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Internationaler Handel: Vor- und Nachteile für Entwicklungsländer

Seminararbeit 2002 27 Seiten

VWL - Internationale Wirtschaftsbeziehungen

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS TABELLENVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 KLASSIFIZIERUNGSANSÄTZE DES BEGRIFFS „ENTWICKLUNGSLAND“

3 INTERNATIONALER HANDEL
3.1 VORTEILE FÜR ENTWICKLUNGSLÄNDER
3.1.1 NUTZUNG KOMPARATIVER KOSTENVORTEILE
3.1.2 EXPORTFÖRDERUNG ALS „ENGINE OF GROWTH“
3.1.3 HANDELSHEMMNISSE UND WOHLFAHRTSWIRKUNG
3.2 NACHTEILE FÜR ENTWICKLUNGSLÄNDER
3.2.1 INFANT INDUSTRY ARGUMENT
3.2.2 PREBISCH-SINGER-THESE
3.2.3 VERELENDUNGSWACHSTUM
3.2.4 UNGLEICHER TAUSCH
3.2.5 INSTABILITÄT DER EXPORTPREISE
3.2.6 UNGLEICHE MACHTVERTEILUNGEN
3.2.7 KONTEREFFEKTE
3.3 AUSWIRKUNGEN AUF DIE BESCHÄFTIGUNG

4 FALLSTUDIE SÜDKOREA

5 SCHLUSSBETRACHTUNG

ANHANG

LITERATURVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

ABBILDUNG 1: WOHLFAHRTSEFFEKTE DES AUßENHANDELS

ABBILDUNG 2: WIRKUNGEN EINES ZOLLS

ABBILDUNG 3: VERELENDUNGSWACHSTUM

TABELLENVERZEICHNIS

TABELLE 1: BESCHÄFTIGTE IN DER PRODUKTION WÄHREND LIBERALISIERUNGSPHASEN

TABELLE 2: KOREAS AUFSCHWUNG IN ZAHLEN

TABELLE 3: KOREAS POSITION IN DER WELT

TABELLE 4: RANGFOLGE DER GRÖßTEN VOLKSWIRTSCHAFTEN

TABELLE 5: HANDELSSTRATEGIE, EXPORT- UND BIP-WACHSTUM

1 Einleitung

Die Frage wie ein Entwicklungsland seinen Status quo verlieren kann, wird schon seit langer Zeit in der Literatur diskutiert. Zum einen gibt es die Handelsoptimisten, die eine Öffnung des jeweiligen Landes für den internationalen Handel fordern. Diese Strategie wird als Exportförderung oder auch als Politik der Handelsliberalisierung bezeichnet und geht mit dem Abbau von Handelshemmnissen (Zölle, Kontingente) einher. Der Exportsektor soll bei dieser Sichtweise als „Entwicklungsmotor“ dienen.

Zum anderen gibt es noch die Handelspessimisten, die diese Sichtweise nicht teilen und stattdessen den Schutz der jeweiligen Wirtschaft durch Handelshemmnisse fordern. Sie sind der Auffassung, dass eine konkurrenzfähige Wirtschaft nur aufgebaut werden kann, wenn diese zumindest temporär geschützt wird. Außerdem behaupten sie, dass Entwicklungsländer überwiegend Nachteile durch den internationalen Handel erfahren. Sie setzten sich daher für eine am Binnenmarkt orientierte Entwicklung ein, die in der Literatur als Importsubstitutionspolitik bezeichnet wird (Vgl. Edwards 1993).

In dieser Arbeit sollen nun die wichtigsten Argumente für und wider einer Handelsliberalisierung aufgeführt und erläutert werden. Dabei bezieht sich die Argumentation auf den Gütermarkt. Die Wirkungen, die von den Kapitalmärkten ausgehen, können im Rahmen dieser Hausarbeit nicht berücksichtigt werden.

Als erstes erfolgt eine Einordnung des Begriffs „Entwicklungsland“, um von einer einheitlichen Grundlage ausgehen zu können. Danach werden verschiedene Vorteile des internationalen Handels für Entwicklungsländer angeführt. Schwerpunkt bildet dabei die Theorie der komparativen Kostenvorteile, die bereits aus der klassischen Handelstheorie bekannt ist.

Darüber hinaus wird auf die Exportförderung und die wohlfahrttheoretischen Wirkungen von Handelshemmnissen eingegangen.

