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Die Bedeutung von Tradition und Kommerzialisierung am Beispiel der Cologne Centurions und RheinEnergie Köln

Magisterarbeit 2006 131 Seiten

Sport - Sportökonomie, Sportmanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Aufbau der Arbeit

2. Großstadt Köln, Sportstadt Köln
2.1 Tradition verpflichtet: Der 1. FC Köln
2.2 Wettbewerb und Zuschauernachfrage im professionellen Teamsport

3. Die Geschichte des American Football
3.1 Die National Football League
3.2 Die World League of American Football
3.3 Die NFL Europe (NFLE)
3.3.1 Organisation und Struktur der NFLE
3.3.2 Team-Management in der NFLE
3.3.3 Talentförderung und Entwicklungshilfe der NFLE

4. Die Entwicklung von American Football in Deutschland
4.1 Die German Football League
4.2 Kooperationen zwischen der NFL und dem AFVD
4.3 Amateur-Football in Köln

5. Die Cologne Centurions
5.1 Identifikation mit den Centurions
5.2 Marketing und Öffentlichkeitsarbeit der Centurions
5.3 Zuschauerzahlen der Centurions
5.4 Sponsoring bei den Centurions
5.5 Alles nur Show? NFLE-Spiele als Event
5.6 Gameday der Centurions: Die “Power Party”
5.7 Ausblick: Die Zukunft der Centurions

6. Die Entwicklung des Basketballs
6.1 Die ersten Profiteams
6.2 Aufstieg zum Massenphänomen
6.3 Basketball international
6.4 Basketball wird olympisch

7. Die Ursprünge des Basketballs in Deutschland
7.1 Basketball nach Kriegsende
7.2 Der Deutsche Basketball Bund
7.3 Die Basketball-Bundesliga (BBL)
7.4 Das Lizensierungsverfahren der BBL

8. Basketball in Köln
8.1 Vom ASV Köln zum BSC Saturn
8.2 Die Erfolgsjahre
8.3 Das Ende der Saturn-Ära

9. Die Vorläufer von RheinEnergie Köln
9.1 Die Lizenzübernahme: Der Weg von RheinEnergy in die BBL
9.2 Köln zurück in der Erstklassigkeit
9.3 Von RheinEnergy Cologne zu RheinEnergie Köln
9.4 Nur ein Retortenklub? – Das Negativ-Image von RheinEnergie Köln
9.5 Kölnarena vs. Energy Dome
9.6 Zuschauerzahlen von RheinEnergie Köln
9.7 Der Hauptsponsor
9.8 Sponsoring bei RheinEnergie Köln
9.9 Kernziele
9.9.1 Das Nachwuchskonzept
9.9.2 Soziales Engagement
9.10 Sportliche Bilanz
9.11 Ausblick: Die Zukunft von RheinEnergie Köln

10. Exkurs
10.1 Der Weg in die Metropolen
10.2 Expansion von US-Ligen – Gibt es bald eine NBA Europe?

11. Zusammenfassung

12. Literaturverzeichnis

13. Abkürzungsverzeichnis

14. Interviews

1. Einleitung

Vier Profiteams streiten sich in der rheinischen Metropole Köln um die Gunst der Zuschauer, um Sponsoren und um positive Berichterstattung in den Medien: Der 1. FC Köln (Fußball), die Kölner Haie (Eishockey), RheinEnergie Köln (Basketball) und die Cologne Centurions (American Football). Zählt man auch noch den VfL Gummersbach hinzu, der einen großen Teil seiner Heimspiele in Köln austrägt, sind es sogar fünf Erstligisten in den Top-Sportarten – so viele wie in keiner anderen Stadt Deutschlands. Köln ist also nicht nur eine Karnevalshochburg, der Sport steht dort ebenso das ganze Jahr über im Mittelpunkt. Und auch die lokalen Medien freuen sich über ihre Teams, so schreibt die Köln-Ausgabe der BILD-Zeitung im. März 2006 über das einheimische Publikum: „Zuschauerrekorde in allen Sportarten. Das gibt es nur im Rheinland!“[1]

Doch die Verhältnisse, unter denen die Spitzenklubs agieren, könnten unterschiedlicher nicht sein. Während der 1. FC trotz regelmäßiger sportlicher Krisen immer mehr Menschen anzieht und vom weiter anhaltenden Fußball-Boom profitiert, haben sich die Haie als achtfacher Deutscher Meister längst an der Spitze der Eishockey-Liga etabliert und in die Herzen der Kölner Einwohner gespielt. Dagegen müssen die Centurions und RheinEnergie nicht nur um die Aufmerksamkeit der rheinischen Bevölkerung kämpfen, sondern auch um die Akzeptanz ihrer Sportarten, die aufgrund ihrer amerikanischen Wurzeln und der mangelnden TV-Präsenz in Deutschland noch nicht den Durchbruch geschafft haben. Hinzu kommt, dass beide Teams erst vor wenigen Jahren als „Retortenklubs“ aus dem Boden gestampft wurden und somit über wenig bis gar keine Tradition verfügen. Inwieweit diese Klassifizierung zutrifft, werde ich im Verlauf dieser Arbeit überprüfen.

Während die NFL Europe die Centurions in der Saison 2004 als komplett neue Franchise erstmals ins Rennen geschickt hat, ist RheinEnergie das Paradebeispiel, wie die Basketball-Bundesliga versucht, immer mehr in die großen Metropolen zu expandieren. Damit die Kölner Basketballer ihre Heimspiele mittelfristig in der modernen Multifunktionshalle Kölnarena (18.500 Plätze) austragen können und somit Basketball auch national mehr in den Focus der Öffentlichkeit gelangen soll, wurde ihnen zur Saison 2001/02 eine so genannte Wildcard ausgestellt, die sie berechtigt, auch ohne sportliche Qualifikation am Ligabetrieb der BBL teilnehmen zu können. Ob diese Strategie aufgegangen ist, soll in dieser Arbeit überprüft werden.

Doch haben die Centurions und RheinEnergie als Profiklubs in Köln überhaupt eine Chance? Ausgerechnet in Sportarten, die ihren Ursprung in den USA haben und hierzulande von der breiten Masse höchstens als Randerscheinungen wahrgenommen werden? Bedenkt man zudem, dass die (indirekte) Konkurrenz durch den 1. FC und den Haien in der Domstadt sehr groß ist, müssen neue Strategien entwickelt werden, um sich lokal und auch national zu etablieren.

Der kommerzielle Erfolg lässt sich nicht anhand des Tabellenstands ablesen, sondern vor allem auch am Interesse der Sponsoren und Zuschauerzahlen. Und geht man nach den Spitzenwerten, sehen diese auf den ersten Blick sehr erfreulich aus. So kamen am 12. Februar 2006 zum Spiel zwischen RheinEnergie und BBL-Spitzenreiter Alba Berlin 14.917 Zuschauer in die Kölnarena – eine beachtliche Zahl, wenn man bedenkt, dass fast zeitgleich auch der 1. FC im ausverkauften RheinEnergie-Stadion (50.000 Zuschauer) ein Heimspiel gegen Borussia Dortmund hatte. Das rheinische American-Football-Derby zwischen den Cologne Centurions und Rhein Fire in der Saison 2005 verfolgten sogar 32.521 Fans live im Stadion. Alles im grünen Bereich also?

Diese Frage werde ich im Laufe der Arbeit beantworten, allerdings ohne einen Vergleich zwischen den untersuchten Teams zu ziehen, denn jede Liga und somit jeder Klub muss unterschiedliche Aufgaben und Probleme bewältigen, was vor allem von der strukturellen Ausrichtung abhängt. Während die Centurions von der amerikanischen Football-Liga NFL finanzielle und personelle Unterstützung bekommen, versucht sich RheinEnergie als Großstadtklub in der Basketball-Bundesliga zu etablieren. Durch regelmäßige Besuche von Heimspielen der Centurions und RheinEnergie, sowie Gesprächen mit Verantwortlichen der beiden Klubs (siehe Interviews, Kapitel 14), konnte ich zudem meine persönlichen Erfahrungen in die Arbeit einfließen lassen.

1.1 Aufbau der Arbeit

Wie ich bereits in meiner Einleitung erwähnt habe, werde ich die Centurions und RheinEnergie getrennt voneinander untersuchen und auch keinen direkten Vergleich ziehen, da die Umstände, unter denen die beiden Klubs sich dem Wettbewerb stellen müssen, sehr unterschiedlich sind, was vor allem durch ihre unterschiedliche Entwicklung und Ligastruktur begründet wird.

Eine Gemeinsamkeit besteht aber darin, dass die Teams in derselben Stadt zuhause sind. Köln ist nicht nur als traditionelle Karnevalshochburg bekannt ist, sondern auch als sportbegeisterte Metropole, die durch ihre Infrastruktur, Bevölkerungsdichte und moderne Sportstätten über attraktive Bedingungen verfügt, Profisport zu etablieren. Deshalb werde ich im ersten Teil der Arbeit besonders auf diese Merkmale eingehen. Wenn man über Sport in Köln spricht, kommt man nicht drum herum, die Beliebtheit des 1. FC Köln zu erklären, weshalb ich einen kurzen Überblick über die Entwicklung des Fußballklubs geben werde. Gerade in einer Großstadt wie Köln ist durch die Vielzahl an Erstligisten der Wettbewerb besonders ausgeprägt, welcher in Kapitel 2.2 erläutert wird.

In Kapitel 3 beginne ich mit der Geschichte des American Football in den USA und erläutere daraufhin, welche Absichten die National Football League dazu geführt hat, ihre Sportart über ihre Grenzen hinaus nach Europa zu exportieren. Die im Zuge der Globalisierung entstandene NFL Europe hat sich in den Neunzigern in der deutschen Sportlandschaft eingenistet und die typischen Merkmale der amerikanischen Major Leagues übernommen.

Kapitel 4 beleuchtet die Anfänge und Entwicklung der Sportart in Deutschland, wobei ich auch auf die Amateur-Football-Szene in Köln eingehe. Kapitel 5 befasst sich dann eingehend mit den Cologne Centurions, vor allem wird der kommerzielle Gedanke der NFLE-Teams erklärt und ausführlich erläutert. Dabei werde ich deutlich machen, warum die Centurions Strategien entwickeln mussten, welche in der einheimischen Sportlandschaft einerseits einmalig, aber aus kommerzieller Sicht auch zukunftsweisend sind.

Im zweiten Abschnitt meiner Arbeit werde ich mich ab Kapitel 6 mit der Entwicklung der Sportart Basketball beschäftigen, sowohl in den USA als auch später In Deutschland (Kapitel 7).

Bevor ich in Kapitel 9 erkläre, unter welchen Bedingungen RheinEnergie Köln in die Basketball-Bundesliga „aufsteigen“ und warum dem Team der Ruf vom Retortenklub anhaftet, werde ich über den Aufschwung und Niedergang des Kölner Basketballs in den 70er und 80er Jahren berichten. Sowohl der BSC Saturn Köln als auch RheinEnergie sind Spiegelbilder der BBL-Strukturen ihrer Zeit, was ich anhand treffender Beispiel deutlich machen werde.

Zum Abschluss der Arbeit wage ich einen Exkurs, der zwei aktuelle Erscheinungen im (deutschen) Sport unter die Lupe nimmt. Zum einen der Weg der Teamsportligen in die Metropolen im Hinblick auf die Amerikanisierung des deutschen Sportsystems, zum anderen die Expansion der amerikanischen Major Leagues am Beispiel der US-Basketball-Liga NBA. Abschließend fasse ich die gewonnen Erkenntnisse zusammen und gebe einen Ausblick, inwiefern sich die Centurions und RheinEnergie auch ohne eine lange Tradition in der deutschen Sportlandschaft und Fankultur etablieren können .

