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Erziehung in der DDR

Vordiplomarbeit 2003 36 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ideologie der DDR
2.1 Der Marxismus-Leninismus
2.1.1 Der Historische und Dialektische Materialismus
2.1.2 Die Rolle der Partei
2.1.3 Der Weg zum Kommunismus
2.2 Der Sozialismus

3. Erziehung in der Familie
3.1 Die Familie in der DDR
3.2 Die weltanschauliche und moralische Erziehung
3.3 Die patriotische Erziehung
3.4 Die sexuelle Erziehung

4. Erziehung in den Jugendorganisationen
4.1 Die Freie Deutsche Jugend (FDJ)
4.1.1 Das Wesen der FDJ
4.1.2 Die Organisation FDJ
4.1.3 Angebote und Aktivitäten der FDJ
4.2 Die Pionierorganisation
4.2.1 Pionierorganisation und Schule
4.2.2 Pionierorganisation als Freizeitverband
4.2.3 Die Jugendweihe

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nachdem der 2.Weltkrieg beendet war, lag es in den Händen der Alliierten, die Westdeutschland besetzt hatten und der SMAD (Sowjetische Militäradministration in Deutschland), die Ostdeutschland besetzt hatten, den Wiederaufbau Deutschlands in die Wege zu leiten. Von Anfang an zeichnete sich eine unterschiedliche Entwicklung in der SBZ (Sowjetische Besatzungszone) und der Westzone ab, da die einzelnen Befehlshaber in ihren Zonen die Erlaubnis hatten, eigenständig Befehle und Gesetze zu erlassen. Somit konnten in der SBZ die Vorstellungen der Sowjetunion unter Berücksichtigung der Politik der Alliierten verwirklicht werden (vgl. Weber1993,3ff). Die SMAD stellte die Reparaturen sicher, organisierte den Aufbau der Wirtschaft, der Verwaltung sowie Kultur und Politik. Die Ostzone wurde politisch stark von der kommunistischen Sowjetunion beeinflusst (vgl. Weber 1993,16). Die Vorstellungen der USA und der UdSSR über die Entwicklung Deutschlands gingen immer weiter auseinander, bis die Spannungen zwischen den Besatzungsmächten so groß war, dass es zu einem Bruch zwischen den westlichen und östlichen Besatzungszonen kam, so dass die Westalliierten die Demokratie und den Kapitalismus einführten bzw. wiederherstellten, der Ostzone hingegen wurde die stalinistische Diktatur aufgezwungen und die Menschen blieben ohne Entscheidungs-möglichkeit (vgl. Weber 1993,21ff). Eine im Mai 1947 angesetzte Konferenz zwischen den westlichen und östlichen Regierungschefs, sollte die Spaltung Deutschlands vermeiden. Die Konferenz scheiterte jedoch bereits an Verfahrensfragen (vgl. Weber 1993,22). Nachdem schließlich die Konstituierung der BRD im September 1949 abgeschlossen war, bildete sich im Oktober 1949 der „deutsche Volksrat“ und nahm eine Verfassung auf. Damit war auf dem Gebiet der SBZ die DDR entstanden (vgl. Weber 1993, 27).

Die Wiedervereinigung Deutschlands im Oktober 1989 war ein großes politisches und historisches Ereignis. Das Leben vieler Menschen veränderte sich schlagartig. Die Menschen mussten sich langsam wieder annähern und lernen, sich als ein Volk und eben nicht als Westdeutsche und Ostdeutsche zu sehen, was nicht so einfach war bzw. ist, da die Menschen durch das System und die Erziehung geprägt waren bzw. sind und nach wie vor Vorurteile unter den Menschen herrschen. Die folgende Arbeit soll einen Überblick über die Erziehung in der Familie und in den gesellschaftlichen Organisationen der DDR geben.

