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Die Geschichte der Zapatistischen Bewegung

Hausarbeit 2006 23 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Mittel- und Südamerika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Der Ursprung des Konfliks in der Geschichte Mexikos
2.1 Die Mexikanische Revolution
2.2 Die Partei der institutionalisierten Revolution (PRI)
2.3 Die „Patei der Nationalen Aktion“ und die jüngere Vergangenheit Mexikos

3 Der Aufstand in Chiapas
3.1 Die Ursachen des Aufstandes in Chiapas
3.1.1 Die Landfrage und ihre Endwicklung
3.1.2 Die Wirtschaft in Mexiko und in Chiapas
3.1.3 Politische Marginalisierung, Armut und die Verletzung der Menschenrechte
3.2 Ursprung, Frühgeschichte und Struktur der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung (EZLN)
3.2.1 Revolutionäre Strömungen
3.2.2 Die Frühgeschichte der EZLN
3.2.3 Die Struktur der EZLN
3.3 Der 1. Januar 1994
3.4 Von Friedensverhandlungen zum politischen Kampf
3.5 Das Abkommen von San Andres
3.6 Die aktuelle Entwicklung

4 Fazit

Die Geschichte der Zapatistischen Bewegung

1 Einführung

Als Guerilleros der „Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung“ (EZLN) am 1. Januar 1994 San Cristobal de las Casas und drei weitere Bezirksstädte im chiapanekischen Hochland besetzten, zerplatzte der Traum eines Teils der Mexikaner. An diesem Tag sollte Mexiko mit dem Beitritt zum Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (NAFTA) die Schwelle zur ersten Welt überschreiten. Doch an diesem Neujahrsmorgen richtete sich der Blick der Weltöffentlichkeit auf einen unterentwickelten Bundesstaat im Süden des Landes, wo rund 3000 zum großen Teil indigene Einwohner gegen den Staat rebellierten. Sie vernichteten die Archive der Grundbuchämter und vertrieben mit der Forderung „Land für Freiheit“ Großgrundbesitzer von ihren Ländereien.

„Wir sind ein Produkt aus 500 Jahren Kampf“, heißt es in der ersten Erklärung aus dem Lakandonischen Urwald. Tatsächlich nahm die Geschichte der EZLN ihren Anfang 1983. Gegründet als klassisch marxistisch und maoistische Rebellenorganisation, veränderte sie sich in den ersten zehn Jahren ihres Bestehens zu einer Guerilla neuen Typs.

Ein weiteres Jahrzehnt später ist ihr „subcomandante“ Marcos Coverboy eines mexikanischen Gesellschaftsmagazins und die EZLN trifft sich mit dem italienischen Fußballclub Inter Mailand zum fußballerischen Kräftemessen. Welchen Wandel hat die EZLN in den Jahren ihres Bestehens vollzogen, welchen Wandel Mexiko? Und was sind die Gründe für die Anziehungskraft, die diese Organisation auf linke Gruppen und Globalisierungsgegner ausübt?

2 Der Ursprung des Konflikts in der Geschichte Mexikos

Als die Partei der institutionellen Revolution (PRI) 2000 nach 71 Jahren abgewählt wurde, zeitigte ein langwieriger, demokratischer Öffnungsprozess augenscheinlich Wirkung. In diese Periode der Öffnung, die sich über Jahrzehnte anbahnte, fiel die Gründung der EZLN. Die Geschichte Mexikos gilt es darum kurz zu umreißen. Sie dient gleichsam als Rahmen, in dem sich die Geschichte der EZLN, ihrer Vorbilder und ihrer Ursachen bewegt.

2.1 Die Mexikanische Revolution

Die Herrschaftszeit des diktatorischen Präsidenten Porfirio Diaz, bekannt als Porfiriat, war gekennzeichnet durch Härte gegen die indigene Bevölkerung, gestützt durch die Latifundienbesitzer. In dieser Zeit lag ganz Mexiko politisch und ökonomisch in den Händen von etwa vier Prozent der Gesamtbevölkerung. Ein rascher wirtschaftlicher aber auch gesellschaftlicher Wandel im Norden stand einer zunehmenden Versteinerung der oligarchischen Strukturen im Süden gegenüber. Als Diaz 1910 seine dreißigjährige Amtszeit erneut verlängern wollte, kam es unter Führung von Francisco Ignacio Madero, dem Bauernführer Zapata und Francisco Villa zum Bürgerkrieg. Bis 1917 fielen dem Bürgerkrieg ein Siebtel der mexikanischen Gesamtbevölkerung zum Opfer.[1] Den Aufständischen gelang es, Diaz zu stürzen. Nach einer Reihe von politischen Morden und Putschen, die deutlich machten, dass die verschiedenen Revolutionsziele der Revolutionäre nur schlecht zu vereinbaren waren, wurde die Revolution schließlich von national und liberal beeinflussten Gruppen beendet.

Die mexikanische Revolution wurde von verschiedenen politischen Interessen und Strömungen getragen. Im breiten Spektrum der politischen Ideen nehmen zwei Ideengeber für unser Thema eine besondere Rolle ein.

