden. Dieser kleine Teil von sexuell emanzipierten Frauen im Alter von 50 und 65 Jahren gibt an, ein erfülltes und befriedigendes Sexualleben zu führen. Außerdem können diese Frauen besser mit ihrem Partner über Probleme, eigene Bedürfnisse und Wünsche bezüglich der Sexualität sprechen. Dennoch hat ein großer Teil von Frauen dieser Altersgruppe Angst, gegen tradierte Rollenvorstellungen zu verstoßen, wie auch vor dem eigenen Begehren. Sie empfinden Scham, sich zu offenbaren, befürchten Ablehnung oder Liebesverlust bei einer Offenbarung (vgl. Schulz-Zehden 2003, S. 32f.; Kolle 1999, S. 64).

Eine Form der Sexualität, die Selbstbefriedigung, ist weiterhin sehr tabuisiert, wird aber immerhin noch von 8% bis 40% der über 80-Jährigen „zugegeben“.

Die Angaben über sexuelles Interesse variieren laut von Sydow je nach Studie. Mehrheit- lich scheinen jedoch sexuelle Bedürfnisse bei Frauen bis Ende 70 vorhanden zu sein; die Ausprägung im höheren Alter wird jedoch gering eingeschätzt. Ferner wird vermutet, dass ältere Frauen erotische Phantasien noch eher tabuisieren und nicht ansprechen. Aber noch ein Drittel der über 80-Jährigen berichtet von erotischen Träumen in der Nacht (vgl. von Sydow 2003, S. 12 f.).

Tab. 3: Angaben über Sexualität von älteren Frauen (N=91, Angaben in Prozent)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Hirsch (1996, S. 250) zit. nach von Sydow (1992)

Die obenstehende Tabelle zeigt Ergebnisse, welche von Sydow 1992 veröffentlichte. Demnach waren die befragten Frauen häufiger an Sexualität interessiert als wirklich aktiv. Der Hinweis dafür findet sich nach von Sydow in erotischen Träumen und Phantasien. Auch ist zu erkennen, dass der Geschlechtsverkehr jenseits des 60. Lebensjahres rapide an Häufigkeit abnimmt. Daneben, so scheint es, findet in Beziehungen, in denen kein Ge- schlechtsverkehr mehr ausgeführt wird, auch keine andere Sexualität statt. Jedoch erleben Frauen, die sexuell aktiv sind, diese Aktivität als genussreich (vgl. Hirsch 1996, S. 249f.).

3.2.3 Wünsche zur Sexualität im Alter

In einer Befragung von Schmidt und Matthiesen (2002) wurde u.a. die Frage: „Welche Rolle spielt Sexualität für Ihre Beziehung?“ gestellt. Die Antworten der 60-Jährigen befragten Männer und Frauen lauten dazu:

Tab. 4: Rolle der Sexualität in der Beziehung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Schmidt, Matthiesen 2003, S. 21 (Angaben in Prozent, Mehrfachnennungen möglich)

Die Untersuchung von Schmidt und Matthiesen setzt ihren Fokus auf „Beziehungsbio- graphien im sozialen Wandel“. Sie arbeiten in der Abteilung für Sexualforschung an der Psychiatrischen Klinik der Universität Hamburg. In dieser Studie kommt zum Ausdruck, dass 21% der befragten Frauen Sexualität mit ihrem Partner „nur ihm zuliebe“ prakti- zieren. Bei den Männern gaben hingegen nur 9% aller Befragten an, es „nur ihr zuliebe“ zu tun. Männer der 60-Jährigen Befragten betonen, dass Sexualität ein wichtiger, schöner, verbindender Bereich des Lebens ist, der zweifellos zum gemeinsamen Leben gehört. Hin- gegen sehen die Frauen der gleichen Altersgruppe Sexualität wesentlich zurückhaltender, sie beschreiben Sexualität mehrheitlich als zweitrangig und untergeordnet. Dennoch be- urteilen über 70% der Männer und Frauen übereinstimmend, die Häufigkeit des Sex in den letzten vier Wochen als „gerade richtig“ (vgl. Schmidt & Matthiesen 2003, S. 18 ff.). Weitere Forschungsergebnisse zur sexuellen Aktivität ergaben, dass der Geschlechtsver- kehr − die am meisten untersuchte Variable − von den meisten Paaren bis Mitte bzw. Ende 60 praktiziert wird, von den Menschen im Alter von Anfang 70 immerhin noch zu einem Drittel. Unbekannt ist die Anzahl der nicht koitalen heterosexuellen und der homosexuellen Kontakte. Weiterhin wenig erforscht ist die hohe und lebenslang bleibende Bedeutung von Zärtlichkeit (vgl. von Sydow 2003, S. 12).

