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What you can't measure - you can't manage - Beitrag der Logistik zum Unternehmenserfolg

Seminararbeit 2006 20 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Begriffliche Grundlagen
2.1 Logistik und Supply Chain Management
2.2 Logistikerfolg und Unternehmenserfolg

3 Die Erfolgswirkung der Logistik
3.1 Studien zum Einfluss der Logistik bzw. des Logistikerfolgs auf den Unternehmenserfolg
3.1.1 Studien der Michigan State University
3.1.2 Studien der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung
3.2 Auswertung und Vergleich der Studien
3.3 Umsetzungsprobleme in Unternehmen

4 Zusammenfassung und Fazit

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Supply Chain 2000 Framework

Abbildung 2: Kausalmodell nach Dehler

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Studien der MSU .

Tabelle 2: World Class Logistics Model Definitions

Tabelle 3: Effekte der Faktoren der Flussorientierung auf die Logistikleistung und -Kosten

Tabelle 4: Faktoren mit nachgewiesener Erfolgswirkung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Bedeutung des Wortes Logistik in der Betriebswirtschaftslehre und die Bedeutung der Logistik im Unternehmen hat sich in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten erheblich verändert. So entwickelte sie sich von einer ausführungsorientierten Dienstleistungs- funktion zu einem Führungskonzept, dessen Denk- und Gestaltungsmuster in allen Unternehmensbereichen Anwendung finden können, und sie erreichte somit zentrale Bedeutung für das Unternehmen bzw. den Unternehmenserfolg. Die Tatsache, dass vor allem amerikanischen Studien zu Folge der Anteil der Logistikkosten am Brutto- inlandsprodukt fällt, ist mit dem in den USA verbreitetem Fokus der Logistik auf klassische operative Funktionen wie Transport zu erklären1, in denen Effizienz- steigerungen z.B. durch den Einsatz moderner Informations- und Kommunikations- systeme die Logistikkosten gemindert haben.2 Allerdings stellt generell die Logistik durch die stetige Ausweitung ihrer Aufgaben im Sinne des oben erwähnten Bedeutungs- wandel und durch die Globalisierung der Beschaffungs-, Produktions- und Absatz- märkte einen immer wichtiger werdenden Teil im Unternehmen dar. So beträgt der Logistik-Kosten-Anteil durchschnittlich 16 % der Gesamtkosten bei deutschen Unternehmen.3 Wie man ihre Bedeutung genauer messen kann und wie groß der Beitrag der Logistik zum Unternehmenserfolg wirklich ist, soll die vorliegende Arbeit anhand bereits vorhandener Überlegungen und empirischer Studien aufzeigen.

Zum besseren Verständnis werden in dieser Arbeit zunächst die unterschiedlichen Logistiksichtweisen bzw. der Bedeutungswandel des Logistikbegriffs erläutert und die Aufgaben der Logistik bzw. des Supply Chain Managements im Unternehmen näher beschrieben. Dieses ist unter Anderem in sofern wichtig, als dass unterschiedliche Definitionen der Logistik z.B. einen Einfluss auf die in den Logistikkosten erfassten Kosten haben können. Des Weiteren sind die für diese Arbeit wichtigen Begriffe Logistikerfolg und Unternehmenserfolg zu definieren. Im Folgenden wird dann näher auf die Erfolgswirkung der Logistik eingegangen, wovon sie abhängt und wie man sie messen kann. Dieses geschieht mit Hilfe verschiedener Studien, die verglichen, zusammengefasst und ausgewertet werden.

2. Begriffliche Grundlagen

2.1 Logistik und Supply Chain Management

Der Begriff Logistik stammt ursprünglich aus den Bereichen der Mathematik (im Sinne des griechischen Wortes „logos“ gleichbedeutend mit Wort, Verstand, Rechnung) und dem militärischen Bereich (im Sinne der Aufgaben zur Unterstützung der Streitkräfte). Heute wird der Begriff der Logistik eher auf den Transport von Gütern im wirtschaftlichen Bereich bezogen. Allerdings ist der konkrete Inhalt des Begriffes Logistik und der Umfang des Aufgabenbereichs der Logistik in der Wissenschaft umstritten. Nichtsdestotrotz lassen sich bestimmte Phasen in der Entwicklung der Logistik bzw. des Begriffs der Logistik erkennen. Beispielhaft werden hier die von Weber und Dehler4 beschriebenen Entwicklungsphasen herangezogen, um gleichzeitig die Aufgaben der Logistik im Unternehmen zu beschreiben.

