Lade Inhalt...

Vollkostenrechnung vs. Teilkostenrechnung

Seminararbeit 2006 25 Seiten

BWL - Industriebetriebslehre

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vollkostenrechnung vs. Teilkostenrechnung

1. Grundlagen
1.1 Geschichte der Kostenrechnung
1.3 Aufgaben und Ziele der Kostenrechnung

2. Vollkostenrechnung
2.1 Kritik an der Vollkostenrechnung
2.2 Notwendigkeit der Vollkostenrechnung
2.3 Ansätze zur Verbesserung der Vollkostenrechnung
2.3.1 Maschinenstundensatzkalkulation
2.3.2 Bezugsgrößenkalkulation

3. Teilkostenrechnung
3.1 Systeme der Teilkostenrechnung
3.1.1 Deckungsbeitragsrechnung (DBR)
3.1.1.1 Einstufige Deckungsbeitragsrechnung (Direct Costing)
3.1.1.2 Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung
3.1.1.3 Notwendigkeit der Teilkostenrechnung /Problembe reiche der Vollkostenrechnung
3.1.2 Relative Einzelkosten- und Deckungsbeitragsrechnung
3.1.3 Grenzplankostenrechnung

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Grundlagen

1.1 Geschichte der Kostenrechnung

Der Ursprung der Kostenrechnung lässt sich auf die Zeit der Entwicklung der Buchhaltung und somit in den Zeitraum 3000 bis 2900 v. Chr. einordnen. Hier wurden von den Sumerer (Völkerschaft ungewisser Herkunft, bewohnten das Gebiet am Unterlauf des Euphrat und Tigris im Süden Mesopotamiens)[1] erste Ansätze von Aufzeichnungen über Nahrungsmittellieferungen festgehalten. Daraus folgt, dass der Ausgangspunkt der Kostenrechnung in der Kalkulation von Handel und Manufakturen liegt (14. Jahrhundert).[2]

Die Anfänge der Kostenrechnung jedoch, entwickelten sich in der Zeit vom 18. Jahrhundert bis ca. 1919.

Nach der Publikation „Zurechnung von Kosten auf Betriebe“ von Klipstein (1781) und der Feststellung von Jung (1786) „Trennung in Fabrikbuchhaltung und Handlungsbuchhaltung“ erfolgten die ersten Anstöße zur Vereinheitlichung der Kostenrechnung. In den darauf folgenden Jahrzehnten wurde eine Vielzahl an Werken veröffentlicht, die unterschiedliche Ziele mit unterschiedlichen Kalkulationstypen verfolgte.

Doch aufgrund politischer Gegebenheiten stockte im Jahre 1933 die Entwicklung der Kostenrechnung. Erst nach 1945 konnte die Kontrollfunktion der Kostenrechnung allmählich an Bedeutung gewinnen. Insbesondere war die Teilkostenrechnung in den Achtzigerjahren ausschlaggebend dafür, dass Ziele neu definiert worden sind; jetzt ging es darum, nicht nur Kosten „zu rechnen“, sondern diese im Entstehungsprozess zu durchleuchten und zu beeinflussen. Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte dann die Trennung zwischen internem und externem Rechnungswesen.[3]

1.2 Systeme der Kostenrechnung

Die Kostenrechnung hat die Möglichkeit, sich verschiedener Abrechnungssysteme zu bedienen. Diese lassen sich wie folgt unterscheiden:

- nach dem Zeitbezug der Kosten (vergangenheits- oder zukunftsbezogen)
- nach dem Sachumfang der verrechneten Kosten (Vollkosten- oder Teilkostenrechnung)[4]

Nach dem ersten Kriterium ist zwischen Ist-, Normal- und Plankostenrechnungs­systemen zu trennen. Während sich die Ist- und Normalkostenrechnung mit den tatsächlich aufgetretenen Kosten beschäftigt (Vergangenheitsdaten), befasst sich die Plankostenrechnung im Gegensatz dazu mit zukünftigen, geplanten Kosten.