Dass Frauen und Männer bis ins hohe Alter sexuell aktiv sein können und auch das sexuelle Interesse und das Bedürfnis nach Sexualität, in welcher Form auch immer, bestehen bleibt, steht damit außer Frage. Walter fasst Aussagen bisheriger Untersuchungen folgendermaßen zusammen:

- Sexuelle Aktivitäten sind bis ins hohe Alter möglich. Ob sie praktiziert werden, ist weitgehend von Einstellungen und Normen bestimmt, aber auch von äußeren Bedingungen, dem Vorhandensein eines Partners und vor allem dem Gesundheitszustand.
- Selbst wenn Sexualität nicht praktiziert wird, spielt sie im Verhalten, in Phantasien, Träumen, Vorstellungen und Ersatzhandlungen auch im Alter eine wichtige Rolle.
- Die Bedeutung von Sexualität im Erleben eines alten Menschen hängt im starken Maße von „biographischen Determinanten“, d.h. von der Wertigkeit der Sexualität in seinem Lebenslauf, ab.
- Zärtlichkeiten wie Küssen, Streicheln, Anschmiegen und Liebkosen, werden mit zunehmendem Lebensalter im Verhältnis zum Geschlechtsverkehr wichtiger (vgl. Walter 1995, S. 154).

Die individuellen Unterschiede hinsichtlich des sexuellen Interesses und der sexuellen Aktivitäten sind im Alter beträchtlich. Sie reichen von totaler Abstinenz bis zu hoher sexueller Aktivität. Zufriedenheit mit dem Sexualleben kann auch bei Abstinenz von genitaler Sexualität erlebt werden (vgl. von Sydow 1994, S. 9).

3.3 Einflüsse auf die Sexualität im Alter

Im Folgenden werden die Faktoren beschrieben, die die Sexualität im Alter beeinflussen.

3.3.1 Biographische Einflüsse

Zunächst ist hier anzumerken, dass die Generation, welche sich derzeit im höheren Le- bensalter befindet, einer Generation angehört, in der andere sexuelle Leitbilder galten als heute. Die Haltungen von Generationen zu bestimmten Themengebieten beruhen auf Er- fahrungen, die in der Kindheit, als junger Mensch und im mittleren Alter gemacht wurden. Diese führten zu der Einstellung zu Sexualität von älteren Menschen heute, die geprägt ist durch unzureichende Aufklärung und die Tabuisierung der Körperlichkeit insgesamt. Dies wird deutlich an den Ergebnissen einer Studie, die von Sydow mit Frauen durchführte, die im Zeitraum von 1895 bis 1936 geboren wurden (vgl. von Sydow 1994, S. 47f.). 44% der Befragten gaben an, ihre Eltern und Geschwister niemals nackt gesehen zu haben. Über 54% der Befragten schätzten die Qualität der Aufklärung als unzureichend ein und 30% erhielten keinerlei Informationen über Schwangerschaft, Geburt, Menstruation, Zeugung und Sexualität. Durch diese Unwissenheit kam es noch Mitte des letzten Jahrhunderts zu irrtümlichen Annahmen, dass eine Schwangerschaft durch Küsse, Auf-dem-Schoß-Sitzen oder durch Beatmung erfolgt. Erst die so genannte «sexuelle Revolution» in den sechziger Jahren befreite nach und nach viele Männer und Frauen von ihrer Unwissenheit. Dennoch blieben jene, welche sich zu dieser Zeit weiterhin wenig oder gar nicht in Büchern oder Filmen informierten, unaufgeklärt, was das Wissen über den eigenen Körper und dessen sexuelle Reaktionen anbelangt (vgl. von Sydow 1994, S. 49 ff.; Kolle 1999, S. 62).

Die sexuelle Entwicklung der heutigen älteren Generation wurde stark von religiösen und moralischen Einflüssen geprägt. Viele Menschen dieser Generation sind konfessionell gebunden und damit zu einem großem Teil traditioneller, christlicher Ethik und deren Moralvorstellungen verpflichtet. Die christlichen Werte hinsichtlich sexueller Fragen werden vereinfacht mit den folgenden Stichworten dargestellt:

- Keuschheit und Jungfräulichkeit ist als höchstes Gut anzusehen; die Ehe ist hier nur als ein Kompromiss zu sehen.
- Als alleinige statthafte Form der Sexualität gilt der Zeugungsakt, wobei nur eine «Minimallust» gestattet ist.
- Das Verbot der vor-, außer- und nachehelichen Sexualität; Geschlechtsverkehr soll ausschließlich innerhalb der Ehe stattfinden

(vgl. von Sydow 1994, S. 51).

