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Patriotismus und deutsches Vaterland? Friedrich Carl von Moser: "Von dem deutschen Nationalgeist" (1765)

Seminararbeit 2004 13 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Biographischer Abriß und politische Hintergründe

III Inhalt der Schrift „Vom deutschen Nationalgeist“

IV Kurze Analyse der Schrift

V Schluß

Literaturnachweis

I Einleitung

Der Patriotismus, um den es sich im Folgenden handeln soll, ist von seiner Definition her eine „vaterländische Gesinnung“, die auf einem starken Zugehörigkeitsgefühl zur Heimat beruht und sich bis zur selbstlosen Hingabe an die staatliche Gemeinschaft steigern kann. Der Patriotismus äußert sich in dem Bemühen, die nationale Eigenart zu bewahren, sowie in der Achtung vor nationalen Symbolen. Dabei muß es aber jedem Einzelnen durch die Staatsverfassung gestattet sein, an den öffentlichen Angelegenheiten teil zu nehmen.

Im Grunde reicht der Begriff schon bis in die Antike zurück (griech. patriotes, „Landsmann“). Doch durch die Besinnung auf nationale Traditionen und Werte, besonders auch im sprachlichen Bereich, welche sich im 16. Jahrhundert ausprägten, kam es zu ersten Gründungen patriotischer Gesellschaften.

Da Deutschland Mitte des 18. Jahrhunderts nicht als rekonstruierbares Gebilde mit definierbaren Grenzen und klaren Verfassungsgrundsätzen existierte, nahm die Diskussion darüber, was unter dem Modebegriff der Vaterlandsliebe zu verstehen sei, immer weiter zu.

Der Vorreiter in Bezug auf die neu entfachte Besinnung war die Zeitschrift „Der Patriot“ von 1724, welcher viele Schriften mit den verschiedensten Denkansätzen über Patriotismus folgten. Unter ihnen die Schrift von Friedrich Carl Freiherr von Moser „Vom deutschen Nationalgeist“, um deren Inhalt und Hintergrund es sich im Folgenden handelt.

II Biographischer Abriß und politische Hintergründe

Friedrich Carl von Moser wurde am 18.12.1723 in Stuttgart geboren.

In den ersten drei Jahrzehnten seines Lebens stand er aufgrund der häufig wechselnden Orts- und Dienstverhältnisse seines Vaters meist im Schatten diesens.

Während des Schulbesuchs im Kloster Bergen wurde Moser stark vom Pietismus beeinflusst. Seit circa 1740 studierte er in Jena Jurisprudenz und Anatomie. Dort erfuhr er jedoch ein vom Weltschmerz geprägtes Klima.

Staatsgeschäftstheorie- und Praxis lernte er schon vom Vater und war deshalb seit 1745 als Sekretär bei mehreren Grafen beschäftigt. So auch 1747 beim Landgraf von Hessen Homburg, wo er 1749 Hofrat wurde.

1751 schlug er eine Berufung an die Universität Göttingen aus.

Es folgen zahlreiche Titel im Dienste von Städten und Höfen, so z.B. 1753 als darmstädtischer Hofrat, 1754 als Legationsrat und Vertreter Darmstadts, 1759 –63 als Substitut des darmstädtischen Gesandten und 1756 im Dienst des Landgrafen Ludwig VIII.[1]

Dabei ist seine politische Gesinnung zunächst Friedrich II. zugewandt. Moser sah ihn als den „Erretter der Teutschen Freiheit“ und billigte seine Reichspolitik. Die schlesischen Kriege betrachtete er als Reichskriege und Kampf gegen die österreichisch katholische Versklavung.

Doch diese Ansicht änderte sich bald. Sogar so weit, bis er meinte, dass Friedrich der Große nur an sich und sein Preußen denkt und aus Eigennutz und der Vervollkommnung der Macht handelte.

Somit begann die Abkehr von Preußen, bis zu einer politischen Ungebundenheit im Jahre 1760/61. Doch trotzdem empfand er noch etwas für das Genie in Friedrich II. und haßte Wien. Dies alles übertönte jedoch die Liebe zum Vaterland.[2]

1763 wurde Moser zum hessen- kasselichen Rat berufen. 1764 versuchte Friedrich II. ihn in seinen Dienst zu stellen, doch er lehnte ab.

In den Jahren von 1764 bis1767 wirkte er als offizieller Kriegsgesandter. Eine seiner verschiedenen Gesandtschaftsreisen führte ihn 1765, nach dem Tod Franz I., nach Wien. Dort kam es zu einer ersten Annäherung zum Kaiser.

