Lade Inhalt...

Exegese von Genesis 1,1-2,4a

Hausarbeit 2005 24 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Schöpfung gestern und Welt heute?

2. Die Priesterschrift Gen 1,1–2,4a

3. Übersetzung Gen 1,1–2,4a

4. Historische Nachforschungen

5. Aufbau
5.1 Überschrift und Einleitung (Gen 1,1–1,2)
5.2 Erstes Schöpfungswerk: Das Licht (Gen 1,3–5)
5.3 Zweites Schöpfungswerk: Die Himmelsfeste (Gen 1,6–8)
5.4 Drittes Schöpfungswerk: Wasser und Land (Gen 1,9f.)
5.5 Viertes Schöpfungswerk: Die Vegetation (Gen 1,11–13)
5.6 Fünftes Schöpfungswerk: Die Gestirne (Gen 1, 14–19)
5.7 Sechstes Schöpfungswerk: Wasser und Flugtiere (Gen 1,20–23)
5.8 Siebentes Schöpfungswerk: Die Landtiere (Gen 1, 24 - 26)
5.9 Achtes Schöpfungswerk: Der Mensch (Gen 1,26–31)
5.10 Der siebente Tag: Die Ruhe Gottes und Schluss (Gen 2,1–4a)

6. Moderne wissenschaftliche Erkenntnisse und das Schöpfungsgeschehen Exegese von Genesis 1,1–2,4a

1. Schöpfung gestern und Welt heute?

Vom Schöpfungsbericht im Alten Testament hört man im christlich geprägten Deutschland, aber auch in Europa nur noch wenig. Einer altertümlichen, mythischen Schöpfungserzählung ist die scharfsinnige Naturwissenschaft heute weit voraus, so meint man jedenfalls. Genesis 1 und 2 verschwindet zunehmend aus der Katechese, Predigt und Theologie, weil solche Erzählungen einer aufgeklärten Gesellschaft nicht mehr zumutbar sind.[1]Gerade deshalb ist es zu überdenken, inwieweit die Wissenschaft tatsächliche Lösungen anbieten und das menschliche Grundbedürfnis von Sinn erfüllen kann. Die Theorien von Urknall, Raum– und Zeitkrümmung und Evolution scheinen dem Schöpfungsbericht in Genesis 1 zu widersprechen. Manche Theologen gehen sogar so weit und heben den Schöpfungsbericht ganz über die Wissenschaft hinaus, um damit den Glauben zu verteidigen: „Eine Operation, die den Glauben verteidigen will, indem sie sagt: Hinter dem, was dasteht und was wir nicht mehr verteidigen können, ist etwas Eigentlicheres – eine solche Operation gerät oft erst recht zur Anfechtung des Glaubens, weil die Frage nach der Ehrlichkeit seiner Ausleger sich erhebt, weil die Frage sich erhebt, ob da überhaupt irgendetwas Festes ist.“[2]In der Tat stellt sich dem Exegeten in Genesis 1 ein großes Problem. Scheinbar längst überholte Ansichten werden im Diskurs mit modernen, konkurrierenden Wissenschaftstheorien konfrontiert. Um nur ein mögliches Beispiel zu nennen: Die Präformationstheorie, die bis ins 19.Jahrhundert hinein vertreten wurde. „In dieser Theorie ging man davon aus, dass die Strukturen des vollendeten Organismus im Ei bzw. im Sperma schon vorlägen und in allen weiteren Entwicklungsphasen sich lediglich entfalten. Diese Art der Evolutions- bzw. Entfaltungstheorie, die keine Neuschöpfung nach dem Schöpfungsakt erforderte und sich daher mit der traditionell wörtlichen Auslegung des Schöpfungsberichts der Bibel am ehesten vereinbaren ließ , konkurrierte mit der so genannten epigenetischen Theorie, nach der die Hervorbringung komplexer Strukturen nicht von vornherein angelegt ist, sondern durch eine Art „creatio ex nihilo“ ermöglicht wird.“[3]Die Problematik ist ganz unzweifelhaft: Wissenschaft und Glaube sind Konkurrenten. Doch gerade hieraus ergibt sich die Möglichkeit, den Glauben und die Wissenschaft als solche zusammen zu führen. Dem Zitat von Johannes Paul II „Habt keine Angst“ könnte man hier eine Schlüsselfunktion einräumen. Das große Problem zwischen Glauben und Wissenschaft findet seine Sichtbarkeit im Schöpfungsbericht. Gerade hier prallen die Weltbilder aufeinander, gerade hier scheint sich der unüberwindbare Abgrund zu befinden. Eine sinnvolle Exegese kann nur eine gegenüber der Wissenschaft furchtlose aber nichtsdestotrotz klare und sachliche sein. In einem Konfliktbereich zwischen säkularem wissenschaftlichen Denken und dem Denken der christlichen Religiosität ist gerade eine klare und kompetente Exegese von immensem Wert. Dabei ist die wissenschaftliche Grundlage der Exegese unverzichtbar und durch eine gelungene Interpretation nicht zu ersetzen.

