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Martin Bucers und Johannes Calvins Auffassungen vom Abendmahl im Vergleich

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 23 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Martin Bucer
2.1. Das Sakramentsverständnis bei Martin Bucer
2.2. Die Abendmahlsauffassung Martin Bucers

3. Johannes Calvin
3.1. Das Gottesbild bei Johannes Calvin
3.2. Das Sakramentsverständnis bei Johannes Calvin
3.3. Die Abendmahlsauffassung Johannes Calvins

4. Die Bedeutung der Messe
4.1. Die römisch-katholische Auffassung
4.2. Das Verständnis der Messe bei Martin Bucer
4.3. Das Verständnis der Messe bei Johannes Calvin

5. Zusammenfassung und Auswertung der Ergebnisse

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit stellt einen Vergleich der Abendmahlsauffassungen von Martin Bucer und Johannes Calvin dar.

Die Ausgangslage für Bucer und Calvin war ähnlich. Beide sahen sich unterschiedlichen Abendmahlsauffassungen gegenüber. Bucer war derjenige, der im Lauf der Jahre als Vermittler zwischen Luther und Zwingli auftrat. Dennoch hat er, wie die Darstellung seiner Auffassung vom Abendmahl zeigen wird, einen eigenen Standpunkt gehabt. Für Bucer war der Abendmahlsstreit hauptsächlich ein Streit um Worte und das lenkte seiner Ansicht nach von dem eigentlichen Punkt ab, nämlich der Frage nach der Gegenwart Christi im Abendmahl.

Bucer schätzte die Alte Kirche und sie galt ihm daher auch als Vorbild. Somit übernahm er auch die Anthropologie der Väter. Er befasste sich nicht so sehr mit der Christologie. Christus stand zwar bei ihm auch im Mittelpunkt seiner Lehre, aber er erscheint mehr als der Verkündiger des Werkes Gottes. Dagegen hat der Geist bei ihm eine stärkere Bedeutung, daher wird bei Bucer auch von einer Theologie des Geistes gesprochen.[1] Dies ist entscheidend für seine Abendmahlsauffassung, wie sich später zeigen wird.

Johannes Calvin äußerte sich erstmals zur Abendmahlslehre in seiner Institutio von 1536, die 1559 noch in einer überarbeiteten Fassung erschien. Er ist anfangs von Luther beeinflusst gewesen, da er sich dessen Schriften zugewandt hatte. Das hatte zur Folge, dass er bald eine Abneigung gegen Zwingli und Ökolampad hegte. Es darf aber nicht übersehen werden, dass er nur den „frühen“ Luther gelesen hat und dabei vor allem die lateinischen Schriften, da Calvin der deutschen Sprache nicht mächtig war. Den „späten“ Luther hat Calvin nicht mehr gelesen und kannte ihn daher nur vom Hörensagen. Auch Calvin vertrat wie Bucer eine Theologie des Geistes und das sogar noch in ausführlicherer Form. Calvin und Bucer kannten einander. 1538 holte Bucer Calvin nach Straßburg. Drei Jahre konnte er ihn dort halten. Calvin war zu diesem Zeitpunkt erst 29 Jahre alt, aber bereits damals war er weit bekannt und geschätzt.[2] Aus dieser Bekanntschaft ist zu schließen, dass Bucer Calvin in seinen Ansichten über das Abendmahl beeinflusst hat. Daraus erklärt sich auch, dass Calvin eine ausführlichere, aber doch sehr ähnliche Lehre vom Abendmahl wie die von Bucer vertritt, wie die vorliegende Arbeit zeigen wird.

Als Textgrundlagen meiner Arbeit habe ich von Martin Bucer folgende Quellen verwendet: Die „Confessio Tetrapolitana“ aus dem Jahre 1530, die Apologie der „Confessio Tetrapolitana“ von 1531 und seine entscheidende Schrift „Bericht auß der heyligen geschrift“ aus dem Jahre 1534. Es gibt von Bucer natürlich noch einige weitere kleinere Schriften, in denen er sich ebenfalls zum Abendmahl geäußert hat. Da sich aber im großen und ganzen dort inhaltlich meines Erachtens keine weiteren Punkte ergeben, habe ich nur die drei oben genannten Schriften verwendet.

Als Grundlage für die Abendmahlslehre bei Calvin diente mir seine „Institutio Christianae Religiones“ in der Fassung des Jahres 1559. Dort hat Calvin seine Auffassung über das Abendmahl ausführlich dargelegt.

