Lade Inhalt...

Transkriptionsverfahren im Vergleich

Hausarbeit 2002 21 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte der Transkription

3. Angewandte Sprachwissenschaft
3.1. Konversationsanalyse
3.2. Funktional-pragmatische Diskursanalyse

4. Verschiedene Transkriptionssysteme
4.1. CAT
4.2. DIDA
4.3. IMT
4.4. IPA
4.5. GAT
4.6. HIAT

5. Transkriptionssysteme im Vergleich

6. Schlussfolgerung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Man kann nicht nicht kommunizieren. Ein Mensch kommuniziert immer, wenn er nicht gerade alleine ist. Wenn man die Kommunikation oder ein Gespräch zwischen zwei oder mehreren Menschen näher betrachtet, was ja in der Linguistik oft der Fall ist, kann man, beispielsweise mit Hilfe der Methode der Konversationsanalyse oder der Funktional-pragmatischen Diskursanalyse, herausanalysieren, was genau in diesem Gespräch passiert. Um ein solches Gespräch analysieren zu können, braucht man aber die genauen Sprachdaten. Diese Sprachdaten werden dann (meistens) mittels neuster Technologie, sprich Tonbandgerät und/oder Videokamera aufgenommen und ausgewertet.

Dazu haben einige Gesprächsforscher verschiedene Transkriptionssysteme entwickelt. Diese Systeme sind alle auf einen bestimmten Zweck hin konzipiert worden und haben deshalb kleine aber feine Unterschiede, je nach sprachwissenschaftlicher Methode und Ziel.

In dieser Arbeit werde ich einige dieser Transkriptionssysteme vorstellen und mit einer kurzen Beschreibung der angewandten Sprachwissenschaft versuchen deutlich zu machen, welche Überlegungen und Motive diesem Zweig der Linguistik zugrunde liegen.

2. Geschichte der Transkription

Gesprächsanalytische Untersuchungen setzen, wie oben erwähnt, technische Verfahren der Audio- oder Videoaufzeichnung voraus. Man befasst sich jedoch schon viel länger mit der gesprochenen Sprache. Die Sprachwissenschaft war jahrtausendelang an die Schrift gebunden und konnte sich deshalb nur schwer weiterentwickeln. Schon im 4.Jahrhundert vor Christus befasste sich ein Mann namens Panini in dem heutigen Pakistan mit der gesprochenen Sprache der Zeit - auch „Sanskrit“ genannt. Sanskrit war damals die literarische Sprache der Hindus, bedeutet „komplett“ oder „perfekt“ und wurde als die Sprache der Götter/die göttliche Sprache bezeichnet. Panini wurde dafür bekannt, dass er eine wissenschaftliche Theorie der Sprache in bezug auf Phonetik, Phonologie und Morphologie entwickelte. In seinem größten Werk „Astadhyayi“ beschreibt Panini die formellen Produktionsregeln und Definitionen des grammatischen Aspekts Sanskrits. Damit gilt Panini als der erste Vorfechter einer sprachwissenschaftlichen Theorie[1].

Die Befassung mit gesprochener Sprache wurde lange als unbedeutend und ein bisschen eigenartig angesehen. So befasste sich eher die Ethnologie und Ethnographie früher mit der mündlichen Kommunikation. Mit der Entwicklung der technischen Aufzeichnungsmöglichkeiten jedoch, gewann die Linguistik immer mehr an Bedeutung. Deshalb gibt es empirische Untersuchungen von Gesprächen auch erst seit der Verfügbarkeit kleiner portabler Tonbandgeräten. Jetzt hatte man das Werkzeug um Gespräche reproduzierbar festzuhalten, damit man sie eingehend und so authentisch wie möglich analysieren konnte. Jetzt fehlte nur ein einheitliches Transkriptionssystem, was man in der Forschung der Gesprächsanalyse einheitlich verwenden konnte. Im Laufe der Zeit haben mehrere Forscher verschiedene Verschriftungsformen entwickelt. In dieser Arbeit werde ich mich jedoch auf folgende beschränken:

- CATS (Conversational Analysis Transcription System)
- DIDA- Transkriptionsrichtlinien des Instituts für deutsche Sprache
- GAT (Gesprächsanalytisches Transkriptionssystem)
- HIAT (Halbinterpretative Arbeitstranskription)/HIAT-DOS
- IMT (Interlineare Morphemglossierung)
- das IPA-System (International Phonetic Association)[2]

Damit soll nicht gesagt werden, dass dies eine vollständige Liste der vorhandenen Transkriptionssysteme sei. Auf die einzelnen Verfahren werde ich später eingehen. Zunächst ein kleiner Exkurs über die Arbeit, die einer Transkription und Analyse hervorgeht bzw. nach der Transkription kommt, nämlich die Sprachwissenschaft.

3. Angewandte Sprachwissenschaft

Die Analyse authentischer Sprachdaten spielt eine große Rolle in der Linguistik. Die Linguistik erlebte in den 70er Jahren die sogenannte „pragmatische Wende“[3], wo die Sprechakttheorie von Austin und Searle als Teil der Pragmatik übernommen wurde. Die Sprechakttheorie hat eine große Zahl von Termini und Unterscheidungen geliefert, die sich für die Untersuchung der Kommunikation als sehr wichtig erwiesen haben. Diese Theorie hat aber Kritik ausgelöst, weil sie nur die Sprecherseite berücksichtigt und dabei vergisst, dass die Hörerseite auch eine wesentliche Rolle in der Interaktion spielt. Für die deutsche Pragmatik forderten Maas

und Wunderlich deshalb schon 1972 eine Erweiterung des Sprechakts, damit die Hörerseite auch die Aufmerksamkeit bekommt, die ihn in einem Gespräch zusteht[4]. Diese neue Ausarbeitung der Theorie wurde dann in verschiedene Richtungen weiterentwickelt.

3.1 Konversationsanalyse

Innerhalb der qualitativen Forschung gehört die Konversationsanalyse (KA), auch Gesprächsanalyse genannt, zu den Analyseverfahren, die sich stark an

der Ethnometodologie orientieren. Kennzeichnend für diesen Forschungsansatz ist das strikte empirische Vorgehen mit dem Ziel, vor allem, aber nicht nur, sprachliches Handeln darzustellen. Die KA beschäftigt

sich mit den formalen Strukturen, Prinzipien und Mechanismen von Alltagshandlungen und Gesprächen. Es geht nicht um das Gesagte an sich, sondern vielmehr darum, wie dieses zustande gekommen ist. Interaktion wird als ein dynamischer Prozess der Hervorbringung und Absicherung sinnhafter sozialer Ordnung verstanden.

Hierbei geht die KA von folgenden zentralen Annahmen aus:

- Interaktionen laufen geordnet ab.
- Die soziale Ordnung wird ausgehandelt.
- Menschen setzen immer bestimmte Techniken und Verfahren ein, um ihre Handlungen erkennbar, verstehbar und erklärbar zu machen.

Die Handelnden versuchen:

- den Kontext und die Situation der Handlung zu analysieren,
- die Äußerungen der Handlungspartner zu interpretieren,

[...]


[1] Vgl. http://www-groups.dcs.st-and.ac.uk/~history/Mathematicians/Panini.html

[2] Schlobinski Homepage (2002)

[3] Vgl. Linke et al. (1994)

[4] Vgl. Rehbein 1996

Details

Seiten
21
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638139670
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v6384
Institution / Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg) – Linguistik
Note
1
Schlagworte
Linguistik/Transkriptionssysteme

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Transkriptionsverfahren im Vergleich