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Novellentheorien. 19. Jahrhundert, 20. Jahrhundert und neue Ansätze

Hausarbeit (Hauptseminar) 2000 47 Seiten

Germanistik - Gattungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Novellentheorien des 19. Jahrhunderts

2. Novellentheorien des 20. Jahrhunderts

3. Neue Ansätze in der Novellentheorie- Manfred Schunichts Theorie von der teleologischen und bilateralen Struktur der Novelle

4. Schlussfolgerungen

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Novelle: (…) aus italienisch novella „kurze poetische Erzählung“ wurde im 16./17. Jahrhundert „Novelle“ übernommen und im 18. Jahrhundert als literarischer Gattungsbegriff für die kurze (pointierte) Prosaerzählung einer besonderen Begebenheit durchgesetzt.“

Diese Definition der Novelle, wie sie im etymologischen Wörterbuch zu finden ist, scheint eine eindeutige Auskunft darüber geben zu können, was eine Novelle ist und lässt kaum erahnen, wie ungleich kompliziert die Forschungslage tatsächlich ist. Schon bei nur oberflächlicher Sichtung der zahlreich vorhandenen Forschungsliteratur zur Novelle fallen die zum Teil nur in Details abweichenden, zum Teil aber auch zu völlig gegensätzlichen Positionen neigenden Ergebnisse der Forschung ins Auge. So mutet es eher abenteuerlich an, den Begriff Novelle in wenigen Zeilen definieren und fixieren zu wollen.

Dass die Novellentheorie- und forschung zu keiner einheitlichen Beurtei-lung bzw. Abgrenzung oder Eingrenzung des Novellenbegriffs kommt, liegt zum einen an der Problematik der Gattungsforschung an sich,[1] zum anderen an den zum Teil völlig verschiedenen Grundannahmen, aus denen heraus die Forscher an die Novelle herantreten. So gibt es derzeit eine schier unüberschaubar erscheinende Fülle von widerstreitenden Theorien und Meinungen über die Novelle und ihre formalen Kriterien, die sie erfüllen oder nicht erfüllen sollte. So ist z.B. für den Fall, dass die Frage formaler Kriterien überhaupt mit ja beantwortet wird, immer noch die Frage offen, für welchen Zeitraum diese gelten sollen – nur epochenbezogen oder mit immerwährender Gültigkeit.

Dabei ist die Aussage, es herrsche Klarheit und Einigkeit bei der Definition des Begriffs Novelle, als ein Pol zu sehen, dessen Gegenpol die Aussage ist, selbst in der germanistischen Forschung habe man inzwischen einen Idealtypus Novelle aufgegeben. Zwischen beiden Polen findet sich dann die ganze Spannbreite der verschiedenartigsten Auffassungen.

Um dieser Verwirrung der Lage zu entkommen, mehren sich in der jüngeren Novellenforschung die Stimmen, die für neue Wege zur Definition des Novellenbegriffs plädieren und diese Wege auch beschreiten. Es ist zu beobachten, dass eine Loslösung von starren formalen Kriterien, die sich nur auf die äußere Form der Novelle beziehen, stattfindet, zugunsten einer Hinwendung zur inneren Form. Einer dieser Versuche, die Novelle unter neuen Aspekten zu betrachten, um eine angemessene Definition leisten zu können, soll in dieser Arbeit dahingehend untersucht werden, ob die neue Sichtweise tatsächlich einen besseren theoretischen Zugang zur Novelle vermittelt.

Dazu wird in Kapitel 1 zunächst ein Überblick über die Hauptströmungen der Novellentheorien des 19. Jahrhunderts gegeben. Auf Vollständigkeit bei der Darstellung der Theorien musste aus Gründen des Umfangs dieser Arbeit verzichtet werden. Die Auswahl der Theoretiker und Dichter, die novellentheoretische Beiträge geleistet haben, erfolgt vor allem im Hinblick darauf, welchen Stellenwert sie in ihrer Zeit hatten, ob sie Anstöße zur Weiterentwicklung gaben oder ob Auswirkungen bis in die heutige Zeit zu verzeichnen sind. Wenigen dargestellten Ansätzen kommt dabei auch fast nur die Funktion zu, zu demonstrieren, wie gespalten die Meinungen schon im 19. Jahrhundert waren.

