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Der Behindertensport in den Medien

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 25 Seiten

Gesundheit - Sport - Medien und Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Begriff Behinderung

3 Paralympics /Behindertensport
3.1 Vom Rehabilitationssport zu den Paralympics
3.2 Begriffserklärung „Paralympics“
3.3 Klassifizierung

4 Die Medienpräsenz bei Behindertensportevents
4.1 Vergleich der Medien im Bezug auf die Paralympics und die Olympischen Spiele in Sydney und Salt Lake City
4.2 Mögliche Ursachen für bisherige defizitäre Berichterstattung

5 Behindertensport und seine positive Wirkung

6 Lösungsansätze

7 Abschließende Betrachtung

8 Literaturverzeichnis
8.1 Printmedien
8.2 Internet

1 Einleitung

Der Behindertensport findet in der heutigen Gesellschaft grundlegend Akzeptanz und Annerkennung. Auf dem Weg dorthin erfreute er sich immer größerer Beliebtheit bei den sporttreibenden Behinderten selbst und auch beim Publikum. Trotz dieser Situation sind relativ wenige Berichte über diese Sportereignisse in den Medien zu finden. In der vorliegenden Arbeit wird dieser Umstand ausgewertet und es werden die Defizite, Barrieren sowie die Chancen, die der Behindertensport bieten kann, dargestellt.

Das Thema Behindertensport findet in den Medien noch wenig Beachtung, wenn jedoch Interesse zu erkennen ist, wird es eher plakativ behandelt. Da es auch in der Zukunft Behinderte geben wird und in jeder Hinsicht eine verstärkte Integration zu erhoffen ist, ist es unabdingbar, dass die Medien diesem Gebiet mehr Bedeutung beimessen. Dadurch könnte in der Berichterstattung eine annähernde Gleichberechtigung erreicht werden. Mit Hilfe einer stärkeren und vor allem bessere Darstellung des Behindertensports in den Medien würde der Fokus noch mehr auf den behinderten Menschen liegen und die Chance gegeben, dass die Öffentlichkeit mehr mit diesem Thema konfrontiert würde. Folglich wäre eine bessere Integration von Behinderten möglich und ein natürlicher Umgang mit ihnen könnte geschaffen werden. Dieser Ausblick wird unter anderem in den letzten Kapiteln näher erörtert.

Die Arbeit gliedert sich in sieben Teile. Zu Beginn werde ich kurz auf die Definition des Begriffes „Behinderung“ eingehen und die historische Entwicklung des Behindertensports darstellen. Das Hauptaugenmerk liegt auf den Medien und ihrer Berichterstattung. Ich werde versuchen die Defizite in der Berichterstattung, deren Ursachen und mögliche Lösungsansätze darzustellen.

2 Der Begriff Behinderung

Den Begriff "Behinderung" in all seinen Dimensionen vollständig zu erfassen, wird in dieser Arbeit nicht möglich sein, da es mehrere Ansätze gibt, aus denen keine allgemein gültige Definition von Behinderung hervorgeht.

Im Laufe der Geschichte hat sich der Begriff „Behinderung“ erst langsam entwickelt und scheint sich offensichtlich weiterhin zu verändern. Vom Anbeginn der Geschichte bis ins Mittelalter gibt es nicht viele Aufzeichnungen zum Umgang mit behinderten Menschen. In den einzelnen Ländern und Epochen gab es Unterschiede zur Einstellung behinderten Menschen gegenüber. Die Griechen verabscheuten jegliche Behinderung, da sie nicht ihrem Idealbild des gottgleichen Menschen entsprachen, die alten Römer hingegen, akzeptierten sie und ließen sie am gesellschaftlichen Leben teilhaben.

Bekannt ist, dass im Mittelalter, als der Glauben im Leben der Menschen die wichtigste Rolle einnahm, geistig oder körperlich behinderte Menschen beschuldigt wurden von Dämonen oder dem Teufel besessen zu sein und demnach meist zum Tode verurteilt wurden. Der Begriff Behinderung existierte damals noch nicht.

