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Schulpsychologische Beratung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 25 Seiten

Psychologie - Entwicklungspsychologie

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Schulpsychologische Beratung – Begriffsbestimmung

3. Historische Entwicklung und Rahmenbedingungen der Schulpsychologie
3.1. Historische Entwicklung
3.2. Rechtliche Rahmenbedingungen
3.3. Institutionelle Rahmenbedingungen

4. Aufgaben eines Schulpsychologen
4.1. Die Schwerpunkte im Aufgabenbereich eines Schulpsychologen
4.2. Erwartungen an schulpsychologische Beratung

5. Die drei Ebenen von Schulpsychologischer Beratung

5.1. Individualberatung

5.2. Gruppenberatung

5.3. Institutionenberatung

6. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit entstand im Rahmen des Hauptseminars „Erziehungspsychologie: Psychologische Beratung, Intervention und Prävention“. Sie beschäftigt sich mit dem Thema Schulpsychologische Beratung. Dies ist ein sehr bedeutsames Thema im Schulalltag geworden. Innerhalb eines fünfwöchigen Praktikums, das der Verfasser absolvierte, konnte er in Gesprächen mit Lehrern – sowohl ältere als auch jüngere – feststellen, dass ein Bedarf an Beratung durchaus existiert. Dieser Bedarf ist nicht nur auf die Schüler zu übertragen, sondern auch und vor allem auf die Lehrenden. Diese führten oftmals an, dass sie ein großes Interesse an einer Beratung hätten, „die ihnen etwas bringt.“ Dies ist sicherlich nicht so zu verstehen, dass sie die Erwartung haben, dass ein Schulpsychologe alle Probleme lösen soll. Vielmehr ist gemeint, dass sie Strategien und Methoden der schulpsychologischen Beratung selbst erlernen möchten, um den Schülerinnen und Schülern bessere Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten bieten zu können.

Diese Berichte zeigen allerdings auch, dass es ein ausreichendes Angebot im Bundesland Sachsen-Anhalt nicht gibt.

Diese Arbeit wird sich deshalb intensiver mit dem Begriff der schulpsychologischen Beratung auseinandersetzen. Einerseits sollen Rahmenbedingungen für diese spezielle Form der Beratung untersucht werden. Dies wird zum einen durch einen historischen Abriss geschehen und zum anderen indem die aktuelle Situation in der Bundesrepublik Deutschland analysiert wird. In einem weiteren Schritt sollen die Aufgaben eines Schulpsychologen untersucht werden. Hierbei wird vor allem der Schwerpunkt der Unterstützung im Vordergrund stehen. Interessieren sollen im Weiteren auch die Erwartungen an den Schulpsychologen. Wie wird er von Lehrer, Schülern und auch Eltern gesehen und anerkannt? Was sind seine Aufgaben in den Augen dieser drei an Schule Beteiligten Gruppen?

In einem letzten Schritt stehen spezifische Methoden der schulpsychologischen Beratung im Vordergrund. Hierbei gibt es drei Möglichkeiten, die untersucht werden sollen. Einerseits die individuelle Beratung, zum zweiten die Gruppenberatung und zu letzt die institutionelle Beratung. Hierin soll jeweils hinterfragt werden, welche Methode sich in welcher Situation die größtmöglichen Erfolge bringt.

2. Begriffsbestimmung

Innerhalb der wissenschaftlichen Forschung besteht weitgehende Einigkeit darüber, was unter dem Begriff der schulpsychologischen Beratung zu verstehen ist. Nach Pitkowsky und Wild „…läßt sich schulpsychologische Beratung allgemein als ein systematischer Versuch beschreiben, mit Hilfe pädagogisch-psychologischer Theorien und Methoden schulische Entwicklungsprozesse und Probleme zu analysieren und Lösungswege zu suchen bzw. zu initiieren.“[1] Nach Hochstrasser ist Schulpsychologie die „…Bearbeitung von Fragen und Problemen, die für Menschen im Rahmen der schulischen Sozialisation entstehen.“[2] In diesem Sinne lässt sich der Beratungsprozess als ein Teil der Erziehungsaufgabe verstehen.[3] Weiterhin lassen sich anhand dieser Definitionen teilweise Adressaten und Ziele der schulpsychologischen Beratung ableiten. Die Schüler stellen den zentralen Adressaten dar. Schulpsychologische Arbeit solle dem Schüler zugute kommen.[4] Allerdings wäre es verkehrt, die Bemühungen der schulpsychologischen Arbeit nur auf den Schüler bzw. die Schülerin zu konzentrieren. „Adressaten der Beratung können einzelne Schüler, Eltern und Lehrer, Gruppen von Individuen sowie die Institution Schule sein.“[5] Hieran wird ein grundlegendes Verständnis der möglichen Ursachen von Schulproblemen deutlich, das nicht von Beginn an innerhalb der Schulpsychologie gegeben war.[6] Das Hauptaugenmerk bei der Erklärung schulischer Probleme wie Lernschwierigkeiten oder Verhaltensauffälligkeiten wird mehr und mehr im System gesucht, als allein beim Schüler. „Beratung in der Schule geht von der Überlegung aus, daß viele individuelle Störungen, Behinderungen etc., aber auch gestörte Abläufe in der Gruppe, im Klassenverband, oftmals in den Strukturen der Institution Schule selbst angelegt sind.“[7]