In Kapitel 2 soll das 20. Jahrhundert unter dem Aspekt der Weiterentwicklung der Novellentheorie betrachtet werden. Auch hier musste eine Beschränkung vorgenommen werden, da die Fülle der vorhandenen Veröffentlichungen nicht in dieser Arbeit zu besprechen gewesen wäre. So wird auch in Kapitel 2 versucht, die Hauptströmungen nachzuzeichnen und kritisch zu kommentieren. Dabei wird – um das Bild abzurunden – auch die eine oder andere Extremposition vorgestellt. Diejenigen Novellenforscher, die keinen eigenen theoretischen Ansatz entwickeln, sondern im Wesentlichen nur reflektierend und referierend wirken, sollen nicht berücksichtigt werden.

In Kapitel 3 wird dann eine Forschungsansatz, der versucht, das „Problem“ Novelle unter neuen Gesichtspunkten zu beleuchten, vorgestellt und kritisch kommentiert: die Theorie Manfred Schunichts von der teleologischen und bilateralen Struktur der Novelle.

In Kapitel 4 sollen aus den Ergebnissen der Kapitel 1 bis 3 Schlussfolgerungen gezogen werden.

1. Novellentheorien des 19. Jahrhunderts

Wie wenig bekannt der Begriff Novelle noch Mitte des 18. Jahrhunderts in Deutschland ist, wird deutlich an dem Übersetzungsfehler des jungen Lessing, der Cervantes „Novelas ejemplares“ 1751 mit „Neue Beispiele“ übersetzt.[2] So sieht sich Wieland – wohl wegen der den Deutschen insgesamt noch relativ fremden Gattungsbezeichnung Novelle – in der 2. Auflage seines „Don Sylvio von Rosalva!“ (1772) veranlasst, in einer Anmerkung eine Begriffsklärung vorzunehmen.[3] Auch wenn der Definitionsversuch Wielands eine nicht so große Resonanz erfährt, lässt sich etwa an diesem Punkt der Beginn der Reflexion der deutschen Dichter und Denker über die Theorie der Novelle fixieren.

Der erste deutsche Versuch, Wesen und Form der Novelle genau zu erfassen und ihre Theorie zu liefern, stammt von Friedrich Schlegel, der weniger mit seiner dichterischen Produktion hervortritt – auch wenn er mit seinem Roman „Lucinde“[4] eine Art Skandalerfolg erzielt – sondern als Ästhetiker, Literaturtheoretiker und –historiker eine Vorrangstellung in der geistigen Führerschaft der deutschen Frühromantik einnimmt.

1801 erscheint sein Aufsatz „Nachrichten von den poetischen Werken des Johannes Boccacio“[5] in dem er den romanischen Renaissancedichter als „Vater und Stifter“ der Novelle bezeichnet. Friedrich Schlegel entwickelt die charakteristischen Merkmale der Novelle in Betrachtung der dichterischen Werke Boccacios, vor allem an dessen Novellenzyklus „Decamerone“[6] sowie an den Novellen des zeitlich später liegenden spanischen Dichters Cervantes[7]. Seinen Anschauungen stellt er die These voran, dass der „Charakter eines Dichters“ – und demzufolge sein Kunstwerk – nur dann erfasst werden könne, wenn der historische Kontext „der Kreis der Kunstgeschichte“ zu dem der Dichter gehöre, mitberücksichtigt werde.[8]

Schlegel charakterisiert die Novelle als:

„eine Anekdote, eine noch unbekannte Geschichte, so erzählt, wie man sie in Gesellschaft erzählen würde, eine Geschichte, die an und für sich schon interessieren können muß, ohne irgend auf den Zusammenhang der Nationen, oder der Zeiten, oder auch auf die Fortschritte der Menschheit und das Verhältnis zur Bildung derselben zu sehen. Eine Geschichte also, die streng genommen, nicht zur Geschichte gehört, und die Anlage zur Ironie[9] schon in der Geburtsstunde mit auf die Welt bringt.“[10]

