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Verspottung von Politikern in Athen - dargestellt am Beispiel des Strategen Kleon in Aristophanes' "Ritter"

Seminararbeit 2003 17 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Historischer Hintergrund
2.1. Die Gattung Alten Komödie
2.2. Peloponnesiche Krieg

3. Komödie des Aristophanes
3.1. Aristophanes
3.2. Ritter
3.2.1. Handlungsverlauf
3.2.2. Der Paphlagonier
3.2.3. Pylos
3.2.4. Bereicherung und Bestechlichkeit

4. Der Politiker Kleon

5. Funktion der Verspottung

6. Literaturverzeichnis

7. Bibliographie

1.Einleitung

„Die athenische Gesellschaft im Spiegel der Komödie“, so lautet der Titel des Proseminar, im Rahmen dessen diese Seminararbeit geschrieben wurde. Die elf erhaltenen Werke des athenischen Dichters Aristophanes, sind dabei die einzig erhaltenen Stücke aus der Epoche der Alten Komödie des 5. Jahrhunderts v. Chr. Sie geben Aufschluss über die Struktur und Besonderheit der athenischen Gesellschaft. Das wichtigste Merkmal dieser Gattung, die schonungslose Verspottung von allgemein bekannten Persönlichkeiten, macht die Alte Komödie zur Wiederspiegelung der politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Athen des 5. Jahrhunderts besonders geeignet.

Die Fragen nach dem Sinn und der Funktion des Personenspotts in der Alten Komödie sind zwar bereits seit jeher Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen, dennoch sind die Positionen in der Komödienforschung immer noch sehr kontrovers. Dabei führt die Vielzahl der unterschiedlichen Meinungen und Interpretationsmöglichkeiten der Aristophanischen Komödien letztendlich zu keiner einheitlichen Antwort. Die Fragen nach dem Aussagewert dieser Gattung über die athenische Gesellschaft und vor allem nach dem Wesen und der Funktion der persönlichen Verspottung von prominenten Athenern ist immer wieder Thema der altertümlichen Forschung.

Die zentrale Fragestellung der vorliegenden Untersuchung ist somit auch die Frage nach der Art und Weise der Verspottung von bestimmten Personen bei Aristophanes. Da nur eine eher übertriebene Darstellung von Persönlichkeiten den gewünschten Effekt der Belustigung bewirkt, stellt sich die Frage, inwieweit der komisch überzogene Charakter noch mit der realen Person übereinstimmt. Kann bei einer Nichtübereinstimmung denn überhaupt noch von einer persönlichen Kritik gesprochen werden?

Da der Rahmen einer Proseminararbeit sehr eng gesteckt ist, beschränkt sich die Untersuchung auf die Aristophanische Komödie Ritter. Dieses Stück zeichnet sich wie kein anderes dadurch aus, den persönlichen Spott als zentrales, handlungstragendes Thema in sich zu tragen. Als Zielscheibe des beißenden Spotts gilt in Ritter der allgemein bekannter athenischer Politiker Kleon. Durch die Auswertung der Sekundärliteratur und der Unterlegung der Veranschaulichung mit den jeweiligen Textpassagen aus dem Stück soll Aufschluss und möglicherweise neue Sichtweisen auf Aristophanes und seine Komödienfigur Kleon geben.

Um eine Vergleichsmöglichkeit zwischen Dichtung und Realität zu ermöglichen, wird nach der Darstellung des Kleon in Ritter auch die reale Person des athenischen Politikers und Demagogen vorgestellt. Der direkte Vergleich gibt Auskunft über den Aussagewert der Verspottung und möglicherweise das angestrebte Ziels des Dichters.

Doch zunächst geht es darum, die politisch-kulturellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen vorzustellen, innerhalb derer die Komödien des Aristophanes entstanden sind.

2. Historischer Hintergrund

Im folgenden Kapitel geht es darum, eine kurze Einführung in die Entstehungsgeschichte der Alten Komödie zu geben. Der Kontext, in dem eine Gattung sich entwickelt hat, erweist sich als hilfreich bei der Interpretation und der Suche nach der möglichen Funktion dieser Art von Meinungsäußerung.

