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Friedrich Schiller - Don Karlos: Ideal und Freundschaft

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 20 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Jean – Jaques Rousseaus Gesellschaftsvertrag
2.1 Die Gesellschaftsmaximen Rousseaus
2.2 Der Absolutismus und die Despotie bei Rousseau

3. Friedrich Schillers Don Karlos
3.1 Der Don Karlos und Jean – Jaques Rousseau
3.2 Marquis Posa und Rousseaus Ideale

4. Die Freundschaftskonzeption im Don Karlos

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen des Hauptseminars „Schiller: Dramen und Dramentheorie“ schreibe ich die vorliegende Hausarbeit. Da ich bereits ein Referat über Friedrich Schillers Drama „Don Karlos“ angefertigt habe, blieb ich bei diesem Themenkomplex. Mein Erkenntnisinteresse gilt hauptsächlich der Frage, inwieweit sich Schiller bei der Gestaltung seines Dramas an Jean – Jaques Rousseau und dessen Staats- und Freiheitsideal anlehnte. Weiterhin soll der Psychologie und Ambivalenz der Hauptfiguren Karlos, Phillip und Marquis Posa nachgespürt werden. Hierbei interessiert vor allem die von Schiller vorgenommene Freundschaftskonzeption innerhalb seines Werkes. Gleich zu Anfang findet eine Verschiebung der Hauptfiguren statt. Vom eigentlichen Namengeber Don Karlos, hin zu dem Malteserritter Posa. Dieser wird nun geistige Mitte des Dramas und hält die Macht in den Händen das Geschehen zu lenken. An dieser Figur erscheint es besonders interessant Rousseaus Ideale nachzuweisen. Dieses folgt daraus, dass Posa zusammen mit Phillip die entscheidende Schlüsselszene des gesamten Werkes ausfüllt. In ihr fällt auch immer wieder der zentrale Begriff des Dramas, die Freiheit.

Zunächst sollen in dieser Hausarbeit die grundlegenden Begriffe und Theorien aus Rousseaus Werk „der Gesellschaftsvertrag“ herausgearbeitet werden. Hierbei wird zunächst besonderer Wert auf den Begriff Freiheit gelegt und wie dieser im Sinne Rousseaus gebräuchlich ist. Weiterführend soll in Kapitel 2.2 geklärt werden, wie das System einer funktionierenden Gesellschaft für Rousseau bestehen kann, wieder im Hinblick auf die individuelle Freiheit. In Kapitel 2.3 will diese Arbeit herleiten, wie Rousseau die herrschende Klasse eingeteilt hat. Dies ist besonders für die Figur des Phillip in Schillers Don Karlos notwendig. Nun folgt in Kapitel 3. zunächst eine allgemeine Beschreibung zu der Entstehung von Schillers Werk. Dieser kurze Abriss soll der Einleitung und der Orientierung dienen. In Kapitel 3.1 werden Rousseaus Ideale auf das Stück hin angewendet, insbesondere auf die Figuren des Karlos und des Phillips. Hierbei wird auch die Beschreibung der Figuren und ihre Psychologie bedacht. Das letzte Kapitel dieses Abschnittes ist Marquis Posa gewidmet, aus oben bereits beschriebenen Gründen. Weiterhin beschreibt das vierte Kapitel die Freundschaftskonstellationen Marquis Posa und Karlos, sowie Phillip und Posa. Hierbei wird versucht diesen ambivalenten Beziehungen Rechnung zu tragen.