Um die Erziehungshaltung der DDR verstehen zu können, die ja ganz und gar auf den Marxismus-Leninismus ausgerichtet war, bzw. politische Ziele durch Anlehnung an den Marxismus-Leninismus erst erreicht werden konnten, erfolgt im zweiten Kapitel zunächst eine Beschreibung des Marxismus-Leninismus bzw. des Sozialismus. Kapitel 2 und Kapitel 3 be-handelt die Erziehung in der Familie und in den Pionierorganisationen. Bei der Darstellung der Erziehung in der DDR konzentriere ich mich auf den Bereich Familie und Kinder- und Jugendorganisation, da ihnen in der Erziehung der Kinder und Jugendlichen die bedeutsamsten Funktionen zugesprochen wurden.

2. Die Ideologie der DDR

In Der DDR war der Ideologiebegriff an den Marxismus-Leninismus, bzw. an den Sozialismus gebunden, der wiederum auch aus der Lehre des Marxismus-Leninismus hervorgeht. Der Staatsapparat und die Gesellschaft sollten sich nach dem Vorbild der Sowjetunion, gestützt auf der Ideologie des Marxismus-Leninismus aufbauen. Allgemein ist der Begriff Ideologie sehr vieldeutig, hat aber in allen Deutungen eine Gemeinsamkeit, nämlich dass „[...] unter Ideologie ein ,falsches Bewusstsein` verstanden wird, dem Wahrheit als ,richtiges Bewusstsein` gegenübersteht“ (Lexikon zur Pädagogik 1995,108f). Für Marx beispielsweise beruht Ideologie auf der ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Lage und ergibt sich aus der Legitimierung gesellschaftlicher Machtverhältnisse, aus der sich dann wiederum das „falsche Bewusstsein“ aufbaut. So benutzten Marx und Engels den Begriff in einem anderen Sinne, so wie er von kommunistischen Staaten aufgegriffen wurde, indem unter dem Begriff ein System von Anschauungen, Ideen und Theorien über die soziale Wirklichkeit verstanden wird (vgl. Lexikon zur Pädagogik 1995,109).

2.1. Der Marxismus-Leninismus

Der Marxismus-Leninismus stellt eine Ideologie dar, die auf den Werken von Karl Marx (1818-1883), Friedrich Engels (1820-1895) und Wladimir Iljitsch Lenins (1870-1924) aufbaut. Er wird als die Ideologie der Arbeiterklasse definiert. Als Weltanschauung der Arbeiterklasse ist der Marxismus-Leninismus auf das Ziel des Sozialismus bzw. Kommunismus ausgerichtet und beinhaltet ein System philosophischer, historischer, politischer und wissenschaftlicher Theorien. Der Marxismus-Leninismus baut auf den Historischen Materialismus und den Dialektischen Materialismus auf (vgl. Handbuch DDR 1979,704). „Der Dialektische wie der Historische Materialismus geben eine philosophische Deutung des Wesens der Welt, untersuchen das Verhältnis des Bewusstseins zur objektiven Realität (=Grundfragen der Philosophie), die allgemeinen Gesetzmäßigkeiten der Natur, der Gesellschaft und des Denkens (Erkennens) sowie die Stellung des Menschen in der Welt“(Handbuch DDR 1979,704).

2.1.1 Der Historische und Dialektische Materialismus

Der Begriff Historischer Materialismus oder Histomat ist auf Engels zurückzuführen, der Inhalt jedoch wurde im wesentlichen von Marx ent-wickelt und soll die Theorie von den Klassen und dem Klassenkampf erläutern und belegen (vgl. Bochenski 1975,75).

