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Die Probleme der Erdöl- und Erdgas-Ausbeutung in der kaukasisch-kaspischen Region

Pipelines, Tankerlinien, Beteiligung der Türkei, regionale Alternativen, türkisch-russische und türkisch-iranische Interessenlagen, das Interesse der USA an der Wirtschaftspartnerschaft mit der Türkei

Hausarbeit (Hauptseminar) 1998 22 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Das neue „great game“

2. Die neuen Produzenten auf dem Erdöl- und Erdgasweltmarkt
2.1. Aserbaidschan
2.2. Kasachstan
2.3. Turkmenistan

3. Einfluß und Beteiligungen der Türkei.

4. Türkisch – Russische Interessenlagen am Kaspischen Meer

5. Türkisch – Iranische Interessenlagen am Kaspischen Meer

6. Das US-Interesse an der türkischen Wirtschaftspartnerschaft in dieser Region

7. Ausblick

Literaturverzeichnis

Einleitung

Nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Herausbildung der „Neuen Unabhängigen Staaten“ (NUS) gewann der transkaukasische Raum an geopolitischer Bedeutung zu. Trotz seiner geographischen Isolierung zieht die kaspische Region die Aufmerksamkeit der westlichen Staaten auf sich, weil sie über gigantische Erdöl- und Erdgasressourcen verfügt.

Die internationale Energieagentur prognostiziert, daß der Anteil der OECD-Länder an der Weltrohölversorgung von 24% (1991) auf 15% (2010) zurückgehen wird, jener der OPEC-Länder im gleichen Zeitraum von 30% auf 48% steigen wird.[1] Durch solch eine starke Steigerung ihres Anteiles an der Weltrohölproduktion hätten die OPEC-Staaten stärkeren Einfluß auf den Ölpreis und könnten das Weltölmarktgleichgewicht stark beeinträchtigen wie schon in den 70er und 80er Jahren geschehen.

Die westlichen Industriestaaten, allen voran die USA, wollen als Alternative zur Golfregion die Ressourcen in dem kaukasisch-kaspischen Raum erschließen und somit auch gleichzeitig ihren Einfluß im „Vorgarten“ der ehemaligen Sowjetunion ausbauen.

Der Kaukasus ist eine der klassischen Krisenregionen, in welcher verschiedene Ethnien und Menschen verschiedener Religionszugehörigkeit leben. Im Kaukasus fanden seit dem Niedergang der UDSSR mehrere Konflikte statt, z.B. der Berg-Karabach Konflikt, der immer noch nicht gelöst ist. Rußland, der Nachfolger der ehemaligen Sowjetunion, versucht mit allen Mitteln, ihren Einfluß und vor allem ihre wirtschaftlichen Interessen im Kaukasus aufrechtzuerhalten.

In dieser Hausarbeit soll auf die einzelnen Staaten in dieser Region eingegangen werden und außerdem sollen die Probleme bei der Erdöl- und Erdgasförderung sowie dem Transport behandelt werden. Die Interessenlagen der verschiedenen in Konkurrenz stehenden Staaten in dieser Region sollen ebenfalls behandelt werden.

1. Das neue „great game“

Die Entwicklungen nach dem Zusammenbruch der ehemaligen UDSSR erinnern an das „great game“ zwischen Großbritannien und Rußland in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts.[2] Damals stießen Rußland und Großbritannien in Zentralasien aufeinander. Es ging bei diesem „Great Game“ um wichtige Paßstraßen und um Wirtschaftsgüter wie Baumwollplantagen und Metallvorkommen.[3] Aber schon im gleichen Jahrhundert stieß man in der kaspischen Region auf Erdölvorkommen und namhafte Dynastien wie Nobel, Rothschild und Rockefeller kamen und verdienten ihr Geld mit dem Ölgeschäft aus diesem Raum. Ende der 1880er Jahre war Baku eines der führenden Finanzzentren in der Welt. Die Rothschilds kontrollierten Ende 1880 42% der Erdölexporte aus Baku.[4] 1890 wurde in Baku 50% des weltweiten Ölbedarfs produziert.[5]

Der Öl-Boom bescherte der Stadt viel Reichtum, welches jedoch nicht lange Zeit währte. Nach der Revolution in Rußland im Jahre 1917 besetzten die Sovjets Baku und verstaatlichten ein Jahr später alle 165 Unternehmen der Erdölindustrie. Im gleichen Jahr erklärte Aserbaidschan ihre Unabhängigkeit (1918-1920) und nahm die Verstaatlichung dieser Firmen zurück. 1920 besetzte die Rote Armee Aserbaidschan und verstaatlichte wieder die Ölindustrie. Die Bolschewiken förderten die Ausbeutung der Erdölvorkommen, so daß im Jahre 1940 71,5% der gesamten Produktion der UDSSR in Baku gefördert wurde.[6] Während des Zweiten Weltkrieges spielte die hohe aserbaidschanische Erdölproduktion für die Rote Armee eine entscheidende Rolle bei ihrem Erfolg über die deutschen Truppen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel die Erdölproduktion in Baku stetig, weil Moskau den riesigen Ölfeldern Westsibiriens eine höhere Priorität einräumte als denen im Kaspischen Meer. Kurz vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion erreichte die Erdölproduktion Aserbaidschans im Jahre 1990 ihren historischen Tiefpunkt, bedingt durch die schlechte wirtschaftliche Lage in der Sowjetunion und dem desolaten Zustand der alten Fördertürme in Aserbaidschan.

