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Lyrik der Weimarer Republik - Gedichtanalyse - Stefan George und Erich Kästner

Seminararbeit 2003 17 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung…

2. Stefan George – Einem jungen Führer im ersten Weltkrieg
2.1 Untersuchung der Gedichtform
2.2 Inhaltliche Interpretation des Gedichts

3. Erich Kästner – Primaner in Uniform
3.1 Untersuchung der Gedichtform
3.2 Inhaltliche Interpretation des Gedichts

4. Vergleich der analysierten Gedichte und Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Seminararbeit beschäftigt sich thematisch mit der literarischen Epoche zwischen 1918 und 1933 und untersucht zu diesem Zwecke zwei Gedichte aus dieser Zeit. Es handelt sich zum einen um Stefan Georges Werk ‚Einem jungen Führer im Ersten Weltkrieg’ und zum anderen um Erich Kästners ‚Primaner in Uniform’.

Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen war geprägt von einer Vielfalt an unterschiedlichen literarischen Ansätzen. Ältere Autoren des Symbolismus oder Expressionismus trafen in den zwanziger Jahren auf eine neue Generation von Schriftstellern die für die Neue Sachlichkeit standen. Vor allem in den unmittelbaren Nachkriegsjahren des ersten Weltkriegs entstand so eine große Auswahl an gesellschaftskritischen Gedichten, die unter anderem auch verschiedene politische Ideologien vertraten. Der Erste Weltkrieg war in dieser Epoche ein oft gewähltes Motiv und ist auch Gegenstand dieser Seminararbeit. Sowohl Stefan George als auch Erich Kästner setzten sich intensiv mit dem Krieg auseinander, wenn auch aus unterschiedlichen Blickwinkeln. George erlebte den Krieg in seinen Vierzigern, während Kästner gerade zum Erwachsenen heranreifte. Beide Autoren thematisieren die Sinnlosigkeit des Kriegs, doch während George sich mehr mit dem Ausgang des Kriegs und der Heimkehr der Soldaten beschäftigt, richtet sich Kästner Blick auf die Rolle der Schule während des Ersten Weltkrieges.

Zunächst werden beide Gedichte auf ihre Form hin untersucht. Hier sollen vor allem die formalen Besonderheiten der jeweiligen Gedichte, soweit sie vorhanden sind, herausgefiltert werden. Danach wird der Versuch unternommen, beide Gedichte bezüglich ihres Inhalts zu interpretieren. Hier soll vor allem auf die in den Gedichten angesprochen Aspekte eingegangen und diese mit den Autoren in Verbindung gesetzt werden. Zur jeweiligen Interpretation kommen also auch die biographischen Hintergründe der Autoren hinzu. Abschließend werden die beiden Gedichte bezüglich ihrer Form und ihres Inhalts in Kontrast gesetzt. Zu diesem Zweck werden auch die beiden Autoren kurz gegenübergestellt und unter anderem die unterschiedlichen Ansätze der beiden Schriftsteller herausgearbeitet.

2. Stefan George - Einem jungen Führer im ersten Weltkrieg

Wenn in die Heimat du kamst aus dem zerstampften gefild

Heil aus dem prasselnden guss höhlen von berstendem schutt

Keusch fast die Rede dir floss wie von notwendigem Dienst

Von dem verwegensten ritt von den gespanntesten mühn . .

Freier die Schulter sich hob drauf man als Bürde schon lud

Hunderter schicksal:

Lag noch im ruck deines arms zugriff und schneller befehl

In dem sanft-sinnenden aug obacht der steten gefahr

Drang eine kraft von dir her sichrer gelassenheit

Dass der weit ältre geheim seine erschüttrung bekämpft

Als sich die knabengestalt hochaufragend und leicht

Schwang aus dem sattel.

Anders als ihr euch geträumt fielen die würfel des streits

Da das zerrüttete heer sich seiner waffen begab

Standest du traurig vor mir wie wenn nach prunkendem fest

Nüchterne woche beginnt schmückender ehren beraubt

Tränen brachen dir aus um den vergeudeten schatz

Wichtigster jahre

Du aber tu es nicht gleich unbedachtsamem schwarm

Der was er gestern bejauchzt heute zum kehricht bestimmt

Der einen markstein zerhaut dran er strauchelnd sich stieß

Jähe erhebung und zug bis an die pforte des siegs

Sturz unter drückendes joch bergen in sich einen sinn

Sinn in dir selber

Alles wozu du gediehst rühmliches ringen hindurch

Bleibt dir untilgbar bewahrt stärkt dich für künftig getös

Sieh ∙ als aufschauend um rat langsam du neben mir schrittst

Wurde vom abend der sank um dein aufflatterndes haar

Um deinen scheitel der schein erst von strahlen ein ring

Dann eine krone.[1]

