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Identitätsproblematik. Didaktische Überlegungen zu Charlotte Kerner: 'Blueprint'

Hausarbeit 2005 25 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.. Charlotte Kerner
1.1 Biografie
1.2 Bibliografie
1.3 Auszeichnungen

2.. Blueprint. Blaupause. Roman
2.1 Der Inhalt
2.2 Kurze Analyse zur Struktur, zur Erzählweise und zur Sprache
2.2.1 Die Erzählstruktur
2.2.2 Die Erzählweise
2.2.3 Die Sprachebenen
2.3 Figurenkonstellation Siri –Iris
2.3.1 Siri
2.3.2 Iris

3.. Didaktische Überlegungen zu „Blueprint. Blaupause“
3.1 Anregungen und Materialien für den Unterricht
3.2 Didaktische Überlegungen zum Thema der Identitätsproblematik in Charlotte Kerners Roman
3.2.1 Planung einer Doppelstunde
3.2.1.1 Verlaufsplanung
3.2.1.2 Lernzielanalyse
3.2.1.3 Didaktische Analyse
3.2.2 Weitere Ideen zum Schwerpunkt „Identitätsproblematik“

Literaturverzeichnis

1 Charlotte Kerner

1.1 Biografie

Charlotte Kerner wurde am 12. November 1950 in Speyer geboren. Dort verbrachte sie ihre Kinder- und Jugendzeit. Nach dem Abitur absolvierte sie ein Studium der Soziologie und Volkswirtschaft in Mannheim.[1]

Danach beteiligte sie sich an einem stadtsoziologischen Forschungsprojekt. Die damit verbundenen Aufgaben füllten sie jedoch nicht aus, so dass sich Charlotte Kerner 1976 zu einem Studienjahr nach Kanada und zwei Jahre später nach China aufmachte.

Ihre Erfahrungen in China veranlassten Kerner zu ihrem ersten Buch „Jadeperle und großer Mut. Chinesinnen zwischen gestern und morgen.“, das sie zusammen mit Ann-Kathrin Scheerer schrieb. Das Buch erschien 1980.

Seit 1979 konzentriert sich Charlotte Kerner voll und ganz auf schreiberische Tätigkeiten. Ihre Reportage über eine Frauenselbsthilfegruppe nach Krebsoperationen wurde 1979 mit dem ersten Preis im Wettbewerb „Reporter der Wissenschaft“ ausgezeichnet.

Von 1980 bis 1983 arbeitete Kerner bei der Stiftung „Jugend forscht“ als Pressereferentin. 1984 hospitierte sie als Stipendiatin der Robert-Bosch-Stiftung bei der Deutschen Presseagentur und im Wissenschaftsressort der „Zeit“. Seitdem arbeitet sie als Wissenschaftsjournalistin nicht nur für „Die Zeit“, sondern auch für „Geo – Wissen“ und „Emma“. Nebenher schreibt sie erfolgreich Jugendbücher, für die sie schon einige Auszeichnungen erhalten hat.[2] Ihre besonderen Interessen gelten dabei den Themen Frauen, Forschung und Wissenschaft.

Charlotte Kerner lebt heute mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Lübeck.[3]

1.2 Bibliografie

1980 Jadeperle und großer Mut. Chinesinnen zwischen gestern und morgen. (zusammen mit Ann-Kathrin Scheerer)

1984 Kinderkriegen. Ein Nachdenkbuch.

1986 Lise, Atomphysikerin. Die Lebensgeschichte der Lise Meitner.

1988 Seidenraupe, Dschungelblüte. Die Lebensgeschichte der Maria Sybilla Merian.

1989 Geboren 1999. Eine Zukunftsgeschichte.

1990 Nicht nur Madame Curie… Frauen, die den Nobelpreis bekamen.
(von Charlotte Kerner herausgegeben)

1993 „Alle Schönheit des Himmels“. Die Lebensgeschichte der Hildegard von Bingen.

1997 Madame Curie und ihre Schwestern. Frauen, die den Nobelpreis bekamen.
(von Charlotte Kerner herausgegeben)

1999 Blueprint. Blaupause. Roman.

2002 Die Nonkonformistin. Die Lebensgeschichte der Designerin und Architektin Eileen Gray.

2004 Sternenflug und Sonnenfeuer. Drei Astronominnen und ihre Lebensgeschichte.

1.3 Auszeichnungen

1979 1. Preis im Wettbewerb „Reporter der Wissenschaft“.

1987 Deutscher Jugendliteraturpreis für „Lise, Atomphysikerin. Die Lebensgeschichte der Lise Meitner.“

2000 Deutscher Jugendliteraturpreis für „Blueprint. Blaupause. Roman.“

Außerdem waren fünf weitere Bücher von Charlotte Kerner für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Aktuell steht ihr Werk „Sternenflug und Sonnenfeuer. Drei Astronominnen und ihre Lebensgeschichte.“ auf der Auswahlliste für den Literaturpreis 2005.

