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Case Management in der Kinder- und Jugendhilfe. Die praktische Umsetzung von Case Management in einer Familienorientierten Wohngruppe

Vordiplomarbeit 2005 40 Seiten

Gesundheit - Pflegewissenschaft - Pflegemanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
Begründung der Themenwahl und Ziele

2 Case Management in der Literatur – Ablauf und Phasen
2.1 „outreach“ – Vorabklärung
2.2 „assessment“ – Einschätzung und Bedarfsklärung
2.3 „planning“ – Zielvereinbarung und Hilfeplanung
2.4 „intervention“ – Durchführung
2.5 „monitoring“ – Kontrolle und Überwachung
2.6 „evaluation“ – Bewertung und Auswertung
2.7 „disengagement“ – Entpflichtung

3. Verfahren des Case Managements am Fallbeispiel
3.1 Kurzvorstellung der Einrichtung –
„Familienorientierte Wohngruppe“
3.2 Ablauf des Case Management am Fallbeispiel
3.2.1 „outreach“ – Vorabklärung
3.2.2 „assessment“ – Einschätzung und Bedarfsklärung
3.2.3 „planning“ – Zielvereinbarung und Hilfeplanung
3.2.4 „intervention“ – Durchführung
3.2.5 „monitoring“ – Kontrolle und Überwachung
3.2.6 „evaluation“ – Bewertung und Auswertung
3.3 zyklische Wiederholungen der Phasen

4. Reflexion und alternatives Vorgehen
4.1 Reflexion positiver Aspekte
4.2 Reflexion veränderbarer Aspekte
4.3 Abschließende Bemerkung

5. Quellenverzeichnis und Abkürzungsverzeichnis

6. Anhang
6.1 Vorbereitung zum Hilfeplangespräch
6.2 Formular zur Erziehungsplanung
6.3 Formular – Krankenkartei
6.4 Formular – Bekleidungskartei
6.5 Besuchs- und Tagesbeurlaubungsplan

7. Eidesstattliche Erklärung

1 Einleitung

Begründung der Themenwahl und Ziele

Im Rahmen der Vorlesung „Soziale Einzelhilfe“ des Bereiches Sozialarbeit/Sozialpädagogik habe ich mit anderen Kommilitonen ein Referat über das Thema „Case Management“ gehalten. Dieses Thema fand ich sehr interessant. Natürlich kannte ich das Hilfeplanverfahren in der Kinder- und Jugendhilfe schon aus meinen Praxisphasen. Bis dahin wusste ich aber noch nicht, dass es für den gesamten Hilfeprozess theoretische Grundlagen und fundierte Literatur für dieses Verfahren gibt. Nachdem ich durch das Referat mehr zum Case Management erfahren hatte, nahm ich die Abläufe zum Hilfegeschehen eines Klienten meiner Praxiseinrichtung bewusst wahr. Nun interessierte es mich, wie genau das theoretische Basiswissen auf die Praxis übertragbar ist und inwieweit sich Theorie und Praxis überschneiden.

Anfang des dritten Semesters der Praxisphase nahm die Einrichtung zwei Kinder auf. Zuerst sollte ich gemeinsam mit einem Kollegen die Kinder als Bezugserzieher betreuen. Später ergab sich, dass ich für beide Kinder der Ansprechpartner und alleinige Bezugserzieher bin. In meinen Theoriephasen wurden die Kinder von einer Kollegin weiter betreut. Da ich nun die Rolle der Bezugserzieherin übernahm, ergaben sich für mich mehrere Aufgaben, die ich bis dahin noch nicht selbst ausgeführt hatte. Und als Bezugserzieherin identifiziert man sich teilweise mit der Rolle und den Funktionen eines Casemanagers. Somit ergab sich die optimale Gelegenheit, mein theoretisches Wissen aus dem Studium auf die Praxis zu übertragen.

