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Zu: Irmgard Keuns "Gilgi – Eine von uns"

Hausarbeit 2004 16 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung:

2 Die Oberfläche des Romans – Text und Inhalt
2.1 Die erste Hälfte des Romans
2.2 Die zweite Hälfte des Romans

3 Hinter dem Roman – Biographischer Vergleich

4 In der Psyche des Romans – Von Freud und Fromm
4.1 Von Freud
4.2 Von Fromm

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung:

Ziel dieser Arbeit soll es sein die `Liebe´, wie sie in Irmgard Keuns Gilgi – Eine von uns beschrieben wird, zu untersuchen.

Als Grundlage dieser Arbeit dienen die Aufzeichnungen von Ingrid Marchelewitz über Gilgi – Eine von uns. Die Fragestellung dieser Arbeit bezieht sich auf den Satz von Marchelewitz: „Wenn (berufliche) Selbstständigkeit die Vorraussetzung für Liebe ist, Liebe aber gleichzeitig jede Selbstständigkeit verhindert oder zerstört, bedeutet das nichts anderes, als dass Liebe Liebe unmöglich macht!“ Herauszufinden worauf diese Liebe beruht und warum diese Liebe nicht funktioniert soll am Ende der Arbeit feststehen.

Um dies zu erreichen sind drei Untersuchungsebenen notwendig. Die erste Untersuchungsebene wird die Oberfläche des Romans berühren. Die zweite Ebene wird sich mit der Biographie der Autorin und mit dem Charakter Gilgi beschäftigen. Die dritte Ebene soll den größten Teil der Arbeit einnehmen und unter der Oberfläche des Romans Interpretationsansätze liefern. Diese werden mit den Aussagen von Sigmund Freud und Erich Fromm untermauert.

Im folgendem soll nun eine knappe inhaltliche Zusammenfassung der Arbeit gegeben werden um die Hauptaspekte zu definieren. Man kann den Roman in zwei Hälften trennen. Die erste Hälfte beschreibt Gilgis Angestellten-Ideologie und die zweite Hälfte beschäftigt sich fast ausschließlich mit der Liebe zu Martin. Daher werde ich hauptsächlich auf die zweite Hälfte des Romans näher eingehen. Hierbei soll zunächst die Textebene nüchtern dargestellt werden. Ich möchte also zeige wie sich die Liebe zwischen Martin und Gilgi entwickelt.

Im weiteren wird dann gezeigt wie eng der Charakter Gilgi mit Irmgard Keun verwachsen ist. Man wird sehen, dass in dieser zweiten Hälfte des Romans, die Biographie Gilgis zu der Biographie von Irmgard Keun passt. Diese Verschmelzung führt zu einem Distanzverlust zu den Charakteren.

Danach soll die Trieblehre Freuds auf den Charakter Gilgi bezogen werden. Hierbei geht es um die Sublimierung des Sexualtriebes, um mangelndes Selbstwertgefühl und um den Vater-Tochter-Komplex. Es soll auch die `abgöttische Liebe´ Gilgis zu Martin, wie sie bei Erich Fromm beschrieben wird, näher untersucht und bestätigt werden.

Zum Schluss werden alle drei Ebenen zusammengeführt und ein komplexes Ganzes soll entstehen.

Am Ende der Arbeit wird ein Fazit zeigen, ob es mir gelungen ist, diese Aspekte deutlich zu machen und ob Liebe wirklich Liebe unmöglich macht.

2 Die Oberfläche des Romans – Text und Inhalt

Um in die Tiefe des Romans zu gehen, sollte zuerst die Oberfläche behandelt werden. Hier werden erste Problemstellungen deutlich. Der Verlauf der Handlung wird themenbezogen zusammengefasst und dargestellt. Doch dies soll mehr als eine bloße Zusammenfassung sein. Es wird ein erster vorläufiger Kommentar zum Thema gegeben und es werden Schwerpunkte gesetzt.