Innerhalb der Disziplin der Psychologie besitzt die Schulpsychologie „…nicht den Charakter einer eigenständigen psychologischen Teildisziplin.“[8] Dieser Sachverhalt zeigt sich vor allem daran, dass die Schulpsychologie auf mehrere andere psychologische Teilbereiche zurückgreift. Unter anderem sind dies die Entwicklungspsychologie, die Pädagogische Psychologie, die Diagnostik und die klinische Psychologie. Aber auch auf nicht-psychologische Disziplinen wird zurückgegriffen – bspw. die Soziologie.[9] Trotzdem kann der Eindruck gewonnen werden, dass die Schulpsychologie einen Teilbereich der Psychologie darstelle. Dies liegt nach Hochstrasser daran, dass „…Schulpsychologie vor allem im Rahmen von Institutionen – meistens den „Schulpsychologischen Diensten“ – praktiziert wird.“[10]

Die Ziele der Schulpsychologischen Beratung sind vor allem in der Unterstützung der „…Schulen durch psychologische Erkenntnisse und Methoden“[11] zu suchen. Wesentlich ist hierbei der Begriff der Unterstützung. Ein Schulpsychologe – bzw. generell jeder psychologische Berater – hat nicht die Aufgabe, fertige Lösungen vorzugeben. Vielmehr besteht das Ziel der Beratung darin, „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu geben. In diesem Sinne sind Ott und Köck zu verstehen, wenn sie fordern, dass der Schüler befähigt werden soll, „…seine Anlagen zu erkennen, seine Fähigkeiten zu nutzen und die vorhandenen Bildungsangebote seiner Begabung und seinen Vorstellungen entsprechend wahrzunehmen.“[12]

3. Historische Aspekte und Rahmenbedingungen der Schulpsychologie

3.1. Historische Entwicklung

Der Begriff der Schulpsychologie wurde bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch William Stern geprägt. Dies wird von Voigt als der Beginn, psychologische Kenntnisse in der Schule anzuwenden, bezeichnet.[13] Kurz danach wurde Hans Lämmermann der erste Schulpsychologe in Deutschland. 1922 trat er dieses Amt in Mannheim an. Er hatte die Aufgabe, „…die Entscheidungen der Behörde für Sonderbeschulung und beim Übergang ins Gymnasium zu unterstützen.“[14]

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Auf- und Ausbau des schulpsychologischen Dienstes in der Bundesrepublik Deutschland. Dies war begründet in der schlechten Situation nach der epochalen Katastrophe des 20. Jahrhunderts, in der es zu großer Verwahrlosung und zu sehr unregelmäßigen Schulbesuchen kam.[15] Bspw. wurde in Hamburg die Hilfe für kriegsverwahrloste Schulverweigerer eingerichtet, die genau diesem Phänomen entgegenwirken sollte. Ziele waren die Psychodiagnostik, psychotherapeutisches Handeln und Hilfe zur Verbesserung des Unterrichts, die Beeinflussung von Verhalten und der Umgang mit Konflikten.[16]

[...]


[1] Pitkowsky, Birgit / Wild, Elke: Schulpsychologische Beratung, in: Hofer, Manfred / Wild, Elke / Pitkowsky, Birgit (Hrsg.): Pädagogisch-psychologische Berufsfelder. Beratung zwischen Theorie und Praxis, Bern / Göttingen / Toronto / Seattle 1996, S. 87.