Es wird davon ausgegangen, dass alles, was die Menschen denken, welcher Religion sie angehören, welche Moral sie anerkennen, welchen Inhalt die Philosophie, Soziologie u. a. hat, bedingt ist durch die Art und Weise, wie sie ihre Wirtschaft handhaben. So werden im Historischen Materialismus vier Stufen im Aufbau einer Gesellschaft unterschieden. Diese baue sich auf aus:

1. Produktivkräften, wie zum Beispiel Werkzeuge, Menschen, Erfahrungen durch die Produktion.
2. Produktionsverhältnissen, die die Beziehungen zwischen den arbeitenden Menschen beinhalten, die sich aus den Arbeits-bedingungen notwendig ergeben.
3. gesellschaftlichen Bewusstseinsformen, die sich auf das was gleich-zeitig geistig und sozial ist beziehen, wie zum Beispiel Religion, Kunst etc. (vgl. Bochenski 1975,78-79).

Laut Historischem Materialismus ist die Gesellschaft verschiedenen Prozessen ausgesetzt, dabei spielen die Produktivkräfte die tragende Rolle, da sie sich im Laufe der Geschichte verändern (vgl. Buchenski 1975,84). Die Menschen erfanden beispielsweise zunächst primitive Werkzeuge, die nach und nach durch bessere ersetzt oder durch die Entwicklung von Maschinen überflüssig wurden. Bedingt durch die Entwicklung der Produktivkräfte komme es folglich zum Widerspruch zwischen den neuen Produktivkräften und den alten Produktionsverhältnissen. Dieser Widerspruch könne ausschließlich durch eine soziale Revolution behoben werden, die nämlich die Anpassung der Produktionsverhältnisse an die Produktivkräfte gewährleiste (vgl. Bochenski 1975,80). Die Revolution werde dabei immer von der Klasse ausgeführt, die für die neuen Produktionsverhältnisse verantwortlich sei. Laut Marxismus-Leninismus gibt es fünf verschiedene Gesellschaftsformationen (die Urgemeinschaft, die Sklavenhalter-gesellschaft, der Feudalismus, der Kapitalismus, der Sozialismus), wobei jede Gesellschaftsformation in einer sozialen Revolution ende und eine neue entstehe, bis schließlich die Gesellschaftsformation des Sozialismus bzw. Kommunismus erreicht werde (vgl. Bochenski 1975,85ff). Zum Verständnis reicht es aus den Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus und Kommunismus darzustellen. Der Kapitalismus ist gekennzeichnet durch das Privateigentum an Gütern, dem Privatbesitz der Landwirtschaft, Industrie und Einzelhandel. Außerdem gibt es im Kapitalismus verschiedene Klassen, die Hauptklassen sind die Kapitalisten und Proletarier. Diese Gesellschafts-formation soll in Folge der letzten sozialen Revolution durch den Sozialismus abgelöst werden und allmählich in den Kommunismus übergehen (vgl. Bochenski 19975,88). Im Sozialismus besteht die Produktivkraft aus der mechanisierten Industrie, das Privateigentum an Produktionsmitteln wird zunehmend abgeschafft. Die politische Führung übernimmt zunächst die Diktatur des Proletariats, im Kommunismus soll es dann keine Klassen mehr geben. Die Menschen orientieren sich an der Ideologie des Marxismus-Leninismus und der kommunistischen Moral. Der Glaube an eine Religion soll gänzlich entfallen (vgl. Bochenski 1975,88).

