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Muhammad Ali: Prägung seiner Zeit oder zeitprägend?

Seminararbeit 2004 14 Seiten

Amerikanistik - Kultur und Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Die Laufbahn Alis

Stereotypen, Images und Reformbewegungen

Muhammad Ali und das Exil

Schlussbemerkung

Bibliografie

Die Laufbahn Alis

Es gibt eine Legende in der es heißt, die Karriere des Muhammad Ali sei durch einen Fahrraddiebstahl in seiner Jugendzeit entstanden. Der zwölfjährige Cassius Clay Jr. rannte damals wutentbrannt zum nächsten Polizisten und drohte, den Dieb zu verprügeln. Der Polizist antwortete daraufhin amüsiert: “You better learn to box first.“[1]

Wenn diese kleine Anekdote tatsächlich der Wahrheit entsprechen sollte, ist es erstaunlich, wie ernst Ali diesen Ratschlag nahm und wie unglaublich er ihn umsetzte.

Muhammad Ali sollte die nächsten 27 Jahre im Ring verbringen, wobei er 108 Amateur Kämpfe und 61 Profi Kämpfe bestritt.

Bevor ich mich mit der näheren Auswertung der Persönlichkeit Alis befasse, wird im folgenden Abschnitt kurz die Karriere Muhammad Alis nachgezeichnet. Danach werde ich auf die Kontroversen eingehen, die Ali zu seiner Zeit umgaben. Als zentralen Punkt werde ich verstärkt auf die Quelle aus einem 1992 erschienenen Buch “Muhammad Ali: His Life and Times“ von Thomas Hauser eingehen und untersuchen, ob und in wie weit Ali von der politischen und kulturellen Situation in den späten 1960ern profitierte. Dazu werde ich die Bedingungen der afro – amerikanischen Bevölkerung und speziell der afro – amerikanischen Athleten beleuchten.

Cassius Clay, der schon als junger Boxer seiner Konkurrenz an Einstellung und Einsatz weit voraus war, gewann 1960 als 18 – Jähriger olympisches Gold in Rom. Schon zu frühen Zeiten fiel auf, dass Clay unheimlich gerne sein Selbstbewusstsein und seine Überlegenheit dem Gegner gegenüber zeigen wollte. Seine überheblichen Gestiken und seine rhetorischen Schlagsalven brachten ihm bald den Spitznamen “The Louisville Lip“, wobei er unter anderem frech und mutig vor vielen Kämpfen die Runde bekannt gab, in der er den Gegner k.o. schlagen würde. Diese Art von Selbstdarstellung brachte Clay viele Feinde, die seine Arroganz hassten, aber auch viele Bewunderer und Fans, die seine Leidenschaft und seinen Humor liebten.

Bis zu seinem Kampf gegen Sonny Liston um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht 1964 wurde Clay von einer Gruppe weißer Geschäftsleute betreut. Während der Vorbereitung auf den Kampf mit Liston lernte er den Sprecher der Gruppierung “Nation of Islam“ Malcolm X kennen und war so sehr von ihm und seiner Philosophie beeindruckt, dass er kurz nach seinem Sieg über Liston bekannt gab, ein Mitglied der “Nation of Islam“ geworden zu sein. Somit sorgte nicht nur der überraschende Sieg des Außenseiters Cassius Clay über Liston für Aufregung, sondern auch seine Bekanntgabe der Namensänderung zu Cassius X und dem damit verbundenen Übertritt zum Islam. Sein späterer Mentor Elijah Muhammad und dessen ältester Sohn Herbert Muhammad, der Alis Manager wurde, halfen ihm, seinen aus dem vorherigen Jahrhunderte stammenden weißen Sklavennamen hinter sich zu lassen und gaben ihm mit “Muhammad Ali“ einen neuen Namen.[2]

Viele Stimmen aus der amerikanischen Öffentlichkeit und Presse reagierten sofort extrem negativ auf die Konvertierung Alis zum Islam und kritisierten ihn noch schärfer, als er 1967 den Wehrdienst auf Grund seines Glaubens verweigerte. Grund für die Berufung des Weltmeisters war der eskalierende Krieg in Vietnam und die Regelung, bereits tiefer gestufte Zivilisten hoch zustufen und damit wehrpflichtig zu machen. Alis Entscheidung, für seine Überzeugung zu kämpfen, mit berühmt gewordenen Sätzen wie: “I ain´t got no quarrel with them Vietcong...“[3], führte dazu, dass ihm sein Weltmeisterschaftstitel aberkannt wurde, er seine Box Lizenz sowie seinen Pass verlor, sein Recht auf Boxkämpfe in aller Welt einbüßte und zu fünf Jahren Haft und einer Strafe von $ 10.000 verurteilt wurde.

