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Kaufsucht. Ursachen des Kaufszwanges und Präventionsmöglichkeiten

Seminararbeit 2006 26 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Gliederung

A. Der „Begriff“ der Kaufsucht

B. Die Kaufsucht als ein relativ neues Phänomen

I. Inhaltliche Darstellung der Kaufsucht
1. Definition und Phänomenologie
2. Ursachen des Kaufens
3. Epidemiologie in den alten und neuen Bundesländern
4. Funktion des Kaufens

II. Unterschied zu Sucht und Zwang
1. Merkmale einer Sucht (Abhängigkeitssyndrom)
2. Merkmale einer Zwangsstörung

III. Komorbidität
Substanzstörung – Angst – Depression
1.Substanzstörung 2. Angst
3. Depression

IV. Praxisumsetzung im Bereich Sozialpädagogik –Methoden des Sozialarbeiters
1. Soziale Einzelfallhilfe
2. Soziale Gruppenarbeit

V. Präventionsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche
1. Jugendämter
2. Werbung und Erziehung

C. Zusammenfassung und Ausblick

A. Der „Begriff“ der Kaufsucht

Die Kaufsucht ist unter den psychischen Störungen ein noch sehr neues und relativ unerforschtes Phänomen. Deutlich wird dies bereits an seiner Begrifflichkeit.

Die Kaufsucht erscheint als klassifizierte Sucht in keinem der beiden bedeutendsten Nachschlagewerke für psychische Störungen - weder in der aktuellen Ausgabe von ICD (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) noch in DSM (Diagnostisches und Statistisches Manual psychischer Störungen).

Der Begriff „Kaufsucht“ ist kein wissenschaftlich fundierter Begriff. Neben ihm bestehen Bezeichnungen, wie krankhafter Kauftrieb oder Oniomanie[1] ; Kaufzwang, Kaufwut, krankhafte Kauflust, krankhafte Kaufsucht, triebhafte Kaufsucht, anfallsweises Einkaufen oder sogar Kaufrausch[2].

Mit letzterem verbinden wohl die wenigsten von uns eine ernst zu nehmende Krankheit, wie auch der Artikel aus „Der Spiegel“ vom 28. Juni 2006 mit seinem Slogan „Die Deutschen sind im Kaufrausch“[3] erkennen lässt.

Was hier lapidar klingen mag, wird im Folgenden näher erklärt.

Nachfolgende Seiten handeln von der „Krankheit“ „Kaufsucht“ an sich, von deren Verbreitung in unserer Gesellschaft und ihren Komorbiditäten, sowie von den präventiven Methoden, die die Sozialarbeit bereits im Kindes- und Jugendalter einsetzen kann, um diesem Problem zu begegnen.

B. Die Kaufsucht als ein relativ neues Phänomen

Das erst Ende der 80er Jahre[4] in das Zentrum wissenschaftlicher Studien gelangte Störungsbild sorgt bereits bei der Begriffsbestimmung für Verwirrung.

Daher werde ich im Folgenden sowohl die englischen Bezeichnungen „excessivebuying“ (Dittmar & Drury, 2000) und

„compulsive buying“ (Faber & O´Guinn 1989, Kuzma & Black 2004 McElroy, Keck, Pope, Smith & Strakowski 1994), sowie den Begriff

„pathologisches Kaufen“ der Forscher Müller und de Zwaan (2004) ablehnen und mich der mehrheitlichen deutschen Bezeichnung „Kaufsucht“ von Scherhorn, Reisch und Raab (2001), Poppelreuter & Gross (2000) und Grüsser, Thalemann & Alberecht (2004) anschließen.

I. Inhaltliche Darstellung der Kaufsucht

1. Definition und Phänomenologie

Das Störungsbild „Kaufsucht“ wird von Grüsser und Thalemann definiert als „…wiederholt auftretendes, impulsives und exzessives Kaufen von

Dingen, die nicht unbedingt gebraucht werden“[5], mit dem Ziel seinen

Kaufdrang zu befriedigen.

Weitere Merkmale der Kaufsucht sind:

- innerer Druck, der erst beim Kauf der Ware endet
- vergebliche Versuche, dem Kaufimpuls zu widerstehen
- kurzzeitiges Gefühl der Entlastung oder Glücksgefühl[6]

Bei Kaufsüchtigen besitzt jedoch nicht, wie vielleicht anzunehmen, die gekaufte Ware, sondern stets der Kaufakt an sich Suchtpotential. Gekauft werden nicht (nur) Gegenstände, die tatsächlich gebraucht werden.

Jedoch ist mit zunehmender Abhängigkeit ein Kaufmuster nicht selten, um die Störung unter anderem vor den Familienmitgliedern, Freunden etc. zu verschleiern; ähnlich wie bei den bekannteren Verhaltenssüchten z.B. der Essstörung. Die Möglichkeiten solch einer Verschleierung reichen von Gründen, wie dem Gefühl Geld gespart zu haben bis hin zu dem Gedanken, somit seine Unabhängigkeit zu beweisen, da das Geld beispielsweise selbst verdient und somit auch der Verwendungszweck frei wählbar ist.