[2] Hochstrasser, Franz: Schulpsychologie, in: Grubitzsch, Siegfried / Rexilius, Günter (Hrsg.): Psychologische Grundbegriffe. Mensch und Gesellschaft in der Psychologie. Ein Handbuch, Reinbek 1990, S. 927.

[3] Vgl. Ott, Hanns / Köck, Peter: Schulberatung, in: Ott, Hanns / Köck, Peter (Hrsg.): Wörterbuch für Erziehung und Unterricht, Donauwörth 51994, S. 626.

[4] Vgl. Berg, Detlef: Schulpsychologie, in: Lexikon der Psychologie, S. 111.

[5] Pitkowsky, Birgit / Wild, Elke: Schulpsychologische Beratung, in: Hofer, Manfred / Wild, Elke / Pitkowsky, Birgit (Hrsg.): Pädagogisch-psychologische Berufsfelder. Beratung zwischen Theorie und Praxis, Bern / Göttingen / Toronto / Seattle 1996, S. 87.

[6] Weitere Informationen zur historischen Entwicklung werden im folgenden Kapitel gegeben.

[7] Hochstrasser, Franz: Schulpsychologie, in: Grubitzsch, Siegfried / Rexilius, Günter (Hrsg.): Psychologische Grundbegriffe. Mensch und Gesellschaft in der Psychologie. Ein Handbuch, Reinbek 1990, S. 927.

[8] Hochstrasser, Franz: Schulpsychologie, in: Grubitzsch, Siegfried / Rexilius, Günter (Hrsg.): Psychologische Grundbegriffe. Mensch und Gesellschaft in der Psychologie. Ein Handbuch, Reinbek 1990, S. 927.

[9] Vgl. Hochstrasser, Franz: Schulpsychologie, in: Grubitzsch, Siegfried / Rexilius, Günter (Hrsg.): Psychologische Grundbegriffe. Mensch und Gesellschaft in der Psychologie. Ein Handbuch, Reinbek 1990, S. 927.

[10] Hochstrasser, Franz: Schulpsychologie, in: Grubitzsch, Siegfried / Rexilius, Günter (Hrsg.): Psychologische Grundbegriffe. Mensch und Gesellschaft in der Psychologie. Ein Handbuch, Reinbek 1990, S. 927.

[11] Pitkowsky, Birgit / Wild, Elke: Schulpsychologische Beratung, in: Hofer, Manfred / Wild, Elke / Pitkowsky, Birgit (Hrsg.): Pädagogisch-psychologische Berufsfelder. Beratung zwischen Theorie und Praxis, Bern / Göttingen / Toronto / Seattle 1996, S. 87.

[12] Ott, Hanns / Köck, Peter: Schulberatung, in: Ott, Hanns / Köck, Peter (Hrsg.): Wörterbuch für Erziehung und Unterricht, Donauwörth 51994, S. 626.

[13] Vgl. Voigt, Erika: Beratung in der Schule – Perspektive der Schulpsychologie, in: Krause, Christina / Fittkau, Bernd / Fuhr, Reinhard / Thiel, Heinz-Ulrich (Hrsg.): Pädagogische Beratung. Grundlagen und Praxisanwendung, Paderborn / München / Wien / Zürich 2003, S. 157.

[14] Vgl. Voigt, Erika: Beratung in der Schule – Perspektive der Schulpsychologie, in: Krause, Christina / Fittkau, Bernd / Fuhr, Reinhard / Thiel, Heinz-Ulrich (Hrsg.): Pädagogische Beratung. Grundlagen und Praxisanwendung, Paderborn / München / Wien / Zürich 2003, S. 157.

[15] Vgl. Berg, Detlef: Schulpsychologie, in: Lexikon der Psychologie Bd. 4, Heidelberg 2001, S. 110.

[16] Vgl. Voigt, Erika: Beratung in der Schule – Perspektive der Schulpsychologie, in: Krause, Christina / Fittkau, Bernd / Fuhr, Reinhard / Thiel, Heinz-Ulrich (Hrsg.): Pädagogische Beratung. Grundlagen und Praxisanwendung, Paderborn / München / Wien / Zürich 2003, S. 158.

Details

Seiten
25
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638567220
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v63752
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Institut für Psychologie I
Note
1,7
Schlagworte
Schulpsychologische Beratung Erziehungspsychologie Psychologische Intervention Prävention

Autor

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Titel: Schulpsychologische Beratung