Der Dialektische Materialismus wird auch als Diamat bezeichnet und ist der Kern des Marxismus-Leninismus (vgl. Bochenski 1975,93). Der Dialektische Materialismus baut auf den Historischen Materialismus auf; er ist die Verallgemeinerung dessen. Das heißt, das die Erkenntnisse des Historischen Materialismus, im Dialektischen Materialismus in Gesetze bzw. Leitsätze umformuliert werden (vgl. Bochenski 1975,94). Der Diamat liefert nicht nur Erklärungen über die Welt, sondern versucht vor allem eine Anleitung zur Veränderung der Welt zu geben (vgl. Handbuch DDR 1979,704). Der Begriff Dialektik ist im Marxismus-Leninismus „[...] der Inbegriff der allgemeinsten Gesetze der Entwicklung der Natur, der Gesellschaft und des menschlichen Denkens“(Bochenski 1975,97). In diesem Zusammenhang ist es von Bedeutung, auf die Gesetze der Abläufe in der Natur einzugehen. Das erste Gesetz ist das Gesetz des Zusammenhangs. Es wird davon ausgegangen, dass alle Erscheinungen in der Natur untereinander verbunden sind. Jede Erscheinung habe eine Ursache. Diese Ursache wiederum erzeuge eine Folge (vgl. Bochenski 1975, 96). Es folgt das Gesetz der dialektischen Sprünge. Im Bezug auf die Gesellschaft sei die soziale Revolution ein dialektischer Sprung. Eine Gesellschaftsformation werde immer durch eine Neue ersetzt (vgl. Handbuch DDR 1979,707). Im Diamat wird dies wie folgt dargestellt: „Der Diamat verallgemeinert nun diese Behauptung: In der gesamten Welt, im Seienden, kommt jede wesentliche Entwicklung durch Revolutionen zustande, nämlich durch Sprünge von einer Qualität zu einer anderen- aber diese Sprünge werden durch kleine, langsame Veränderungen der Quantität vorbereitet “( Bochenski 1975,98). Das dritte Gesetz, das der Widersprüche bezieht sich auf die Klassengesellschaft und die damit verbundenen Klassenkämpfe. Es gebe in der Klassengesellschaft zwei sich gegenüberstehende Klassen, die bedingt durch die Ausbeutung im Kampf miteinander stehen. „Dieser Kampf ist die treibende Kraft der Geschichte, denn er führt zu den Revolutionen, durch welche allein ein wesentlicher Fortschritt zustande kommt“( Bochendki 1975,99). Laut Diamat gibt es im Wesen jeden Dinges zwei Seiten, die miteinander duellieren, zwischen denen ein Widerspruch besteht. Dieser Widerspruch sei bei jeder Entwicklung auf der Welt die treibende Kraft. Das letzte Gesetz lautet das Gesetz der Negation der Negation. Es bezieht sich im Bereich der Gesellschaft auf die verschiedenen Gesellschaftsformationen, die sich nacheinander ablösen. „Die feudale, streng soziale Gesellschaft wird durch die individualistische Gesellschaft des Bürgertums negiert; diese wiederum wird durch den Sozialismus, der, wie der Name sagt, sozial ist, also wieder negiert; somit ist der Sozialismus die Negation der Negation des Feudalismus - er kehrt zu jenem zurück, aber auf einer höheren Ebene“(Bochenski 1975,99f). Dieses Gesetz soll auch für alle anderen Erscheinungen oder Prozesse gelten. Die Gesetze des Dialektischen Materialismus besitzen jedoch keine Allgemeingültigkeit , sie werden lediglich von den Befürwortern des Marxismus-Leninismus als verbindlich angesehen (vgl. Handbuch der DDR 1979,706).

2.1.2 Die Rolle der Partei

In kommunistischen Ländern orientiert sich die Partei an der Ideologie des Marxismus-Leninismus und hat die Aufgabe den Inhalt dieser Ideologie innerhalb der Gesellschaft in die Realität umzusetzen. „Die Ideologie schreibt der Organisation, also der Partei, zuerst die Ziele vor.[...] Sie [die Partei, E.L.] wurde begründet, besteht und handelt ausschließlich in der Absicht, diese Ideologie samt ihren Konsequenzen der ganzen Menschheit aufzuzwingen“(Bochenski 1975,113). Dabei wird jeder, der sich gegen die Partei ausspricht als Feind bezeichnet (vgl. Bochenski 1975,114-115). In der DDR ging die Regierung soweit, Menschen die sich öffentlich gegen die Partei oder das System aussprachen, aus dem Land auszuweisen oder Strafen aufzuerlegen. Kennzeichnend ist außerdem, dass die Partei keine Wahlmöglichkeiten gestattet. Das heißt, dass der Bevölkerung bei Wahlen nur eine Liste zur Verfügung steht, welche in der Regel 99% der Stimmen erhält. Dieses Wahlsystem galt auch in der DDR. Ein weiteres Merkmal der Partei sind nach J. K. Bochenski die Hilfsorganisationen, die der Partei angehören und die Durchsetzung der Ziele der Partei unterstützen. Es gibt die sogenannten Transmissionen und Frontorganisationen. Transmissionen sind Organisationen, die der Partei angehören und unter ihrer Leitung stehen. In der DDR war die FDJ (Freie Deutsche Jugend) eine durch die Partei (SED=Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) gelenkte Transmission, die versuchte, ihre politischen Überzeugungen den Jugendlichen zu übermitteln. Die Frontorganisationen sind Organisationen von Nicht-Kommunisten, die aber auch durch die Partei gegründet wurden und dazu dienen, Ziele der Partei auf anderem Wege durchzusetzen. J. B. Bochenski führt dabei das Beispiel der Friedenskongresse an (vgl. Bochenski 1975,116).