2. Jean – Jaques Rousseaus Gesellschaftsvertrag

Der Gesellschaftsvertrag Jean – Jaques Rousseaus wurde im Zeitalter der europäischen Religions- und Bürgerkriege verfasst. Zwei Elemente sind in diesen Kriegen unmittelbar miteinander verknüpft gewesen: „das Geistige und das Wirtschaftliche“.1 Es wurde also um die Autonomie auf diesen beiden Gebieten gerungen. Der Staat befreite sich langsam von der Mitregierung Roms und von transzendenten Zielen wohingegen die Bürger sich gegen die Ständeklausel und die Geistlichkeit der Kirche auflehnen. So werden in Rousseaus und Schillers Zeitalter Konsequenten aus jahrhundertelangen Erfahrungen gezogen und umgesetzt. Die Religions- und Bürgerkriege bringen jedoch nicht nur tiefgreifende Veränderungen mit sich, sondern ebenfalls Elend unter der einfacheren Bevölkerung.2 Am Ende dieses Prozesses steht die Französische Revolution, die Schiller in seinem Werk Don Karlos bereits vorausdeutete. Die Forderungen, die sich aus dieser Zeit ergeben, sind die Rufe nach Souveränität und einem Staat, der sich vor Fremdeinflüssen schützt und im Inneren wie Äußeren autonom ist. Der zweite Gedanke ist der Nachweis der Legitimierung der Herrschaft durch das Volk.3 Diese beiden Pfeiler neuer Staatstheorien werden von Rousseau in den Gesellschaftsvertrag übernommen. Dabei geht er auf den Widerspruch eines besitzenden Wesens, dass gleich und frei sein soll ein. Menschen werden zunächst nach dem, was sie besitzen bewertet. So sei der gesellschaftliche Stand eines Menschen für diesen nur vorteilhaft, wenn alle etwas besitzen, jedoch niemand zuviel.4 „Die bürgerliche Emanzipation verhindert die Emanzipation des Menschen als sittlich-autonomes, auf sein eigenes Wollen verpflichtetes und dabei nur in Gemeinschaft lebensfähiges Wesen (...).“5 Doch wie nun können nach Rousseau die beiden Maximen Eigentum und Freiheit nebeneinander bestehen? Nach Rousseau müsse eine Form des Zusammenschlusses gefunden werden, die mit gemeinsamer Kraft das Vermögen und die Person jedes einzelnen Mitgliedes schütze, durch die jedoch jeder durch den freiwilligen Zusammenschluss mit allen nur sich selber gehorche und somit also frei bleibe. Die Lösung dieses Problems, sei sein Gesellschaftsvertrag. So fordere Rousseau eine sittliche Gesamtkörperschaft, die nicht nur formell gerechtfertigt sondern auch moralisch vertretbar sei.6 Kritisch an Rousseaus Gesellschaftsvertrag muss angemerkt werden, dass er einen radikalisierten Vertrag fordert. Doch schon alleine das Wort Vertrag setzt die Rechtssphäre voraus. Ein Vertrag ist eine freiwillige Willenserklärung verschiedener Vertragspartner, die für alle Unterzeichner dieselben Vorteile bieten muss. Doch wie Rousseau schon selber feststellte, sind Vorteile einseitig gegeben. So verliert der Mensch die Freiheit zu tun wonach ihm gerade gelüstet, erlangt jedoch ein viel erstrebenswerteres Gut, die bürgerliche Freiheit.7 Rousseau radikalisiert ebenfalls den Vertrag des Staates, indem er feststellt, das Recht des Stärkeren sei kein Recht, denn der Staat könne Recht nicht ohne Stärke durchführen. Der bürgerliche Stand wiederum sei dazu in der Lage und dies bedeute auch Freiheit. So gebe es nach Rousseau in seiner Begrifflichkeit des Naturzustandes keine Freiheit, sondern zunächst nur Unabhängigkeit. Erst durch den vertraglichen Zusammenschluss und die gemeinschaftliche Vereinigung, würde der Zustand der Freiheit herbeigeführt werden können. Weiterhin beschreibt Rousseau nur einen Inhalt der Souveränität, nämlich die Legitimierung Gesetzte erlassen zu können. Diese Befugnis hat alleine die Volksversammlung. Diese kann, da sie ein freiwilliger Zusammenschluss aller ist, auch Recht und Gesetz erlassen. So ist das Volk also souverän und kann Gesetzte erlassen, oder auch wieder rückgängig machen. Doch um den erlassenen Rechtmäßigkeiten Autorität zu verleihen, ist es notwendig, dass das Volk sich an seine eigene gewählte Freiheit bindet und den selbst auferlegten Regeln folgt. Nach Rousseau sei es jedoch sicherer auch eine göttliche Dimension der Gesetze zu schaffen, denn das Volk könne eventuell zu schwach sein um sie zu befolgen. „Durch den Gesellschaftsvertrag haben wir der politischen Körperschaft Dasein und Leben gegeben; jetzt handelt es sich darum, ihr durch das Gesetz Antrieb und Willen zu verleihen. Denn der ursprüngliche Akt, durch den sich ein Körper bildet und zusammenschließt, legt noch nicht fest, was er zu seiner Erhaltung tun muss.“8 Die von Rousseau beschriebene Freiheit ist untrennbar mir der Menschlichkeit an sich verknüpft. Verliert ein Mensch diese Freiheit bedeutet dies den Verlust jeglicher Menschlichkeit und somit auch einen Verlust jedweder Souveränität und Selbstbestimmung.9