2. Martin Bucer

2.1. Das Sakramentsverständnis bei Martin Bucer

Für Bucer ist das Sakrament ein sichtbares Zeichen der unsichtbaren Gnade Gottes. Er definiert das Sakrament folgendermaßen: „Die sacramenten sind gotliche handlungen der Kirchen, vom Herrn dazu verordnet, das in denselbigen die gaben Gottes und unser erlosung, volbracht durch unseren Herren Jesum Christum, auß gotlichen zusagungen mit Worten und sichtbaren Zeichen denen, welche die kirch solcher erlosung auß Gottes zusage vehig erkennet, dargereichet und übergeben werden.“[3]

Diese Definition zeigt, dass die Sakramente im Sinne Bucers der Erlösung des Menschen dienen.

Das heilige Abendmahl ist die Gemeinschaft der Gläubigen mit dem Leib und Blut Christi. Bucer stützt sich hierbei auf 1.Kor 10,16. Das Brechen des Brotes und das Austeilen des Kelches sind Zeichen für die Gemeinschaft des Leibes und des Blutes Christi. Die Sakramente sind bei Bucer daher Zeichen der göttlichen Gnade und Barmherzigkeit.[4]

2.2. Die Abendmahlsauffassung Martin Bucers

Alle Handlungen Christi in der Kirche dienen der Erbauung und Stärkung des Glaubens. Und je mehr dieser Glaube wächst, desto mehr wächst auch die Liebe zu Gott und damit die Liebe zum Nächsten.

Durch die Gemeinschaft mit Christus im Abendmahl werden die Gläubigen mit ihm ein Leib und sind seine Glieder. Diese Gemeinschaft wird den Gläubigen im ganzen Evangelium geboten, aber mit den Sakramenten, die sichtbares Wort und Evangelium sind, übergibt Gott durch die Priester den Gläubigen seine Gemeinschaft.[5]

Beim Abendmahl sind Leib und Blut Christi Speise und Trank des ewigen Lebens. Der Kelch ist der Kelch des Neuen Testaments. Er zeigt den Bund der Gnade Gottes zum Menschen. Durch ihn wird die Vergebung der Sünden verheißen. Der Diener, der das Abendmahl austeilt, ist ein Instrument Gottes. Gott spricht durch ihn.

In seinem Abendmahlsartikel der Confessio Tetrapolitana aus dem Jahre 1530 legt Bucer dar, dass Gott das Abendmahl für seine Jünger und die wahren Christen, also die Gläubigen eingesetzt habe. Nur diese können des Herrn teilhaftig werden. Voraussetzung für die Ausführung und den Empfang des Abendmahls ist, dass die Gläubigen als Gemeinschaft zusammenkommen.[6]

Für Bucer ist das Abendmahl ein Gedächtnisakt. Christus gab Brot und Wein als Gedächtnis für sein Opfer. Die Worte „Das ist mein Leib“ meinen den wahren, echten Leib Christi, so Bucer. Daher gibt Christus im Abendmahl durch das Brot seinen wahren Leib. Ebenso ist der Wein Zeichen für sein Blut. Beides wird zum ewigen Leben gegeben. Christus selbst ist das ewige Leben und daher gibt er mit seinem Leib und Blut sich selbst.[7] Durch die sichtbaren Zeichen werden somit die unsichtbaren Gaben Gottes gegeben. Das geschieht durch den Diener Gottes, also den Priester.[8] Die Leiber der Gläubigen werden vollkommen, wenn sie durch die Auferstehung, die ihnen die Speise des Brotes bringt, erneuert werden und damit Anteil an dem Reich Gottes bekommen. Ohne das Abendmahl ist ihnen das nicht möglich.[9]

Bucer leugnet nicht die Gegenwart Christi im Abendmahl. Leib und Blut Christi werden wesentlich und leiblich in Brot und Wein empfangen. In allgemeiner Lehre wurde die Leiblichkeit räumlich verstanden. So aber nicht Bucer. Er glaubte, dass Christus als wahrer Mensch alle Eigenschaften der menschlichen Natur, außer der Sünde, angenommen habe und diese habe er auch nach der Auferstehung behalten. Daher ist der Leib Christi nicht räumlich im Brot und das Blut nicht räumlich im Wein. Bucer unterscheidet zwischen einem göttlichen und einem irdischen, menschlichen Leib Christi. Der Leib Christi wird dem Menschen als geistliche Speise dargeboten. Er stärkt die Seelen der Gläubigen. Da aber diese geistliche Speise so stark ist, stärkt sie eben auch den Leib des Menschen, ohne dass der Mensch den Leib Christi wirklich in sich aufnimmt.[10]

Der Leib Christi wird im Abendmahl durch den Glauben aufgenommen. Der Herr lebt leiblich und wahrhaftig im gläubigen Menschen. Dadurch sind die Gläubigen seine Glieder und haben seine Natur angenommen. Sie sind seiner Gerechtigkeit und Unsterblichkeit teilhaftig geworden. Das alles geschieht, wie gesagt, in geistlicher Weise.[11]

