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Besonderheiten der Beschaffung über elektronische B2B-Marktplätze

Seminararbeit 2006 32 Seiten

BWL - Controlling

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Internet als Enabler zur elektronischen Beschaffung

2. Allgemeine Grundlagen der elektronischen Beschaffung
2.1 Definition und Begriffserklärung
2.2 Abgrenzung zum klassischen Beschaffungsprozess
2.3 Motivation der elektronischen Beschaffung
2.4 Identifikation geeigneter Beschaffungsgüter
2.5 Instrumente der elektronischen Beschaffung

3. Elektronische Marktplätze als Schnittstelle der Handelspartner
3.1 Definitionen und Begriffserklärungen
3.2 Elektronische Marktplätze nach Betreiberstruktur
3.3 Elektronische Marktplätze nach Brachenzugehörigkeit
3.4 Transaktionsmodelle
3.4.1 Online-Kataloge
3.4.2 Online-Auktionen
3.4.3 Online-Börsen

4. Kritische Erfolgsfaktoren auf Elektronischen Märkten
4.1 Kritische Masse
4.2 Sicherheit und Vertrauen
4.3 Lieferanten-Kunden-Beziehungen

5. Potentiale der Beschaffung über elektronische Marktplätze
5.1 Beschleunigung und Flexibilisierung der unternehmensübergreifenden Transaktionsprozesse
5.2 Senkung der Transaktionskosten
5.3 Schaffung neuer Einnahmequellen durch Integration von Zusatzdienstleistungen
5.4 Positive Netzwerkeffekte

6. Ein Ausblick in die Zukunft

Literaturverzeichnis

1. Internet als Enabler zur elektronischen Beschaffung

Durch das Internet, besteht für Unternehmen erstmals die Möglichkeit über dieses weltweit verfügbare Netz ihre Beschaffung elektronisch abzuwickeln. Die Unternehmen versprechen sich im Zuge der elektronischen Beschaffung eine Optimierung hinsichtlich Zeit und Kosten.

In dieser Arbeit werden die Grundlagen zur elektronischen Beschaffung gelegt, elektronische Marktplätze als Beschaffungsform erklärt und die Besonderheiten dieser Marktform erläutert.

2. Allgemeine Grundlagen der elektronischen Beschaffung

2.1 Definition und Begriffserklärung

Electronic Commerce bezeichnet die „Anbahnung und Abwicklung von Transaktionen sowie den Informationsaustausch auf Basis elektronischer Netzwerke über Organisationsgrenzen hinweg .[1] Hinsichtlich der wichtigsten Transaktionspartner unterscheidet man beim E-Commerce zwischen den Beziehungen des Unternehmens mit dem Endverbraucher (Business-to-Consumer bzw. B2C) und zwischen den Unternehmen (Business-to-Business bzw. B2B).[2]

B2B unterscheidet sich vom B2C dadurch, dass die Datenübertragung oft schneller abläuft, da die Unternehmen meist über bessere Ausstattungen verfügen als die Endverbraucher. Beim B2B steht weniger die individuelle Kaufentscheidung eines Einzelnen im Vordergrund, sondern die optimale Abwicklung der Geschäftsprozesse zwischen den beiden Unternehmen. Außerdem werden bei E-Commerce Geschäften zwischen Unternehmen höhere Transaktionswerte bewegt und die Geschäftsbeziehungen sind dauerhafter.[3]

Generell bildet die Beschaffung eine Schnittstelle zwischen externer und interner Umwelt, da sie die Integration des Beschaffungsmarktes in die Unternehmensprozesse erfordert. Die Unterstützung dieses Integrationsprozesses mit Hilfe von Informationstechnologie wird als elektronische Beschaffung bezeichnet, wodurch diese ein Teilbereich des B2B E-Commerce darstellt.

2.2 Abgrenzung zum klassischen Beschaffungsprozess

Folgend sind ein klassischer und ein elektronischer Beschaffungsprozess in stark vereinfachter Form dargestellt (Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Der klassische Beschaffungsprozess[4]

Die großen Probleme sind die Mehrfacherfassung von Daten, ungenügende prozessumfassende IT-Infrastrukur und nicht bereichsübergreifende Softwarelösungen.

Zum Vergleich kann nun der optimierte Beschaffungsprozess bei der elektronischen Beschaffung in Abbildung 2 betrachtet werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Form eines elektronischen Beschaffungsprozesses[5]

Der Prozess der elektronischen Beschaffung wird durch Systemeinsatz transparenter und damit auch effizienter.