2. Die Priesterschrift Gen 1,1–2,4a

Im Alten Testament finden sich nur zwei größere Textzusammenhänge, die die Schöpfung theologisch beleuchten: Gen 1,1–2,4a und Gen 2,4b–2,25. Beide sind in Sprache und ihren geistigen Vorstellungen völlig verschieden und werden auch unterschiedlichen Verfassern zugeordnet. Gen 1,1–2,4a gehört, wie oben bereits angemerkt, zur Priesterschrift, während der kanonisch nachgeordnete Text, Gen 2,4b–25, dem Jahwisten zugerechnet wird. Gen 2,4b–25 stellt den weit älteren Text dar. Gerhard von Rad lässt jedoch daran zweifeln, dass der Jahwist tatsächlich die ältere kosmologische Denkform enthält, da die Priesterschrift ein klar und deutlich beschreibender Text ist, während die Jahwistische Schöpfungserzählung durch Bilder besticht[4]. Damit steht der Exeget immerhin vor dem Problem des Unterscheidens zwischen nahezu wissenschaftlicher Beschreibung der Schöpfung in Gen 1,1–2,4a und dem bildhaften, freien, ja nahezu gleichnishaften Schöpfungsbericht in Gen 2,4b–25. Dies regt dazu an, beide Schöpfungsberichte gleichzeitig auszulegen und deren inneren Zusammenhang zu finden. Fast möchte man sagen, nur den 1. Schöpfungsbericht auszulegen, hieße „auf einem Bein zu stehen“. Doch allein der priesterschriftlichen Ausführung der Schöpfung gerecht zu werden, ist ein Unterfangen, das in der Kürze dieser Arbeit fast zu scheitern droht. Dennoch soll hier zumindest ein grober Überblick über die zentralen Gegenstände des priesterschriftlichen Schöpfungsberichts gegeben werden.

Nach der Vierquellentheorie von W. H. Schmidt lässt sich der zu untersuchende Text, Gen 1, der Priesterschrift zuordnen. Die Priesterschrift ist zeitlich um 550 v. Chr. einzuordnen und wurde im Exil verfasst. Ergänzungen wurden später in nachexilischer Zeit hinzugefügt. Es ist davon auszugehen, dass die Priesterschrift das Werk einer Schule bzw. das Werk eines priesterlichen Kreises mit gleichen Denkweisen darstellt.[5]Nach K. Ellinger gehört Gen 1 zum Beginn der Priesterlichen Grundschrift (Pg[6]), wird also den späteren Ergänzungen (Ps) nicht zugeordnet. Auch ein Laie könnte P von den anderen 3 Quellen, dem Jahwisten, dem Eloisten und dem (Ur)–deuteronomium, unterscheiden. Die Priesterschrift ist gekennzeichnet von Formeln, Wiederholungen und stereotypen Formulierungen.[7]Dies ist besonders am Schöpfungsbericht Gen 1,1–2,4 zu sehen. Hier werden keine Szenen aufgebaut und keine bildhafte Beschreibung schmückt den Text aus. Gen 1 ist ein sachlicher Text, wie auch die Texte in der gesamten Priesterschrift. Gerhard von Rad geht sogar soweit und betont: „Bei der Priesterschrift fehlt dieser lebendige Deutungswille ganz. Mit der Sammlung, Sichtung und theologischen Einordnung der Materialien, war ihre Aufgabe im Wesentlichen erfüllt.“[8]Wie sehr P an formelhaften Ausdrücken orientiert ist, wird noch gezeigt werden. Die folgende Übersetzung von Gen 1 soll vorerst die Klarheit und Sachlichkeit deutlich vor Augen führen, mit der P arbeitet.