Erst mit der Epoche der Aufklärung und Reformation ändert sich die Einsellung der Gesellschaft zu den Behinderten. Auf der einen Seite werden sie entdämonisiert, auf der anderen Seite sollen sie ihren Beitrag zur Volkswirtschaft leisten. Wer seinen Beitrag für die Gesellschaft nicht leisten kann, bekommt auch keine Unterstützung.

Nach dem Bekanntwerden der Euthanasieprogramme der deutschen Nazis war fast jeder entsetzt. Die Akzeptanz und Integration von behinderten Menschen wurde seitdem verstärkt gefördert und sie wurden als lebenswürdige Individuen anerkannt.[1] Heutzutage haben behinderte Menschen weitgehend die gleichen Rechte und Pflichten wie nichtbehinderte Bürger. Sie haben ein Recht auf Arbeit und Integration und finden Anerkennung im Sport.

Im neunten Buch des Sozialgesetzbuches wird „Behinderung“ wie folgt definiert: „Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist.“.[2] Von einer Behinderung spricht man demzufolge, wenn eine dauerhafte Einschränkung verschiedener physischer und psychischer Funktionen besteht, die den Betroffenen im Vergleich zum Durchschnitt der restlichen Bevölkerung massiv im Alltagsleben beeinträchtigen. Weitere Erklärungen des Begriffes Behinderung orientieren sich größtenteils an den genannten, vom Gesetzgeber vorgegebenen, Inhalten, ergänzen diese aber meist, um sie ihren Ansprüchen anzupassen.

Ulrich Bleidick erörtert in seinem Buch „Einführung in die Behindertenpädagogik Band 1“ mehrere Ansätze der Begriffsbestimmung Behinderung. Die WHO (World Health Organization) beispielsweise teilt „Behinderung“ in drei Kategorien ein.

1. Die Schädigung (impairment) der anatomischen, psychischen oder physiologischen Funktionen des Körpers.
2. Die Beeinträchtigung (disability) des Menschen aufgrund seiner Schädigungen, die typische Alltagssituationen behindern oder unmöglich machen, auch im Bezug auf gleichaltrige nichtbehinderte Menschen.
3. Die Benachteiligung (handicap) einer Person aufgrund ihrer Schädigung oder Beeinträchtigung hinsichtlich seines physichen, psychischen und sozialen sowie gesellschaftlichen Umfeldes.[3]

Der Begriff Behinderung wird in dieser Einteilung nicht erwähnt. Die direkte Übersetzung des Begriffs „handicap“ lautet für Ulrich Bleidick Benachteiligung[4], und dem zu Grunde liegend, fehlt seiner Meinung nach ein wichtiger Punkt in dieser Definition.

In der Bildungskommission des Deutschen Bildungsrates 1973 wurde Behinderung wie folgt definiert. "Als behindert gelten Personen, die infolge einer Schädigung ihrer körperlichen, seelischen oder geistigen Funktionen so weit beeinträchtigt sind, daß ihre unmittelbaren Lebensverrichtungen oder ihre Teilnahme am Leben der Gesellschaft erschwert werden.“[5]

An den unterschiedlichen Erklärungen ist deutlich zu erkennen, wie mannigfaltig „Behinderung“ betrachtet werden kann und dass eine eindeutige Definition, die alle Aspekte einschließt, sehr schwer zu finden ist.

Für Ulrich Bleidick ist Behinderung „fast immer die Folge einer Schädigung. […] Die Schädigung kann im körperlich-biologischen, aber auch im seelisch-geistigen Bereich aufgetreten sein.“[6] Des Weiteren ist „Behinderung“ auch ein Prozessbegriff. Das bedeutet, dass einerseits eine Behinderung durch eine Operation oder durch pädagogische Förderung gemindert oder beseitigt werden kann, andererseits ist es auch möglich durch einen Unfall oder eine Erkrankung geschädigt zu werden.[7]

Unabhängig von den Definitionen sind Behinderte selbst oftmals der Meinung, dass man nicht behindert ist, sondern behindert wird. Es gibt zahlreiche Literatur zu diesem Thema, wie zum Beispiel das Buch “Trotzdem. Behindert ist man nicht – behindert wird man. Aufrüttelnder Erfahrungsbericht einer beharrlichen Kämpferin“ von Vera Stein oder „Lieber Arm ab als arm dran. Was heißt hier eigentlich behindert?“ von Rainer Schmidt, die einen anderen Einblick in die Thematik gewähren und die andere Seite des Begriffs „Behinderung“ beleuchten.