2. Großstadt Köln, Sportstadt Köln

Städte und Regionen konkurrieren heute und in Zukunft mehr denn je um Menschen, Unternehmen, Wissens- und Kultureinrichtungen. Wer in diesem Wettbewerb überzeugende Argumente hat, wird als Standort und Lebensraum zukunftsfähig sein. (…)

Kölnerinnen und Kölner identifizieren sich deutlich stärker mit ihrer Stadt als Menschen in anderen Städten. Köln wird als weltoffen, gastlich und lebenslustig – als kosmopolitisch – wahrgenommen.

„Leitbild Köln 2020“[2]

Mit 1.022.627 Einwohnern ist Köln hinter Berlin, Hamburg und München die viertgrößte Stadt Deutschlands.[3] Zum Einzugsgebiet gehören 2,6 Millionen Einwohner.[4] Durch die guten Verkehrsanbindungen (sieben Autobahnen umkreisen Köln) sowie dem Flughafen Köln/Bonn und dem unmittelbar am Dom gelegenen Hauptbahnhof ist Köln aus allen Himmelsrichtungen gut erreichbar. Doch nicht nur die Größe der Stadt und die Zahl der Einwohner macht Köln zu einer Metropole, auch der Tourismus belebt das kulturelle Flair und kurbelt die Wirtschaft der Domstadt am Rhein jedes Jahr aufs Neue an. So meldet die KölnTourismus GmbH[5], dass die Zahl der Gästeübernachtungen seit elf Jahren kontinuierlich gestiegen ist[6], die meisten ausländischen Besucher kommen dabei aus England und Amerika. Die Einnahmen aus dem Tourismus beziffert die Stadt auf 4,34 Milliarden Euro pro Jahr.[7] Inwiefern der Kölner Profisport davon profitiert, ist nicht genau festzustellen, allerdings dürfte die Vielfalt an populären Bundesligaklubs und modernen Sportstätten den einen oder anderen Touristen auch dazu bewegen, sich ein Spiel der Haie oder des FC anzuschauen. Spätestens während der FIFA-WM 2006 wird Köln natürlich ganz im Fußball-Rausch sein. Dazu erklärt die KölnTourismus GmbH auf ihrer Website: „2006 steht die FIFA Weltmeisterschaft im Vordergrund. So lautet auch der Marketingschwerpunkt von KölnTourismus „Sportstadt Köln“, welcher neben der WM auch andere Sporthighlights wie den Ford Köln Marathon, die erstklassigen Sportarten (Fußball, Basketball, Handball, Eishockey, American Football) und die Handball-WM 2007 bewirbt. Im Rahmen der Sportstadt-Marketingkampagne wurden bereits internationale Roadshows und Pressekonferenzen in Brasilien, Tschechien und Schweden durchgeführt.“[8] Um während der WM-Euphorie nicht komplett unterzugehen, haben die NFLE und die BBL ihre Endspiele so angesetzt, dass diese sich nicht mit der Fußball-WM überschneiden. So findet der World Bowl der NFL Europe am 27. Mai in Düsseldorf statt, ein mögliches fünftes BBL-Finale (gespielt wird im Modus „Best-of-five“) steigt am 8. Juni, einen Tag vor dem WM-Eröffnungsspiel in München.

Im Breiten- und Freizeitsport bietet Köln durch eine Vielzahl an Sportstätten[9] (zwei Millionen Quadratmeter Freiluft- und 25.000 Quadratmeter überdachte Sportflächen, 174 Fußballplätze im Kreis Köln) genügend Angebote sowohl für Aktive als auch für Zuschauer. Jeder fünfte Bürger ist Mitglied in einem der über 800 Sportvereine, verteilt auf etwa 70 Sportarten. 2001 wurden insgesamt 36 Bundesliga-Mannschaften gezählt. Die Stadt Köln schreibt hierzu in einer Presse-Information vom 11. Mai 2005: „Ob aktiver Sport oder die Freude am Zuschauen, ob Traditions- oder Trendsport – in der Sportstadt Köln ist nahezu jede Disziplin zu Hause. Die Kölner sind ein begeistertes und begeisterndes Publikum beim Spitzensport – aber sie sind auch gerne selbst aktiv.“[10] Als Ursprünge des Profisports in Köln nennt die Stadt Radsport und Boxen. So hat Box-Legende Max Schmeling seine Karriere in Köln begonnen, später wurde er in den USA Weltmeister. In den 30ern gelangte Bahnradfahrer Albert Richter zu Ruhm und Ehre bis er von der Gestapo ermordet wurde. Nach Richter wurde auch 1996 die Kölner Radrennbahn benannt. Neben Fußball, Eishockey, Basketball und American Football (vor den Centurions machten vor allem die Cologne Crocodiles 2000 als Deutscher Meister auf sich aufmerksam, vgl. Kapitel 4.3) ist Köln im Feldhockey, Kunstturnen, Baseball und in der Leichtathletik sehr erfolgreich. Auch der siebenfache Formel-Eins-Weltmeister Michael Schumacher, der im Vorort Hürth geboren wurde, wird gerne als Kölner bezeichnet und mit der Rheinmetropole in Verbindung gebracht. Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney kamen 49 Teilnehmer aus Köln. 1999 wurde außerdem das Deutsche Sport- und Olympiamuseum in Köln eröffnet.

Hinzu kommt dem Sport eine besondere Bedeutung durch die Deutsche Sporthochschule (DSHS) hinzu, die seit 1947 ihren Sitz in Köln hat und 7.000 Studenten zählt. Neben der Ausbildung in sportbezogenen Arbeitsfeldern ist die DSHS führend auf dem Gebiet der naturwissenschaftlichen und medizinischen Forschung im Sportbereich. Selbst Fußball-Bundesligatrainer absolvieren ihre Trainerausbildung an der DSHS.

2.1 Tradition verpflichtet: Der 1. FC Köln

Die Nummer eins im Kölner Sport ist mit großem Abstand der Fußballbundesligist 1.FC Köln. Der Verein wurde 1948 nach einer Fusion zwischen dem Kölner BC 01 und der SpVgg Sülz 07 gegründet und bietet neben Fußball (Lizenz- und Nachwuchsabteilung) zwei weitere Sportarten an (Handball, Tischtennis), welche aber keine vergleichbare Rolle in der Öffentlichkeit spielen. Der FC gehört zu den Gründungsmitgliedern der Fußball-Bundesliga (seit 1963) und gewann drei Mal die Meisterschaft (zuletzt 1978) sowie vier Mal den Pokal (zuletzt 1983). Mit dem Titel 1963/64 ist der FC der erste Deutsche Meister in der Geschichte der Bundesliga, damals wurde der Klub als einer der ersten Vereine in Deutschland als „Marke mit hohem Identifikationsfaktor“ geführt und aufgrund der Erfolge und des fortschrittlichen Denkens als „Real Madrid des Westens“[11] bezeichnet. 2002 wurde der Lizenzspieler- und Leistungsbereich in die 1. FC Köln GmbH & Co. KGaA ausgegliedert. Genauso wie die Cologne Centurions trägt der FC seine Heimspiele im RheinEnergie Stadion aus, welches ein Fassungsvermögen von 50.000 Zuschauern bietet und nahezu immer ausverkauft ist. Trotz der sportlichen Krisen (Abstieg in die zweite Liga 1998, 2002, 2004 und 2006) konnte der FC in den vergangenen Jahren einen gewaltigen Popularitätsschub verzeichnen.[12] Waren am 1. Juli 2004 noch 15.700 Mitglieder gemeldet, so wurde am 11. Dezember 2005 bereits Mitglied Nummer 30.000 gezählt. Allerdings haben auch andere Bundesligaklubs ähnliche Zuwächse zu vermelden, so dass der Trend nicht nur auf den FC, sondern auf Fußball im Allgemeinen zutrifft und auch mit den größtenteils neuen Stadien zu tun hat, die aufgrund des gestiegenen Komforts und der besseren Sicht immer mehr Fans zu den Spielen locken. Auch das Stadion in Köln wurde zwischen 2001 und 2004 in eine reine Fußballarena umgebaut (ehemals Müngersdorfer Stadion). Der FC ist Hauptmieter des Stadions, der Bau der Arena kostete 117,5 Millionen Mark[13], Eigentümer sind die Stadt Köln und die Kölner Sportstätten GmbH.

Worauf der Trend auch zurückzuführen sein mag, der 1. FC Köln gehört zu den beliebtesten Vereinen in Deutschland, was auch die Anzahl von etwa 850 Fanklubs belegt. Mit durchschnittlich 48.844 Zuschauern in den ersten 16 Heimspielen der Saison 2005/06 steht der FC in der Zuschauertabelle der Bundesliga immerhin auf dem fünften Platz[14], allerdings haben die besser platzierten Klubs (Dortmund, München, Schalke, Hamburg) auch größere Stadien und sind sportlich erfolgreicher. Der FC steht nämlich wieder einmal auf einem Abstiegsplatz. Trotzdem: Eine so große Euphorie um den FC, auch wegen Nationalspieler Lukas Podolski und der bevorstehenden Weltmeisterschaft, gab es noch nie, selbst in den Meisterjahren nicht. „Viele Menschen sind schon vor 40 Jahren als Kinder ins Stadion gekommen und haben unsere große Zeit erlebt. Die bringen heute ihre Kinder mit, da ist was organisch gewachsen. Wir leben zum großen Teil von der Vergangenheit“, erklärt FC-Präsident Wolfgang Overath die Zuschauertradition des beliebtesten Kölner Vereins.[15]

Zu den Sponsoren und Partnern des FC gehören Intersnack (Hauptsponsor), die GEW RheinEnergie AG, Ford Werke AG und seit 1997 auch die Kölner Boulevardzeitung Express. Pro Heimspiel werden im Stadion über 400 Unternehmenspartner des Business-Club begrüßt. Selbst in der Zweitligasaison 2004/05 waren alle 48 Logen ausverkauft. „Im Laufe der vergangenen Saison hat sich das RheinEnergie Stadion als attraktive Plattform zur Anbahnung und Pflege von Geschäftskontakten entwickelt. Gleichgesinnte kommen hier schnell ins Gespräch über Fußball im Allgemeinen, den 1. FC Köln im Speziellen und das Business im Besonderen.“[16] Das bedeutet also für Fans und Firmen im gleichen Sinne: Nirgendwo bekommt man im Kölner Sport so viel Entertainment und so viele Kontakte geboten, wie beim Fußball. Dazu erklärt FC-Geschäftsführer: „Man muss natürlich auch abseits vom Rasen für die Profilierung eines Clubs Sorge tragen und Charakteristika herausarbeiten. (…) Es geht um Widererkennung wie bei einem Produkt à la Nivea. Ich muss mich als Club abgrenzen gegenüber der Konkurrenz aus dem Fußball und anderen Sportarten.“[17] Im Performance-Check der Zeitschrift „Horizont Business Sport“[18] lag der 1.FC Köln direkt hinter den Spitzenklubs auf Platz sieben, noch vor Borussia Dortmund und Bayer 04 Leverkusen. Untersucht wurden Kategorien wie Markenwert, Standort und Sponsoring. Diese Bewertung zeigt, dass der 1. FC Köln trotz sportlicher Probleme zu den bedeutsamsten Sportvereinen Deutschlands gehört. Dazu erklärt Marketing-Experte Dr. Manfred Schubert[19] : „Generell halten die Sponsoren den Mannschaften die Stange – auch wenn es mal sportlich nicht läuft. Viel wichtiger ist das Image des Vereins. Und da lebt der FC ja immer noch von seiner Tradition. (…) Köln ist eine Medienstadt. Der FC ständig Gegenstand der Diskussionen. Das suchen die Sponsoren.“[20]