Die Ziele des Reflexionsberichtes sind nun vielseitig. Vor allem möchte ich anhand des Fallbeispiels meine Tätigkeiten in der Einrichtung aufzeigen und meine gewonnenen pädagogischen Fähigkeiten darstellen. Das Fallbeispiel, mein Einsatz als Bezugserzieherin im dritten und vierten Semester und dessen Beschreibung, in Bezug auf den Hilfeprozess nehmen den größeren Teil des Berichtes ein. Anfangs möchte ich das theoretische Wissen mit Hilfe von Literatur zum Thema Case Management aufzeigen, insbesondere werde ich die Phasen des Verfahrens, wie sie in der Fachliteratur optimal beschrieben werden, darstellen. Anschließend beschreibe und stelle ich dar, anhand eines Fallbeispiels aus der Familienorientierten Wohngruppe, wie meine Tätigkeit als Bezugserzieher aussieht. Ich möchte den gesamten realen Hilfeprozess in einzelne Aspekte aufspalten und diese richtig in die Phasen des Case Managements einordnen bzw. zuordnen. Zum Schluss werde ich mein Handeln in Bezug auf den Hilfeprozess des Fallbeispiels reflektieren und mit der Theorie abgleichen. Aufgrund dieser Analyse möchte ich herausfinden, inwieweit die Theorie auf die Praxis übertragbar ist bzw. wo die Schnittstellen liegen, um dem dualen System des Studiums gerecht zu werden. In der Reflexion möchte ich näher auf das Hilfeverfahren eingehen und herausfinden, was an meiner Hilfeprozessbegleitung gut war und so weitergeführt werden kann und welche Handlungen zum Positiven veränderbar sind.

Die Namen der Personen, die in den Hilfeprozess des Fallbeispiels integriert sind, wurden aus Gründen des Datenschutzes von mir geändert.

2 Case Management in der Literatur - Ablauf und Phasen

Case Management besteht aus mehreren Teilschritten, die jedoch immer im Zusammenhang zueinander stehen und so auch gesehen werden sollten. Sobald eine Phase des gesamten Prozesses fehlt, kann es nicht mehr als Case Management in diesem Sinn angesehen werden. Da Case Management in verschiedenen humandienstlichen Arbeitsfeldern angewandt wird, gibt es Differenzen in der Verfahrensweise. Case Management wird vorwiegend im gesundheitlichen, pflegerischen und sozialen Sektor als Vorgehensweise in der Einzelfallhilfe genutzt.

Es besteht eine Einheitlichkeit über die Kernfunktion bzw. den Kernablauf. Die einzelnen Phasen laufen nacheinander, in zyklischer Reihenfolge ab. Um den komplexen Lebenssituationen der Klienten gerecht zu werden, können die Phasen auch teilweise parallel verlaufen oder es gibt Überschneidungen an einigen Stellen und Übergängen aufeinander folgender Phasen. Die Phasen werden in der Literatur nicht immer mit den gleichen Begriffen belegt.

Die am meisten angewandte Gliederung enthält fünf Hauptschritte, an denen noch eine Phase vorangestellt werden kann und eine zusätzliche Phase den Abschluss bildet. Die Stadien des Case Management lauten wie folgt:

outreach – eine Vorabklärung, ob für die Person die Dienstleistung nötig ist

(a) assessment – eine erste Einschätzung der Situation des Betroffenen
(b) planning – es werden Ziele vereinbart und es wird ein Hilfeplan aufgestellt
(c) intervention – Durchführung der Hilfemaßnahme
(d) monitoring – Kontrolle und Überwachung während der Durchführung
(e) evaluation – Bewertung und Auswertung

disengagement – Entpflichtung, Beendigung der Hilfe und auch Rechenschaftslegung

(Vgl. Case Management im Sozial- und Gesundheitswesen, Wolf Rainer Wendt, 2001, Lambertus-Verlag Freiburg im Breisgau, S. 96-99)

In den folgenden Abschnitten werden die einzelnen Phasen beschrieben und deren Funktionen erläutert.

2.1 „outreach“ – Vorabklärung

Outreach meint in diesem Sinne das aktive Sicherstrecken eines Dienstes, die Reichweite eines Dienstes mit dem Sinn der Erreichbarkeit und des Zugangs für den Nutzer. In dieser Phase werden potentielle Klienten ausfindig gemacht und sie werden ausgewählt. Es wird die Frage geklärt, ob der Klient an der richtigen Adresse ist und ob er berechtigt ist, die Hilfe bzw. Dienstleistung in Anspruch zu nehmen. Die Auslese der Klientel erfolgt im so genannten „intake“. Es umfasst die Anmeldung, die Erteilung von Auskünften und die Information über den Dienst oder die Einrichtung. Stellt sich heraus, dass der Klient die Dienstleistung bzw. Hilfe benötigt, verpflichten sich Casemanager und Klient (engagement). Es kommt durch das intake zur Fallaufnahme. Dem Klienten wird erläutert, was der eingeleitete Vorgang für ihn bedeuten kann. Es findet eine Beratung über die Hilfemaßnahme, den Ablauf und auch die folgenden Konsequenzen statt. Der Klient wird über die Aufgabe und Arbeitsweise der Institution informiert. Es werden während des Erstgesprächs auch Grenzen des Dienstes und des gesamten Managements aufgezeigt. Der Klient legt in dieser Phase sein Anliegen offen dar und äußert sich zu seiner Veranlassung. Die Fragen seitens des Helfers werden offen und allgemein gestellt bis hin zu gezielten Nachfragen. Somit werden die Ausgangslage und das Problem präzise erfasst. Zusätzlich werden die Rollen geklärt, die während der Hilfemaßnahme den Beteiligten zukommen. Dies ist sehr wichtig in der Kinder- und Jugendhilfe, wenn eine Fremdunterbringung eines Kindes gegen den Willen der Eltern erforderlich ist. Hier sollten sich die Beteiligten über den Charakter des Eingriffs keiner Enttäuschung hingeben. Das personenbezogene Engagement beginnt, wenn alle zuvor anstehenden Fragen geklärt sind. Es übernimmt ein Helfer diesen Fall und ist somit jederzeit der Ansprechpartner für den Hilfesuchenden.

