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Der Kult des Sol und Sol Invictus - Entwicklung und Funktion des Kultes bis Kaiser Aurelian

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 25 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Anfänge des Sol- Kultes
2.1 Der Sonnengott „Sol Indiges“
2.2 Forschungskontroverse: Ursprüngliche Herkunft des „Sol Indiges“

3. Bedeutungswachstum des „Sol“ – Kultes
3.1 Der Übergang zum „Sol Invictus“
3.2 Die Übernahme syrischer Kulte

4. Der Kult des Sonnengottes unter Elagabal
4.1 Seine Religionspolitik
4.2 Das Scheitern einer religiösen Revolution

5. Der Sonnengott unter Aurelian
5.1 Ein Ausblick: Reformierung des Kultes

6. Fazit

7. Quellen
Literatur

1. Einleitung

In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit dem Kult des Sonnengottes und seiner Entwicklung im Römischen Reich. Sonnengötter gab es in jeder Kultur wie zum Beispiel bei den Griechen und auch den Syrern, und oftmals kam es zu Vermischungen, wie auch hier in der Arbeit zu sehen sein wird. Mein Hauptaugenmerk liegt aber bei der Entwicklung des Kultes im römischen Gebiet. Dabei werde ich den Zeitraum sehr weit spannen und zunächst mit dem ursprünglichen Sol-Kult der Römer beginnen, der um das dritte Jahrhundert v.Chr. das erste Mal überliefert wird. Die Forschungskontroverse über die Herkunft des Kultes soll dabei nur noch einmal einen tieferen Einblick in den ursprünglichen Kult bieten, eine Antwort auf die Frage nach dem Ursprung lässt sich nicht ohne weiteres geben.

Im ersten und zweiten Jahrhundert n.Chr. sorgt eine steigende Popularität syrischer Kulte für eine langsame Übernahme des syrischen Sonnengottes, vor allem des „Sol Invictus Elagabal“ in der vierjährigen Regierungszeit Elagabals. Unter diesem Kaiser erlebte der syrische Sol eine Blütezeit, die allerdings mit dem Mord an Elagabal rasant endete. Bis zu Aurelian rund 50 Jahre später verschwand der Kult größtenteils aus dem öffentlichen Leben der Römer. Aurelian entwickelte den Kult vollkommen neu und nutzte ihn für politische Belange, welches auch nachfolgende Herrscher nachahmten. Mit einbezogen werden die zwei Viten von Elagabal und Aurelian aus der spätantiken „Historia Augusta“, einer Sammlung von 30 Kaiserbiographien, die historisch kritisch gesehen werden sollte und hier nur einen tieferen Einblick in Elagabals Politik und die Reaktionen darauf geben soll. Dabei beziehe ich mich nur auf einige Inhalte, die auch in der übrigen Literatur anzufinden sind und lasse die popularen Stellen wie Erzählungen über Orgien und ähnliche Schilderungen aus. Gestützt habe ich mich weiterhin vor allem auf die ebenfalls chronologische Arbeit von Gaston Halsberghe, der einen sehr guten und detaillierten Überblick über den Sonnenkult gibt.

Meine Arbeit deckt eine so große Zeitspanne ab, weil es mir wichtig ist, jedes Stadium des Kultes zu erfassen und vor allem auch zu zeigen, wie unterschiedlich die Funktion beziehungsweise die Bedeutung des Kultes war. Die chronologische Vorgehensweise soll zeigen, wie die Religion modifiziert wurde und aus der anfangs privaten Anbetung nach und nach ein politisches Instrument wurde, ermöglicht durch die wachsende Beliebtheit des Kultes und geschicktes Handeln. Dabei soll es nicht in erster Linie um den Inhalt der Religion und ihre Riten gehen, sondern viel mehr um die öffentliche, meist auch politische Seite, die sich bei diesem Kult langsam entwickelte.

2. Anfänge des Sol- Kultes

2.1 Der Sonnengott „Sol Indiges“

Schon im ältesten römischen Kalender, wohl so um das dritte oder zweite Jahrhundert v.Chr., wird der „Sol Indiges“ mit einer Kultstätte auf dem Quirinal genannt. Varro, ein römischer Antiquar, der von 116 – 27 v.Chr. gelebt hat, führt den Kult zurück auf die sabinische Gens Aurelia, die dem Sonnengott einen eigenen Kult gewidmet haben soll.[1] So schreibt Varro: „Feronia, Minerva, Novensides a Sabinis. Paulo aliter ab eisdem dicimus haec: Palem, Vestam, Salutem, Fortunam Fontem, Fidem. Et arae Sabinum linguam olent, quae Tati regis voto sunt Romae dedicatae: nam, ut annales dicunt, vovit Opi, Florae, Vediovi Saturnoque, Soli, Lunae, Volcano et Summano…“[2] König Tatius soll verschiedenen Göttern, unter anderem auch Sol, Altare in Rom gewidmet haben, wie die Sabiner überlieferten.