Der Beginn der Wahrnehmung der Logistik als eigenständige Grundfunktion im Unternehmen wird in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts gesehen, als der Wandel vom Verkäufer- zum Käufermarkt Lager-, Transport- und Umschlagsaktivitäten wichtiger werden lässt. In dieser ersten Phase liegt ihr Fokus auf der funktionalen Spezialisierung, d.h. es wurde versucht in den einzelnen Bereichen der Unternehmens- logistik Spezialisierungsvorteile zu erlangen. Zu den einzelnen Bereichen zählt man die Beschaffungslogistik (also der Transport vom Beschaffungsmarkt zum Eingangslager des Unternehmens), die Produktionslogistik (der Transport vom Eingangslager zur Produktion bzw. von der Produktion zum Absatzlager), die Distributionslogistik (der Transport zum Kunden) und die Logistik in der Nachkaufphase (Ersatzteil- und Entsorgungslogistik)5. Spezialisierungsvorteile entstanden u.a. durch Erfahrungs- kurveneffekte, d.h. z.B. Vorteile durch die Einrichtung eines Zentrallagers, aber auch beispielsweise durch die Anwendung des Gesamtkostendenkens (d.h. Berücksichtigung aller durch eine Entscheidung entstehender logistischer Kostenarten im Entscheidungsprozess)6.

In der zweiten Phase wird dann durch die Verbesserung der Informations- und Kommunikationstechnik eine intensivere Vernetzung der Funktionsbereiche Beschaffung, Produktion und Absatz im Unternehmen möglich. Die Logistik übernimmt von da an auch eine Koordinationsfunktion der betroffenen Funktionsbereiche, indem sie die Material- und Warenflüsse zwischen ihnen steuert und plant. Teilweise geschieht dieses auch über Unternehmensgrenzen hinaus z.B. bei Just-in- time-Kooperationen in der Industrie, bei denen der Zulieferer genau dann liefert, wenn die Waren in der Produktion des Unternehmens benötigt werden.

Eine weitere Steigerung der Wettbewerbsintensität läutet dann in den 90er Jahren die dritte Entwicklungsphase der Logistik ein. Das bloße Minimieren von Kosten - das strategische Ziel einer Kostenführerschaft also - reicht alleine nicht mehr aus. Eine gleichzeitige Differenzierung (durch Leistung) und Kostensenkung ist notwendig. Zudem erfordern Marktveränderungen im Rahmen der Globalisierung, wie z.B. die weltweite Ausweitung der Unternehmensaktivitäten inklusive der Notwendigkeit auf dem internationalen Beschaffungsmarkt tätig zu werden, eine leistungsfähige Logistik. Eine funktional orientierte Unternehmensstruktur ist dafür allerdings nicht mehr ausreichend. Es entstehen fluss- und prozessorientierte Systeme, die das komplette Unternehmen unter Berücksichtigung der Wertschöpfungskette (supply chain) betrachten bzw. ausgestalten. Die einzelnen Wertschöpfungsprozesse in der supply chain werden sowohl innerhalb als auch außerhalb eines Unternehmens untereinander als Kunden-Lieferantenbeziehungen betrachtet, um den Nutzen für den Endkunden zu maximieren. Somit wird die Logistik zum Unternehmensprinzip, indem ihr logistisches Denken in allen Einheiten und Hierarchiestufen des Unternehmens verankert wird. Weber unterscheidet zudem zwischen der flussorientierten internen Gestaltung der Unternehmensstruktur in der dritten Phase und der flussorientierten unternehmens- übergreifenden Gestaltung von Strukturen in einer vierten Phase7. Diese auf unternehmensübergreifende Prozesse fokussierte Betrachtung wird auch oft unter dem Begriff Supply Chain Management (SCM) behandelt. Allerdings ist sowohl die Einteilung der Entwicklungsphasen8 als auch die Abgrenzung Logistik / Supply Chain Management in der Wissenschaft umstritten. Baumgarten orientiert sich zum Beispiel bei der Phaseneinteilung an dem Aufgabenumfang der Logistik in der Unternehmens- praxis und kommt so zu fünf verschiedenen Entwicklungsphasen9. Generell zeichnen die verschiedenen Sichtweisen bzgl. der Entwicklung der Logistik aber einen zunehmenden Integrationsgrad in der Wertschöpfungskette und eine zunehmende inter-organisatorische Vernetztheit aus. Deswegen wird in dieser Arbeit für den Logistikbegriff folgende Definition von Baumgarten verwendet, die alle die oben beschriebenen Aufgaben und Funktionen der einzelnen Phasen beinhaltet: „Die Unternehmenslogistik umfasst die ganzheitliche Planung, Steuerung, Koordination, Durchführung und Kontrolle aller unternehmensinternen und unternehmensübergreifenden Güter- und Informationsflüsse. Die Logistik stellt für Gesamt- und Teilsysteme in Unternehmen, Konzernen, Netzwerken und sogar virtuellen Unternehmen prozess- und kundenorientierte Lösungen bereit.“10