(Vgl. Case Management im Sozial- und Gesundheitswesen, Wolf Rainer Wendt, 2001, Lambertus-Verlag Freiburg im Breisgau, S. 105-108)

2.2 „assessment“ – Einschätzung und Bedarfsklärung

In dieser Phase geht es um eine möglichst vollständige Erfassung und Beurteilung der Situation einer Person oder einer Familie. Die Situation des Klienten wird abgeklärt und genau beschrieben, um den Ist-Zustand zu analysieren und zu bewerten. Aus dem assessment ergibt sich die Schlussfolgerung, welcher Bedarf an Unterstützung vorliegt. Diese Einschätzung wird schriftlich fixiert und im weiteren Verlauf verwendet.

Bei der Einschätzung geht es um eine ganzheitliche und systemische Sichtweise. Der Klient wird nicht nur als einzelne Person gesehen, sondern es wird das soziale Umfeld mit einbezogen. Die Situation wird nach individuellen, familiären und umfeldbezogenen Faktoren analysiert und erfasst. Es werden sowohl Ressourcen ermittelt, die in der Person liegen, als auch Ressourcen, die in der Situation zu finden sind. Die biographischen Aspekte dürfen nicht außer Acht gelassen werden.

Beim Erfassen der individuellen Eigenschaften und sozialen Beziehungen, werden ganz bestimmte Punkte näher analysiert. Es werden körperliche und psychische Faktoren; kognitive und emotionale Eigenschaften; motorisch, willentliches Handeln und Verhalten; sozioökonomische, soziokulturelle und sozioökologische Bedingungen betrachtet.

Die sozialen Beziehungen, in denen der Klient steht, werden untersucht nach Gleichwertigkeit und Symmetrie, Wechselseitigkeit, Rollen und Funktionen, begrenzende und behindernde Machtkonstellationen sowie gerechte Verteilung der Ressourcen.

Außerdem werden Werte und Normen des Klienten erfasst. Hierbei gilt es herauszufinden, wie vom Klienten verschiedene Situationen bewertet werden, welche Wertvorstellungen er hat und welche Werte und Normen von ihm initialisiert wurden.

Gemeinsam mit dem Klienten werden Prognosen oder auch Perspektiven für die Zukunft aufgestellt.

Die Einschätzung erfolgt durch den Klienten selbst, durch die Beteiligten im Umfeld und durch die zuständige Fachkraft. Für die Dokumentation der gesamten Informationen während des assessments gibt es oft vorgedruckte Formulare in den Institutionen. In der Einzelfallhilfe werden zum Visualisieren der Systeme des Klienten vorwiegend das Genogramm, das Soziogramm und die Öko-Map verwendet.

(Vgl. Case Management, Soziale Arbeit mit Einzelnen und Familien, Manfred Neuffer, 2005, Juventa Verlag Weinheim und München, S. 66-82)

2.3 „planning“ – Zielvereinbarung und Hilfeplanung

Auf der Grundlage des festgestellten Bedarfs aus dem assessment sind für das weitere Vorgehen Ziele zu vereinbaren, die Mittel und Wege zu ihnen hin zu erörtern und Entscheidungen herbeizuführen. Hier gilt es wieder den Zusammenhang zwischen der fachlichen Unterstützung und der persönlichen Lebensgestaltung zu beachten. Eine langfristige Hilfeplanung ist der Lebensplanung des Klienten anzupassen.

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Details

Seiten
40
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638582711
Dateigröße
595 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v65781
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg Heidenheim, früher: Berufsakademie Heidenheim
Note
1,0
Schlagworte
Case Management Kinder- Jugendhilfe Umsetzung Familienorientierten Wohngruppe

Autor

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Titel: Case Management in der Kinder- und Jugendhilfe. Die praktische Umsetzung von Case Management in einer Familienorientierten Wohngruppe