Als letzte soll hier die Definition des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), erwähnt sein. Sie ist unabhängig von der Gesetzgebung, der Medizin und den Sozialleistungsträgern: „Als Behinderung gilt jede funktionelle Störung, die Sport nicht ohne Einschränkung betreiben lässt: Einschränkung auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene, Einschränkungen der Motorik, der Denk- oder Lernfähigkeit, der Kommunikation und/oder der Verhaltensweisen.“[8] Da der DBS den Sport als medizinische Heilmaßnahme fördern will und diese nicht nur langfristig Behinderten zu Gute kommen soll, umfasst diese Definition auch Behinderte, deren Behinderung nur temporär ist.

3 Paralympics /Behindertensport

3.1 Vom Rehabilitationssport zu den Paralympics

Ludwig Guttmann, ein nach England emigrierter deutsch-jüdischer Neurologe widmete sich seit 1944 in seiner klinischen Arbeit der Rehabilitation von Querschnittsverletzten des II. Weltkrieges. Er erkannte als einer der ersten Ärzte die positiven Wirkungen des Sporttreibens für im Rollstuhl sitzende Gelähmte und setzte diese bewusst für den Heilungsprozess ein. Guttmanns Ziele waren es die funktionelle und psychische Mobilisation der Patienten zu erreichen, Folgeerkrankungen aufzuhalten bzw. zu vermeiden sowie Hilfestellungen für die Bewältigung des Alltags zu geben. Seine Idee, Querschnittsgelähmte aus therapeutischer Sicht zum Sporttreiben zu animieren, entwickelte er schließlich dahingehend, dass eine Sportbewegung mit Wettkampfcharakter entstand.

Im Sommer 1948 wurden in London die XIV. Olympischen Sommerspiele eröffnet und gleichzeitig fanden die ersten Rollstuhlspiele des Hospitals - die „Stoke Mandeville Games“ - statt. Guttmann versuchte durch das zeitliche Zusammentreffen der sportlichen Ereignisse, die Wettbewerbe der Behinderten von Beginn an mit denen der Olympischen Spielen zu verbinden. In den nächsten zwölf Jahren wurden die Wettkämpfe der Rollstuhlfahrer in Aylesbury, dem Ort der ersten Austragung, durchgeführt.

1960 fanden erstmals außerhalb Englands die „Internationalen Weltspiele der Gelähmten“ statt. In Rom, der Ausrichterstadt der Olympischen Spiele, wurden im Anschluss an Olympia die internationalen Behindertenwettkämpfe ausgetragen. Diese Spiele wurden als die ersten Olympischen Spiele für Behinderte angesehen. Aus 23 Nationen traten 400 Gelähmte gegeneinander an.

1964 übernahm die Olympiastadt Tokio die Ausrichtung der Behindertenwettkämpfe, obwohl Japan weder national noch international über Erfahrungen im Rollstuhlsport verfügte. Die Spiele verbreiteten sich in der Welt.

In den Jahren 1968 bis 1984 entwickelten sich die Behindertenwettkämpfe zu Weltspielen der Sportler mit Handicap. Obwohl die Teilnehmerzahlen genauso wie die Zuschauerzahlen anstiegen und somit auch die Popularität zunahm, wurden die Behindertenwettkämpfe teilweise benachteiligt behandelt. Als negative Beispiele seien hier die Olympiastädte Moskau und Los Angeles genannt. Moskau sagte 1980 die Durchführung der „Weltspiele der Gelähmten“ ab, woraufhin die Niederlande die Ausrichtung der Welttitelkämpfe für ca. 2.000 Athleten aus 42 Ländern übernahm und Los Angeles lädt die Rollstuhlsportler 1984 kurzfristig aus, so dass diese im Geburtsland der „Stoke Mandeville Games“, England, an den Start gingen. Die Wettkämpfe der anderen Behindertengruppen fanden in New York statt. Erstmals mussten die Wettkämpfe der Behinderten, für die sich rund 3.000 Teilnehmer aus 45 Nationen angemeldet hatten, in zwei verschiedenen Ländern (und Kontinenten) ausgetragen werden.

