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Das Konklave von 1241

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 21 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Konklave von 1241
2.1 Die Ausgangslage
2.1.1 Die politische Situation
2.1.2 Die Entwicklung der Papstwahl bis 1241
2.2 Der Ablauf des Konklaves
2.2.1 „Die Entführung der Wähler“
2.2.2 Die Zustände im Septizonium
2.2.3 Die ersten Wahlversuche
2.2.4 Druck des Senators und die Wahl Cölestin IV
2.3 Mögliche Vorbilder
2.4 Die Folgen
2.4.1 Der Tod Cölestins IV. und die folgende Sedisvakanz
2.4.2 Das Zweite Lyoner Konzil von 1274

3 Fazit

Quellen-, Literatur- und Internetquellenverzeichnis

1 Einleitung

Die Wahl von Papst Benedikt XVI. im April 2005 rückte die Papstwahl in den Blickpunkt einer breiten Öffentlichkeit. Für viele Menschen stellte die geheime Wahl in der Sixtinischen Kapelle einen Anachronismus dar. Es stellt sich die Frage wie das Konklave zu einem wichtigen Bestandteil der Papstwahl wurde. Um diese Frage zu beantworten soll in folgender Arbeit das erste Konklave der Papstgeschichte, das mit Sicherheit belegt ist, aus dem Jahr 1241 untersucht werden.[1]

Hierfür ist es nötig die kirchenrechtliche und politische Ausgangslage in der ersten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts zu betrachten. Neben dem Ablauf des Konklaves von 1241 soll ein Blick auf mögliche Vorbilder und auch Vordenker für diese Wahlform geworfen werden. Desweiteren werden die Folgen des ersten Konklaves der Papstwahlgeschichte untersucht werden.

Neben verschiedenen überblicksartigen Darstellungen der Papstgeschichte, wie zum Beispiel von Johannes Haller[2] oder von Horst Fuhrmann[3], gibt es unterschiedliche Abhandlungen über das Konklave von 1241. Hier sind unter anderem die Berichte von Karl Hampe[4], Peter Herde[5] und Karl Wenck[6] von Bedeutung. Entscheidend für die Überlieferung der Ereignisse von 1241 ist der Fund eines Briefes in Reims durch Karl Hampe zu Beginn des 20.Jahrhunderst, denn bis zu diesem Zeitpunkt war die Quellenlage recht dürftig und die wenigen Angaben bei verschiedenen Chronisten waren zumeist widersprüchlich.[7]

Der Begriff des Konklaves war schon seit der Antike bekannt und bezeichnet einen verschließbaren Raum. Der Begriff „Konklave“ in Bezug auf die Wahl des Papstes findet erstmals 1271 durch die Papstwähler, also die Kardinäle, Verwendung. Da der technische Ablauf des Konklaves 1274 geregelt wird, verweist Schimmelpfennig darauf, dass erst ab diesem Zeitpunkt vom Konklave geredet werden kann.[8] Dieser Aspekt findet jedoch in der Forschung wenig Beachtung.

2 Das Konklave von 1241

2.1 Die Ausgangslage

2.1.1 Die politische Situation 1241

Das Pontifikat von Papst Gregor IX. begann 1227 und endete mit seinem Tod am 22.08.1241 nach vierzehn langen Jahren.[9] „Er hinterließ die Kirche in einer verzweifelten Lage“[10], so beschreibt Horst Fuhrmann die schwierige Situation für das Papsttum im Jahr 1241. Noch nie habe ein Papst bei seinem Tod die Welt und auch die Kirche in einer solch verworrenen und gefährlichen Lage hinterlassen, urteilt Johannes Haller.[11] Wie konnte es zu dieser bedrohlichen Situation für das Papsttum kommen?

Die erste Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts war durch heftige Spannungen zwischen dem Kaiser und dem Papst geprägt. Der Friede von Ceprano 1230 führte zur Aufhebung des Bannes über Kaiser Friedrich II. und war an verschiedene Zusagen gebunden. So verlangte der Papst unter anderem die Freiheit kirchlicher Wahlen, Steuerfreiheit für Kirchen und die Unantastbarkeit des Kirchenstaates.[12]

Dieser Frieden sollte jedoch nicht lange Bestand haben und trotz verschiedener Annäherungsversuche zwischen Papst Gregor IX. und Kaiser Friedrich II. befand sich der Konflikt 1241 auf einem neuen Höhepunkt. Die Spannungen zwischen Kaiser Friedrich II. und Papst Gregor bestimmten die dreißiger Jahre des 13.Jahrhunderts und führten zur erneuten Exkommunikation des Kaisers 1239. Es scheint so als wäre es weder dem Kaiser noch dem Papst möglich gewesen den Weg des Friedens einzuschlagen und dauerhaft zu verfolgen. Dies erlaubt wohl auch Rückschlüsse auf die Persönlichkeiten der beiden Protagonisten erlauben.