3. Übersetzung Gen 1,1–2,4a

Der Text in Übersetzung nach Claus Westermann[9]:

1Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde.

2Die Erde war noch öde Wüste, und Finsternis lag auf der Urtiefe,

und Gottes Sturm bewegte sich über der Wasseroberfläche.

3Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.

4Und Gott sah, daß das Licht gut war.

Und Gott schied das Licht von der Finsternis.

5Und Gott nannte das Licht Tag, die Finsternis aber nannte er Nacht.

Und es ward Abend, und es war Morgen, ein Tag.

6Und Gott sprach: Es entstehe eine Feste inmitten der Wasser,

dass sie eine Scheidung bilde zwischen Wasser und Wasser. ‚Und es geschah so.’

7Und Gott machte die Feste und schuf eine Scheide

zwischen den Wassern oberhalb der Feste und den Wassern unterhalb der Feste.

8Und Gott nannte die Feste Himmel.

Und es ward Abend, und es ward Morgen, ein zweiter Tag.

9Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unterhalb des Himmels

an einen Ort, daß das Trockene sichtbar werde. Und es geschah so.

10Und Gott nannte das Trockene Erde,

die Ansammlung des Wassers aber nannte er Meer.

Und Gott sah, dass es gut war.

11Und Gott sprach: Die Erde lasse junges Grün sprossen:

Pflanzen, die Samen hervorbringen,

,und´ Fruchtbäume, die Früchte bringen nach ihrer Art auf Erden,

(Früchte,) in denen ihr Samen ist. Und es geschah so.

12Und die Erde ließ frisches Grün sprossen:

samentragende Pflanzen nach ihrer Art,

und Bäume, die Früchte bringen, in denen ihr Samen ist, nach ihrer Art.

Und Gott sah, daß es gut war.

13Und es ward Abend, und es ward Morgen, ein dritter Tag.

14Und Gott sprach: Es sollen Lichter entstehen an der Feste des Himmels,

zu scheiden zwischen dem Tag und der Nacht;

dabei sollen sie als Zeichen dienen, Zeiten, Tage und Jahre zu bestimmen.

15Und sollen als Leuchten an der Feste des Himmels dienen,

daß es hell sei auf der Erde. Und es geschah so.

16Und Gott macht die beiden großen Leuchten:

die größere Leuchte zum Beherrschen des Tages

und die kleinere Leuchte zum Beherrschen der Nacht, dazu die Sterne.

17Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, über die Erde zu leuchten,

18über den Tag und die Nacht zu herrschen

und zwischen Licht und Finsternis zu scheiden. Und Gott sah, daß es gut war.

19Und es ward Abend, und es ward Morgen, ein vierter Tag.

20Und Gott sprach: Die Gewässer sollen wimmeln von lebenden Wesen,

und Vögel sollen flattern über die Erde an der Feste des Himmels.

21Und Gott schuf die großen Seeungeheuer

und alle lebenden, sich regenden Wesen, die im Wasser wimmeln nach ihrer Art,

und alle geflügelten Vögel nach ihrer Art.

Und Gott sah, daß es gut war.

22Und Gott segnete sie, indem er sprach:

Seid fruchtbar und mehrt euch und erfüllt das Wasser im Meer,

und die Vögel sollen sich mehren auf Erden.