2.2 Wettbewerb und Zuschauernachfrage im professionellen Teamsport

Durch die hohe Anzahl an Erstligisten ist in Köln die Konkurrenzsituation besonders groß. Doch welche Faktoren bestimmen, ob jemand ins Stadion / in die Halle geht, vielleicht einen Kinobesuch vorzieht oder eventuell lieber zuhause bleibt? Der Wettbewerb untereinander wird von einer ganzen Reihe an Faktoren bestimmt. Dem Angebot von einer bestimmten Anzahl an Ligaspielen (je nach Modus und Anzahl der Teams unterschiedlich hoch) steht dabei die Nachfrage der Zuschauer gegenüber.[21] Der Kreis der Konsumenten setzt sich nicht nur aus den Fans im Stadion (bzw. in der Halle) zusammen, sondern auch aus den Fernsehzuschauern, falls es eine TV-Übertragung geben sollte. Verkaufte Eintrittskarten sollen nicht nur direkt Geld erwirtschaften, sondern auch die Attraktivität der Veranstaltung bei externen Geldgebern wie Sponsoren, Vermarktern und Medienanstalten erhöhen. Cachay/Wagner/Riedl/Thiel kommen so zu folgender Formel: „Je stärker Hallen und Stadien ausgelastet sind, desto mehr potentielle Interessenten werden von Sponsoren und Medienanstalten erreicht. (…) Die Investitionen, die in die Förderung des Verkaufs von Eintrittskarten gesteckt werden, sind also gleichzeitig auch Investitionen in die Akquise externer Geldgeber.“[22]

Die Variablen, die die Zuschauernachfrage bei Sportveranstaltungen beeinflussen, werden dabei in vier Kategorien aufgeteilt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Faktoren der Zuschauernachfrage[23]

Hinzu kommen noch folgende Faktoren, welche die Zuschauernachfrage[24] beeinflussen:

- Einfacher Zugang zur Anlage
- Parkmöglichkeiten
- Termin (Wochentag, Uhrzeit)
- Position des Heimteams in der Tabelle
- Existenz anderer Profiteams in der Region

Weitere Determinanten sind nach Frank Schumann:[25]

- Qualität des Produkts
- Identifikation mit den Spielern
- Marktvolumen
- Stadionkomfort
- Lokalderbys

Das Beispiel Köln zeigt aufgrund der Vielzahl an Erstliga-Klubs besonders gut, dass sich professionelle Sportvereine als Anbieter im Zuschauersport einem Wettbewerbsmodell stellen müssen, und zwar auf drei Ebenen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Dimensionen des Wettbewerbs im Zuschauermarkt[26]

Während die Cologne Centurions sich auf regionaler Ebene mit Rhein Fire messen müssen (zwischen den Städten Köln und Düsseldorf herrscht eine ausgeprägte und durchaus ernst genommene Rivalität), gibt es im Umkreis von Köln gleich zwei weitere BBL-Klubs: Telekom Baskets Bonn und Bayer Giants Leverkusen. Es ist davon auszugehen, dass durch die Neuaufnahme der Kölner Klubs in den Eliteklassen die Wettbewerber auf dem Zuschauermarkt durchaus Kunden verloren haben. Um diese These zu bestätigen, müsste eine genaue Analyse des Publikums durchgeführt werden. Allerdings sind bei den Centurions tatsächlich Fans aus Köln im Stadion, die früher Anhänger von Rhein Fire oder Frankfurt Galaxy gewesen sind, weil es in Köln noch keinen NFLE-Klub gegeben hat.[27] Die eng beieinander liegenden Standorte sorgen allerdings auch für zusätzliche Zuschauerzahlen, wenn die Teams in Lokalderbys gegeneinander antreten (vgl. Kapitel 5.3). Diese sind für die Fans immer besonders attraktiv, außerdem kommen durch die geringe Entfernung auch überdurchschnittlich viele Auswärtsfans. Die regionale Konkurrenz dürfte sowohl bei den Centurions, als auch bei RheinEnergie eher für positive Effekte sorgen.[28] Im Fall Cologne Centurions gehörte die räumliche Nähe des Düsseldorfer Teams Rhein Fire sogar zu den wichtigsten Argumenten, auch in Köln ein Team zu installieren (vgl. Kapitel 5).

Aber auch über die Sportart hinaus stehen die Teams in Konkurrenz zueinander. Besonders beim Eventpublikum, also Zuschauer, die nicht speziell Fans einer bestimmten Sportart oder eines Teams sind, kann es zu Überschneidungen kommen.[29] Vor allem in den Monaten März und April, wenn die NFLE beginnt, in der DEL die Playoffs laufen, der 1. FC in der Fußball-Bundesliga um den Klassenerhalt kämpft und RheinEnergie sich eine gute Ausgangsposition für die Playoffs erspielen will. Weitere Wettbewerbsebenen sind neben Sponsoren die Medien. Der Umfang der Berichterstattung ist gerade in Phasen, in denen alle wichtigen Ligen gleichzeitig aktiv sind, natürlich begrenzt. Das Ziel jedes Vereins sollte es sein, möglichst umfangreich, regelmäßig und positiv in den Medien aufzutauchen.

Nicht zu vergessen sind Konkurrenten aus dem Freizeitsektor, denn sportinteressierte Personen könnten sich beispielsweise statt für ein Centurions-Spiel auch für einen Kino- oder Theaterbesuch entscheiden. Sportunternehmer sehen sich daher als Dienstleister innerhalb der Unterhaltungsindustrie. Die Aufgaben der Ligen werden also auch von geschäftlichen und gewinnorientierten Interessen geleitet.[30] Auch wenn die US-Football-Liga NFL mit der NFL Europe nicht nur kommerzielle Absichten verfolgt (vgl. Kapitel 3.3), so ist sie ein Sinnbild für die neue Eventkultur, die nicht nur bei den amerikanischen Sportarten immer mehr Einzug in die deutsche Sportlandschaft erhält. Peter Sloan hat die zunehmende Kommerzialisierung des Sports untersucht und zwei verschiedene Ansätze beobachtet[31], die aber auch zusammen auftreten können:

- Konservative Unternehmereinstellung: Berufssport ist ein Geschäft. Die Liga sorgt als Kartellvereinbarung zur gemeinsamen Gewinnoptimierung aller Vereine.
- Liberale Unternehmereinstellung: Berufssport ist Teil des Unterhaltungsgewerbes. Der sportliche Wettbewerb stellt eine spezifische Form der Unterhaltung dar.

Beide Varianten haben zum Ziel, eine Gewinnmaximierung zu erreichen. Wobei der konservative Ansatz die Interessen aller Teilnehmer an einer Liga berücksichtigt, die liberale Einstellung aber vor allem auch die Konsumenten zufrieden stellen möchte.

3. Die Geschichte des American Football

„Millionen Amerikaner werfen das Ei im Park oder tackeln nach Feierabend im lokalen Amateurteam. Football-Fieber nimmt man in den USA quasi mit der Muttermilch auf.“

Gerald Meier[32]

Im Gegensatz zu Basketball wurde American Football keineswegs „erfunden“, sondern hat seinen Ursprung im Rugbyspiel, das sich im 19. Jahrhundert als eine dem Fußball verwandte Sportart in England entwickelt und etabliert hatte.[33] In den amerikanischen Universitäten war bis dahin „Soccer“ der dominierende Sport, bis im November 1869 zum ersten Mal die Collegeteams von Ruttgers und Princeton in einem offiziellen Footballspiel gegeneinander antraten. Beeinflusst wurde der neue Sport von britischen Soldaten und Einwanderern, die selbst noch Rugby spielten und ihr Spiel so in den USA bekannt machten. Auch die Kanadier, die wiederum das Rugbyspiel von den Briten übernommen hatten, brachten 1873 den Sport an die Harvard Universität.[34]

Damals durfte der Ball allerdings noch nicht getragen werden (erlaubt waren Kicken, Köpfen und Fangen). Pro Mannschaft standen noch 25 Akteure auf dem Feld, erst nach 1880 entfremdete sich das Spiel vom klassischen Rugby, die Zahl der Spieler pro Team wurde schließlich auf Elf reduziert und auch die Regeln wurden ständig neu definiert, um den Spielfluss zu erhöhen und das Verletzungsrisiko zu minimieren. Die Faszination des Sports verbreitete sich trotz (oder geraden wegen) der körperlichen Härte von den Universitäten aus wie ein Lauffeuer quer durch die USA[35], Soccer oder Rugby dagegen verschwanden wieder aus dem Leben der Amerikaner und waren weiterhin dem britischen Empire vorbehalten.[36] Dabei würde ohne die Gründung einer landesweiten Organisation des College-Sports vielleicht American Football heute gar nicht mehr existieren.[37] Denn im Jahre 1905 stand die Sportart aufgrund der vielen Toten und Verletzten kurz vor dem Aus. Selbst der damalige US-Präsident Theodore Roosevelt Jr. Schaltete sich in die Angelegenheit ein und erklärte, dass ein Komitee geschaffen werden müsse, das die Regeln im Football ändert, sonst müsse der Sport verboten werden. So entstand 1905 die NCAA (National College Athletic Association[38] ), die mittlerweile für die Organisation des gesamten amerikanischen Hochschulsport zuständig ist. Die von der NCAA umgesetzten Regeln dienten vor allem der Sicherheit und Fairness. So lässt sich sagen, dass es ohne die NCAA Football gar nicht mehr geben würde (zumindest wäre der Sport nicht mehr so populär) , umgekehrt hätte es aber auch die NCAA ohne Football wohl nie gegeben.

