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Präsenz und Bedeutung thrakischer Söldner in den hellenistischen und römischen Heeren

Seminararbeit 2006 18 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Thrakische Söldner in hellenistischen Heeren
1.1. Historischer Überblick
1.2. Bedeutung thrakischer Söldner in den hellenistischen Heeren
1.3. Thrakische Söldner aus der Sicht der Griechen

2. Thrakische Söldner in Ägypten während der hellenistischen und römischen Zeit

3. Thraker in römischen Heeren
3.1. Thraker in der römischen Flotte
3.2. Thrakische Hilfstruppen im römischen Heer

Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Einleitung

Denkt man an die unzähligen Kriege der hellenistischen und der römischen Zeit, so denkt man meistens an blutige Schlachten und ihre Folgen, an eroberte und geplünderte Städte und an ehrenvolle oder auch unrühmliche Feldherren. Man denkt dabei jedoch selten an die vielen griechischen und römischen Soldaten, die in diesen Kriegen gegen Feinde von Innen oder Außen kämpften. Noch weniger Beachtung findet die große Zahl fremder Söldner, welche zur Unterstützung der hellenistischen und römischen Heere rekrutiert wurde. Viele dieser Söldner stammten aus den häufig armen und unwirtlichen Regionen nördlich von Griechenland. Dieses Gebiet, welches als Thrakien bezeichnet wurde, bewohnten unzählige Stämme. Viele waren bedeutungslos, andere, wie das Reich der Odrysen, erlangten auch über ihre Grenzen hinaus Macht und Einfluss.

Welche Bedeutung hatten diese thrakischen Söldner in den hellenistischen Heeren und den Armeen Roms? Wie wurden sie von den Einheimischen gesehen? Mit diesen Fragestellungen beschäftigt sich die vorliegende Arbeit. Dabei soll der Schwerpunkt auf der Präsenz thrakischer Söldner in den hellenistischen Heeren liegen. Auskunft darüber geben Schriften antiker Autoren, epigraphische Quellen, Papyri und Abbildungen auf Keramiken. Bei der Behandlung dieses Themas folgt zunächst ein historischer Überblick über die Präsenz von thrakischen Söldnern von der homerischen Zeit (ca. 8. Jahrhundert v. Chr.) bis zum ersten vorchristlichen Jahrhundert in Griechenland. Anschließend soll die Bedeutung der Thraker in den hellenistischen Heeren behandelt werden. Als nächstes wird untersucht, wie die Griechen die thrakischen Söldner sahen, welche Meinung sie von ihnen hatten. Da die Überlieferung aus dem Ägypten der ptolemäischen und römischen Zeit besonders gut ist, soll dann den thrakischen Söldnern dieser Region ein eigenes Kapitel gewidmet werden.

Die Präsenz von Thrakern in der römischen Flotte soll nur exemplarisch anhand von Flottendiplomen aus der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. aufgezeigt werden. Abschließend zeigt eine kleine Zusammenstellung von vier thrakischen Auxiliareinheiten wie diese Truppen an verschiedenen Krisenherden des Imperium Romanum eingesetzt wurden.

