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Lokale politisch-administrative Eliten der Bundesrepublik Deutschland - Konvergenz oder Divergenz kommunaler Eliten nach der Wiedervereinigung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 14 Seiten

Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen
2.1 allgemeiner Elitenbegriff
2.2 lokale politisch-administrative Elite

3. aktuelle Forschungsstand lokaler politisch-administrativer Elite des SFB 580
3.1 demographische Merkmale kommunaler Eliten im Ost-West-Vergleich
3.2 Politisierung der kommunalen Eliten

4. Perspektiven kommunaler Eliten in Deutschland

5. Quellenverzeichnis
5.1 Literaturverzeichnis
5.2 Quellen aus dem Internet

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit ist im Rahmen des Hauptseminars „Öffentlicher Dienst in Deutschland und in internationaler Perspektive“ im Sommersemester 2006 an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam geschrieben worden.

Im wesentlichen hat sich der Autor zum Ziel gesetzt, den gegenwärtigen Stand, Entwicklungen und Prognosen der Elitenforschung auf kommunaler Ebene aufzuzeigen. Hierbei ist die Langzeitstudie des Sonderforschungsbereiches 580 (SFB 580) ein wesentliches Element dieser Arbeit[1]. Dies begründet sich durch die aktuellen Untersuchungen in Bezug auf lokale politisch-administrative Eliten, die gegenwärtig am Institut für Soziologie an der Martin-Luther-Universität zu Halle-Wittenberg durchgeführt werden. In den letzten Dekaden gab es hierzu keine vergleichbaren Betrachtungen auf dieser politischen Partizipationsebene, so daß der Forschungsbereich der „Kommunalen Eliten“ noch in den „Kinderschuhen“ steckt und derzeit leider entsprechend wenig aussagekräftige empirische Untersuchungen zur Verfügung stehen.

Der SFB 580 – Teilprojekt A4 ist durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert worden und hat zum Ziel, „Gemeinsamkeiten und Unterschiede struktureller Merkmale sowie berufliche Erfahrungen und Qualifikationen [kommunaler Eliten] zu vergleichen und im Hinblick auf die politische Arbeit zu analysieren“[2]. In diesem Projekt wurden insgesamt 138 lokale Verwaltungseliten und 2011 Bürger aus den beiden Bundesländern Sachsen-Anhalt (SA) und Nordrhein-Westfalen (NRW) über ihre individuellen Lebensläufe befagt, mit dem Ziel eine Konvergenz bzw. Divergenz in den Strukturen der loakal politisch-administrativen Eliten festzustellen. Die Studie ist in verschiedene Phasen einer Bürger- und Elitenbefragung angelegt, wobei alle drei Jahre die Untersuchung in vergleichender Perspektive durchgeführt wird und letztendlich im Jahre 2010 abgeschloßen sein wird. Die Ergebnisse der Bürgerbefragung sollen hier unberücksichtigt bleiben, da sie ansonsten den Rahmen der Arbeit sprengen würden.

Es können jedoch die ersten verfügbaren Ergebnisse der Evaluation aus dem Jahre 2003 des Forschungsprojekts ausgewertet werden, die diesjährigen Ergebnisse der zweiten Elitenbefragung liegen derzeit nicht vor, da die Untersuchungen hierzu noch nicht abgeschlossen sind.

Es soll in dieser Arbeit zunächst geklärt werden, was „Eliten“, insbesondere lokale politisch-administrative Eliten eigentlich kennzeichnen, wozu es zunächst notwendig ist, diese hinreichend zu definieren. Die Arbeit soll im wesentlichen die vorliegenden Zwischenergebnisse des empirischen Vergleichs der beiden Bundesländer Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen, als Ost-West-Vergleich, hinsichtlich ihrer kommunalen Eliten aufzeigen. Die Bundes- und Ländereliten sind nicht Gegenstand der Untersuchung, da sie nur mittelbar auf kommunaler Ebene agieren.

Abschließend werden aus dem Zwischenergebnis des Projekts erste Erkenntnisse gezogen und es werden Ausblicke aufgezeigt, ob und wie sich die Stellung kommunaler Eliten wandelt und welche Unterschiede es noch zwischen lokalen Eliten in den neuen und alten Bundesländern gibt bzw. geben wird – ob es also eher Anzeichen einer Angleichung oder einer Parallelentwicklung kommunaler Eliten in Deutschland gibt.

2. Definitionen

2.1 allgemeiner Elitenbegriff

Allgemein sind Eliten als

„Personen zu definieren, die sich durch ihre gesellschaftliche Macht bzw. ihren Einfluß auf gesellschaftlich bedeutsame Entscheidungen auszeichnen. [...] Als Eliten werden zudem normalerweise nur solche Personen bezeichnet, deren Macht institutionalisiert ist, also als Ausdruck einer mehr oder weniger dauerhaften Machtstruktur aufgefaßt werden kann.“[3]

Hierbei können weiterhin Untergliederungen in Leistungs-, Positions-, Funktionselite oder in einer räumlichen Dimension u.a. als lokale Elite voneinander unterschieden werden[4]. Die Mannheimer Elitestudie aus dem Jahre 1968 geht davon aus, daß es im damaligen Westdeutschland eine ausgeprägte „konsensuell geeinte Elite“[5] gab, d.h. das sich diese Führungsschichten durch zwei wesentliche Merkmale eingrenzen lassen; zum einen durch Konsens im Bewußtsein ihrer demokratischen Legitimation und dessen Handlungsrahmen, zum anderen durch die strukturelle Integration der Eliten, also das Vorhandensein eines Netzwerkes von Integrationsbeziehungen auf Eliteebene, die den Zugang zu den zentralen politischen Entscheidungsprozessen ermöglicht[6].