2 Blueprint. Blaupause. Roman.

2.1 Der Inhalt

Das Buch „Blueprint. Blaupause. Roman.“ beginnt mit einem einleitenden Prolog, in dem die Erzählerin Siri Sellin kurz ihre derzeitige Situation und ihre Motivation zum Verfassen der Geschichte darlegt. Nachdem ihre Mutter, deren Klon Siri ist, gestorben ist, will sich die Erzählerin durch die Niederschrift ihrer Biografie über die eigene Person klar werden.

Im ersten Kapitel werden die Motive Iris Sellins, Siris Mutter, zur Klonierung der eigenen Person beschrieben. Als erfolgreicher Pianistin und Komponistin mit viel versprechenden Zukunftsaussichten bedeutet die Diagnose der Multiplen Sklerose (MS) für Iris eine existenzielle Krise. Im Alter von dreißig Jahren verliert plötzlich ihr alleiniger Lebensinhalt, die Kunst, an Bedeutung. Als sie von der Möglichkeit, Menschen zu klonen, erfährt, sieht sie darin eine Gelegenheit, ihr Talent und Können weiterzugeben und dadurch unsterblich zu werden. Wie ihr genetisches Erbmaterial will Iris auch die Bestandteile ihres Namens an den Klon weitergeben. Sie wird ihre Tochter Siri nennen. Siri kommt im Oktober des Jahres Null gesund und ohne Komplikationen zur Welt.

Das zweite Kapitel beschreibt die ersten acht Lebensjahre von Siri. Obwohl die Mutter oft beruflich unterwegs ist, ist Siris Kindheit von Harmonie geprägt. Als Siri drei Monate alt ist, engagiert Iris Sellin die Kinderfrau und Musikpädagogin Daniela Hausmann. Mit ihrer Hilfe soll Siri schon früh musikalisch gefördert werden. Anstatt des Besuchs eines Kindergartens übt Siri im Alter von vier Jahren viel am Klavier. Daniela Hausmann und ihr Sohn Janeck werden für Siri eine Ersatzfamilie. Bei ihnen findet sie den Rückhalt, den die Mutter wegen der beruflichen Abwesenheit nicht geben kann. Dennoch fühlt sich Siri in diesen Zeiten im Einklang mit der Mutter.

Als Iris im siebten Jahr einen schweren MS-Schub hat, beschließt sie aufgrund der noch verbleibenden Zeit, die Klavierausbildung der Tochter zu intensivieren. Ab dem siebten Geburtstag erhält Siri die Erlaubnis, auf dem Konzertflügel der Mutter spielen zu dürfen. Siri tauft den Flügel „Mister Black“.

Das dritte Kapitel des Buches behandelt Siris Kindheit vom achten bis zum vierzehnten Lebensjahr. Nachdem ihre Mutter Siri den genauen Vorgang ihrer Zeugung erklärt hat, erfindet das Mädchen den Begriff „Mutterzwilling“. In Anlehnung daran gebraucht sie für Iris oft liebevoll die Abkürzung „MuZwi“. Siri möchte immer mehr am künstlerischen Schaffen der Mutter teilhaben. Beim Komponieren schließt sich Iris jedoch immer im Arbeitszimmer ein. Alleingelassen verkriecht sich Siri dann unter dem Flügel „Mister Black“, der ihr das Gefühl von Geborgenheit schenkt.

Als Siri zehn ist, lernt sie Professor Fisher kennen, der die Klonschaft ihrer Mutter in die Wege geleitet hatte. Sie bedauert, ihn nicht ihren leiblichen Vater nennen zu können. Im Alter von zwölf Jahren tritt Siri zum ersten Mal mit ihrer Mutter auf. In den folgenden Jahren wird das Mädchen der Mutter äußerlich immer ähnlicher. Es gelingt ihr beispielsweise, die Oma zu täuschen und sich als Iris auszugeben. Bald kommt es zu ersten Konflikten zwischen Mutter und Tochter, da Siri als eigene Persönlichkeit angesehen werden will. Und auch bei Iris entstehen zwiespältige Gefühle. Da die Mutter im Verlauf ihrer Krankheit immer mehr abbaut, wird es für sie unerträglich, mit ihrem gesunden Ebenbild in Form der Tochter konfrontiert zu werden. Siri dagegen sieht im Verfall der Mutter eine Chance, sich von Iris abzuheben.

Im vierten Kapitel wird Siris Leben im Alter von fünfzehn Jahren geschildert. Die negativen Gefühle gegenüber der Mutter nehmen immer mehr zu. Von der Teilnahme an einem Zwillingstreffen hatte Siri sich erhofft, Antworten auf ihre Fragen zur eigenen Persönlichkeit zu bekommen, da Zwillinge genau wie Klone mit dem gleichen Erbgut ausgestattet sind. Doch sie muss feststellen, dass die Voraussetzungen bei Zwillingen aufgrund der Gleichzeitigkeit der Lebensentwürfe ganz anders liegen als bei ihr. Siri ist dem Leben der Mutter nachgeschoben worden und damit lediglich eine Kopie. Umso befriedigender ist für Siri deshalb auch die körperliche Veränderung der Mutter im Verlauf der Krankheit. Nur dadurch kann sie sich von Iris äußerlich abgrenzen. Um die Mutter zu verletzen, gibt sich Siri eines Abends gegenüber Kristian, dem Freund der Mutter, als Iris aus. Doch der Schwindel fliegt auf und Siri wird von Kristian abgewiesen. Gedemütigt beschließt sie, Iris zu schlagen, indem sie die bessere Pianistin wird.