2.1.3 Der Weg zum Kommunismus

Nachdem die kommunistische Partei an der Macht ist, beginnt nach dem Marxismus-Leninismus der lange Weg zum Kommunismus. Wie dieser Weg auszusehen habe, beschreibt der Wissenschaftliche Kommunismus. Am Anfang des Weges stehe die soziale Revolution, welche die Machtübernahme der kommunistischen Partei beinhalte. Das Ziel stellt der Voll-Kommunismus dar. Auf dem Weg zum Voll-Kommunismus durchlaufe die Gesellschaft die Phase des Sozialismus und des Kommunismus (vgl. Bochenski 1975,123). Die DDR Regierung begann nach Gründung des Staates sehr schnell mit dem Aufbau des Sozialismus, hat jedoch die Phase des Kommunismus nie erreicht.

2.2 Der Sozialismus

Allgemein ist der Sozialismus gekennzeichnet durch Kritik an bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen. Der Sozialismus beinhaltet politische Programme, welche die Beseitigung des kapitalistischen Wirtschaftssystems anstreben, sowie die Überwindung sozialer Missstände und wirtschaftlicher Ausbeutung (vgl. Neue Enzyklopädie des Wissens, Band 48,2738). Laut Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie sind der Sozialismus sowie der Kommunismus bestimmte Entwicklungsstufen „der einheitlichen kommunistischen ökonomischen Gesellschaftsformation, welche die kapitalistische Gesellschaftsformation gesetzmäßig ablöst“(Kosing 1989,475). Die Ablösung des Kapitalismus und der Aufbau des Sozialismus sei Aufgabe der Arbeiterklasse unter der Führung der marxistisch-leninistischen Partei. Der Sozialismus stellt nach dem Marxismus-Leninismus die erste Entwicklungsphase der neuen Gesellschaftsformation, also nach der Bekämpfung des Kapitalismus dar. Im Sozialismus werden die Überreste des Kapitalismus beseitigt, vor allem wird das Privateigentum an Produktionsmitteln nach und nach abgeschafft. Unter der Führung der Arbeiterklasse und ihrer Partei werde die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, sowie die Klassenunterdrückung beseitigt. Soziale Sicherheit werde geschaffen und der Lebensstandard werde wachsen. (vgl. Kosing 1989,475ff).