Darauffolgend vollzieht sich eine Einordnung der wichtigsten Argumente gegen internationalen Handel, die mit dem Infant Industry Argument beginnt und bis zu Kontereffekten für Entwicklungsländer reicht. Im Anschluss soll kurz auf die Beschäftigungswirkung des internationalen Handels eingegangen werden.

Zum Schluss soll am Beispiel Südkoreas gezeigt werden, wie eine Mischung aus Importsubstitution und Exportförderung, die koreanische Wirtschaft zum Blühen gebracht hat, bevor ein letztes Fazit erfolgt.

2 Klassifizierungsansätze des Begriffs „Entwicklungsland“

Es scheint unmöglich eine allgemeingültige Definition des Begriffs

„Entwicklungsland“ aufzustellen. Zu vielfältig ist diese größte Ländergruppe der Welt in ihren Ausprägungen. Der Ausspruch eines ceylonesischen Abgeordneten trifft diesen Sachverhalt ziemlich genau: „ An underdeveloped country is like the giraffe, an animal difficult to define, but easy to recognize“ (Hemmer 1988, S. 3).

Eine der bekanntesten Einteilungen ist die der Erde in Nord und Süd, wobei oft das Schlagwort „Nord-Süd-Gefälle“ genannt wird. Durch Verknüpfung mit einem ökonomischen Indikator, werden im Norden die reichen und im Süden die armen Länder ausgemacht. Auffällig bei dieser geographischen Typologisierung ist, dass sie nicht konsistent ist, da sowohl „reichere“ Länder im Süden (Australien, Südafrika) als auch „ärmere“ im Norden (Griechenland, Portugal) vorhanden sind. Der Gehalt dieser Einteilung verliert daher an Bedeutung und dient lediglich noch als politische Parole (Vgl. Wagner et al 1995, S. 5).

Eine sehr viel gehaltvollere Einteilung liefert Michael P. Todaro. Er stellt folgende Indikatoren auf, um den Entwicklungsstand eines Landes zu messen:

- niedriges Lebensniveau: dieses äußert sich vornehmlich in der quantitativen und qualitativen Form von geringen Einkommen, unzulänglichen Behausungen, schlechter Gesundheit, geringer oder keiner Bildung, hoher Kindersterblichkeit und in einer geringen Lebenserwartung.
- geringe Produktivität: zusätzlich zum niedrigen Lebensniveau sind LDCs (less- developed country) auch durch eine geringe Arbeitsproduktivität (Produktionsergebnis/Arbeitseinsatz) gekennzeichnet.
- hohes Bevölkerungswachstum: von den 5.3 Milliarden Menschen auf der Erde im Jahre 1990 lebten mehr als ¾ in Entwicklungsländern. Die Geburtenrate der LDCs ist gegenüber der der DCs (developed country) mehr als doppelt so hoch. Außerdem machen Kinder unter 15 Jahren bis zu 40% der Gesamtbevölkerung in diesen Ländern aus, während es in „entwickelten“ Ländern weniger als 23% sind. Dieser Indikator ist einer der effizientesten bei der Unterscheidung zwischen LDC und DC.
- hohe Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung: dies bedeutet, dass LDCs sich durch inadäquaten und uneffizienten Einsatz des Faktors Arbeit beschreiben lassen. Kennzeichnend dafür ist Unterbeschäftigung, die Auftritt wenn Personen weniger arbeiten als sie könnten oder wenn Personen ganztägig arbeiten, ihre Produktivität aber so geringen Ausmaßes ist, dass eine Reduzierung der Arbeitszeit keinen signifikanten Einfluss auf den totalen Output hätte.
- hohe Abhängigkeit vom Agrarwirtschaftssektor und Primärgüterexporten: über 65% der Bevölkerung in den Ländern der Dritten Welt lebt und arbeitet in ländlichen Gebieten. Darüber hinaus sind durchschnittlich 62% der Arbeitskräfte in der Agrarwirtschaft beschäftigt, welche ca. 20% des BSP ausmacht. Im Allgemeinen ist die Wirtschaft zusätzlich vom Export von Rohmaterialien abhängig, wie z.B. Öl, Holz usw. (Vgl. Todaro 1989, S. 27ff.).

