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Die Soziologie des Symbols

Essay 2006 7 Seiten

Soziologie - Kultur, Technik und Völker

Leseprobe

„So ist das soziale Leben unter all seinen Aspekten und zu allen Augenblicken seiner Geschichte nur dank eines umfangreichen Symbolismus möglich.“

Diese Worte Emile Durkheims geben bereits am Anfang dieses Essays eine Antwort auf die Frage: „Welche Bedeutungen beziehungsweise Funktionen haben Symbole innerhalb kultureller- und sozialer Beziehungen vergesellschafteter Individuen und Körperschaften?“ Soziales Leben, ein reziprokes, auf andere orientiertes Sichverhalten ist laut Durkheim durch einen umfangreichen Symbolismus real. Dies ist die Funktion des Symbols. Das Symbol als Schlüsselmoment von Vergesellschaftung.

Symbole bestimmen Gesellschaftsstrukturen in allen bekannten sozialen Verhältnissen und das nicht nur in frühen Gesellschaften. Was aber ist ein Symbol? Was macht es so mächtig? Aus einer Vielzahl von Definitionsansätzen möchte ich die Variante Ernst Cassirers aufgreifen. Dieser unterscheidet zwischen Zeichen (signal) als „part of the physical world of being“, womit er dieses als technisches Symbol den Naturwissenschaften zuweist, und dem Symbol als „part of the human world of meaning“, welches alle Formen des menschlichen Kulturlebens als symbolisch bezeichnet. Das „Symbolische“ ist also ein Begriffssystem, mit dessen Hilfe sich die Menschen die Gesellschaft und die Beziehungen die sie mit ihr haben vorstellen. Durkheim beschreibt diesen Sachverhalt als Modell von und für Wirklichkeit, bei Husserl könnte man argumentieren, dass die Intention, das Bewusstsein von etwas, ohne dem Symbolischen als Begriffssystem nicht realisiert werden könnte. Alfred Schütz bezeichnet Symbole als höherstufige Appräsentationsverweisungen welche auf eine Idee hinweisen die unsere Alltagserfahrung transzendieren. Bei Rehberg übernimmt das Symbol die Funktion eines komplexen Verweisungsmediums welches beispielsweise auf einen besonderen Lebensstil verweist (Habitus).

Wenn man sich also auf eine allgemeingültige Bedeutung des Symbols festlegen müsste könnte man sagen, ein Symbol ist eine appräsentative Verweisung, welche dazu dient aus etwas Unsichtbaren etwas Anschaubares zu machen, Symbole tragen demnach zu einer gewissen „Entzauberung der Welt“ bei (Manfred Lurker) und bestimmen so das soziale Leben in all seinen Verhältnissen. So eine starke Funktion eines Elements gesellschaftlicher Konstitution weckte mein Interesse an dieser Thematik, allerdings suchte ich vergeblich nach einer eigenständigen Disziplin, welche sich die Soziologie des Symbols (Symbolsoziologie) zum Gegenstand macht. Bei vielen soziologischen- sowie philosophischen Autoren stößt man in ihren großen Werken auf einzelne versteckte Aufsätze, in welchen das Thema Symbolismus angerissen, beschrieben und kurz abgehandelt wird. Allerdings gibt es kein großes soziologisches Werk welches sich ausschließlich mit dem Symbol an sich beschäftigt. Warum diese versteckte Distanzierung beziehungsweise Marginalisierung. Ist das Symbol doch nicht von so großer Bedeutung wie ich annehme? Ist es zu universell, zu allgemeingültig, nicht speziell genug oder abstrakt? Oder ist es zu komplex um sich ausschöpfend mit ihm beschäftigen zu können? Interessante Fragen fehlende Antworten. Dieser Essay soll dem Leser das Thema „Symbol“ schmackhaft machen, Interesse wecken und dazu beitragen ein Verständnis dafür zu erlangen, dass die Dimensionen und Schulen der soziologischen Theorie und Operation vielleicht doch nicht so voneinander getrennt und verschieden sind, da sie doch alle das einende Moment des symbolischen in sich tragen.

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Details

Seiten
7
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638568494
ISBN (Buch)
9783656539094
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v63918
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Soziologie
Note
1,7
Schlagworte
Soziologie Symbols Kultursoziologie Seminar

Autor

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Titel: Die Soziologie des Symbols