In seinen weiteren Ausführungen betont Schlegel, dass diese Anekdote fast ein Nichts sein könne und es allein der Kunst des Dichters obliege, dieses Nichts so auszuschmücken und zu gestalten, dass eine Geschichte entstehe, die interessiere. So werde es dann auch möglich, bereits bekannte Geschichten gleichsam in ein neues Gewand zu kleiden, so dass sie den Zuhörern oder Lesern neu erscheinen würden. Dabei bediene sich die Novelle der symbolischen Verdichtung, die eines ihrer hervorstechendsten Merkmale sei.[11] Durch die „subjektive Aneignung“ dessen, was als etwas „objektiv Merkwürdiges“[12] gelte, präsentiere sich der Dichter in seiner Kunst mittels seiner ureigensten Ansichten und Empfindungen.

Diese frühe Erkenntnis der Doppelbödigkeit der Novelle in der Verschleierung der Subjektivität des Erzählers mit Hilfe der objektiv als wahr erzählten Begebenheit lässt Schlegels Ansatz bis heute von unumstrittener Bedeutung für die Novellentheorie- und forschung bleiben.[13]

Ein weiterer Ästhetiker und Literaturtheoretiker, Friedrich Wilhelm Josef von Schelling, führt in seiner „Philosophie der Kunst“ (1802/03)[14] aus, dass er seine Lehre nur als Lehre von der „Kunst an sich“ begreife, ohne Rücksicht auf die empirischen, vorliegenden Kunstwerke. Zur Novelle sagt er in seiner Kunstlehre nur wenig und streift sie eigentlich nur am Rand, stellt aber fest, sie sei eine Geschichte zur symbolischen Darstellung eines subjektiven Zustandes. Er schließt sich damit Friedrich Schlegel an, ohne allerdings dessen These von der objektivierenden Form zu übernehmen.[15]

Seit Friedrich Schlegel ist es für einen großen Teil der zeitgenössischen Dichter, Ästhetiker, Literaturtheoretiker und –historiker üblich, die Novelle auf Boccacio zurückzuführen, während ein anderer Teil hingegen den Ursprung in Goethes Novellistik sieht ( ein z.T. bis heute sich fortsetzender Prozess). Es sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt, dass auch Versuche, die Ursprünge der deutschen Novelle in der Vers- und Prosaepik des deutschen Mittelalters festzumachen, existieren.[16]

Diejenigen, den Goethe als „Vater“ der deutschen Novelle gilt, verweisen vor allem auf seine „Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten“.[17] Sie sehen dort die „Urform“ der deutschen Novelle in der Wiederaufnahme und Fortführung der Technik Boccacios. Unter Boccacios Novellentechnik wird vor allem das Moment der Gesellschaftlichkeit und die Rahmung durch dieses, - die gesellschaftliche Bedingtheit der Gattung also, die auch Friedrich Schlegel hervorhebt – verstanden. Den Rahmen des Novellenzyklus „Decamerone“ bilden 7 Damen und 3 Herren der florentiner Gesellschaft, die aus Furcht vor der Pest auf ein ländliches Anwesen geflohen sind. Der „Decamerone“ besteht aus 100 Novellen, die sich die Mitglieder dieser Gesellschaft an 10 Tagen abwechselnd gegenseitig erzählen.

Was nun die „Unterhaltungen“ den Novellentheoretikern als Prototyp der deutschen Novelle in Fortführung Boccacios erscheinen lässt, wird mit der an ihm orientierten Form der Rahmentechnik deutlich. Ist es bei Boccacio die Pest, die die Bedingungen, also den Rahmen, für die in Gesellschaft erzählten Novellen schafft, so ist bei Goethe der Rahmen für die Gesellschaftlichkeit die französische Revolution. Sie treibt die linksrheinischen Familien ins Exil, wo sie sich zusammenfinden und sich ebenfalls Novellen erzählen.

Von den Dichtern, die im 19. Jahrhundert novellentheoretische Beiträge leisten, erzielen drei von ihnen große Aufmerksamkeit mit ihren Äußerungen. Goethe selbst ist einer dieser drei:

„(…) denn was ist eine Novelle anders als eine sich ereignete unerhörte Begebenheit. Dies ist der eigentliche Begriff und so vieles, was in Deutschland unter dem Titel Novelle geht ist gar keine Novelle, sondern bloß Erzählung oder was Sie sonst wollen.“[18]

So lautet die knappe novellentheoretische Betrachtung Goethes, die er im Gespräch mit Eckermann äußert.