Als jedoch 1970 die Stimmung in der Öffentlichkeit umschlug und der Vietnam Krieg plötzlich in starker Kritik stand, wurde das Urteil gegen Ali aufgehoben und nach 3 Jahren Abstinenz stieg er 1971 wieder in den Ring. Die drei Jahre lange Ringpause hatte Spuren bei Ali hinterlassen. In seinem ersten Weltmeisterschaftskampf nach der Pause gegen Joe Frazier 1971 sahen die Zuschauer einen kämpferischen Muhammad Ali, der jedoch unter anderem auf Grund seiner verloren gegangenen Fähigkeit des schnellen Tänzelns den Kampf verlor. Aber eine andere umso faszinierendere Eigenschaft, Alis unbedingter Siegeswille und großes Kämpferherz, half ihm den Rückkampf gegen Joe Frazier zu gewinnen. Diese außergewöhnliche Leidenschaft sollte ihm auch zu seinem größten Triumph im “Rumble in the Jungle“ 1974 gegen George Foreman verhelfen.

Wie schon gegen Liston 1964 als hoffnungsloser Außenseiter in den Kampf gegangen, hielt Ali den harten Schlägen von Foreman stand, bis er ihn in der achten Runde traf und auf die Bretter schickte. Damit war Ali erstmals seit ihm der Titel aberkannt wurde, wieder Weltmeister und sollte dies bis Februar 1978 bleiben. Die überraschende Niederlage in jenem Februar gegen Leon Spinks beendete Muhammad Alis lange Zeit als Champion und damit auch seine große und erfolgreiche Karriere.[4]

Ali ist in diesem Jahr 62 Jahre alt geworden und leidet schon seit einigen Jahren an den Folgen der Parkinson Krankheit.

Stereotypen, Images und Reformbewegungen

Wenn man die Persönlichkeit von Muhammad Ali erfassen will, muss man sich zwangsläufig mit zwei Elementen vertraut machen: Erstens ist es wichtig zu verstehen, dass bis zu dem Zeitpunkt, an dem Ali mit Profikämpfen begann, zwei vorherrschende Versionen eines schwarzen Sportlers im Bewusstsein der amerikanischen Öffentlichkeit verankert waren. Muhammad Ali revolutionierte diese Sichtweise und durchbrach alte Stereotypen und Vorurteile. Zweitens ist es von entscheidender Bedeutung, Ali in der jeweiligen kulturellen und politischen Situation der Zeit zu berücksichtigen, die eventuell maßgeblichen Einfluss auf das Image Alis und seine Aktivitäten hatte.

Seit dem Beginn des Profi Boxens waren schwarze Boxer Sklaven, die für ihre weißen Besitzer kämpften. Sie wurden wie “Eigentum“ behandelt, wie ein Pferd, das für seinen Besitzer ins Rennen ging, um für ihn die Prämie zu gewinnen. In der Box – Szene hatte der Sportler, speziell der schwarze Boxer, wenig Einflussmöglichkeiten weder auf seine Lebensweise noch seine Karriere. Von einem afro – amerikanischen Boxer wurde erwartet, dass er innerhalb des Rings alles versuchte, um den Gegner zu dominieren, aber sich außerhalb des Rings bestimmten weißen Normen unterordnete.

1908 wurde zum ersten Mal ein schwarzer Boxer Weltmeister im Schwergewicht: Jack Johnson. Während er von den schwarzen Gemeinden in ganz Amerika gefeiert wurde, entpuppte sich Johnson für die weiße Gesellschaft als der befürchtete Albtraum.

Denn er deklassierte nicht nur die weißen Boxer im Ring, sondern er hielt sich auch nicht an die Regeln außerhalb des Rings und sagte seine Meinung, befolgte keine Etikette und ließ sich vor allem durchaus öffentlich mit weißen Frauen sehen.[5]

[...]


[1] http://www.ali.com/article.cfm?id=26

[2] http://www.ali.com/article.cfm?id=26

[3] Ebd.

[4] Ebd.

[5] Marqusee, Mike: Sport and Stereotype: From role model to Muhammad Ali. In Race and Class, 1995 36 (4). S. 2/3.

Details

Seiten
14
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638590877
ISBN (Buch)
9783638753920
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v66512
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – John F. Kennedy Institut Berlin
Note
2,3
Schlagworte
Muhammad Prägung Zeit North American History Sports

Autor

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Titel: Muhammad Ali: Prägung seiner Zeit oder zeitprägend?