Nach einem Jahrhundert ist der Machtkampf nun erneut ausgebrochen. Durch den Zusammenbruch der ehemaligen UDSSR öffnete sich für den Westen eine der wichtigen Erdölregionen der Welt zur Erschließung. Es geht um gewaltige unerschlossene Erdöl- und Erdgasreserven im und in den Anrainerstaaten des kaspischen Meeres.

Im Unterschied zum „Great Game“ des 19. Jahrhunderts stoßen diesmal die Interessen verschiedener Staaten aufeinander, insbesondere Rußlands, der Türkei und Irans, aber auch die Vereinigten Staaten von Amerika vertreten im Kaukasus ihre Interessen. Es gibt politische und wirtschaftliche Gründe für die starke Konkurrenz in dieser Region. Die strategische Bedeutung der kaukasischen Region ist eine der politischen Gründe und den ökonomischen Grund machen die großen unerschlossenen Erdöl- und Erdgasvorräte in dieser Region aus.

Ein weiterer Unterschied ist, daß diesmal neben den Regierungen als Hauptakteure die großen Erdölkonzerne aus der ganzen Welt in den verschiedenen Konsortien agieren. Diese multinationalen Konsortien haben mittlerweile in der Region großen Einfluß, jedoch sind weiterhin die nationalen Interessen der NUS und der regionalen Mächte entscheidend.[7]

2. Die neuen Produzenten auf dem Erdöl- und Erdgasweltmarkt

Die NUS im Kaukasus, welche Erdöl- und Erdgasvorkommen haben, sehen ihre Chance darin, ihren Reichtum an Energieressourcen als Potential für ihre Entwicklung und Prosperität zu nutzen. Jedoch gibt es keine verläßlichen und vor allem keine einheitlichen Angaben über den tatsächlichen Umfang der Ressourcen. In den Medien wird oft dazu geneigt, überhöhte oder unwahrscheinliche Angaben zu machen, z.B. sollen die Erdölreserven Aserbaidschans 50% über denen Saudi-Arabiens liegen .[8] Es gibt Schätzungen, nach denen es im kaukasisch-kaspischen Raum zwischen 40 und 200 Mrd. Barrel Öl geben soll. Das US-State Department schätzt die Ölreserven in der Kaspischen Region auf 70 bis 90 Milliarden Faß, der Iran und der Kuwait verfügen im Vergleich dazu jeweils über ca. 95 Milliarden Faß Erdöl. Man kann davon ausgehen, daß die z.Zt. gesicherten Reserven und die vorhandenen, noch nicht gesicherten Reserven in dieser Region ca. 5% bis 8% der Weltvorkommen ausmachen. Demnach wären die Vorkommen in dieser Region größer als die in der Nordsee und geringer als die Reserven in der Golfregion.

Die neuen Produzenten auf dem Erdöl- und Erdgasweltmarkt sehen sich aufgrund ihrer geographischen Lage, sie haben alle keinen Zugang zum Meer, vor dem Problem, wie sie große Mengen von Öl und Erdgas exportieren sollen. Die Entscheidung auf eine bestimmte Transportroute konnte immer noch nicht getroffen worden. Die Entscheidung auf eine Haupttransportroute wird mit Sicherheit die geopolitische Situation im Kaukasus verändern, denn das Transitland wird ein gewaltiges Einflußmittel in die Hand bekommen. Bei der Festlegung auf eine Transportroute spielen neben den politischen Akteuren auch die Ölgesellschaften in den Konsortien eine große Rolle. Es gibt verschiedene Transportrouten, die in den nächsten Unterpunkten unter anderem vorgesteltt werden sollen.

