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Ein Überblick des Frühneuenglischen - Die Einflüsse auf das moderne Englisch

von Jennifer Tubler (Autor)

Seminararbeit 2006 20 Seiten

Anglistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I.Einleitung

II.Kulturhistorischer Überblick: Die englische Renaissance

III.Das Frühneuenglische
III.1Periodisierung
III.2Die geographischen Gliederung des Frühneuenglischen
III.3Varietäten des Frühneuenglischen
III.4Wortschatzentwicklung
III.5Die Entwicklung der frühneuenglischen Grammatik
III.6Wörterbücher und Lexika

IV.Die frühneuenglische Orthographie
IV.1Schriftarten
IV.2Interpunktion
IV.3Allographie
IV.4Die unterschiedlichen Funktionen des /e/
IV.5DerGreat Vowel Shift
IV.6Ansätze zu Orthograpiereformen

V.Entwicklungen der englischen Sprache durch moderne Medien

VI.Schlussbetrachtung

VII.Literaturverzeichnis

VIII.Eidesstattliche Erklärung

I.Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Frühneuenglischen und dessen sprachlichen Merkmalen.

Zunächst wird ein Überblick über den kulturhistorischen Hintergrund der englischen Renaissance gegeben. Im späteren Verlauf wird das Frühneuenglische im Hinblick auf seine Periodisierung, seine geographische Ausdehnung, seinen Wortschatz, seine Grammatik und Besonderheiten entstehender Wörterbücher näher erforscht. Danach erfolgt eine Analyse der frühneuenglischen Orthographie hinsichtlich gängiger Schriftarten, Interpunktion, Allographie und Orthographiereformen. Besondere Beachtung erfährt hierbei derGreat Vowel Shift.

Ziel der Arbeit ist es, die Entwicklung des Frühneuenglischen genauer zu erforschen und zu analysieren. Leitfragen sind hierbei:

- In wie weit spielten Faktoren wie der Buchdruck bei der Entwicklung eines einheitlichen Englisch eine Rolle?
- Wie entwickelte sich der Wortschatz?
- Welchen Einfluss stellen moderne Medien dar?

II.Kulturhistorischer Überblick: Die englische Renaissance

Das 15. Jahrhundert bildete in der Sprach- und Kulturgeschichte Europas die Übergangszeit zwischen spätem Mittelalter und früher Neuzeit[1]. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts hatte sich die mittelalterliche Feudalgesellschaft der alten Adelsgeschlechter in einem selbst zerfleischenden Krieg liquidiert und dadurch Platz geschaffen für einen neuen, ganz und gar illegitimen Hochadel, den die Tudor-Könige selbst kreierten, um in ihm eine treue Klientel für ihren patriarchalen Herrschaftsanspruch zu haben. Heinrich VIII. riss die absolute Macht über die Kirche und den Staat an sich und herrschte während der ersten Hälfte des Jahrhunderts in despotischer Manier über ein England, das sich anschickte, eine Nation zu werden und die Welt zu erobern. Elisabeth I. vollendete die Pläne der Tudors in der zweiten Jahrhunderthälfte. Das Jahr 1600 läutete das Zeitalter der angelsächsischen Vormachtstellung in der Welt ein.

Die ambitionierte und privilegierte Männergesellschaft der höfischen und kaufmännischen Elite, sah sich gegen Ende des Jahrhunderts in ihrem männlichen Selbstverständnis erschüttert. England hatte zwar die Vormacht auf den Weltmeeren errungen und schickte sich an, fremde Länder zu kolonisieren und den Welthandel zu kontrollieren, aber die absolute Macht des Königs lag in den Händen einer Frau. Ein solcher Zustand war eigentlich unvereinbar mit der aus der Feudalzeit übernommenen Ideologie des Patriarchats, welche den Mann in jeder Beziehung – und besonders in sexueller Hinsicht – weit über die Frau stellte. In der neuen Wirklichkeit aber besaß mit Elisabeth I. eine Frau die letzte Autorität über Leben und Tod jedes einzelnen Mannes der neuen Eliten. Die Königin wusste dabei sehr wohl um ihre prekäre Macht und inszenierte sie deshalb mit großem theatralischem Aufwand.

Im Jahre 1476 brachte Caxton den Buchdruck nach England. Dadurch wurde die Standardisierung des Englischen, und noch genauer, des Londoner Dialektes hervorgebracht. Das war deshalb von großer Bedeutung, weil London die Hauptstadt Englands war und wie noch heute das Zentrum von Politik und Handel. Zudem fand man sich hier zum intellektuellen und sozialen Austausch zusammen. Dies hätte ohne weitere Einflüsse der alleinige Grund sein können, dass der Londoner Dialekt sich durchgesetzt hatte, genauso wie das Französische als der Pariser Dialekt und das Spanische als der Dialekt von Kastilien; ähnlich an vielen anderen Orten. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts war der Londoner Standard in der Literatur weitgehend gebräuchlich und die einzigen aber starken Abweichungen vom Standard waren die verschiedenen gesprochenen Dialekte. Nach 1450 waren Schriftstücke daher kaum mehr auf eine bestimmte Region festzulegen, außer in den Texten der nördlichen Gebiete.[2]

III.Das Frühneuenglische

III.1 Periodisierung

Die Epoche des Frühneuenglischen ist zwischen 1500 und 1700 anzusiedeln. Eine genaue Datierung lässt sich jedoch nicht vornehmen, da die Übergänge von einem Abschnitt zum anderen fließend waren. Manche Linguistiker datieren den Beginn des Frühneuenglischen auf das Jahr 1430 und begründen dies mit der Ausbreitung der Londoner Standardsprache über ganz England. Die Standardisierung war laut einer Aussage von Fisher[3]kein konkretes Resultat einer Massenentwicklung, sondern das Ergebnis einer beabsichtigten politischen Entscheidung, beeinflusst durch die Herrschaft von Heinrich IV. und Heinrich V., die dem Nationaldenken dadurch eine neue Bedeutung gaben.