Unterschiede im Verständnis des Begriffs Supply Chain Management gibt es auf zwei verschiedene Arten: zum einen versteht jeder funktionelle Bereich im Unternehmen etwas anderes darunter (Einkäufern geht es beispielsweise beim Begriff SCM vor allem um das Managen der Beziehungen zu Lieferanten im Gegensatz zur Produktionswirtschaft, die den Fokus auf die Optimierung von Produktionsabläufen z.B. durch Just-in-time-Konzepte legt)11. Zum anderen gibt es auch innerhalb des Logistiksbereichs unterschiedliche Abgrenzungen des Supply Chain Managements zum Begriff Logistik: Hier dominiert vor allem die oben erwähnte Sichtweise, dass die Logistik bereits die (Koordinations-) Aufgaben des SCM umfasst.12 Allerdings betont zum Beispiel Pfohl, dass beim SCM im Gegensatz zur Logistik, in der nur Güter und logistische Informationen betrachtet werden, auch der Fluss der Rechte, Finanzmittel und der akquisitorischen Informationen Berücksichtigung finden.13 Zudem herrscht vor allem in den USA die Sichtweise vor, dass Logistik eher operative Teilmenge des SCM ist und daher selbst nicht die (auch strategischen) unternehmensübergreifenden Funktionen wahrnimmt, welche erst durch das SCM erfüllt werden.14 Für den weiteren Verlauf dieser Arbeit ist die genaue begriffliche Definition des SCM nicht bedeutend. Lediglich auf die Unterschiede im Logistikverständnis, insbesondere im Vergleich mit den Vereinigten Staaten, muss geachtet werden.

2.2 Logistikerfolg und Unternehmenserfolg

Der Erfolg der Logistik im Unternehmen lässt sich anhand zweier Komponenten messen: der Logistikleistung und den Logistikkosten. Erstere ist vor allem „die Fähigkeit eines Unternehmens […], seine Abnehmer schnell, zuverlässig und flexibel mit qualitativ einwandfreien, den Marktanforderungen entsprechenden Gütern zu versorgen.“15 Messen lässt sich diese Komponente z.B. an der Lieferzeit oder an der Lieferqualität eines Unternehmens. Logistikkosten sind im Grunde genommen einfach die Kosten, die durch logistische Aktivitäten entstehen. Aufgrund des oben beschriebenen unterschiedlichen Aufgabenumfangs der Logistik lässt sich aber hier keine eindeutige Festlegung treffen. Für den Fortlauf dieser Arbeit sei auf die Indikatoren der Logistikkosten bei Dehler verwiesen, die eine Sichtweisen-unabhängige Mess-Skala zur Beurteilung der Logistikkosten eines Unternehmens bieten: durch Lagerbestände entstehende Kosten, Transportkosten, Personalkosten und Logistikkosten relativ zum Umsatz des jeweiligen Unternehmens.16

Auch für den Begriff Unternehmenserfolg lässt sich in der Literatur keine einheitliche Definition finden. Allgemein kann man den Unternehmenserfolg als Grad der Erreichung gestellter Unternehmensziele beschreiben.17 Da in den später vorgestellten Studien unterschiedliche Definitionen zum Einsatz kommen, wird auf eine weitere nähere allgemeine Definition verzichtet.

3. Die Erfolgswirkung der Logistik

Unbestritten ist, dass die Logistik einen maßgeblichen Anteil am Wertschöpfungsprozess in Unternehmen darstellt. Ausgehend von den fünf verschiedenen Nutzenarten, die durch wirtschaftliche Tätigkeit dem Abnehmer entstehen (Gestalt-, Informations-, Ort-, Zeitnutzen und Nutzen aus dem Recht am Gut), kann man feststellen, dass durch die Logistik allein drei Nutzenarten erzeugt werden (Informations-, Ort- und Zeitnutzen).18 Durch die oben beschriebene Weiterentwicklung der Logistik nimmt sie eine zentrale Position im Unternehmen ein und bestimmt auch durch ihre strategischen Aufgaben über die operativen Prozesse hinaus den Unternehmenserfolg. Durch welche Faktoren die Logistik Erfolg kreiert und wie der Logistikerfolg den Unternehmenserfolg bestimmt soll nun näher erläutert werden.