2.3 Motivation der elektronischen Beschaffung

Die Veränderung des Umfeldes, wie z.B. die Reduktion der Produktlebenszyklen, der kontinuierliche Technologiewechsel oder die Komplexitätssteigerung der Endprodukte, haben die Unternehmen gezwungen, Rationalisierungspotentiale auszuschöpfen.[6] Gerade in der elektronischen Beschaffung liegen noch erhebliche Erfolgspotentiale, die in vielen Unternehmen ungenutzt sind und als Wettbewerbsvorteile genutzt werden könnten.[7]

Einsparpotentiale der elektronischen Beschaffung werden hauptsächlich durch Prozessoptimierungen erhofft. Bei der elektronischen Beschaffung erfolgt die Verbesserung des Prozesses insbesondere durch De- zentralisierung und elektronisch unterstützte Standardisierung des Beschaffungsprozesses. Dadurch entfallen ineffiziente Prozesse, wie aufwändige, oftmals papierbasierte Genehmigungsverfahren. Neben der Reduktion von Einkaufs- und Transaktionskosten (siehe Kap. 5.2) werden dabei auch eine Beschleunigung des Einkaufprozesses und eine Verringerung der Fehlbestellungen angestrebt.[8] General Electric konnte beispielsweise mit der Einführung der elektronischen Beschaffung die Bearbeitungszeiten von sieben Tagen auf einen Tag verkürzen.[9]

2.4 Identifikation geeigneter Beschaffungsgüter

Sowohl beim Absatz als auch bei der Beschaffung gilt, dass einige Produkte sich besser für internetgestützte Transaktionen eignen als andere. Die Eignung steigt tendenziell, je geringer die Komplexität, je höher der Standardisierungsgrad und je besser die Normierung ist.[10] Es stellt sich nun die Frage, welche Produktarten für die elektronische Beschaffung geeignet sind.

Ein Instrument zur Bestimmung geeigneter Beschaffungsobjekte stellt die ABC-Analyse dar. Entsprechend der Bestellmenge und des Bestellwertes erfolgt eine Einteilung in A-, B- und C-Güter. In der C-Kategorie befinden sich diejenigen Kaufteile, die einen sehr hohen mengenmäßigen, aber einen sehr geringen wertmäßigen Anteil am Gesamtvolumen besitzen. Besonders C-Artikel eignen sich für die elektronische Beschaffung, da die Prozesskosten ihrer Beschaffung ihren Bestellwert um ein Vielfaches übersteigen.[11] Dies können z.B. Massenartikel, wie Schrauben sein, die einen großen Standardisierungsgrad aufweisen.

Aus informationsökonomischer Sicht können Güter nach Such- und Vertrauenseigenschaften eingeteilt werden.[12] Ist eine Beurteilung der Qualität vor dem Kauf gegeben, dann besitzen die Güter einen hohen Anteil an Sucheigenschaften. Diese Güter sind für die elektronische Beschaffung geeignet, da sich Beschaffungsunsicherheiten durch Leistungsbeurteilung vor dem Kauf hinreichend reduzieren lassen. Tendenziell zielt auch die informationsökonomische Perspektive auf C-Güter als Objekte der elektronischen Beschaffung ab.

Eine weitere Differenzierung kann man in direkte und indirekte Güter erfolgen. Objekte, die zu Produktionszwecken genutzt und im Rahmen der Weiterverarbeitung in das Endprodukt einfließen, werden als direkte Güter bezeichnet. Beispiele hierfür sind Halb- und Fertigprodukte. Indirekte Güter dienen der Aufrechterhaltung des Betriebes und werden nicht verarbeitet. Sie werden auch als MRO-Güter[13] bezeichnet. Darunter fallen Büromaterialien oder Ersatzteile. Das Ziel der elektronischen Beschaffung indirekter Güter ist die Senkung der internen Prozesskosten. Zur Beschaffung über elektronische Marktplätze sind MRO-Güter besonders geeignet.[14]

Dieser Einteilung geeigneter Produktgruppen sollten Unternehmen jedoch nicht blind folgen, da sonst innovative Formen der elektronischen Beschaffung in anderen Güterkategorien erst gar nicht erwogen werden.

2.5 Instrumente der elektronischen Beschaffung

Die elektronische Beschaffung kann mit mehreren Instrumenten realisiert werden, deren Einsatzgebiet kurz skizziert wird.