3.1 Die National Football League

Im Osten der Vereinigten Staaten (z.B. in Pennsylvania und Ohio) wurden um die Jahrhundertwende die ersten größeren Turniere und regionale Meisterschaften veranstaltet und die ersten Spieler bekamen für ihre Einsätze Gagen ausbezahlt. Das erste Team, das nur aus Profispielern bestand, war 1897 die „Latrobe Athletic Association.“[39] Und auch die Universitäten förderten den Sport mit allen (finanziellen) Mitteln. So bekamen talentierte Spieler Stipendien und sonstige Vergünstigungen. Erfolge im Football wurden zur besten Werbung für die Uni.[40] „American Football verdankt seinen Stellenwert in der US-Gesellschaft der Tatsache, dass er während der Entstehungsphase unterschiedliche Mentalitäten begeistern konnte: Die geistigen Eliten der renommierten Universitäten Harvard, Yale und Princeton sowie die des Proletariats an den Hochöfen und in den Bergwerken der Industriestädte (…).“[41]

Die erste übergeordnete Profiliga entstand 1920 unter dem Namen American Professional Football Association (APFA), 1922 wurde sie in National Football League (NFL) geändert. Dank des einheitlichen Regelwerks, dem festen Spielplan und der professionellen Ausrichtung, gewann die NFL schnell an Beliebtheit und konnte bei ihren Spielen regelmäßig bis zu 70.000 Zuschauer ziehen. Damit hatte die Liga in Punkto Attraktivität mit dem College-Football zwar noch nicht ganz gleichgezogen, doch sorgte sie dafür, dass der Sport auch außerhalb der Universitäten auf großes Interesse stieß. Trotzdem dauerte es einige Zeit bis die Öffentlichkeit auch den Profi-Football akzeptierte. „Spielberichte aus der NFL blieben Randnotizen in den Zeitungen, während die Footballwettstreite der amerikanischen Jugend seitenlang voll Enthusiasmus kommentiert wurden.“[42] Spieler, die sich bezahlen ließen, wurden von Traditionalisten sogar regelrecht verachtet.[43] Auch den ersten Football-Superstar gab es an der Uni zu bewundern. Zur letzten Partie von Harold Grange, der für die University of Illinois spielte, kamen im November 1925 90.000 Fans. Nur fünf Tage später stand Grange als Profi für die Chicago Bears auf dem Rasen.[44]

Die Anzahl der NFL-Profiteams variierte in den 20er- und 30er-Jahren zwischen acht und 22, einige mussten während der Weltwirtschaftskrise ihren Spielbetrieb einstellen, andere wie zum Beispiel die New York Giants oder Philadelphia Eagles existieren heute noch. Das 1934 eingeführte Draft-System[45], das die Verpflichtung von Collegespielern regelte, steuerte ebenfalls zum Erfolg der Liga bei. Denn dadurch, dass die schlechteren Teams sich zuerst die besten Collegespieler aussuchen dürfen, wird die sportliche Ausgeglichenheit gewährleistet. Das Draft-System wurde später auch in den anderen Major Leagues eingeführt. Im Mai 1939 wurde zum ersten Mal eine Partie im Fernsehen ausgestrahlt, 1.000 Haushalte in New York konnten auf NBC die Übertragung zwischen den Brooklyn Dodgers und Philadelphia Eagles verfolgen. Im selben Jahr zählte die NFL insgesamt eine Millionen Zuschauer in den Stadien.[46] Bis heute haben sich die Zuschauerzahlen und die Anzahl der Saisonspiele in der NFL stetig erhöht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Zuschauerzahlen in der NFL[47]

Von den Folgen des Zweiten Weltkriegs konnte sich die Liga schnell erholen. „Die 50er Jahre brachten der NFL wirtschaftlich und sportlich den Durchbruch. Der Grund dafür liegt vor allem im ständig wachsenden Interesse der Fernsehsender. Football wurde zum Medienstar.“[48] Der vorläufige Höhepunkt gelang 1957, als 102.368 Zuschauer das Duell zwischen den L.A. Rams und den San Francisco 49ers besuchten. Erstmals wurde ein NFL-Spiel 1958 auch landesweit im TV übertragen, dadurch gewann die Sportart weiter enorm an Popularität. Um die Vermarktung der Liga weiter auszubauen, gründete die Liga 1963 die Abteilung NBA Properties.[49] Vor allem das Fernsehen entdeckte den Sport immer mehr für sich. So zahlte CBS 1966 für die Übertragungsrechte einer Saison 18,8 Millionen Dollar.

Wie fortschrittlich und professionell die Liga schon damals geführt wurde, zeigen folgende Beispiele: Seit 1975 sind die Schiedsrichter mit drahtlosen Mikrofonen ausgestattet, damit die Entscheidungen über Lautsprecher im gesamten Stadion laut und verständlich sind.[50] 1986 wurde das „Instant Replay“ eingeführt, wonach strittige Szenen von den Schiedsrichtern auf einem Monitor per Zeitlupe erneut angesehen werden können, um daraufhin die Entscheidung ggf. zu ändern.

Auch der Wert der Franchises erhöhte sich rapide. Wurden 1925 die New York Giants noch für 500 Dollar verkauft, durchbrach der Kaufpreis in den Sechzigern die Millionengrenze. Selbst in den letzten Jahren stieg der Kaufpreis der Klubs noch rapide an, so erhöhte sich der Wert der Washington Redskins zwischen 1998 und 2005 nach Angaben des Wirtschaftsmagazins Forbes von 403 Millionen auf 1,3 Milliarden Dollar.[51]

Erst seit 1967 wird in der NFL der Meister in einem Endspiel ermittelt, bis dahin gewann das Team den Titel, welches am Ende der Saison die beste Siegesbilanz hatte. Diese Umstrukturierung hing auch mit der Tatsache zusammen, dass die NFL 1966 mit der Konkurrenzliga AFL fusionierte und dementsprechend noch mehr Teams am Spielbetrieb teilnahmen. Die Liga wurde in die NFC und AFC aufgeteilt. Seit 1970 wird das Finale als „Super Bowl“ bezeichnet und gilt mittlerweile als größtes eintägiges Sportereignis der Welt.[52] Vor allem für die Fernsehsender ist die Übertragung ein lohnendes Geschäft. Ein 30-sekündiger Werbespot während der Fernsehübertragung des Super Bowls kostet 2,4 Millionen Dollar[53], beim Finale 2006 schauten in den USA 90 Millionen Fans zu, keine Sendung hat in den USA eine höhere Einschaltquote.[54]

Doch ähnlich wie beim Basketball zieht auch im American Football der Uni-Sport mehr Zuschauer in die Stadien, auch wenn die einzelnen NCAA-Teams landesweit weniger Aufmerksamkeit bekommen als ein populäres NFL-Team. Wie beliebt Collegespiele sind, zeigen die Ticketpreise an der katholischen Universität Notre Dame. Dort kosten Einzelkarten für eine Partie der Saison 2006 bei Zwischenhändlern für Nicht-Studenten zwischen 635 und 1.905 Dollar![55] Die Universitäten Michigan und Tennesse kommen jedes Jahr auf einen Zuschauerschnitt von über 100.000 pro Partie. Die Popularität bezieht sich nicht nur auf wenige Standorte. So hatten 56 Colleges in der Saison 2004 einen Schnitt von über 40.000 Zuschauern, nur eine von 118 Unis blieb im vierstelligen Bereich.[56] Trotz der Popularität des College-Footballs bleibt die NFL das Nonplusultra im amerikanischen wie internationalen Sportgeschäft. Das beweist auch der neue Fernsehvertrag (ab 2006), der mit den Sendern CBS, FOX, NBC und ESPN abgeschlossen wurde. Der Deal bringt der NFL in den nächsten sechs Jahren satte 18,2 Milliarden (!!!) Dollar ein. Pro Jahr nimmt die NFL also mehr Geld ein, als die NBA, MLB, Nascar (Motorsport), PGA Tour Golf, NCAA Basketball und Olympia 2004 zusammen![57]

3.2 Die World League of American Football

Der Vorläufer der NFLE startete 1991 unter dem Namen World League of American Football (WLAF) und schloss die Kontinente Nord- und Mittelamerika und Europa ein.[58] Die Vorbereitungen für die World League begannen 1989 durch die NFL, als ein von Tex Schramm[59] angeführtes Komitee eine Studie entwickelte, die die Erfolgschancen einer weltweiten Profiliga untersuchen sollte. Die positiven Ergebnisse dieser Studie überzeugten die Verantwortlichen der NFL und die TV-Anstalten so sehr, dass bereits im Februar 1990, also mehr als ein Jahr vor Beginn der WL, TV-Verträge mit amerikanischen Sendern (USA Network und ABC) abgeschlossen werden konnten. Es stand zwar auch zur Debatte, die deutschen Footballvereine, die sich auf klassische Weise innerhalb des traditionellen Sportsystems als gemeinnützige Nonprofitorganisationen sahen, zu unterstützen, doch am Ende der Überlegung beschloss die NFL, nach eigenem wirtschaftlichen Verständnis zu handeln und eine eigene Entwicklung zu forcieren.[60] Im März 1990 wurde die erste WL-Franchise gegründet (Orlando Thunder), im Mai desselben Jahres folgte mit den Barcelona Dragons der erste europäische Teilnehmer des Globalisierungsprojekts, die Frankfurt Galaxy waren das erste und einzige Team aus Deutschland (gegründet am 18. Juni 1990). Die Liga fand während der NFL-Pause zwischen März und Juni statt und sollte u.a. das Potenzial der Sportart in Europa beleuchten.[61]

Aufgeteilt wurde die WL in drei Divisions:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4: Die Teams der WLAF[62]

Die erste WL-Partie fand am 23. März 1991 im Frankfurter Waldstadion zwischen Galaxy und den Monarchs statt. Auch das Finale blieb europäisch, die Monarchs bezwangen die Dragons im Londoner Wembley Stadion vor ausverkauftem Haus (61.108 Zuschauer) mit 21:0. Die US-Teams waren vorher ausgeschieden. Mit Ohio Glory wurde die interkontinentale Liga 1992 um eine weitere Franchise aufgestockt. Den Titel („World Bowl“) gewann Sacramento gegen Orlando, ausgetragen wurde das Endspiel in Montreal vor 43.789 Zuschauern.

Die Saison 1992 sollte bereits die letzte der World League sein. Die NFL beschloss nämlich nach den ersten beiden Jahren, die Liga komplett nach Europa zu verlegen, vor allem weil die Zuschauerzahlen der amerikanischen Teams (zirka 20.000 pro Spiel) nicht zufrieden stellend gewesen sind. Das lag vor allem daran, dass die neu gegründeten Vereine „dem direkten Vergleich mit den schwergewichtigen NFL-Klubs und College-Teams ausgesetzt“[63] waren und nur für wenig Begeisterung sorgen konnten. Die beiden Spielzeiten verursachten einen Verlust von rund 40 Millionen Dollar[64], alleine die Reisekosten der Spieler, Trainer und Teambetreuer sprengten den vorgesehenen Etat. In den Jahren 1993 und 1994 fiel die WL komplett aus, die Nachfolge wurde von der NFLE erst 1995 angetreten. Damit war die NFL Europe League die erste Profiliga im American Football außerhalb Nordamerikas.

3.3 Die NFL Europe (NFLE)

„Selbst wenn alle Stadien ausverkauft wären, würden wir nicht unbedingt ein Plus machen.“

NFLEL-Organisator Marshall Happer[65]

Die NFL Europe League ist nach der NFL die zweitstärkste und –populärste American-Football-Liga der Welt. Das Bestreben der NFL, den Sport auf der ganzen Welt bekannt zu machen und Strukturen der Major Leagues in fremde Sportsysteme zu integrieren, beschreibt Wojciechowski als „Amerikanisierung“.[66] Dem Begriff nach werden politische, wirtschaftliche und/oder kulturelle Produkte aus den USA in andere Länder übertragen. Die exklusive Ausrichtung auf Europa hat sich durch die Erfahrungen mit der World League in den Jahren 1991 und 1992 ergeben.

Zur marktwirtschaftlichen Strategie der NFL Europe gehören folgende Faktoren:

- PR-Effekt für die NFL[67]
- Präsenz der Sportart American Football in Europa[68]
- Erhöhter Absatz durch Merchandise-Verkäufe
- Zusätzliche Sendezeiten im Fernsehen[69]
- Erschließung neuer Zuschauermärkte
- Werbeeinnahmen und Sponsorenakzeptanz

Zur sportlichen Strategie gehören folgende Faktoren:

- Spieler ohne Klub können sich fit halten und durch gute Leistungen für einen neuen Vertrag empfehlen
- Junge Talente sammeln Spielpraxis in einem professionellen Umfeld
- Spieler, die nach langer Verletzungspause wieder einsatzbereit sind, können sich an das NFL-Niveau heranarbeiten
- College-Absolventen ohne NFL-Vertrag („undraftet“) bekommen eine zweite Chance
- „Nationals“, also nicht-amerikanische Spieler, sollen gefördert werden und können die NFLE evtl. als Sprungbrett nutzen
- Talente sollen in Kooperation mit dem Amateur-Football gesichtet werden
- Trainer und Schiedsrichter können in der NFLE vor einem Engagement in der NFL Erfahrungen sammeln

Wurden die Spieler der World League bzw. NFLE in den ersten Jahren von den NFL-Klubs trotz der Investitionen kaum beachtet, wuchs das Interesse immer mehr, nachdem die Zahl der Akteure, die es von der NFLE in die NFL geschafft hatten, kontinuierlich zunahm (vgl. Kapitel 3.3.2). Mit dem steigenden Spielniveau der NFLE stieg auch die Akzeptanz amerikanischer Football-Fans, welche die Spiele zuhause vor dem Fernseher verfolgen. 2003 stimmten 24 der 32 NFL-Vertreter für eine Fortführung der Liga bis 2005. Eine Stimme weniger und die NFLE wäre höchstwahrscheinlich aufgelöst worden. 2005 einigte man sich – diesmal mit nur einer Gegenstimme – auf ein Fortbestehen bis 2010. Dieses Ergebnis zeigt eindrucksvoll, dass die NFL-Klubs immer mehr von der NFLEL überzeugt sind.