1. Thrakische Söldner in hellenistischen Heeren

1.1. Historischer Überblick

Bereits Homer erwähnt Thraker, die als Verbündete Trojas gegen die Griechen kämpften. Sie erscheinen hier als Wagenlenker, Bogenschützen und Speerwerfer. Erst für das 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. gibt es auch archäologische Hinweise auf die Präsenz thrakischer Söldner in Griechenland. Die Darstellung einer Kampfszene auf einer attischen Amphore aus der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. zeigt sehr detailliert zwei Peltasten[1], die eindeutig als Thraker identifiziert werden können.[2] Beide tragen eine als typisch thrakisch gedeutete Kleidung bestehend aus einer Fellmütze, der alopekis, und einem Mantel mit geometrischen Mustern, der zeira. Beide Kämpfer halten eine pelta, ein charakteristisch geformtes Schild, in der Hand und kämpfen mit Wurfspeeren. Es ist anzunehmen, dass der Künstler eine so exakte Darstellung nur anhand eigener Beobachtungen erstellen konnte. Best sieht hierin den ersten Nachweis für thrakische Söldner in Athen, die von dem Tyrannen Peisistratos (ca. 607-528 v. Chr.) vor seiner Rückkehr in seine Heimatstadt rekrutiert worden waren. Weitere ähnlich detaillierte Darstellungen bis in das späte 5. Jahrhundert hinein weisen auch auf die spätere Präsenz von Thrakern in Athen hin.[3] Viele athenische Familien pflegten enge Beziehungen zu Thrakien im 5. Jahrhundert v. Chr. Während des Peloponnesischen Krieges (431-404 v. Chr.) versorgte Thrakien Athen mit Holz und Söldnern und es bestand ein Bündnis zwischen Athen und dem Odryserreich.[4] Im 4. Jahrhundert v. Chr. gewannen thrakische Söldner eine größere Bedeutung in den Heeren Philips II. und Alexanders des Großen. Philip II. (ca. 382-336 v. Chr.) reformierte die Struktur des makedonischen Heeres und führte hierbei die leichtbewaffneten Peltasten, darunter viele Thraker, ein.[5] Auch Philips Sohn Alexander der Große (356-323 v. Chr.) verwendete mehrere Tausend thrakische Söldner in seinem Heer. Diese meist aus Reitern und leichtbewaffneten Fußsoldaten bestehenden Heereskontingente scheinen eine wichtige Rolle bei Alexanders Eroberungen gespielt zu haben. Hierfür spricht die häufige Erwähnung von Thrakern in den Schlachtberichten antiker Autoren.[6] Die auf den Tod Alexanders folgenden Kriege um die Macht, die Diadochenkriege, waren ein optimales Betätigungsfeld für thrakische Söldner. Sie wurden in großer Zahl von den verschiedenen Kriegsparteien rekrutiert. Als Beispiel sei hier die Schlacht von Paraitakene (316 v. Chr.) aufgeführt. Hier standen 500 thrakische Reiter auf der Seite von Eumenes, während sein Gegner Antigonos 1.000 ebenfalls thrakische Söldner in seinem Heer hatte.[7] Auf einer in das späte 4. Jahrhundert n. Chr. datierten Inschrift aus Athen sind noch über 150 Namen von Söldnern enthalten. 48 Personen auf dieser Liste konnten als Thraker identifiziert werden. Bei zwei Personen steht der Zusatz „ thraikes “ dabei, die restlichen 46 tragen für Thraker typische Namen. Eine andere Inschrift aus der gleichen Zeit nennt 21 Soldaten, davon vier Griechen aus griechischen Städten auf thrakischem Gebiet.[8] Auch im Laufe der Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen griechischen Herrschern des 3. Jahrhunderts v. Chr. wurden immer wieder thrakische Söldner eingesetzt. Inschriften aus dieser Zeit weisen wiederholt auf die Präsenz von Thrakern in den hellenistischen Heeren hin.[9] Die Zahl der Rekrutierungen hing auch davon ab, wer Teile Thrakiens kontrollierte. Ptolemaios III. (ca. 284-221 v. Chr.) konnte Teile von Thrakien erobern und war nun in der Lage in diesen Gebieten auf ein Reservoir von Söldnern zuzugreifen. Nachdem 202 v. Chr. Philip V. (238-179 v. Chr.) seinerseits diese Gebiete eroberte, ging die Zahl der thrakischen Söldner in Ägypten zurück und stieg beträchtlich in Makedonien an.[10] Kurze Zeit später musste sich auch Philip V. aus Thrakien zurückziehen, als Antiochos III. (242-187 v. Chr.) in diese Gebiete expandierte und seinerseits ab 196 v. Chr. Begann, hier Söldner zu rekrutieren. Um 190 v. Chr. musste aber auch er diese Region aufgeben.[11] Die Rolle der Thraker in den hellenistischen Heeren des 2. Jahrhunderts v. Chr. ist nur spärlich überliefert.[12] Im 1. Jahrhundert v. Chr. sind sie in Ägypten kaum noch nachweisbar, dies liegt wohl an der immer stärkeren Expansion Roms in den südosteuropäischen Raum und an der römischen Rekrutierung thrakischer Kämpfer.[13]

1.2. Bedeutung thrakischer Söldner in den hellenistischen Heeren

Thrakische Krieger waren begehrte Söldner für die griechischen Heere der hellenistischen Zeit. Thrakien bot ein beinahe unerschöpfliches Reservoir an Söldnern, die durch die ständigen Stammeskämpfe kampferprobt waren. Nach Angaben des antiken Historikers Thukydides führte der odrysische König Sitalkes 429 v. Chr. eine Armee von 100.000 Soldaten und 50.000 Reitern an.[14] Herodot schreibt gar, „das thrakische Volk ist nach dem indischen das größte der Erde“, das, „wäre es einig und hätte […] nur einen Herrscher, […] das mächtigste Volk, das es gibt“, sein könnte.[15] Selbst wenn diese Angaben der antiken Autoren übertrieben sind, zeigen sie doch, wie groß das Potenzial an Söldnern, die sich aus den unterschiedlichen thrakischen Stämmen rekrutieren ließen, war. Dennoch spielten die hauptsächlich leichtbewaffneten thrakischen Söldner in den hellenistischen Heeren meist keine entscheidende Rolle, denn die Kampfweise der traditionellen griechischen Hopliten bestimmte weiterhin das Bild. Erst Alexander der Große setzte die Thraker in großer Zahl in seinen Armeen ein.[16] Die Söldner wurden meist nicht speziell ausgebildet, sie zogen nur mit in die Schlacht. Alexander der Große und Philip V. sind hierbei als Ausnahmen zu betrachten, sie drillten auch ihre Söldnerheere.[17]

Eine typisch thrakische Truppengattung waren die Peltasten. Ihren Namen erhielten sie von ihrem charakteristisch geformten Schild, der pelta.[18] Die Griechen sahen in der pelta ein typisch thrakisches Attribut. Sie war leichter als das Schild der Hopliten und war mit Schafs- oder Ziegenleder bespannt. Häufig wurden sie mit Augen, Nase und Mund bemalt.[19]

Die Peltasten waren nur leicht bewaffnet. Neben der bereits erwähnten pelta kämpften sie mit leichten Speeren oder Wurfspeeren. Sie waren so in hügeligem Gelände durch ihre Beweglichkeit den schwerbewaffneten Hopliten überlegen.[20] Ein Beispiel soll die Kampfweise der Peltasten im Folgenden verdeutlichen.