3.1 Studien zum Einfluss der Logistik bzw. des Logistikerfolgs auf den Unternehmenserfolg

Im Folgenden soll ein Überblick über ausgewählte empirische Studien zum Beitrag der Logistik zum Unternehmenserfolg gegeben werden. Dieser bisher nur mäßig erforschte Teilbereich der BWL wird vor allem durch zwei Forschungsstränge bestimmt: die Studien der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU) und die Studien der Michigan State University. Grundsätzlich ist bei den verschiedenen Studien zu unterscheiden, ob eine Erfolgswirkung auf den Logistikerfolg oder den Unternehmenserfolg untersucht wird.

Dass der Logistikerfolg nicht nur von den Logistikkosten abhängt - dass also eine Beschränkung auf Kosteneffizienz die Möglichkeiten der Logistik nicht voll ausschöpft, ist in der Literatur unumstritten.19 Deswegen beschäftigten sich auch schon Innis und La Londe und Daugherty et. al. mit den Erfolgsauswirkungen der Logistikleistungen: Erstere stellten anhand einer Untersuchung bei Autoglashändlern in den USA fest, dass die Komponente “Place“ der klassischen 4 P’s des Marketing Mixes (Product, Place, Promotion, Price) bisher in der Unternehmenspraxis wenig beachtet wurde, obwohl gerade diese logistische Produktkomponente eine maßgebliche Voraussetzung für das Erreichen von Kundenzufriedenheit und Kundenloyalität ist.20 Trotz der geringen Allgemeingültigkeit aufgrund der gewählten Stichprobe ließ sich feststellen, dass gerade die logistischen Leistungselemente Lieferzuverlässigkeit, Lieferhäufigkeit und die den Prozess begleitenden Informationen die Logistikleistung positiv beeinflussen und somit auch in Verbindung mit anderen Komponenten des Marketing Mixes eine Steigerung der Gesamtleistung des Unternehmens bewirken können, welche den Autoren zu Folge eine wichtige Basis für den Marktanteil und auch den finanziellen Erfolg eines Unternehmens ist.21

Dieser Zusammenhang zwischen Logistikleistungen und Kundenzufriedenheit wurde später von Daugherty et. al. bestätigt.22 Zudem wiesen sie eine positive Beeinflussung der Kundenloyalität durch die Kundenzufriedenheit nach. Allerdings misslang der Versuch des Nachweises einer positiven Auswirkung der Kundenloyalität an sich alleine auf den Marktanteil des Unternehmens. Ihr Modell zum Einfluss der Logistik auf

[...]


1 Vgl. Walter (2003), S.27-29.

2 Vgl. Rodrigues, Bowersox, Calantone (2002), nach denen vor allem in den Industrieländern im Gegensatz zu den Entwicklungsländern der Anteil der Logistikkosten am Bruttoinlandsprodukt gesunken ist; Jahns, Langenhahn, Walter (2005), S.18-20.

3 Jahns, Langenhahn, Walter (2005), S.34 f.

4 Vgl. für die folgenden Ausführungen zu den Entwicklungsphasen Dehler (2001), S.12 - 18 und Weber (2002), S.4-23.

5 Vgl. die phasenspezifischen Subsysteme der Logistik bei Pfohl (2004), S. 17-19.

6 zum Gesamtkostenansatz der Logistik vgl. Pfohl (2004), S.30f.

7 Vgl. Weber (2002), S.19-23.

8 eine kurze Übersicht zu den verschiedenen Sichtweisen bietet Walter (2003), S.53f.

9 Vgl. Walter (2003), S.54.

10 Baumgarten (2000), S.13.

11 Jahns, Wolf (2006).

12 Vgl. Walter (2003), S.27-29.

13 Pfohl (2000).

14 Vgl. die Definition für das SCM des Council of Logistics Management bei Ballou (2004).

15 Dehler (2001), S.207.

16 Vgl. Dehler (2001), S.210f.

17 Vgl. Bea/Haas (1995), S. 101 zur generellen Erfolgsdefinition.

18 Vgl. Pfohl (2004), S.20-25 und Ballou (2006), S.18,der den Informationsnutzen aber nicht explizit aufführt.

19 Vgl. Beamon (1999) und Weber (2003).

20 Vgl. Innis, La Londe (1994).

21 Vgl. Innis, La Londe (1994), S.19 - 22.

22 Vgl. Daugherty et al. (1998).

Details

Seiten
20
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638577304
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v65076
Institution / Hochschule
European Business School - Internationale Universität Schloß Reichartshausen Oestrich-Winkel – Supply Management Institute
Note
1,4
Schlagworte
What Beitrag Logistik Unternehmenserfolg

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