23Und es ward Abend, und es ward Morgen, ein fünfter Tag.

24Dann sprach Gott: Das Land bringe alle Arten von lebendigen Wesen hervor,

von Vieh, von Kriechtieren und von Tieren des Feldes. So geschah es.[10]

25Und Gott machte die wilden Tiere nach ihrer Art

und das Vieh nach seiner Art

und alle Tiere, die auf dem Boden kriechen, nach ihrer Art.

Und Gott sah, daß es gut war.

26Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen

nach unserem Bilde, uns ähnlich!

Sie sollen herrschen über die Fische im Meer

Und über die Vögel am Himmel

Und über das Vieh und über alle ‚wilden Tiere´

Und über alles Gewürm, das auf der Erde sich regt.

27Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde,

nach dem Bilde Gottes schuf er ihn, als Mann und Frau schuf er sie.

28Und Gott segnete sie, ‚indem er sprach’:

Seid fruchtbar und mehrt euch und erfüllt die Erde und macht sie euch untertan!

Herrschet über die Fische im Meer und die Vögel am Himmel

Und über alles Lebendige, dass sich auf Erden regt!

29Und Gott sprach: Hiermit übergebe ich euch

alle samentragenden Pflanzen auf der ganzen Fläche der Erde

und alle Bäume, an denen Samentragende Baumfrüchte sind,

sie sollen euch zur Nahrung dienen.

30Dagegen allen Tieren der Erde und allen Vögeln des Himmels

und allen Kriechtieren auf der Erde, (allem) was Lebensatem in sich hat,

(gebe ich) alles Gras und Kraut zur Nahrung. Und es geschah so.

31Und Gott sah alles, was er gemacht hatte, und es war sehr gut.

Und es ward Abend, und es ward Morgen, der sechste Tag.

2 1 So wurden der Himmel und die Erde mit ihrem ganzen Heer vollendet.

2Und am siebten Tag vollendete Gott sein Werk, das er gemacht hatte.

Und am siebten Tag ruhte er von all seinem Werk, das er gemacht hatte.

3Und Gott segnete den siebten Tag, und er heiligte ihn;

denn an ihm ruhte er von all seinem Werk, das Gott wirkend geschaffen hatte.

4Dies ist die Entstehung des Himmels und der Erde,

als sie geschaffen wurden.

4. Historische Nachforschungen

Wer diesen Text eingehend gelesen hat, wird sofort von der Sachlichkeit überwältigt sein, die dieser Text ausstrahlt. Es ist also kaum verwunderlich, dass es auch heute noch einen ständigen Diskurs zwischen Glaube und Wissenschaft gibt, dessen Gegenstand das priesterliche Schöpfungswerk ist. Ein Beispiel findet sich insbesondere in der amerikanischen Kultur und bei christlichen Fundamentalisten: Die so genannten Kreationisten gewinnen Anhänger und vertreten eine Haltung, die das Schöpfungsgeschehen wörtlich versteht[11]. Zur Klärung dieser Verhältnisse, aber auch zur Klärung vieler anderer Ansichten, die zu Missverständnissen führen, hat es eine herausragende Bedeutung, das Thema des Schöpfungsglaubens historisch – kritisch zu beleuchten. Gerhard von Rad weist ausdrücklich darauf hin: „Wer 1.Mos. 1 auslegt, muß sich über eines im Klaren sein: Dieses Kapitel ist Priesterlehre, ja es enthält die Essenz priesterlichen Wissens in konzentriertester Form […]. Größer jedenfalls scheint uns die Gefahr, daß der Ausleger hinter dem konzentrierten Lehrgehalt zurückbleibt. “[12]Diese Aussage von Rads darf man keinesfalls missverstehen. G. von Rad weist darauf hin, dass sich in Gen 1 nicht nur geballtes theologisches Wissen, sondern auch wissenschaftliche Erkenntnis verbirgt[13]. Eine einseitige Sichtweise, die sich auf den Wortlaut beschränkt, ist daher schlichtweg falsch. Aber auch der umgekehrte Schluss, jegliche wissenschaftliche Aussagekraft zu leugnen, erscheint so, als würde man Gen 1 nur einen Teil seiner Aussagekraft zugestehen. Um dem priesterlichen Wissen auf die Spur zu kommen, hilft ein Überblick über die Tradition der Schöpfungsmythen.