2.1 Die erste Hälfte des Romans

In der ersten Hälfte des Romans wird die Angestellten-Ideologie Gilgis beschrieben. Darüber hinaus wird ihr Leben dargestellt, ihre Familienverhältnisse geklärt und Gilgis Bekanntenkreis vorgestellt. Dies sind alles psychologische Faktoren, welche Auswirkungen auf die spätere Entwicklung im Roman haben können.

Gilgis tägliches Leben ist klar eingeteilt und durchstrukturiert. Ihr kompletter Lebensinhalt ist ihre Arbeit als Stenotypistin. „Nein, sie hat keine Zeit zu verlieren, keine Minute. Sie will weiter, sie muss arbeiten. Ihr Tag ist vollgepfropft mit Arbeiten aller Arten. Eine drängt hart an die andere. [...] Arbeit. Ein hartes Wort. Gilgi liebt es um seine Härte willen.“[1]

Sie wohnt bei ihren `Eltern´ und führt ein bürgerliches Leben. Gilgi hat eine kleine Wohnung gemietet in der sie weitere Sprachen lernt. Vom Aufstehen bis zum Schlafen gehen ist ihr Tag geplant und das jeden Tag gleich. „Sie zittert ein bisschen und ist wie allmorgendlich ein bisschen stolz auf ihre bescheidene Tapferkeit und Selbstüberwindung. Tagesplan einhalten. Nicht abweichen vom System. Nicht schlapp machen. In der kleinsten Kleinigkeit nicht.“[2] Sie ist stolz auf ihre Unabhängigkeit und fühlt sich frei in den Zwängen der Gesellschaft. „Sie ist nicht zufrieden, aber froh. Sie verdient Geld.“[3]

Gilgis Uhrwerk wird zunächst leicht aus dem Takt gebracht als sie erfährt, dass ihre Eltern nicht ihre leiblichen Eltern sind, sondern nur ihre Adoptiv-Eltern. Das sie dies stört zeigt sie allerdings nicht. „Immer schön fest auf den Füßen stehen, ja nicht wackeln. Wenn weiter nichts ist. Ihr Gesicht ist gleichmütig, sie reagiert nach innen.“[4] Dieser Punkt könnte später noch einmal aufgegriffen werden, da man davon ausgehen kann, dass dies für die psychologische Interpretation sehr interessant sein wird.

Im weiteren Verlauf der Handlung wird beschrieben wie Gilgi ihre richtigen Eltern sucht. Gilgis hohes Engagement bei der Suche nach ihren Eltern ist ein weiteres Indiz dafür, dass sie nicht so souverän damit zu recht kommt wie sie es erscheinen lassen will.

2.2 Die zweite Hälfte des Romans

In der zweiten Hälfte des Romans steht die Beziehung zwischen Gisela Kron und Martin Bruck im Vordergrund. „Im Grunde ist die ganze Liebesgeschichte von Anfang an nichts anderes als die Darstellung und Rechtfertigung des Scheiterns der Beziehung.“[5]

Dieser Teil beginnt mit dem ersten Treffen der beiden, zusammen mit Olga, in einer kleinen Konditorei.[6] Hier merkt Gilgi schnell, dass dieser unbekannte junge Mann interessant für sie ist. „Sie kennt so viele Männer, aber der Martin Bruck ist anders, ganz anders. Warum er ihr gefällt?“[7] Warum Martin ihr gefällt erfahren wir erst später. Aber schon recht früh erfahren wir, dass Gilgi weniger von dem Mann Martin fasziniert ist, sondern mehr von seiner Andersartigkeit. „Ach, meine kleinen, grauen Worte! Dass jemand so bunt sprechen kann!“[8]

[...]


[1] Keun, Irmgard: Gilgi – eine von uns. Hildesheim: Claassen 1993. S.13

[2] Keun S.6

[3] Keun S.15

[4] Keun S.30

[5] Marchelewitz, Ingrid zu: Gilgi – eine von uns. S. 74

[6] Keun S.73/74

[7] Keun S.74

[8] Keun S.77

Details

Seiten
16
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638581820
ISBN (Buch)
9783638753630
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v65669
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
2,0
Schlagworte
Irmgard Keuns Gilgi Eine Keun

Autor

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