Bei ihrem ersten Solokonzert im Alter von sechzehn Jahren, das im fünften Kapitel beschrieben wird, versagt Siri jedoch jämmerlich. Nach der Niederlage kann sie der Mutter nicht mehr gegenübertreten und flüchtet zu Janeck. Bald darauf kehrt sie aber zur Mutter nach Lübeck zurück. Sie ist allerdings nicht mehr in der Lage, Klavier zu spielen, da sie ihre Hände nicht mehr sehen kann. Die Befürchtung, dass Siri ebenfalls an MS erkrankt ist, wird nicht bestätigt.

Nach weiteren Streitigkeiten zwischen Mutter und Tochter zieht Siri zu Janeck nach Hamburg. Sie fühlt sich zunächst erleichtert und versucht, die alte Existenz durch eine radikale Veränderung ihres Äußeren abzuschütteln. Auch macht sie erste Erfahrungen mit Alkohol und Männern. Bald beginnt sie jedoch, die Mutter zu vermissen. Zu ihrem siebzehnten Geburtstag bekommt Siri von Janeck Malutensilien geschenkt. Die Originalnoten der Komposition, die Iris Sellin während ihrer Schwangerschaft geschrieben hatte und nun Siri zum Geschenk macht, zerschneidet die junge Frau einfach und verarbeitet sie in einer Collage. Als Iris´ Krankheit weiter fortschreitet, beginnt Siri wieder, die Mutter regelmäßig zu besuchen.

Im sechsten Kapitel beschreibt Siri nun das langsame Sterben ihrer Mutter. Sie selbst verfällt in eine neurotische Depression, weil sie sich nur über die Mutter definieren kann. Iris stirbt im Juni des zweiundzwanzigsten Jahres. Ihr Tod bedeutet für Siri einerseits Trauer um den Verlust, auf der anderen Seite aber auch Freude darüber, dass sie nun endlich ein eigenes Leben beginnen kann. Ihr Auftritt anlässlich der Totenfeier wird für sie ein großer Erfolg. Das Angebot eines Plattenagenten, in die Fußstapfen von Iris Sellin zu treten, schlägt sie aber aus. Bis auf den Konzertflügel und eine Marmorstatue trennt sich Siri von allen Hinterlassenschaften der Mutter. Sogar deren Tagebücher übergibt sie dem Reißwolf.

Das letzte Kapitel des Buches hat Siri zehn Jahre nach dem Tod Iris Sellins verfasst. In diesem Anhang berichtet sie von dem Höhepunkt ihrer künstlerischen Karriere. Sie hat es geschafft, eine eigene Identität zu finden und mit ihrer Maschinenkunst ebenso Erfolg zu haben, wie die Mutter einst mit ihrer Musik. Genau wie Iris lebt sie allein für ihre Kunst. Männer haben in ihrem Leben keinen Platz. Im Gegensatz zur Mutter ist Siri aber nicht an MS erkrankt. Kinder will Siri nicht bekommen.

Siris Ausführungen ist noch ein Epilog der Vorsitzenden der Kommission für Fortpflanzungsfortschritt angehängt. Diese berichtet über die Forschungen zur psychischen Gesundheit von Klon-Kindern. Klonschaften unterliegen mittlerweile der staatlichen Kontrolle und Siris Lebensbericht ist zur Pflichtlektüre für künftige Klon-Eltern geworden. Im Rahmen dessen hatte die Vorsitzende auch um das Abschlusskapitel Siris zehn Jahre später gebeten.[4]

[...]


[1] Vgl. Zimmermann, Mirjam: Charlotte Kerner: Blueprint Blaupause. In: Deutsch betrifft uns (2002) 3, S. 19.

[2] Vgl. Schede, Hans-Georg: Blueprint. Blaupause: Interpretationshilfe Deutsch. Freising: Stark 2003, S. 3ff.

[3] Vgl. Zimmermann, a.a.O., S. 1.

[4] Vgl. Schede, a.a.O., S. 9ff.

Details

Seiten
25
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638568098
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v63864
Institution / Hochschule
Technische Universität Dortmund – Institut für deutsche Sprache und Literatur
Note
2,0
Schlagworte
Didaktische Charlotte Kerner Blueprint Blaupause Berücksichtigung Identitätsproblematik Deutschsprachige Literatur Jahre

Autor

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Titel: Identitätsproblematik. Didaktische Überlegungen zu Charlotte Kerner: 'Blueprint'