Mit unseren Augen in eine Zeit geblickt, die etwa 2550 Jahre in die Vergangenheit zurückreicht, sollte uns sogleich sichtbar werden, dass alleine die Art zu Denken, wie auch die Art zu schreiben und Texte zu lesen, uns wahrscheinlich für immer verschlossen bleiben wird. Schon Rückblicke in die jüngste Vergangenheit beweisen uns sehr schnell, wie sich das menschliche Denken und damit die Literatur verändern.

Vor diesem Problem stehen wir auch in unseren wissenschaftlichen Nachforschungen, wenn wir die priesterliche Schöpfungserzählung lesen. Im alten Orient war die Vorstellung üblich, dass im Urzustand die Erde ganz mit Wasser bedeckt war. Die Schöpfungsmythen der Sumerer, Babylonier und Ägypter ähneln sich. In den griechischen Mythen taucht Okeanos als der „Erzeuger der Götter“ auf.[14]Ein ebenfalls weit verbreiteter Mythos, den wir auch in Gen 1 finden, ist der Trennungsmythos[15]. Auch Bilder von der Finsternis und dem Wind tauchen immer wieder in anderen Schöpfungsmythen auf. Der Schöpfungsbericht steht also in dieser lang vergangenen Welt nicht alleine. Neben den Schöpfungsberichten sind viele Texte in weisheitlicher Tradition, nicht nur im Alten Testament selbst, sondern auch in fremden Religionen, zu finden, die Parallelen zu Gen 1 beinhalten. Vor allem die ägyptischen Hymnen und das „babylonische Lehrgedicht“ weisen in unregelmäßiger Reihenfolge auf eine Schöpfung von Baum, Fruchtbaum, Kraut, Tiere, und Menschen, hin.[16]„Zweifellos bestehen zwischen den Aufzählungen der Schöpfungswerke im Hymnus und den Reihenbildungen der weisheitlichen Listenwissenschaft gewisse Gemeinsamkeiten, die kaum zufällig sind. Ja, die Ähnlichkeiten gehen so weit, daß mit einer Verwandtschaft zu rechnen ist.“[17]Auch Claus Westermann, der in seinem Biblischen Kommentar Gen 1–11 behandelt, sieht Gen 1, und die folgenden 10 Kapitel in Genesis, tief eingebunden in den gesamten Pentateuch[18]. Über die Parallelen von Gen 1 ist hier folgendes zu finden: „Es ist nicht zufällig, sondern im Gegenstand dieses Teiles der Bibel begründet, dass es für Gen 1–11 so viele religionsgeschichtliche Parallelen, mehr oder weniger ähnliche Darstellungen der Schöpfung und der Sintflut, aber auch anderer Geschehnisse gibt. Es ist der Teil der Bibel, der am tiefsten in die Geschichte der Religionen hineinragt. Denn alle Religionen der Menschheit haben es auf irgendeine Weise und in irgendeinem Sinn mit dem Urgeschehen zu tun, von dem auch Gen 1–11 handelt.“[19]Westermann hebt hier also eine beeindruckende Tatsache hervor, die beim alleinigen Lesen von Gen 1 gar nicht zum Vorschein kommt. Es sind nicht nur die Juden bzw. die phönizisch – kanaanäische Kultur, die Urgeschichten vorzuweisen haben. Alle Religionenhaben in bestimmter Weise mit dem Urgeschehen zu tun und finden ihre Parallelen im Schöpfungsbericht. Diese historische Erkenntnis stellt den Schöpfungsbericht in ein anderes Licht. Hier zeigt sich nicht nur die Frage aller Menschen nach dem „woher“, sondern hier scheintdas Wissenvon P auch in beeindruckender Weise Textgestalt angenommen zu haben.