2.1 Die Gesellschaftsmaximen Rousseaus

Die im Gesellschaftsvertrag beschriebene Menschheit ist frei und dient keinem Herrscher. Das Volk hat sich freiwillig einem Herrscher anvertraut, dessen vorrangige Aufgabe es ist die erschaffene Freiheit zu schützen und wenn notwendig zu verteidigen. „Die erblich gewordene Herrscherstellung führt dazu, dass die Despoten ihre Mitbürger als ihre Sklaven ansehen und sich selber den Göttern gleichstellen.“10 Dem Menschen müsse seine Freiheit zurückgegeben werden und da für Rousseau Freiheit gleich Menschlichkeit bedeutet, wird der Mensch sich quasi selbst zurückgegeben. Nur wenn dies geschehen sei, könne der Mensch sich im Rousseauschen Sinne mit seinesgleichen verbinden und zu einem gemeinsamen Ich werden.11

„Damit ist ein Grundmotiv Rousseaus, dass der Mensch durch Freiheit sich selber findet und einer natürlichen Ordnung angehört.“12 In der Literatur werden Rousseaus Forderungen oft auf ein Prinzip reduziert. Es ginge ihm um die Rückkehr zum Naturzustand. Diese These gilt es jedoch kritisch zu hinterfragen, denn welches ist der Naturzustand des Menschen? Ist dies zwangsläufig die Freiheit? Im Gesellschaftsvertrag wird wie in Kapitel zwei bereits aufgeführt, dass der Mensch in seinem Naturzustand Unabhängig war, jedoch erst durch die Bildung der Gesamtkörperschaft Freiheit erlangt. Wird dies richtig gedeutet müsste man eher festhalten, dass die Freiheit selbstgewählt und erreicht werden kann, die Unabhängigkeit jedoch gegeben war. Weiterhin gab es in dem Naturzustand des Menschen zunächst keine Herrscher im eigentlichen Sinne, doch im Gesellschaftsvertrag gibt sich das Volk freiwillig einem Herrscher hin.

„Solange ich nur die Stärke betrachtete und die Wirkung die sie hervorbringt, würde ich sagen: Solange ein Volk zu gehorchen gezwungen ist und gehorcht, tut es gut daran; sobald es das Joch abschüttelt, tut es noch besser; denn da es seine Freiheit durch dasselbe Recht wiedererlangt, das sie ihm geraubt hat, ist es entweder berechtigt, sie sich zurückzuholen, oder man hatte keinerlei Recht, sie ihm wegzunehmen.“13

Weiterhin stellt Rousseau fest

„Die allen gemeinsame Freiheit ist eine Folge der Natur des Menschen. Dessen oberstes Gesetz ist es, über seine Selbsterhaltung zu wachen, seine erste Sorge ist diejenige, die er sich selber schuldet, und sobald der Mensch erwachsen ist, wird er so sein eigener Herr, da er der einzige Richter über die geeigneten Mittel zu seiner Erhaltung ist.“14

Er führt die Familie auf, die nach Rousseau das Urbild für Gesellschaften und deren Politik sei. So sei das Oberhaupt der Vater, das Volk das Abbild des Kindes, „und da alle gleich und frei geboren sind, veräußern sie ihre Freiheit einzig zu ihrem Nutzen.“15 So sollte nochmals festgehalten werden, wie tief der Begriff der Freiheit mit der Menschenwürde und der Menschwerdung an sich verknüpft ist.

[...]


1 Rousseau, Jean - Jaques: Der Gesellschaftsvertrag, hrsg. von Hans Brockard. Stuttgart: Phillip Reclam Jun.1983. S.219.

2 Vgl. ebd. S.219.

3 Vgl. ebd. S.219.

4 Vgl. ebd. S.26 (Fußn.).

5 Ebd. S.220.

6 Vgl. Rousseau, Jean - Jaques: Der Gesellschaftsvertrag, hrsg. von Hans Brockard. Stuttgart: Phillip Reclam Jun. 1983. S.16-19.

7 Vgl. ebd. S.22-23.

8 Ebd. S.22-23.

9 Vgl. ebd. S.22-23.

10 Böckmann, Paul: Schillers Don Karlos, Edition der Ursprünglichen Fassung und Entstehungsgeschichtlicher Kommentar. Stuttgart: Ernst Klett Verlag 1974. S.496.

11 Vgl. ebd. S.496.

12 Ebd. S.496.

13 Rousseau, Jean - Jaques: Der Gesellschaftsvertrag, hrsg. von Hans Brockard. Stuttgart: Phillip Reclam Jun. 1983. S.6.

14 Ebd. S.6.

15 Rousseau, Jean - Jaques: Der Gesellschaftsvertrag, hrsg. von Hans Brockard. Stuttgart: Phillip Reclam Jun. 1983. S.7.

Details

Seiten
20
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638576291
ISBN (Buch)
9783638775861
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v64946
Institution / Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig – Seminar für deutsche Sprache und Literatur
Note
1,0
Schlagworte
Friedrich Schiller Karlos Ideal Freundschaft Dramen Dramentheorie

Autor

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Titel: Friedrich Schiller - Don Karlos: Ideal und Freundschaft