Nach dem Sachumfang werden die Voll- und Teilkostenrechnungssysteme unterschieden.[5]

Sowohl das erste als auch das zweite Kriterium kann kombiniert auftreten, da die Ist-, Normal- und Plankostenrechnung jeweils als Voll- oder Teilkostenrechnung ausgestaltet werden kann.

Während das Vollkostenrechnungssystem als traditionelles Kostenrechnungsverfahren bekannt ist, wird die Teilkostenrechnung als „neueres“ oder „modernes“ Kostenrechnungsverfahren bezeichnet.

Der Unterschied der beiden Kostenrechnungsverfahren liegt nicht im Kostenbegriff und nicht in der Kostenerfassung, sondern erst bei der Verteilung der Kosten auf die Kostenträger.[6]

1.3 Aufgaben und Ziele der Kostenrechnung

Die KLR gilt als ein wesentlicher Bestandteil des betrieblichen Informationssystems. Mit ihrer Hilfe können die Unternehmensführung und die einzelnen Führungskräfte der Teilbereiche bei der Planung (Einführung eines Produktes), Steuerung und Kontrolle des Geschäftsverlaufs (Absatz eines Produktes) unterstützt werden.[7]

Darüber hinaus hat die Kostenrechnung auch Funktionen, die mit Zielen verbunden sind:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1.: Ziele der Kostenrechnung[8]

2. Vollkostenrechnung

Die Vollkostenrechnung umfasst in ihrem Rechnungszyklus alle anfallenden Kosten, die dem Kostenträger zugeordnet werden. Sie ist in der Praxis das am weitesten verbreitete Kostenrechnungssystem.[9]

Als Kostenrechnungssystem der traditionellen Kostenrechnung werden sämtliche Kosten, d.h. alle Einzelkosten und alle Gemeinkosten, im Wege der Kostenartenrechnung aufgenommen, in der Kosten­stellen­rechnung anteilig und verursachungsgerecht aufgeschlüsselt und in der Kostenträgerrechnung auf die Kostenträger (Leistungseinheiten) zugerechnet.[10]

Während die Einzelkosten einem Produkt direkt zugewiesen werden können, bedarf es bei den Gemeinkosten einer indirekten Zuteilung. Aufgrund dieser umfassenden Weiterwälzung der Gemeinkosten bezeichnet man die Vollkostenrechnung auch als Kostenüberwälzungsrechnung.[11]

Die Vollkostenrechnung hat zum einen das Ziel, die tatsächlich oder planmäßig entstandenen Kosten eines Kostenträgers (Ware, Dienstleistung) festzustellen, aber auch die Wirtschaftlichkeit des Entstehungsprozesses zu kontrollieren und eine Erfolgsrechnung zu ermöglichen.[12] Sie informiert über Stückgewinne (Gewinne je Kostenträger) und das Betriebsergebnis einer Rechnungsperiode.

2.1 Kritik an der Vollkostenrechnung

Hauptkritikpunkt der Vollkostenrechnung ist die Verrechnung aller Kosten. Denn

bereits vom Ansatz her führt diese Art und Weise zu rechnen zu Ungenauigkeiten bei der Gemeinkostenschlüsselung (Verursachungsprinzip), da trotz genauer Überlegungen eine „willkürliche“ Verteilung auf die Kostenstellen erfolgt. Auch wird eine Proportionalität von Einzel- und Gemeinkosten unterstellt, die so in der Realität nicht gegeben ist. Die Fixkosten werden „künstlich proportionalisiert“ und über die Produktionsmengen verrechnet, obwohl diese unabhängig von der Produktionsmenge anfallen.[13] Des weiteren leistet die Vollkostenrechnung keine Informationen über die kurzfristige Preisuntergrenze, d.h. die Größe, bei der die Erlöse aus einem Produkt so hoch sind wie die variablen Stückkosten. Hinzufügend werden bei Beschäftigungsschwankungen durch die Proportionalisierung der Fixkosten die Selbstkosten falsch ausgewiesen und auch betriebliche Engpässe nicht beachtet.[14]