Die Teams der ersten NFLE-Saison[70] 1995 waren zusätzlich zu den ehemaligen WL-Klubs Frankfurt, Barcelona und London die Amsterdam Admirals, Scottish Claymores (Edinburgh) und Rhein Fire (Düsseldorf[71] ). Somit verteilte die Liga sechs Klubs auf fünf Länder. Die Auswahl der Standorte wurde nach der Wirtschaftlichkeit und Infrastruktur (z.B. Stadien) der Städte durchgeführt. Vor allem Frankfurt Galaxy löste schon während der WL-Phase einen wahren Boom aus[72] – trotz der kurzen Vorbereitungsphase kamen bereits 1991 im Schnitt 36.327 Zuschauer[73] ins Waldstadion, beim letzten Heimspiel waren es sogar 51.653 Fans.[74]

Dass nur ein Bruchteil der deutschen Bevölkerung mit dem Regelwerk vertraut (gewesen) ist, war für die NFL kein Hindernis, ihr Territorium zu erweitern und ebenso wenig für die Frankfurter Fans zu Galaxy-Spielen ins Stadion zu gehen.[75] „Wie ein Lauffeuer verbreitete sich zunächst in Frankfurt, später in ganz Deutschland, die Nachricht, dass Sport und Show bei der Galaxy eine für heimische Breitengrade völlig neue Symbiose eingegangen waren.“[76] Bis heute gelten die Hessen als Vorzeigeklub in der europäischen Footballszene und sind auch der letzte verbliebene Klub aus der Gründungszeit der WL. Zudem sind sie der erste und einzige Klub der WL-/NFLE-Geschichte, der am Saisonende schwarze Zahlen schreiben konnte: 1997 verbuchte Galaxy einen Gewinn von immerhin 500.000 Mark.[77] 1999 löste Berlin Thunder die London Monarchs ab, mit den Cologne Centurions kam 2004 ein weiterer deutscher Klub hinzu, die Barcelona Dragons hingegen stellten den Spielbetrieb dafür ein. Wie „Fast-Food-Filialen“[78] wurden die NFLE-Franchises eröffnet oder geschlossen. Das letzte Team, das aufgelöst wurde, waren die Scottish Claymores, die von Beginn an zur NFLE gehörten und zuletzt in Glasgow ihre Heimspiele veranstalteten.[79] In zehn Saisons wurde ein Zuschauerschnitt von 10.799 erreicht, zuletzt gingen die Zahlen aber stetig runter, so dass sich die Liga entschied, die Claymores einzustellen. „Der wirtschaftliche Aspekt unserer Liga und das Interesse anderer Städte haben uns veranlasst zu überprüfen, ob andere Standorte eventuell eine bessere Möglichkeit bieten, die Liga weiterzuentwickeln“, erklärte NFLE Managing Director Jim Connelly im Oktober 2004.[80]

Über den Erfolg eines Teams entscheiden letztendlich die Zuschauerzahlen.[81] Als Nachfolger der Claymores wurde 2005 mit den Hamburg Sea Devils die fünfte deutsche Franchise eingeführt. Die wichtigsten Gründe für Hamburg waren: Die Größe der Stadt, der Medienstandort und die Football-Tradition durch das GFL-Team Blue Devils.[82] Im Prinzip sind diese Argumente deckungsgleich mit denen der Centurions (vgl. Kapitel 5).

Die Liga besteht aktuell aus folgenden Teams:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 5: Die Teams der NFLEL 2006[83]

Aktuell sind fünf der sechs NFLE-Teams aus Deutschland, weshalb viele gerne mittlerweile von einer inoffiziellen „NFL Germany“ sprechen.[84] Diese veränderte strategische Ausrichtung hat die NFLE unternommen, da American Football auf dem europäischen Kontinent in Deutschland am Besten funktioniert. NFL-Senior-Director Peter LePoint gesteht in einem Interview mit der Zeitschrift Sponsors ein, dass es sich die Liga zu einfach vorgestellt habe, den Sport im gesamten Europa zu etablieren. Außerdem sei der europäische Markt nicht als einheitlich zu betrachten, jedes Land verfüge über unterschiedliche Strukturen. Ziel sei nun, die Präsenz in Deutschland zu stärken und von dort wieder langfristig auf Europa auszustrahlen.[85] Dass American Football bzw. die NFLE in Deutschland besser funktioniert als in anderen europäischen Ländern begründet Marshall Happer (NFLE-Director of Operations/Events) auch damit, dass die deutsche Kultur eine besondere Nähe zur amerikanischen aufweist, was sich auch darin zeigt, dass im Fernsehen viele US-Serien laufen und Musik aus Amerika die Charts dominiert.[86] Zwar will die NFLE in Europa hinter Fußball zur (Stadion-) Sportart Nummer zwei aufsteigen, doch wissen die Verantwortlichen, dass American Football nicht zum deutschen Volkssport mutieren wird.[87]

Die NFLE ist allerdings nicht nur eine einseitige Werbekampagne für American Football in Europa bzw. Deutschland. Auch andersherum profitieren die deutschen NFLE-Standorte durch ihre Präsenz im amerikanischen Fernsehen. So können Städte wie Hamburg oder Köln ihr internationales Image weiter ausbauen. „Die Sea Devils sollen der Hansestadt helfen, in den Vereinigten Staaten noch bekannter zu werden“, schreibt die Football-Fachzeitschrift Huddle.[88] Dies ist für die Bürgschaft von Hamburg einer der Hauptgründe gewesen, sich als Standort für eine NFLE-Franchise zu bewerben. Als weitere potenzielle NFLE-Standorte sind Stuttgart, Kaiserslautern und Leipzig[89] im Gespräch, die ersten beiden Städte hatten sich bereits 2004 für die Teilnahme beworben. Durch die für die Fußball-WM modernisierten Arenen suchen die Stadionbetreiber nach zusätzlichen Events, um die Baukosten refinanzieren zu können, so gesehen sind NFLE-Teams sehr attraktiv. Ingesamt werden während der NFLE-Saison dreißig Spiele ausgetragen. (10 Spieltage, je fünf Heim- und Auswärtspartien pro Mannschaft. Die beiden Tabellenersten spielen am Ende der Saison an einem vor der Saison festgelegten Ort den „World Bowl“ aus.)

Im Vergleich zur Saison 2004 konnten 2005 alle NFLE-Teams ihre Zuschauerzahlen steigern:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 6: Die Zuschauerzahlen der NFLE 2004 und 2005[91]

Der höchste Zuschauerschnitt, den eine Mannschaft jemals erreichen konnte, datiert aus der Saison 1999, als Rhein Fire pro Heimspiel 36.327 Fans ins Stadion locken konnte. Den Negativrekord halten die Barcelona Dragons, in der Saison 2004 kamen im Schnitt nur noch 6.868 Fans, was letztlich auch zum Aus der Franchise führte. Dabei konnten die Dragons in der Saison 1999 noch 18.600 Fans begeistern.[92] Die höchste Zuschauerzahl an einem Tag wurde am 9. Spieltag der Saison 2005 erreicht, als zu den drei Partien insgesamt 89.001 Zuschauer ins Stadion strömten, davon sahen 32.521 Fans das Derby zwischen den Centurions und Rhein Fire. Den Spitzenwert für ein Spiel halten die Frankfurt Galaxy. Bei der Begegnung Galaxy - Rhein Fire am 8. Juni 2002 wurde mit 58.527 Zuschauern ein neuer Rekord aufgestellt.

3.3.1 Organisation und Struktur der NFLE

Die NFL ist nicht nur die größte und reichste professionelle Sportliga Amerikas, sondern auch die einzige Organisation, die eine eigene Liga außerhalb der USA durchführt und finanziert. Die NFLE soll Spielern den Weg in die NFL ermöglichen, und bietet auch Coaches, Offiziellen und Schiedsrichtern die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln, bevor sie in der NFL arbeiten. Die Zentrale der NFL Europe befand sich bis 2006 in London, bevor sie nach Frankfurt umgezogen ist, was natürlich Sinn macht, wenn fünf der sechs Teams aus Deutschland kommen.[93] Natürlich gibt es auch eine entsprechende Abteilung im NFL-Headquarter in New York, die sich nur mit den Geschäften in Europa beschäftigt. Desweiteren gibt es einen NFL Europe Beirat, der sich regelmäßig mit den Liga-Vorständen trifft, um über die Lage der Nachwuchsförderung in Deutschland zu berichten, sowie ein NFL Komitee, dass die geschäftlichen Aktivitäten und die internationale Entwicklung überwacht.[94]

Um die Organisation der NFLE kümmern sich zum Großteil amerikanische Mitarbeiter, selbst im Frankfurter Büro ist z.B. mit Marshall Happer für den Bereich „Fan Development, Events und League Operations“ ein Amerikaner zuständig. Das zeigt deutlich, wie sehr die Liga selbst personell von der NFL geführt wird; deutsche Angestellte finden sich dagegen überwiegend nur in den Geschäftsstellen („Front Office“) der einzelnen Klubs, aber auch dort nicht ausschließlich. Dass die NFLEL noch längst keine reine deutsche Liga ist, zeigt auch die offizielle Internetseite www.nfleurope.com, die komplett auf Englisch ist und auf den amerikanischen Markt ausgerichtet wird.[95]

Im Gegensatz zur europäischen Ligastruktur bei der in der Regel die sportliche Qualifikation, also Auf- und Abstiege zählen[96], bestimmen in den amerikanischen Ligen vor allem wirtschaftliche Gesichtspunkte, ob eine Franchise aufgenommen wird.[97] Die Teams sind als Franchise der Liga untergeordnet und von ihren Entscheidungen abhängig. Möchte ein Team in die Liga aufgenommen werden, muss der Klubeigentümer eine Art „Startgebühr“ zahlen („Franchise Fee“). Die Major Leagues haben keinen Unterbau, also keine direkt angeschlossenen Ligen oder Verbände. Über die Aufnahme von Teams oder einen Umzug in einen anderen Markt entscheiden die Eigentümer der US-Ligen per Mehrheitsbeschluss. Diese Art der Ligaführung bezeichnet Prof. Dr. Egon Franck als „governance structure“.[98]

Allgemein fasst Franck die Grundsätze der Major Leagues wie folgt zusammen[99] :

- Konzeption einer demokratischen und transparenten Legislative durch Verfassung der Liga als Genossenschaft von Klubeigentümern
- Zuweisung der Exekutivmacht zur Durchsetzung der Regeln an einen unabhängigen Commissioner
- Einführung und Umsetzung von Regeln zur Sicherung der sportlichen Ausgeglichenheit in der Liga

Aufgrund dieser Strukturen bezeichnet man die Major Leagues, bzw. den Zusammenschluss der Franchises als Kartell.