Aus diesen alten Traditionen rührt auch das sexuelle Tabu. In strenger Auslegung wurde jede Form von Sexualität, die nicht der Zeugung diente, sanktioniert und Selbstbe- friedigung abgelehnt. In so genannten Ehehandbüchern, welche im Sinne christlicher Normen geschrieben wurden, wurde Sexualität sogar auf eine bestimmte Lebensspanne, nämlich die jungen Ehejahre, beschränkt, „(...) keinesfalls im Kindes- und Jugendalter und auch nicht im reiferen Erwachsenenalter. Auch während der Menstruation, Schwanger- schaft, sowie während und nach den Wechseljahren (...)“ (von Sydow 1994, S. 52f.). Er- wähnt sei an dieser Stelle die aus Sicht der katholischen Kirche als Todsünde angesehene Sexualität zwischen gleichen Geschlechtern. In den letzten Jahren wurden diese rigiden Haltungen von der evangelischen Kirche in Bezug auf Sexualität zu einem großen Teil revolutioniert. Dennoch halten viele älteren Menschen an den erlernten moralischen Grundsätzen fest (vgl. von Sydow 1994, S. 51f.).

Ein weiterer Grund für die andere Vorstellung von Sexualität heute älterer Menschen war die damals herrschende traditionelle Eheauffassung, in der die Ehefrau sich am Ideal der Aufopferung für Mann und Kinder orientierte und noch im vorigen Jahrhundert galt. „Die meisten älteren Frauen und Männer sind (...) in einer Familie aufgewachsen, in der „der Vater das Sagen hatte“ - nicht nur gegenüber den Kindern, sondern auch gegenüber der Frau“ (von Sydow 1994, S. 54). So war es üblich, dass Männer ihre Dominanz auch inner- halb der Ehe im Ehevollzug, dem Beischlaf, ausübten, denn in der traditionellen Eheauf- fassung besaß die Frau nicht das Recht, dem Mann den Geschlechtsverkehr zu verweigern. Die einzige Möglichkeit zur Ablehnung bestand darin, eine Krankheit vorzutäuschen oder zu hoffen, dass der Mann rücksichtsvoll war und nicht allzu oft Sexualität verlangte (vgl. ebd.).

Noch 1966 stellte der Bundesgerichtshof klar, dass Frauen ihren ehelichen Pflichten nicht nachkommen, wenn sie die Beiwohnung teilnahmslos über sich ergehen lassen und die eheliche Zuneigung und Opferbereitschaft gleichgültig oder widerwillig zur Schau zu tra- gen (vgl. Otto & Hauffe 2003, S. 3). Nicht nur durch den Einfluss der Frauenbewegung hat sich im Lauf der letzten 100 Jahre die Gesetzgebung zum Ehe- und Familienrecht grund- legend geändert. Daneben veränderte sich auch das Leitbild der „(...) vom männlichen Partner dominierenden ’Hausfrauenehe’(...) egalitären Regelungen“ (von Sydow 1994, S. 53).

Ein weiterer Punkt, der die Sexualität vieler älterer Menschen von heute geprägt hat, sind traumatische Erfahrungen, die wiederum vor allem Frauen betreffen. Nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs wurden viele Frauen in den östlichen Gebieten Deutschlands von russischen Besatzungssoldaten vergewaltigt. Dieses Ereignis beschreibt von Sydow als Massengeschehen (vgl. von Sydow 1994, S. 62f.). Biographische Erfahrungen wirken sich bis ins hohe Alter aus. Nur selten werden moralische Grundsätze aus der Erziehung von damals über Bord geworfen. Das führt dazu, dass heutzutage die meisten älteren Menschen wenig über das Thema Sexualität wissen und wenn überhaupt, selten darüber sprechen.

„Die jetzt über 50-jährigen hatten eher schlechte Chancen für Sexualität. Sie wurden von wissenschaftlichen, politischen und privaten Meinungen geprägt, zumindest beeinflusst, die a) lustvollen Körperkontakt eher hemmten und b) in der Sexualität das Gefühlsleben und Körperempfinden der Frauen den männlichen Bedürfnissen unterordneten“ (Otto & Hauffe 2003, S. 3).

[...]


1 Zur Vorhersage eines Merkmals herangezogene Variable

Details

Seiten
130
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638591867
ISBN (Buch)
9783640864584
Dateigröße
2.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v66772
Institution / Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin
Note
1,0
Schlagworte
Sexualität Alter Tabu Pflegeheim

Autor

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Titel: Sexualität im Alter. (K)ein Tabu im Pflegeheim