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Beleuchtung der Ursachen des Ersten Weltkriegs im Hinblick auf die Beschlüsse des britischen 'Commitee of Imperial Defence' vom Juni 1906 und vergleichbare deutsche Planungen

Essay 2002 5 Seiten

Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

Leseprobe

Das britische „ Committee of Imperial Defence “ ( künftig verwende ich die auch von Ferguson benutzte Abkürzung „CID“) war ein an sich ziviles Organ, das den engen Kontakt und die Zusammenarbeit zwischen den militärischen Planern und den führenden Politikern gewährleisten sollte[1]. Trotz seiner Funktion als Klärungsinstanz wichtiger verteidigungs- und außenpolitisch relevanter Aspekte und Richtlinien war das CID aus offizieller Sicht nur eine beratende Institution, die der Regierung gegenüber in keiner Art weisungsbefugt war. Dies betonte der britische Premierminister Asquith im Mai 1911 ausdrücklich, als die Diskussion um eine eventuelle militärische Unterstützung Frankreichs gegen ein angreifendes Deutschland wieder konkretere Formen annahm[2].

Doch gehen wir zurück zum Juni 1906, als das CID erstmals Beschlüsse fasste, die für die künftige britische Politik wegweisend ( und verhängnisvoll ? ) sein sollten[3]. Diese von den wichtigsten Mitgliedern des CID besiegelten Punkte erwiesen sich als eindeutige Stellungnahme gegen die Fraktion der englischen Führung, die bei einem eventuellen Konflikt mit dem Deutschen Reich eine rein auf maritimer Kriegsführung basierende Strategie zu verfolgen gedachte, und verliehen dem Defensivbündnis-Charakter der Entente sowie den bislang nur inoffiziell geführten Beistandsabsprachen mit Frankreich neues Gewicht.

Im ersten von fünf Punkten wandte sich das CID gegen die Pläne des First Sealord Sir John Fisher, der im Kriegsfall die Entscheidung auf See herbeiführen wollte und allenfalls zu eher amphibisch orientierten Landungsoperationen bereit war. England könnte ohne vorherige Klärung der „Situation auf See“ keine „große Expeditionsstreitmacht in den Ostseeraum schicken“, und einem solchem Schritt müssten wohl große Schlachten „an der Front“ vorausgehen. Dies ist ein erstes Indiz für die Bereitschaft der hier wirkenden Kräfte, sich offen in einem (europäischen) Festland-Krieg zu engagieren, und zwar nicht nur mittels einer starken Flotte, sondern durchaus auch durch den Einsatz von Land-, also Heeresstreitkräften.

Punkt b der vorliegenden Beschlüsse geht anhand zweier möglicher Varianten näher ins Detail einer militärischen Beteiligung Großbritanniens am Krieg gegen Deutschland: Entweder muß direkt zu Beginn der Kampfhandlungen eine britische Expedition nach Belgien erfolgen, oder man beteiligt sich Seite an Seite mit den französischen Streitkräften direkt an der Verteidigung der französischen Grenze. Hier findet sich also die erste explizite Äußerung einer Expedition nach Belgien, was zusammen mit dem folgen Abschnitt c, der die Möglichkeit einräumt, Belgien könne den deutschen Truppen freiwillig eine Verletzung seiner territorialen Hoheit gewähren, auf die Tatsache hinweist, dass es wohl zu einer Verletzung der belgischen Neutralität auch von englischer Seite hätte kommen können, hätten die Deutschen später nicht als erste gehandelt. Ab 1907 beschaffte sich das britische Spionagenetz auch detaillierte Kenntnisse über das belgische Gelände[4].

Punkt d fordert eine genaue Absprache und Kooperation mit Frankreich, während der letzte Absatz die Vorteilhaftigkeit einer anfänglichen „Landung an der Nordwestküste Frankreichs“ beschreibt, wohl um das sichere Übersetzen einer größeren Landstreitmacht zu gewährleisten, bevor die deutsche Flotte handeln kann.

Was soll man nun also diese Beschlüsse des CID beurteilen? Man kann zwar nicht soweit gehen und sagen, dieses sei ein ähnlicher „Freibrief“ für Frankreich, wie Kaiser Wilhelm II. ihn später als „Blankoscheck“ der „Nibelungentreue“ Österreich für das Vorgehen im Balkankonflikt ausschreiben sollte, aber dennoch müssen diese Beschlüsse vom Juni 1906 als Wende der englischen Politik gewertet werden, weg von einer ( zuvor teils angestrebten und gar nicht abwegigen anglo-germanischen Allianz oder zumindest) Verständigung[5] und hin zu einer kontra-deutschen Politik an der Seite Frankreichs. Das CID untermauerte hiermit die von Außenminister Grey geförderte Umstrukturierung der Entente Cordiale von kolonialer Verständigung hin zum Defensiv-Bündnis. Festzuhalten sind also drei wesentliche Punkte:

[...]


[1] FERGUSON, Der falsche Krieg, S. 46

[2] FERGUSON, Der falsche Krieg, S. 116

[3] FERGUSON, Der falsche Krieg, S. 102

[4] FERGUSON, Der falsche Krieg, S. 45

[5] FERGUSON, Der falsche Krieg, S. 85 ff.

Details

Seiten
5
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638579704
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v65392
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Fakultät für Geschichtswissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Beleuchtung Ursachen Ersten Weltkriegs Hinblick Beschlüsse Commitee Imperial Defence Juni Planungen Weltkrieg Gesellschaften Vorlesung)

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Titel: Beleuchtung der Ursachen des Ersten Weltkriegs im Hinblick auf die Beschlüsse des britischen 'Commitee of Imperial Defence' vom Juni 1906 und vergleichbare deutsche Planungen