Mit der deutschen Wiedervereinigung verband sich auch ein Transformationsprozeß auf der Eliteebene, mit dem sich ein rapider Personalwechsel in den neuen Bundesländern, eine selektive Integration neuer Führungskräfte, sowie eine Neuformierung der politisch-administrativen Führungsebene Anfang der 1990er Jahre.[7] Ein Elitenaustausch vollzog sich vorwiegend in der hohen Eliteebene, wohingegen in den mittleren- und unteren administrativen Institutionen ein Elitewechsel, zum Teil eine Elitenkontinuität, feststellbar ist.

Der Elitenbegriff ist in Deutschland, auf Grund der historischen Ereignisse der administrativen Organe in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, immer noch stark normativ und vor allem negativ belastet. In dieser Arbeit soll das Synonym „Elite“ jedoch als wertfrei angesehen werden und eher im Sinne einer „Führungsebene“ oder „hohen Organisationseinheit“ betrachtet werden[8].

2.2 lokale politisch-administrative Elite

Die kommunale Elite ist eine „je nach Gemeindegröße zwanzig bis achtzig oder auch hundert

Personen umfassende Gruppe [...], von der man annehmen kann, daß sie die Politik der jeweiligen Stadt maßgeblich bestimmt“[9]. Sie sind demnach nur auf kommunaler Ebene tätig und unterscheiden sich hierbei von anderen Eliten auf vertikaler Ebene. Mit diesem eher engen Handlungsrahmen ist eine im Verhältnis geringere Aktionsebene verbunden, wobei auch hier eine Differenzierung von Einfluß der einzelnen kommunalen Träger auf vertikaler und horizontaler Ebene wesentlich ist, d.h., welches Amt ein jeweiliger Akteur in einer bestimmten Kommune versieht. So reichen diese Ämter i.e.S. vom Bürgermeister/Landrat mit jeweiligen Beigeordneten, Fraktionsvorsitzenden der Stadt-/Gemeindevertretung, Vorsitzende der jeweiligen Ausschüsse in der Gemeindevertretung und den jeweiligen Amtsleitern. Oft führen lokale politisch-administrative Eliten zudem Ehrenämter aus, engagieren sich in ortsansässigen Vereinen, Verbänden oder sonstigen Einrichtungen, sie sind also „Mehrfunktionsträger“ und können aus ihren Ämtern mitunter Synergieeffekte ziehen. Kommunale Eliten führen zudem meist sog. „politiknahe Berufe“ aus, die eine unkomplizierte Möglichkeit zur Karriereunterbrechung und öffentliche Netzwerkverflechtungen bieten, diese finden sich größtenteils im Bereich des öffentlichen Dienstes wider.

Inwiefern sie ebenfalls eine „kosensuell geeinte Elite“ bilden und, wieweit sie eine gewisse Homogenität aufweisen, soll im Folgenden geklärt werden.

[...]


[1] Der vorliegende Beitrag basiert in großen Teilen auf Zwischenergebnissen der Studie SFB 580 – Teilprojekt

A4 unter Leitung von Heinz Sahner. Die derzeit laufende Untersuchung zur „Lokalen politisch-administrativen

Elite – Lebensläufe zwischen Kontinuität und Neupositionierung“ wurde an der Friedrich-Schiller Universität

zu Jena und der Martin-Luther-Universität zu Halle-Wittenberg durchgeführt. Ich möchte in diesem

Zusammenhang Sören Petermann für die Bereitstellung erster Untersuchungsergebnisse ausdrücklich danken.

[2] Sahner, Heinz: Lokale politisch-administrativen Eliten. Lebensläufe zwischen Ungewißheit,

Professionalisierung und Legitimation. Kurzpräsentation der Untersuchungsergebnisse, Martin-Luther-

Universität Halle-Wittenberg, Institut für Soziologie, SFB 580 – Teilprojekt A4, o.J., S. 2.

[3] Kurp, Matthias: Lokale Medien und kommunale Eliten: partizipatorische Potentiale des Lokaljournalismus bei

Printmedien und Hörfunk in Nordrhein-Westfalen, Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen, 1994, S. 34.

[4] Vgl. ebd.

[5] Hoffmann-Lange, Ursula: Eliten und Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland. In: Kaase, Max (Hrsg.):

Politische Wissenschaft und politische Ordnung. Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen, 1986, S. 318 ff.

[6] Bürklin, Wilhelm: Die Potsdamer Elitestudie von 1995: Problemstellungen und wissenschaftliches

Programm. In: Bürklin, Wilhelm/Rebenstorf, Hilke u.a.: Eliten in Deutschland: Rekrutierung und

Integration, Leske + Budrich, Opladen, 1997, S. 12.

[7] Vgl. http://www.bpb.de/wissen/02900263627788894595669591520487,0,0,Politische_Elite.html [Stand:

7.Mai 2006] zitiert nach: Andersen, Uwe/Wichard Woyke (Hrsg.): Handwörterbuch des politischen

Systems der Bundesrepublik Deutschland. 4. Aufl. Opladen: Leske+Budrich, Bonn, 2000.

[8] Vgl. Stammer, Otto: Das Elitenproblem in der Demokratie. In: Röhrich, Wilfried: „Demokratische“

Elitenherrschaft. Traditionsbestände eines sozialwissenschaftlichen Problems, Wissenschaftliche

Buchgesellschaft Darmstadt, 1975, S.192 ff.

[9] Kurp, Matthias: a.a.O., S. 34.

Details

Seiten
14
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638574761
ISBN (Buch)
9783638746168
Dateigröße
602 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v64734
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Regierungssystem der BRD
Note
2,0
Schlagworte
Lokale Eliten Bundesrepublik Deutschland Konvergenz Divergenz Wiedervereinigung Dienst Perspektive

Autor

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