Die Bemerkung Goethes bleibt nicht nur nicht folgenlos für die Novellentheorie und –forschung, sondern gelangt zu hohem Bekanntheitsgrad. Das Merkmal der „Unerhörten Begebenheit“ wird forthin zum festen Kanon der Novellenmerkmale gerechnet.

August Wilhelm Schlegel liefert die Vorlage für den zweiten Dichter, dessen Theorie Berühmtheit erlangen soll. Zunächst schließt er sich in wesentlichen Punkten seinem Bruder Friedrich an, konstruiert aber dann einen Gegensatz zwischen Roman und Novelle, der Friedrich Daniel Ernst Schleiermachers Differenzierung zwischen diesen beiden Gattungen ähnelt. Schleiermacher versucht bereits vor Schlegels Boccacio-Essay in einer Rezension der „Lucinde“ Schlegels (1800)[19] – eigentlich auf der Suche nach der vollkommenen Form des Romans – den Roman zur Novelle abzugrenzen und kommt darüber zu einer Bestimmung der Novelle. So glaubt er, der Roman sei eine reine Bewegung der Seelenkräfte, die Novelle hingegen spiegele die bürgerliche Wirklichkeit wider. Dieses rein inhaltliche Kriterium bleibt lange Zeit sein einziges, erst in seinen Berliner Vorlesungen (1825)[20] überwindet er diese Einseitigkeit, indem er hinzufügt, der eigentliche Charakter der Novelle sei, dass das Unbedeutende, das bloß Private durch die virtuose Handhabung der Sprache erhöht werde.

Auch für August Wilhelm Schlegel zeigt die Novelle die Darstellung der Realität. Der Roman hingegen beleuchte die inneren Verhältnisse der Personen zueinander. Somit verschiebt er die Novelle zur Objektivität und vernachlässigt Friedrich Schlegels Erkenntnis von der Spannung zwischen Subjektivität und Objektivität.

In formaler Hinsicht jedoch geht er weit über die Ausführungen seines Bruders hinaus, wenn er für die Novelle behauptet, sie sei – ähnlich wie das Drama – durch auffällige Wendepunkte gegliedert. Was für das Drama die Peripetie sei, seien für die Novelle die Wendepunkte.[21] Diese Techniken ermöglichten es, die Absichten der Werke erkennen zu lassen. Ludwig Tieck ist es, der die Vorlage August Wilhelm Schlegels aufgreift und die Theorie von der Novelle begründet, die fortan unter dem Stichwort „Wendepunkt“ firmiert. Er arbeitet den Wendepunkt als bestimmendes Strukturprinzip heraus. So unterscheide sich die Novelle von anderen Erzählungen dadurch,

„daß sie eine großen oder kleineren Vorfall in’s hellste Licht stelle, der so leicht er sich ereignen kann, doch wunderbar, vielleicht einzig ist. Diese Wendung in der Geschichte, dieser Punkt von welchem aus sie sich unterwartet völlig umkehrt, und doch natürlich, dem Charakter und den Umständen angemessen, die Folge entwickelt, wird sich der Phantasie des Lesers umso fester einprägen, als die Sache, selbst im Wunderbaren, unter anderen Umständen wieder alltäglich sein könnte.“[22]

Dabei gesteht Tieck der Novelle zahlreiche Schattierungen zu:

„Bizarr, eigensinnig, phantastisch, leicht witzig, geschwätzig und sich ganz in Darstellung auch von Nebensächlichkeiten verlierend, tragisch wie komisch, tiefsinnig und neckisch, alle diese Farben und Charaktere läßt die ächte Novelle zu, nur wird sie immer jenen sonderbaren auffallenden Wendepunkt haben, der sie von allen anderen Gattungen der Erzählung unterscheidet.“[23]

Auch Tieck nennt Boccacio und Cervantes als meisterhafte Novellenerzähler, stellt aber Goethe als dritten ausdrücklich dazu.