Für eine Abgrenzung des Frühneuenglischen zum Mittelenglischen um ca. 1450-1500 sprechen folgende Faktoren:

- Beginn des Buchdrucks und einer damit verbundenen Ausbreitung des Standards
- Beginn des Humanismus in England
- Trennung der englischen Staatskirche von Rom im Jahre 1534

Das Französische und Lateinische als Verwaltungssprache wurden nach und nach vom Englischen verdrängt, welches zur Nationalsprache erhoben wurde. Die damalige Oberschicht und die Aristokratie bedienten sich vor allem bei offiziellen Anlässen zunehmend der englischen Sprache, sei es nun mündlich oder schriftlich. Andere regionale Dialekte und Formen der Sprache bekamen mehr und mehr den Beigeschmack einer fehlenden linguistischen Qualität, auch mit Rückschlüssen auf die jeweilige genossene Bildung und Erziehung[4]. Während der Herrschaft der zwei Regenten publizierte der englische Schriftsteller Geoffrey Chaucer seine mittel-englischen Werke. Er bekam von Heinrich V. den Ruf des „Meisters der englischen Sprache“. Chaucer schrieb viele Erzählungen und Romane, darunter sein bekanntestes Werk, dieCanterbury Tales.

Solche Entwicklungen machten die Epochen zu einer auf Kultur und Streben nach Weisheit basierenden Zeit, mit William Shakespeare als wichtigster Vertreter in der frühneuenglischen Zeit. Die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts ist Sinnbild für seine Sonette und Theaterstücke, welche einen maßgeblichen Einfluss auf die englische Sprache ihrer Zeit hatten und ihr zu glanzvollerem linguistischen Reichtum verhalfen. Bis heute sind Ausdrücke und Redewendungen im Englischen zu finden, die er in seinen Stücken und Gedichten verewigt hat.

Für ein Ende des Frühneuenglischen um 1660 spricht unter anderem der Phonemzusammenfall von Reihen wie /tale/ : /tail/, /soul/ : /sole/ und Anlauten in

/knot/: /not/, /wring/ : /ring/ sowie die Spaltung von /u/ und /a/ in /but/ - /put/.

III.2 Die geographischen Gliederung des Frühneuenglischen

In der Epoche des Frühneuenglischen wurde das Englische mit einigen Ausnahmen nur im Gebiet des heutigen Großbritannien und Irland gesprochen. Im Westen, Norden und in Irland dominierten keltische Sprachen, wie das Gälische, den Alltag. Die offizielle Sprache Schottlands war das Schottische; in Orkney und den Shetland Inseln sprach man mit starkem skandinavischem Einfluss. Durch geographische Ausweitungen, wie der Übersiedelung nach Amerika oder der Gründung der East India Company, entstanden neue Varietäten, die die Vorläufer der Pidginsprachen darstellten.

Zu mittelenglischer Zeit gab es starke regionale Sprachausprägungen, doch durch den Buchdruck wurden die regionalen Sprachen durch den Standard ersetzt.

III.3 Varietäten des Frühneuenglischen

Im Frühneuenglischen gibt es diatopische, diastratische und diaphasische Varietäten sowie Archaismen. Unter diatopischen Varietäten versteht man geographisch bedingte Dialekte. In England ist zum Beispiel im Südosten das Kentische und im Südwesten das Westsächsische als Dialekt vorherrschend. Diastratische Varietäten spiegeln soziale Unterscheide wieder. Dieser sogenannte Soziolekt lässt deutlich erkennen, ob der Sprecher gebildet ist oder nicht. Diaphasische Varietäten sind Stilvarianten zum Beispiel des Geschriebenen. So sind Gedichte, zu dieser Zeit hauptsächlich das Sonett, in einer anderen Form und Sprache abgefasst als bspw. wissenschaftliche Texte aus der Medizin. Archaismen sind diachrone Varianten. Mittelenglische Wörter sind noch in früh-neuenglischen Texten zu finden.

Aufgrund wirtschaftlicher Bedingungen siedeln viele Menschen im 15. Jahrhundert nach London um, wobei es zu einem Vermischen von Dialekten kommt. Bereits vorhandene Londoner Prestigeformen breiten sich in den Dialekten aus, wodurch zuerst die Schriftsprache und die Städte von dieser Bewegung erfasst werden. Festzustellen ist jedoch auch, dass sich die Sprache der Gebildeten zu einem Vorbild entwickelt und sich diese Ausspracheform der Unter- und Mittelschichten durchsetzt. Noch heute sind Teile dieser wellenförmigen Standardausbreitung in Dialekten vorzufinden.

[...]


[1]Görlach. Einführung in die englische Sprachgeschichte

[2]Baugh, Albert Croll. A History of the English Language

[3]Fisher, John H. (1998). Emergence of Standard English. Kentucky: University Press of Kentucky.

[4]Görlach. Einführung in die englische Sprachgeschichte

Details

Seiten
20
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638581318
Dateigröße
586 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v65608
Institution / Hochschule
Universität Mannheim – Anglistik
Note
2,0
Schlagworte
Frühneuenglischen Einflüsse Englisch Frühneuenglisch

Autor

  • Jennifer Tubler (Autor)

    4 Titel veröffentlicht

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