Im beschriebenen Zeitraum von 1968 bis 1984 fanden die Sommer- und Winterspiele der weltbesten Gehandicapten acht Mal in Folge aus politischen, geografischen und/oder finanziellen Gründen nicht in den Olympiastädten statt.. Eine weitere Besonderheit war der Boykott der Paralympics seitens der sozialistischen Staaten der Erde. Sie richteten weder die internationalen Wettkämpfe aus noch ermöglichten sie ihren Sportlern eine Teilnahme an den Welttitelkämpfen.

Doch die Paralympics setzten sich durch: Seoul 1988, sowie auch Barcelona 1992 werden als Meilensteine der paralympischen Bewegung angesehen, da die Wettbewerbe der Behinderten in den gleichen Trainings- und Wettkampfstätten veranstaltet wurden, die für die Nichtbehinderten bereitstanden. Eine hervorragende Logistik und Betreuung mit einem bis dato nie da gewesenen Personalaufwand sowie „glänzend“ organisierte und „stürmisch“ gefeierte Spiele mit begeisterten Zuschauern und ein enormes Medieninteresse, werden diesen Spielen nachgesagt und leiteten eine neue Ära ein.[9]

[...]


[1] vgl. Mayer, Alexander: 40 Jahre Lebenshilfe Fürth - Eine Geschichte der Behinderten - Begleitbroschüre zur Jubiläums-Dokumentation; Lebenshilfe Fürth; Fürth: Eigenverlag, 2001. S. 6-27, Online: http://www.trisomie21.de/lh_fuerth.html (Stand: 20.07.2006)

[2] Bundesministerium der Justiz: Sozialgesetzbuch (SGB) Neuntes Buch (IX) - Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen. Online: http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9/BJNR104700001.html (Stand: 24.06.2006).

[3] vgl. Bleidick, Ulrich: Einführung in die Behindertenpädagogik Band 1. Allgemeine Theorie der Behindertenpädagogik; Stuttgart: Kohlhammer, 1998, S.11.

[4] Laut dem Langenscheidts Schulwörterbuch Englisch von 1986 wird der Begriff „handicap“ auf Seite 143 vorrangig mit Behinderung übersetzt, erst dann mit Beeinträchtigung und Nachteil. Unterstützt wird dies durch die folgende Übersetzung: handicap factor for severely handicapped bedeutet der Schwerbehindertenanrechnungsfaktor. Wenn die These stimmen sollte, dass man handicap nicht mit Behinderung übersetzen kann, dann ist dies meiner Meinung nach ein Problem der unterschiedlichen Kulturen. Vielleicht gibt es im Englischen keinen Begriff „Behinderung“, wie wir ihn kennen. Dies zur Grundlage einer Diskussion zu nehmen ist meiner Meinung nach schwierig.

[5] Bleidick, 1998, S. 12.

[6] ebd., S. 13.

[7] vgl. ebd., S. 14.

[8] Positionspapier des Deutschen Behindertensportverbandes e. V. Online: http://www.dbs-npc.de/transfer/openfile.asp?path=woelk//HB-B-1b-Positionspapier.pdf, S.1. (Stand: 04.07.2006).

[9] vgl. Klose, Silke: Vom Rehabilitationssport zu den Paralympics - Zur Geschichte der Olympischen Spiele für Behinderte "Sportmuseum aktuell" Heft 1/2 2003, herausgegeben vom Förderverein Sächsisches Sportmuseum Leipzig e.V. Online: http://www.drs.org/info/paralympics.pdf, S. 1-5 (Stand: 20.06.2006).

Details

Seiten
25
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638579674
ISBN (Buch)
9783638666329
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v65389
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Humboldt Universität Berlin
Schlagworte
Behindertensport Medien Sportgeschichte

Autor

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