Ricardo Flores Magon, Namensgeber der anarchistischen Magonistas, war Begründer einer sozialrevolutionären Bewegung von Landarbeitern, die große Landgebiete enteigneten, um sie nach indianischem Vorbild gemeinschaftlich zu bearbeiten. Dieser indigene Kollektivismus und libertäre Sozialismus spielt auch später in der EZLN eine wichtige Rolle. Unter anderem entleihen die modernen Zapatisten der magonistischen Bewegung die Parole Tierra y Libertat (Land und Freiheit).[2]

Emiliano Zapata schließlich dient der EZLN als Namensgeber. Er schloss sich 1910 der Revolution unter der Führung Maderos an und führte ab 1911 die revolutionäre Bewegung im Süden des Landes. Seine Armee rekrutierte sich zum großen Teil aus Indios und besitzlosen Landarbeitern. Im bergigen Bundesstaat Morelos gelang es der im Verhältnis zu den Bundestruppen zahlenmäßig und waffentechnisch hoffnungslos Unterlegenen Rebellengruppe um Zapata, einige Erfolge zu erringen. Er genoss in der Bevölkerung eine große Beliebtheit, was den Guerillakampf gegen die Bundestruppen maßgeblich erleichterte. Noch im selben Jahr gelang es ihm mit Cuernavaca die Hauptstadt des Bundesstaates Morelos zu besetzen. Seine Forderungen nach „Land und Freiheit“ wurden jedoch von keinem Präsidenten der Revolutionszeit zu seiner Zufriedenheit umgesetzt. 1919 schließlich wurde er in einen Hinterhalt gelockt und erschossen.[3]

Die mexikanische Revolution zwischen 1910 und 1920, ausgelöst durch den Unmut gegen die Politik des Diktators Porfirio Diaz, initiierte zwar ein neues politisches System, doch keine pluralistische Demokratie.

Die Verfassung von 1917 zeigte sich in der Kontinuität des vorrevolutionären, autoritären Regimes. So waren die Regierungschefs gegenüber dem Parlament weiterhin dominant und auch der Kontrolle der Wahlen kam nur eine geringe Bedeutung zu. Der Staat war weiterhin zentralistisch ausgerichtet, so dass den Bundesstaaten wenige wirkliche Befugnisse zukamen.

Neu war dagegen eine zunehmende Institutionalisierung des autoritären Systems. Stützte sich die Staatsmacht unter Diaz noch vornehmlich auf die Armee, nahmen von da an regierungsgelenkte Massenorganisationen und ein hohes Maß an Verflechtungen zwischen Staat und Regierungspartei diese stützende Funktion ein.[4] Das in die mexikanischen Bundesverfassung aufgenommene Verbot der Wiederwahl des Präsidenten war eine wichtige Neuerung der neuen Bundesverfassung, stellte sie doch bis dahin die Basis für Diktaturen da.

2.2 Die Partei der institutionalisierten Revolution (PRI)

Die fragile, revolutionäre Situation wurde noch bis Ende der 20er Jahre durch die unterschiedlichen lokalen Führer, der so genannten „Caudillos“ befeuert. Verschiedene Putschversuche gipfelten schließlich in der Ermordung des Präsidenten Alvaro Obregon. Sein Nachfolger Plutarco Elias Calles nahm diese zum Anlass, in der politischen Landschaft Mexikos aufzuräumen. Die von ihm gegründete „Nationale Revolutionspartei“ (PNR) war als eine Art Dachverband verschiedener lokaler Gruppierungen und Vereinigungen konzipiert, der von Bauern- und Arbeiterorganisationen bis hin zu gemäßigten Großgrundbesitzern einem breitem Spektrum der mexikanischen Lebenswelten Heimstadt bieten wollte.

Ihren nachhaltigen Erfolg verdankte die Partei, die sich ab 1946 „Partei der institutionalisierten Revolution“ (PRI) nennt, verschiedenen Faktoren.

Oppositionelle und regimekritische Kreise gelang es durch Politik nach dem Prinzip der „Kooptation“ einzubinden. Da nicht nur für den Präsidenten, sondern auch für andere wichtige, politische Ämter galt, dass eine Wiederwahl nicht möglich war, wurden in jeder Legislaturperiode Ämter frei, mit denen die nächste Generation Parteigänger versorgt werden konnten.[5]

Es gelang zeitweise, bis zu 20 Prozent der mexikanischen Bevölkerung in Parteiorganisationen der PRI zu organisieren. Diese breite Einbindung der Bevölkerung in drei großen Sektoren und die Durchdringung durch Bildungseinrichtungen, Frauen- und Jugendorganisationen trug dazu bei, dass die PRI bis 2000 71 Jahre regierte und bis 1997 nie weniger als die absolute Mehrheit der Sitze in der Abgeordnetenkammer errang.

Die PRI hatte es geschafft, nach den unruhigen Revolutionszeiten weitgehende Stabilität zu gewährleisten. Auseinandersetzungen wurden in die Organisation verlagert. So wird gerade im Hinblick auf andere Lateinamerikanische Staaten oftmals vom „milagro mexicano“, dem mexikanischen Wunder gesprochen, wenn von der Zeit zwischen 1940 und 1970 die Rede ist.

[...]


[1] Vgl.: Schweigler, Gebhard: Nordamerika im Umbruch, Ebenhausen, 1999, S. 17-25.

[2] http://espora.org/biblioweb/magonismoindigena.html

[3] Vgl. Kampkötter Markus: Emiliano Zapata. Vom Bauernführer zur Legende, Münster 1996, S.20f.

[4] Vgl.: Tobler, Hans Werner: Die Mexikanische Revolution, Gesellschaftlicher Wandel und politischer Umbruch, 1876 – 1940, Frankfurt, 1984, S.445.

[5] Vgl.: Zimmermann, Dennis: Politischer Wandel in Mexiko – Vom Einparteiensystem zum Mehrparteiensystem, Oldenburg, 2004, S. 8.

Details

Seiten
23
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638583923
ISBN (Buch)
9783638685108
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v66008
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,4
Schlagworte
Geschichte Zapatistischen Bewegung

Autor

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