Darüber hinaus wird diskutiert, ob die NFL weiterhin als Eigner der NFLE-Teams das wirtschaftliche Risiko tragen soll. Gesucht werden lokale Unternehmen, die diese Funktion übernehmen. In Frage kämen dafür z.B. Stadionbetreiber oder Vermarkter.[100] NFL-Chef Paul Tagliabue denkt dabei an eine „(…) Art Lizenzierung oder vertragliche Beziehung mit lokalen, regionalen oder nationalen Unternehmen, die eine starke lokale Präsenz haben, und die ihren Namen, ihr Produkt oder ihren Service dem Team zur Verfügung stellen. Diese Unternehmen wären zudem zuständig für regionales Management, lokale Promotion, den Verkauf von Tickets und allen anderen Aspekten, die das Team weiter in die Gemeinde mit einbeziehen. Auf diesem Wege glauben wir, zu einer stark verbesserten lokalen Präsenz zu gelangen.“[101]

Um die Initiativen der NFL außerhalb der USA zu koordinieren, wurde 1996 die Abteilung NFL International gegründet. Neben der Unterstützung der NFLEL ist die Abteilung dafür zuständig, dass die NFL selbst ihren Weg in andere Länder findet. So wird seit 1986 in unregelmäßigen Abständen außerhalb Amerikas der „American Bowl“ ausgetragen, zum ersten Mal im ausverkauften Londoner Wembley-Stadion (82.699 Zuschauer).[102] 1994 wurde beim Spiel zwischen den Dallas Cowboys und Houston Oilers in Mexiko City mit 112.376 Zuschauern sogar ein neuer Rekord aufgestellt. In den Jahren 1990 bis 1994 wurden auch im Berliner Olympiastadion NFL-Spiele unter dem Titel „American Bowl“ ausgetragen.

Aber nicht nur sportlich versucht die Liga sich auszubreiten. „Partnerschaften auf verschiedensten Ebenen, politische, sportliche, kulturelle oder wirtschaftliche, spielen bei den Übersee-Aktivitäten der NFL eine sehr wichtige Rolle.“[103] So gehören z.B. viele erfolgreiche und einflussreiche Geschäftsmänner aus Europa und Amerika (u.a. von Lufthansa, Metro, Deutsche Bank und Daimler Chrysler) zum NFL Advisory Board. „Meine Kollegen vom Advisory Board und ich sind von den Wirtschafts-Möglichkeiten fasziniert, die der immer weiter wachsende Sport American Football bietet“, erklärt hierzu Board-Chairman Jürgen Weber von Deutsche Lufthansa AG.[104] Um die Unternehmensvertreter von der Sportart zu überzeugen, hat die NFL diese zum Super Bowl 2005 nach Jacksonville eingeladen. „Es ist sicherlich nicht selbstverständlich, dass diese Top-Business-Leader sich die Zeit nehmen und zum Super Bowl kommen“, freute sich NFLE-Senior-Director Peter LePoint über das Interesse der deutschen Wirtschaft.[105]

3.3.2 Team-Management in der NFLE

"Die NFL Europe kostet jedes Team 450000 Dollar im Jahr. Filtert man dort nur zwei Spieler heraus, die sich als untauglich für die NFL erweisen, hat man die Summe an Gehältern schon gespart. Jeder, der es ins Team schafft, ist da eine Zugabe."

Carl Peterson, Präsident des NFL-Klubs Kansas City Chiefs[106]

2004 spielten 259 Spieler mit NFLE-Erfahrung in der NFL.[107] Diese Zahl beweist, dass die europäische Tochterliga sehr wohl als Sprungbrett für die NFL taugt. Zwischen 1991 und 2004 gelang es sogar 17 Spielern sowohl den World Bowl als auch den Super Bowl zu gewinnen. Beim NFL-Finale 2004 standen insgesamt 15 Spieler mit NFLE-Erfahrung im Aufgebot beider Teams. Zu den amerikanischen Profis kommen in der NFLE zudem so genannte „Nationals“, d.h. Spieler aus dem jeweiligen Land des Klubs, sowie z.T. auch Exoten aus Asien oder Südamerika. „Die Liga selbst wird durch die Verpflichtung von Spielern aus allen Teilen der Welt ihrem Anspruch gerecht, American Football rund um den Globus zu verbreiten.“[108] Selbst Quereinsteiger wie die ehemaligen Fußballprofis Manfred Burgsmüller (Rhein Fire) und Axel Kruse (Thunder) konnten sich einen Platz als Kicker in der NFLE erkämpfen. Damit in Zukunft mehr einheimische Spieler in den NFLE-Teams stehen, arbeitet die NFL gezielt mit deutschen Verbänden und Organisationen zusammen, so dass mehr Talente gefördert werden können. „National Heroes“ sollen in Zukunft dafür sorgen, dass sich noch mehr Zuschauer für den Sport interessieren.[109] Über die Zusammenstellung der 43-köpfigen Kader bestimmen nicht nur die Manager der Klubs, sondern auch die NFL-Zentrale in New York, die die Spielerverpflichtungen steuert und kontrolliert.[110] Die Zusammenstellung der Teams ist häufig ein buntes Durcheinander aus Spielern mit unterschiedlicher Erfahrung und Stärke. Ob die Spieler miteinander harmonieren, kann oft erst Mitte der Saison festgestellt werden. So verkommt der sportliche Erfolg oft zur Glückssache, Titelchancen für die einzelnen Klubs können vor der Saison nur selten prognostiziert werden, gerade auch weil die deutschen Medienvertreter mit den meisten Spielernamen nichts anzufangen wissen.

Bevor die Saison im März startet, treffen sich die Spieler aller Teams zum Trainingslager in Orlando/Florida. Innerhalb kürzester Zeit haben die Trainer die schwierige Aufgabe, aus einer zusammen gewürfelten Truppe eine Einheit zu formen. Dabei werden nach dem vierwöchigen Trainingscamp pro Team etwa 20 Spieler von der Liste gestrichen, die es nicht in die Auswahl geschafft haben. Für die Kandidaten ist der psychische und physische Druck ernorm, immerhin geht es im Trainingslager und auch während der NFLE-Saison um eine Anstellung in der NFL und somit um viele Millionen Dollar.[111] Durch die gestiegenen Chancen, es in die NFL zuschaffen, ist auch das Spielniveau in den letzten Jahren enorm gestiegen. Das Gehalt der Spieler ist festgelegt und liegt zwischen 20.000 (Quarterback) und 10.000 Dollar (Kicker). Verglichen mit den Millionen-Verträgen der NFL sind diese Summen zwar nur Peanuts, allerdings lässt ein Engagement in der NFLE auf einen NFL-Vertrag hoffen, so dass der Anreiz durchaus hoch ist, in der europäischen Liga zu spielen. Direkte Verbindungen zwischen einzelnen NFL- und NFLE-Teams gibt es nicht, die europäischen Mannschaften sind also keine so genannten Farmteams, wie es sie z.B. in der MLB gibt. Während die anderen Major Leagues es geschafft haben, ausländische Spieler in ihre Teams zu integrieren[112], mangelt es der NFL noch an internationalem Flair. Die einzigen beiden deutschen Spieler, die es je in einen NFL-Kader geschafft haben, sind Tom Nütten[113] und Constantin Ritzmann[114]. Auch Christian Mohr unterzeichnete einen NFL-Vertrag bei den Seattle Seahawks[115], allerdings wurde er dort nie eingesetzt, so dass er zurück in die NFLE gekehrt ist.[116]

3.3.3 Talentförderung und Entwicklungshilfe der NFLE

Um auch den europäischen Profis und Amateuren eine Perspektive zu bieten, fördert die NFL groß angelegte Kennenlern-Programme an europäischen Schulen bis hin zur Vermittlung von Talenten an High Schools oder Universitäten in den USA.[117] Alle Maßnahmen zur Nachwuchsförderung fasst die NFL unter dem Titel „Grass Roots & Football Development“ zusammen. Hierzu möchte ich ein paar Beispiele auflisten, um darzustellen, inwieweit die NFLE nicht nur den Profisport fördert, sondern auch daran interessiert ist, die Basis zu stärken und den europäischen Markt an American Football heranzuführen.

- 2004 gab die Deutsche Sporthochschule Köln bekannt, mit der NFLE eine langfristige Kooperation einzugehen.[118]
- Auf Einladung der NFLE fand auf dem Gelände der DSHS ein Sichtungslehrgang (National Camp) mit 85 europäischen Spielern[119] statt, das auch von den NFLE-Coaches besucht wurde.
- Flag Football[120], eine dem American Football verwandte, aber kontaktlose Sportart, wurde ins Lehrangebot der DSHS aufgenommen. Seit dem Wintersemester 2005/06 wird ebenso Tackle Football angeboten, Ausrüstung und Dozenten stellt die NFLE.[121]
- Während der NFLE-Heimspiele werden die Schulmeisterschaften im Flag Football ausgetragen. Das Siegerteam aus Deutschland durfte sogar zur Weltmeisterschaft nach Peking reisen. Die Flag Football Weltmeisterschaft findet dieses Jahr in Köln statt.[122]
- Spieler der NFLE-Klubs besuchen Schulen im Rahmen des Programms „Team meets school“.[123] Im Englisch- oder Sportunterricht berichten die Akteure von ihren Erfahrungen als Football-Spieler.[124]
- Im November 2004 hat der American Football Verband Nordrhein-Westfalen das Schul-Flag-Footballprogramm der NFLE übernommen.[125] Die Cologne Centurions unterstützen diese Aktion und bieten u.a. Lehrerfortbildungen und die Organisation von Flag-Football-Turnieren. So soll die Sportart Flag Football schrittweise ins Sportunterrichtskonzept der Schulen integriert werden. Die Centurions betreuen über 600 Schulen in Nordrhein-Westfalen. Über 750 Lehrer werden jährlich ausgebildet.
- In Kooperation mit dem US-Football-Verband wirbt die NFL für die Vermittlung von Schülern und Studenten, die an amerikanischen Schulen und Universitäten Football spielen möchten.[126]
- Teilnahme der NFL am Sportökonomie-Kongress in Köln 2004. NFLE-Vizepräsident Alistair Kirkwood hielt einen Vortrag über die Marketingstrategien der Liga und die Zukunft des American Football in Europa.[127]
- Durchführung von Jugendcamps für Nachwuchsspieler im Alter von 14 bis 16 Jahre („Junior Player Development“).[128] Auch in Köln wurde im August 2005 ein fünftägiges Camp für 60 Jugendliche durchgeführt.[129]

Das Logo der Sportart Flag Football in Deutschland verdeutlicht die Initiative der NFL, da das Markenzeichen der US-Liga integriert wurde:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Flag Football Logo[130]

4. Die Entwicklung von American Football in Deutschland

„Kaum organisiert, mit viel Improvisation und teils abenteuerlichen Ausrüstungen liefen die Jungs aufs Feld. Und damit es wenigstens ein bisschen wie Football aussah, kam bei den deutschen Football-Pionieren auch ein Mofa- oder Baustellen-Helm zu ungeahnter Verwendung.“

Gerald Meier[131]

Während American Football in Amerika neben Baseball und Basketball Volkssport ist, fristet der Sport in Deutschland trotz der zuletzt positiven Entwicklung ein Schattendasein. Bis Ende der 70er war American Football hierzulande praktisch nicht vorhanden, weder als Breiten-, noch als Trend- oder Zuschauersport. Auch sind die Anfänge des Footballs in Deutschland nicht als Folge amerikanischer Marketingstrategien oder politischer Maßnahmen einzustufen, selbst wenn die Militärpräsenz als Initiator des Spiels gewesen gilt. „Die Einführung des American Football war vielmehr das Resultat von Zufälligkeiten und privater Initiativen.“[132]

Zum ersten Mal wurde American Football auf deutschem Boden nach dem Ende des Ersten Weltkriegs gespielt, allerdings noch ohne deutsche Beteiligung. Stationierte US-Soldaten gründeten eine eigene Liga mit neun Mannschaften[133], die 1949 sogar auf 30 Mannschaften (davon zwei aus Österreich) ausgebaut wurde, 1951 kamen noch Teams aus Frankreich und England hinzu. Das Endspiel der US-Militärteams nannte sich „Vittles Bowl“[134], das Endspiel 1949 zwischen den Rhine-Main Rockets und der 14th Armd Cav Red Raiders verfolgten 35.000 Zuschauer.[135] Allerdings sank die Zahl der Interessierten von Jahr zu Jahr, so dass der Vittles Bowl nach der dritten Auflage eingestellt wurde.