Um die spitze Aristophanessche Kritik an seinen Zeitgenossen richtig verstehen und deuten zu können, bedarf es außerdem eines kurzen Vorstellens des gesellschaftlich-politischen Hintergrundes. Da Krieg und Frieden in den Komödien von Aristophanes oft thematisiert werden, wird auch ein kurzer Überblick über den Peloponnesischen Krieg gegeben.

2.1. Die Gattung Alten Komödie

Über die Entstehungsgeschichte der Gattung Alte Komödie gibt es keine einheitliche Meinung. Es gibt jedoch eine plausible Theorie, welche die Etymologie der attischen Komödie „ aus einer Verbindung der volkstümlichen dor. (dor.?) Posse mit dem vom Phallos geprägten komoi entstanden“[1] sieht.

Unter den komoi versteht man die seit dem frühen 7. Jahrhundert auf Vasen dargestellten Umzüge von Tänzern in Trikots und Tierkostümen, die mit Gesängen herum zogen und die Zuschauer mit Gesängen neckten. Diese Umzüge stehen in Verbindung mit den beiden Festen Dionysien und Lenäen, welche zur Ehren des Wein- und Fruchtbarkeitsgottes Dionysos gefeiert wurden. Zum festen Programm dieser Feierlichkeiten gehörten Wettkämpfe (Agon) sowohl sportlicher als auch kultureller Art. So wetteiferten neben den Tragödien- auch Komödiendichter wie Aristophanes im Agon der Dichter mit allen Mitteln der Komik um die Gunst der Zuschauer und somit um den Sieg.

Die Bühnenstücke wurden allein für solche Wettkämpfe geschrieben und wurden dem aktuellen politischen und gesellschaftlichen Geschehen in Athen angepasst. Nur in den seltensten Fällen wurden die Komödien ein weiteres Mal aufgeführt.

Die ausschließlich männlichen Komödiendarsteller trugen neben den Charaktermasken auch ein enganliegendes Trikot mit ausgestopften Bauch- und Hinterpartien und waren mit einem überdimensionalen ledernen Phallus geschmückt. Diese überaus markante Kostümierung passte gut zum allgemein derben Charakter der Alten Komödie, deren Späße viel mit Sex und Körperausscheidungen zu tun hatten und sich einer sehr unverblümten Sprache bedienten.

Weitere wichtige Merkmale der attischen Komödie sind zum einen die Thematisierung der zeitgenössischen politischen und gesellschaftlichen Entwicklung. Zum anderen zeichnet die schonungslose Kritik an prominenten Persönlichkeiten wie Politikern, Militärs usw.[2] die Besonderheit dieser Gattung aus.

2.2. Peloponnesiche Krieg

Die Komödien des Aristophanes setzen sich oft mit dem Krieg zwischen Athen und Sparta, und vor allem deren Folgen für die Athener auseinander.

Den politischen Hintergrund für seine Werke stellt der Peloponnesiche Krieg dar. Dieser Konflikt, der von 431 bis 404 v. Chr. andauerte, entstand infolge der von Athen offensiv betriebenen Außen- und Wirtschaftspolitik. Den Zusammenstößen der Athener mit dem Handelsrivalen Korinth führte zu Korinths Hilfegesuch bei Sparta. Die darauf folgende provokante Verhängung einer Handelssperre gegen Spartas Verbündeten Megara durch die Athener führte schließlich zum Krieg.

[...]


[1] Nesselrath 1999, 693.

[2] Nesselrath 1999, 692.

Details

Seiten
17
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638589123
ISBN (Buch)
9783656252948
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v66239
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Friedrich-Meinecke-Institut
Note
2,0
Schlagworte
Verspottung Politikern Athen Dargestellt Beispiel Strategen Kleon Ritter Aristophanes Gesellschaft Spiegel Komödie

Autor

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