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Die Rolle Luthers für die deutsche Sprachgeschichte

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 16 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung
1.1 Martin Luther- ein Theologe als Politiker, Lehrer, Linguist und Reformator
1.2 Martin Luther als Wegbereiter der Reformation

2. Die Luthersprache
2.1 Allgemeine Informationen
2.2 Zeitliche und geographische Voraussetzungen
2.3 Allgemeine Kennzeichen
2.3.1 Sprachform und Sprachmächtigkeit Luthers
2.3.2 Syntax und Stil

3. Inhaltliche und sprachliche Analyse seines Werkes: An den christlichen Adel deutscher Nationen“
3.1 Inhaltszusammenfassung
3.2 Formale Analyse und Handlungsabsicht
3.3 Syntaktische und stilistische Gestaltung

4. Schluss: Bedeutung Martin Luthers Programmschrift für die Entwicklung der Reformation

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Martin Luther- ein Theologe als Politiker, Lehrer, Linguist und Reformator

Nennt man den Namen Martin Luther, so sind einem in diesem Zusammenhang zwar elementare Begriffe wie Eisleben, Wittenberg, Wartburg, Thesenanschlag und Bibelübersetzung meist aus dem Religionsunterricht geläufig, doch die genaueren Zusammenhänge sowie manch wichtige Einzelheiten sind weitestgehend unbekannt. Daher gilt es zunächst einmal einen der grundlegendsten Irrtümer über Martin Luther auszuräumen, nämlich die weit verbreitete Annahme, er sei lediglich Theologe gewesen. Natürlich war er in erster Line Theologe- aber eben nicht nur. Zugleich fungierte Luther nämlich auch als eine Art Politiker, Lehrer, Linguist und Reformator.

So macht sich Luther der Politiker, Gedanken über die Missstände seiner Zeit, befasst sich mit Steuern, Staat und Obrigkeiten, diskutiert und verfasst sprachgewaltige Kampf- und Programmschriften.

Als Lehrer an der Universität fördert er deren wissenschaftlichen Aufschwung und zeigt großes Engagement bei der Unterweisung seiner Studenten, was ihm gebührende Anerkennung zukommen lässt.

Und auch in der Linguistik sorgen Luther und seine Sprache bis heute für kontroverse Diskussionen. Fakt ist, dass er sich schon im 16. Jahrhundert besonders eingehend mit Grammatik, Rhetorik und Dialektik des Deutschen befasst, die literarische Breiten- und Tiefenwirkung durch seine Gestaltungsfähigkeit mitbedingt und es versteht sie dem anvisierten Publikum angemessen einzusetzen.

Kurz- Martin Luther ist ein gebildeter, sehr vielseitiger Mensch gewesen, der neben seiner theologischen Brillanz verschiedene Talente in seiner Person vereint und sie in den Dienst der Allgemeinheit gestellt hat.

Daher liegt der Schwerpunkt dieser Arbeit nicht bei Luther dem Theologen, sondern Luther dem Sprachkünstler und Reformator. Untersuchungsgegenstand ist die Luthersprache, deren Einfluss auf Wortschatz und Syntax untersucht und anschließend anhand der Analyse Luthers Werkes „An den christlichen Adel deutscher Nationen“ verdeutlicht werden soll. Darüber hinaus soll auch auf ihre Rezeption früher und heute eingegangen und erklärt werden, weshalb die damaligen Voraussetzungen für Luthers Bestreben die deutsche Sprache zu formen, als äußerst günstig bezeichnet werden können.

1.2 Martin Luther als Wegbereiter der Reformation

Um Luthers Programmschrift „An den christlichen Adel deutscher Nationen“ sowohl inhaltlich als auch sprachlich zu verstehen, muss man zunächst Luthers tragende Rolle als Wegbereiter der Reformation begreifen.

Schlägt man dazu im Lexikon unter diesem Stichwort nach, so wird die Reformation dort als eine „durch Luther ausgelöste Bewegung zur Erneuerung der Kirche im 16. Jahrhundert, die zur Bildung der protestantischen Kirche führte, [und als] Erneuerung, geistige Umgestaltung und Verbesserung“[1] definiert. Doch Luthers Bemühungen um Reformen beschränkten sich nicht alleine- wie vielleicht angenommen- auf die Kirche, sondern betreffen auch die Bildungseinrichtungen seiner Zeit sowie das politische und soziale Zusammenleben der Christen. So wagt es Martin Luther als einer der ersten Menschen, den Papst unumwunden und ohne beschönigende Worte auf die Missstände seiner Zeit hinzuweisen und Reformen anzustreben.

So kritisiert er einerseits inhaltlich das ärgerliche Finanzgebaren des Papstes und seiner Kardinäle, den offenen Handel mit geistlichen Stellen, die widerrechtliche Ämterhäufung ohne Rücksicht auf die Erfordernisse der Seelsorge, die Einschaltung des Fuggerschen Bankhauses in den leidigen Ablasshandel, die konkurrierende geistliche Gerichtsbarkeit und die Vermengung geistlicher und weltlicher Gewalt in der Kirche. Darüber hinaus übt Luther auch an der spätmittelalterlichen Frömmigkeit und dem vermittelten Gottesbild scharfe Kritik. Denn in seinem bekannten Turmerlebnis erkennt Luther „…die Gnade Gottes in seinem schöpferischen Handeln an dem durch die Erbsünde verdorbenen Menschen, der niemals kraft erworbener Gerechtigkeit, sondern nur mit leeren Händen vor Gott treten kann. Damit verliert alles Jagen nach den Werken der eigentlichen Gerechtigkeit seinen Sinn.“[2] Die katholische Kirche hingegen stellt Christus als gräulichen, grimmigen Richter dar, der alle, die nicht dem päpstlichen Wort folgen, verdammen und richten wolle. Luther wirft dem Papst vor, das Volk mithilfe der Gottesfurcht unterdrücken und mit dem damit verbundenen Ablasshandel ausbeuten zu wollen.

