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Jeff Wall. Fotografische Inszenierungen

Hausarbeit 2006 24 Seiten

Kunst - Fotografie und Film

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Biografie

3 Entstehungstechnische Bezüge
3.1 Inszenierung und digitale Bildbearbeitung
3.2 The Stumbling Block

4 Walls Kunst
4.1. Der theatralische Charakter
4.1. Der malerische Charakter
4.1. Der narrative Charakter
4.1. Der filmische Charakter

5 Der Bildbetrachter

6 Werke
6.1 Picture for Women
6.2 The Drain
6.3 Odradek

7 Schlussbetrachtung

8 Literaturverzeichnis

9 Anhang

1 Einleitung

In dem Seminar „Fotografie zwischen Wirklichkeit, Sachlichkeit und Schönheit“ beschäftigten wir uns mit verschiedenen Fotografen, die sich auf ihre eigene künstlerische Art und Weise auf den Gegenstand der Fotografie und seine Umsetzung konzentrierten.

Im Folgenden möchte ich mich mit Jeff Wall und seinen Arbeiten befassen und darauf eingehen, wie es Wall gelingt, die Fotografie als legitimes künstlerisches Ausdrucksmittel aufzuwerten.

Dabei verdeutlicht er, dass es sich bei Fotografie nicht mehr um eine einfache Ablichtung der Wirklichkeit handelt, sondern dass diese mit Hilfe einer entsprechenden Wahl von Farbe, Komposition und Perspektive inszeniert werden kann.

2 Biografie

Jeff Wall wird 1946 in Vancouver, Kanada, geboren, wo er bis heute lebt und arbeitet. Seit seiner Jugend interessiert und befasst sich Wall mit bildender Kunst. Von 1964 bis 1970 studiert er an der University of British Columbia in Vancouver Kunstgeschichte.

Während seiner Studienzeit ist er als Maler und Bildhauer tätig und experimentiert mit den spezifischen neuen Kunstformen der 60er Jahre. Er schafft monochrome Bilder und ephemere Installationen, die eine Affinität zu Minimal Art und Konzeptkunst aufweisen.

Ab 1967 beginnt er sich ernsthaft für Fotografie zu interessieren. Für seinen Studienabschluss als „Master of Arts“ in Kunstgeschichte 1970 verfasst er eine Arbeit zu Aspekten der Dada-Bewegung. 1969 nimmt er in Vancouver erstmals selbst an einer Ausstellung teil.
Von 1970 bis 1973 absolviert Wall ein Nachdiplomstudium am Courtauld Institute of Art der University of London. Er arbeitet für John Heartfield und Marcel Duchamp und liest sich intensiv in die Geschichte der Kunst, des Films und der Fotografie ein.

Nachdem Wall seit 1971 nur wenige Kunstwerke vollendet hat, entstehen ab 1977 die Fotografien, mit denen er bekannt wird.

Wall ist Dozent am Nova Scotia College of Art and Design in Halifax (1974–1975), an der Simon Fraser University in Vancouver (1976–1987) und an der University of British Columbia (1987–1999).

Er wird mehrfach geehrt und erhält unter anderem den Münchner Kunstpreis (1997), den Hasselblad Foundation International Award in Photography (2002) und den Roswitha Haftmann-Preis in Zürich (2003).[1]

3 Entstehungstechnische Bezüge

Walls Bilder lassen sich auf zwei verschiedenen Ebenen untersuchen. Auf der einen Seite handelt es sich bei seinen Aufnahmen um großformatige farbige Leuchtbilder von architektonischer Qualität, die den Raum definieren.[2] Dies erfolgt, indem sie das Wandkontinuum, auf dem sie befestigt sind, durchbrechen.[3]

Bei den Leuchtkästen handelt es sich um reliefhafte Flächen mit einer höheren Lichtintensität als die umgebende Wand, das heißt, die Bildkörper treten in den Raum und öffnen in den Bildflächen zugleich Ausblicke in die Tiefen fremder Räume.[4]

Das, was die leuchtenden Bilder so ausdrucksvoll macht ist die Gleichgerichtetheit von Bild- und Lichtquelle.

Betrachtet man die Bilder architektonisch, so stehen sie im Reliefsystem des Maßwerks, das die Bilder gestaltend einfasst, so dass dem Aluminiumrahmen eine raumdefinierende Bedeutung zukommt.[5] Für den Betrachter bedeutet das, dass Walls Bilder zunächst im Realraum erscheinen, bevor sie ihre Bildräume öffnen.

Auf der anderen Seite lassen sich Walls Bilder im Bezug auf die Wirklichkeit untersuchen. Da Wall ausschließlich die Fotografie als Medium benutzt, haftet seinen Bildern der Glaube an, sie entsprächen der Realität.[6] Allerdings war das auf dem Bild Dargestellte nur zum Zeitpunkt der Aufnahme scheinbar wirklich.