2.1. Aserbaidschan

Die Aserbaidschanische Republik umfaßt eine Fläche von 96.600km2!! und liegt im östlichen Transkaukasien, grenzt im Süden an den Iran und die Türkei, im Norden an Rußland, im Nordwesten an Georgien und im Südwesten an Armenien. Im Osten hat Aserbaidschan eine 800 km lange Küste am Kaspischen Meer. Das Land ist von mehreren Gebirgsketten durchzogen, welche zur Küste hin staffelartig abfallen. In dieser Senke befinden sich große Erdöl- und Erdgasvorkommen, aus welcher die durch ihre erdölhaltigen Naturschätze weithin bekannte Halbinsel Abscheron weit in das Kaspische Meer hineinragt. Auf dieser Halbinsel förderten die Brüder Nobel schon Ende des 19. Jahrhunderts Erdöl und vermarkteten dieses in der ganzen Welt. Außer dem Öl und Gas gibt es weitere Bodenschätze wie z.B. Eisen, Zeolith, Gips, Gold u.a. In Aserbaidschan leben ca. 7,5 Mio. Menschen, von welchen zwei Millionen die Einwohnerschaft Bakus ausmachen.[9]

Schon seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde in Aserbaidschan in der Region um Baku Erdöl gefördert. Damals hielten die namhaften Dynastien Nobel, Rothschild und Rockefeller den Großteil der Ölförderung in Ihren Händen. Aserbaidschan wurde zum größten Erdölförderer der Welt und erlebte eine Blütezeit, welche man an den zerfallenen, oder z.Zt. renoviert werdenden Barockgebäuden ablesen/erkennen kann.[10] Es entstanden neue Zweige der Schwerindustrie, der Energiewirtschaft, des Maschinenbaus, der Chemieindustrie, während auch konsumorientierte Branchen einen Aufschwung erfuhren.[11] Außerdem war Aserbaidschan in sowjetischer Zeit der Hauptlieferant von Erdölausrüstungen und das regionale Zentrum für die Entwicklung neuer, effizienterer Fördertechniken.[12]

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte aus den alten Ölfeldern auf dem Festland immer weniger Erdöl geschöpft werden, ?weil diese erschöpft waren?. Man begann zwar ab 1949 mit „off shore“ Bohrungen im Kaspischen Meer vor der Küste Aserbaidschans, jedoch räumte Moskau der Ausbeutung der neuen Ölfelder in Westsibirien und Kasachstan eine höhere Priorität ein.[13] So sank der Anteil des aserbaidschanischen Erdöls in der Sowjetunion bis auf 2,4% Ende der 80er Jahre. Seit der Unabhängigkeit 1991 hielt der Rückgang der Ölproduktion weiter an, es wird vermutet, daß sich die aserbaidschanische Wirtschaft ab 1998 langsam erholen wird.[14]

[...]


[1] Vgl. Müller, Friedemann: Der Energiereichtum der kaukasisch-kaspischen Regionals Struktur- und konfliktbildender Faktor, in: Akteure und Interessen in der Krisenregion Kaukasus, Stiftung Politik und Wissenschaft (Hrsg.), Eberhausen 1995, S. 31-37, S. 31

[2] Vgl. Freitag-Wirminghaus, Rainer: Geopolitik am Kaspischen Meer. Der Kamof um neue Energieressourcen, in Sonderveröffentlichung des Bundesinstituts für ostwissenschaftliche Studien, Januar 1998, S. 5

[3] vgl. Ginsburg, Hans Jakob, in Wirtschaftswoche Nr. 38 vom 11.09.1997, S. 30

[4] vgl. Bagirov, Sabit: Azerbaijani Oil: Glimpses of a long history, in http://www.perceptions.de/1-2june-aug96/Bagirov.htm, S. 2

[5] vgl. Hartmann, J.: in Die Welt vom 28.11.1997, S. ??????

[6] vgl. Bagirov, Sabit: a.a.O., S. 3

[7] vgl. Freitag-Wirminghaus, Rainer: a.a.O., S. 5

[8] vgl. Gumpel Werner: Der Kaukasus und die Türkei, in Südosteuropa Mitteilungen, 1997/Nr. 1, S.27-32, S.27:aus „Moskovskie Novosti“, Nr.9, 27.2.-6.3 1994, S. A 11.

[9] Vgl. Business Guide Aserbaidschan, erstellt im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaftliche

Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Bonn 1996, S. 6

[10] Vgl. Freitag-Wirminghaus, Rainer: a.a.O., S. 9

[11] Business Guide Aserbaidschan, a.a.O., S. 14

[12] vgl. Freitag-Wirminghaus, Rainer: a.a.O., S. 10

[13] vgl. Schmidt-Häuer, Christian: Kalter Krieg ums Öl, in: Die Zeit vom 16.6.1995, S. 9

[14] vgl. Freitag-Wirminghaus, Rainer: a.a.O., S. 9

Details

Seiten
22
Jahr
1998
ISBN (eBook)
9783638568968
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v63972
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Seminar für Politische Wissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
Probleme Erdöl- Erdgas-Ausbeutung Region Bedeutung Türkei System Ostens Ende Ost-West-Konfrontation

Autor

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Titel: Die Probleme der Erdöl- und Erdgas-Ausbeutung in der kaukasisch-kaspischen Region