3 Internationaler Handel

Handel zwischen Staaten kommt aufgrund von zwei grundlegenden Gründen zustande. Erstens betreiben Länder Handel miteinander, weil sie unterschiedliche Produktionsstrukturen aufweisen. Ziel ist es, dass jedes Land sich auf die Produktion der Güter konzentriert, in denen es relativ „gut“ ist. Zweitens betreiben Länder Handel, um economies of scale1 in der Produktion zu erzielen (Vgl. Krugman 2000, S. 11).

In diesem Abschnitt sollen die wesentlichen Vor- und Nachteile des internationalen Handels für LDCs dargestellt werden.

3.1 Vorteile für Entwicklungsländer

3.1.1 Nutzung komparativer Kostenvorteile

Wie bereits oben erwähnt, treten Länder miteinander in Handelsbeziehungen, weil sie unterschiedliche Güter und Fertigkeiten besitzen. Der Handel eröffnet es ihnen, durch Spezialisierung und Tausch absolute und relative Produktionsvorteile sowie eine optimale Allokation der Ressourcen zu erreichen (Vgl. Meyn 2001, S. 14f.).

Das nach dem englischen Nationalökonom David Ricardo benannte Ricardo- Theorem besagt in seiner einfachsten Form, dass Außenhandel auch für ein in allen Produktionsbereichen überlegendes Land vorteilhaft sein kann. Das jeweilige Land muss sich nur auf die Produktion der Güter spezialisieren, bei denen es den relativ größten Kostenvorsprung vor dem Ausland hat. Der Umkehrschluss impliziert, dass es zusätzlich die Produktion der Güter, bei denen das Inland einen relativ geringen Kostenvorteil hat aufgeben oder zumindest einschränken muss. Der Inlandsbedarf dieser Güter wird folglich mit Importen gedeckt, die durch Exporte der relativ kostengünstigeren Güter finanziert werden (Vgl. Maennig et al 1998, S. 95). Ein einfaches 2-Länder/2- Güter Beispiel soll diese Zusammenhänge verdeutlichen. Deutschland und Brasilien seien in der Lage, je zwei gleiche Güter zu erzeugen. Mit den vorhandenen Ressourcen können in Deutschland entweder 200 Einheiten Maschinen produziert werden oder 120 Einheiten Textilien. Brasilien dagegen kann entweder 100 Einheiten Maschinen oder 90 Einheiten Textilien herstellen. Brasilien ist offensichtlich in der Produktion beider Güter unterlegen, denn es hat bei beiden einen absoluten Produktionsnachteil. Dieser ist bei der Produktion von Textilien (200/100<120/90) am geringsten, dort besitzt es einen komparativen Produktionsvorteil. Deutschland hingegen ist am deutlichsten überlegen bei der Produktion von Maschinen, es besitzt hier einen komparativen Produktionsvorteil.

Nehmen nun beide Länder Handel miteinander auf, so kann Brasilien sein Einkommensniveau erhöhen, indem es sich auf die Produktion von Textlilien spezialisiert. Deutschland hingegen spezialisiert sich auf die Produktion von Maschinen und erhöht ebenfalls das inländische Einkommensniveau. Vergleicht man die inländischen Austauschverhältnisse vor und nach Aufnahme des Handels, wird deutlich, dass die Spezialisierung für beide Länder vorteilhaft ist. In Deutschland beträgt das Austauschverhältnis vor dem Handel 1 Einheit Maschinen zu 0,6 Einheiten Textilien, in Brasilien hingegen 1 Einheit Maschinen zu 0,9 Einheiten Textilien. Textilprodukte sind in Brasilien also relativ günstiger als in Deutschland. Nach Aufnahme des Handels zwischen beiden Ländern bildet sich ein Weltmarktpreisverhältnis, das zwischen den nationalen Preisverhältnissen liegen muss. Im Beispiel soll dieses bei einer Einheit Maschinen zu 0,75 Einheiten Textilien liegen. Brasilien erhält dann durch den Verzicht von 0,9 Einheiten Textilien 1,2 Einheiten Maschinen, gegenüber einer Einheit zuvor auf dem Inlandsmarkt. Deutschland erhält nun durch den Verzicht von einer Einheit Maschinen 0,75 Einheiten Textilien, statt 0,6 Einheiten zuvor im Inland. Die Einkommenspositionen beider Länder haben sich somit verbessert.