2.2 Notwendigkeit der Vollkostenrechnung

Trotz aller Kritik die der Vollkostenrechnung vorgeworfen wird, kann auf diese nicht verzichtet werden. Langfristig gesehen, liefert die Vollkostenrechnung die Daten für die Ermittlung des Betriebsergebnisses und die Kostenkontrolle. Auch verwirklicht die Vollkostenrechnung eine langfristige Deckung aller Kosten, denn ein Unternehmen kann auf Dauer nur überleben, wenn alle Kosten gedeckt werden. Ebenso können bei der Produktion aufgrund einer starken Marktstellung mithilfe von Zuschlägen die Selbstkosten bzw. der Angebotspreis ermittelt werden.[15]

Da die Aufgaben in einem Unternehmen komplex sind, wird häufig eine Kombination von Voll- und Teilkosten angewandt.[16]

[...]


[1] Vgl. Neues Lexikon A-Z, Xenos

[2] Vgl. http://www.unibayreuth.de/departments/rw/lehrstuehle/bwl2/site_d/

download/veranstaltungen/ko/gesch.pdf

http://www.dashoefer.de/cgi-bin/news_more/news_more_print.pl?mitte=

01&rechts=Detail&Article_ID=13390&NEWSCLASS_ID=

[3] Vgl. http://www.unibayreuth.de/departments/rw/lehrstuehle/bwl2/

site_d/download/veranstaltungen/ko/gesch.pdf

[4] Vgl. Haberstock, Kostenrechnung I –Einführung-, 8. Aufl., S. 61

Kloock/Sieben/Schildbach, wisu-texte, 1. Aufl., S. 54

[5] Vgl. Hummel/Männel, Kostenrechnung 1, 4. Aufl., S. 42/43

[6] Vgl. Preißler, Entscheidungsorientierte KLR, S.66

[7] Vgl. Eisele, Technik des betrieblichen Rechnungswesens, 7. Aufl., S. 740

Haberstock, Kostenrechnung I –Einführung- , 8. Aufl., S. 18

[8] Vgl. Preißler/Dörrie, Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung

[9] Vgl. https://wissen.kgst.de/loadDocQuery.do?context=results&documentIndex=

0&dsUID=ca470:10eda1be436:-7e84

[10] Vgl. Schmolke/Deitermann, Industrielles Rechnungswesen, 31. Aufl., S. 396

10. KGSt-Kongress, Neues Haushalts- und Rechnungswesen

[11] Vgl. Hummel/Männel, Kostenrechnung 1, Grundlagen-Aufbau-Anwendung, 4. Aufl., S. 43 ff.

[12] Vgl. http://wikipedia.org/wiki/Vollkostenrechnung

http://yorck-von-wartenburg.de/rewe_dynamik.html#1.2.Ziel%20der%20dynamischen%20

Bilanzauffassung|outline

[13] Vgl. Wöhe, Einführung in die Allgm. BWL, 19. Aufl., S. 1253

[14] Vgl. http://www.ewf.uni-erlangen.de/cipteam/Pati/schmolke.htm#VKR

Preißler, Entscheidungsorientierte Kosten- und Leistungsrechnung, S. 107

[15] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Vollkostenrechnung

[16] Vgl. http://www.ewf.uni-erlangen.de/cipteam/Pati/schmolke.htm#VKR

Details

Seiten
25
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638580731
ISBN (Buch)
9783640438716
Dateigröße
641 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v65530
Institution / Hochschule
Fachhochschule Kehl
Note
1,1
Schlagworte
Vollkostenrechnung Teilkostenrechnung Grundlagen Kostenrechnung

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Vollkostenrechnung vs. Teilkostenrechnung