Übersetzen könnte man das Wort „Indiges“ wohl mit „Stammvater“. „Sol Indiges“ gehörte zu den „Dii Indigetes“, den ersten Göttern, welche das Leben der Menschen überwachten. Der Sonnengott galt dabei als Beschützer von Gesundheit, Fruchtbarkeit und Ehrlichkeit und spielte im bäuerlichen Leben als Patron für eine gute Ernte bei den frühen Römern eine wichtige Rolle.[3] Hier kann man sehen, dass „Sol“ anfangs keineswegs ein offizieller oder staatlicher Kult gewesen war. Vielmehr betete man privat zu ihm, daher gab es wohl im frühen Rom noch keine Überlieferungen. „Sol“ und auch der Mondgöttin „Luna“ oblag es, den bäuerlichen Kalender zu regeln und so das Leben der bäuerlichen Bevölkerung, aus denen Rom anfangs hauptsächlich bestand, zu ordnen.[4]

Der „Sol Indiges“ besaß einen Tempel auf dem Quirinal, dessen Fest immer am 9. August stattfand, zudem galt der Sonnengott als Beschützer des Circus Maximus und der Quadriga, zurückgeführt auf die Tradition, den Gott in einem Viergespann abzubilden. Im Circus Maximus kann eine Tempelanlage nachgewiesen werden, deren Jahresfeier auf den 28. August fiel. Hier wurde „Sol“ allerdings zusammen mit „Luna“ verehrt[5].

Abschließend kann man sagen, dass der Kult des Sol im frühen Rom keine sehr große Rolle im öffentlichen Leben spielte und eher für die ländliche Bevölkerung eine Rolle spielte, um eine gute Ernte und somit auch das Überleben zu garantieren. Bis ins erste Jahrhundert n.Chr. finden sich nur sehr wenige Funde, die „Sol“ zeigen, so zum Beispiel zwei Obelisken aus augusteischer Zeit oder einige Münzen aus dem Zweiten Punischen Krieg (219-201 v.Chr.), die den Sonnengott abbilden. Der Bezug zum Leben der Römer verlor sich mit der Zeit, vor allem in der Stadt, und so verschwand „Sol Indiges“ immer weiter aus ihrem Dasein[6].

2.2 Forschungskontroverse: Ursprüngliche Herkunft des „Sol Indiges“

In diesem Kapitel sollen zwei verschiedene Meinungen zur Herkunft des „Sol“ angezeigt werden, um einen weiteren Blick in den ursprünglichen Kult zu werfen. Georg Wissowa geht von einem griechischen Ursprung des Sonnengottes aus, während Gaston Halsberghe die Meinung vertritt, dass der Kult römisch begründet ist. Es soll hier nicht um eine eindeutige Beantwortung der Frage gehen, sondern eher darum, das vorhergegangene Kapitel noch einmal zu vertiefen und so einen besseren Überblick geben zu können.

Georg Wissowa betont, dass Alter und Herkunft des Kultes von „Sol“ und „Luna“ nur mit annähernder Sicherheit bestimmt werden können. Für ihn wird die griechische Entlehnung plausibel, da eine der ältesten Kultstätten des „Sol Indiges“ als „pulvinar“ bezeichnet wird (eine kleine Loge in der Tempelanlage auf dem Quirinal), und dieser Ausdruck fest mit den Riten der Griechen verbunden sei. Weiterhin ist zu erwähnen, dass sich weder im Festkalender noch in der Priesterordnung eine Spur einer gottesdienstlichen Verehrung finden lassen und dass auch sonst nirgendwo in Italien ein alter Sonnenkult nachweisbar ist.[7] Wie schon oben erwähnt, ist die erste Überlieferung einer Verehrung des „Sol“ erst im dritten oder sogar zweiten Jahrhundert v.Chr. zu verzeichnen. Für Wissowa gehört der Sonnengott auch nicht zu den „Dii Indigetes“, und wenn, dann entsteht für ihn die Frage, warum er als einziger Gott den Zusatz „Indiges“ trägt, da zum Beispiel Vesta, seit frühester Zeit verehrt, nicht zusätzlich als solche „Indiges“ gekennzeichnet wird. Seine Vermutung ist, dass in augusteischer Zeit, in welcher der Sol- Kult an Bedeutung zunahm „Indiges“ als Abgrenzung zu dem schon aufkommenden Sonnenkult aus dem Orient benutzt wurde und so eher mit „einheimisch“ übersetzt werden müsste. Als weiteren Pluspunkt für seine These der griechischen Herkunft sieht er die Münzprägung an. Die mit einem „Sol“-Bild geprägten Münzen sind aus dem griechischen Münzwesen entlehnt und könnten so eine Verbindung herstellen[8].