Grafisch lassen sich die Zusammenhänge folgendermaßen veranschaulichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Wohlfahrtseffekte des Außenhandels Quelle: Wagner (1995), S. 98

In Abbildung 1 ist die Produktionsmöglichkeitskurve PP für Brasilien abgetragen. Sie ist konkav nach außen gewölbt, d.h. es werden zunehmende Grenzkosten unterstellt. Bei gegebener Präferenzstruktur der Individuen (U1,U2) wird bei Autarkie im Punkt A produziert und konsumiert. Es werden OB Einheiten Maschinen und OC Einheiten Textilien produziert, dabei wird das Wohlfahrtsniveau U1 realisiert. Pa repräsentiert das inländische Preisverhältnis bei Autarkie. Bei Außenhandel gilt nun das internationale Preisverhältnis Pw. Es wird deutlich, dass Brasilien einen komparativen Produktionsvorteil bei der Produktion von Textilien aufweist, da es bezogen auf das Weltmarktpreisniveau Textilien günstiger herstellen kann. Brasilien wird daher die Produktion von Textilien bis zum Punkt D ausweiten, weil dort der relative Weltmarktpreis dem inländischen Grenzkostenverhältnis entspricht. Die Produktion von Maschinen verringert sich auf OE Einheiten, die von Textilien erhöht sich auf OF Einheiten. Der neue Konsumpunkt ist G und es wird daher das neue höhere Wohlfahrtsniveau U2 erreicht (Vgl. Wagner et al 1995, S. 96ff.).

Durch diese Konzentration auf die Produktion mit einem komparativen Kostenvorteil entstehen also zusätzliche Gewinne: zum einen ein Handelsgewinn und zum anderen ein Spezialisierungsgewinn (Vgl. Nowak 1989, S. 7 f.).

Der Handelsgewinn besagt, dass beide Länder ohne jede Veränderung der Produktionsstruktur, durch internationale Umverteilung der Güter einen zusätzlichen Nutzen erzielen. Voraussetzung hierfür ist allerdings die völlige Immobilität der Produktionsfaktoren. Hebt man diese unrealistische Bedingung auf, gelangt man zum Spezialisierungsgewinn. Es wird hierbei eine Ausdehnung der Weltproduktion durch Produktionsumstellungen gemäß den komparativen Kostenvorteilen erreicht (Vgl. Maennig et al 1998, S. 114ff).

3.1.2 Exportförderung als „Engine of Growth“

Als Exportförderung oder –diversifizierung bezeichnet man den Sachverhalt, dass der Anteil der Exporte am BSP steigt und dass sich die Exportstruktur gütermäßig und regional verbreitert. Wie bereits in der Einleitung erwähnt, stellt diese Politik das genaue Gegenteil der Importsubstitution dar.

Ziel ist es nun, die wirtschaftliche Entwicklung und die Steigerung der Wohlfahrt durch Eingliederung in das System der weltwirtschaftlichen Arbeitsteilung zu beschleunigen. Diese Integration, die Spezialisierung auf Güter mit komparativen Kostenvorteil und die Realisierung von Wohlfahrtsgewinnen durch internationalen Handel bilden den theoretischen Hintergrund der Exportdiversifizierungsstrategie.

Wichtige Voraussetzung ist es, die Produktion exportfähiger Güter zu erhöhen. Wie unter 3.1.1 erwähnt, müssen LDCs daher ihre komparativen Produktionsvorteile nutzen und sich z. B. auf die Produktion rohstoff- und arbeitsintensiver Produkte konzentrieren, da diese i.d.R. wenig Sach- und Ausbildungskapital erfordern. Hohe Einkommenselastizitäten der Nachfrage nach Industriewaren lassen insbesondere für diese Produkte günstige Wachstumschancen erwarten. Wenn forcierte Anstrengungen zur Qualitätssteigerung, Weiterverarbeitung und Standardisierung unternommen werden, sind die Wachstumsaussichten auch bei rohstoffintensiven Produkten keineswegs ungünstig. In diesem Zusammenhang ist darüber hinaus sehr wichtig, dass schon früh auf die Exportfähigkeit der Produkte geachtet wird und das die heimischen Produzenten ebenfalls frühzeitig ausländischer Konkurrenz ausgesetzt werden. Gerade dieser Faktor ist es, der eine Umstrukturierung der inländischen Produktion entsprechend den sich wandelnden komparativen Produktionsvorteilen fördert. Als weitere wichtige Voraussetzung zum Gelingen dieser Strategie wird in der Literatur angeführt, dass die Produktqualität gesteigert werden muss, bei gleichzeitiger Verringerung der Produktionskosten. Ebenfalls wird für die Einrichtung von Freihandelszonen plädiert (Wagner et al 1995, S. 86ff; Todaro 1994, S. 485).