Auch seine eigentliche Kirchenkritik, die auf einer strengen Beschneidung der Handlungsfreiheit der Bettlerorden, Freigabe der Priester-Ehe, der Verringerung der hohen Zahl der Kleriker durch Zusammenlegung der Messstiftungen, Verbot von Interdikt und geistlichen Strafen abzielt, konzentriert sich letztlich auf den Papst, der eine Einführung von sinnvollen Reformen an Kirche und Gesellschaft im Wege steht.

Doch nicht nur inhaltlich spiegelt sich Luthers Kritik an den Missständen seiner Zeit wider, er besitzt zudem die Gabe, seine Ansichten sprachlich brillant zu untermauern. Mit Hilfe seiner Sprachgewaltigkeit versteht er es, Rezipienten in seinen Bann zu ziehen und mit stichhaltigen Argumenten zu überzeugen.

Doch all diese großen und revolutionären geistigen und sprachlichen Neuerungen der Reformation, an denen Luther maßgeblich beteiligt war, sollen hier zunächst nur angesprochen und später anhand der Analyse seiner berühmten Reformationsschrift „An den christlichen Adel deutscher Nationen“ genauer untersucht und verdeutlicht werden.

2. Die Luthersprache

2.1 Allgemeine Informationen

Luthersprache- ein Schlagwort, das sich bis heute nicht wirklich etabliert hat, sondern bei Sprachwissenschaftlern immer noch für kontroverse Diskussionen sorgt. Von daher ist es kaum verwunderlich, dass die Urteile über Luther in der Linguistik so weit auseinander gehen. So ist Luther für die einen Schöpfer unserer Schriftsprache, für die anderen hingegen eher Nachzügler oder gar einer, der den Pöbel- Jargon der Handwerker, Marktreiber und Bauern in die Bibel eingeführt hat. Und auch Luthers sprachliche Selbstbeurteilungen zeigen einen zwiespältigen Luther. So weiß er zwar um seine hohe Sprachbegabung, die er selbst als „ingenium bonum“ bezeichnet, und aufgrund derer er sich im Gebrauch der deutschen Sprache den anderen weit überlegen fühlt. Andererseits ist er menschlichem Sprechen gegenüber generell kritisch, was sein Eigenes mit einschließt. Nichts anderes will Luther sein als ein Werkzeug Gottes.

Um ein neutrales Urteil fällen zu können, ist es folglich notwendig sich mit der Entwicklung der Sprache zu befassen und zu untersuchen, inwiefern Luther diese beeinflusst hat. So gilt es als Fakt, dass im 16. Jahrhundert die Grundlagen für unsere Schriftsprache gelegt wurden und dass Luther in diese Grundlegung einer überregionalen Schriftsprache eingebunden ist. Das Ob ist folglich nicht strittig, sehr wohl aber das Wie. Um hier zu stichhaltigen Ergebnissen zu gelangen ist es wichtig, sie anhand einer Textanalyse belegen zu können. Der Text sollte dabei nach Zeit, Raum und, falls erforderlich, nach Textgattung strukturiert sein. Das ist auch der Grund, weshalb erst allgemein auf Luthers Sprache eingegangen und die Ergebnisse später anhand einer Textanalyse untermauert werden sollen.

2.2 Zeitliche und geographische Voraussetzungen

Zunächst muss noch etwas zu Luthers Ausgangssituation gesagt werden, nämlich der allgemeinen Sprachsituation in Deutschland Anfangs des 16. Jahrhunderts. So gilt Regionalität vor allem in der gesprochenen Sprache als dominant, während hingegen die Volkssprache großräumiger, aber dennoch regional gebunden ist. Es kann also durchaus vorkommen, dass Menschen aus bestimmten Regionen Deutschlands Verständnisprobleme mit Texten aus anderen deutschsprachigen Gebieten haben. Texte müssen unter Umständen also von einer landschaftlichen Schreibsprache in die andere umgeschrieben oder gar übersetzt werden.

Bereits hier kann man erste günstige Voraussetzungen für Luther erkennen, nämlich seine Herkunft aus der geographischen Mittellage Deutschlands, die zudem eine sprachgeographische Mittellage zwischen Nord und Süd des ausgedehnten, vielfach untergliederten Sprachgebiets bedeutet. Folglich kommt dem mittleren Deutschland in Bezug auf Sprache und sprachliche Entwicklung eine Art Brückenfunktion zu.

Als weitere günstige Voraussetzung gilt die Erfindung des Buchdruckes, der Luther eine unerhörte Resonanz verschafft. Denn nun können sich Luthers Werke schnell über den gesamten deutschsprachigen Raum verbreiten, was zum ersten Mal eine Art Öffentlichkeit entstehen lässt.

[...]


[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Hrsg.): Das Fremdwörterbuch. Bd. 5 Mannheim, Wien, Zürich

1997

[2] Junghans, Helmar (Hrsg.): Die Reformation in Augenzeugenberichten. Düsseldorf 1967. S.39

Details

Seiten
16
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638579780
ISBN (Buch)
9783656754800
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v65402
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,7
Schlagworte
Rolle Luthers Sprachgeschichte

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