Danach passierte erst einmal wenig. „Bestens trainierte und hervorragend ausgestattete Militärmannschaften traten (…) untereinander an. Die Deutschen waren im wahrsten Sinne des Wortes Zaungäste – und es sollte noch ein paar Jahrzehnte dauern bis aus dem verlorenen Zuschauer-Häuflein eine starke Bewegung wurde.“[136]

Der erste große Schritt gelang 1977, als Alexander Sperber und Wolfgang Lenheis, die als Austauschstudenten in den USA Football gespielt hatten, in Frankfurt den ersten deutschen American-Football-Club „Die Löwen“ gründeten. Im Oktober 1978 trugen die Frankfurt Löwen[137] gegen eine Auswahl von US-Soldaten (Kitzingen Colts) ihr erstes offizielles Spiel aus. Um gegen eine andere deutsche Mannschaft zu spielen, gab es noch nicht genügend einheimische Spieler. Selbst bei den Löwen mussten Amerikaner aushelfen, es entwickelte sich ein „deutsch-amerikanisches Freundschaftsprojekt“.[138]

Die Initiative der Frankfurter löste eine Welle an weiteren Vereinsgründungen aus. Mit den Düsseldorf Panthers, Munich Cowboys, Ansbach Grizzlies, Bremerhaven Seahawks und den Berliner Bären (später Adler) wurden weitere Klubs gegründet. Diese sechs Teams schlossen sich am 3. März 1979 zum American Football Bund Deutschland (AFBD) zusammen. Die Entstehung der Vereine resultierte meist aus Zusammenschlüssen mit amerikanischen Soldaten, weshalb die ersten Teams auch dort gegründet wurden, wo sich US-Garnisonen befanden. Zwar gingen die Vereinsgründungen von den Deutschen aus, doch ohne die Hilfestellung der Amerikaner hätte es wohl noch länger gedauert, bis American Football sich verbreitet hätte. Die Begeisterung in Deutschland entstand durch Erfahrungen während USA-Reisen oder über die Berichterstattung des amerikanischen Soldatensenders AFN.[139] Im Unterschied zur Strategie der NFL Europe war „Football zunächst auf nichtkommerziellem Wege nach Deutschland gekommen und wurde von den deutschen Teilnehmern in traditionelle Sportstrukturen angepasst.“[140]

Das erste offizielle Punktspiel zwischen zwei deutschen Teams fand am 4. August 1979 zwischen den Düsseldorf Panthers und den Frankfurter Löwen statt (Endstand: 0:38), 4.400 neugierige Beobachter waren bei der Premiere dabei. Doch bereits nach einer Saison kam es zu Unstimmigkeiten zwischen den Klubs. Da man sich nicht über die Anzahl an zugelassenen Amerikanern pro Team einigen konnte, traten die Panthers aus und gründeten den American Football Verband Deutschland[141] (AFVD), dem sich sieben weitere neue Vereine anschlossen (u.a. die Cologne Crocodiles). In den folgenden zwei Jahren wurden die Spielbetriebe getrennt ausgeführt, bevor sich 1982 der AFVD nach der Auflösung des AFBD als Dachverband durchsetzte. Ein Jahr später wurden die Landesverbände eingeführt. 1992 wurde der AFVD vom Deutschen Sportbund (DSB) aufgenommen.

In der Folgezeit reduzierte der AFVD die Anzahl der eingesetzten Amerikaner von Jahr zu Jahr. So können seit 1989 nur noch zwei US-Akteure gleichzeitig eingesetzt werden, im gesamten Kader dürfen insgesamt nur acht Amerikaner stehen. Teams, die ihren Spielbetrieb gerade durch die Einbindung von Soldaten aus US-Kasernen aufrechterhalten konnten, mussten sich aufgrund dieser Einschränkungen auflösen oder verschwanden in unteren Ligen.[142]

[...]


[1] vgl. BILD Köln, 1. März 2006, S. 10

[2] vgl. www.stadt-koeln.de/imperia/md/content/pdfdateien/aktionen-stadtinitiativ/leitbild/15.pdf, S. 8, 34

[3] Zahlen von 2004, vgl. www.stadt-koeln.de/zahlen/bevoelkerung/artikel/04600/index.html

[4] Nach Berlin (3,5 Millionen Einwohner) ist Köln der zweitgrößte BBL-Standort. Frankfurt (Deutsche Bank Skyliners) ist mit 625.206 Einwohnern die einzige weitere Großstadt in der Liga, der kleinste Teilnehmer ist Quakenbrück (Artland Dragons) mit 12.642 Einwohnern. In der NFL Europe sind Berlin und Hamburg vor Köln die größten Orte, wobei im Gegensatz zur BBL in der NFL Europe ausschließlich Großstädte aktiv sind.

[5] Meldung 2/2006, vgl. www.koeln.de/tourismus/koelntourismus/cms/artikel.php/10/881/artikel.html

[6] Da Köln mit dem RheinEnergie Stadion auch zu den Austragungsorten der Fußball-WM 2006 gehört (vier Vorrundenspiele und ein Achtelfinale), dürfte dieser positive Trend in diesem Jahr noch weiter geführt werden. Dazu kommt 2007 die Handball-WM, u.a. wird das Finale in der Kölnarena stattfinden. 2010 ist die Stadt außerdem Ausrichter der Homosexuellen-Olympiade mit etwa 12.000 Teilnehmern. Eine Olympia-Bewerbung „Rhein-Ruhr“ für 2012 mit Köln als einer der Hauptaustragungsorte blieb leider erfolglos.

[7] vgl. www.koeln.de/tourismus/koelntourismus/cms/artikel.php/10/881/artikel.html

[8] www.koeln.de/tourismus/koelntourismus/cms/artikel.php/10/881/artikel.html

[9] Wie wichtig der Sport und auch das RheinEnergie Stadion (Heimat des 1. FC und der Centurions) für die Stadt Köln ist, zeigt die Tatsache, dass auf der Internationalen Messe für Reise und Touristik in Berlin 2006 das Stadion-Modell das Aushängeschild der Kölner Präsentation gewesen ist. Die Stadt bekam für ihren Auftritt den Preis für den schönsten Stand der Messe, vgl. www.blueweiser.de/Redaktion/artikel/editing_blocks/arth.asp?ART_ID=539

[10] vgl. www.stadt-koeln.de/fifawm2006/presse/downloads/sportstadt.pdf

[11] 11Freunde, 5/2006, S. 33

[12] Selbst in der Zweitligasaison 2004/05 kamen im Schnitt 38.500 Fans ins Stadion.

[13] Die 117,5 Millionen beziehen sich nur auf das Stadion, also ohne Infrastrukturmaßnahmen.

[14] vgl. www.bundesliga.de/liga/statistik/verein.php (Stand: 19. April 2006)

[15] Overath, in: 11Freunde, 5/2006, S. 42

[16] FC-Jahrbuch 2004/05, S. 146

[17] ZILS (2005), S. 12-13

[18] Horizont Sport Business, 3/2005, S. 14/15

[19] Dr. Manfred Schubert ist Dozent für Sportmarketing und Management an der DSHS Köln.

[20] vgl. Sponsors, 11/2005, S. 11

[21] vgl. Swieter (2002), S. 30

[22] Cachy/Wagner/Riedl/Thiel (2005), in: Breuer/Thiel (Hrsg.), S. 261

[23] vgl. Heinemann (1995), S. 179

[24] Hansen/Gauthier (1989), S. 25

[25] vgl. Schumann (2005), S. 40-58

[26] Hermanns/Riedmüller (2001), S. 70

[27] vgl. Interview mit Karsten Meier, 13. März 2006

[28] vgl. Hartmann (2004), S. 58/59

[29] vgl. Hartmann (2004), S. 59

[30] vgl. Schabelon (2004), S. 83

[31] vgl. Sloan (1984), in: Heinemann (Hrsg.): S. 139

[32] Meier (2000), S. 10

[33] Das Rugby-Spiel hat seinen Ursprung in der englischen Stadt Rugby, in der 1823 ein frustrierter Fußballspieler den Ball regelwidrig unter den Arm nahm und mit ihm über das ganze Feld bis ins gegnerische Tor lief. Auch wenn es ein klarer Regelverstoß gewesen ist, wurde dieses Element fortan weiter entwickelt, vgl. Hallen (1987), S. 11

[34] Falk (2005), S.7

[35] vgl. Meier (2000), S. 10

[36] vgl. Plassmann (1995), S. 12

[37] vgl. Lehmann (2002), S. 12

[38] vgl. Lehmann (2002), S. 12

[39] vgl. Auerbach/Goslar/Hoch (1992), S. 83

[40] vgl. Meier (2000), S. 11

[41] Ross (2005), S. 3

[42] Plassmann (1995), S. 26

[43] vgl. Meier (2000), S. 19

[44] vgl. Plassmann (1995), S. 26

[45] Das Draft-System wurde später auch von den anderen Major Leagues (NBA, MLB, NHL) übernommen. Beim Draft werden nach einer vorher festgelegten Reihenfolge Spieler von Universitäten verpflichtet, die schlechtesten Team dürfen zuerst wählen, so bleibt die Spielstärke und Attraktivität der Teams im Gleichgewicht.

