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Versuch einer kontrastiven Gegenüberstellung der Phonemsysteme des Spanischen und des Französischen

Hausarbeit 2005 18 Seiten

Romanistik - Vergleichende Romanistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung
1.1. Allgemeine Begriffsklärung : Phonetik, Phonologie, Phonem, Phon
1.2. Allgemeine Fakten zum Französischen und Spanischen
1.3. Stellung der beiden Sprachen innerhalb der Romania

II. Hauptteil
2.1. Die Konsonantenphoneme der beiden Sprachen
2.2. Problemfälle und Phänomene des französischen Konsonantensystems
2.3. Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Konsonantensysteme
3.1.Das Vokalsystem des Spanischen
3.2. Allgemeine Charakteristika der französischen Vokale
3.3. Besonderheiten und Problemfälle des französischen Vokalsystems
3.4. Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Vokalsysteme
3.5. Halbvokale und Halbkonsonanten der beiden Sprachen
4.1. Vergleich der Akzentuierung im Französischen und Spanischen
4.2. Die Silbenstruktur im Französischen und Spanischen
4.3. Intonantion

III. Schlussbemerkung

I. Einleitung:

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Phonemsystemen des Spanischen und des Französischen. In der vorliegenden Arbeit wird nur auf phonetische und phonologische Besonderheiten der beiden romanischen Sprachen eingegangen. Einzelsprachliche Phänomene im Bezug auf Lexie oder Grammatik werden ebenso wenig berücksichtigt wie die nicht bedeutungsunterscheidende Laute (Phone) der beiden Sprachen. Zunächst werden zentrale Begriffe geklärt, im Hauptteil werden die Phonemsysteme genauer erläutert, um die Basis für eine kontrastive Gegenüberstellung zu legen. Zudem wird ein kurzer Blick auf die Silbenstruktur und Akzentuierung in den beiden Sprachen geworfen.

Ausgangspunkt in allen behandelten Punkten ist das Französische , dessen Besonderheiten näher erläutert werden und danach zum Spanischen in Bezug gesetzt werden.

1.1. Allgemeine Begriffsklärung : Phonetik , Phonologie, Phon, Phonem

Die Phonetik untersucht die « materielle » Seite der Laute. Sie beschäftigt sich mit der Bildung (artikulatorische Phonetik), Übertragung (akustische Phonetik) und Rezeption (auditive Phonetik) von Sprachlauten/ Phonen (vgl. Wesch 2001: 43).

Die Phonologie interessiert sich für die « funktionale Seite » der Laute , das heißt für die Funktionen , die bestimmte Laute in bestimmten Positionen erfüllen (vgl. Wesch 2001: 43).

Röder definiert die Phonologie folgendermaßen:

« Die Phonologie oder funktionelle Phonetik untersucht die (potentiell) bedeutungsunterscheidende Funktion von Lauten im Kommunikations=

prozess (vgl. Röder 1996:12). »

Die bedeutungsunterscheidende Funktion von Lauten wird durch eine Kommutationsprobe , das heißt eine Austauschprobe demonstriert. Man bildet ein Minimalpaar (zwei Wörter oder Formen, die sich nur hinsichtlich eines Phonems in der gleichen Position unterscheiden), ein Phonem ist also « die kleinste potentiell bedeutungsunterscheidende Einheit eines Sprachsystems (Röder 1996:13). »

Beispiel 1:

frz: /b/~ /p/ (bain~ pain)

sp: /n/~ /l/ (nata~ lata)

1.2. Allgemeine Fakten zum Spanischen und Französischen

Das Spanische ist die drittgrößte Sprache der Welt und zählt momentan circa 370 Millionen Sprecher und es finden sich auf allen Kontinenten bedeutende Sprechergemeinschaften außer in Australien und Ozeanien (vgl. Wesch: 2001: 11).

Das Französische wird von circa 170 Millionen Sprechern weltweit gesprochen, die größten Sprechergemeinschaften außerhalb Frankreichs sind in Quebec und Afrika zu finden (vgl. Tost:2002: 115)

1.3. Stellung der beiden Sprachen in der Romania

Innerhalb der Romania gibt es verschiedene Klassifikationsmöglichkeiten

für die beiden Sprachen.[1] Die geläufigste ist die Klassifikation nach Tagliavini, der das Spanische den iberoromanischen Sprachen und das Französische zu den galloromanischen Sprachen zählt (vgl. Tagliavini 1998:. Beide Sprachen sind aus dem Vulgärlatein entstanden und haben sich im Laufe ihrer Sprachgeschichte verschieden stark vom Latein entfernt. Das Französische hat sich aufgrund des starken Einflusses der Kontaktsprache Fränkisch stärker vom Latein entfernt als das Spanische (vgl. Wesch 2001 : 10).