Welches Ziel hat diese Politik nun? In der einfachen Form wird versucht, durch ausgeweiteten Export die Deviseneinnahmen eines Landes zu erhöhen. Dies ermöglicht es wiederum knappe oder nicht erhältliche Güter und Leistungen zu importieren, die für die weitere Entwicklung wichtig sind (Investitionsgüter, Know-how etc.). In diesem Sinne hat die Exportförderung einen indirekten Entwicklungseffekt. Zumeist wird aber der direkte Entwicklungseffekt der Exportförderung betont. Dem zu Grunde liegt die Annahme, dass einige Schlüsselbereiche des Exportsektors geeignet sind, als „leading sectors“ eine Katalysatorfunktion im Entwicklungsprozess einzunehmen.

Nach der Theorie des „vent for surplus“ ermöglicht die zusätzliche Nachfrage des Auslands, zuvor ungenutzte Ressourcen des Inlands produktiv zu nutzen. In LDCs bestehen solche Potentiale zumeist in Form von offener oder verdeckter Arbeitslosigkeit, aber auch die verstärkte Nutzung natürlicher Ressourcen fällt darunter. Zusätzlich ermöglicht der Weltmarkt, zunehmende Skalenerträge auszunutzen und die Produktivität zu steigern.

Ferner wird argumentiert, dass die verstärkte Konkurrenz auf dem Weltmarkt die Exportindustrie zwingt, durch ständige Innovation und Effizienzsteigerung ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Die vom Exportsektor hervorgebrachten Entwicklungssprünge sollen dann durch „backward and forward linkages“2 auf die Binnenwirtschaft überspringen. Man spricht hier auch von „spill-over effects“. Zusätzlich wird als Sekundäreffekt erwartet, dass das im Exportsektor erhöhte Einkommen über den Konsum im Sinne des Multiplikatoreffekts das Wirtschaftswachstum verstärkt (Vgl. Meier 1987, S. 346). (S.a. Tabelle 5, Anh.)

3.1.3 Handelshemmnisse und Wohlfahrtswirkung

Handelshemmnisse lassen sich in drei Gruppen einteilen:

- tarifäre Handelshemmnisse (Steuern),
- nicht-tarifäre Handelshemmnisse (Importverbote, Subventionen für Ein- und Ausfuhr usw.) und
- freiwillige Selbstbeschränkungsabkommen.

Im folgenden sollen die Wirkungen auf die Wohlfahrt durch die Einführung eines Importzolls analysiert werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Wirkungen eines Zolls

Quelle: Krugman et al (2000), S. 196

Durch Erhebung eines Zolles erhöht sich der Inlandspreis (P0) auf den Preis PZ. Der ausländische Exportpreis mindert sich hingegen von P0 auf Pz*. Bezogen auf die Produktion und den Konsum erhöht sich die inländische Produktion von S1 auf S2, der inländische Konsum fällt von D1 auf D2.

Aufgrund des erhöhten Inlandspreises und der gleichzeitigen Mengenausweitung steigt die Produzentenrente um a. Die Konsumentenrente nimmt aber um a+b+c+d ab. Die Fläche c+e gibt die Zolleinnahmen des Staates wider. Handelt es sich nun um ein kleines Land, dass keinen Einfluss auf den Weltmarktpreis hat, kommt es zu einem Wohlfahrtsverlust in Höhe von a-(a+b+c+d)+c = -(b+d). Hat das Land hingegen Einfluss auf den Weltmarktpreis, steigern sich die Zolleinnahmen des Staates um e. Vorraussetzung für eine Wohlfahrtssteigerung ist es nun, dass die Fläche e größer ist als die Flächen b+d zusammen (Krugman et al 2000, S.196ff.).

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Handelsbarrieren immer die Weltwohlfahrt verringern, ebenfalls aber auch in den meisten Fällen die Wohlfahrt des erhebenden Landes. Die Eingliederung dieses Punktes bei den Vorteilen des internationalen Handels scheint daher gerechtfertigt.