[46] vgl. Auerbach/Goslar/Hoch (1992), S. 86

[47] vgl. www.kenn.com/sports/football/nfl

[48] Meier (2000), S. 28

[49] Alleine durch den Verkauf von Lizenzen konnte NFL-Properties im Jahr 1993 etwa 2,5 Milliarden Dollar umsetzen, der Nettogewinn lag bei ca. 160 Millionen, vgl. Plassmann (1995), S. 202

[50] vgl. Auerbach/Goslar/Hoch (1992), S. 91

[51] vgl. www.forbes.com/2005/08/31/football-valuations-charts_05nfl.html?index=1

[52] vgl. Meier (2000), S. 30

[53] vgl. www.money.cnn.com/2005/01/20/news/fortune500/superbowl_ads

[54] Eine Übersicht der Einschaltquoten zum Super Bowl gibt es unter www.quotenmeter.de/index.php?newsid=9941

[55] vgl. www.tickco.com/xml/Tickets.asp?pid=312939

[56] vgl. www.kenn.com/sports/football/ncaa

[57] vgl. www.colognecenturions.de/template_content_zoom.php4?contentId=1672

[58] Breitweiser (1997) kritisiert den ungünstigen Zeitpunkt zur Gründung der World League, denn gleichzeitig begann der von den USA initiierte Golfkrieg

[59] Ex-Präsident des NFL-Klubs Dallas Cowboys

[60] vgl. Heyne (1998), in: Trosien (Hrsg.), S. 75/76. Eine Zusammenarbeit zwischen der NFL und dem AFVD gab es erst später (siehe Kapitel 4.3)

[61] vgl. Breitweiser (1997), S. 9

[62] vgl. www.geocities.com/Colosseum/1871/teams.html

[63] vgl. Breitweiser (1997), S. 11

[64] vgl. Meier (2000), S. 60

[65] Happer in: Sport BILD, 30. März 2005, S. 55

[66] Wojciechowski (2005), in: Bauer (Hrsg.), S. 8

[67] vgl. Orthen, in: Kölner Stadt-Anzeiger, 11. März 2004, S. 24

[68] LePoint, in: Sponsors 3/2005, S. 27

[69] Nicht nur in Europa, sondern vor allem in den USA

[70] Offiziell wurde die World League erst im Januar 1998 in NFL Europe umbenannt. Dadurch wurde zum einen die Zugehörigkeit zur NFL dokumentiert, außerdem beschränkte sich der Ligabetrieb ja nur auf den europäischen Kontinent. (Wenn in dieser Arbeit von der NFLE die Rede ist, ist die Zeit ab 1995 zu verstehen, die World League meint in meinen Ausführungen nur die beiden Jahre vor der Pause.)

[71] 2003 und 2004 musste Rhein Fire die Heimspiele in der Gelsenkirchener Arena „AufSchalke“ austragen, weil das Düsseldorfer Rheinstadion abgerissen und als LTU Arena neu gebaut wurde.

[72] Die Erfolgsgeschichte von Frankfurt Galaxy hat Andreas Breitweiser (1997) in etwas reißerischer Form ausführlich dokumentiert. In dem Buch wird ebenfalls die Fankultur rund um die NFLE-Spiele beschrieben.

[73] NFLEL Fact Book 2005, S. 107

[74] vgl. www.frankfurt-galaxy.de/HTMLNEU/index.php4?ziel=history/team

[75] Breitweiser merkt an, dass durch die unterschiedliche Zählweise der Punkte sogar der Eindruck entstehen könnte, dass beim American Football mehr passiert als beim Fußball und sieht darin einen großen Vorteil. 1995 hatte die WL sogar versucht, die Defense-Aktionen einzuschränken, um höhere Spielergebnisse zu erzwingen. „Während Frankfurts Fußballer oft mit einem langweiligen 0:0 vom Spielfeld gehen, hagelt es bei ihren eitragenden Kollegen viel schneller Punkte. Ergebnisse wie 28:13 klingen viel spannender und lassen auf mehr Spielgeschehen schließen.“ Breitweiser (1997), S. 33

[76] Auerbach/Goslar/Hoch (1992), S. 155

[77] vgl. Breitweiser (1997), S. 58

[78] vgl. Süddeutsche Zeitung, 3. April 2004, S. 40

[79] Allerdings wurde die Nachwuchsabteilung der Claymores weiter geführt, um ggf. neue Talente zu sichten und fördern, vgl. www.colognecenturions.de/template_content_zoom.php4?contentId=1249&preview=archiv. Dass das Kapitel American Football in Schottland nicht komplett geschlossen wurde, zeigt auch die noch existierende Website des Teams: „The Claymores might be gone, but their legacy of getting kids to see professional football live in their own country and introducing the sport to schools hasn’t just disappeared.”, vgl. www.claymores.co.uk/sga.php

[80] www.football101.de/article2203.html

[81] vgl. Süddeutsche Zeitung, 3. April 2004, S. 40

[82] vgl. Sponsors, 12/2004, S. 40

[83] vgl. www.nfleurope.com

[84] vgl. Die Welt, 4. November 2003, www.welt.de/data/2003/11/04/192153.html

[85] vgl. LePoint, in: Sponsors, 3/2005, S. 26/27

[86] vgl. Happer, in: Huddle, 31.März 2005, S. 3

[87] vgl. Luck, in: Sponsors, 6/98, S. 38

[88] vgl. Huddle, 31. März 2005, S. 7

[89] „Auf Leipzig hat die Liga schon länger ein Auge geworfen. Dort gibt es zwar ein hochmodernes Stadion, aber keinen Nutzer, der es annähernd füllen könnte“, vgl. www.abendblatt.de/daten/2006/04/20/554617.html

[90] Die 9.664 Zuschauer beziehen sich auf die Scottish Claymores, die 2004 noch den Platz der Hamburg Sea Devils eingenommen hatten. Die Sea Devils absolvierten ihre erste Saison 2005.

[91] vgl. Huddle, 16. Juni 2005, S. 10

[92] vgl. www.fireplanet.de/schedule/zuschauer.htm

[93] vgl. www.colognecenturions.de/template_content_zoom.php4?contentId=2397

[94] vgl. www.nfle-magazin.de/news13102005d.htm

[95] Die Seite www.nfleurope.de (statt der Domain .com) führt zu www.football-fan.de, einer unabhängigen Fanseite. Eine deutsche Version von www.nfleurope.com gibt es also nicht.

[96] Erst in jüngster Vergangenheit wurden auch in Deutschland aus wirtschaftlichen Gründen Klubs in die Erste Liga aufgenommen (z.B. RheinEnergie Köln, siehe Kapitel 9) oder Umzüge gestattet (von München nach Hamburg in der Eishockey-Liga DEL).

[97] Ein gemeinnütziges Vereinswesen, das den Breitensport regelt, existiert in den USA nicht. Die Ausbildung von Sportlern erfolgt über die Universitäten. Major-League-Teams müssen als nicht selbst in den Nachwuchs investieren, sondern bekommen von den Unis „fertige“ Spieler.

[98] vgl. Franck (2000), in: Jaeger/Stier (Hrsg.), S. 34

[99] Franck (2002), in Albach (Hrsg.), S. 24

[100] vgl. Sponsors, 11/2005, S. 34

[101] www.colognecenturions.de/template_content_zoom.php4?contentId=1924

[102] Alleine durch die Begeisterung des American Bowls in London und die Fernsehübertragungen der NFL konnte die Liga ihre Merchandise-Umsätze in Großbritannien von nahezu null auf 50 Millionen Dollar steigern, vgl. Dzikus (2004), in Deutscher Sportbund (Hrsg.), S. 55

[103] NFLEL Fact Book 2005, S. 9

[104] Cologne Centurions, Imagebroschüre 2006

[105] LePoint, in: Sponsors 3/2005, S. 28

[106] Peterson in: www.morgenpost.berlin1.de/content/2005/10/06/sport/783978.html

[107] vgl. www.colognecenturions.de/template_content_zoom.php4?contentId=1326&preview=archiv

[108] Meier (2000), S. 65

[109] vgl. LePoint, in: Sponsors 3/2005, S. 28

[110] vgl. Meier (2000), S. 62

[111] vgl. Kölner Stadt-Anzeiger, 16. März 2004, S. 16

[112] Viele MLB-Spieler kommen aus Süd- und Mittelamerika, die NHL wird von Osteuropäern, Kanadiern und Skandinaviern dominiert, die International-Player der NBA verteilen sich sogar über den gesamten Globus.

[113] www.nflplayers.com/players/player.aspx?id=22490

[114] www.nfl.com/players/playerpage/493710

[115] vgl. www.nfleurope.com/teams/story/NAT/8095078

[116] vgl. www.nfleurope.com/players/playerpage/1033

[117] vgl. Meier (2000), S. 62

[118] DSHS-Rektor Walter Tokarski wurde extra nach Tampa/Florida eingeflogen, um Details der Kooperation zu besprechen, vgl. DSHS Kurier, 6. April 2004 und www.dshs-koeln.de/pressestelle/Meldungen/2004/pm78.htm

[119] Darunter auch drei Spieler mit Kölner Wurzeln, vgl. www.cologne-centurions.de/template_content_zoom.php4?contentId=1943

[120] Die Regeln des Flag Football, wie sie von der NFL vermittelt werden, findet man unter www.berlin-thunder.de/imgs/docs/d0011.pdf. Die Regeln des AFVD können unter www.afvd.de/download/AFVD_Flagregeln_2005.pdf abgerufen werden.

[121] Dazu erklärt Tony Allen (Director of Game Development der NFLE): „(…), dass jetzt Studenten neben dem Flag Football auch Tackle Football erlernen, ist ein weiterer, logischer Schritt hin zur Etablierung des American Footballs in der europäischen Sportkultur.“ vgl. www.colognecenturions.de/template_content_zoom.php4?contentId=1928

[122] vgl. www.colognecenturions.de/template_content_zoom.php4?contentId=2422&preview=

[123] vgl. www.play-football.net/de/flag/registrations/schulbesuche.php

[124] „Bei diesem Austausch lernen übrigens nicht nur die Schüler etwas über das Leben in Amerika, sondern auch die Spieler viel über die kölsche Kultur und Lebensart.“, Imagebroschüre Cologne Centurions 2006, S. 21. Ein interessantes Video über das Programm „Team meets School“ findet man unter

www.colognecenturions.de/template_ctv.php4?video=team_meets_school512K_Stream.wmv

[125] vgl. www.colognecenturions.de/template_content_zoom.php4?contentGroup=2_8_5&bg=3

[126] vgl. www.play-football.net/de/news/details.php?id=830

[127] vgl. Huddle, 8. Dezember 2004

[128] vgl. www.play-football.net/BvL/PDF%20Dateien/jpd6s061.pdf und

www.colognecenturions.de/global/dbbin/jpd6s06.pdf

[129] vgl. www.colognecenturions.de/template_content_zoom.php4?contentId=1844

[130] Quelle: www.play-football.net

[131] Meier (2000), S. 122

[132] Dzikus (2004), in: Deutscher Sportbund (Hrsg.), S 53

[133] vgl. Koralewski (1993), S. 13

[134] Vittles = Esswaren, Proviant (vgl. Übersetzung unter www.leo.org), die Zuschauereinnahmen wurden einem wohltätigen Zweck gespendet.

[135] vgl. Ross (2000), S. 20/21

[136] Meier (2000), S. 122

[137] Nicht zu verwechseln mit dem Eishockey-Klub Frankfurt Lions

[138] vgl. Auerbach/Goslar/Hoch (1992), S. 131

[139] vgl. Koralewski (1993), S. 14

[140] Dzikus (2004), in: Deutscher Sportbund (Hrsg.), S. 61

[141] Seit 2003 ist die Cheerleader Vereinigung Deutschland ebenfalls dem AFVD untergeordnet, vgl. www.c-v-d.de

[142] z.B. die Frankfurter Löwen (Meister 1979, 1980) und Ansbach Grizzlies (Meister 1981, 1982, 1985). Die Löwen brachen aber auch auseinander, weil sich Vereinsmitglieder nicht über die strategische Zukunftsplanung des Klubs einig werden konnten. Ein Teil der Spieler gründete die Frankfurt Gamblers, der Rest wechselte zu den Bad Homburg Falken, vgl. Auerbach/Goslar/Hoch (1992), S. 132

Details

Seiten
131
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638583794
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v65989
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Institut für Sportwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Bedeutung Tradition Kommerzialisierung Beispiel Cologne Centurions RheinEnergie Köln

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Titel: Die Bedeutung von Tradition und Kommerzialisierung am Beispiel der Cologne Centurions und RheinEnergie Köln