Der dritte Dichter, dessen Äußerungen berühmt werden sollen, ist Paul Heyse. Von ihm stammen die als „Falkentheorie“ bekannten Thesen zur Novelle. Auch Heyse führt den Ursprung der Novelle auf Boccacio und Cervantes zurück, deren Novellen ihm vorbildlich und meisterhaft sind. Der „Schöpfer“ der modernen, deutschen Novelle ist für ihn jedoch Tieck. Goethe habe die Form nur geahnt, und

„erst Tieck setzte das von Goethe Angebahnte erfolgreich fort, durch die Hinneigung der Romantik zu den romanischen Literaturen auf das Vorbild des Boccacio und Cervantes geführt“,[24] deren Thematiken er selbstständig erweitert habe. In seiner berühmten Theorie bezieht sich Heyse aber nicht auf Tieck, sondern auf Boccacio, und zwar auf eine Novelle aus seinem „Decamerone“, auf die so genannte „Falkennovelle“.[25]

Heyse behauptet, um eine gute Novelle erkennen zu können, müsse man sich fragen,

„ob die zu erzählende kleine Geschichte eine starke, deutliche Silhouette habe, deren Umriß, in wenigen Worten vorgetragen, schon einen charakteristischen Eindruck mache, wie der Inhalt jener Geschichte des Decamerone vom „Falken“ in fünf Zeilen berichtet sich dem Gedächtnis tief einprägt.“[26]

Heyse fordert nun für jede Novelle, dass sie ein starkes Spitzenmotiv wie den Falken haben solle:

„Gleichwohl aber könnte es nicht schaden, wenn der Erzähler auch bei dem innerlichsten oder reichsten Stoff sich zuerst fragen wollte, wo der „Falke“ sei, das Specifische, das diese Geschichte von tausend anderen unterscheidet.“[27]

[...]


[1] So wird es schon allein durch die unklare Terminologie sowohl in der Gattungstheorie an sich als auch speziell in der Novellentheorie schwierig, Ansätze zu verfolgen und einzuordnen.

[2] Vgl. Walzel, Oskar: Die Kunstform der Novelle. In: ZfddU, 29. Jg. 1915, S. 165 f.

[3] Die – später gestrichene – Anmerkung Christoph Martin Wielands lautet: „Novellen werden vorzüglich eine Art von Erzählungen genannt, welche sich von den großen Romanen durch die Simplizität des Plans und den kleinen Umfang der Fabel unterscheiden, oder sich zu denselben verhalten wie die kleinen Schauspiele zu der großen Tragödie und Komödie.“

[4] Schlegels „Lucinde“ – 1799 veröffentlicht – erregt durch die Idealisierung romantischer Lebenszustände Aufsehen und Widerspruch beim bürgerlichen Publikum, das in dem Werk eine „Idylle des Müßiggans sieht.

[5] Schlegel, Friedrich. Nachrichten von den poetischen Werken des Johannes Boccacio. In: Charakteristiken und Kritiken I (1796-1801), Kritische Friedrich-Schlegel-Ausgabe, Bd. II, München 1967

[6] Giovanni Boccacio (1313-1375). Sein Hauptwerk ist der Novellenzyklus „Decamerone“, entstanden zwischen 1349 und 1353, unter dem Eindruck des wohl für Boccacio einschneidenden Erlebnisses des Pestjahres 1348.

[7] Neben dem Roman „Don Quijote“ sind es die „Novelas ejemplares“, die den dichterischen Ruhm Miguel de Cervantes (1547-1616) begründen.

[8] Vgl. Schlegel, Friedrich: ebd., S. 390 f.

[9] Erläuterungen zu seinem Ironiebegriff finden sich verstreut in den Äthenäums-Fragmenten (51, 116 und 238) von 1798 und in den Ideen von 1800, Idee 69.