Das Spanische hatte vor allem Kontakt mit der arabischen Sprache während der islamischen Besetzung der Iberischen Halbinsel von 711-1442. Das heutige Spanisch kennt noch circa 1000 Lehnwörter durch den Kontakt mit dem arabischen Adstrat (Beispiel: ojalà), während das germanische Superstrat aus der Zeit der gotischen Herrschaft (409-711 nach Christus) über die Iberischen Halbinsel sprachlich nur wenige Spuren hinterließ (vgl. Wesch 2001:122-128).

II.Hauptteil

2.1.Die Konsonantenphoneme der beiden Sprachen

Das Spanische besitzt 19 Konsonantenphoneme und das Französische besitzt deren 18.[2] Das folgende Schema versucht die Konsantenphonemsysteme beider Sprachen darzustellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Erklärung des Schemas:

Die rot gekennzeichneten Phoneme sind die im Vergleich zum Französischen besonderen Phoneme des Spanischen:

- die palatale Affrikate /t•/ ; Beispiel: chico [0t•iko]
- der interdentale Frikativ /›/; Beispiel: hacer [a0›er]
- der velare Frikativ /x/ ; Beispiel: hijo [0ixo]
- der palatale Frikativ /j(/ ; Beispiel: cayado [kaja+o]
- der velare Lateral // ; Beispiel: lleno [0eno]
-die palatalen Vibranten /r)/ und /r/. Beispiel: carro [karo] , caro [kar+]

Die blau gekennzeichneten Phoneme sind die im Vergleich zum Spanischen besonderen Phoneme des Französischen:

-der labiodentale Frikativ /v/ Beispiel: vous [vu]
-der alveolare Frikativ [z] Beispiel: zéro [zeRo]
-die palatalen Frikative [•] und [¥] Beispiel: chose [•oz]; je [¥c]
-der uvulare Vibrant [R] Beispiel: riz [Ri]
-der uvulare Frikativ [“] Beispiel: crier [k“ije]

2.2. Problemfälle und Phänomene des französischen Konsonantensystems

Im Französischen ist die Unterscheidung stimmhaft-stimmlos von großer Bedeutung: es gibt eine Vielzahl von Minimalpaaren für die Oppositionen:

/b/~ /p/ (bain~ pain), /d/~/t/ (du~tu) , /g/~/k/, (goût~coup) (vgl. Röder 1996:47).

Das palatales / /: kommt ausschließlich intervokalisch und wortfinal vor, in diesen Positionen steht es allerdings in Opposition zu /n/ und /m/, so daß es nicht als Allophon einer dieser Phoneme gewertet werden kann (vgl. Meisenburg 1998: 78) .

Beispiel: règne [re…] – reine [ren]

Der uvulare Frikativ [“] und der uvulare Vibrant [R] werden häufig unter dem Archiphonem /r/ zusammengefasst (vgl.Meisenburg 1998:78). Das Französische kennt verschiedene Realisierungsmöglichkeiten für den Laut [r]. Regional unterscheiden sich die Artikulationen deutlich, die häufigste Realisierungsvariante im Standardfranzösischen ist der uvulare Frikativ. Trotzdem werden die beide Laute häufig mit [R] transkribiert.[3]

[...]


[1] Wesch setzt sich mit dieser Problematik ausführlich auseinander, Wesch 2001: 7-11-2-

[2] In der Sprachwissenschaft werden für das Spanische verschiedene Angaben im Bezug auf die Anzahl der Konsonantenphoneme gemacht, Mazzota unterscheidet 18 Konsonantenphoneme , er rechnet den palatalen Frikativ /j/ nicht zu den Konsonantenphonemen (vgl. Mazzota 1984:181) . Auch die Stellung von [†] und[…] ist nicht eindeutig dargestellt, da diese Laute nur wortfinal oder intervokalisch vorkommen. In diesen Positionen stehen sie jedoch in Opposition zu /n/ und /m/. Im Französischen unterscheidet Mazzota 18 Konsonantenphoneme (vgl. Mazzota 1984: 162), Meisenburg unterscheidet ebenfalls 18 Konsonantenphoneme , sie fasst aber den uvularen Frikativ [“] und den uvularen Vibranten [R] unter dem Archiphonem /r/ zusammen und gibt dem velaren Nasal [† ] ( Suffix –ing aus dem Englischen) einen eigenen Phonemstatus (vgl. Meisenburg 1998: 78).

[3] Röder setzt sich ausführlich mit der Problematik der verschiedenen Artikulationsarten des [r] – Lautes im Französischen auseinander, er unterscheidet zusätzlich zum uvularen Vibranten und zum uvularen Frikativ einen Zungenspitzenvibranten, ein sog. gerolltes [r] , der im Französischen als regionale normabweichende Realisierung vorkommt (vgl. Röder 1996: 66).

Details

Seiten
18
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638568517
ISBN (Buch)
9783638797030
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v63920
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
2,7
Schlagworte
Versuch Gegenüberstellung Phonemsysteme Spanischen Französischen

Autor

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