Da der Glaube die Grundvoraussetzung für die Teilhabe an Christus beim Abendmahl darstellt, ist es fraglich, wie die Gottlosen das Abendmahl in Empfang nehmen. Bucer unterscheidet zwischen Gottlosen und Unwürdigen. Er ist der Ansicht, dass die Gottlosen, die gar keinen Glauben haben, sich das Abendmahl selbst zum Gericht essen und trinken, also zur eigenen Verdammnis.[12] Die Unwürdigen aber erhalten Christus im Abendmahl, da diese nicht ohne jeden Glauben seien.[13]

Welche Rolle spielt Joh 6 für Bucer? Er ist der Ansicht, dass hier nicht von dem Sakrament gesprochen wird. Aber Gott redet von dem wahren Essen und Trinken seines Fleisches und Blutes. Später hat er dann die Sakramente eingesetzt, in denen er sich selber gibt. Er gibt also jene Speise, von der er in Joh 6 geredet hat. Bucer wendet sich hier vor allem gegen Luther. Dieser lehnt den Bezug von Joh 6 auf das Sakrament ebenfalls wie Bucer ab. Aber aus folgenden Gründen: Einmal war das Sakrament noch nicht eingesetzt, so Luther, und andererseits redet Christus hier von dem Glauben an das Fleisch gewordene Wort. Die Worte aus Joh 6,63 - „Der Geist ist´s, der lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und das Leben“ - zeigen nach Luther, dass hier vom geistlichen Genuss, der „manducatio spiritualis“ geredet wird. Wer in geistlicher Weise das Brot isst, der hat das Leben. Aber das Essen macht eben nur lebendig, wenn es ein Essen des Glaubens ist.[14] Das bedeutet, Joh 6 hat für Luther nur eine Bedeutung bezüglich des Glaubens und der geistlichen Speise.

Bucer dagegen meint, dass „solange Christus nit gantz und gar in uns lebet und wir gar erstorben sind, das wir dieser speiß noch nit gnug haben, wir konden auch, das uns Gott durch disen H.Christum die sund verzeihen und gnadig sein wolle, nymer genug glauben, dan wo wir diß einmal gantzlich ergriffen hetten“[15]. Das bedeutet, dass der Mensch nie genug glauben kann und daher immer wieder des Abendmahls bedarf. Nur so kann der Glaube gestärkt werden.

Was ist nun für Bucer das wichtigste im Abendmahl? Der Herr schenkt sich selbst, das heißt, seinen wahren Leib und sein wahres Blut durch die Elemente Brot und Wein. „Yn und durch seine gemein, mit und durch die wort und sacramenten will er uns helffen, das ist, sich selb uns schencken und geben. Durch die eusseren befindliche ding werden wir doch in allem anderen zu den gemutlichen, geistlichen dingen erwecket, eingefuret und erhitziget, des will sich Gott mit uns auch halten, wurdt drumb am leib und blut Christi nichts geendert, verruckt oder zerstoret, die seel nit mit brot und wein, sonder mit unserm Herren Jesu Christo selb gespeyset, welchs wir warlich bey uns selb wol reichlich fulen wurden, were bey uns nur rechte gehorsame des Evangeli, ware gemeinschafft an yn, rechte andacht zu seinem wort und sacramenten.“[16]

Die Gläubigen sollen den Tod Christi verkündigen, daher ist das Abendmahl zu seinem Gedächtnis. Aber es ist eben nicht einfach nur Brot essen und Wein trinken, sondern gleichzeitig mit dem Glauben nimmt der Mensch den Herrn in sich auf. Da der Mensch für seinen Glauben sichtbare Zeichen braucht, gibt es die Elemente Brot und Wein.[17]

Die Übergabe des Leibes und Blutes Christi ist für Bucer das Entscheidende im Abendmahl. Daraus folgt, dass die Gläubigen ihm danken können und ihn nie vergessen.

[...]


[1] vgl. Robert Stupperich, Martin Bucer, in: TRE 7, S. 265

[2] vgl. Martin Greschat, Martin Bucer, S. 157

[3] DS 5, S.160

[4] vgl. DS 5, S. 159

[5] vgl. DS 5, S. 242

[6] vgl. DS 3, S. 124

[7] vgl. DS 3, S. 130

[8] vgl. DS 5, S. 243

[9] vgl. DS 3, S. 131

[10] vgl. DS 3, S. 276ff.

[11] vgl. DS 5, S. 244

[12] vgl. DS 5, S. 248

[13] vgl. Martin Greschat, Martin Bucer, S.114

[14] vgl. Martin Luther, De captivitate Babylonica, S. 387

[15] DS 5, S. 248

[16] DS 5, S. 254

[17] vgl. DS 5, S. 250

Details

Seiten
23
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638570572
ISBN (Buch)
9783640121199
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v64178
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
2,0
Schlagworte
Martin Bucers Johannes Calvins Auffassungen Abendmahl Vergleich Hauptseminar Konflikt Streitigkeiten Altarssakrament

Autor

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