Die wirkliche Realität sieht so aus, dass Wall seine Bilder so inszeniert, dass sie aus unterschiedlichen fotografischen Aufnahmen zusammengesetzt werden. Die einzelne Fotografie erhält damit den Charakter eines Versatzstückes.[7]

Das scheinbar Zufällige und offensichtlich Geplante erregt die Aufmerksamkeit des Betrachters. Je mehr die Aufnahmen aus zusammengefügten Einzelteilen entstehen, desto deutlicher wird der bildintentionale Charakter der Arbeit.[8]

Die Fotografien Walls sind keine journalistischen Fotos, sondern Imitationen der Realität. Dabei handelt es sich um inszenierte Bilder, deren Komposition vorher gut durchdacht wird. 1991 kommen zusätzlich digital bearbeitete Bilder hinzu.

Bei genauer Betrachtung wird die Inszenierung erkennbar. Vergleichbar ist die Entstehung seiner Bilder mit der eines Malers. Proportion und Farbe werden vorher geplant. Die vom Zufall bedingte Momentfotografie wird von Wall in eher abfälliger Weise betrachtet.[9]

3.1 Inszenierung und digitale Bildbearbeitung

Die digitale Bildbearbeitung ermöglicht Wall, imaginäre Bilder von existierenden Dingen zu erschaffen.

Seine fotografischen Gemälde lassen sich als postkonzeptueller Versuch einer Rekonstruktion der Tradition der Malerei im Zeitalter der Medien beschreiben.[10] Wall bezeichnet die Tradition, die er fortzusetzen beabsichtigt, als die des „gemalten Theaters“, bearbeitet mit Hilfe der Technologie der Medien, des „Spektakulären“ und ähnlicher Effekte:

Das Faszinierende dieser Technik [liegt] für mich darin, daß sie, wie es scheint, als einzige mir erlaubt, Bilder auf traditionelle Weise herzustellen. Denn im Grunde genommen ist es das, was ich mache, obwohl ich hoffe, daß meine Bilder den gegenteiligen Effekt erzielen wie die in traditioneller Technik entstandenen Bilder. Hierin liegt eine doppelte Möglichkeit: die Vergangenheit der großen Museumskunst einzuholen und gleichzeitig mit kritischem Anspruch am aktuellsten Geschehen teilzunehmen. Darauf beruht die besondere Beziehung meines Werkes zur Malerei. Die Vorstellung, daß meine Bilder in gegensätzlicher Entsprechung zur Malerei stehen, gefällt mir.[11]

Wall selber sieht hierin also eine Annäherung an den Arbeitsprozess Malerei:

Erstaunlicherweise gibt es da Ähnlichkeiten mit der traditionellen Malerei, und zwar insofern, als dass man die Teile des Werkes separieren und unabhängig voneinander behandeln kann .[12]

Bei der Fotografie geht man davon aus, dass das Bild in einem Moment, und zwar dem Moment des Abdrückens, entsteht. Dagegen sind Walls Fotografien Bilder, die aus einzelnen Momenten zusammengesetzt werden. Auch hier ist ein Aspekt der Malerei zu erkennen, nämlich der Aspekt der Zeitspanne.[13]

Durch die digitale Bildgestaltung nimmt der Fotograf noch mehr Einfluss auf die Fotografie. Wie ein Maler kann er nun alles selber gestalten, braucht nichts mehr dem Zufall zu überlassen.

Wall hat die digitale Bildbearbeitung benutzt, um eine Art „philosophische Komödie“ zu entwickeln.[14] Auch das ist der Malerei verwandter als der traditionellen Fotografie.

Wie in der Malerei schafft er so Allegorien und geht über das bloße Abbilden hinaus, indem er hinter das Abgebildete Bedeutungen legt.

Am Beispiel „The Stumbling Block“ möchte ich die entstehungstechnischen Parallelen von Walls Fotografien zur Malerei aufzeigen.

[...]


[1] www.kultur-punkt.ch.

[2] Friedel, 1996. Space and Vision. S.10.

[3] Ebd.

[4] Ebd.

[5] Friedel, 1996. Space and Vision. S.10.

[6] Ebd.

[7] Ebd., S.11

[8] Ebd.

[9] Wall, 2001. Figures & Places. S. 157.

[10] Chevrier, 1996. Space and Vision. S.13.

[11] Ebd.

[12] Wall, 2001. Figures & Places. S. 18.

[13] Ebd.

[14] Brougher, 1997. Jeff Wall. S. 33.

Details

Seiten
24
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638569620
Dateigröße
593 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v64062
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Seminar für Kunst und ihre Didaktik
Note
1,0
Schlagworte
Jeff Wall Fotografische Inszenierungen Fotografie Wirklichkeit Sachlichkeit Schönheit

Autor

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Titel: Jeff Wall. Fotografische Inszenierungen