2.1 Untersuchung der Gedichtform

Das Gedicht „Einem jungen Führer im ersten Weltkrieg“ hat insgesamt fünf Strophen. Jede dieser Strophen hat 6 Zeilen. Die ersten fünf Verse haben jeweils sechs Hebungen und sind Langverse, im Gegensatz zum jeweils Letzten Vers, der nur zwei Hebungen aufweist. Der Rhythmus ist gekennzeichnet durch unregelmäßige Hebungen und Senkungen: Einer Hebung schließen sich zwei Senkungen an, darauf kommt wieder eine Hebung, gefolgt von zwei Senkungen und einer Hebung. Der letzte Vers jeder Strophe beginnt jeweils mit einer Hebung. Darauf folgen dann zwei Senkungen, wieder eine Hebung und abschließend nur eine Senkung. Dieser Rhythmus zieht sich jedoch nicht durch das ganze Gedicht. In der zweiten und vierten Strophe weicht er jeweils zwei Mal, in der dritten und fünften Strophe jeweils ein Mal davon ab. Es lässt sich somit kein einheitlicher Sprechrhythmus für das komplette Gedicht festlegen.

In den Verssätzen selber wird die Wortstellung sehr oft verdreht, was normalerweise auf eine Bildung von Reimen hinweist. Dieses Gedicht ist jedoch reimlos. Es weist aber andere Klangkorrespondenzen auf: An insgesamt vier Stellen erkennt man die Verwendung von Alliteration. Im ersten Vers der zweiten Strophe ist von einem „sanft-sinnendenAuge die Rede, während es im ersten Vers der letzten Strophe um ein „rühmliches ringen“ geht. In der letzten Strophe taucht die Alliteration zum dritten Mal auf, als beschrieben wird, wie um des jungen Führers „scheitel der schein“ des Sonnenuntergangs zu einer Krone wird. Diese Phrase fällt sowohl in die Kategorie Alliteration, wie auch in die der Assonanz. Das letzte Beispiel ist im sechsten Vers der vierten Strophe zu finden in der Aufforderung „Sinn in dir selber.“

Betrachtet man die Versstruktur, fällt auf, dass im Gedicht kein großer Wert auf eine korrekte Schreibweise gelegt wird. So werden alle Wörter klein geschrieben, bis auf die Versanfänge, die allesamt groß geschrieben werden, auch wenn sie mitten im Satz stehen Die Orthographie innerhalb des Gedichts ist ebenso nicht natürlich: es wird über die gesamte Dauer kein Komma und kein Fragezeichen verwendet. Die erste Strophe wird aber durch einen Doppelpunkt und die nachfolgenden Strophen jeweils durch einen Punkt abgeschlossen. Diese Schreibweise ist charakteristisch für Georges Lyrik. Angeeignet hatte er sie sich während seiner Wanderjahre in England und Frankreich. Bereits zu dieser Zeit fiel an der äußeren Form seiner Texte vor allem die fehlende Interpunktion und die dominierende Kleinschreibung auf. Den groß geschriebenen Versanfängen wird durch diese Schreibweise ein größeres Gewicht beigemessen. Da innerhalb des Gedichts so gut wie keine Interpunktion vorhanden ist, lassen sich Zeilensprünge nur schwer erkennen. Die jeweils letzten Verse jeder Strophe kann man jedoch als Enjambements bezeichnen, da sie sinngemäß immer zum Satz des vorigen Verses gehören. Eine Besonderheit lässt sich in der fünften Strophe erkennen: Hier setzt der Verfasser nach dem Imperativ „Sieh“ einen Punkt (∙), der den Leser zu einer Pause zwingt und dieser Stelle eine besondere Deutung zukommen lässt, auf die später noch in der inhaltlichen Analyse verwiesen wird.

[...]


[1]Kreuzer, Helmut:Deutsche Gedichte zwischen 1918 und 1933. Stuttgart: Reclam 1999, S.80f.

Details

Seiten
17
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638572408
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v64416
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
2,5
Schlagworte
Lyrik Weimarer Republik Gedichtanalyse Stefan George Erich Kästner

Autor

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