Über Direct Purchasing Systeme (DPS) können Mitarbeiter mit Hilfe eines elektronischen Produktkatalogs ihre eigenen Bedarfe bestellen, so lange ein bestimmter Warenwert nicht überschritten wird.[15] Geliefert wird direkt an den Bedarfsträger, der den Wareneingang quittiert und die Zahlungsabwicklung auslöst. Typische Anwendungsgüter sind Büromaterialien oder Industriekleinteile.

Ein weiteres Instrument stellt Electronic Data Interchange (EDI) dar. Darunter versteht man den Austausch strukturierter Daten zwischen Anwendungsprogrammen entfernter Kommunikationspartner. Es besteht die Möglichkeit der automatisch ausgelösten Bestellung bei Unterschreitung einer festgelegten Mindestmenge. Da die Implementierung solcher Systeme aufwendig ist lohnt es sich meist nur bei Material für die laufende Fertigung mit hohem Wert.[16]

Beide Instrumente haben als Gemeinsamkeit, dass sie von einem Anbieter oder einem Unternehmen organisiert werden.

Ein weiteres Instrument der elektronischen Beschaffung ist der elektronische Marktplatz. Hier können eine beliebige Zahl Käufer und Verkäufer aufeinander treffen, die Waren und Dienstleistungen handeln und Informationen tauschen. Die einzelnen Formen elektronischer Markplatztypen werden im nächsten Kapitel beleuchtet.

3. Elektronische Marktplätze als Schnittstelle der Handelspartner

3.1 Definitionen und Begriffserklärungen

Historisch gesehen sind Märkte „Orte, auf denen sich autonome Wirt­schaftssubjekte zum Informationsaustausch, zum Abschluss von Verein­barungen und zur Durchführung von Gütertransaktionen treffen“[17]

Aus volkswirtschaftlicher Sicht versteht man hingegen unter einem Markt einen „Ort des Tausches von Gütern, Dienstleistungen oder andere Wirt­schaftlichen Werten.“[18] Marktplätze sind nach diesen Definitionen also Ort und Zeit gebundene Plätze, an denen einer begrenzten Anzahl von Teilnehmern die Möglichkeit zur Kommunikation und dem daraus resultierenden Handel gegeben wird.

Somit sind Elektronische Marktplätze i.w.S, „informationstechnische Sys­teme zur Unterstützung aller oder einzelner Phasen und Funktionen marktmäßig organisierter Leistungskoordination“.[19]

Im Rahmen dieser Arbeit verwenden wir allerdings elektronische Marktplätze in einem enger gefassten Kontext. So definiert Dingeldein elektronische B2B-Marktplätze als ein „interorganisationales Informationssystem, auf dem Informationen zwischen Unternehmen ge­tauscht und Transaktionen abgewickelt werden und das von einem Platt­formbetreiber organisiert wird.“[20]

[...]


[1] Dingeldein [Systematik] 10.

[2] Weitere Bezugsgruppen können Consumer-to-Consumer (C2C) oder Business-to-Government (B2G) sein auf die nicht weiter eingegangen wird.

[3] Vgl. Schneider/Schnetkamp [E-Markets] 19.

[4] Vgl. Nenninger/Lawrenz [E-Markets] 9.

[5] Vgl. Nenninger/Lawrenz [E-Markets] 10.

[6] Vgl. Koppelmann [Beschaffung] 8.

[7] Vgl. Weiber [Potentiale] 55.

[8] Vgl. Ball/Hudetz [Vgl. Beschaffung] 10.

[9] Vgl. Brenner/Zarnekow [E-Procurement] 491.

[10] Vgl. Hudetz [Marktplätze] 78.

[11] Vgl. Bogaschewsky [E-Procurement] 15.

[12] Vgl. Weiber/Meyer/Holger [Electronic Procurement] 1658.

[13] Güter aus den Bereichen Instandhaltung (Maintenance), Reparatur (Repair) und operatives Geschäft (Operation)

[14] Vgl. Ball/Hudetz [Beschaffung] 3.

[15] Vgl. Brenner/Zarnekow [E-Procurement] 493.

[16] Vgl. Göthich [E-Procurement] 56.

[17] Voigt [Elektronische Marktplätze]

[18] Glastetter/Müller/Mändle/Rettig [Volkswirtschaft] 800.

[19] Schmid [Elektronische Märkte] 465f.

[20] Dingeldein [Systematik] 28.

Details

Seiten
32
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638566360
Dateigröße
600 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v63632
Institution / Hochschule
Universität Hohenheim
Note
2,0
Schlagworte
Besonderheiten Beschaffung B2B-Marktplätze

Autor

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