Gaston Halsberghe dagegen ist deutlich auf der Seite derer, die einen römischen Ursprung des Kultes unterstützen. Seiner Meinung nach kann man nicht auf Grund weniger und teilweise nicht konkreter Quellen von einem griechischen Ursprung ausgehen und er vertritt auch die These, dass es seit Beginn der römischen Geschichte einen Sonnengott gegeben habe.[9] Für ihn ist „Sol“ einer der ältesten Götter, der „Dii Indigetes“ und er weist darauf hin, dass man schon im vierten Jahrhundert v.Chr. Indizien auf eine kultische Verehrung des „Sol“ und eine Beziehung zwischen „Sol“ und „Iupiter“ gefunden hätte. Als ersten Beweis für eine kultische Verehrung des „Sol Indiges“ sei eine Münze aus dem Zweiten Punischen Krieg (219-201 v.Chr.), die ihn auch deutlich als „Indiges“ bezeichnet.[10] Dies würde die These Wissowas, was die Bedeutung des „Indiges“ angeht, widerlegen. Weiterhin würden die beiden alten Tempel auf dem Quirinal und im Circus Maximus deutlich für einen römischen Ursprung sprechen, zudem habe man Eintragungen in einem römischen Kalender zu „Sol Indiges“ gefunden.[11] Auf Wissowas Argument, die „Sol“- Münzen würden auf eine griechische Herkunft weisen, verweist Halsberghe auf die Tatsache, dass das griechische Münzwesen allgemein im römischen Reich übernommen wurde. Dazu käme, dass in Griechenland der Helios- Kult, also der Sonnengott, keine besonders große Rolle gespielt habe, und somit Münzbilder[12] oder überhaupt ein flächendeckendes Übergreifen des griechischen Kultes auf Rom und Umgebung unwahrscheinlich seien. Weiterhin verweist er auf den oben schon erwähnten Varro, welcher den „Sol“ – Kult auf die sabinische „Gens Aurelia“ zurückführt, die den Kultus übernahm, nachdem der Sabinerkönig Titus Tatius, einer der Mitbegründer Roms, diesen eingeführt haben soll[13].

[...]


[1] Altheim, Franz: Römische Religionsgeschichte, Band 1, Berlin 1956, S. 7.

[2] Varro: On the latin language, Roland G. Kent (Hg.), London 1917, 5,74.

[3] Halsberghe, Gaston: The cult of Sol Invictus, Leiden 1972, S. 26, (Im folgenden zitiert als: Halsberghe: Sol Invictus, S.)

[4] Gordon, Richard L.: Art. Sol, in: DNP, Band 11, Stuttgart/Weimar 1997, Sp. 692, (Im folgenden zitiert als: Gordon: Art. Sol, Sp.).

[5] Halsberghe: Sol Invictus, S. 30.

[6] Latte, Kurt: Römische Religionsgeschichte, München 1960, S. 233, (Im folgenden zitiert als: Latte: Religionsgeschichte, S.).

[7] Wissowa, Georg: Religion und Kultus der Römer, München 1912, S. 315, (Im folgenden zitiert als: Wissowa: Religion, S.).

[8] Wissowa: Religion, S. 317.

[9] Halsberghe: Sol Invictus, S. 26f.

[10] Halsberghe: Sol Invictus, S. 27.

[11] Halsberghe: Sol Invictus, S. 28.

[12] Halsberghe: Sol Invictus, S. 31.

[13] Halsberghe: Sol Invictus, S. 35.

Details

Seiten
25
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638574310
ISBN (Buch)
9783638664387
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v64679
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Fakultät für Geschichtswissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Kult Invictus Entwicklung Funktion Kultes Kaiser Aurelian Hauptseminar Religion Kaisertum Severern Konstantin Großen

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