Oftmals spezialisieren sich Betroffene auf Lebensmittel, Schnäppchen[7] oder Kosmetika. Eben Artikel, die im alltäglichen Leben auch gebraucht werden könnten und bei denen ein Übermaß nur langsam deutlich wird.

Auch werden die Einkäufe nach Erwerb entsorgt oder verschenkt, da der Kaufsüchtige „keinerlei emotionale Bindung an die gekauften Dinge“[8] empfindet.

2. Ursachen des Kaufens

Hinter der Kaufsucht können sich eine Vielzahl unterschiedlicher Ursachen verbergen; Beispielsweise „…Ängste, Depressionen, innere Leere, geringes Selbstwertgefühl…“[9]. Das Kaufen dient als Versuch, „…diese Gefühle in den Griff zu bekommen…“[10].

“Die Wurzeln für das Suchtverhalten liegen in der Kindheit…“[11] und reichen von „…Mangel an Zuwendung und Anerkennung […]“bis hin zu „…Mangel an Liebe und Geborgenheit.“[12]

Das heißt Betroffenen wurde nur Zuwendung der Eltern geschenkt, wenn sie etwas dafür geleistet haben. Die unerfüllte Sehnsucht stand im Mittelpunkt und besteht weiter im Erwachsenenleben. „Sie haben erlebt, dass sie als Person nicht wichtig sind.“[13]

Ein gesundes Selbstwertgefühl, das unabhängig ist von Besitz, konnte also nie entwickelt werden.

Auch die materielle Entbehrung im Kindesalter ist häufig eine Ursache für die Entstehung der Kaufsucht. Dieses Mangelempfinden an Zuwendung wird durch das Kaufen zu kompensieren versucht.

„Kaufsuchtkranke haben nicht gelernt, sich mit Konflikten auseinanderzusetzen. Probleme in der Familie, Sorgen um den Arbeitsplatz oder Einsamkeit werden mit Kaufen verdrängt.“[14]

3. Epidemiologie in den alten und neuen Bundesländern

Die bisher aufwendigste Studie wurde zur Epidemiologie der Kaufsucht wurde 1991 von Scherhorn, Reisch und Raab durchgeführt. Diese ergab in der ersten Durchführung eine Betroffenenquote von ca. 1% in den neuen Bundesländern und etwa 5% in den alten Bundesländern.

In einer Wiederholungsstudie im Jahr 2001 stellen die Forscher eine Erhöhung der Quote auf 6,5% in den neuen und 8% in den alten Bundesländern fest.[15]

[...]


[1] Lexikon der Psychologie; Band 2; von Arnold, Eysenck, Meili; Verlag: Herder

[2] http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/kaufzwang.html; Stand:02.10.2006; Verantwortlicher:Prof. Dr. med. Volker Faust

[3] http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,424093,00.html; Stand: 02.10.2006; Verantwortliche:Anne Seith

[4] „Verhaltenssucht –Diagnostik, Therapie, Forschung“; Grüsser/Thalemann; Verlag: Huber; 2006; S. 81

[5] „Verhaltenssucht –Diagnostik, Therapie, Forschung“; Grüsser/Thalemann; Verlag: Huber; 2006; S. 81

[6] „Verhaltenssucht –Diagnostik, Therapie, Forschung“; Grüsser/Thalemann; Verlag: Huber; 2006; S. 82

[7] „Verhaltenssucht –Diagnostik, Therapie, Forschung“; Grüsser/Thalemann; Verlag: Huber; 2006; S. 88

[8] „Verhaltenssucht –Diagnostik, Therapie, Forschung“; Grüsser/Thalemann; Verlag: Huber; 2006; S. 92

[9] http://www.palverlag.de/Kaufsucht.html; Verantwortlicher: Dr. Rolf Merkle; Stand: 15. 09. 2006

[10] http://www.palverlag.de/Kaufsucht.html; Verantwortlicher: Dr. Rolf Merkle; Stand: 15. 09. 2006

[11] http://www.palverlag.de/Kaufsucht.html; Verantwortlicher: Dr. Rolf Merkle; Stand:15.09.2006

[12] http://www.palverlag.de/Kaufsucht.html; Verantwortlicher: Dr. Rolf Merkle; Stand:15.09.2006

[13] http://www.palverlag.de/Kaufsucht.html; Verantwortlicher: Dr. Rolf Merkle; Stand:15.09.2006

[14] http://www.palverlag.de/Kaufsucht.html; Verantwortlicher: Dr. Rolf Merkle; Stand:15.09.2006

[15] „Verhaltenssucht –Diagnostik, Therapie, Forschung“; Grüsser/Thalemann; Verlag: Huber; 2006; S. 83

Details

Seiten
26
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638574914
ISBN (Buch)
9783640527717
Dateigröße
570 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v64757
Institution / Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
2,0
Schlagworte
Kaufsucht Abhängigkeit-Depression-Angst Kaufzwang Sucht

Autor

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