In den bewaffneten Auseinandersetzungen 1241 behielt die kaiserliche Seite die Oberhand und es gelang Friedrich sogar zwei Kardinäle in seine Gewalt zu bringen.[13] In dieser Situation verglich Papst Gregor den Kaiser mit dem Drachen der Apokalypse,[14] woran sowohl die tiefe persönliche Abneigung des Papstes gegenüber dem Kaiser als auch die bedrohliche Lage des Papsttums deutlich wird. So standen zum Zeitpunkt von Gregors Tod im August die Truppen des Kaisers vor den Toren Roms.

Allerdings stand die Kurie nicht geschlossen hinter der Politik Gregors IX. und es gab sehr unterschiedliche Ansichten wie der Papst sich dem Kaiser gegenüber verhalten solle. Daher war zum Zeitpunkt des Todes Gregors IX. das Kardinalskollegium in verschiedene Lager gespalten.[15]

In der Stadt Rom gab es zu diesem Zeitpunkt, wie häufig in der Geschichte der Stadt, Rivalitäten zwischen den einflussreichen Familien der Stadt. Hier sind vor allem die Familien der Orsini, Annibaldi und Colonna zu nennen.[16] 1241 stellte die Familie Orsini mit Matteo Rosso den Senator, der der alleinige Herrscher über die zivile Verwaltung der Stadt war[17] und von Papst Gregor IX. erhoben wurde.[18] Horst Fuhrmann beschreibt die Persönlichkeit kurz und prägnant: der Senator sei „zwar ein Freund des heiligen Franz von Assisi, dennoch ein brutaler Politiker gewesen“.[19] Die Brutalität von Matteo Rosso Orsini sollte sich im Verlauf des Sommer 1241 zeigen. Die römischen Adelsgeschlechter waren untereinander zerstritten und so gab es mit dem kaiserfreundlichen Kardinal Johann Colonna III., der die Partei der Kaiserfreunde anführte, einen wichtigen Gegenspieler zu Senator Orsini.[20]

[...]


[1] Vgl. Fuhrmann, Horst, Die Päpste. Von Petrus zu Benedikt XVI., 3.aktualisierte und erweiterte Auflage, München 2005. S.66

[2] Vgl. Haller, Johannes, Das Papsttum. Idee und Wirklichkeit, verbesserte und ergänzte Auflage, Stuttgart 1952.

[3] Vgl. Fuhrmann, Päpste.

[4] Vgl. Hampe, Karl, Ein ungedruckter Bericht über das Konklave von 1241 im römischen Septizonium (Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften), 1913, S.26 – 31.

[5] Vgl. Herde, Paul, Die Entwicklung der Papstwahl im dreizehnten Jahrhundert. Praxis und kanonistische Grundlagen, in: Österreichisches Archiv für Kirchenrecht 32, 1980, S.11 – 35.

[6] Vgl.Wenck, Karl, Das erste Konklave der Papstgeschichte, Rom August bis Oktober 1241, QFIAB 18, 1926, S.101 – 170.

[7] Vgl. Hampe, Konklave, S.4.

[8] Vgl. Schimmelpfennig, Bernhard, Papst- und Bischofswahlen seit dem 12.Jahrhundert, in: Wahlen und Wähler im Mittelalter, hg. Von Reinhard Schneider / Harald Zimmermann (Vorträge und Forschungen des Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte, Bd. 37), Sigmaringen 1990, S.178.

[9] Vgl. Joelson, Olga, Die Papstwahlen des 13.Jahrhunderts bis zur Einführung der Conclaveordnung Gregors X., Historische Studien Band 178, Berlin 1928, S.19.

[10] Vgl.Fuhrmann, Horst, Die Wahl des Papstes, in: GWU 9, 1958, S.772.

[11] Vgl. Haller, Johannes, Das Papsttum. Idee und Wirklichkeit. Vierter Band: Die Krönung, verbesserte und ergänzte Auflage, Stuttgart 1952, S.148.

[12] Vgl. Engels, Odilo, Die Staufer, 7. verbesserte und ergänzte Auflage, Stuttgart 1998, S.177.

[13] Vgl. Baumgartner, Frederic, Behind locked doors. A history of the Papal elections, New York 2003, S.35.

[14] Vgl. Engels, Staufer, S.183.

[15] Vgl. Joelson, Papstwahlen, S.19.

[16] Vgl. Herde, Papstwahl, S.15

[17] Vgl. Ullmann, Walter, Kurze Geschichte des Papsttums im Mittelalter, Berlin 1978, S.245.

[18] Vgl. Wenck, Konklave, S.112.

[19] Fuhrmann, Päpste, S.66.

[20] Vgl. Wenck, Konklave, S.103.

Details

Seiten
21
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638567497
ISBN (Buch)
9783638810418
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v63794
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,7
Schlagworte
Konklave Wahl Papstes Mittelalter

Autor

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Titel: Das Konklave von 1241