[...]


[1]Vgl. Ratzinger, Joseph Cardinal: Im Anfang schuf Gott. Vier Münchener Fastenpredigten über Schöpfung und Fall, in: Konsequenzen des Schöpfungsglaubens. Johannes Verlag Einsiedeln, Freiburg i. Brsg., 1996, S.9.

[2]Ratzinger, Joseph Cardinal: Im Anfang schuf Gott, S.19.

[3]Mainzer, Klaus: Zeit. Von der Urzeit zur Computerzeit, C.H. Beck, München, 52005, S.89.

[4]Vgl. von Rad, Gerhard: Die Theologie der geschichtlichen Überlieferungen Israels, in: Theologie des Alten Testaments, Bd. 1. Chr. Kaiser Verlag München, 51966, S.154.

[5]Vgl. Preissinger, Carmen: Referat: Das Vierquellen – Modell der „neueren Urkundenhypothese“ und deren derzeitige Infragestellung, in: Seminar „Methoden der Bibelauslegung“, WS 2004/2005, Universität Augsburg, Dozent: Dr. Martin Mark.

und

Höck, Cornelia: Die Priesterschrift, in: Seminar „Methoden der Bibelauslegung“, WS 2004/2005, Universität Augsburg, Dozent: Dr. Martin Mark.

[6]In meinen Ausführungen bezeichne ich Pg immer mit P.

[7]Vgl. Zenger, Erich u. a.: Einleitung in das Alte Testament, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 42001, S.142f.

[8]Vgl. von Rad, Gerhard: Die Theologie der geschichtlichen Überlieferungen Israels, S.245.

[9]Vgl. Westermann, Claus (Hg.): Genesis. 1. Tlb. Genesis 1–11. Neukirchen – Vluyn,1974, ( BK I/1), S.107/108.

[10]Die Bibel: Altes und Neues Testament. Einheitsübersetzung / Hg. i. A. d. Bischöfe Deutschlands…Für die Psalmen und das Neue Testament auch I. A. des Rates der Ev. Kirche in Deutschland und des Ev. Bibelwerkes in der Bundesrepublik Deutschland. Stuttgart, 1980, Gen 1,24.

[11]Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Kreationismus, Stand: 8.Mai 2005, 9:15 Uhr.

[12]von Rad, Gerhard: Das erste Buch Mose. Genesis, in: Das Alte Testament Deutsch, Teilband 2/4, Hg. Neues Göttinger Bibelwerk, V&R Göttingen, 81967, S.36.

[13]von Rad, Gerhard: Das erste Buch Mose. Genesis, S.36.

[14]Schmidt, Werner H.: Die Schöpfungsgeschichte der Priesterschrift. Zur Überlieferungsgeschichte von Genesis 1,1–2,4a und 2,4b–3,24, in: Ferdinand Hahn u. a. (Hg.): Wissenschaftliche Monographien zum Alten und Neuen Testament. Bd. 17, Neukirchener Verlag, Neukirchen – Vluyn, 31973, S.29.

[15]Vgl. Gen 1,4b und Gen 1,6f., i.w.S. Gen 1,9.

[16]Schmidt, Werner H.: Die Schöpfungsgeschichte der Priesterschrift, S.36f.

[17]ebda.,S.38.

[18]Westermann, Claus (Hg.): Genesis. 1. Tlb. Genesis 1–11. Neukirchen – Vluyn,1974, ( BK I/1), S.2.

[19]Westermann, Claus (Hg.): Genesis. 1, S.5.

Details

Seiten
24
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638584135
ISBN (Buch)
9783638671132
Dateigröße
657 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v66088
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,0
Schlagworte
Exegese Genesis Seminar Methoden Bibelexegese

Autor

Zurück

Titel: Exegese von Genesis 1,1-2,4a