Als 1949 die DDR gegründet wurde, erklärte die SED den Marxismus- Leninismus zur herrschenden Ideologie. Nun sollte der Aufbau des Sozialismus in der DDR beginnen. Durch die SED wurde verstärkt der Auf- und Ausbau der Wirtschaft vorangetrieben, indem längerfristig Wirtschaftspläne erstellt wurden (vgl. Weber 1993, 34ff). Jedoch erfolgte der Auf- und Ausbau der Wirtschaft sowie die Erhöhung des Lebensstandards nicht so erfolgreich wie geplant, da nach Meinung H. Webers keine neuen Ideen realisiert wurden, sondern lediglich eine Anpassung an das rückständige System Stalins erfolgte (vgl. Weber 1993,37). Auch im Bereich der Schul- und Kulturpolitik fanden Veränderungen statt, so sollten Kinder nicht nur dazu erzogen werden den Sozialismus aufzubauen sondern der polytechnische Unterricht sollte sie bereits in die Grundlagen der Produktion einweisen. Die Hochschulen wurden von einem Staatssekretariat verwaltet. Außerdem wurde ein Zehnmonate- Studienjahr mit genauen Studien- und Stoffplänen eingeführt. Der Unterricht bzw. das Studium beinhalteten russischen Sprachunterricht sowie das Studium der Ideologie des Marxismus-Leninismus. Immerhin verdoppelte sich die Anzahl der Studenten in den Jahren 1951 bis 1954 auf 57.000, auch Kinder aus Arbeiter- und Bauernfamilien bekamen eine bessere Chancen ein Studium aufzunehmen (vgl. Weber 1993,38). Doch während des Aufbaus des Sozialismus kam es in der DDR zu Konflikten, da die DDR-Regierung hart durchgriff und zum Beispiel Zwangsmaßnahmen gegen Bauern, Selbstständige und Intellektuelle durchführte, Anhänger der Kirche verfolgte und Preis-steigerungen durchführte (vgl. Weber 1993,39). Die nach Stalins Tod (März 1953) entstandene Regierungsspitze der Sowjetunion versuchte diesen Entwicklungen in der DDR entgegenzuwirken, indem sie „[...] eine Kurskorrektur, eine Abkehr von der harten Linie in der DDR forderte (Weber 1993,39ff). Folglich gestand die DDR Regierung Fehler und versprach Korrekturen . Dies zeigte sich beispielsweise darin, dass Preissenkungen zurück genommen wurden. Im Laufe der Jahre (1951-1955) stiegen die Zahlen der Arbeiter und Angestellten, die Zahl der Selbstständigen ging demnach zurück (vgl. Weber 1993,43). 1957 sollte dann zunehmend das Privateigentum im Bereich der Wirtschaft abgeschafft werden. „Die größeren Privatbetriebe bekamen eine 50prozentige und höhere staatliche Beteiligung angeboten (nach dem Vorbild der chinesischen Kommunisten), um eine ,friedliche Umwandlung ` des Privateigentums in staatliches Eigentum zu erreichen“ (Weber 1993,48). 1559 sollten wiederum Änderungen in der Schulpolitik vorgenommen werden. Diese bezogen sich auf die Einführung von Werkunterricht und Unterricht in der Produktion, sowie Einbeziehung bestimmter Gebiete der modernen Wissenschaft in die Lehrpläne. Diese Pläne wurden beim Aufbau der allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule verwirklicht. Das Ziel dieser Veränderungen war es die Wissenschaft eng mit der Praxis in der Industrie zu verbinden (vgl. Weber 1993,52). Weiterhin wurde an den Universitäten das Fach Marxismus-Leninismus eingeführt und jeder Student/in hatte die Pflicht nicht nur dieses Fach zu belegen, sondern musste sich auch einer Prüfung in diesem Fach unterziehen (vgl. Kohrs 1986,47). 1960 fand zunehmend die Umwandlung des Privateigentums in staatliches Eigentum statt, so hatten sich Bauern und Handwerker Genossenschaften anzuschließen, der private Anteil im Einzelhandel sank unter 10% (vgl. Weber 1993,54). Viele Teile der Bevölkerung waren mit diesem System nicht einverstanden, was die Flüchtlingszahlen aus diesen Jahren belegen (vgl. Weber 1993,56). Mit Einwilligung der Sowjetunion wurde schließlich in der Nacht vom 12. zum 13. August 1961 mit dem Bau der Mauer begonnen, um diesem Flüchtlingsstrom entgegenzuwirken.

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Details

Seiten
36
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638579339
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v65337
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
2,7
Schlagworte
Erziehung

Autor

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