Joseph II. gewann ihn dafür, „künftig durch seine Schriftstellerei kaisertreue Stimmen im Reich zu erzeugen“ und auch um „in Frankfurt für Wien als Zuträger von Nachrichten zu dienen“.[3]

Dabei erkannte Moser nicht, dass er ausgenutzt wurde, da er nur als Handwerkszeug der Wiener wirkte. Durch seine politische Leidenschaft war er blind geworden. Er zweifelte nun auch nicht mehr daran, ob Joseph II. stark genug ist, sich gegenüber den unpatriotischen Neigungen gewisser Hofkreise durchzusetzten. Es erwuchs eine absolute Begeisterung für Kaiser und Reich und die Kampfstimmung gegen Feinde des Hauses wurde blindwütig.

Es entstand eine „abstoßend scharf antipreußische Tendenz“.[4]

Da sich Moser jedoch in Wien nicht wohl fühlte, ließ er sich, unter Beibehaltung des Titels des Reichshofrats, entlassen und wurde in der Verwaltung der Grafschaft Falkenstein in der Pfalz eingesetzt.[5]

Nun kehrte er sich langsam auch vom Kaiser ab, da die Ernüchterung eintrat. Er erkannte die stürmische und überstürzte Art des Kaisers und dessen Streben, das ganze Reich unter den Einfluß der Donau- Monarchie zu zwingen.

Nun konnte er wieder praktisch seinen Mitmenschen helfen. Da er aber zu vieles eigenmächtig unternahm, führte dies zu einem ernsthaften Konflikt mit Joseph II. Hinzu kam die Unbeliebtheit in Falkenstein selbst. Am 30. April 1772 endete die Pension und somit die Zeit im Dienst des Kaisers.

Schon im Frühjahr 1772 wurde Moser von Ludwig IX von Hessen- Darmstadt zum ersten Staatsminister, Präsidenten sämtlicher Länder und Kanzler ernannt, wo er bis 1780 tätig war.[6]

Diese Zeit brachte viele Reformen mit sich, denn die Schaffung eines eigenen Regierungs- und Justizsenats, die Vereinheitlichung von Münze, Maß und Gewicht sowie die Gründung einer Brandversicherungskasse gehen auf Moser zurück.

Jedoch kam es 1780 zum Bruch mit dem Landgrafen. Fast alles was Moser geschaffen hatte trat außer Kraft, wie zum Beispiel die Landkommission und die meisten bedeutenden Reformen.

Schließlich wurde er 1782 des Landes verwiesen.

Daraufhin reiste er wieder nach Wien, um sich vor dem Kaiser zu rechtfertigen, welcher ihn wieder als Reichshofrat annahm.

Nach dem Tod Landgraf Ludwigs IX. 1790 wurde Moser rehabilitiert.

Seine letzten, von körperlicher Schwäche geprägten Lebensjahre verbrachte Friedrich Carl von Moser in Ludwigsburg, wo er schließlich am 10.11.1798 starb.[7]

III Inhalt der Schrift „Vom deutschen Nationalgeist“

Zu Beginn seiner Schrift definiert Moser kurz das Wesen eines Patrioten. Er meint, ein solcher “verabscheut den Geist der Unruhen“ und ihn beherrschen allein das Gesetz und die Bande der allgemeinen Wohlfahrt, diesem, so Moser, opfert er all seine Triebe.

Als weiteres beschreibt er das deutsche Volk, als Gemeinschaft eines Namens und Sprache, unter einem Oberhaupt, einer Verfassung, einerlei Gesetzten und durch ein Interesse verbunden- dem der Freiheit. Doch dies ist nur das äußere Bild. Denn Deutschland ist dadurch, dass weder eindeutig Monarchie, noch Aristokratie, noch Demokratie herrscht ein „Rätsel politischer Verfassung“. Weiterhin ist es, und dies ist Mosers größte Schmach, kraftlos durch die Trennung, die Bürger unempfindlich gegen die Ehre ihres Namens, mißtrauisch untereinander und unzusammenhängend in ihren Grundsätzen.

[...]


[1] Duncker und Humbolt, Neue deutsche Biographie, Bd. 18, Berlin 1997

[2] Hans- Heinrich Kaufmann, Friedrich Carl von Moser als Politiker und Publizist, Darmstadt 1931

[3] Neue deutsche Biographie, Berlin 1997

[4] Friedrich Carl von Moser als Politiker und Publizist, Darmstadt 1931

[5] Neue deutsche Biographie, Berlin 1997

[6] Friedrich Carl von Moser als Politiker und Publizist, Darmstadt 1931

[7] Neue deutsche Biographie, Berlin 1997

Details

Seiten
13
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638569156
ISBN (Buch)
9783638767477
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v63998
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Historisches Institut
Note
2,3
Schlagworte
Patriotismus Vaterland Friedrich Carl Moser Nationalgeist Quellenkunde

Autor

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Titel: Patriotismus und deutsches Vaterland? Friedrich Carl von Moser: "Von dem deutschen Nationalgeist" (1765)