Schlegel setzt mit seinem Ironiebegriff Maßstäbe in der Diskussion der Ironieauffassung. Er begründet eine Umbildung des bis dahin gültigen klassischen Ironiebegriffs der objektiven (tragischen) Ironie zu subjektiven Ironie, die im Ansatz Sokrates folgt. Die romantische Ironie zeigt als stärkste Form der subjektiven Ironie das Durchbrechen des eigenen Ideals in der Erkenntnis des unüberbrückbaren Widerspruchs zwischen Ideal und Wirklichkeit. Ziel dieser Ironie ist es, das Endliche mit dem Unendlichen zu verbinden, wobei der Dichter bestrebt sein soll, den Menschen die Ewigkeit zu erklären. Dabei lässt die durch Ironie hergestellte Distanz des Autors diesen gleichsam über dem Stoff schweben.

[10] Schlegel, Friedrich: ebd.

[11] Vgl. ebd., S. 395, Für Friedrich Schlegel ist die allegorische (symbolische) Novelle „immer als der Gipfel und die eigentliche Blüte der ganzen Gattung“ zu sehen.

[12] Ebd.

[13] Die Bedeutung dieser wichtigen Erkenntnis Schlegels wird im 19. Jahrhundert und bis weit ins 20. Jahrhundert hinein verkannt.

[14] Schelling von, Friedrich Wilhelm Josef: Philosophie der Kunst. In: Schellings Werke, hrsg. v. Manfred Schröter, 3. Hauptband (1801-1806), München 1963, S. 377-478

[15] Vgl. Hirsch, Arnold: Der Gattungsbegriff „Novelle“, Berlin 1928,

[16] Seit Hans Lambel 1872 die kleineren mittelalterlichen Schwänke und Erzählungen unter dem Titel Novelle herausgab, bedenkt ein Teil der Forschung die Möglichkeit, die Ursprünge der deutschen Novelle im deutschen Mittelalter zu suchen.

[17] Goethe, Johann Wolfgang von: Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten. In: Werke Bd. 12, Tübingen 1808

[18] Eckermann, Johann Peter: Gespräche mit Goethe, I. Teil, 29. Jan. 1827, hrsg. v. Fritz Bergemann, Baden-Baden 1987, S. 207 f.

[19] Die Rezension erscheint zunächst anonym. In: Berlinisches Archiv der Zeit und ihres Geschmacks. Bd. 3, Berlin 1800, S. 37-43

[20] Schleiermacher, Friedrich Daniel Ernst: Vorlesungen über Ästhetik (1819-1825), hrsg. v. Thomas Lehnerer, Hamburg 1984, S. 142 ff.

[21] Schlegel, August Wilhelm: Kritische Schriften und Briefe. Bd.4: Geschichte der romantischen Literatur, hrsg. v. Edgar Lohner, Stuttgart 1965, S. 216 ff.

[22] Tieck, Ludwig: Schriften. Vorbericht zur dritten Lieferung. Bd. 11, Berlin 1828, S. LXXXVI

[23] A.a.O., S. LXXXVII

[24] Heyse, Paul: Jugenderinnerungen und Bekenntnisse, Berlin 1900,

[25] Der Inhalt der Falkennovelle lässt sich mit wenigen Worten wiedergeben: Ein Ritter verehrt und liebt eine Dame und verwendet sein ganzes Vermögen darauf ihre Gunst zu gewinnen, doch sie erhört ihn nicht. Was ihm bleibt, ist sein Falke. Als nun der Sohn dieser Dame erkrankt, überwindet sie ihre Abneigung gegen den abgewiesenen Bewerber zunächst insofern, als sie den Ritter aufsucht, um ihn um den Falken zu bitten, der Spielgefährte ihres Sohnes war, damit er zur Genesung des Sohnes beitrage. Den Falken aber hat der Ritter schlachten lassen, damit er seinen Gast bewirten kann. Als sie dies erfährt, ändert sie ihre Haltung, sie nimmt seinen Antrag an.

[26] Heyse, Paul: a.a.O.,

[27] Deutscher Novellenschatz, hrsg. v. Paul Heyse u. Hermann Kurz, I. Bd., München 1871,

Details

Seiten
47
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638577748
ISBN (Buch)
9783638916288
Dateigröße
581 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v65133
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,7
Schlagworte
Novellentheorien Jahrhunderts Ansätze Novellentheorie

Autor

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Titel: Novellentheorien. 19. Jahrhundert, 20. Jahrhundert und neue Ansätze