3.2 Nachteile für Entwicklungsländer

3.2.1 Infant Industry Argument

Als eines der wichtigsten Argumente gegen internationalen Handel wird das Infant Industry Argument angeführt, welches mit dem Erziehungszollgedanken von Friedrich List übereinstimmt. List forderte schon im vorletzten Jahrhundert Schutzzölle gegen die damals übermächtige britische Industrie, um den Aufbau einer deutschen, wettbewerbsfähigen Industrie voranzutreiben. Er ging davon aus, dass es schwierig bzw. unmöglich ist eine funktionierende heimische Wirtschaftsstruktur aufzubauen, wenn diese von Beginn an ausländischer Konkurrenz ausgesetzt ist. Zu hoch wären die Anfangskosten aufgrund der geringen Erfahrung der Manager und Arbeiter.

Um dieser Problematik auszuweichen, soll ein temporärer Zollschutz der heimischen Wirtschaft die Möglichkeit geben, sich genau diese Kenntnisse und Erfahrungen anzueignen. Nach dieser Lernphase sollte die eigene Wirtschaft für den internationalen Wettbewerb gewappnet sein. Wichtig bei dieser Sichtweise ist, dass sich die geschützte Industrie auf die Produktion der Güter konzentriert, bei der sie komparative Kostenvorteile besitzt. Wenn dies nicht der Fall ist, wird sie niemals international konkurrenzfähig werden.

Weiter spricht für die Einführung eines Schutzzolls das Auftreten externer Effekte. Diese äußern sich dadurch, dass mit einer Investition in einem Unternehmen Kenntnisse und Fähigkeiten erworben werden, die dann auch anderen Unternehmen zur Verfügung stehen, ohne dass diesen Kosten dafür entstehen. Andere Unternehmen partizipieren also kostenlos am Know-how des Innovators, der dadurch möglicherweise wieder aus dem Wettbewerb gedrängt wird. Des weiteren wird bei der Einführung neuer Techniken das Personal speziell geschult und weitergebildet. Dieses ist für das Unternehmen gleichzusetzen mit Investitionen. Findet nun ein Arbeitsplatzwechsel statt, profitiert ein Konkurrenzunternehmen von diesen Kenntnissen, ohne dass diesem dafür Kosten entstanden sind. Das Unternehmen, das die Kosten des Erwerbs dieser Kenntnisse und Fähigkeiten trägt, bewirkt einen positiven externen Effekt, für den es nicht entschädigt wird.

Es kommt also die Frage auf, ob solche Investitionen überhaupt getätigt werden sollen, wenn die Gefahr besteht, dass diese sich nicht auszahlen werden. Dieser Gefahr soll mit einem Schutzzoll des entsprechenden Sektors begegnet werden (Vgl. Wagner et al 1995, S.77ff.; Maennig et al 1998, S.187ff).

3.2.2 Prebisch-Singer-These

In der Literatur wird häufig für diese These der Begriff der säkularen Verschlechterung der ToT (Terms of Trade) synonym verwandt. Im Kern besagt diese Theorie, dass gemäß der klassischen Handelstheorie die komparativen Kostenvorteile zu einer Spezialisierung der LDCs auf Primärgüter führen. Investitionsgüter müssen laut Prebisch und Singer weiterhin importiert werden. Dabei müssen folgende Bedingungen beachtet werden:

1. Die Einkommenselastizität der Nachfrage nach Primärgütern ist niedrig, d.h. bei wachsenden Einkommen wächst die Nachfrage nach Rohstoffen nur unterproportional. Das Engelsche Gesetz veranschaulicht diesen Sachverhalt, indem es darauf hinweist, dass der Nahrungsmittelkonsum nicht unbegrenzt gesteigert werden kann. Bei steigendem Einkommen nimmt der Nahrungsmittelkonsum bezogen auf die Gesamtausgaben vielmehr prozentual ab.

[...]


1 Als economies of scale wird die Beziehung zwischen Größenordnung und Wirtschaftlichkeit bezeichnet.

2 Von backward-linkage spricht man, wenn sich die Entwicklung einer Industrie auf ihre Vorprodukte ausweitet. Forward-linkages entstehen, wenn durch verbesserte Vorprodukte sich wiederum neue oder bessere Endprodukte herstellen lassen.

Details

Seiten
27
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638104289
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v649
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Institut für Außenhandel und Wirtschaftsintegration
Note
1,3

Autor

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Titel: Internationaler Handel: Vor- und Nachteile für Entwicklungsländer