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Methodisches Recherchieren. Grenzen und Ziele von Recherche-Verfahren

Seminararbeit 2005 10 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Begriffsbestimmung in Praxis und Theorie

2. Recherche im journalistischen Alltag

3. Ziele und Grenzen des Recherchierens

4. Methodisches Recherchieren

5. Recherche-Verfahren im journalistischen Alltag

6. Recherchehilfen

7. Rechtliche Aspekte

1. Begriffsbestimmung in Praxis und Theorie

„Mit einer Schrotflinte ins Dunkle schießen und hoffen, irgendwie ins Schwarze zu treffen“[1] – das entspricht laut Ex-„Zeit“-Herausgeber Theo Sommer den Vorstellungen vieler Journalisten von Recherche. Hans Leyendecker, Leitender Politischer Redakteur der „Süddeutschen Zeitung“, kritisiert, in den redaktionellen Chefetagen bestehe Recherche darin, ohne Hilfe der Sekretärin eine Telefonnummer herauszufinden[2]. Die Auffassungen darüber, was Recherchieren ist, sind zum Teil abenteuerlich. Michael Haller hat eine treffende, aber – wie er eingesteht – abstrakte Definition vorlegt, die von mehreren Fachautoren übernommen[3] wurde. Das Recherchieren ist demnach

„im engeren Sinne ein Verfahren zur Beschaffung und Beurteilung von Aussagen über reales Geschehen, die ohne dieses Verfahren nicht preisgegeben, also nicht publik würden. Im weiteren Sinne ist es ein Verfahren zur Rekonstruktion erfahrbarer, d.h. sinnlich wahrgenommener Wirklichkeit mit den Mitteln der Sprache“.[4]

Im Gegensatz zu Haller unterscheidet Claudia Mast zwischen aktiver und passiver Recherche. Weil es aber problematisch ist, die Auswahl und Bearbeitung von Texten als passive Recherche zu bezeichnen,[5] wird auf eine genauere Erläuterung dieser zwei Typen verzichtet.

2. Recherche im journalistischen Alltag

Handbüchern zufolge[6] gehört die Recherche zu den wichtigsten journalistischen Arbeitsmethoden. In der alltäglichen Praxis wird sie häufig vernachlässigt, was die kritischen Einschätzungen von Sommer und Leyendecker verdeutlichen. Eine unzureichende Ausbildung, Zeitdruck, personelle Engpässe oder Bequemlichkeit wirken sich in nachlässigen, fehlerhaften Recherchen oder einem Recherche-Verzicht aus. Bei deutschen Zeitungen lag der durchschnittliche Zeitaufwand für das Recherchieren 1993 bei 148 Minuten pro Tag, wie Weischenberg, Löffelholz und Scholz herausgefunden haben. Generell recherchierte etwas mehr als ein Viertel (28%) aller Journalisten täglich nicht mehr als eine Stunde.[7]

[...]


[1] Zitiert nach: Politz, Frank: Methodisches Recherchieren. Fundierte Grundlage journalistisch-qualifizierender Berichterstattung. In: Leif, Thomas (Hrsg.): Leidenschaft: Recherche. Skandalgeschichten und Enthüllungs-Berichte. 2., erweiterte Auflage. Opladen/Wiesbaden 1998, S. 21-32, hier S. 23.

[2] Jakobi, Robert: Wer? Was? Wann? Wo? Wie? Warum? Investigative Journalisten gründen einen Verein, um dem Handwerk der Recherche zu höherem Ansehen zu verhelfen. In: Süddeutsche Zeitung, 2. April 2001.

[3] Vgl. Politz, Methodisches Recherchieren, S. 23f. Vgl. Hovestädt, Dagmar: Zum Stand der Recherche. In: Leif (Hrsg.): Leidenschaft: Recherche. S. 33-41, hier S. 34.

[4] Haller, Michael: Recherchieren. 6., überarbeitete Auflage. Konstanz 2004, S. 5 und 246.

[5] Vgl. Mast, Claudia (Hrsg.): ABC des Journalismus. Ein Handbuch. 10., völlig neue Auflage. Konstanz 2004, S. 225-234.

[6] Vgl. Haller, Recherchieren, S. 17. Vgl. Mast, ABC des Journalismus, S. 203. Vgl. Schöfthaler, Ele: Recherche praktisch. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis. München 1997, S. 9.

[7] Vgl. Weischenberg, Siegfried/Löffelholz, Martin/Scholl, Armin: Journalismus in Deutschland. Merkmale und Einstellungen von Journalisten. In: Journalist, 39. Jg. (1994), Heft 5, S. 55-69, hier S. 59.

Details

Seiten
10
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638571975
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v64353
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
Schlagworte
Recherchieren Medienseminar Presse

Autor

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Titel: Methodisches Recherchieren. Grenzen und Ziele von Recherche-Verfahren