Der antike Autor Thukydides beschreibt, wie der athenische Stratege Demosthenes im Sommer 426 v. Chr. die ätolische Stadt Ägition angriff, um die „Festlandstämme jener Gegend den Athenern zu unterwerfen“.[21] Demosthenes wurde vorher zugetragen, die Ätolier wohnten in „unbefestigten Ortschaften“ und trügen nur „leichte Bewaffnung“.[22] Verbündete der Athener aus Lokris hätten ursprünglich Demosthenes mit leichtbewaffneten Speerwerfern unterstützen sollen. Demosthenes jedoch wartete nicht auf Verstärkung, sondern griff mit seinem Hoplitenheer die in hügeligem Gelände gelegene Stadt Ägition an. Die leichter bewaffneten und somit mobileren Ätolier ihrerseits ließen sich nicht auf einen Nahkampf mit den Hopliten des Demosthenes ein, sondern hielten Abstand und warfen ihre Speere auf die Athener. Sobald die athenischen Hopliten vorrückten, zogen sich die Ätolier zurück. Die demoralisierten Athener ergriffen die Flucht, wurden jedoch von den mobileren Ätoliern weiter verfolgt:[23] „Die Ätoler hatten schon gleich bei der Verfolgung viele niedergestochen, die sie als leichtfüßige und ungepanzerte Leute einholten […]“.[24]

Demosthenes schien aus dieser Niederlage gelernt zu haben. Im Sommer 425 v. Chr. fand die Schlacht von Sphakteria auf der Insel Pylos zwischen Athenern und Spartanern statt. Befehlshaber der Athener waren Kleon und Demosthenes. Sie befehligten ein Heer aus Hopliten und leichtbewaffneten thrakischen Peltasten.[25] Die Spartaner „kamen nicht zum Handgemenge mit den Hopliten und konnten von ihrer kriegerischen Erfahrung gar keinen Gebrauch machen; denn die Leichtbewaffneten belästigten sie mit ihren Fernwaffen […]“.[26] Die Peltasten des Demosthenes „in ihrer leichten Rüstung konnten […] auf dem unebnen und […] ungerodeten Boden leicht den verfolgenden Lakedämoniern entgehen, weil diese mit der schweren Bewaffnung nicht nachkommen konnten“.[27] Die Spartaner begannen, sich zurückzuziehen, wurden jedoch von den Leichtbewaffneten verfolgt und ergaben sich schließlich.[28]

Dieses Beispiel verdeutlicht die Vorteile der leichtbewaffneten Peltasten in hügeligem Gelände gegenüber den schwerfälligen Hopliten. Dennoch wurden sie im Peloponnesischem Krieg nur spärlich verwendet.[29]

[...]


[1] Auf Ausrüstung und Kampfweise der Peltasten soll unter Punkt 1.2. näher eingegangen werden.

[2] Siehe Abb. 1 im Anhang.

[3] Best, Peltasts, S. 4-7; ebd. S. 17.

[4] Middleton, Support, S. 300f.

[5] Burn, Alexander, S. 141.

[6] Launey, Recherches, S. 368; Burn, Alexander, S. 144f.

[7] Ebd., S. 369f.

[8] Ebd., S. 370f.

[9] Ebd., S. 377-379.

[10] Velkov, Thraces, S. 97.

[11] Launey, Recherches, S. 382.

[12] Ebd., S. 388.

[13] Velkov, Thraces, S. 97f.

[14] Thuc. II,98.

[15] Herodot, V,3.

[16] Launey, Recherches, S. 367f.

[17] Williams, Forces, S. 265.

[18] Siehe Abb. 2 im Anhang.

[19] Best, Peltasts, S. 3.

[20] Williams, Forces, S. 266f.

[21] Thuc. III,94.

[22] Ebd.

[23] Ebd., 95-98.

[24] Ebd., 98.

[25] Thuc. IV,32; Best, Peltasts, S. 35.

[26] Thuc. IV,33.

[27] Ebd.

[28] Ebd., 35-38.

[29] Best, Peltasts, S. 35.

Details

Seiten
18
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638591492
ISBN (Buch)
9783638793469
Dateigröße
902 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v66593
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Seminar für Ur- und Frühgeschichte
Note
1,0
Schlagworte
Präsenz Bedeutung Söldner Heeren Mittelseminar Geschichte Kulturen Altthrakiens Hellenismus

Autor

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